Sonntag, 14. Oktober 2018

Slow Food Genussführer 2019/20 erschienen. Ein paar kritische Gedanken.



Der Blick ins Impressum lässt nicht nur den bewussten Feinschmecker, sondern auch einen notorischen Karl-May-Freund wie den Genießer jubilieren. Als Druckerei des Slow Food Genussführers wird dort nämlich die Friedrich Pustet GmbH und Co. KG angegeben, zu der auch ein gleichnamiger Verlag gehört. Dort erschien einst die schwer katholische Zeitschrift „Deutscher Hausschatz in Wort und Bild“, in der 1881 erstmals Karl Mays Reiseerzählung „Durch die Wüste“ abgedruckt wurde, ein Klassiker der Abenteuerliteratur.

Durch die Wüste, so kommt es einem auch vor, wenn man den 752 Seiten dicken Wälzer nach Restaurants aus dem Ruhrgebiet durchforstet. Von den insgesamt 598 aufgeführten Adressen in ganz Deutschland liegen nur ganze drei ins unserer 5 Millionen Einwohner umfassenden kulinarischen Diaspora: die Rôtisserie du Sommelier in Essen-Rüttenscheid, Lecker Werden in Essen Werden und die Mausefalle in Mülheim an der Ruhr.

Es ist schwer zu entscheiden, woran das liegt. Vieles spricht dafür, dass es in unserer Region wirklich nur sehr wenige Restaurants gibt, die die Slow-Food-Kriterien „gut, sauber und fair“ tatsächlich“ erfüllen. Was das genau bedeutet, wird im Genussführer auf anderthalb Seiten ausgeführt: mit frischen und saisonalen Lebensmitteln kochen, gutes Handwerk praktizieren und sich dazu den kulinarischen Produkten ihrer Region verbunden fühlen – und das auch noch zu fairen Preisen. Auf der anderen Seite mag es aber auch daran liegen, wie die Auswahl der Restaurants für den Genussführer zustande kommt. Recherchiert und getestet werden sie ehrenamtlich von den Slow-Food-Mitgliedern aus den Ortsgruppen des Vereins, Convivien genannt. Im Ruhrgebiet gibt es drei davon: Slow Food Essen, Slow Food Bochum und Slow Food Dortmund. Aktiv ist in diesem Zusammenhang aber nur Slow Food Essen. So wundert es nicht, dass die drei Restaurants im Genussführer genau in dessen Bereich liegen.

Eine weitere Frage ist, warum sich eigentlich so wenig Köche und Köchinnen im Ruhrgebiet von sich aus für Slow Food interessieren. Schließich ist Slow Food eine weltweit agierende Bewegung, die sich für eine lebendige und nachhaltige Kultur des Essens und Trinkens einsetzt – eine Haltung, die jeder Gastronom teilen kann. So stellt de Genussführer u.a. die Slow Food Chef Alliance vor, den internationalen Zusammenschluss von Köchen, die sich dem Slow-Food-Gedanken verpflichtet fühlen. In Deutschland gehören allerdings nur ganze 26 Köchinnen und Köche dazu – aus dem Ruhrgebiet ist immerhin Patrick Jabs von Lecker Werden dabei. Ob es daran liegt, dass Slow Food für Köche und Gastronomen, die ja in erster Linie auch ökonomisch bestehen müssen, nicht wirklich den nötigen Support bringt, den sie brauchen? Die Slow-Food-Kriterien im täglichen Kampf um den Kunden durchzuhalten, erfordert schließlich mehr als nur eine tiefe Überzeugung.

Slow Food Genussführer 2019/20. 752 Seiten, Oekom Verlag München, 2018. ISBN-13: 978-3-96238-057-1. Preis: 28 Euro

Freitag, 12. Oktober 2018

Neu im Dortmunder Saarlandstraßenviertel: Bistecca



Prosecco im Bistecca

Bis Anfang des Jahres hieß das Lokal an der Chemnitzer Straße noch Rossini und war der Versuch u.a. von Gastronom David Jaha, im Dortmunder Saarlandstraßenviertel ein Edelrestaurant zu etablieren. Das Projekt endete im Januar 2018 mit einem Eklat. Da nützte es auch nichts, dass sich TV-Restaurantretter Frank Rosin mit seiner Sendung einmischte – genauso wenig wie das kurzzeitige Engagement von Dortmunds buntestem Küchenvogel David Kikillus.

