Montag, 31. Oktober 2016

Gestern bei Mama revisited: Gelackter Schweinebauch mit herbstlich geröstetem Wirsing



Gestern wäre Mama 100 Jahre alt geworden. Grund genug, mal wieder eines ihrer Lieblingsgerichte einer Revision zu unterziehen. Wirsing aß sie besonders gern, und gekochter Schweinebauch war für sie eine Delikatesse. In meiner Rezepte-Rubrik „Gestern bei Mama“ kommt beides ja auch häufig genug vor. Bei der Zubereitung durfte ich aber nicht allzu sehr experimentieren, denn dann hieß es gnadenlos: „Das ist nicht richtig.“ Besonders, wenn etwas zu „hart“, sprich knusprig war, mochte sie es nicht, und wenn ein Gewürz dran war, das sie nicht kannte. Und davon gab es viele.

 Schweinebauch vor...

...und nach dem Garen im Römertopf.

So konnte ich jetzt etwas improvisieren, dass ich am besten „Gelackter Schweinebauch mit herbstlich geröstetem Wirsing“ nennen möchte. Eigentlich wollte ich den Schweinebauch zu Feier des Tages sous vide zubereiten, so wie Arthurs Tochter es in einem Post so inspirierend beschreibt. Doch das scheiterte an der damit verbundenen Logistik – ich bekam es einfach nicht auf die Reihe, mir die dafür rechtzeitig die notwendigen Gerätschaften wie Sous-Vide-Bad und Vakuumiergerät auszuleihen. Also versuchte ich es klassisch mit dem nicht unähnlichen Römertopf. Ich gab den gesalzenen Schweinebauch mit Kardamom, Sternanis und etwas Bier in das gut gewässerte Tongefäß, tat den Deckel drauf und versiegelte es mit einem Wasser-Mehl-Teig, so dass keine Luft und kein Aroma entweichen konnten. Dann kam alles für zweieinhalb Stunden bei 160 Grad in den Ofen und wurde wunderbar zart und weich, selbst die Schwarte. Das Fett war ausgetreten und verwandelte sich beim Abkühlen in ein schmackhaftes Schmalz, dass ich zum Braten des Gemüses verwendete.

Leckerer Lack: Honig, Teriyakisauce und Bier

Dick eingekocht...

...und dann aufs Fleisch geschmiert.

Für den Lack, mit dem ich den fertig gegarten Schweinebauch bestreichen wollte, nahm u.a. ein seltsames Bier, das ich vor längerer Zeit einmal als Pröbchen bekommen hatte. „Preußen Weiße“ stand dem historisierenden Etikett mit Pickelhaube, und darunter stand in schönster neudeutscher Brewerie-Sprech „Spiced Weißbier: Featuring Sugar Beet Syrup, Ginger and Juniper“. Ich fand Zuckerrübensaft, Ingwer und Wacholder könnten dem Schweinebauch nicht schaden. Also mischte ich 100 ml von diesem Bier mit 100 ml Teriyakisauce und 2 EL Honig und kochte alles langsam ein, bis ein dickflüssiger, nach Lakritze duftender Sirup entstand. Damit wurden Stücke vom fertig gegarten Schweinebauch eingepinselt und unter dem Grill noch einmal aufgeknuspert.

Herbstliche Gemüse

Als Beilage dazu variierte ich den guten alten Schlodderkappes, in dem ich den Wirsing mit herbstlichen Gemüsen ergänzte. Ich blanchierte klein gewürfelte Kartoffeln, bunte Möhren, Petersilienwurzel und geschälte Maronen für 12 Minuten in Salzwasser, goss alles ab und ließ das Gemüse dann etwas trocknen. Dann briet ich es in etwas Schmalz an, bis die Kartoffeln schön braun wurden. Ich nahm das Gemüse aus der Pfanne briet darin den fein gehobelten Wirsing, gehackten Ingwer und Zwiebelringe an und würzte alles vorsichtig mit Koriandersamen und Kreuzkümmel. Zum Garnieren kam noch Koriandergrün dazu.

Ich fand’s ziemlich lecker und leicht, vermisste noch nicht einmal eine sämige Sauce. Mama hätte der krachende Lack sicherlich nicht überzeugt. Was hätte sie wohl dazu gesagt? Genau.

