Montag, 27. März 2017

Urbane Landhausküche: Spaghetti Palladio (mit geräucherter Schweinebacke an Radicchio Variegato di Castelfranco)



Heute war Venedig zu Gast auf dem urbanen Landhausbalkon des Genießers. Und zwar in Gestalt des Radicchio Variegato di Castelfranco. Dieser gelbe Radicchio stammt wie auch ursprünglich der rote aus Treviso in Venetien und wurde bereits um 1800 durch eine Kreuzung aus rotem Radicchio und Endivie gezüchtet. Er sieht mit seinen violetten Sprenkeln auf gelben Grund äußerst dekorativ aus und ist geschmacklich von einer vornehm-dekadenten bitteren Süße. Kein Wunder, dass ich nicht widerstehen konnte, als er mir im Gemüsekühlraum des FrischeParadies‘ in Essen entgegenleuchtete.


Beim Zubereiten ging ich dann auf Nummer Sicher und kombinierte ihn mit Spaghetti alla cabonara. Die bereitete ich nach meinem Standardrezept zu (klick hier), gab aber einige zerzupfte Radicchio-Blatter mit zum Speck und briet sie an, bis sie gar waren. Einige schöne große Außenblätter, die mich an Jakobsmuschelschalen erinnerten, behielt ich zurück und verwendete sie zur Garnitur. Heraus kam dieser wunderbare Teller, den ich Spaghetti Palladio nannte, nach dem legendären Landhaus-Architekten in Venetien.

Zum Grundrezept Spaghetti alla carbonara klick hier.
Zu weiteren Carbonara-Rezepten klick hier.

Gelber Radicchio: Bitter-süße Dekadenz


Sonntag, 26. März 2017

Urbane Landhausküche: Räucherforelle mit Pesto-Spaghetti und geschmorten Oliven-Kapern-Tomaten




Hier noch eine weitere wunderbare Verwertung für die einmal hergestellten Vorräte an Bärlauch-Minz-Limetten-Pesto, die provençalische und ligurische Einflüsse miteinander verbindet. Die Idee, Räucherforelle mit Pesto oder besser Pistou zu kombinieren, stammt aus einem französischen Bistro-Kochbuch. Wer dann noch Oliven aus Nyons oder Taggiasca-Oliven verwendet und statt Spaghetti die ovalen ligurischen Trenette nimmt – umso besser!

Rezept: Räucherforelle mit Pesto-Spaghetti und geschmorten Oliven-Kapern-Tomaten

Spaghetti
Pesto
geräucherte Forellenfilets
Kirschtomaten
1-2 Sardellenfilets
ein paar Oliven
ein paar Kapern
Olivenöl
Kräuter der Provence
Pfeffer, Salz

Sardellen in etwas Olivenöl anbraten, bis sie zerfallen. Kirschtomaten dazugeben und mitbraten, bis sie platzen. Oliven und Kapern dazugeben (in Salz eingelegte Kapern vorher gründlich abspülen), mit Pfeffer und Kräutern der Provence würzen und kurz mitschmoren. Evt. mit Salz abschmecken.

Spaghetti nach Vorschrift al dente kochen. Eine Tasse Kochwasser vor dem Abschütten zurückhalten. Pesto zu den Spaghetti geben, ev. mit Kochwasser geschmeidig machen.

Geräucherte Forellenfilets, geschmorte Tomaten, Spaghetti und Pesto auf Tellern anrichten.

Zum Rezept für Bärlauch-Limetten-Minz-Pesto hier klicken.

Samstag, 25. März 2017

Frühlingslust: Immer wieder Carbonara. Diesmal mit Thaispargel und Bärlauch-Minzpesto




Ich hoffe, ich langweile nicht, wenn ich schon wieder ein Carbonara-Gericht poste. Aber diese klassische römische Nudelzubereitung ist ein Lieblingsgericht des Genießers. Einfach durchwachsenen Speck mit Knoblauch auslassen, darin als dente gekochte Nudeln schwenken, etwas abkühlen lassen und mit mit Parmesan verquirlten und mit Muskat gewürzten Eiern übergießen. Mit Pfeffer und Salz abschmecken und mit Petersilie bestreuen, fertig.