Inhaber Sado Grjaija

Seit Ende September wagt der neue Inhaber Sado Grjaija in den gleichen Räumlichkeiten mit neuem Namen den Neuanfang. Sein Bistecca hat die äußerst elegante Inneneinrichtung übernommen.Die dunkelgrauen Wände unf glitzernden Kronleuchter verbreiten eine urbane Atmosphäre. Der Schriftzug „Bistecca“ ist in seiner klassischen Typographie zeitlos, die Filmstarbilder an den Wänden entführen den Gast in die Dolce-Vita-Zeit des 1950er und 60er Jahre.

Urbane Eleganz im  Saarlandstraßenviertel

Antipasti auf dem Teller fürs Rat Pack auf dem Foto

Die Küche gibt sich zwar fein, ist aber eher konventionell, wie der Genießer bei einem Presseessen vor zwei Wochen feststellen konnte. Sado Grjaria, der zuvor u.a. für das Ristorante La Toscana verantwortlich war, stammt aus der italienischen Minderheit im Kosovo und scheint so ein Gespür für den Appetit der Menschen im Ruhrgebiet zu haben. So hat er eine ganze Reihe von Steakspezialitäten auf der Karte – das dem Restaurant den Namen gebende Bistecca Fiorentina allerdings nicht. Das ist das berühmte T-Bone-Steak vom Chianinarind, einer seltenen Rinderasse aus der Toskana. „Das anzubieten wäre für uns hier viel zu teuer“, erklärt Sado.

Fürs Presseessen kamen also eine Reihe von unprätentiösen üppigen Portionen nach italienischen Rezepturen auf den Tisch. Klasse waren die Schnecken als Vorspeise, vorzüglich das leichte Tiramisu zum Dessert.

Das Menü 

Lumache alla Sado
Schnecken in Cognacsahnesauce mit Parmesan


Im Glas: Lugana Fossadel

 Antipasti-Platte für fünf Personen

Filet Stroganoff mit Penne 

 Seezunge und Garnele mit Spinat und: Erdbeersauce!

 Hausgemachtes Tiramisu

Espresso

Grappa als Digestif

Per sempre!

Bistecca, Chemnitzer Str. 98 Ecke Landgrafenstr. , 44139 Dortmund . Tel.: 0231/20654655. Tägl. 11-24 Uhr. Infos auf Facebook und auf Cityrestaurants


Donnerstag, 11. Oktober 2018

Wochenplan: Kulinarische Termine vom 12.10. - 18.10.2018



14.9. - 28.10.2018
Restaurant-Karussell Herbst
Essen u.a. Städte

13.10.2018
Hopfen total
Offuzielle Eröffnung von Hopfen&Salz
Dortmund, Hopfen&Salz
Infos auf Facebook

13.10.2018
Garten- und Erntemarkt
Dortmund, Zeche Zollern

13.10.2018
Führung durch den Arbeitergarten
mit Verkostung Rosenkohl
Dortmund, Zeche Zollern

14.10. - 16.10.2018
GastroTage West
Branchentreff für Fachbesucher
Essen, Messe

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Mittwoch, 10. Oktober 2018

Genießers Kochkurs „Burger hausgemacht“: Königsberger Klops Burger und anderes



Drei Burger: Vorne der Königsberger Klops Burger,
hinten der Bouillabaisse Burger und der Zwiebelburger

Geht der Burger-Boom dem Ende entgegen? Zum vierten Mal hatte der Genießer am 9.10.2018 an der VHS Herne einen Kochkurs mit hausgemachten Burgern angeboten, aber zum ersten Mal war er nicht ausverkauft. Waren in den letzten Jahren die 16 Plätze schon kurz nach Erscheinen des jeweiligen VHS-Programms belegt, so hatten sich diesmal „nur“ 12 Teilnehmer angemeldet. Was aber gar nicht übel war, denn so hatten wir etwas mehr Zeit, die Burger zuzubereiten. Interessant war, dass dabei sieben Frauen fünf Männern gegenüber standen.

Gemischte Truppe: Sieben Frauen ...