Gut im Lack: Schweinebauch

 Herbst auf dem Teller.


Samstag, 29. Oktober 2016

Kulinarische Aussichten bei der Eröffnung des Musikzentrums Bochum: Reibekuchen statt Currywurst



Einen schöneren Tag hätte man sich für das Volksfest zur Eröffnung des Bochumer Musikzentrums gar nicht wünschen können. Drei Gastronomen von Bochum kulinarisch – Tucholsky, Vitrine und Haus Kemnade – hatten eine kleine, überdachte Gourmetmeile vor der noch zartrosa schimmernden Fassade des Anneliese Brost Musikforums aufgebaut, und parallel dazu standen die Leute Schlange, um in das durch die zum Foyer umgebaute Marienkirche ins Allerheiligste des Gebäude-Ensembles zu gelangen, den großen Konzertsaal – so, als wäre es die Kuppel des Berliner Reichstags. Mehr als 2000 Leute durften auf einmal nicht hinein.


Es wäre wohl falsch anzunehmen, dass es mit der Aufwertung des ViktoriaQuartiers durch das Musikzentrum auch eine Revolution in der Bochumer Gastroszene geben würde und sich jetzt hier hochwertige Fine Dining Restaurants ansiedelten. Zur frisch ist noch das grandios-dubiose Scheitern des Steakhauses Viktor, das im letzten Jahr vergeblich versuchte, sich schon im Vorfeld der Eröffnung als extravagante Adresse zu positionieren. Aber keine Angst, verhungern wird niemand, der ein Konzert im neuen Haus besucht. Dafür sorgt das Bermudadreieck gegenüber, dass mit einem umfangreichen Angebot an solider Kneipenkost aufwartet und die Versorgung der Musikzentrumsbesucher garantieren soll.

Darüber hinaus zeigt die Entwicklung rund um die Musentempel in der näheren und weiteren Umgebung, dass im Ruhrgebiet Kultur nicht unbedingt auch Ess-Kultur bedeutet. Bemerkenswert ist da sicherlich, dass das einen Steinwurf vom Musikzentrum entfernte Foyer der Bochumer Kammerspiele als Theater-Restaurant genutzt wird, früher unter dem Namen Speisekammer, heute als Tana’s. Doch als der Genießer vor über 35 Jahren nach Bochum kam, gab es in fußläufiger Nähe zum Schauspielhaus drei Restaurants, die zu den guten Adressen der Stadt gehörten. Alt Nürnberg und Bänksken sind längst Geschichte, und das immer noch existente Rimini fällt einem heute nur noch auf, weil man dran vorbei muss, wenn man ins Orlando will. Gut gehalten hat sich nur die nicht ganz so alte Aubergine, die aber weniger wie eine Theater-Zuschauer-Kantine wirkt, sondern als Ehrenfelder Stadtteil-Adresse.

Blickt man nach Dortmund, so muss man sagen, dass das Konzerthaus, das vor etwa 15 Jahren in das problembehaftete Brückstraßen-Viertel gepflanzt wurden, die billige Dönerbuden-Kultur der Umgebung auch nicht wirklich verändert hat. Das zeigt z. B. die Auflistung der „10 besten Restaurants in der Nähe des Konzerthauses“, die man bei Google findet. Sicher, heute gibt es da auch eine Menge mäßiger Burger-Läden, der mittlerweile alteingesessene Szene-Laden Chill’R ist da bemerkenswert. Und nicht zu vergessen ist, dass im Konzerthaus selbst das Stravinsky angestrengt für gehobene Gastro-Atmosphäre sorgt.

