Mittwoch, 15. Mai 2019

Gourmetmeilen 2019: Spargel-Gourmet-Festival Ende Mai wieder auf Hof Umberg in Bottrop-Kirchhellen



Jörg Umberg (Mitte) und Rainer Bierwirth (rechts) mit ihren Mitstreitern

Manchmal muss man etwas verändern, damit es bleibt wie es ist. Diese sizilianische Weisheit gilt auch im Ruhrgebiet. Im letzten Jahr schlug das Spargel-Gourmet-Festival seine Zelt in der Essener Innenstadt auf. De Grund: Auf der A31 bei Bottrop-Kirchellen, wo das Fest traditionell stattfindet, war eine Baustelle, so dass Hof Umberg für die Gäste kaum erreichbar war. „Mit den Essener Besucherzahlen waren wir sehr zufrieden“, erklärte Veranstalter Rainer Bierwirth auf der gestrigen Pressekonferenz. „Dennoch sind wir froh, in diesem Jahr wieder zurück auf dem Land in Kirchhellen zu sein.“

Es geht um Spargel ...

Das Spargel-Gourmet-Festival findet in diesem Jahr zum 10. Mal statt. Gegründet wurde es im Kulturhauptstadtjahr 2010 von einigen Gastronomen des Vereins „Essen genießen e.V.“, die auch für die Gourmetmeile „Essen verwöhnt“ in der City der Ruhrgebietsmetropole und andere Gourmetveranstaltungen verantwortlich ist. „In Essen fanden wir aber keinen geeigneten Bauernhof, der groß genug, gut zu erreichen und trotzdem idyllisch gelegen war und genug Parkplätze hatte“, erklärte Bierwirth den Ausflug aus den grauen Essener Mauern ins Grüne „der bäuerlichen Hauptstadt des Ruhrgebiets“.

... und Erdbeeren

Bislang fand das Festival immer über Pfingsten statt; diesmal aber am langen Christi-Himmelfahrts-Wochenende vom 30. Mai bis zum 2. Juni 2019. „Pfingsten liegt in diesem Jahr so spät. Da neigt sich die Spargelsaison schon sehr dem Ende zu und die Ernte und auch der Spargelappetit ist dann nicht mehr so üppig“, erklärt Spargelbauer Jörg Umberg. So wurde der Termin vorgezogen – auch um die große Veranstaltungsdichte in Kirchhellen über Pfingsten zu entzerren.

Neben den drei Essener Festival-Veteranen Kiepenkerl, La Turka und Trüffel da Diego und den Lokal-Matadoren Jammerkrug und Scharun ist erstmals das Wasserschloss Wittringen aus Gladbeck dabei. Alle Gastronomen bieten Speisen mit tagesfrisch geerntetem Spargel und Erdbeeren von Hof Umberg an. Familie Umberg selbst sorgt für Kaffee und Kuchen.

Neu: Gutscheine zum Verschenken

Die Veranstalter bieten erstmalig ein Gutscheinbriefchen an. Es kostet 24 Euro und enthält Gutscheine für je eine Vor- und Hauptspeise, eine Dessert und ein alkoholfreies Getränk. Wer nicht alle Gutschein verbraucht, kann sie auch auf den anderen Veranstaltungen von „Essen genießen e.V.“ im laufe des Sommers aufbrauchen.

30.5. – 2.6.2019. Spargel-Gourmet-Festival. Hof Umberg, Bottrop-Kirchhellen. Overhagener Feld 10. Tägl. ab 12 Uhr. Alle Infos, Speisekarten und Anfahrt-Tipps klick hier.

Dienstag, 14. Mai 2019

Slow Food Bochum: Kräuterwanderung über den Tippelsberg



Anke Roßmannek vom "Haldensalat" und die Slowfoodies

Am 11. Mai 2019 trafen sich etwa 17 Mitglieder von Slow Food Bochum und Freunde zu einer Kräuterwanderung über den Tippelsberg unter der sachkundigen Führung der Kräuterpädagogin Anke Roßmannek und des Umweltkünstlers und Insektenkenners Fedor Thadeusz von „Haldensalat“.

