Sonntag, 29. Juni 2003

Aus dem Archiv: Mille Miglia - Milano oder Essen?

Der Text erschien erstmals in "Essen geht aus 2003/2004"
Das Resurant gibt es nicht mehr. Heute (2024) befindet sich hier das Ristorante Lucente.

Auch südlich des Giradetzentrums erweist sich die Rüttenscheider Straße als Gourmetmeile par excellence. “raum.eins” und “Mörchens Eis” sind Schlemmeradressen unterschiedlichster Art; das “Mille Miglia” lockt seit anderthalb Jahren zum Genuss. Früher war hier ein Wäsche-Fachgeschäft traditioneller Art zu finden, heute herrscht italienische Eleganz vor.

Im Sommer drängeln sich mittags beschlipste Rüttenscheider Geschäftsleute an zwei Biertischen auf dem Bürgersteig, um sich kurz und knapp an Kleinigkeiten wie San Daniele-Schinken mit Mozzarella (EUR 7,70), einer Pizza Parmaschinken, Rucola e Parmigiano (EUR 8) oder Gnocchi Gorgonzola (EUR 6,50) zu laben. Etwas ruhiger und vor allem eleganter ist es jedoch drinnen. Cremefarbene Wände mit übergroßen Schwarzweißfotos von der namensgebenden Italien-Rallye und dunkles, geschmackvolles Holzmobiliar versetzen den Gast nach Mailand oder sonst wohin. Auf dem mit rotem Marmor belegten Bartresen imponieren eine “Brasilia”-Kaffeemaschine und eine aus den 30-er Jahren stammende Aufschnitt-Maschine. Auf großen Tafeln werden die Tagesangebote annonciert, meistens frische Fischgerichte. Davon bestelle ich mir eine Fischsuppe (EUR 7,50) und gebratene Sardellen-Filets mit Salat (EUR 7). Auf ein Glas Wein (EUR 4-5) oder gar eine Flasche (EUR 17-40) verzichte ich auf Grund der frühen Tageszeit und nehme mit einer 0,75-l-Flasche San Pellegrino vorlieb (EUR 4). Während ich die mächtige Portion Fischsuppe auslöffele, die als Mittagsmahlzeit vollständig ausgereicht hätte und etwa der Hummersuppe in der “Kluse“ in Sachen Reichhaltigkeit in Nichts nachsteht, und mich frage, ob sie nicht ein wenig zu salzig ist, kommt noch der Teller voll mit frittierten Sardellenfilets - ausgenommen und ohne Kopf, aber mit Schwänzchen, damit man zugreifen und daran knabbern kann.

Und plötzlich wird aus dem Routine-Testbesuch in geheimer Mission ein gelungener Klatsch-und-Tratsch-Ausflug. Denn am Nebentisch haben sich zwei attraktive Rüttenscheiderinnen niedergelassen, die natürlich sofort von Patron Lorenzo Ruffelo (“Il Giradino”, “La Fontaine”) charmant beflirtet werden, während der arme Barmann nicht nur hinterm Tresen alle Arbeit machen muss. Erst als Signor Ruffelo das Haus verlassen hat, beschweren sich die beiden Damen, dass die Fischsuppe zu salzig war - natürlich beim Barmann. Das ist Wasser auf die Mühlen des Schwerstarbeiters. Am Anfang hätten sie ja noch einen guten Koch gehabt, den aber entlassen müssen, weil sein Lebenswandel den guten Ruf des Hauses geschädigt hätte, gesteht er den Damen, die aufmerksam zuhören. Jetzt seien zwei junge Burschen in der Küche zu Gange, die unkonzentriert seien und so gar nicht den Qualitätsansprüchen genügen würden, die er bei seiner Ausbildung bei großen Hotelkonzernen kennen gelernt hat. Dass Essen sei jetzt mal so und mal so. Er sei froh, dass er bald seinen eigenen Laden aufmachen könne. Wo der denn sei, wollten die interessierten Damen wissen. Nun ja, gestand der Mann, es würde kein Restaurant, sondern ein Fachhandel für Aquarienfreunde.