Die Stadt Essen hat sicherlich die älteste und imposanteste Musentempellandschaft im Ruhrgebiet. Doch als 1988 das Aalto Theater im Südviertel eröffnet wurde und 2004 daneben die Philharmonie im umgebauten Saalbau, waren solche Gastro-Institutionen wie La Grappa oder das Sheraton Hotel schon längst vorhanden. Halten konnten sich in der Nachbarschaft ebenfalls der bemerkenswerte Chinese Jade und auf der Huyssenallee der Edel-Türke Tablo. Die alteingesessene Pizzeria Gallo aber gab sich im Größenwahn der jungen Generation selbst den Todesstoß, und das Wallberg in den Räumlichkeiten der Philharmonie entwickelte sich im Lauf der Zeit zum Trauerspiel. Wer heute im Parkhaus von Aalto und Philharmonie parkt, muss gut zu Fuß sein, wenn er hungrig ist, und mindestens bis zum Beginn der Rüttenscheider Straße wandern.


So wundert es nicht, dass es im Bochumer Musikzentrum kein eigenes Restaurant gibt und man sich auf Synergien mit der gastronomischen Nachbarschaft im Bermudadreieck verlässt. Aber vielleicht stellt ja bald das Bratwursthäuschen aus dem Bermudadreieck einen chicen Currywurst-Truck vor das Musikzentrum, um das gastronomische Bochumer Markenzeichen anzubieten. Schließlich gehört es in Wien ja auch zum guten Ton, nach dem Besuch von Oper oder Burgtheater im Pelzmantel ein Burenheidl am Würstlstand zu verzehren. Das Problem ist nur, dass in Bochum keiner im Pelzmantel ins Konzert geht.

(A propos Currywurst und Markenzeichen: Der Genießer konnte aus wohlunterrichteten Kreisen erfahren, dass man an gewissen Stellen schon an der Etablierung der Münchner Weißwurst in Bochum arbeitet.)

Das Volksfest zur Eröffnung des Musikzentrums geht noch bis zum 30. Oktober.

Montag, 24. Oktober 2016

Ein Jahr Vinothek Eppendorf in Wattenscheid



Marco schenkt ein

Wenn man Wein + Eppendorf googelt, landet man zwar immer noch zuerst in dem gleichnamigen Hamburger Nobelstadtteil. Aber seit November vorigen Jahres arbeitet Marco Mansutti daran, dass sich das ändert und auch Wattenscheid in den Focus rückt. Dazu macht der Unermüdliche seine Stammkundschaft mit italienischer Küche glücklich, bietet exklusive Weinmenüs an und kämpft mit dem ausdauernden Baustellenunwesen vor der Haustür des schmucken Fachwerkhauses in der Finkenstraße.

Große Weine im alten Fachwerk

In Hinblick auf das bevorstehende einjährige Jubiläum der Vinothek Eppenorf bewirtete Marco gestern eine exklusive Mini-Runde meinungsbildender Feinschmecker aus der Region. Bei den Schmankerln zeigte er, was als Koch in ihm steckt. Dazu gab es natürlich vorzügliche Weine. Unter anderem wurde getestet, ob sich das friulanische Weingut Livon für die Präsentation bei einem ein Winzer-Menü eignet.


Gemüsesüppchen mit Käseeinlage

Geräucherter Scarmoza mit Speck
und den letzten Pfifferlingen des Jahres

Aromastarker Silvaner vom Zehnthof in Franken

Fischsuppe nach Art des Hauses mit Rouille

 Pulpo im Burratabett

Zander auf Rote-Bete-Risotto mit Kokos-Schaum

Betörender Barbera d‘Alba von Gianpiero Marrone.
Die Familie Marrone wird langsam zu den
Lieblingswinzern des Genießers im Piemont.

Lammkoteletts auf Mini-Ratatouille
mit Kartoffel-Stampf

Ziemlich schwerer Malvasia von Livon
mit weihnachtlichem Touch

Cassata aus der Familien-Eisdiele San Marco
in der Bochumer City 

 Vinothek Eppendorf, Bochum-Wattenscheid. Alle Infos hier.


Sonntag, 23. Oktober 2016

Edles zu Edlem: Bison in Barolo, schwarze Nüsse und das Geheimnis der Gnocchi aus der Eierharfe



Neben Leber (klick hier und hier) und Steaks (klick hier) kaufte ich auch ein Stück Bratenfleisch, als es letzten Monat in der Metzgerei Emil Kern im Wittener Hammertal (klick hier) deutschen Bison vom Sonnenhof im Westerwald gab (klick hier). Metzger Mirco Wohlfahrt hatte das Fleisch noch vier Wochen lang in seinem Reifeschrank abhängen lassen, und so versprach der Batzen einen optimalen Genuss.