...fünf Männer

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer teilten sich in drei Gruppen auf, die jeweils 12 kleine Probierburger (plus 1 für den Kursleiter) nach einem Rezept herstellten. Insgesamt wurden also 39 Burger fabriziert. Alles wurde selbst gemacht. Die Buns (Brötchen) wurden selbst gebacken, das Fleisch für die Patties (Frikadellen) selbst durch den Wolf gedreht, die Saucen selbst angerührt und die Salate selbst angemacht.

Beim Teig für die Buns wurde auf das Rezept zurück gegriffen, das sich auch in den vorherigen Kursen bewährt hatte. Der Hefeteig, diesmal aus einer Mischung aus Dinkel- und Roggenmehl, braucht danach nur 40 Minuten zum Gehen und wurde pro Rezept noch durch eine besondere Zutat variiert.

Hier die Burger mit den Links zu den Rezepten.


Zwiebelburger mit Auerochsenfleisch und  Joghurt-Mayonnaise
nach der WDR-Sendung „Lecker an Bord“

Eine der schönsten Kochsendungen der letzten Zeit sind die Folgen von „Lecker an Bord“ im WDR Fernsehen. Da schippern die Köche Björn Freitag und Frank Buchholz mit einem Skipper auf einem chicen Hausboot über die Flüsse und Kanäle in NRW. Überall, wo sie anlegen, gehen sie in handwerklich arbeitenden Betrieben Einkaufen und bereiten aus diesen Zutaten dann ein Menü zu. In der Folge vom 27. August 2018 besorgt Frank Buchholz Fleisch vom Roten Höhenvieh und bereitet daraus eine Zwiebelburger mit Joghurt-Mayonnaise zu. Das Fleisch würzt er elegant u.a. mit der Curry-Mischung „GOA“, in den Teig für die Buns kommt zusätzlich Honig. Zur Sendung in der WDR Mediathek klick hier, zum Original-Rezept klick hier.

Für den Kochkurs besorgte der Genießer das exquisite Fleisch der halbwild lebenden Auerochsen aus Hattingen-Winz-Baak und natürlich auch die Currymischung „GOA“. Wie im Fernsehen wurde das Patty durch gebratene Baconscheiben, Zucchini, Avocado und die Joghurtmayonnaise ergänzt. Zum für den Kurs modifizierten Rezept klick hier.



Bouillabaisse Burger

Als Fischburger-Variante hat sich im Laufe der Burgerkurse der Bouillabaisse Burger entwickelt, in dem der Genießer versucht, die Aromen der südfranzösischen Fischsuppe einzufangen: Safran, Fenchel, Orange, Knoblauch. Das geschieht teils durch Saucen: die Safran-Knoblauch-Mayonnaise Rouille, das Pistou aus Basilikum und die Tapenade aus Oliven und Sahne. Die Fisch-Patties bestehen aus den festfleischigen Filets von Dorade und Loup de Mer sowie Garnelenfleisch. Der Teig für die Buns wird mit Safran gewürzt. Zum Rezept klick hier.


Königsberger Klops Burger

Experimentell und traditionell zugleich ist dieser Burger. Dazu wurden ganz klassisch Königsberger Klopse aus Kalbs- und Schweinehackfleisch und Sardellen in einem Sud aus Weißwein, Essig und Gewürzen gar gezogen, also nicht gebraten - und bfleach gedrückt. Aus der dabei entstandene Brühe wurde eine dicke Sahnesauce mit Kapern zubereitet, die im Burger die Mayonnaise ersetzte. Dazu gab es Rote Bete und eingelegte Gurken. Der Teig für die Buns wurde mit Kartoffelstampf angereichert. Zum Rezept klick hier.


Fazit

Am Ende waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von allen Burgern begeistert. Einen Favoriten konnten sie nicht benennen. Den pikanten Zwiebelburger empfanden sie eher als „normal“, den Königsberger Klops Burger eher als mild. Überrascht waren alle von der Aromenexplosion des Bouillabaisse Burgers. Im Lauf des Kurses merkten sie aber auch, wie aufwendig es ist, wenn man einen Burger selbst herstellt und dabei nicht auf vorgefertigte Produkte zurückgreift. Man kann mit Burgern sicherlich auch anspruchsvolle Küche zubereiten, die nichts mit einem bunten Kindergeburtstag zu tun hat.