Zum Rezept für die klassischen Spaghetti alla carbonara bitte hier klicken.

Ganz besonders gut werden die Nudeln alla carbonara natürlich, wenn man besonders gute Zutaten hat, z. B. die römische Speck-Spezialität Guanciale, d.i. geräucherte Schweinebacke (gibt’s beim italienischen Lebensmittelhandel), Eier von freilaufenden Hühnern (gibt’s auf dem Biohof vor der Stadt) oder als Käse auch Pecorino romano. Der Genießer nimmt anstelle von Spaghetti gern dickere Nudeln, z.B. Casarecce oder Strozzapreti. Und er würzt das Eier-Käsegemisch zusätzlich noch mit weißem Pfeffer und zerstoßenen Koriandersamen.

Carbonara mit Pfifferlingen

Die Nudeln alla carbonara eigenen sich großartig zur Veredlung mit der Zugabe weiterer Zutaten. Salate wie Chicoree, Radicchio oder Endivie kann man einfach in Streifen geschnitten über die warmen Nudeln streuen. Kohlsorten wie Wirsing, Weißkohl oder Spitzkohl sollte man blanchieren oder zumindest mit den Speck anbraten, genauso blättrig geschnitten Champignons oder andere Pilze ebenfalls. Wer‘s luxuriös mag, gibt Trüffel darüber, oder wenigstens ein paar Tropfen Trüffelöl. Walnüsse, Pinienkerne oder Pistazien sind ebenfalls eine großartige Ergänzung.

Hier eine Auswahl an Carbonara-Rezepten, die der Genießer gepostet hat:

Mit Radicchio Trevisano Tardivo: klick hier
Mit Radicchio Variegato di Castelfranco: klick hier.
Mit Lardo und Chicoree: klick hier
Mit Pfifferlingen: klick hier
Mit Pfifferlingen, Wirsing und Pistazien: klick hier
Vegetarisch: klick hier

Frühling auf dem Balkon

Jetzt, zum Frühlingsanfang, kam der Spargel dran. Gern hätte ich den dünnen wilden Spargel (eigentlich eine Hopfen-Art) gehabt, den ich aber nicht bekommen habe. Ich weiß auch nicht, ob die Saison schon begonnen hat. Deshalb nahm ich mit dem Thaispargel vorlieb, der ebenfalls streichholzdünn ist.

Der, den ich erwischt hatte, hatte ein intensives Nussaroma, das wunderbar mit der genauso nussig schmeckenden Guanciale harmonierte. Den Ratschlag von Eric Werner, dem ehemaligen Koch aus der dem ehemaligen Zwei-Sterne-Tempel Résidence im Ohr, die Carbonara noch mit zitrone abzurunden, interpretier ich dahingeghend, dass ich das Ganze noch mit einem fruchtigen Bärlauch-Minze-Limetten-Pesto garnierte.

Rezept: Strozzapreti alla carbonara mit Thaispargel und Bärlauch-Minze-Limetten-Pesto

250 g Strozzapreti
2 Eier
50 g geriebener Parmesan
Muskat, weißer Pfeffer, zerstoßene Korianderkörner
125 g Guanciale und einige dünne Streifen
1-2 Knoblauchzehen
200 g Thaispargel
Pfeffer, Salz, Rapsöl
1-2 EL Bärlauch-Minze-Limetten-Pesto