Aussicht vom Tippelsberg

Der Tippelsberg ist eine ehemalige Müllhalde im Bochumer Norden, die 2003 renaturiert wurde. Die Begrünung ist äußert aufwendig, zahlreiche Gehölze wurden gepflanzt und Kräuter und Gräser ausgesät, so dass es dort heute eine für das Ruhrgebiet einzigartige Artenvielfalt gibt. Der Tippelsberg ist mit 150 Metern eine der höchsten Erhebungen im Mittleren Ruhrgebiet und bietet eine fantastische, bei entsprechendem Wetter 80 km weite Aussicht bis nach Essen, Gelsenkirchen, Dortmund und mehr.

Am Ausflugstag machte der Eisheilige Mamertus seinem Namen alle Ehre. Es regnete zwar nicht, aber es war ziemlich frisch, so dass die Blütenpracht, die man Mitte Mai erwarten sollte, etwas zu wünschen übrig ließ. Und auch die zahlreichen Insekten, die sich sonst auf dem Tippelsberg tummeln, zogen es vor, in der Kältestarre zu verharren statt sich zu zeigen.

Dennoch konnten Anke und Fedor auf zahlreiche Attraktionen am Wegesrand hinweisen. Durch die Ausweisung des Tippelbergs als Naherholungsgebiet darf man alle Grünflächen betreten, aber genau das ist auch ein Grund, weshalb das Verzehren hier gesammelter Kräuter nicht empfehlenswert ist. Die Bedingungen sind zu unhygienisch.

So waren auch die kleinen Häppchen, Marmeladen, Gelees, Schnäpse und Tees, die Anke bei einem kleinen Picknick auf dem Gipfel des Tippelberges zu Verkostung anbot, nicht aus hier gesammelten Kräutern und Pflanzen hergestellt, sondern aus solchen aus ihrem Garten.

 Fedor Thadeusz erläutert die Insektenwelt

 Was kreucht denn da, was wächst denn da?

Pimpinelle

Gundermann, schmeckt gut in Schokolade getaucht

Wilder Salbei

 Wilde Erdbeeren

Anke erklärt die Nützlichkeit der Birke

Schneeball, entwickelt Beeren, die unreif giftig sind

Und das sind Brennnesseln (auch lecker)

Raubspinne

 Glanzkäfer

Anke bereitet das Picknick vor

Allerlei Zubereitungen mit Kräutern,
allerdings aus dem eigenen Garten.

Stehparty zum Eisheiligen

Schlusswort auf dem Parkplatz

Fotos: Peter Krauskopf, Torsten Rieck, Katrin Manzke

Montag, 13. Mai 2019

Sonntagskaffee: Blaubeertarte mit Mandelcrème



Fürs Foto kam mal wieder Omas fast 100 Jahre
altes Hochzeitsservice zum Einsatz.

Ob es wirklich klug war, die Blaubeeren zu kaufen, die verschiedene Supermarktketten zum Muttertag im Angebot hatten, weiß ich nicht. Jedenfalls wurden die z. T. weintraubengroßen Dinger auch nicht aromatischer, als ich sie fürs Foto aus dem müllintensiven Plastikeimer, in dem sie abgepackt waren, in ein naturnah wirkendes Spankörbchen umfüllte. Die Tartes, die ich dann daraus backte, waren aber trotzdem ganz lecker, weil ich die Mandelcrème, mit der ich den Blätterteig bestrich, bevor die Beeren darauf kamen, kräftig fruchtig und frisch mit Zitronenschale und Minze aufpimpte.

Fotogen umgefüllt: dicke, aber nur wenig aromatische Blaubeeren

Dass ich TK-Blätterteig (und nicht etwa Mürbeteig) nahm, lag einfach daran, dass ich noch eine Packung im Tiefkühler hatte. Wer Lust hat, kann ihn auch relativ einfach selbst machen. Man braucht nur etwas Zeit. Ein Rezept gibt es hier.


