Mittwoch, 30. Juni 2010

Veranstaltungen im Juli



Weitere Veranstaltungen finden Sie in der Info-Spalte rechts.

bis 10.7.2010
Köchegruppe "ReVier"
Das regionale Genießen im Sommer
Dortmund, La cuisine Mario Kalweit
Info und Anmeldung hier

bis 15.7.2010
Köchegruppe "ReVier"
Die neue Ruhrgebietsküche im Sommer
Sprockhövel, Hotel & Restaurant Eggers

1.7.- 31.7.2010
Köchegruppe "ReVier"
Mein Sommer-Menü
Waltrop, Gasthaus Stromberg
Info und Anmeldung hier

2.7.2010
Top Winzer aus Deutschland
Weinprobe mit Weinen von Philipp Kuhn und von Racknitz
Herne, Weinrestaurant Julis, 17 Uhr
Anmeldung hier

2.7.2010
Wine-Tasting-BBQ in den Turmterrassen
Dortmund, Turmterrassen
Anmeldung hier

3.7.2010
Slow Food Mittleres Ruhrgebiet
Besichtigung des Bio-Großhändlers Weiling
Coesfeld, 10.30 Uhr
Anmeldung hier

4.7.2010
Köchegruppe "ReVier"
Gemeinsames Sommer-Menü
Dortmund, Restaurant "La Cuisine Mario Kalweit"
Infos und Anmeldung hier













11.7.2010
Slow Food Mittleres Ruhrgebiet
Matinee
Alles um den Caffè
Bochum, Academy der G-Data GmbH, 11 Uhr
Anmeldung hier

12.7.2010
Slow Food Essen
Schneckentisch
mit Menü
Essen, Gastronomia Officina, 19.30
Anmeldung und Info unter mweniger@t-online.de

14.7. - 17.7.2010
25 Jahre
Dortmund à la carte
Hansaplatz, Dortmund

17.7.2010
Köchegruppe "ReVier"
Heimat und Genuss im Sommer II
Das regionale Julius-Sommermenü
Herne, Weinrestaurant Julius
Anmeldung hier



18.7.2010
Probe mit dem Weindeuter auf der Wortschatzbühne von
Bochum Total
Bochum, Innenstadt, 17 Uhr

22. - 25.7.2010
Kulinarischer Treff
Mülheim, Innenstadt

24.7.2010
Abend mit Reinhard Löwenstein
Menü und Lesung mit dem Winzer von der Mosel
Herne, Weinrestaurant Julius
Anmeldung hier

31.7.2010
Slow Food Mittleres Ruhrgebiet
Besuch des Arbeitergartens im LWL Museum Zeche Zollern
Dortmund-Bövinghausen, 17 Uhr
Anmeldung hier













31.7.2010
Anweisungen aus der Vergangenheit II
Essen an der Ruhr. Der Geschmack der Region
Vortrag mit Speisefolge von Arpad Dobriban
Ergebnisse des künstlerischen Rechercheprojektes "Essen an der Ruhr" werden im Rahmen der Ausstellung
"Zu[m] Tisch!" präsentiert.
Oberhausen, Ludwig Galerie Schloss Oberhausen
Infos und Anmeldung hier

31.7.2010
Krimidinner
Bochum, Gastronomie im Stadtpark


Weitere Veranstaltungen finden Sie in der Info-Spalte rechts.

Dienstag, 29. Juni 2010

RUHR.2010: Nachricht von Arpad Dobriban



Heute erreichte den Genießer eine Antwort des Künstlers Arpad Dobriban auf den Blog-Beitrag „RUHR.2010: Anweisungen aus der Vergangenheit“. Mit Unterstützung der Fakultät für Kulturreflexion der Universität Witten/Herdecke (mit im Bild der Philosophie-Prof. Dr. Matthias Kettner, rechts) hatte Dobriban ein Menü mit alten Gerichten aus den Kulturhauptstädten Pécs und Ruhrgebiet organisert.

hallo herr krauskopf,
herzlichen dank für ihren beitrag.
nicht nur, dass ich ihre kritischen bemerkungen verzeihe, sie SIND die wesentlichen fragen des abends.
ich würde ihre fragen aus meiner warte natürlich so beantworten: wie authentisch die gerichte waren, ist keine frage des rätselns oder die frage einer vorhandenen oder nichtvorhandenen referenz, sondern sie sind bei den menschen nachprüfbar, von denen die "anweisungen" stammen. die können sie als referenz nehmen und brauchen sich nicht auf Ihren eigenen "horizont" :-))) beziehen, sondern können in diesem fall auf festem boden neuland betreten.
und wie gesagt: mit geschmack der region ist für mich nicht etwas von jemanden abstrahiertes, verklärtes gemeint, sondern wie immer sind die menschen gemeint, die hier leben und deren tägliches, gelebtes leben im bezug auf geschmack. das fällt weniger berechenbar aus, als man es gerne hätte.
in diesem fall ging es allerdings um 2 kulturhauptstädte: nämlich auch um PÉCS2010. aus dieser region seien die verschiedensten volksgruppen als rezeptgebende quellen genannt: ungarn, sog. schwaben, armenier aus siebenbürgen, kroaten usw. von ihnen stammten die gerichte, die als ungarisch bezeichnet wurden. die sähen das natürlich auch etwas anders.