Thaispargel kurz in Salzwasser blanchieren. Blanchierwasser auffangen und darin die Nudeln nach Vorschrift al dente kochen. Ein Tasse Nudelkochwasser zurück halten.
Eier mit geriebenem Parmesan und Gewürzen verquirlen.
Guanciale in Würfel schneiden. Mit den Knoblauchzehen auslassen in etwas Rapsöl auslassen. Knoblauchzehen entfernen. Gar gekochte Nudeln darin schwenken, bis sie Geschmack angenommen haben.
In eine Zweiten Pfanne einige dünne Streifen Guanciale knusprig braten. Blanchierten Thaispargel darin etwas anbraten.
Verquirlte Ei-Käse-Mischung über die nicht mehr ganz heißen Nudeln geben, mit etwas Nudelkochwasser geschmeidig machen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Auf einen vorgewärmten Teller geben. Strozzapreti all carbonara mit dem Thaispargel, gebratenen Guanciale-Streifen, Parmesan-Spänen und Bärlauch-Minze-Limetten-Pesto garnieren.

Rezept: Bärlauch-Minze-Limetten-Pesto
klick hier

Machte das Gericht zur urbanen Landhausküche:
Weißburgunder Metropole Ruhr 2014 vom Pfälzer Weingut Messmer.


Donnerstag, 23. März 2017

Ruhrgebiet: Feierabendmarkt-Saison 2017 beginnt



Moltke Markt in Bochum

Der Moltke Markt auf dem Springerplatz in Bochum hat in der Wochenmarkt-Szene des Ruhrgebiets eine Revolution ausgelöst, als er sich vor vier Jahren freitagnachmittags als Feierabendmarkt mit gastronomischem Angebot etablierte. Zahlreiche Städte zogen in den nächsten Jahren nach, mit mehr oder weniger Erfolg. Die Kunden gewöhnten sich schnell an die unorthodoxen Öffnungszeiten am Nachmittag, kommen sie doch ihren Bedürfnissen entgegen. Markthändler, die ihre Arbeitszeit aber an den traditionellen Wochenmärkten am Vormittag ausrichten müssen, kommen jedoch an die Grenzen der Belastbarkeit.

Einige Feierabendmärkte wie der Moltke Markt finden auch den Winter über statt. Für die meisten jedoch beginnt jetzt im Frühling die Saison. In diesem Jahr gibt es zwei Neuzugänge. Ab 30. März 2017 findet auf dem Weberplatz in der Essener Innenstadt jeweils freitags ein Feierbandmarkt statt. Ab 20. April 2017 wird die Öffnungszeit des traditionellen Bauernmarktes auf dem König-Heinrich-Platz bis 20 Uhr ausgeweitet und von 15 bis 21 Uhr gibt es ein gastronomisches Angebot.

Um auf die große Genussbereit-Übersicht über die Feierabend- und Wochenmärkte im Ruhrgebiet zu kommen, bitte hier klicken.

Dienstag, 21. März 2017

Neu: Grill Store in Dortmund-Wickede. Von wegen größte Pommesbude Deutschlands.



 Halbes Hähnchen im Grill Store

Da fällt doch der Genießer auf einen alten Jahrmarkts-Reklame-Trick à la „Der größte Zwerg der Welt“ rein und fährt über dreißig Kilometer weit, um eine Pommesbude zu besuchen. Mit dem Spruch „Die größte Pommesbude Deutschlands“ haben Torsten Gralla und Kay Fräder nämlich geschafft, die Eröffnung ihres zweiten Grill Store in Dortmund-Wickede zu einem Medienereignis hochzusterilisieren, wie es auf Fußballdeutsch heißt. Kampagne gelungen, kann man sagen. Sicherlich, so ganz klein ist der coole Laden nicht, aber groß?

Aber es gab auch noch einen anderen Grund, weshalb ich die Strapaze der Fahrt an den nordöstlichen Rand des Ruhrgebiets-Universums auf mich nahm. Als ich noch als kleiner Junge in Essen-Frohnhausen wohnte, so Anfang der 60-er Jahre des letzten Jahrhunderts, passierte dort etwas Sensationelles. Es machte die erste Imbissbude weit und breit auf. Sowas kannte man vorher nicht, es wurde zuhause gegessen, was bei Muttern auf den Tisch kam. Höchstens gab es beim Weihnachtseinkauf auf der Kettwiger Straße mal eine Bratwurst, aber das hielt man eigentlich auch für rausgeschmissenes Geld.