Rezept: Blaubeertarte mit Mandelcrème
6 Tartes

500 g Blaubeeren
1 Packung TK-Blätterteig mit sechs quadratischen Teigscheiben (300 g)
1 Ei
60 g Zucker
60 g Butter
75 g gemahlene Mandeln
ausgekratztes Mark von 2-3 cm Vanilleschote
Schalenabrieb ein halben Zitrone
1 TL frische oder getrocknete Minze

Die TK-Blätterteigscheiben nebeneinander legen und auftauen lassen, bis sie geschmeidig sind.
Für die Mandelcrème weiche Butter, Zucker, Ei und gemahlene Mandeln mit einander verrühren, Ausgekratztes Vanillemark, Zitronenabrieb und Minze unterheben und eine geschmeidige Masse herstellen.

Die Ränder der Blätterteigscheiben fünf Millimeter einschlagen und festdrücken. Mandelmasse in den so entstandenen Vertiefungen verteilen. Gehörig Blaubeeren darauf und bei 220 Grad auf einem mit Backpapier bedeckten Blech 20 bis 30 Minuten backen, bis der Teig aufgegangen und braun geworden ist. Am besten lauwarm servieren.

Ein einfaches Rezept für selbst gemachten Blätterteig gibt es hier.





Montag, 6. Mai 2019

Spargelrisotto Negativ: Schwarzer Jasminreis | Weißer Spargel | Französischer Estragon | Grana Padano



Als ich das Internet nach Spargelrisotto durchsuchte, wurden mir fast ausschließlich Rezepte mit grünem Spargel angezeigt. Das schmeckt natürlich fantastisch, und grüner Spargel auf weißem Reis ergibt eine frühlingshafte zarte Farbkombination. Aber warum das Ganze nicht quasi als Negativ auf den Teller bringen, als schwarzen Reis mit weißem Spargel?

Schwarzes Risotto kannte ich besonders aus der kreativen italienischen Küche, es wird dafür der Riso Venere verwendet. Ich hatte im Schrank noch einen Rest schwarzen thailändischen Jasminreis, den ich genauso verwenden konnte. Zudem hatte ich in einem Bauernladen an der Meisenburgstraße zwischen Essen-Bredeney und Kettwig eine Handvoll weißer Spargelspitzen gekauft, die man prächtig darunter mischen konnte.

Anders als die typischen weißen Risottosorten Arborio, Carnarolo oder Vialone weist der schwarze Reis ein anderes Kochverhalten aufweist. Während Rundkornreis nach 17 Minuten die ideale Risotto-Konsistenz hat, muss der schwarze Reis fast ein Stunde kochen, um weich zu werden. Und so schön schlotzig wird das Ganze auch nicht – aber das wird durch die ungemein elegante Farbwirkung des fertigen Gerichts wieder aufgewogen. Und der feine nussige Geschmack des Reises ergänzt sich fantastisch mit der Butter, dem Käse und der süßen Bitterkeit des Spargels.

Rezept: Schwarzer Jasminreis | Weißer Spargel | Französischer Estragon | Grana Padano
2 Portionen

1 Tasse schwarzer Jasminreis
3 Tassen Gemüse- oder besser noch Hühnerbrühe
1 Zehe Knoblauch
1-2 Schalotten
1 Schuss Rotwein
1 Zweig französischen Estragon
10 dünne weiße Spargelspitzen mit etwas Stange dran
Butter
Grana Padano oder Parmigiano Reggiano
Pfeffer, Salz

Reis zwei Mal waschen und das Wasser jeweils wegschütten.
Schalotten und Knoblauch fein würfeln.
Spargel schälen, Spargelköpfe von den Stangenresten trennen. Die dann in ½ Zentimeter lange Stückchen schneiden.
Brühe in Köcheln bringen. Spargelköpfe und -stücke kurz mitziehen lassen und wieder herausfischen.
Butter in einem Topf auslassen und Knoblauch und Schalottenwürfel anschwitzen. Gewaschenen Reis und Spargelstangenstückchen (ohne Köpfe) dazugeben, ebenfalls anschwitzen und mit einem Schuss Wein ablöschen. Wein verdampfen lassen. Den Großteil der heißen Brühe und den Estragon dazugeben. Zudecken und 50 Minuten garen lassen. Zwischendurch eventuell Brühe nachgießen. Gar gekochten Reis vom Feuer nehmen. Butter und geriebenen Parmesan untermischen. Frisch gemahlenen Pfeffer dazugeben.
In der Zwischenzeit Butter in einer Pfanne erhitzen, die halbgaren Spargelköpfe mit Salz und Zucker bestreuen und darin schwenken.
Risotto auf vorgewärmte Teller geben, mit den Spargelspitzen garnieren und mit Parmesan bestreuen.