mit herzlichen grüßen
ihr arpad dobriban

Auf dem Balkon: Resteessen




Was war das gestern für ein wunderbarer Abend. Bis weit nach 22 Uhr tauchte die untergehende Sonne den Balkon des Genießers in ein samtwiches Licht, und so kam er auf die die Idee, diese Urlaubsstimmung mit einem Resteessen zu feiern. Inspiriert durch die Posts des Weindeuters, öffnete er eine Flasche Rosé aus den Rebsorten Syrah und Grénache der Domaine de Mas Bécha aus dem Roussillon, die er vor zwei Wochen zum Schnäppchenpreis von etwa 5 Euro bei Karstadt erstanden hatte – genau die richtige, fruchtig-herbe, im Rachen etwas schiefrige Erfrischung für den lauen Sommerabend. Dazu wärmte er sich den Rest der Fischsuppe von neulich auf. Durchs Einfrieren hatten zwar der Knoblauch und der Safran ihr Aroma verloren, doch das konnte zum Teil ausgeglichen werden. Safran war leider alle, aber eine ausgepresste kleine Knoblauchzehe und etwas thailändische Fischsauce glichen den Aromaverlust aus. Für die Einlage hatte der Genießer nur noch ein Döschen Thunfisch in Bio-Olivenöl im Haus. Etwas unorthodox, aber durchaus schmackhaft. Der südfranzösische Abend auf dem Balkon war perfekt.

Montag, 28. Juni 2010

RUHR.2010: Anweisungen aus der Vergangenheit



Arpad Dobriban serviert "Huddel mit Birnen"

Es war ein Event, wie ihn die Kulturhauptstadt auch hervorbringen kann. Jenseits aller Gigantomanie, unter einem hochsommerlichen romantischen Sternenhimmel, auf dem Parkplatz am Rhein-Ruhr-Zentrum, hatte der der Düsseldorfer Künstler Arpad Dobriban letzten Samstag im Rahmen des RUHR.2010-Projektes „Die Schönheit der großen Straße“ zu einer ersten langen Tafel eingeladen.

Deftiges aus Schüsseln und Töpfen

Deftige Speisen wurden in großen Schüsseln und Töpfen aufgetragen, und alle konnten kräftig zulangen – essen als Gemeinschaftserlebnis. Dabei berichtete Arpad Dobriban über die Recherchen für sein Projekt mit dem vieldeutigen Titel „Essen an der Ruhr“. Mit Studenten der Universität Witten Herdecke hatte Künstler ältere Menschen im Ruhrgebiet über die Gerichte interviewt, die früher in ihrer Familie gekocht war. Ziel der Aktion war es, mit Hilfe dieser „Anweisungen aus der Vergangenheit“ den Geschmack der Region zu dokumentieren. Parallel zur Umfrage im Ruhrgebiet recherchierte der gebürtige Ungar auch in seiner Geburtsstadt Pécs, die ebenfalls in diesem Jahr Kulturhauptstadt Europas ist. Und so bekamen die ca. 50 Gäste ein ganz eigenartiges Menü serviert, nostalgische Hausmannskost meist aus Ungarn.

Chic inszeniert: Lange Tafel auf dem Parkplatz

Ob dem Ziel, den authentischen Geschmack einer Region oder einer vergangenen Zeit ausgerechnet bei einem künstlerischen Event auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums an der A 40 zu finden, möchte der Genießer bezweifeln. Zu unauthentisch empfand er diese Inszenierung eines gemeinsames Mahles wie aus dem Sehnsuchtsbilderbuch einer sich selbst entfremdeten Gesellschaft; zudem fehlte die Referenz, mit der man den Geschmack der servierten Speisen hätte vergleichen können. Möglicherweise hat es früher so geschmeckt, vielleicht aber auch ganz anders.

Authentische Fertigsuppe: Hurut-Kegel

Das heißt nicht, dass der Abend nicht ungeheuer unterhaltsam, spannend und reich an Überraschungen gewesen wäre. Denn das Menü war einzigartig, besonders wegen der vielen ungarischen Bezüge. Zum Einstig nach „Boltens Landbier“, Schinken und Salzgurken gab es als Grundlagen erst einmal einen Schnaps aus den Früchten des Speierling-Baumes. Weil die „Gestummten Klees mit Quittenkompott“, ein Gericht der Banater Schwaben aus gemehlten und frittierten Kartoffelklößen, den Kroketten nicht unähnlich, noch nicht fertig waren, wurde „Angads kabur“ vorgezogen. Diese Suppe mit gefüllten Nudeln als Einlage war aus einem selbstgefertigten, getrockneten kegelförmigen Konzentrat aus Kräutern und Sauermilch namens „Hurut“ hergestellt, das einst von armenischen Einwanderern nach Siebenbürgen gebracht wurde.

Menü

Das „Gefüllte Kraut“, bei dem Kraut und Füllung durch lange Garzeiten geschmacklich angeglichen wurden, war ebenfalls ein traditionelles ungarisches Gericht. Als Ruhrgebietsreminiszenz folgte als Zwischengericht Mangold mit Zitrone gesäuert, das seinen italienischen Ursprung nicht verleugnen konnte.