Im Angebot hatte die Bude halbe Hähnchen, dazu gab es Kartoffelstäbchen mit einem Namen, den keiner aussprechen konnte – nur meine großen Schwestern, die schon Französisch in der Schule hatten. Damit wollte man den Erfolg des Wienerwald imitieren, der ersten Systemgastronomiekette, die sich in Deutschland langsam etablierte. Erst später kam die Curry- bzw. Bratwurst dazu, als man merkte, dass man auch eine kleinere Verpflegungseinheit als das halbe Hähnchen in Angebot haben musste. Das Wort Hamburger sollte noch fünfzehn Jahre lang die Bezeichnung für Einwohner einer norddeutschen Hafenstadt bleiben.

Was ist schon groß? Halbes Hähnchen

Daran musste ich denken, als ich jetzt den ruhrgebietstypischen Spruch von der „größten Pommesbude Deutschlands“ hörte. Ganz nostalgisch gestimmt, ließ ich im Grill Store das Burger-Angebot links liegen und bestellte in der etwas unorganiserten Hektik des Grand Openings ein halbes Hähnchen mit Krautsalat und lecker Malzbier. Das Hähnchen war gar nicht übel, schön zart und saftig (bis auf die Brust), die Haut scharf gegrillt und knusprig. Als Aromasignatur fand ich im halben Bauch des Huhns sogar einen echten Rosmarinzweig.

Aromasignatur: Rosmarin im Bauch

So sehr mir das Hähnchen mundete, nochmal fahre ich die dreißig Kilometer nicht wieder. Da nützt auch das Handy-Verbot, das der Laden proklamiert, nichts. Es haben sich viele nicht dran gehalten.


Grill Store. Wickeder Hellweg 93, Dortmund-Wickede. www.grillstore. info

 Restroom-Idyll: Bier- oder Seifenschaum?


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Hafenkneipe "Zum Anker" in Duisburg wieder da. Klick hier
Neues "Block House" in Essen. Klick hier
Interview zur Schließung der "Insel" in Essen. Klick hier
Rundgang über die Whisky'n'more in Hattingen. Klick hier
Dr. T Burger Labs in Essen. Klick hier
Feierabendmarkt in Duisburg ab Ostern. Klick hier
Neubau der Bergmann-Brauerei in Dortmund. Klick hier
Erster Feierabendmarkt in Essen. Klick hier
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Gastro-Änderungen an der Kleppingstraße in Dortmund. Klick hier
Neuer Standort für den Dienstagsmarkt in der Hattinger Altstadt. Klick hier
Plan für Markthalle in Bochum. Klick hier
Bier namens "Mücke" aus Essen. Klick hier
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Größte Pommesbude Deutschlands in Dortmund. Klick hier

Montag, 20. März 2017

Urbane Landhausküche: Surf’n’Turf │ Pilzrisotto │ Sbrinz │ Zitronenchampignons │ Sauerampfer │ Möhrenchips



Ich glaube, ich habe keinen Sbrinz mehr gegessen, seit ich vor fast 12 Jahren in der seligen Résidence ein Seminar über Schweizer Käse mitmachte. Damals erfuhr ich, dass diese Hartkäsespezialität aus der Innerschweiz der „Vater des Parmesans“ sei, denn die die Käsemacher rund um die italienische Stadt Parma hätten das Rezept für ihren Parmiggiano Reggiano schon im Mittelalter von den Schweizern übernommen, um daraus ihre eigene Käselegende zu machen, die das Original zumindest außerhalb der Schweiz längst verdrängt hat.

Schweizer-Käse-Seminar in der Résidence vor zwölf Jahren.