Dankbar für diesen unfreiwilligen Einblick hinter die Kulissen der Gastronomie denke ich, naja, da hat wohl die Fischsuppe in die Kategorie “mal so” gehört, während die Sardellen “mal so” waren.
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Essen-Rüttenscheid, Rüttenscheider Str. 212

Mittwoch, 25. Juni 2003

Aus dem Archiv: Zur Kluse - Wie bei Muttern

Der Text erschien erstmals in "Essen geht aus 2003/2004"

Ach, ist das schön hier! Nachdem sich das Auto über die Berenberger Mark immer tiefer in den märchenhaften Stadtwald geschlängelt hat, öffnet sich plötzlich der dunkle Forst zu einer liebreizenden Lichtung. Das ist der Parkplatz der "Kluse". Die Gaststätte selbst ist ein allerliebstes Hexenhäuschen neben der alten Klusenkapelle, umgeben von einem der schönsten Biergärten Essens. Märchenhaft ist auch die Geschichte der Irma, die um 1225 hier ihr Wesen trieb. Sie ließ sich zur Buße für eine Mordtat, die Graf Friedrich von der Isenberg auf dem Gewissen hatte, lebendig einmauern. Daher der Name des Ladens.

Im Sommer lässt sich hier Alt und Jung unter alten, himmelhohen Kastanienbäumen nieder; das gemütlich nach Landhausart eingerichtete Restaurant ist eher etwas für Regentage und den Winter. Rentnerpärchen, junge Familien mit Kindern, verliebte Jogger, drahtige Radfahrer und hin und wieder auch Geschäfts-Esser lassen sich deftige Wildspezialtäten und gutbürgerliche Hausmannskost schmecken. Auch für Freunde der verlängerten Mittagspause ist ein Ausflug in den Stadtwald die Anreise wert, denn den ganzen Nachmittag über werden die Schmankerln auf den Tisch gebracht. Neben einer Standardkarte mit solch Deftigkeiten wie "Berliner Kasseler mit Sauerkraut und Püree" (EUR 9,10), "hausgemachtem Sauerbraten mit Apfelrotkraut und Klößen" (EUR 11,70), Hirschgulasch "Zur Pirsch" (EUR 15,20) oder der "Broccolipfanne 'Kupferdreh'" (EUR 10), in der allerdings ganz dem vegetarischen Anspruch gemäß weder Kuh, Pferd noch Reh aufzufinden sind, gibt es eine üppige, täglich wechselnde Tageskarte.

Von der bestelle ich mir als Abwechslung zur ständigen italienischen "Fegato alla Veneziana" ganz multikulturell "Frische Kalbsleber 'Berliner Art' mit Zwiebeln, Apfelscheiben, Püree und Salatteller" (EUR 13) und bekomme einen wagenradgroßen Teller mit einem Schlag Püree, Kalbsleber, Zwiebeln, viel Sauce und einen extra Salatteller. Dass die Apfelscheiben fehlen, merke ich erst, als ich die mächtige Portion mit Appetit verschlungen habe. Herr Stoklossa, ein charmant-jovialer Irrwisch von Kellner, der gerade mit dem einen Arm die Omas am Nebentisch bedient, dem anderen zwei junge Muttis betört und mit dem dritten für einen Stammkunden Zigaretten am Automaten zieht, setzt sein breitestes Grinsen auf und meint: "Warum haben Sie das nicht gleich gesagt? Ich hätte Ihnen doch noch welche gebracht!" Ich darauf: "Ging nicht. 's war so lecker und ich hatte immer den Mund voll und mit vollem Mund spricht man doch nicht." Warum ich mir als Vorspeise noch eine "Atlantic Hummercremesuppe mit Remy Martin verfeinert und Sahnehaube" (EUR 3,90) bestellt habe, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich aus journalistischer Sorgfaltspflicht. Jedenfalls hatte ich so lange daran zu tun, das Hummerfleisch aus der bauchigen Löwenkopfterrine zu löffeln, dass ich es bedauerte, für diese Testesserei nicht nach Stunden bezahlt zu werden. (Wie ich dann versucht habe, die Aktion 36 einzuleiten - d.h. wieder in die Jeans Bundweite 36 passen zu wollen -, mir neue Laufschuhe gekauft habe, beim Jogging umgeknickt bin und vor Schmerzen ganz unmännlich geschrien habe - darüber schweigt des Sängers Höflichkeit.)

