Donnerstag, 27. August 2009

Slow-Food-Ausflug: Zum Wilhelmstein in Bochum-Stiepel




Die Stiepeler Dorfkirche konnte im letzten Jahr ihr 1000jähriges Bestehen feiern. Im frühen Mittelalter errichtete Gräfin Imma auf einem Hof im Ruhrtal eine Saalkirche, die im 12. Jahrhundert durch eine romanische Basilika ersetzt wurde. Im 15. Jahrhundert wurde sie in die noch heute existierende Hallenkirche umgebaut. Die Wandmalereien im Innern sind fast 800 Jahre alt.
Am Eingang des romantischen Kirchhofs befindet sich die Gaststätte „Zum Wilhelmstein“. Seitdem hier Chrisopher Schlechter kocht, weht in dem nicht minder romantischen Natursteinbau ein kulinarisch abwechslungsreicher Wind. Gutbürgerliche Küche mit Cross-Over-Einschlag wird hier angeboten. Am 26.8.2009 trafen sich hier fünfzehn Slow-Food-Mitglieder zu einer geselligen Tafelrunde. Der Küchenchef hatte ihnen ein kleines, spätsommerliches Menü zubereitet, das man gut und gerne der Neuen Ruhrgebietsküche zuordnen konnte. Klassische Produkte der regionalen Küche wurden mit leicht türkischem Einschlag zubereitet.
Nach dem Amuse bouche, getrüffelte Kartoffelcremesuppe mit Kartoffeln aus biologischem Anbau, gab es als Vorspeise gebackene Blutwurst-Zigarillos auf rotem Mangoldsalat mit Balsamico-Birnen-Vinaigrette, der der „Sigar“ ähnelte, die man aus türkischen Imbissen kennt. Doch waren sie nicht mit Frischkäse gefüllt, sondern eben mit Blutwurst. Die Slowfoodies konnten prima damit leben, dass es sich nicht um westfälische oder rheinische Blutwurst handelte, sondern um solche vom Iberico-Schwein. Die Qualität sprach für sich.
Als Hauptgang gab es gebratene Filets von der Sauerländer Bachforelle auf Perlzwiebel–Graupenrisotto mit leichter Senfsauce. Die dunklen Perlzwiebeln konnte man fast für Datteln halten, so dass der Graupen-Risotto als ein abgewandelter türkischer Pillaw durchgehen konnte. Türkisch mutete auch die eindeutige Süße an, die die herausragende Geschmacksnuance bildete. Ein wenig mehr Säure hätte diese Eindimensionalität pikant konterkarieren können. Auch die Forellenfilets hätten ein wenig krosser sein und so von der Textur her einen größeren Kontrast zum cremigen Risotto bilden können. Dennoch handelte es sich bei dem Gericht um eine gelungene Kreation.
Unkonventionell waren die Weinvorschläge des Hauses. Zur Blutwurst der Vorspeise wurde ein sizilianischer Weißwein aus der autochthonen Rebsorte Grillo angeboten, zur Forelle des Hauptgangs ein roter Bordeaux, ein 2007er Chateau Penin.

Kommentare:

  1. Auch mir hat das Menü gut geschmeckt, dennoch stört es mich, dies als typisch Ruhrgebiet durchgehen zu lassen. Es ist der übliche Etikettenschwindel, der ja leider heute in der Werbung häufig an zu treffen ist.

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  2. Von "typisch Ruhrgebietsküche" habe ich nichts geschrieben, sondern von "Neuer Ruhrgebietsküche". Alles fließt, wussten schon die alten Griechen, auch die Ruhr...

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