Der geschmackliche Unterschied der beiden Sorten resultiert also nicht aus der Machart, sondern aus der unterschiedlichen Flora der Regionen. Und das im doppelten Sinn des Wortes. Die Gräser, Blümchen und Kräuter, die die Schweizer Kühe fressen, sind andere als die in der italienischen Emilia-Romagna, und auch die Bakterienflora, die die Käsereifung beeinflusst, ist in der Po-Ebene eine andere als im Hochgebirge. Gourmets gilt der Sbrinz selbstverständlich als die bessere Wahl.


Sbrinz: nur echt mit dem Prockelmesser.

Als jetzt beim Käse-Karsten im Bochumer Bio-Markt ein Stück Sbrinz in der Theke lag, konnte ich nicht widerstehen und kaufte es für einen Klassiker der Genießer-Küche: Rinderfilet mit Pilzrisotto.

Landhausküche urban

Doch diesmal variierte ich die Angelegenheit, ganz im Sinne meiner neuen Rezept-Kategorie „Urbane Landhausküche“. Das Bio-Rinderfilet, in das meinen halben Lebensmitteletat der kommenden Woche investierte, breit ich auf beiden Seiten 4 Minuten an und stellte es dann für 10 Minuten bei 100 Grad in den Ofen. Ich ergänzte es mit ein paar King-Prawn-Garnelen zu einem Sur’n’Turf. Die Garnelen briet ich mit ein paar Fenchelsamen als Aromat, bis sie rot waren und flambierte sie dann mit Cognac.

Fürs Risotto (Rezept hier), in das eingeweichte Steinpilze und frische Champignons kamen, nahm ich diesmal nur die Hälfte der Champignons. Die andere Hälfte schnitt ich blättrig und dünstete sie in Butter mit etwas Zitronensaft in einer Pfanne weich. Und statt Parmesan kam halt Sbrinz ins Risotto. Der zog übrigens, als das Reisgericht etwas abkühlte, Fäden wie der Fonduekäse bei Asterix. Das hatte ich mit Parmesan noch nie erlebt.

Noch ist der Sauerampfer zart:
Urbane Landwirtschaft in Balkonien

Anstelle des traditionellen Feldsalats marinierte ich ein paar junge Blätter Sauerampfer aus dem Blumentopf mit Balsamico und garnierte sie mit in der Pfanne gebratenen Chips von blauen und normalen roten Möhren.


Sonntag, 19. März 2017

Kult(ur)-Weinmesse 2017



Feierliche Wein-Atmosphäre im Steeler Stadtgarten.

Die Grand Tour durch die Hausmessen, die einige Weinhändler im Ruhrgebiet am Vorabend der ProWein jedes Jahr traditionell veranstalten, bleibt wohl ein Traum. Zu eng ist das Zeitfenster und zu groß sind die Entfernungen zwischen Herne, Wuppertal und Essen, die schon kaum mit dem Auto schnell genug zu bewältigen wären, geschweige denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch die Einrichtung eines Wein-Shuttles würde da nicht viel nutzen.

Möglich wäre es gestern gewesen, die schon am Vormittag beginnende Internationale Hausmesse in der Weinzeche in Essen-Kray und anschließend die Kult(ur)-Weinmesse von Rolf Kaspar im Stadtgarten von Essen-Steele zu besuchen. Doch wegen des deprimiernden Dauerregens konnte sich der Genießer erst am späten Nachmittag dazu aufraffen, das Haus zu verlassen. Also blieb es bei dem Besuch der Kult(ur)-Weinmesse.

Frank Spiegel vom Weingut Ellermann-Spiegel

Und die Laune stieg sofort, als ich die feierlichen Räumlichkeiten des Steeler Stadtgartens betrat. Nicht nur, dass ich alte Bekannte traf. Frank Spiegel vom Weingut Ellermann-Spiegel, Björn Steinemann von Pompaelo Wines und Katie Jones, die Engländerin mit der Domaine in Südfrankreich, begrüßten mich mit ihren neusten Jahrgängen, was schon eine Menge Spaß machte. Rolf-Kaspar-Chef Thilo Marquass empfahl mir auch, seine Apulien-Kollektion zu probieren.