Das größte Lob für die "Kluse" gab es jedoch am Tag später. Da besuchte ich mit meiner 86-jährigen Mutter das Lokal noch einmal, und die alte Dame aß den ganzen Teller mit "Weißkohlgemüse bürgerlich" (EUR 6,30) auf. "Das schmeckt hier wie zu Hause", meinte sie glücklich und zufrieden.
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Essen-Bredeney, An der Kluse 27b
Fon 0201. 44 17 17
tägl. ab 12 Uhr
https://www.zurkluse.de/

Aus dem Archiv: Il Mulino - Essen am Nachmittag

Der Text erschien erstmals in "Essen geht aus 2003/2004".
Das Restaurant gibt es nicht mehr.


Wer schon einmal versucht hat, nachmittags gegen vier in der Essener City etwas zu essen zu bekommen und dabei nicht in einem Kaufhausrestaurant zu landen, weiß, was Hunger heißt. Während die nördliche City zu dieser Zeit ziemlich tot ist, lohnt der Weg südwärts. Im alten Bankenviertel hinterm Grillotheater wird man auf der Suche nach offenen Restaurants fündig, und dann sogar noch in einem der architektonisch reizvollsten Gebäude der City. Einst im eleganten Stil der neuen Sachlichkeit und ruhrgebietstypisch komplett in Backsteinen erbaut, erzählt das Sparkassengebäude zwischen Hirschlandplatz und Lindenallee noch heute vom Bergbaureichtum Essens in den zwanziger Jahren. Von der Rathenaustraße, also von der Seite her, nähert man sich dem im Souterrain liegenden "Il Mulino", dessen Eingang nicht minder elegant wie der florentiner Dom mit schwarzweißen Marmorstreifen verkleidet ist. Betritt man dann das Lokal, so will man sich allerdings kneifen und fragt: "Wo bisse denn hier gelandet?!?" Denn für den großen, 120 Plätze umfassenden Gastraum hat man anscheinend mindestens zwei westfälische Wassermühlen entkernt, um mit den Fachwerkbalken ein rustikal-bäuerliches Ambiente zu zimmern.

Den leeren Magen muss diese architektonische Irritation jedoch nicht stören. Zwar kann es sein, dass die empfehlenswerte Antipasti-Theke am Nachmittag schon ziemlich abgegessen ist, aber alles, was auf der umfangreichen Karte steht, ist problemlos zu haben. Für den preiswerten Hunger lohnt eine der vielen Pizzen, wem es nach Fleisch oder Fisch gelüstet, ist ebenfalls mit den Standardangeboten bestens bedient. Im "Il Mulino" ist alles etwas preiswerter als im "L'Opera" im gleichen Gebäudekomplex um die Ecke.

Wer jedoch Lust auf Außergewöhnliches hat, sollte auf die Tafel mit den Tagesangeboten achten. Dort findet sich sich zum Beispiel so eine Spezialität wie "Bollito", Tafelspitz-ähnlich gekochtes Rindfleisch. Das wird ganz piemontesisch mit einer grünen Kräutersauce, der "bagnet verd", und Kartoffeln serviert (EUR 11) und ist so weich, dass es "ai cucchiaio", mit dem Löffel, gegessen werden kann. Nicht minder gut erweist sich auch die "Fegato Venezia" von der Standardkarte, die klassisch auf venezianische Art mit Zwiebeln zubereitete Leber (EUR 13,60).

