Mittwoch, 27. Februar 2013

Bochum: Wein- und Duft-Talk „Immer der Nase nach“ in der „Goldkante“



 See what the boys in the backroom will have:
Wein-Talk in der "Goldkante"


Der Genießer ist doch immer wieder davon überrascht, was die gute alte Tante WAZ und ihre Konkurrentin RN doch für coole Schreiberlinge haben. Tom Thelen und Max Florian Kühlem von der Lokalredaktionen Bochum jedenfalls veranstalten regelmäßig und einträchtig die Talkshow „Heimliche Welten“, in der sie Protagonisten des lokalen Kulturbiotops Bochum ans Licht der kleinen Bühne im Hinterzimmer der „Goldkante“ hieven. Die „Goldkante“ ist eine von einem engagierten Verein betriebene Bar, die neben anderen Szene-Institutionen dem von Bochumer Stadtplanern „ViktoriaQuartier“ genannten Stadtteil Ehrenfeld mit einigem Recht das Etikett „Kreativviertel“ verpasst.

 Talk-Gäste Uwe Bende und Prof. Hanns Hatt

Gestern hatten Tom und Max Florian den Weinraritäten-Händler Uwe Bende vom „Weinforum Ruhrgebiet“ und der Duftforscher Prof. Dr. Dr. Dr. med. Hanns Hatt (nee, hier hackelt mein Keyboard ausnahmsweise mal nicht) von der Ruhr-Uni zu Gast. Unter dem Motto „Immer der Nase nach“ ging es um Wein und den Geruchssinn. Uwe Bende war für den sinnlich-merkantilen des Genussthemas zu ständig. Er erzählte von seiner spannenden Arbeit als Weinhändler, der alte Raritäten in versteckten Kellern aufstöbert. Auf den Geschmack daran war er gekommen, als er vor Jahren beim Weinkauf beim Bochumer Weinhändler „Der Franzose“ in die Feinheiten des Weinverkostens eingeführt wurde und später dann eine kostbare Partie Weine des Châteauneuf-Guts „Clos des Papes“ zu einem Schnäppchenpreis vor der Einlieferung in eine Auktion ergattern konnte.

 Altwein: 1950er-Jahre "Pommard" aus Burgund

Zur Illustration hatte er einen sieben Jahre alten Südfranzosen mitgebracht und einen gereiften „Pommard“ aus den frühen 1950er Jahren, der allerdings für den Weiterverkauf ungeeignet war, weil die Jahreszahl auf dem alten Etikett abgerissen war. Über Uwe Bende hat Tom Thelen einen schönen Artikel in der WAZ geschrieben (klick hier).

 Ein Pröbchen für die Gäste

40.000 Schleifen wert:
wissenschaftlich extrahierter Weingeist in der Flasche


Prof. Hatt war sozusagen für den wissenschaftlichen Teil der Veranstaltung zuständig, tat das aber auch nicht trocken – immerhin wurde der Autor des „Kleinen Buchs vom Riechen und Schmecken“ und Organisator der überaus erfolgreichen Ausstellung „Himmlische Düfte und Höllengestank!“ bereits für seine unterhaltsame Darstellung von wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgezeichnet. Er referierte über die Erforschung der Düfte und des Riechens und wies daraufhin, dass beim Wein-Schmecken der Trigeminus-Nerv, der auf Schmerzen reagiert, eine wesentliche Rolle spielt. Er hatte zwei Flakons mitgebracht, in denen sein Chemie-Institut den Geist des Weines eingesperrt hat, nämlich den der Rebsorten Gewürztraminer und Sauvignon Blanc. Und dann zauberte er noch die Materialisierung des Barrique-Geschmacks hervor, den sein Institut in Gestalt einer sirupartigen Masse isoliert hat. Der Genießer durfte daran lecken und fand, dass die adstringierende Eichenholz-Wirkung, die er im Mund verspürte, kaum etwas mit dem Geschmack zu tun hatte, den er mit dem Einsatz des Barrique-Fasses beim Weinausbau verbindet. Da denkt er eher an Vanille und Röstaromen, die die Fruchtigkeit eines Weines abrunden, und die spröde Wirkung des Holzes nimmt er nur als notwendiges Übel für die Haltbarkeit des Weines in Kauf, die mit zunehmender Reife verschwindet. Da darf man auf die Veröffentlichung dieses Forschungsergebnisses von Prof. Hatt, die in Bälde stattfindet, gespannt sein.

Auf der Couch: Tom Thelen, Uwe Bende, Prof. Hanns Hatt, Max Florian Kühlem

Die Talkshow war eine schöne Werbeveranstaltung für die hohe Kunst des Wein-Trinkens. Die jungen Kreativen, die zum größten Teil das Publikum stellten, könnten sich zwar die alten Flaschen, die Uwe Bende verkauft, kaum leistn, aber das kommt wohl noch. Allerdings vermisste der Genießer Marianne Koch. Die Schauspielerin und fernseh-Ärztin hatte immerhin in einer TV-Werbung für ADO-Gardinen den Satz „Nur mit der Goldkante“ ein geflügeltes Wort in die Welt gesetzt.


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