Sonntag, 13. Januar 2019

Neu in Dortmund: Iranisches Restaurant Mahur

Das Restaurant hat seit August 2019 geschlossen. 

 Nasser Laghaoi (Mitte) mit seiner Frau und Koch Madjid

Wer bei der Einrichtung der neuen persischen Restaurants „Mahur“ in der Dortmunder Nordstadt orientalische Folklore erwartet, kommt gewiss nicht auf seine Kosten. Vielmehr ist die Ausstattung, mit der Nasser Laghaoi sein Restaurant ausgestattet hat, von geradezu postmoderner Individualität. Da hängen kunstwerkartige Gebilde aus Stiefeln von der Decke, die mich an Joseph Beuys erinnerten, andererseits sind die Beine eines Tisches in Stiefel gesteckt, so dass ich an surrealistisch-dadaistische Readymades von Marcel Duchamps denken muss. Felle auf Polstern passen durchaus in Nomadenzelte wie Holzvertäfelungen in gutbürgerliche Wohnzimmer. Eine Fotogalerie west-östlicher Geistesgrößen und Popstars hängt an der Wand wie in anderen Kneipe die Fotos all jener Promis, die mal da waren. Und der hintere Raum, der sich hinter einer wuchtigen Holztür wie aus deiner Burgkulisse öffnet, könnte mit seiner pinkfarbenen Beleuchtung durchaus zu einer Disko gehören.

Ein dadaistisches Readymade an der Decke 

 Was sprach noch Zarathustra: Also!

Nasser hinter der großen Tür

Aber irgendwie scheint sich in diese Fantastik das bewegte Leben von Nasser Laghaoi widerzuspiegeln. Im Iran des Schahs war er ein sozialdemokratischer Oppositionspolitiker, was nach der islamischen Revolution die Mullahs nicht daran hinderte, ihn für 10 Jahre ins Gefängnis zu stecken. Danach ging er ins Exil, wurde deutscher Staatsbürger und eröffnete jetzt mit seiner Familie das Restaurant an der Bornstraße.

Mit seinem Angebot will sich Nasser durchaus an die recht große iranische Exil-Gemeinde in Dortmund wenden, aber auch deutsche Kundschaft anziehen. Und das kann durch die weltoffene familiäre Herzlichkeit, die im „Mahur“ herrscht, durchaus gelingen. Und schmecken tut die „persische Hausmannskost“, die Koch Madjid zubereitet, schließlich auch.

Unter den orientalischen Küchen sind die türkische und die marokkanische sicherlich die populärsten, stammen sie schließlich aus den klassischen Einwanderer- und Urlaubsländern. Die persische Küche führt dagegen aufgrund der politischen Isolation des Irans da eher ein Mauerblümchendasein, das sie aufgrund der Vielfalt, die in ihr steckt, sicherlich nicht verdient hat. Verbindet sie doch die levantinische Mittelmeerküsten- und arabisch anmutende Einflüsse mit den Ess-Traditionen Mittelasiens und sogar Indiens. Islamische Genussvorschriften kommen genauso zum Tragen wie die jahrtausendalten altpersischen Wurzeln.

Persische Hausmannskost

Hauptnahrungsmittel ist der Langkornreis, der sorgfältig gegart wird. Fleisch von Lamm, Kalb oder Hähnchen kommt meist in gehackter Form auf den Spieß und wird gegrillt. Die zum Einsatz kommenden Gewürze sind vielfaltig, Kurkuma, Zimt, Kardamom, Safran und Cumin werden gern verwendet, Sumach, Koriandersamen, Bockshornklee und persischer Bärenklau tauchen in den vielen Rezepten der Gewürzmischen Advieh auf. Für knackige Süße sorgt der Granatapfel, für Säure die Berberitzen.

Nasser und Madjid tischten bei einem Presseessen die Gerichte ihrer „Persischen Reise“ auf und präsentierten dabei einen großen Teil ihres Angebots: Kubideh (Hackfleisch), Bakhtijari (Fleischfilet und Hähnchenbrust), Tschenge (Lammfilet) oder Zereschkpolo (Hähnchenkeulen) mit gerillten Gemüse und typisch gewürzt. Alles machte viel Spaß zu essen und konnten den an türkischer Küche geschulten Gaumen durchaus überzeugen. Irritierend war vielleicht, dass einige Saucen mit Lebensmittelfarbe quietschbunt gefärbt waren.

 Die Persische Reise 

Verschiedene Fleischspieße



Basmatireis mit Safran

Hähnchen, Reis mit Berebitzen,
bunte Sauce (unten)







Mahur. Bornstr. 14, 44135 Dortmund. Tel. 0231/53374169. Di-So 10-22 Uhr, Ruhetage Montag. Fleisch 9-14 Euro, Beilagen 4-6 Euro. Infos auf Cityrestaurants

Kennzeichnung: Der Genießer bedankt sich für die Einladung zum Pressemenü. 

1 Kommentar:

  1. Leider hat das Restaurant Mahur seit August 2019 geschlossen. Sehr schade.

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