Mittwoch, 11. Juli 2012

Sommerfreuden: Französische Landhausküche bei „Müller-Menden“, Mülheim



Versteckt unter Semmelbröseln:
Cassoulet mit Entenconfit

Gestern 19.03 Uhr, Mülheim an der Ruhr. Ja ist denn schon Weihnachten? Der Kellner im Restaurant Müller-Menden zündet jedenfalls schon mal die Kerzen an, so wolkendüster ist es an diesem frühen Sommerabend im Juli 2012. Jahrelang war der Genießer an dem alteingesessenen Ausflugslokal an der noblen Mendener Straße, die sich durch das wogende Felder-Idyll unter der Mintarder Brücke zwischen Kettwig und Mülheim an der Ruhr zieht, nur vorbeigefahren. Doch als er jetzt endlich einmal das Fachwerk-romantische Lokal betrat war er überrascht. Ein Blick auf die Speisekarte versetzte ihn in einen französischen Landgasthof. Keine etepetete Gourmetküche mit abgespreiztem Finger, sondern Deftiges aus der Provinz gibt es hier: Foie gras von der Ente mit Bauernbrot, Confit von der Entenkeule mit Bratkartoffeln oder Vacherin aux framboises, ein Himbeersorbet mit Baiser zum Dessert.

Spontan entschied sich der Genießer für ein Cassoulet mit Enten-Confit, den legendären Bohneneintopf aus Südfrankreich (13,50 Euro). Das Deftige gab sich hier richtig fein und zurückhaltend gewürzt. Die mürben, mit Semmelbröseln bestreuten weißen Bohnen zergingen auf der Zunge, das Fleisch der Entenkeule fiel vom Knochen, wenn man mit der Gabel daran klopfte, und die gebrühte Wurst aus Enten- und Schweinefleisch war zart wie Marzipan. Ideal die Weinempfehlung von Patron Stephan Soutre, einem gelernten Sommelier aus Bordeaux: der einfache Corbière ergänzte den Eintopf durch Kräuteromen, Säure und die notwendige Flüssigkeit.

Leider war das Cassoulet nicht hausgemacht, sondern man bezieht es von einem kleinen Familienbetrieb in Frankreich, wie Müller-Menden-Chefin Nicola Riese einräumte. Aber ob das wirklich ein Wermutstropfen ist, glaubt der Genießer nicht. Frankophile Genussfreunde wissen, wie großartig diese artisanalen Produkte sein können.


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