Zum Essen am Nachmittag reichte ein Glas des offen ausgeschenkten Hausweines (EUR 3,50) aus. Wer abends ausführlich tafeln will, findet auf der umfangreichen Weinkarte selbstverständlich zahlreiche kleinere (EUR 20-40) und herausragende Tropfen (EUR 85-150).

"Essen geht aus"-Leser wird es interessieren: Als Appetithappen vor dem Essen gab es weder Butter noch Margarine, sondern eine würzige Kräuterquarkcreme. Dafür waren die trockenen Pizzabrötchen so wenig frisch wie die Kellner, die sich anscheindend am Nachmittag lieber vom harten Mittagsgeschäft ausgeruht hätten.

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Essen-Stadtmitte. Rathenaustr. 2,

Freitag, 16. Juni 1995

Aus dem Archiv: Leonardo

Der Text erschien erstmals in „Ausgehen im Ruhrgebiet 1996“.
Das Restaurant gibt es nicht mehr.

Hier wird der Restauranttester zum Stenographen. Die gedruckte Speisekarte, die Patron Igor Albanese, seines Zeichens auch Trüffelexperte und Musik-Impresario, seinen Gästen vorlegt, umfasst kaum das, was die Küche des italienischen Bistro-Restaurants „Leonardo“ in Rüttenscheid ausmacht. Also musste ich, um nach dem ein oder anderen Gläschen gutgekühlten Gavi di Gavi nicht alles zu vergessen, den Stift zücken, um das Tagesangebot von der Tafel an der Wand abzuschreiben. Mit viel Appetit hatte ich zuvor „Gambas und Seeteufel auf grünem Salat mit Hummersauce“ genossen, ein äußerst gelungenes Beispiel anspruchsvoller Bistro-Küche. Ich hätte mich allerdings auch für „Lammrücken mit Knoblauch auf gebratenem Blumenkohl“, „Maishähnchenbrust mit Serviettenknödel“, „Steak vom Zackenbarsch auf Blattspinat an Vermouthsauce“ oder „Meeräsche mit Lachsröllchen, Broccoli und Vichysauce“ entscheiden können.

Mit 69 Quadratmetern ist das „Leonardo“ sicherlich eines der kleinsten italienischen Restaurants in Essen, sicherlich aber eines der amüsantesten. Die lärmende, heitere Atmosphäre, die in dem hellen, lichten Lokal herrscht, könnte problemlos den Hintergrund für einen Bistro-Werbespot abgeben. Die Bedienung in langer Kellnerschürze und weißem Hemd schlängelt sich mit gekonntem Hüftschwung zwischen den engstehenden Tischen hindurch, an denen fröhliche Gäste leichte, aber schmackhafte Kost zu sich nehmen. Ein Kellner im roten Blazer kommt dezent ins Schwitzen, und wenn schon mal eine Weißweinglas umkippt und sich auf die teure Lederjacke einer eleganten Rüttenscheiderin ergießt, dann eilt eine resolute Dame hinter der Theke hervor und holt einen Putzlappen, um den Schaden eigenhändig zu beheben. Man ist schließlich Stammgast.
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Zweigertstr. 55, 45130 Essen-Rüttenscheid

Mittwoch, 14. Juni 1995

Aus dem Archiv: Bänksken

Der Text erschien erstmals in „Ausgehen im Ruhrgebiet 1996“.

Die malerische Hattinger Altstadt ist ein architektonisches Juwel im Ruhrgebiet. Das aufmerksam wiederhergestellte, weitläufige Fachwerkensemble braucht keinen Vergleich mit anderen Altstädten dieser Art zu scheuen. Dass in dieser romantischen Umgebung fast in jedem zweiten Haus ein gastronomischer betrieb untergebracht ist, verwundert dabei nicht.

Den Markt für die gehobene italienische Küche teilen sich hier die Restaurants „Bänksken“ und „Basilea“. Das Bänksken erreicht man vom Obermarkt aus durch einen breiten Laubengang, in dem es sich an heißen Sonnentagen schattig essen lässt. Die Gasträume in dem Fachwerkhaus erstrecken sich über zwei Etagen; oben sitzt man luftig und kann durch die Balkenkonstruktion das Leben und Treiben unten beobachten.