Freitag, 5. Oktober 2018

Wochenplan: Kulinarische Termine vom 5.10. - 11.10.2018



bis 28.10.2018
Restaurant-Karussell Herbst
Essen u.a. Städte

bis 7.10.2018
Essen erntet
Essen, Orangerie in der Gruga

5.10.2018
Whiskytasting
Hattingen, Henrichshütte

5.10. - 7.10.2018
Food Lovers Street Food Markt
Essen, Zollverein

6.10.2018
Herbstfest auf der Bonnekamphöhe
Essen, Bonnekamphöhe

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Samstag, 29. September 2018

Edition Genussbereit: Pikantes Ochsenherz mit Ananas und italienischen Kräutern



Am letzten Wochenende produzierten Katrin von der Manufaktur „im Glas“ und der Genießer ein neues Produkt der Edition Genussbereit: Pikantes Ochsenherz mit Ananas und italienischen Kräutern.

Auf dem großen Slow-Food-Menü rund um die Tomate bei Mario Kalweit hatten wir die grandiosen Ochsenherz-Tomaten von der Demeter-Gärtnerei Werkhof in Dortmund kennen (klick hier). Sie waren aufgrund des heißen Sommers top gereift. Kurzerhand kaufte Katrin die letzten 15 Kilogramm auf, so dass wir uns ans Werk machen konnten. Es entstanden sage und schreibe 38 190-Gramm-Gläschen des exklusiven Produktes. Jedes Gläschen reicht – auf dem Teller verfeinert mit geriebenem Parmesan und gehacktem frischen Basilikum- - für zwei große Portionen Spaghetti.

Basis für das „Pikante Ochsenherz mit Ananas und italienischen Kräutern“ ist das legendäre Spaghetti-Saucen-Rezept der Genießers mit Ananasmarmelade (klick hier), allerdings mit weitaus exklusiveren Zutaten. Statt Dosentomaten verwendeten wir nun die kostbaren Ochsenherzen, das Ananasmus kam nicht aus dem Marmeladenglas, sondern wurde selbst eingekocht. Ebenso kamen die Paprika nicht aus dem Glas, sondern wurden im Ofen selbst geröstet. Abgerundet wurde das Ganze mit einem dicken Kräutersträußchen, die meisten von Katrins Hochbeet.


An Leute, die Interesse haben, geben wir die Gläschen zum Selbstkostenpreis von 6 Euro weiter. Erhältlich sind sie am 10.9.2018 auf dem Feinkost-Festival für Foodies DELINALE im Schauspielhaus Dortmund (klick hier) oder ab nächste Woche in Katrins Manufaktur „im Glas“, Am Krüzweg 18, 44879 Bochum (Facebook)



Donnerstag, 27. September 2018

Wochenplan: Kulinarische Termine vom 28.9. - 4.10.2018



Das Wochenende steht im Zeichen traditioneller Ruhrgebietsspezialitäten. Bereits seit Mittwoch findet in Dortmund das Pfefferpotthastfest statt, bei dem verschiedene Anbieter das Dortmunder Nationalgericht in einem großen Festzelt servieren. Das Panhasfest in Hattingen ist eher die gemütliche Herbstausgabe das Kulinarischen Altstadtmarktes, der Gourmetmeile im Sommer. Nur dreht sich jetzt alles um den Panhas.
Und alle Leute, die ihre Essgewohnheiten auch intellektuell durchdenken, sind am Sonntag ganz herzlich zur DELINALE ins Dortmunder Schauspielhaus zu "Talks und Tastings" eingeladen.

bis 30.0.9.2018
Dein Kochquintett Dortmund
Monatsmenü September
Dortmund, Rödels Kochlokal

bis 30.9.2018
Dein Kochquintett Duisburg
Monatsmenü September
Duisburg, Villa Patrizia

bis 30.9.2018
Dein Kochquintett Kreis Vest
Monatsmenü September
Dorsten, Püttmann

bis 28.10.2018
Restaurant-Karussell Herbst
Essen u.a. Städte

26.9. - 30.9.2018
Pfefferpotthastfest
Dortmund, Hansaplatz

28.9.2018
Whiskytasting
Hattingen, Henrichshütte

28.9. - 30.9.2018
Hattinger Panhas-Fest
Hattingen, Kirchplatz 

29.9. - 30.9.2018
Food Lovers Street Food Markt
Bochum, Privatbrauerei Moritz Fiege

30.9.2018
DELINALE
Feinkost für Foodies
Dortmund, Schauspielhaus

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Mittwoch, 26. September 2018

Neu in Dortmund: Das nordchinesische Nudelrestaurant JIA in Hörde



 Dorna aus der Inneren Mongolei bereitet
die Füllungen für ihre Teigtaschen zu.