Leser des Blogs „Genussbereit“ wissen vielleicht, dass mein Leidenschaft für Wein durch den Salice Salentino aus eben jener süditalienischen Weingegend geweckt wurde (klick hier). Seitdem hat sich der Weinbau im italienischen Stiefelbasatz aber enorm entwickelt, und die Primitivo-Traube hat mit wunderbaren Trinkweinen die Gastronomie in Deutschland erobert.

Süditalienische Lebensfreude: Die Vertreter von Cignomoro und A-Mano

Und so nahmen mich die Primitivo-Kreationen der Weingüter Cignomoro und A-Mano zur Brust, betörende, fruchtig-süße und würzige Gaumenschmeichler mit mächtiger Oberweite. Besonders der Vecchia Vigne 80 von Cignomoro, immerhin zum Preis von 26,50 Euro, war überwältigend, während der Primitivo von A-Mano durch sein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis bestach.

 Meine Entdeckung.

Meine große Entdeckung war jedoch der Graupert Grauburgunder trocken vom österreichischen Weingut Michlits-Meinkanlang im Burgenland an der ungarischen Grenze. Vorgestellt wurde der Wein mit viel Engagement von Iganzio Amante von der Weinhandlung Enopolio in Bottrop.

Die Demeter-Bauernfamilie Michlits gehört zu den Pionieren des ökologischen Weinbaus in Osterreich. Ihre Marke „Meinklang“ setzt sich zusammen aus dem ersten Buchstaben ihres Namens und dem Wort Einklang, das für Einklang mit der Natur steht. In ihrem Betrieb bauen sie nicht nur Wein an, sondern auch anderes Obst und Gemüse; zudem haben sie 80 Rinder.

Grauburgunder in Orange

Der Graupert Grauburgunder geht jedoch über die normale Vorstellung von ökologischer Arbeitsweise weit hinaus. Graupert bedeutet, dass der Weinberg nicht beschnitten wird, sondern die Rebstöcke sich selbst ans Terroir anpassen können. Zudem wird der Wein als Orange Wine ausgebaut, d.h. wie ein Rotwein mit den Schalen vergoren. So kommt das Paradoxon zustande, dass man tatsächlich einen Grauburgunder von orangener Farbe im Glas hat. Mich überzeugte die kräftige Grauburgunder-Nase mit ihrer üppigen floralen Aromenvielfalt sofort; im Mund war der Wein dann etwas verhaltener. Doch das machten die wunderbaren Bilder von einer intakten Natur, die die Geschichte des Weins bei mir auslösten, sofort wieder wett.

 Für die Kultur zuständig: das Bochumer Trio "Behind Blue Eyes".
Im Glas: Grenache von der Domaine Jones.

Alle Weine erhältlich bei: www.kaspar-spirituosen. de


Samstag, 18. März 2017

1. - 9. April 2017: 3. Tag der deutschen Spitzengastronomie




In der Woche vom 1. bis zum 9. April 2017 laden über 100 hochdekorierte Restaurants in ganz Deutschland ein. Ziel der Aktion mit besonderen Menü-Aktionen ist es, so die Initiatorin Uta Bühler vom Branchenblatt „Sternklasse“ in Essen, die Hemmschwelle für die gehobene Gastronomie zu überwinden.

Aus dem Ruhrgebiet nehmen vom Niederrhein bis ins westfalische Lünen 16 Lokale teil, darunter die Sterne-Restauranst Rosin, Goldener Anker und Schote.


Hier eine Liste aller Restaurants aus dem Ruhrgebiet.
Westermann’s, Lünen
Schreiner’s Essen & Trinken, Bochum
La Grappa, Essen
Schote, Essen
Parkhaus Hügel, Essen
Da Omero, Essen
Gummersbach, Essen
Krans im Katzenstein, Hattingen
Heiner’s Gelsenkirchen
Hackbarth’s Restaurant Oberhausen
Gasthof Berger, Bottrop
Goldener Anker, Dorsten
Rosin, Dorsten
Op de Poort, Rees
Kurlbaum, Moers
Jedermann, Moers
Weitere Informationen bei „Sternklasse“. Klick hier.