Bei verschiedenen Besuchen war das Haus immer sehr gut besucht. Die Kellner hatten viel zu tun, die üppigen Salatberge und gut belegte Pizzen an die hungrigen Gäste zu verfüttern, schließlich wollen Einheimische und Touristen geleichermaßen gesättigt werden. Doch neben dieser italienischen Standardverpflegung bieten Mirko Vaccarino und Massimo Bavosi auch eine schöne Sonderkarte mit Spezialitäten und Tagesgerichten an. Fisch-, Fleisch- und Nudelgerichte werden da empfohlen, und auch recht pikante Salate. Ein Rucola-Salat mit Gamberoni war sein Geld wert. Obwohl eine Flasche Aceto Balsamico zum individuellen Nachwürzen bereitgestellt wurde, war er in der Küche schon hervorragend angemacht worden. Bei den Hauptgerichten waren die Fische schön à point gegrillt oder gebraten, und die die hausgemachten Nudeln waren mit ihren verschiedenen Füllungen eine Delikatesse.

Einer der mühsamsten Arbeitsplätze in der Küche des „Bänksken“ scheint mir der des Radieschenschnitzers zu en. Kein Gericht, sei es ein einfaches von der Standard- oder ein ambitioniertes von der Tageskarte, blieb von dieser gezackten Einheitsgarnitur verschont. Bei dem ein oder anderen grünen Salat mögen die rot-weißen Dinger ja noch eine witzige Anspielung auf die italienischen Nationalfarben sein, doch im Großen und Ganzen sieht (und schmeckt) man den Gerichten doch an, aus welcher Landesküche sie stammen.
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Gelinde 5, 45525 Hattingen
Fon 0 23 24. 20 19 50
tägl. 12-15 und 17-23 Uhr
http://baenksken-hattingen.de/

Aus dem Archiv: Basilea

Der Text erschien erstmals in „Ausgehen im Ruhrgebiet 1996“.
Das Restaurant gibt es nicht mehr. Seit 2011 betreibt hier Semi Hassine das Restaurant „Fachwerk“.


Direkt neben dem alten Hattinger Rathaus aus dem 16. Jahrhundert liegt das Ristorante „Basilea“. Von den drei wichtigen Hattinger Italienern – dazu gehören noch das „Bänksken“ und die „Romantica“ in Blankenstein – ist „Basilea“ sicher das eleganteste Lokal. Dunkle Fachwerkbalken unterteilen den luftigen Gastraum. Die Wände sind in weißlichen Beige gehalten, das gut zum Rot-Braun der Terracotta-Accessoires passt. Im Sommer sitzt man auf der lauschigen Gartenterrasse mit Blick auf die Harttinger Altstadt.

Mit insgesamt 116 Positionen auf der Speisekarte sorgt „Basilea“ für die solide Sättigung ihrer Gäste. 18 Pizze und 9 Salate befriedigen den experimentierunlustigen Esser; Freunden feiner Tafelfreuden seien die Nudel, Fisch- und Fleischgerichte empfohlen sowie die Tageskarte. Die Gerichte sind unter den Bezeichnungen der klassischen Menüfolge aufgeführt, als „Antipasti“, „Primi Piatti“ und „Piatto di Mezze“. So könnte man sich etwa ein eigenes Menü zusammenstellen: Als Vorspeise überbackene Jakobsmuscheln, als ersten Gang Tagilatelle mit Truthahn, Speck und Mascarpone, als Hauptgang ein Rumpsteak mit Ananas, Kirschen und Käse übebacken, zum Nachtisch Zabglione allo Champagne.

