Freitag, 1. Januar 2010

Frugales Sylvestermahl: Spaghetti alle cozze




Der Genießer wünscht allen Lesern ein frohes neues Jahr!

Zu Weihnachten bekam der Genießer das Kochbuch „Bei den Brunettis zu Gast – Rezepte von Roberta Pianaro und kulinarische Geschichten von Donna Leon“ geschenkt. Er mag die Kriminalromane der amerikanischen Autorin um den venezianischen Commissario Brunetti sehr, und auch die Fernsehverfilmungen mit Uwe Kokisch seht er sich gern an. In den ersten Folgen spielte übrigens der aus Herne stammende Schauspieler Joachim Król die Rolle.
Die Brunetti-Romane sind ein ideales Stück Traumfabrik für deutsche Genussleser. Donna Leon verbindet geschickt eine fortschrittliche politische Haltung mit einem heimelig wertkonservativen Familienbild. Die Kulisse von Venedig tut dann ihr Übriges und versinnbildlicht die Angst vor dem nahen Untergang mit der Melancholie der ewigen Schönheit. Der Genießer philosophiert gern über das Alter von Brunettis Kindern. Seit fast zwanzig Jahren erscheinen nun die Romane, aber sie sind immer noch 16 oder 18 Jahre alt. Dabei müsste Brunettis Tochter schon Anfang 30 sein und bei ihrer Sozialisierung den Commissario längst zum Opa gemacht haben.
Bei einem italienischen Schauplatz muss es natürlich auch ums Essen gehen. Die gemeinsamen Mahlzeiten in der Familie sind in doppelter Hinsicht retardierende Elemente in der Handlung. Bieten sie dem Leser die Ruhepausen in der Krimihandlung, dienen sie jedoch gleichzeitig der psychologischen und sozialen Darstellung von Brunettis Charakter. Die dem Kochbuch beigefügten entsprechenden Ausschnitte aus den Romanen zeigen deutlich, dass Donna Leon bei den Mahlzeitschilderungen immer sehr präzise Stichworte gibt, die die Phantasie des Lesers zwar beflügeln, seinen Appetit aber nie richtig befriedigen. Das tun nun die Rezepte als eine Art Spin-off der Romane.
Die Köchin Roberta Pianaro hat die in den Romanen genannten traditionellen venezianischen Gerichte (und einige mehr) so aufbereitet, dass sie auch von einer berufstätigen Frau wie Brunettis Gattin Paola zubereitet werden können. Dabei kam ihr zu entgegen, dass italienische Gerichte in der Regel unkompliziert sind und in erster Linie auf die Qualität der Produkte bauen. Als frugales Sylvestermahl bereitete der Genießer „Spaghetti alle cozze“ zu, Spaghetti mir Miesmuscheln. Dabei brachte er die frischen Muscheln bei großer Hitze ohne weitere Zutaten in einer Pfanne zum Öffnen, löste das Fleisch aus den Schalen und hielt den dabei entstandenen Sud zurück. Dann kochte er eine Dose geschälte Tomaten mit etwas Knoblauch und dem Sud kräftig ein, wärmte darin das Muschelfleisch auf und ließ in dieser Sauce kurz die al dente gekochten Spaghetti ziehen. Auf dem Teller streute er noch gehackte Petersilie und viel im Mörser zerstoßenen Pfeffer darüber. Als Beilage gab‘s dazu einen (selbst erfunden) Rucolasalat mit blanchierten grünen Böhnchen und angebratenen Champignons. Als Wein passte prima dazu ein 2005 Saar Riesling vom Weingut „Van Volxem“.

Kommentare:

  1. Wenn Du das Buch durchgekocht hast, können wir vielleicht mal tauschen. Eins meiner Weihnachtskochbücher ist das von Martina Meuth und B.N.D. mit den Rezepten von Andrea Camilleri bzw. Commissario Montalbano. Ist auch sehr empfehlenswert.

    AntwortenLöschen
  2. Frugal? Genial! Die einfachsten Gerichte sind immer noch die besten...

    AntwortenLöschen
  3. Spaghetti alle Cozze gab es früher bei uns auch immer mal wieder zu Essen. Ich persönlich konnte damit damals nicht so viel anfangen, aber heute bin ich hin und weg davon.

    AntwortenLöschen