Höhepunkt waren dann die „Huddel mit Birnen“, riesige Hefeklöße, die Zusammen mit Speck und Birnen in einem Topf langsam gegart worden waren. Den Nachtisch bildeten mit Pflaumenmus gefüllte Buchteln nach einem Rezept einer Frau aus Dorsten.

Wein vom Direktträger

Beachtenswert waren auch die Weine. Neben dem weißen „Somogyi Pécsi Cirfandli 1997“ und dem roten „Remet-bor Szekszárdi Kardaka 2007“, die die aktuelle Weinproduktion in Ungarn demonstrierten, war eine Hauswein aus dem Jahr 2009 eine Entdeckung. Er war aus Trauben eines Direktträgers gekeltert, einer Rebsorte, die in der Regel nur als reblausresistente Basis für das Aufpropfen von sogenannten Edelsorten genutzt wird. Der Genießer entdeckte darin einen starken Duft nach Weihrauch.

"Authentisches" aus der ambulanten Küche

Klein, aber fein: Spitzenevent von RUHR.2010

Einen weiteren Bericht über die Veranstaltung finden Sie hier.

Einen Kommentar von Arpad Dobriban finden Sie hier.

Sonntag, 27. Juni 2010

Gestern bei Mama: Nudeln mit Paprika-Wurstbrät-Sugo



Gestern habe ich für Mama eine schnell improvisierte Variante von den allseits beliebten Gefüllten Paprika gemacht. Statt die Schoten zu füllen, habe ich sie in kleine Würfel geschnitten, mit Zwiebel, Knoblauch und etwas Chili angeschmort und dann mit einer Dose San Marzano-Tomaten, einem Schuss Weißwein und Kräutern weich gedünstet. In einer zweiten Pfanne habe ich das Brät von frischen Brat- und Kohlwürsten angebraten, dann in etwas Weißwein weiter geschmort und schließlich zum fertig Garen zum Gemüse getan. Am Schluss wurde alles mit Pfeffer, Salz und gutem Olivenöl abgeschmeckt. Das war zusammen mit Spiral-Nudeln und einem grünen Salat ein wunderbar leichtes Essen für den heißen Sommertag.

Kohlwürste sind eigentlich als Beilage zu Kohl-Gerichten gedacht. Aber sie hatten auf dem Bochumer Wochenmarkt am Hauptbahnhof nicht mehr genug normale Bratwürste – Einkaufspech in der Großstadt. Dafür lachte mich eine Erdbeertorte am Welpino-Stand der Bäckerei Welp an. Davon gab es dann zum Nachtisch.

Samstag, 26. Juni 2010

Auf dem Balkon: Endlich wieder Spaghetti mit Sardinen




O Mann, nach dem vielen Auswärts-Essen auf Gourmetmeilen und anderswo konnte der Genießer gestern Abend endlich wieder einmal gemütlich auf dem heimischen Balkon essen. Auch das Wetter war ausnahmsweise danach. Also machte der sich aus schwarzen Spaghetti und einigen hellen die bewährten Spaghetti alla putanesca mit Ölsardinen, eine herb-süße Reminiszenz an den Süden Italiens. Dazu gab es ausnahmsweise keinen Salice Salentino, sondern einen Spanier. Neulich beim Testen der „El Puño“-Weine aus Calatayud, die von Pompaelo vertreten werden, war ihm aufgefallen, dass er auch noch ein paar Flaschen aus der dieser Region im Keller hat. Also kramte er einen 2003 Baltasar Garnacha hervor, der einfach super im Glas stand und ein genauso hervorragender Begleiter der würzigen Pasta war wie der Wein aus Süditalien.

Freitag, 25. Juni 2010

Der Traum vom Weinmachen: Pompaelo



Björn Steinemann präsentiert seine Weine

Wer hat diesen Traum noch nicht geträumt: Der Hektik des grauen „Schland“ zu entfliehen, sich einen kleinen Weinberg zuzulegen, darin in der frischen Luft etwas körperlich arbeiten und nach Feierabend mit dem Gläschen Selbstgekeltertem in der Hand den in der untergehenden Sonne baumelnden Trauben beim Reifen zuzusehen…

Einen Schuss Romantik hat die Geschichte des kleinen, aber feinen Weinlabels „Pompaelo“ aus der spanischen Weinregion Navarra auch, denn es waren drei Freunde, die sich dafür zusammen getan haben, um ihrer Leidenschaft für Wein Gestalt zu geben. Doch nicht die gemütliche Winzeridylle war es, aus der heraus sie diesen Traum realisierten, sondern ihre knallharte Kenntnis des Weinbusiness. Alle drei haben da ihre Erfahrungen gemacht. Alberto Flamarique und Cristian Munafó sind verantwortlich für Produktion und kommerzielle Administration, Björn Steinemann aus Düsseldorf für Vertrieb & Kommunikation in Europa. Einen eigenen Weinberg brauchen sie dazu nicht - die Verbundenheit zur eigenen Scholle ist durch die Rentablität der Billigflieger von Düsseldorf nach Pamplona ersetzt. „Pompaelo“ kauft bei den Weinbauern in Navarra ausgesuchte Trauben, die dann im Keller einer befreundeten Bodega vinifiziert und ausgebaut werden. „Unsere Produktphilosophie ist rein marktorientiert“, kann man im Prospekt lesen. „Permanente Kundenfeedbacks sind unserer Herausforderung in Sachen Qualität, Stil und Image.“