600 g Bisonbraten

Allerdings hatte ich mit den gleich behandelten Steaks die Erfahrung gemacht, dass sie neben dem fantastischen Geschmack eine etwas die Kaumuskulatur strapazierende Konsistenz aufwiesen. Das wollte ich beim Braten umgehen. Ein Standardrezept für Bisonbraten, das ich im Internet fand, behandelte das Bratenstück genauso wie ein Steak: nach dem Anbraten so lange in den Ofen, bis es eine Kerntemperatur von 64 Grad hat. So wollte ich es denn doch nicht machen, sondern ich entschied mich, das Fleisch zu schmoren.

Die Weine

Edles zu Edlem war da die Devise, und so plünderte ich meine Barolo-Vorräte im Keller. Trinken wollte ich dazu einen 15 Jahre alten Barolo „Serralunga d’Alba“ von Fontanafredda, Jg. 2001; zum Einlegen sollte aber ein nur halb so teurer „Nebbiolo Langhe der Familie Marrone von 2012 reichen, deren Weingut immerhin seinen Sitz in der Barolo-Gemeinde La Morra hat. Um es vorweg zu nehmen: Der Nebbiolo überzeugte durch einen fast fruchtigen Schmelz und wäre auch ein wunderbarer Trinkbegleiter gewesen. Der Barolo stand trotz seines Alters noch voll in der Kraft, doch dominierten eine kräftige Säure und körnige Tannine die eigentlich erwarteten herbstlichen Barolo-Aromen.



Zwei Tage eingelegt.

Doch zurück zum Fleisch. Die Zubereitung war zwar etwas zeitaufwendig, aber ziemlich einfach. Ich gab den Braten mit in Stücke geschnittenen Möhren, Stangensellerie und Zwiebeln sowie 2 TL Pfefferkörnern, 1 TL Pimentkörner, 3 Nelken, 2 Lorbeerblättern, 1 Zimtstange und Thymianzweigen in eine Schüssel, goss ihn mit dem Nebbiolo auf, bis er bedeckt war und stellte das ganz dann zwei Tage in den Kühlschrank. Dann holte ich ihn aus der Marinade heraus, tupfte ihn sorgfältig trocken, salzte und pfefferte ordentlich und briet ihn in einem Bratentopf scharf an. Dann nahm ich ihn heraus und briet die Marinadengemüse, die ich mit den Schaumlöffel aus der Flüssigkeit fischte, ebenfalls scharf an, bis alle Flüssigkeit verdampft war. Dann goss ich eine kleine Kelle Marinade darüber, ließ sie ebenfalls verdampfen und wiederholte das noch einmal. Auf das so präparierte Gemüse legte ich das angebratene Fleisch und goss es mit dem Rest der vorher erhitzten Marinade auf, bis es so gut wie bedeckt war. In das Fleisch pflanzte ich ein Bratenthermometer und stellte alles in den Ofen, wo ich es bei 120 Grad schmoren ließ, bis der Braten eine Kerntemperatur von knapp 70 Grad hatte. Das dauerte bei dem ca. 600 Gramm schweren Stück Bisonfleisch etwa anderthalb Stunden. Dann nahm ich es aus dem Sud, wickelte es in Alufolie und legte es zum Ruhen in en abgestellten und etwas abgekühlten Ofen.

Dann bereitete ich Sauce zu. Dazu nahm ich einige Kellen von dem Bratensud ab, süßte in mit dem Sud der als Beilage vorgesehenen schwarzen Nüsse und kochte alles um die Hälfte ein. Schließlich schmeckte ich die Sauce mit Salz, Pfeffer und Zucker ab und band sie mit ein wenig Mehlbutter.