Sonntag, 28. April 2019

Mal woanders: Meeresfrüchteplatte in der Bretagne



Hummer (vorne) und Seespinne (hinten)
auf der typisch bretonischen Meeresfrüchteplatte

Es ist zwar schon zwei Monate her, aber der Genießer möchte den Lesern seines Blogs nicht vorenthalten, welch kulianrische Eindrücke er von einem kurzen Ausflug in die Bretagne Ende Februar Anfang März mitgebracht hat (klick auch hier und hier). Kulinarischer Höhepunkt war sicherlich der Besuch im Restaurant "Le Goyen" in Audierne. Das im Guide Michelin empfohlene Lokal, direkt an der Hafenpromenade des hübschen kleinen Hafenstädtchens im im Departement Finistère gelegen, hatte ich mir schon in Deutschland ausgeguckt, um eben diese bretonische Spezialität zu probieren. Andrea, in deren Haus im Dörfchen Plogoff ich die erholsamen Tage verbringen durfte, bestätigte meine Wahl und nannte es das „beste Haus am Platze“. Viel blieb uns auch nicht übrig, als dort Hummer zu essen. Denn andere schöne und gute Restaurants im Departement Finistère wie das l‘Étrave in Cap Sizun und das d’Ar Men auf der Ile de Sein hatten Winterpause.



Das Restaurant "Le Goyen" in Audierne 

Der Hafen von Audierne

Bretonische Häuser in Audierne

Hummerzucht in Audierne 

„Bon Courage“, wünschte der nette Kellner, nachdem er und seine Kollegen die Meeresfrüchteplatte Royal auftragen hatten. Hoch auf dem typischen Ständer thronte die glänzende Platte und quoll vor Meerfrüchten, die für die Bretagne typisch sind, nur so über: Felsenaustern von der Ile Trudy und der Ile de Sein, Riesengarnelen, Kaisergranate, Wellhornschnecken, Strandschnecken und natürlich eine Seespinne. Was sie zum „Plateau Fruits de Mer Royal“ machte, war der in zwei Hälften geteilte 600-Gramm-Hummer, der extra dazu bestellt werden musste. Ob er wirklich aus der an der Hafeneinfahrt von Audierne liegenden Hummerzucht stammte, weiß ich nicht.



Gut ausgerüstet für das große Abenteuer


Was wie eine Kopfschmerztablette aussah, quoll nach dem Übergießen mit heißem Wasser zu einem Fingerreinigungstuch auf.

Und unsere Courage wurde belohnt. Vorweg gab es eine hübsche Karawane von Grüßen aus der Küche (von einigen habe ich leider vergessen, was es war). Dann knackten wir emsig mit dem bereit gelegten Operationsbesteck Hummerscheren und Seespinnenbeine, schlürften Austern und puhlten die Schnecken aus. Dazu taten wir uns an einem Muscadet Sèvre et Maine sur Lie von La Griffe gütlich, der mit seinen Zitrusfruchtaromen die Meeresfrüchte wunderbar und ganz typisch ergänzte.

Zum Abschluss gönnten wir uns zwei schöne Desserts, ein Schokoladen-Soufflé mit Tonkabohnen und Schokomilchshake und eine Kreation aus Mandarinen und Maronen.



Das Menü 

Muscadet Sèvre et Maine sur Lie
von La Griffe

Amuse gueule

Gruß aus der Küche

Hummerbisque

Austern mit Yuzu (warm)

Gruß aus der Küche, flüssig gefüllt

Konfierter Schweinebauch

Plateau Fruits de Mer Royal
 
Bretonischer Hummer 

 Seespinne

Felsenauster

Strandschnecken

 Riesengarnelen

Wellhornschnecken

Kaisergranate 

Ausgepuhltes Seespinnenbein

 Hummerschere

Hmmm: Halber Hummer 

Dessert 

Mandarine et Marrons

Schokoladensoufflé mit Tonkabohne und Schokomilchshake

Schokoladensouffé 

Petit Fours