Thilo Marquaß von der Weinhandlung "Rolf Kaspar" freut sich über seine Entdeckung

Wer nun glaubt, in Björn Steinemann einen smarten Geschäftsmann vor sich zu haben, der irrt. Es ist die sprühende Leidenschaft für seine Produkte, die ihn dazu gebracht hat, nach Essen in die Weinhandlung „Rolf Kaspar“ zu kommen, um sie dem Weindeuter und dem Genießer vorzustellen. Solch engagierte Fachhandlungen wie „Rolf Kaspar“ sind es, über die er die kleinen Auflagen seiner Weine an die Weinfreunde bringen will, und die die Geschichte hinter dem Produkt auch mittransportieren können.

Der „Pompaelo White“ 2009 (6,95 Euro) war genau die richtige Erfrischung an dem warmen Sommertag. Die im Stahltank ausgebaute Cuvée aus Chardonnay und Moscatel brachte eine exotische Fruchtigkeit in den Mund.

Die beiden Rotweine brachten mit ihrer modernen Interpretation das Typische der Region Navarra, die zwischen dem französischen Bordeaux und dem spanischen Rioja liegt, mit ihrer Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Tempranillo durchaus zur Geltung. Der Crianza (8,95) war mächtig, würzig und dabei von pikanter Süße; der etwas leichtere Semi Crianza (6,95 Euro) mit seinen Kirsch- und Karamell-Tönen stand dem kaum nach. Der Weindeuter hat die Weine hier ausführlich beschrieben, und auch der Wein-Blogger Dirk Würtz widmete den Weinen eines seiner skurrilen Verkostungs-Videos.

Björn Steinemann hatte aber noch eine Überraschung parat. „Pompaelo“ vertritt nicht nur die eigenen Weine, sondern auch die Produkte eines anderen Wein-Enthusiasten, des „Master of Wine“ Norrel Robertson. Sowohl der weiße wie auch der rote „El Puño“ sind eine Entdeckung wert, nachzulesen hier beim Weindeuter.

Die Weißweine "Pompaelo White" und "El Puño"

Mittwoch, 23. Juni 2010

Bochum/Neersen: Tag der offenen Tür bei Metzger Gläser



Schutz vor scharfen Messern: Christiane Hirt zeigt das Kettenhemd von Metzger Gläser

Wie begeistert war der Genießer, als etwa vor einem Jahr im „biokauf“ an der Wittener Straße in Bochum endlich wieder eine Fleischtheke aufmachte. Ob Rind oder Schwein, Lamm oder Geflügel, Wurst, Schinken oder Speck: beste Bioware, die nicht nur den Gesundheitsapostel und Umweltschützer anspricht, sondern vor allen Dingen auch den Feinschmecker. Und zwischendurch gibt es immer wieder Spezialitäten: Wildtaube, Zicklein, Wildschwein, der Blick in die Auslage bringt immer wieder kulinarische Überraschungen.

Metzger Hans Georg Gläser mit Kunden am Tag der offenen Tür

Etwas irritiert war der Genießer nur ein wenig darüber, dass das Stammhaus von Metzger Gläser in Neersen, irgendwo linksrheinisch hinter Düsseldorf, zu finden ist. Fast 80 Kilometer muss Christiane Hirt täglich hin und zurück fahren, um die Fleischwaren, die ihr Lebensgefährte Hans Georg Gläser produziert, in Bochum an die Kunden zu bringen. Doch bei einem Besuch am Tag der offenen Tür, den die beiden in ihrer Metzgerei in Neersen am letzten Sonntag veranstalteten, konnte sich der Genießer davon überzeugen, dass sich der Weg lohnt.

Cutter, Messer, Fleischerhaken und Zerlegesäge: Ein Metzger braucht scharfe Werkzeuge

Seit 1930 existiert der Familienbetrieb in dem Örtchen am Niederrhein. Um die Schlachterei ist im Lauf der Jahre ein schmuckes Wohngebiet entstanden, und so können die Anwohner hautnah miterleben können, wie hochwertige Lebensmittel hergestellt werden. Jeden Montag ist Schlachttag. Dann liefern verschiedene von Demeter, Bioland und Naturland zertifizierte Bio-Bauern die Schlachttiere an, zwei Schweine, zwei Lämmer, ein Rind – ungefähr das, was Metzger Gläser in seinem Neersener Laden, einem Stand auf dem Karlsplatz in Düsseldorf und im Bochumer „biokauf“ in einer Woche verkaufen kann. Die Tiere, die er schlachtet, kennt er gut. Jedes hat er schon auf der Weide bzw. im Stall begutachtet. Zusätzlich beliefert er noch ein paar Hofläden und die Kantinen von einigen Walldorf-Schulen, und ein Party-Service will auch versorgt sein.