Vor etwas über einem Jahr berichtete der Genießer an dieser Stelle über die Neueröffnung des italienischen Restaurants „Da Lisetta“ in Dortmund-Hörde. Das ist mittlerweile Gastrogeschichte und Lisettas Familie hat sich anderweitig orientiert. Das hübsche Lokal im Hörder Kiez haben seit Anfang September 2018 Alexander von Kleist und seine Frau Dorna übernommen – und bereichern die Dortmunder Gastronomie, wenn nicht sogar die im ganzen Ruhrgebiet, um eine ungewöhnliche Facette.

Essstäbchen mit JIA-Branding

Alexander von Kleist, gelernter Koch und durchaus verwandt mit dem gleichnamigen preußischen Dichter, hat u.a. vier Jahre lang in China als Deutschlehrer gearbeitet. Bereits in Deutschland hatte er seine Frau Dorna kennen gelernt, die aus der Inneren Mongolei stammt, einer autonomen Provinz in Nordchina. Wieder zurück, widmeten sich die beiden zuerst in Berlin der nordchinesischen Küche, um jetzt nach Dortmund zu kommen und das JIA aufzumachen.

Alexander von Kleist ist Craft-Beer-Spezialist

Die nordchinesische Küche unterscheidet sich deutlich von der südchinesischen Kanton-Küche, die maßgeblich die süßsauren Fantasiegerichte der deutschen Chinarestaurants inspiriert hat. Sie ist eng mit der koreanischen und japanischen Küche verwandt und natürlich auch mit der mongolischen, die wiederum auch nichts mit den sog. mongolischen BBQs zu tun hat, wie man sie aus der deutschen Fastfood-Küche kennt. So ist es nicht verwunderlich, dass die Karte des JIA nicht die unzähligen Positionen der üblichen China-Speisekarten aufweist, sondern sich auf nur wenige Gerichte konzentriert. Und das sind Nudeln

Neben einigen salatähnlichen Vorspeisen mit u.a. so authentischen Zutaten wie Schweineohren und Schweinhaut gibt es Teigtaschen: Biaozi (aus Hefeteig) und vor allem Jiaozi. Sie sind mit Schwein- Rind- oder Lammfleisch und natürlich mit Gemüse gefüllt. Jiaozi werden gedämpft, gekocht oder gebraten angeboten. Der Gast bekommt ein Schälchen dazu, in dem er sich einen Dip aus Essig und Chili nach eigenem Geschmack zusammenrühren kann. Darüber hinaus gibt es noch dicke, makkaroniähnliche Nudeln, die mit verschiedenen Gemüsen und Fleisch oder als Einlage in köstlichen Suppen angeboten werden.Selbstverständlich ist alles von Dorna nach authentischen Rezepten hausgemacht. JIA bedeutet so viel wie „zu Hause“, und der Untertitel des Restaurantnamens „The taste of home“ ist Programm.


Bei einem Presseessen präsentierten Dorna und Alexander von Kleist einen kleinen Querschnitt durch ihre wunderbare Küche. Dabei wurde auch Alexanders Leidenschaft für Craft Beer deutlich – eine Eigenschaft, ohne die ein modernes Restaurant in Bierstadt Dortmund nicht mehr auskommt. Zu den Nudeln konnten wir eine Reihe von Bierspezialtäten verkosten, von denen er eine ganze Reihe auch frisch gezapft im Angebot hat.

Das Presse Menü 

Als Aperitif eine Auswahl an Craft-Bieren

Teigtaschen gedämpft...

 ...gebraten...

...und gekocht mit verschiedenen Füllungen

 Schweineohren mit Chili und Knoblauch

 Salat aus Gemüsestreifen und Glasnudeln

Nudelsuppe mit Rindfleisch und Gemüse

Nudeln mit Muscheln und Garnelen 

Schweinohren mit Gemüse

 Köstliche Teigtaschen

 Im Schälchen ein Dip, den sich der Gast selbst zubereitet

 Zum Abschluss einen chinesischen Schnaps:
"Gan bei!" ("Auf ex!")

