
Als Hochzeitsparadies und mit dem neuen Namen „
Post’s Lottental“ (nach dem Betreiber Marcus Post) präsentiert sich seit Mitte September das altehrwürdige Restaurant im idyllischen Lottental hinter Ruhr-Uni, und in der Tat ist die neue Ausstattung des Haues chic und stylish. Bei der Größe und dem Zuschnitt der Räume ist es überzeugend, sich als ideale Location für Familienfeiern zu präsentieren.
Als ich vorgestern Mittag gegen zwei Uhr da war, fand ich das Restaurant sehr gut besucht – allerdings nicht mit der jungen Kundschaft, die mit dem neuen Mobiliar angesprochen werden soll, sondern mit zahlreichen Stiepel-People im Ruhestand, die über die nötige Tagesfreizeit verfügen. Mich hatte eine kritische Besprechung im Internet ins Haus gezogen mal gucken, ob da was dran war.
Die Speisekarte fand ich soweit ganz nett, ein typische durchmediteranisierte neudeutsche Küche für die Generation Reiselust. Pesto, Ravioli und Risotto, ergänzt durch eine Spur Asiatisches aus dem Wok, signaliserten „lecker“. Am orignellsten fand ich den lauwarmen „Stiepeler Kartoffelsalat“ zum Wiener Schnitzel. Wo sollte es den sonst geben, wenn nicht hier?
Doch der Reihe nach: Die Aioli und Rouille, die als Aufstrich zum Baguette vorab serviert wurden (1), schmeckten schwer nach gängiger Mayonnaise. Die Kartoffelsteinpilzcrème (2) mit Majorancroutons (5,90 Euro) sah in einer Schale, die an seltsame Kopfbedeckungen von Beamten am chinesischen oder japanischen Kaiserhof erinnerte, prima aus, schmeckte passabel nach den beiden Ingredienzien, war für eine Crème aber recht dünn.
Vom „Original Wiener Schnitzel“ (3), korrekt mit Zitrone und Sardelle samt Kaper serviert, war ich dann aber wirklich enttäuscht. Sicher, Kalbfleisch ist teuer, und so war der Preis von 17,90 Euro sicherlich richtig kalkuliert. Aber dann sollte man es auch dünn genug klopfen. Zudem war es nicht gleichmäßig gebraten, an den Rändern zu dunkel und pulvertrocken, die Panade in der Mitte zu fettig und weich.
Ebenfalls enttäuschte mich der „Stiepeler Kartoffelsalat“ aus Kartoffeln und Gurken. Als ich die Bedienung fragte, was daran typisch für Stiepel sei, konnte sie mir keine Antwort geben. Ich hoffe, es waren nicht die nicht weich genug gekochten Kartoffeln und die bittere Vinaigrette.