Handwerklich hergestellte Schinken und Speck aus bestem Fleisch in der Bochumer Auslage

„Ich habe ja nicht nur die edlen Teile wie Filets, für die ich hier problemlos Kunden finde, sondern komplette Tiere, die verkauft werden müssen, und die Wurstwaren, zu denen ich das Fleisch verarbeite“, erklärt Hans Georg Gläser die Notwendigkeit seiner vielfältigen Vertriebswege. Auf dem Wochenmarkt am Bochumer Hauptbahnhof hatte er früher schon verkauft. Mit einigen Partnern wollte er einen „Cash & Carry“-Markt in einem Gewerbegebiet eröffnen, doch da fehlten die nötigen Genehmigungen. Dann bot sich die die Gelegenheit, die Fleischtheke im „biokauf“ zu übernehmen. „Da haben wir spontan zugegriffen.“

Der Genießer findet, dass die Fleischtheke von Metzger Gläser eine großartige Erweiterung der Einkaufsmöglichkeiten in Bochum ist. Auch wenn Christiane Hirt jeden Tag den weiten Weg fahren muss – die Qualität, die sie mitbringt, rechtfertigt die Tour.

Christiane Hirt führt die Fleischtheke im Bochumer "biokauf"

Der Andrang beim Tag er offenen Tür war groß

Dienstag, 22. Juni 2010

Dortmund: Türkische Weinprobe im Pamukkale-Grill



Chefkoch Jan von der "Siedlerklause" und der
Mahlzeitvogel beim Verkosten von türkischem Wein

„Un‘ dann stonn‘ se in de Döner-Bud‘, und schödd’n sich de Rotwein in de Kopp“, hätte man glatt in Abwandlung eines alten Liedes von den Bläck Fööss singen können. Nur, dass sich gestern bei Ali im „Pamukkale-Grill“ im Dortmunder Klinik-Viertel keine kölschen Jungs zur Weinverkostung trafen, sondern vier echte Ruhrgebietskumpel: der Weindeuter, der Mahlzeitvogel, der Genießer und Chefkoch Jan von der „Siedlerklause“. Aber die Metropole Ruhr is'n Dorf. Später kam ganz zufällig noch Kollege Perik vorbeigeradelt und wunderte sich, dass nix mehr da war.

Chefkoch Ali vom "Pamukkale-Grill"

Wenn Chefkoch Jan keine Lust mehr hat, in seiner „Siedlerklause“ das selbst Gekochte zu essen und der Mahlzeitvogel in Erinnerung an Omas Kochkünste Heimweh nach Rosmart bei Lüdenscheid kriegt, gehen sie in den „Pamukkale-Grill“ in der Luisenstraße, um sich satt und glücklich zu essen. Hier macht Ali Yildiz türkische Imbissküche vom Feinsten, vom Iskender-Kebab über Lammkoteletts bis hin zu Börek-Zigarren. Und dazu einen Reis, bei dem selbst Chefkoch Jan ins Schwärmen gerät. Kein Wunder, dass auch der Weindeuter und der Genießer da mal hinwollten.

Trinkst du türkisch?

Aber nicht einfach so: Wenn schon, dann musste es eine Probe mit türkischem Wein sein, die an diesem Hot Spot der Ruhrgebietsküche stattfinden sollte. Also besorgte der Weindeuter sechs Kreszenzen beim „Türkischen Weinversand“ in Bochum, und der Genießer steuerte noch zwei Flaschen bei, die er im Keller hatte. Chefkoch Jan brachte eine Rarität mit: einen Shiraz mit dem Namen "Hafez" wie der persische Dichter, dessen Trauben angeblich im Iran gelesen und dann im südfranzösischen Corbières vinifiziert worden sind. Aber der lief außer Konkurrenz.


Also kamen zur Verkostung:

1.„Sultaniye-Emir“ 2008 von DLC Doluca aus der Sultaniye-Traube u.a. aus der Ägäis (Türkischer Weinversand, ca. 8 Euro)

2. Villa Doluca „Legend“ aus der autochthonen türkischen Rebe Ökügözü, zu deutsch „Ochsenauge“, Alicante und Carignan (real, ca. 3 Euro)

3. „Boğazkere“ 2005 DLC Doluca aus der Traube Boğazkere, auf deutsch „Der im Hals kratzt“, aus Südostanatolien (Türkischer Weinversand, ca. 8 Euro)

4. „Öküzgözü“ 2005 DLC Doluca aus der Traube Öküzgözü aus Zentralanatolien (Türkischer Weinversand, ca. 8 Euro)

5. „Kalecik Karası“ 2005 DLC Doluca aus der Traube Kalecik Karası, die schon die Hethiter getrunken haben (Türkischer Weinversand, ca. 8 Euro)

6. „Angora“ 2008 von Kavaklidere aus Cabernet Sauvignon und Kaleci Karasi (ca. 3 Euro in Supermärkten)

7. „Anfora“ 2006 von Pamukkale Sarapclik aus Öküzgözü und Boğazkere (aus dem türkischen Restaurant „Tablo“ in Essen, Preis unbekannt)

8. „Corpus“ 2005 von deinem kleinen Winzer auf einer ägäischen Insel aus Merlot, Syrah, und Cabernet Sauvignon (Türkischer Weinversand, ca. 40 Euro)

Bis auf den „Öküzgözü“ 2005, der maderisiert war, schmeckten die Weine dem Genießer ganz gut. Es waren meist kräftige, temperamentvolle Burschen aus südlichen Gefilden, wie zu erwarten. Der 40 Euro teure „Corpus“ hatte den Ehrgeiz, internationales Format zu erreichen. Dennoch, so meint der Genießer, hatten alle Weine zu wenig Eigenständigkeit, um sich gegen gleichwertige Qualitäten aus klassischen Weinländern in Europa oder Übersee durchzusetzen – auch die aus den autochthonen Reben. Zu türkischem Essen jedoch sollte man sie auf Fälle probieren. Da sind sie stimmige Begleiter.