 Schwarze Nüsse von Tina Foodina

Womit wir zu den Beilagen kommen. Im Frühjahr hatte ich auf dem Schwarzmarkt in Köln bei Tina Foodina ein Glas mit meinen Strozzapreti alla puttanesca gegen ein Glas schwarze Nüsse getauscht (klick hier). Ob Tina mit dem Tausch glücklich war, weiß ich nicht. Von ihren Nüssen war ich jedenfalls begeistert. Um sie zuzubereiten, hatte sie die grünen Walnüsse, die der Frühjahrssturm Ela zu Pfingsten 2015 von den Walnussbäumen im Bergischen Land geschüttelt hatte, samt noch weicher Schale gekocht in eine aromatiserte Zuckerlosung eingelegt. Dort reiften sie jetzt anderthalb Jahre vor sich hin, wurden ganz schwarz und weich und eigneten sich ganz hervorragend als Beilage für meinen Bison in Barolo.

Gnocchi aus der Eierharfe

Die zweite Beilage waren Gnocchi aus der Eierharfe. Was das ist? Den Teig bereitete ich aus zwei faustgroßen Laura-Kartoffeln zu, die ich in der Schale kochte, pellte und zerstampfte. Als der Stampf etwas ausgekühlt war, gab ich ein Ei dazu und knetete daraus einen Teig, dem ich Mehl und ein wenig Instant-Polenta hinzufügte, bis er nicht mehr klebte. Gewürzt wurde er tüchtig mit Muskat, gemahlenem Koriandersamen, weißem Pfeffer und etwas Salz. Und jetzt kam die Eierharfe ins Spiel. Aus dem Teig formte ich kleine Kugeln, die ich in den unteren Teil eines Eierschneiders drückte. Nachdem ich sie vorsichtig wieder herausgeholt hatte, drehte ich sie um und hatte wunderbar geriffelte Gnocchi. Die wurden kurz in kochendem Salzwasser gegart, bis sie an die Oberfläche kamen. Zum Servieren briet ich sie dann noch mal in Butter an.



Herbstvergnügen in altrosa

Mittlerweile hatte der Bisonbraten genügend geruht. Ich schnitt ihn an und fand, dass er mit seiner altrosa Färbung fantastisch aussah. Dafür, dass Bison als Wildfleisch kaum intramuskuläres Fett hat, war er überraschend saftig und hatte einen fantastischen Geschmack. Nur das Kauen des Fleisches war – wie bei den Bisonsteaks – recht strapaziös. Hätte ich ihn bei niedrigerer Temperatur länger garen sollen? Aber er sollte schließlich rechtzeitig fertig werden, damit ich fürs Fotografieren noch genügend stimmungsvolles Licht auf dem Balkon hatte. Es wird jetzt ja immer früher dunkel.

Aber immerhin: Der Bisonbraten passte somit prima zu dem ebenfalls anstrengenden Barolo.


Zusatz: Mittlerweile bin ich der Ansicht, dass der Bison beim Erlegen möglicherweise in Stress geraten ist. Das dabei ausgeschüttete Adrenalin hat das Fleisch zäh gemacht.

Samstag, 22. Oktober 2016

Steak vom Bison mit Kartoffel-Wedges von der Laura



 Selbst geschossen: Verwackeltes Traumfoto von Bisons in Texas

Seit meiner ersten Lektüre der Winnetou-Bücher im zarten Alter von sechs Jahren gehört der Bison zu den Tieren, die sich unauslöschlich in den Landschaften meiner Träume angesiedelt haben. Ob der gute alte Karl May die Hauptnahrungsquelle der Prärie-Indianer richtig beschrieben hat, sei einmal dahingestellt, doch mit seiner vehementen Verurteilung der Ausrottung dieser wilder Büffel hat er doch eine wesentliche Grundlage für das ökologische Bewusstsein seiner Leser, also auch für meines, formuliert.

 Verwischte Erinnerungen: Bisons in Texas

Ein Bild von einem Cowboy

Gesehen habe ich die ersten Bisons mit vierzig, und zwar bei einer von der Karl-May-Gesellschaft organisierten Reise in das Land, wo Winnetou nie war. Auf Einladung der Texas Tech University in Lubbock, Texas, ging es in die echten Jagdgründe der Apatschen. Ein Ausflug führte uns in das Wild-West-Heritage-Center Creekwood Ranch in der Nähe von Amarillo, wo wir auf mit Maultieren bespannte chuckwagons verstaut und ein wenig in die Prärie hinaus kutschiert wurden. Nach einer Weile trieben uns ein paar handsome cowboys eine kleine Herde Bisons entgegen. Die friedfertigen Tiere glotzten uns zutraulich an und ließen sich sogar den Kopf streicheln. Leider hatte ich aus heute unerfindlichen Gründen die Belichtungszeit an meiner Kamera verstellt, so dass die Bison-Bilder alle verwackelt sind – ein Fehler, den ich in jenen vordigitalen Zeiten erst bemerkte, als ich Wochen später den entwickelten Film wieder bekam. Rückschauend wirken diese Bison-Fotos aber wie wunderbare Traumbilder aus einer anderen Welt.