Wir folgten jedoch der Menüempfehlung, die aus Carpaccio, Risotto mit Meeresfrüchten, einem Fischgericht nach Tageseinkauf und einem Tirmaisu bestand, und waren damit ganz zufrieden. Vielleicht wäre etwas weniger Sauce zum Fisch mehr gewesen. Bei einem anderen Besuch probierten wir die gemischte warme Vorspeisenplatte, die aus zartem Hummerfleisch und Tintenfischringen sowie einer hübschen Anzahl pikant gefüllter Gemüse bestand und genug für zwei Personen war. Die Nudelgerichte von der Tageskarte hatten es in sich. Die hausgemachten, mit Artischocken gefüllten Riesentortellini gaben genauso wie die Bandnudeln mit Steinpilzen schon fast allein eine komplette Nahlzeit ab. Schade nur, dass der friulanische Weißwein, der extra empfohlen wurde, zu kalt war.

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Untermartkt 10, 45525 Hattingen

Aus dem Archiv: Burg Blankenstein

Der Text erschien erstmals in „Ausgehen im Ruhrgebiet 1996“.

Vom Turm der Burg Blankenstein hat man einen wunderbaren Blick auf einen der schönsten Abschnitte des Ruhrtals, von Hattingen über Bochum-Stiepel bis nach Witten. Der Hattinger Stadtteil Blankenstein zu Füßen der Burg ist ein Architektur-Kleinod. Er gehört wie das Dorf Westerholt zu den besonders geschützten Ortskernen des Ruhrgebiets.

So ist es kein Wunder, dass im Sommer der riesige Biergarten im Burghof ein beliebtes Ausflugsziel ist. Im Burgrestaurant gibt es zudem sonntagnachmittags Kaffee und Kuchen, eine besondere Spezialität sind die „Bergischen Waffeln mit Sahne und heißen Kirschen“. Größere Gesellschaften werden mit sogenannten „Rittermenüs“ angelockt. Dann bekommen die Gäste entsprechende Gewänder, und das Bier wird in großen Humpen serviert.

Etwas einsam kamen wir uns schon vor, als wie eines Freitag abends auf der Burg à la Carte speisten. Das heißt nicht, dass wir die einzigen Gäste waren. In einem Nebenraum hatten wir schon eine 20-köpfige Gesellschaft erspäht, und an einer langen Tafel, drei oder vier Tische von unserer eigentlich ganz gemütlich Sitznische entfernt, feierte ein Trupp junger Burschen von einem Sportverein, als kämen gleich Lancelot und Ivanhoe dazu. Gelegentlich donnerte ein „Hipp, Hipp, Hurra“ durch das Burggewölbe, so dass die betende Madonna auf dem Bild über unseren Köpfen bedenklich die Augen verdrehte. Auf der anderen Seite, vor der Theke, hatte sich das Blankensteiner Kneipenpublikum zum Bierchen versammelt, so dass wir das gastronomische Spektrum der Burg komplett erlebten.

Die Speisekarte gab sich bürgerlich. Zu passablen Preisen um die 30 Mark werden Spezialitäten wie „Schweinefilet Madagaskar mit einer rassigen Pfeffer-Rahm-Sauce“ oder „Rinderfilet auf Roquefort-Sauce“ angeboten. Standardbeilage ist ein schmackhaftes „Gratin dauphinoise“.

Etwas enttäuschend war der „Graved Lachs auf Avocadoschnitzel und Kräuter-Senf-Dressing“. Der dazu gehörige „marinierte Feldalat“ war auf dem selben Teller angerichtet und übertünchte mit seiner sauren Vinaigrette alle anderen Aromen. Die „gefüllten Riesengarnelen auf Tomaten-Estragon-Sauce mit verschiedenen Gemüsen und Wildreis“ schienen auch etwas überpfeffert.