Hier die definitiven Wertungen vom Weindeuter.

Zufälliges Zusammentreffen beim Trinken
auf der Straße: Weindeuter und Perik

Sonntag, 20. Juni 2010

Huch! 100.000 Seitenzugriffe!



Da staunte der Genießer nicht schlecht, als er heute Morgen in seinen Blog guckte: Knapp über 100.000 Seitenzugriffe in 11 Monaten waren registriert worden.

Hier die 10 beliebtesten Posts aller Zeiten:

1. Neuer EDEKA-Supermarkt in der Bochumer Innenstadt (4103 Zugriffe seit 13.11.2009)
2. Kein Kummer mit dem Hummer: Nelson Müller in der Essener „Schote“ (3642 Zugriffe seit 23.9.2009)
3. Sympathisch und populär: Nelson Müller (2389 Zugriffe seit 21.11.2009)
4. Ruhrgebietsküche RUHR.2010: "Hier kocht das Herz Europas" (1525 Zugriffe seit 2.12.2009)
5. Neu in Bochum: „Fräulein Coffea“ (1316 Zugriffe seit 22.9.2009)
6. Neu hinter der Ruhr-Uni: „Post’s Lottental“ in Bochum-Stiepel (1138 Zugriffe seit 16.10.2009)
7. Gourmetmeile: „Essen verwöhnt“ wirft seine Schatten voraus (840 Zugriffe seit 27.5.2010)
8. Restaurantführer „Dortmund geht aus“ erschienen (829 Zugriffe seit 30.10.2009)
9. Polnische Restaurants im Ruhrgebiet (824 Zugriffe seit 22.7.2009)
10. Restaurantführer „Essen geht aus“ erschienen (660 Zugriffe seit 25.9.2009)

Samstag, 19. Juni 2010

Gourmetmeile „Essen verwöhnt“: Ein paar willkürliche Empfehlungen des Genießers fürs Wochenende



Wenn es einen Preis für das schönste Gericht bei „Essen verwöhnt“ gäbe, hätte es wohl the Ruhr Area dish „Little tibits of goose liver and rhubarb with butter crumble“ (18 Euro, das teuerste Gericht der Meile) der "Résidence" verdient. Mama hätte das Gericht wahrscheinlich despektierlich „Klümpken von Gänseleber und Rhabarber mit Butterstreusel“ genannt und bei der herrlich dekadenten, halbflüssigen Gänseleber und beim handwerklichen Aufwand für die Herstellung der köstlichen Rhabarber-Pralinés einen Rappel gekriegt. Dafür wäre ihr der Streuselkuchen besser gelungen. In der 2-Sterne-Version der "Résidence" war er so hart, dass der Genießer ihm weder mit Messer und Gabel noch mit den Schneidezähnen beikommen konnte. Dennoch, zusammen mit einer süßen Spätlese von der Scheurebe ein Genuss – aber Ruhrgebietsküche ist irgendwie anders…


Brutto ma buono – „hässlich aber gut“ heißen die pikanten Spinatbällchen auf italienisch, die beim „Brenner“ mit würziger Kräuterbutter und Parmesankäse (4,50 Euro) serviert werden. Richtig lecker, aber etwas kompakt und sehr sättigend. Der Genießer hätte mehr Parmesan dran getan – und mehr Knoblauch…

Zwar kein Eintopf, aber trotzdem richtig Ruhrgebiet ist die butterzarte Kaninchenkeule „Bergmannsart“ mit Speckstreifen, Baguette und wunderbarem Schwarzwurzelgemüse (11,50 Euro) beim „Landhaus im Grugapark“.

Nochmal „Résidence“: Obwohl sie aus Irland stammen, könnten die geschmorten Ochsenbäckchen mit Graupenrisotto und Vanillemöhren (9 Euro) bald ein Klassiker der Ruhrgebietsküche werden. Warum? Weil sie ein Klassiker der Gourmetmeile „Essen verwöhnt“ sind – und die ist mittlerweile eine kulinarische Traditionsveranstaltung im Ruhrgebiet und damit genauso stilbildend für die Region wie einst die Mutter mit dem Henkelmann vorm Zechentor.

Die Gourmetmeilen-Entdeckung des Genießers schlechthin sind die Gerichte vom „Parkhaus Hügel“. Da kocht seit einiger Zeit Suvad Memovic, einst Küchenchef in Thomas Bühners Sternetempeln „La Table“ (Dortmund) und "La Vie" (Osnabrück) sowie in der verblichenen „Impression" in der Recklinghausener "Engelsburg“. Seine Taubenbrüstchen mit Erbsenpüree und Buchweizenküchlein (15,50 Euro) zeigen, wie überzeugend sich Ruhrgebietsküche mit Haute Cuisine vermählen kann. Und auch der Nachtisch ist eine Wucht: die „Mousse von der Guanaja-Schokolade mit bretonischem Mürbteig und Erdbeer-Rhabarberragout“ (5 Euro, Bild unten) mag beim Sprechen vielleicht die Zunge brechen, beim Genießen jedoch tut sie ihr nur Gutes.