Gegessen wurde damals kein Bison; auf unsere Fleischkosten kamen wir aber doch mit den wunderbaren Steaks der quasi wild aufwachsenden texanischen Rindern. Das seltsamste, was ich damals aß, waren Klapperschlange, deren in Teig ausgebackenen Stücke wie die Fischprodukte beim Chinaman wirkten, und Bull Fries, Stierhoden, die einen kräftigen Rindergeschmack hatten. Irritierend war die Beilage, French Fries, weil mit diesem Begriff der Amerikaner nicht die Franzosenhoden, sondern Pommes frites bezeichnet.

Auch schon Erinnerung:
Bison-Bratwurst in der Bergmann-Brauerei

Das erste Mal gegessen habe ich Bison seinerzeit in der Schote in Essen, noch bevor der TV-Koch Nelson Müller das kleine Lokal in Essen-Rüttenscheid übernahm. Es war ein Filetsteak, von dem ich schier begeistert war. Später gab es dann noch auf verschiedenen Presseterminen Bison, etwa als die Westfalenhallen versuchten, im Dortmunder Fernsehturm ein Gourmetrestaurant zu etablieren, was aber letztendlich vergeblich war. Zu einer anderen Gelegenheit in der Bergmann-Brauerei servierte Dennis Rother damals sogar Bison-Bratwurst (klick hier).

In Witten gekauft: Bison-Steaks aus dem Westerwald

So war ich richtig begeistert, als ich jetzt mitbekam, das Mirco Wohlfahrt von der Metzgerei Emil Kern im Wittener Hammertal bei einer Bisonzucht im Westerwald ein Tier gekauft hatte. Ich ließ mir gleich zwei Steaks und ein Bratenstück reserverien; über meine Abenteuer mit der Bisonleber habe ich schon berichtet (klick hier und klick hier, zum Bisonbraten in Barolo klick hier). Das Fleisch ließ Mirco in seinem Reifeschrank noch vier Wochen abhängen.

Nur mit Fleur de Sel und etwas Pfeffer gewürzt

Ich holte meine Portion dann bereits eingeschweißt ab. Als ich die Steaks auspackte, wunderte ich mich aber doch, dass sie so viel Flüssigkeit verloren hatten. Um den typischen, leicht metallischen Bisongeschmack zu bewahren, briet ich das Fleisch unmariniert so wie es war scharf an und gab es noch ein Viertelstündchen in den Ofen. Zum Verzehr bestreute ich es nur mit Fleur des Sel und etwas Pfeffer, und das reichte geschmacklich auch. Dennoch reichte dieses Steak, das aus dem Nacken geschnitten war, bei weitem nicht an das Filet seinerzeit in der Schote heran. Obwohl innen noch rosa, war es ziemlich fest und bedurfte intensiver Kauarbeit. Für die zweite Hälfte des Steaks gönnte ich mir noch eine Chili-Balsamico-Reduktion des Gelsenkirchener Saucenmeisters Francesco Risoli zum Fleisch, eine zwar nicht notwendige, aber trotzdem äußerst schmackhafte Ergänzung.

Kartoffelwedges von der Laura

Als Beilage gab es Kartoffelwedges. Die Kartoffeln dafür fand ich bei der Biobäuerein Vera Gebauer, die ihren Laden gleich neben der Metzgerei Emil Kern hat. Die wortgewaltige Gemüsespezialisten empfahl mir die rotschalige Sorte Laura, und die Wedges wurden ein Gedicht. In Spalten geschnitten und in kräftig gesalzenem Olivenöl gewendet, wurden die Kartoffeln eine halbe Stunde im Ofen gebacken. Dann verfeinerte ich sie noch mit einem Hauch geräuchertem Paprikapulver und frischgemahlenem Pfeffer.