Nicht zu beanstanden war jedoch die liebliche Tomatensuppe und ein „Schweinefilet auf Honig-Mandel-Sauce mit Zuckererbsenschoten“. Doch als ich zu deisem süßen Gericht eine Empfehlung aus den offen angebotene Weinen haben wollte, wurde ich enttäuscht. Gleich alle Angebote von einem leicht französischen Roten über einen halbtrockenen Rosé bis hin zu einem fruchtigen Chablis („sehr zu empfehlen zu Fischreichten“ versprach die Weinkarte) wurden mir alle ans Herz gelegt, und so war ich so schlau wie vorher.
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Burgstraße 16, 45527 Hattingen-Blankenstein (Welper)
Fon 0 23 24. 3 32 31
Di-So ab 18 Uhr, Kneipe, Kaffee und Kuchen, Biergarten Sa ab 14 Uhr, So ab 11 Uhr
https://burgblankenstein.de/restaurant/

Aus dem Archiv: Kar(l)töffelken

Der Text erschien erstmals in „Ausgehen im Ruhrgebiet 1996“.
Das Restaurant gibt es nicht mehr.

Noch in der letzten Ausgabe von „Ausgehen im Ruhrgebiet“ stand die „Rotisserie Landhaus Leick“ in Sprockhövel auf Platz 6 in der TOP TEN der exklusiven Restaurants im Ruhrgebiet, trotzdem schien sich die Grande Cuisine in der Tradition der Kochbuchautorin Henriette Davidis nicht mehr zu lohnen. Seit Februar 1995 wurde das „à la carte“-Programm der Rotisserie gestrichen, es wird nur noch zu besonderen Veranstaltungen groß´gekocht. Außerdem hat sich Michael Leick von seinem Küchenchef getrennt.

Der tatkräftige Juniorchef des traditionsreichen Gastronomieunternehmens setzt vielmehr auf das Konzept des „Karltöffelken“, eines Kartoffelhauses, das er im Garten der Leick’schen Villa seit einiger Zeit mit großem Erfolg betreibt. Die Villa, die bislang die Rotisserie beherbergte, soll umgebaut werden und ab Herbst 95 das „Karltöffelken“ aufnehmen. Das rustikale Gartenhaus, in dem sich das „Karltöffelken“ bisher befindet, ist mit seinen 40 Plätzen zu klein geworden. Michael Leick hat schon zu Künstlern Kontakt aufgenommen, die die neuen Räumlichkeiten gestalten sollen. Wenn alles fertig ist, soll es auch wieder ein kleines Gourmet-Angebot geben.

Auch im neuen „Karltöffelken“ wird sich alles um die Kartoffel drehen – von der Vorspeise bis zum Dessert. Als Spezialitäten sind „Kartoffel-Spaghetti“, „Kartoffel-Lasagne“ und „Kartoffel-Pizza“ geplant. Die im Sommer in dem wunderschönen Biergarten zu Füßen der Villa getesteten Kartoffel-Gratins waren ihr Geld wert. Sowohl der Lachs bei dem einen und die Sommertrüffel bei dem anderen setzten angenehme geschmackliche Akzente.
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Bochumer Str.67, 45549 Sprockhövel

Dienstag, 13. Juni 1995

Aus dem Archiv: Tiepolo

Der Text erschien erstmals in „Ausgehen im Ruhrgebiet 1996“.
Das Restaurant gibt es nicht mehr.


Angenehm und durchaus edel ist die Atmosphäre im „Tiepolo“. In einem kleinen Vorraum empfängt den Gast ein Pult mit der Speisekarte; betritt man dann den Gastraum, so fällt der erste Blick auf die Theke und eine Polstersitzgruppe. Der große Saal ist durch Trennwände, die an Türen von edlen Vitrinen erinnern, in mehrere geräumige Bereiche unterteilt; künstliche Kirschblüten unterstreichen die Heiterkeit der soliden Ausstattung.

Pizza findet man auf der Karte des „Tepolo“ nicht, aber an „Pasta delicate“ eine ganze Auswahl, bei denen Freunde sämiger Saucen auf ihre Kosten kommen. „Linguine ai Porcini“ (feine Nudeln in Steinpilzsauce), „Ravioli Burro e Salvia“ (Ravioli in Salbeibutter) oder „Maccheroni Rustici“ (mit freischen Pilzen und Spinat in einer Schinken-Sahne-Sauce).