Die Gourmetmeile „Essen verwöhnt“ läuft noch bis einschließlich Sonntag in der Essener Innenstadt.

Freitag, 18. Juni 2010

Essen verwöhnt: Kochwettbewerb „Revierkönig“



Spannender Moment: Fernsehkoch Nelson Müller,
Wettbewerbs-Teilnehmer Jörg Tittel und Gourmetmeilen-Chef
 Rainer Bierwirth beobachten den Genießer beim Testen des Zanders

Gestern fand im Rahmen der Gourmetmeile „Essen verwöhnt“ der Kochwettbewerb „Revierkönig“ statt. Gesucht wurde dabei das beste Ruhrgebiets-Gericht. Hobbyköche konnten dazu im Vorfeld Rezepte einsenden, aus denen acht Teilnehmer ausgesucht wurden. Die mussten ihre Gericht zu Hause kochen und in einem Henkelmann einer vierköpfigen Jury, zu der auch der Genießer gehörte, präsentieren. Moderiert wurde die Aktion von Fernsehkoch Nelson Müller und Gourmetmeilen-Veranstalter Rainer Bierwirth.

Sechs der acht eingereichten Gerichte:
Zander mit Apfel-Pumpernickel-Kruste, Steckrübeneintopf, Stielmus,
Graupensuppe, "Schätzkes" und Möhren-Durcheinander

Die Jury war sich einig. Was die Teilnehmer am Kochwettbewerb „Revierkönig“ an typischen Ruhrgebietsgerichten mitgebracht hatten, schmeckte fantastisch. Unter der Leitung von Nelson Müller hatten es der Essener Bürgermeister Franz-Josef Britz, die Journalisten Michael Köster (WAZ) und Karin Freislederer (Mediabunt) sowie der Genießer schwer, das beste Gericht auszuwählen. Da wurde geschnuppert, gekostet und geschmeckt, längst vergessene Geschmackserinnerungen reaktiviert und manch ein Vorurteil gegen seltsame Zutaten überwunden. Manch ein Juror hätte die Probierportion, die für alle reichen musste, gern ganz aufgegessen. Dem Genießer gefiel besonders, dass typische Ruhrgebietsprodukte wie Graupen und Stielmus, aber auch Nierchen und Stockfisch meist zu Eintöpfen verarbeitet wurden, der traditionellen Form des Ruhrgebietsgerichtes.

Nelson Müller speist die Zuschauer auf der Gourmetmeile

Die Wahl fiel nicht leicht, und so gab es drei punktgleiche erste Preise: für Ute Herrmanns‘ „Duisburger Schweinepfeffer“ (Rezept hier), Fritz Grumms "Stielmus aus dem Ruhrgebiet“ (Rezept hier) und Sabine Bendischs „Schätzkes“, einem Ragout aus Bauchfleisch und Nierchen (Rezept hier). Der zweite Preis ging an Jörg Tittel und seinen modern anmutenden Zander unter Pumpernickel-Apfelkruste auf grünen Bohnen (Rezept hier). Der dritte Preis war doppelt besetzt und ging an Erika Schweers für ihr „Möhren-Durcheinander“ (Rezept hier) und Margret Reichenbach für ihren Steckrübeneintopf (Rezept hier). Ohne Preis blieben leider Niklas Fuhrmann und seine (leicht versalzene) Graupensuppe (Rezept hier) und Reiner Nökels „Stockfisch nach Oma Klärchen“ (Rezept hier).

Teilnehmer und Jury freuen sich über den gelungenen Kochwettbewerb

Spannende Verkostung

Alle Fotos stammen von Thomas Range

Donnerstag, 17. Juni 2010

Topfgucker: Entdeckungen im Netz 27



Discounter: Arche-Produkte im Angebot
Lebensmittelindustrie: Bußgeld gegen Kaffeeröster
Lebensmittelindustrie II: Ampel verhindert - wirklich ein Sieg?
Klimaschutz: Vegetarische Gericht gefragt
Gesundheit: Pfefferminztee
Entdeckt: Alte Gemüsesorten
Erlesene Lebensmittel I: Wo der Atterochs muht
Erlesenen Lebensmittel II: Rückverfolgung von Nutztieren
Erlesene Lebensmittel III: Spargeltest
Wein: Ahrburgunder von Meyer-Näkel weltweit der beste
Fotos: Selbstporträts von Köchen
Bücher: Die Bibel des guten Kochens
Arbeit im Alter: Babykost-Hersteller Klaus Hipp immer noch aktiv
Entdeckung: Dicke haben weniger Sex

„Essen verwöhnt“ gestartet: Nicht ohne meine Currywurst




In den 1970er Jahren hat Peter Zadek einmal gesagt, Kultur müsse sein wie Fußball – und betrachtet man die Kulturhauptstadt RUHR.2010, die mit ihren Kulturaktionen Fußballstadien und Autobahnen füllt, ist das anscheinend Wirklichkeit geworden. Analog könnte man sagen, Haute Cuisine müsse sein wie Currywurst – und betrachtet man das Angebot auf der Essener Gourmetmeile „Essen verwöhnt“, die heute gestartet wurde, ist auch das zumindest im Ruhrgebiet Wirklichkeit geworden. Da kapitulierte der Genießer, der gern gegen die Currywurst als Symbol für die Ruhrgebietsküche wettert, vor der normativen Kraft der Faktischen und biss tapfer in das arme Würstchen, das bei drei Teilnehmern auf der Gourmetmeile als typisches Ruhrgebietsgericht angeboten wird. Das heißt, die Currywurst des „Lucente“ schenkte er sich als jemand, der in Bochum wohnt, denn das war nur der Import der Bochumer Kult-Currywurst von Dönninghaus mit der Sauce aus dem Bratwursthäuschen im Bermudadreieck nach Essen (3 Euro) – simpel, aber durchaus effektiv.