Donnerstag, 16. März 2017

Neueröffnung in Dortmund: Mu-Kii Pan Asian Tapas am Phoenixsee



Dortmunder Geishas beim Pre-Opening

Intimen Kennern der Dortmunder Society-Szene zufolge hat der Genießer gestern ein ganz besonderes Event besucht, die Pre-Opening-Party des Restaurants Mu-Kii am Dortmunder Phoenix-See. Über 300 Gäste kamen, um Besitzer Wen Jang und seinen Partnern viel Glück für ihr neues Lokal zu wünschen.

Wen Jang (Mitte) begrüßt seine Gäste

Das können sie auch brauchen, denn die Adresse Am Kai 8 ist ein schönes Beispiel für den, sagen wir einmal sozialdemokratischen Spagat, den die Gastronomie an diesem Standort hinlegen muss. Mehrere Restaurantbetreiber haben hier seit Fertigstellung der Promenade vor sechs Jahren mit – ich glaube - vier verschiedenen Restaurantkonzepten versucht, dem weitgespreizten Anspruch des Phoenixsees, exklusives Resort und massentaugliches Ausflugsziel in einem zu sein, gerecht zu werden.

Party-Trubel im Mu-Kii

Vielleicht klappt es ja mit dem den Konzept des Mu-Kii, das in einem exklusiven Ambiente die gesamte ostasiatische Häppchenwelt abbilden will. Benannt ist das Ganze auch noch „Pan Asian Tapas“. Doch der Genießer fragt sich, ob diese Sushi, Dim-Sum und anderen kleinen Gerichte im mehrere eigenständige Kulturkreise umfassenden Ostasien von den Menschen dort tatsächlich nach der Kneipenkost in einem südspanischen Feriengebiet benannt wird. Aber Spanien oder Asien: für den Gast am Phoenixsee bedeutet beides in erster Linie Urlaubstimmung und landet deshalb im gleichen Erinnerungstopf.

Die Küche in Aktion

Die Beispiele, die der Genießer gestern probieren konnte, waren jedenfalls nicht übel. Was es im Einzelnen war, daran kann er sich leider nicht mehr so recht erinnern, denn das fortschrittliche Präsentationskonzept, das Mu-Kii im Normalbetrieb auszeichnet, wurde auf der Party nicht vorgeführt. Der Gast kann normalerweise seine gewählten Gerichte per I-Pad sofort an die Küche weiterleiten, die dort frisch hergestellt und sorgfältig angerichtet werden und dann vom Service gebracht zu werden. Beim Auswählen wird er gebeten, nicht über die Stränge zu schlagen und nicht zu viel zu bestellen. Die Anzahl der Teile pro Bestellgang ist begrenzt, und nicht Aufgegessenes wird mit einer Art Strafzoll belegt.

All You Can Eat am Party-Büffet

Auf der Party hingegen gab es ein klassisches asiatisches All-You-Can-Eat-Büffet, das wegen des großen Andrangs kaum nachgefüllt werden konnte und den typischen Geruch der Esbit-Brennern verbreitete. Für das Füllen der kleinen Teller war der Gast selbst zuständig, und so lud man sich viel zu viel auf, weil man ein zweites Anstehen in der Schlange vermeiden wollt. Deshalb sehen die unten stehenden Fotos leider nicht so schön aus, wie sie eigentlich könnten.

 Schnuckelige Sattmacher: Frühlingsröllchen

Pikante Fischröllchen

Garnelen und Ente

Fotowand der Gäste

 Stylishes Ambiente


Mu-Kii. Pan Asian Tapas. Am Kai 8, Dortmund-Hörde am Phoenixsee.  