Bei den Fleischgerichten dominieren „Bistecca“ (Rumpsteak) und „Filetto“ (Rinderfilet), die schmale Fischkarte empfiehlt Scampi, Lachs, Seeteufelfilet und Riesencrevetten.

Inwieweit diese Angebote die Vielfalt der italienischen Küche repräsentieren, sei dahingestellt. Schon im letzten Jahr kamen uns die dominierenden Saucen und Kartoffelkroketten als Beilage eher „international“ vor. Auch die als Spezialität des Hauses angepriesene „Mais-Poularde auf Saisongemüse“ wurde mit kleinen Kartoffelplätzchen serviert, wie man sie aus Mutters schneller Küche kennt.

Doch diese Kritikpunkte sind akademisch, denn die Gerichte sind im „Tiepolo“ so zubereitet, dass der Appetit beim Essen kommt. Leicht und schmackhaft war der kleine gemischte Salat, der als Vorspeise gereicht wurde; knackig gedünstet war das Kohlgemüse als Beilage, und die mit Schinken und Käse gefüllte Poularde schwamm in einer wunderbaren Pfeffersahne. Mit dem „Tiepolo“ haben die Dinslakener einen feinen Mittagstisch.
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Saarstr. 12-14, 46535 Dinslaken

Aus dem Archiv: Alt Orsoyer Schenke

Der Text erschien erstmals in „Ausgehen im Ruhrgebiet 1996“.
Das Restaurant gibt es nicht mehr.

Wenn der Filmregisseur Edgar Reitz seine Fernsehserie „Heimat“ noch einmal fortsetzen sollte und dafür eine Kulisse suchte, in Herbert Kerskens „Alt Orsoyer Schenke“ würde er sie finden. Wie der Inbegriff einer Dorfgaststätte sieht das Lokal aus, so, als sei die letzten 80 Jahre nichts mehr verändert worden. Der Dielenboden ist blank gescheuert, die niedrigen Wände holzvertäfelt, die Tische und Stühle stehen hölzern da. Einen Zigarettenautomaten gibt es nicht, die Schachteln liegen sorgsam aufgestapelt unter Glas in der alten Theke. An dem Missgeschick, dass bei unserem Besuch die Registrierkasse nicht funktionierte, verwunderte eigentlich nur, dass überhaupt eine im Haus ist. Wenn man hier sitzt, versteht man, warum Hanns Dieter Hüsch den Niederrhein verlassen hat, aber auch, warum er zurückgekommen ist.

Und dennoch, oder besser, gerade deswegen ist der Laden rappelvoll. Biedere Bürger und schicke Szenegänger treffen sich hier und bringen die nötige Geduld mit, bis sie einen Platz bekommen; eine Tischreservierung ist dringend zu empfehlen. Das mag an der gutbürgerlichen Küche der „Schenke“ liegen, die mit tiefster Überzeugung präsentiert wird. Kleinigkeiten wie „3 Spiegleier bezw. Hacksteak aus Schweinemett mit Röstkartoffeln und Salat“ sind so gut wie bei Muttern. Fleischgerichte vom Schwein und vom Kalb dokumentieren, dass in der „Alt Orsoyer Schenke“ alle Tage Sonntag ist.

Spürbar ist auch der regionale Einschlag. „Buchweizen-Speckpfannkuchen mit Rübenkraut und Schwarzbrot“ oder „Aal in Gelee mit Röstkartoffeln“ spielen aufs Rheinische an, das „Bauernomelett“ und ein deftiges Schinkenbrot auf die westfälische Nachbarschaft. Bei unserem Besuch überzeugten das „Wildtaubenbrüstchen in Honig-Whisky-Sauce mit Kroketten und Salat“ und ein wunderbar unsüßer Blaubeerpfannkuchen.

Im letzten „Ausgehen im Ruhrgebiet“ wiesen wir auf die feinen Mosel- und Rheinweine hin, die besonders zu den schönen Fischspezialitäten passen. Doch am Niederrhein ist ein Gläschen Altbier ebenfalls am rechten Platz.
-kopf

Kiesendahlstr. 11, 47495 Rheinberg