Die beiden anderen Currywürste überzeugten schließlich den Genießer. Holger „Nickel“ Nickelmann (Bild), Küchenchef im „Gummersbach“ präsentierte seine selbstgemachte Lammbratwurst ganz klassisch mit einer dunkelroten, süß-scharfen Currysauce, dazu gab es ein Butterbrot mit schwarzem Grubensalz (4,50 Euro).
Der „Kiepenkerl“ gab sich experimenteller: Die Entenbratwurst wurde auf „etwas Gesundem aus dem Schrebergarten“ (sprich einem grünen Salat) und mit zwei leckeren, aber farblich gewöhnungsbedürftigen Currysaucen serviert (4,50 Euro): einer hellroten („scharf“) und einer gelben („nicht so scharf“).

Oliver Scheytt, Rudi Jelinek, Johann Lafer, Rainer Bierwirth, Thomas Stauder

Die Eröffnung der 12. Essener Gourmetmeile, und dann noch im Kulturhauptstadtjahr, war gestern ein gesellschaftliches Ereignis. Bei strahlendem Kaiserwetter, das der olle Wilhelm vom Burgplatz geschickte hatte, platzte sie schon kurz nach der Eröffnung um 12 Uhr aus allen Nähten, denn die Leute standen an den Zelten der 21 Spitzengastronomen auf der Kettwiger Straße sofort Schlange. Veranstalter Rainer Bierwirth hatte Johann Lafer für die Eröffnung gewinnen können, und gemeinsam mit dem Fernsehkoch, Bürgermeister Rudi Jelinek, Thomas Stauder und später auch noch RUHR.2010-Geschäftsführer Oliver Scheytt führte er die Große Parade der Köche um 16 Uhr vom Willy-Brandt-Platz am Hauptbahnhof die Kettwiger Straße hinunter. Eigentlich habe er gar nicht gewusst, was er in Essen sollte, meinte Johann Lafer bei seiner Eröffnungsansprache, aber was er dann gesehen habe, habe ihn überzeugt. Überzeugt war er auch von den Kochkünsten von Knut Hannappel, an dessen Stand er „Himmel und Erde mit Taube und Blutwurst“ (13 Euro) probierte.

Bürgermeister Rudi Jelinek, Susanne Kötter,
Johann Lafer, Rainer Bierwirth

Jeannette Schnitzler mit Lachsforellen-Bulette,
gebeizte Lachsforelle mit geeistem Bellini
aus Nelson Müllers "Schote"

Der Genießer kostete sich ebenfalls noch weiter durch die Ruhrpott-Gerichte, die das „normale“ Angebot im Kulturhauptstadtjahr ergänzen. Bei „Schnitzlers“ gab es ein mächtige Bulette von der Lachsforelle an Stielmus mit Brunnenkresse-Senfrahm“ (11 Euro). Zum grob geschnittenen Stielmus hätte Mama sicherlich gesagt: „Das ist nicht richtig“ – aber geschmeckt hat es wunderbar.

Sterneküche zum Sonderpreis von 5 Euro gab es am Stand von Schloss Hugenpoet: einen Blutwurststrudel mit Gewürzkürbis und Bohnenragout – ein Schulbeispiel dafür, wie deftige Zutaten fein zugerichtet werden können. (Vielleicht hatte der Strudel etwas zu viel Farbe abkommen – aber bei der intensiven Sonne…). Nelson Müller von der „Schote“ ließ schließlich betörende Aromen und Farben spielen. Die gebeizte Lachsforelle mit Radieschen, Limonensauerrahm und Reibekuchen (10 Euro) war eine pikante sommerliche Erfrischung. Der Genießer nahm hier noch gleich das Dessert mit. Beim Geeisten Bellini mit Waldmeister und Passionsfrucht-Schaschlik (5 Euro) hatte er den Eindruck, Nelson Müller wolle mit Speck Mäuse fangen, denn das Passionsfrucht-Schaschlik erinnerte ihn an mit Likör aromatiserten Mausespeck. Und der gefrorene Bellini war ziemlich mächtig.

Die Gourmetmeile „Essen genießen“ geht noch bis Sonntag. Heute steht der Kochwettbewerb „Reviekönig für einen Tag“ auf dem Programm, bei dem eine Jury, zu der auch der Genießer gehört, das beste Ruhrgebietsgericht aus Rezepten, die Essener Hobbyköche eingereicht haben, prämiert. Als Jury-Chef war Alfons Schuhbeck vorgesehen, doch der hat kurzfristig abgesagt. Nun springt Nelson Müller ein.