Montag, 13. März 2017

Bäckerei Lübben im Mülheimer Dichterviertel: Brot und Teilchen, wie es sich gehört



Genuss ohne Sodbrennen:
Schnecke aus der Bäckerei Lübben

Eigentlich wollte ich nur ein Gläschen Honig aus dem Mülheimer Dichterviertel erwerben, auf dessen Internet-Seite die Bäckerei Lübben als Verkaufsstelle angegeben war (klick hier). Bei einer Stippvisite in die Stadt an der Ruhr ließ ich mich also durch mein Navi an Goetheplatz leiten, musste aber feststellen, dass der Honig alle war (trotz gegenteiliger Behauptung im Netz). Was aber nichts machte, schließlich lernte ich einen einzigartigen kulinarischen place to be im Ruhrgebiet kennen.

Handwerklich gebacken:
Brote aus dem Dichterviertel

In der Bäckerei Lübben mit ihrem kleinen Stehcafé treffen sich Nachbarn, Päuschen machende Briefträger und gelegentlich auch Rentner aus dem fernen Essen, die extra angeradelt kommen, um Walter Lübbens Brotspezialitäten zu kaufen. Die backt der Bäckermeister vor Ort in einem Steindampfbackofen, aus eigenem Sauerteig und seit einiger Zeit auch aus ökologisch angebauten Zutaten, obwohl sein Laden nicht bio-zertifiziert ist. Spezialität sind seine Vollkornbrote, die es mit jedem westfälischen Pumpernickel aufnehmen können, obwohl sie beileibe nicht so schwarz sind.

Schmeißt den Laden: Karin Lübben

Den Verkauf managt seine Frau Karin, die sofort den Kunden, der sich nach dem regionalen Honig fragt, für ihre Brote und Hefeteilchen begeistert. Also verlasse ich den Laden mit einem Gerstenbrot, einer Packung Vollkornbrot – und natürlich ein paar Schnecken, die geradezu archetypisch aussehen: nicht zu groß, nicht zu klein, mit der genau der richtigen Menge Zuckerguss und Rosinen. Und vor allem: Nach dem Verspeisen auf dem Balkon kam noch weiterer Appetit. Und kein Sodbrennen.

Backerei Walter Lübben, Goetheplatz 3, 45468 Mülhem. www.luebben-brot. de

 Treffpunkt im Dichterviertel: Der Genießer ist vorgefahren.


Samstag, 11. März 2017

Urbane Landhausküche: Schweineschmortopf mit Salbei, Äpfeln und Cidre



 Seit ich den Schweineschmortopf mit Salbei, Äpfeln und Cidre vor vier Jahren in der Rubrik „Gestern bei Mama“ veröffentlichte, wollte ich ihn immer wieder machen. Die Zutaten waren einfach zu bestechend, und schmecken tat es fantastisch.

Heute war es endlich soweit. Das wunderbar milde Vorfrühlingswetter lud gerade dazu ein, die Balkonsaison zu eröffnen, und so gab es „Gestern bei Mama“ einfach „Auf dem Balkon“. Und eine neue Bezeichnung, die den Küchenphilosophen in mir befriedigte, fiel mir auch dazu ein: urbane Landhausküche.

Da ich mich weitestgehend an das damalige Rezept hielt, reicht es, wenn ich den alten Post verlinke: klick hier. Ich variierte lediglich die Beilage. Statt Speckböhnchen gab es diesmal karamellisierte bunte Möhrchen dazu, gemeinsam mit dem bewährten Sahne-Kartoffelpüree.

Um Euch die Sache schmackhaft zu machen, hier die Fotos der urbanen Landhausküche.

 Urbane Landhausküche: Zutaten auf dem Balkon

Hier ein bisschen größer. 

Auf dem Balkon: experimentell angerichtet

 Auf dem Balkon: klassisch angerichtet

Vor vier Jahren bei Mama:
Urbane Landhausküche im 16. Stock über Mülheim 
Zum Rezept klick hier