Bisonsteak mit Chili-Balsamico Reduktion


Zusatz: Mittlerweile bin ich der Ansicht, dass der Bison beim Erlegen möglicherweise in Stress geraten ist. Das dabei ausgeschüttete Adrenalin hat das Fleisch zäh gemacht.

Freitag, 21. Oktober 2016

Genussbereit auf Facebook 9



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Rietkötter in Bochum vor Neustart. Klick hier
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Hotel Handelshof in Essen vor Neueröffnung. Klick hier
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Donnerstag, 20. Oktober 2016

Niederrheinisches Muschel- und Backfischfest im Duisburger Innenhafen



Miesmuscheln im Innenhafen

Ich weiß auch nicht, welches Teufelchen den Genießer ritt, als er dachte, dass er beim Besuch des Muschel- und Backfischfests im Duisburger Innenhafen irgendwelche kulinarische Erweckungserlebnisse haben könnte. Etwa, dass es rund um die Miesmuschel, die als „Auster des kleinen Mannes“ eine Art winterliches Nationalgericht in den Bergmannskneipen des Ruhrgebiets ist, weitere internationale Muschelspezialiäten geben würde, echte Austern vielleicht, Jakobsmuscheln, Pfahlmuscheln oder Vongole.

Der Duisburger Shanty-Chor singt "Wir lagen vor Madagaskar".

Dass am frühen Nachmittag nicht der Bär steppen würde, war klar. Den Zeitpunkt hatte ich gewählt, weil ich noch genügend Licht für ein stimmungsvolles Herbstfoto „Muscheln im Innehafen“ vorfinden wollte. Dass ich mich dann aber statt auf einem maritimen Streetfood-Markt in einer Art Oktoberfestzelt wiederfand, mit gerade einmal vier kleinen Backfisch-, Matjes-, Räucherfisch- und Fischbrötchenständen, einem Getränke- und einem Muschelstand, enttäuschte mich dann aber doch. Irgendwie war das Kirmes ohne Kirmes. Sicher, bei den Witterungsverhältnissen war ein Dach über dem Kopf angemessen, aber vom chicen Duisburger Innenhafen sah man nichts, nur Zeltleinwand. Immerhin sang auf der Bühne der Duisburger Shanty-Chor „Wir lagen vor Madagaskar“, weitere Shanty-Chöre aus den Niederlanden waren avisiert.

Lecker Muschel auf rheinische Art

Am Muschelstand gab es 1 Gericht, Muscheln nach rheinischer Art. Den Preis von 13,50 Euro pro Portion fand ich happig. Aber als ich die Tellerorgie sah, die man gegen zusätzlichen Pfand bekam, wusste ich wenigstens, warum es so teuer war. Ich bekam einen großen Suppenteller mit Muscheln gefüllt, darüber einen zweiten Suppenteller a) zum Warmhalten beim Tragen zum Sitzplatz und b) zur Aufnahme der ausgegessenen Muschelschalen gestülpt, und darauf stand wiederum ein kleinerer Teller mit drei Kniften gebuttertem Schwarzbrot, Löffel, Serviette und Reinigungstuch. Das musste schließlich alles gespült werden.

Kibbeling

Also trug ich mein Päckchen erst einmal vor das Zelt, machte mein Foto, ging wieder hinein und verzehrte meine Muscheln. Die waren recht lecker, die Gemüse-Julienne würzig, der Weißweinsud ordentlich gepfeffert. Weil ich anschließend aber noch Hunger hatte, genehmigte ich mir noch einen Portion Kibbeling, holländische in Teig ausgebackene Kabeljau-Bällchen für 5,50 Euro. Dann suchte ich das Weite.

Das Niederrheinische Muschel- und Backfischfest geht noch bis zum 23. Oktober 2017. Duisburg, Johannes-Corputius-Platz. Innenhafen, am Kultur- und Stadthistorischen Museum.

 Räucherfisch gabs zum Mitnehmen.


Räucherfisch und Rauchverbot