Freitag, 17. Februar 2012

Beiträge des Ruhrgebiets zur kulinarischen Welt, Teil VII: Margarine aus Kohle



Eines der kuriosesten und makabersten Kapitel der deutschen Kulinarik-Geschichte zeigt, welch zentrale Bedeutung man der Kohle im Ruhrgebiet zumaß. In Witten hatte der Chemie-Industrielle Artur Imhausen (*8. Januar 1885 in Gelsenkirchen, † 19. Juli 1951 in Witten) in den 1930er Jahren ein Verfahren entwickelt, um nach der Fischer-Tropsch-Synthese aus Kohle Margarine zu gewinnen. Die Fischer-Tropsch-Synthese war 1925 am damaligen Kaiser-Wilhelm-Institut für Kohleforschung in Mülheim an der Ruhr zur Kohleverflüssigung entwickelt worden und war besonders während des Zweiten Weltkriegs von Bedeutung, da der Bedarf an flüssigen Kraftstoffen in Deutschland aus einheimischer Kohle gedeckt werden konnte. In der deutschen Kulinarik-Geschichte hat das Institut, das nach dem Zweiten Weltkrieg in Max-Planck-Institut umbenannt wurde, mit der Erfindung einer Methode zur Entkoffeinierung von Kaffee seine Spuren hinterlassen.

Die Nazis hatten an Imhausens Kohle-zu-Margarine-Verfahren großes Interesse, dass sie dem Erfinder, der jüdische Vorfahren hatte, sogar die „Vollarierschaft“ gewährten. Zu Testzwecken wurde das Kunst-Speisefett, das der Propaganda nach die Versorgung der Deutschen im Zweiten Weltkrieg sicher stellen sollte, auch KZ-Häftlingen verabreicht. 1940/41 wurden in einem extra erbauten Werk monatlich immerhin 250 Tonnen hergestellt, doch zu einem größeren Einsatz kam es nicht.

Übrigens war auch für die klassische Margarine der Krieg der Vater aller Dinge. Der französische Chemiker Chemiker Hippolyte Mège-Mouriès erfand die Kunstbutter 1869 im Auftrag von Napoleon III., der ein preiswertes Speisefett für seine Soldaten haben wollte.

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