China in Hörde

 Dorna und Alexander von Kleist

JIA – The taste of home. Am Buschheck 29, 44263 Dortmund-Hörde. Tel. 0231/18720434. M-Fr. 12-14.30. und 18-22 Uhr. Sa 17-22, So 13-22 Uhr. Infos auf Facebook und Cityrestaurants

Donnerstag, 20. September 2018

Ein Jahr „La Petite Cave de Jeannette“ in Essen-Rüttenscheid



Philemon und Baucis des Essener Gastronomie:
Jeannette und Peter Schnitzler

Eigentlich war der erste Geburtstag des kleinen Kellerrestaurants „La Petite Cave de Jeannette“ in Essen-Rüttenscheid schon letzte Woche, am 13. September – aber da lag der Genießer von einer Virusinfektion niedergestreckt flach im Bette. Frisch genesen holte er gestern den Gratulationsbesuch nach und freute sich herzlich darüber, wie glücklich Jeannette und Peter Schnitzler am neuen Standort sind.


Bis Ende 2016 führte das Essener Gastronomenpaar „Schnitzler’s Restaurant“, ein traditionsreiches Landhaus auf den Ruhrhöhen im Byfang. Die Bewirtschaftung des großen Hauses wurde aber immer schwieriger, eine grundlegende Renovierung des alten Gemäuers stand an, wäre aber unverhältnismäßig teuer gewesen. Und so entschlossen sie sich zu einem radikalen Schritt. Sie verkauften das Haus mit dem großen Grundstück am Rande der Stadt und. Im September letzten Jahres übernahmen sie dann das winzige Kellerlokal in Rüttenscheid, in dem vorher der legendäre Corrado Spinola jahrelang die feine Küche hochgehalten hatte (klick hier).

Bilderbuchbistro in Essen-Rüttenscheid

Neben dem laufenden Betrieb renovierten sie die etwa 20 Plätze umfassende Souterrain-Location und machten daraus eine Art Bilderbuchbistro, wie es sich der frankophile Feinschmecker nicht schöner vorstellen kann. Peter Schnitzler gibt den Patron und Garçon (und Sommelier) in einer Person, während Jeannette als Reinkarnation der berühmten „mères“ aus Lyon ihre spezielle Autorenküche zelebriert, in dem sie ausgesuchte, häufig regionale Zutaten mit internationalen, häufig asiatischen Einflüssen kombiniert. „La Petite Cave de Jeannette“ scheint zu zeigen, dass die Verkleinerung der Ausweg aus der Krise fürs Fine Dining ist - besonders in Rüttenscheid, wo sich in letzter Zeit die Generation Burger anschickt, den Stadtteil zur Fast-Food-Area zu gentrifizieren.

Den Genießer empfingen Jeannette und Peter Schnitzler mit einer gastfreundlichen Herzlichkeit. Die an das Seniorenpaar Philemon und Baucis aus der griechischen Mythologie erinnerte, das den Göttervater Zeus bewirtete und damit belohnt wurde, dass seine einfache Hütte in einen Tempel verwandelt wurde, während der Rest der Stadt unterging. Der Genießer jedenfalls fühlte sich bei dem kleinen, raffinierten und dabei sehr bodenständig wirkenden Menü wie Gott in Frankreich.

Das Menü

Vorspeise
Jakobsmuscheln auf Sauerkraut und Kokosmilch
Eine animierende, herzhaft-exotisch-knackige Kombination

Hauptgang
Würfel aus der Eifeler Urlammkeule in Thai-Curry-Kichererbsen-Sauce
Erstklassiges regionales Lammfleisch mit exotischer Schärfe.

Dessert
Apfeltarte mit Walnüssen und Vanilleeis
Herbstliche Klassik

Im Glas
Marrenon Grande Toque Luberon Blanc 2017
Fruchtige Cuvee aus dem ursprünglich aus Italien stammenden Vermentino mit der südfranzösischen Grenache blanc, schön knackig zur Jakobsmuschel 

Gott in Frankreich lebt im Souterrain


La Petite Cave…de Jeannette. Kortumstr. 47, 45131 Essen-Rüttenscheid. Tel. 0201/50599649. Di-Fr 12-14.30 Uhr und 18-22 Uhr. Sa 18-23 Uhr. So. Mo geschlossen. www.la-petite-cave-de-jeannette.de