Sonntag, 19. März 2017

Kult(ur)-Weinmesse 2017



Feierliche Wein-Atmosphäre im Steeler Stadtgarten.

Die Grand Tour durch die Hausmessen, die einige Weinhändler im Ruhrgebiet am Vorabend der ProWein jedes Jahr traditionell veranstalten, bleibt wohl ein Traum. Zu eng ist das Zeitfenster und zu groß sind die Entfernungen zwischen Herne, Wuppertal und Essen, die schon kaum mit dem Auto schnell genug zu bewältigen wären, geschweige denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch die Einrichtung eines Wein-Shuttles würde da nicht viel nutzen.

Möglich wäre es gestern gewesen, die schon am Vormittag beginnende Internationale Hausmesse in der Weinzeche in Essen-Kray und anschließend die Kult(ur)-Weinmesse von Rolf Kaspar im Stadtgarten von Essen-Steele zu besuchen. Doch wegen des deprimiernden Dauerregens konnte sich der Genießer erst am späten Nachmittag dazu aufraffen, das Haus zu verlassen. Also blieb es bei dem Besuch der Kult(ur)-Weinmesse.

Frank Spiegel vom Weingut Ellermann-Spiegel

Und die Laune stieg sofort, als ich die feierlichen Räumlichkeiten des Steeler Stadtgartens betrat. Nicht nur, dass ich alte Bekannte traf. Frank Spiegel vom Weingut Ellermann-Spiegel, Björn Steinemann von Pompaelo Wines und Katie Jones, die Engländerin mit der Domaine in Südfrankreich, begrüßten mich mit ihren neusten Jahrgängen, was schon eine Menge Spaß machte. Rolf-Kaspar-Chef Thilo Marquass empfahl mir auch, seine Apulien-Kollektion zu probieren.

Leser des Blogs „Genussbereit“ wissen vielleicht, dass mein Leidenschaft für Wein durch den Salice Salentino aus eben jener süditalienischen Weingegend geweckt wurde (klick hier). Seitdem hat sich der Weinbau im italienischen Stiefelbasatz aber enorm entwickelt, und die Primitivo-Traube hat mit wunderbaren Trinkweinen die Gastronomie in Deutschland erobert.

Süditalienische Lebensfreude: Die Vertreter von Cignomoro und A-Mano

Und so nahmen mich die Primitivo-Kreationen der Weingüter Cignomoro und A-Mano zur Brust, betörende, fruchtig-süße und würzige Gaumenschmeichler mit mächtiger Oberweite. Besonders der Vecchia Vigne 80 von Cignomoro, immerhin zum Preis von 26,50 Euro, war überwältigend, während der Primitivo von A-Mano durch sein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis bestach.

 Meine Entdeckung.

Meine große Entdeckung war jedoch der Graupert Grauburgunder trocken vom österreichischen Weingut Michlits-Meinklang im Burgenland an der ungarischen Grenze. Vorgestellt wurde der Wein mit viel Engagement von Iganzio Amante von der Weinhandlung Enopolio in Bottrop.

Die Demeter-Bauernfamilie Michlits gehört zu den Pionieren des ökologischen Weinbaus in Osterreich. Ihre Marke „Meinklang“ setzt sich zusammen aus dem ersten Buchstaben ihres Namens und dem Wort Einklang, das für Einklang mit der Natur steht. In ihrem Betrieb bauen sie nicht nur Wein an, sondern auch anderes Obst und Gemüse; zudem haben sie 80 Rinder.

Grauburgunder in Orange

Der Graupert Grauburgunder geht jedoch über die normale Vorstellung von ökologischer Arbeitsweise weit hinaus. Graupert bedeutet, dass der Weinberg nicht beschnitten wird, sondern die Rebstöcke sich selbst ans Terroir anpassen können. Zudem wird der Wein als Orange Wine ausgebaut, d.h. wie ein Rotwein mit den Schalen vergoren. So kommt das Paradoxon zustande, dass man tatsächlich einen Grauburgunder von orangener Farbe im Glas hat. Mich überzeugte die kräftige Grauburgunder-Nase mit ihrer üppigen floralen Aromenvielfalt sofort; im Mund war der Wein dann etwas verhaltener. Doch das machten die wunderbaren Bilder von einer intakten Natur, die die Geschichte des Weins bei mir auslösten, sofort wieder wett.

 Für die Kultur zuständig: das Bochumer Trio "Behind Blue Eyes".
Im Glas: Grenache von der Domaine Jones.

Alle Weine erhältlich bei: www.kaspar-spirituosen. de


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