Samstag, 7. Juli 2012

Kettwiger SeeRosenFest: Kleinod nicht ganz lupenrein



Traumhafte Kulisse: Kettwiger SeeRosenFest westlich der Brücke

Mann, war das ein Gourmetmeilen-Wetter, als gestern gegen 16 Uhr die ehemalige „Kulinarisch-musikalische Meile Kettwig“ unter dem neuen Namen „Kettwiger SeeRosenFest“ ihre Pforten öffnete. Die Verlagerung an den neuen Standort ans Ruhrufer des Essener Stadtteils war ein voller Erfolg. Die Strahlen der Sommersonne funkelten in den weißen Dächern der eleganten Pagodenzelte und in den Wellen der Ruhr wie einem geschliffenen Kleinod, und am blauen Himmel kreisten weiße und graue Wolken mit den Urlaubsfliegern um die Wette, die auf den nahen Düsseldorfer Flughafen landen wollten. Das SeeRosenFest kann sich vom Ambiente her durchaus mit dem Kulinarischen Altstadtmarkt in der romantischen Fachwerkstadt Hattingen messen. Nur war es mit den Seerosen nicht so weit her. Die wenigen Exemplare, die auf der Ruhr dümpelten, trugen leider keine Blüten.

Skurrile Kulisse: Kettwiger SeeRosenFest  östlich der Brücke

Die Gastronomen, die westlich der Kettwiger Ruhrbrücke ihre Stände aufschlagen konnten, hatten zu Füßen der Altstadt den weitaus schöneren Standort erwischt. Die Kollegen am östlichen Teil des Promenadenwegs mussten vor einer bizarren Kulisse campieren. Die alten Scheidt’schen Fabrikhallen sind gerade abgerissen worden, und angesichts der großen Schutthalden im Hintergrund der Gourmetstände fühlte sich der Genießer an die Mondlandschaften des wüsten Ferieneiland Fuerteventura erinnert, die allerdings niemand daran hindern, den Urlaub in dieser Unwirtlichkeit zu verbringen. Wenn die Luxusapartments, die hier entstehen sollen, einmal fertig sind, wird alles ganz anders aussehen. Nicht ganz lupenrein war, dass der Toilettenwagen ausgerechnet direkt vor der Terrasse des seit Jahren am Promenadenweg ansässigen türkischen Restaurants „Kemer“ aufgebaut war. Das „Kemer“ hätte zusammen mit dem Restaurantschiff Thetis, das hier am Ruhrufer vertäut ist, prima die inoffiziellen Meilen-Teilnehmer Nr. 13 und 14 abgeben können.

Idyllischer geht es kaum

Wüsten-Feeling fast wie auf Fuerteventura

Doch all das trübte die gute Stimmung nicht. Nach und nach füllte sich die Meile mit hungrigen Kettwigern, die von den 12 Gastronomen aus Kettwig und dem Essener Ruhrtal bestens verpflegt wurden. Vom Szenelokal „Löwntal“, das bald seinen 25. Geburtstag feiert, bis zum Sterne-Restaurant „Résidence“ gaben sich alle große Mühe. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist in Kettwig, verglichen mit anderen Gourmetmeilen, sensationell. Fünf Gerichte konnte der Genießer verputzen. Sein kulinarischer Körpereinsatz sei im Folgenden in bewährter Manier ungeschminkt in Wort und Bild dokumentiert.

Löwntal: Hausgeräucherte Ziegenkäse-Praline im Parmamantel auf Rucola mit Cashewkernen und Feigenvinaigrette (6,50 Euro). Typische mediterranes Kneipengericht, gleichwohl appetitanregend wie sättigend.

Der Bonner Hof ¡Bienvenidos!: Original kanarische Albodingas – Kalbsbällchen in typischem Gemüsesud, leicht getrüffelt (6,50 Euro). Urlaubsküche vom Feinsten, der Bonner Hof weiß, wie man das macht. Einfach nur großartig, diese gebrühten Frikadellen mit kanarischer Note. (Und irgendwie das passende Gericht zur Haldenkulisse, von wegen Fuerte und so…)

Schloss Hugenpoet: Togarashi vom Thunfisch mit Ananaschutney und Rucolasalat (7,50 Euro). Wenn man den Text im Programmheft richtig interpretiert, ist Schloss Hugenpoet nicht mit dem Sternerestaurant „Nero“ da, sondern mit dem Zweitrestaurant „Hugenpöttchen“. Auf anderen Gourmetmeilen bekommt man für dieses Geld statt edlem Thunfisch nur Krabben. Bei diesem Gericht ist der Fisch mit einer Sesamkruste versehen und ziemlich scharf gewürzt, was durch den Rucola noch unterstützt wird. Doch der Thunfisch kann‘s vertragen.

Résidence: Gebeizte Tranche vom Label Rouge Lachs mit Variationen von der Harzfeuertomate & Rucola-Pesto (9 Euro). Was für ein Geschmackserlebnis. Der Lachs war zart und aromatisch, die gelierte weiße Tomatenessenz zerging mit charmanter Säuerlichkeit auf der Zunge, die leicht geröstenen roten Tomaten schmeckten wirklich nach Harzfeuer, und der Crunch der Beilage (was war das überhaupt?) und dieser Pinselstrich vom würzigen Pesto… was soll ich noch sagen? Sterneküche zum Sozialpreis. Wenn ich noch mal zum SeeRosenFest komme, esse ich hier alle Gerichte.

Parkhaus Hügel: Sanft gegartes Kalbsbäckchen mit geschmortem Spitzkohl, Püree von Röstkartoffeln und Portweinjus (8 Euro). Geschmortes Fleisch bei 25 Grad und Sonnenschein? Kein Problem. Die Kalbsbäckchen hatten eine fast duftige Leichtigkeit und zergingen auf der Zunge. Das Püree war saftig und voller Röstaromen, der Spitzkohl wie bei Muttern. Vielleicht wäre der Teller hübscher angerichtet gewesen, wen Parkhaus-Küchenchef Suvad Memovic nicht Urlaub hätte.

Sweet Coffee Pirates: Frozen Capuccino (3,50 Euro). Ein fester Nachtisch wäre zu viel gewesen, obwohl es klasse Desserts gab. So musste der Eis-Capuccino aus ERspresso, Milch, Zucker und Crushed Ice reichen.

Cupcakes von den Sweet Coffee Pirates

Gepflegtes Ambiente auf dem Rasen

Sorgen für Farbe: Service-Kräfte der "Résidence"

Für den Besucheransturm gwappnet

Und die Leute kamen.

See-Rosen oder Rosen am See?

Am ersten Tag spielten "The Les Clöchards" auf

Das Kettwiger SeeRosenFest geht noch bis Sonntag, 8. Juli 2012. Infos über die Teilnehmer und das kulinarische und musikalische Angebot finden Sie hier.

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