Mittwoch, 2. Dezember 2009

Feine türkische Küche: Restaurant „Tablo“ in Essen


Das hat noch nicht einmal Berlin geschafft: ein türkisches Restaurant in einem der Spitzen-Gastroführer zu platzieren. Mit 13 Punkten ist das „Tablo“ das einzige Lokal dieser Art im „Gault Millau“, und es befindet sich in Essen. Überhaupt sind die Länderküchen in den ambitionierten Gourmet-Guides kaum vertreten – Italiener, sicherlich, ein paar Japaner – aber Türken?
Das mag daran liegen, dass die türkische Küche in Deutschland zum Inbegriff der volksnahen Imbiss-Küche geworden ist. Das hat einerseits damit zu tun, dass die türkischen Gastronomen ursprünglich als Arbeiter nach Deutschland gekommen sind und nicht als Köche, andrerseits mit den traditionellen Lokalen in der Türkei, die in ihren Theken einen ziemlich fest definierten Kanon an vorbereiteten Gerichten anbieten – etwas, was dem Pommesbuden-Wesen in Deutschland ziemlich nahe kommt. Nicht von ungefähr ist die Döner-Tasche als Fast Food in Berlin erfunden worden, irgendwann Ende der 1970er Jahre. Im Ruhrgebiet gab es noch keine türkischen Restaurants, als man in der Hauptstadt schon längst türkisch aß.
Doch im Grunde ist die türkische Küche eine sehr feine, kultivierte Küche, die im Serail von Istanbul entstanden ist, wo die Einflüsse des riesigen osmanischen Reiches bis zur Dekadenz veredelt wurden: die kargen Hirtengerichte des anatolischen Hochlandes, Nordafrikas, Arabiens, Vorderasiens und Südosteuropas, vereint zu einer schillernden Metropolenküche schlechthin.
Das „Tablo“ in Essen ist der gelungene Versuch, die türkische Gastronomie aus der Folklore- und Imbiss-Ecke zu befreien. Dabei beschreitet Yılmaz Doğan den gleichen Weg, den Rino Frattesi vom Edel-Italiener „La Grappa“ eine Straße weiter gegangen ist, als er vor über zwanzig Jahren den Pizzaofen aus seinem italienischen Ristorante verbannte. Aber zum Glück hat das „Tablo“ bei den Preisen nicht die Bodenhaftung verloren. Fein und elegant kam das Mittagessen daher, das ich vorgestern im „Tablo“ einnahm. Eine Yoghurtsuppe (4,90 Euro), die fast wie englisches Porridge roch, nur würziger, machte den Anfang. Eine mit Yoghurt verfeinert Brühe war mit Milchreis und Kichererbsen leicht eingedickt und pikant abgeschmeckt. Als Zwischengang gab es einen leichten mediterranen Salat, der seine italienischen Vorbilder nicht verleugnete. Dann folgte als krönender Hauptgang eine löffelweich geschmorte Lammschulter auf Reis (12,90 Euro). Dazu schmeckte der Hauswein, ein roter „Yakut“ (0,2l 5,10 Euro) aus den autochthonen anatolischen Rebsorten Öküzgözü und Bogazkere sowie Carignan und Alicante. In Sachen Desserts sind die Türken sowieso Weltmeister. Nicht zu süß war die kleine Zusammenstellung aus Pistazien in Blätterteig, türkischem Pudding und Orangenkuchen (6,50 Euro).
All das kommt beim Essener Publikum gut an. Das „Tablo“ ist ein beliebter Treffpunkt in der Kulturhauptstadt. Während ich aß, schneite der RUHR.2010-Geschäftsführer Oliver Scheytt herein, um beim Essen zwei jungen Journalisten ein Interview zu geben.

Dienstag, 1. Dezember 2009

Zotter Schoko-Laden-Theater


Endlich gibt es für den Genießer auch etwas Einzigartiges im Essener Einkaufszentrum „Limbecker Platz“. Was aussieht wie ein CD-Laden, ist der erste Flagship-Store der österreichischen Schokoladenmanufaktur „Zotter“ mit dem schönen Namen „Schoko-Laden-Theater“.
Schokofreunde sind hier wie im Paradies: In Schokobrunnen sprudelt die Kuvertüre, „Kostehäppchen“ der handgeschöpften Schokolade schlängeln sich als "Running Chocolate" um ein Regal. In einer Gondelbahn wird Trinkschokolade serviert: Taucht der Riegel in die heiße Milch, schmilzt er langsam vor sich hin.
Im Angebot ist das gesamte „Zotter“- Sortiment mit rund 200 köstliche Kreationen. Darunter legales Doping: Die "CHOCOshots oral". Köstliche Canachen werden in Spritzen gefüllt, so kann man die weichen Füllungen ohne jede Ablenkung genießen.

Das "Zotter Schoko-Laden-Theater" befindet sich im "Limbecker Platz" am Eingang Richtung "Ikea".

Montag, 30. November 2009

Köchegruppe „ReVier“ geht in die zweite Saison


Nachdem die Herbstaktion der Köchegruppe „ReVier“ erfolgreich abgelaufen ist, haben Mario Kalweit (La cuisine d’art manger, Dortmund), Dirk Eggers (Hotel-Restaurant Eggers, Sprockhövel), Julius Meimberg (Weinrestaurant Julius, Herne) und Stefan Manier (Gasthaus Stromberg, Waltrop) die Vorbereitungen für den Winter abgeschlossen. Ergebnis ist der zweite Prospekt von „ReVier“, der jetzt erschienen ist. In dem praktischen Heftchen werden die Menüs der Winteraktion, die – je nach Restaurant – von Anfang Januar bis Anfang März 2010 und das gemeinsame Wintermenü am 31. Januar im Hotel-Restaurant Eggers in Srockhövel vorgestellt. Ergänzt werden die kulinarischen Informationen durch raffinierte Rezepte der Ruhrgebietsküche.

"ReVier": Mario Kalweit, Stefan Manier, Julius Meimberg, Dirk Eggers

Sonntag, 29. November 2009

Ruhrgebietsküche bei den "Ruhrbaronen"

Im Journalistenblog "Ruhrbarone" hat der Genießer eine interessante Diskussion um die Ruhrgebietsküche angezettelt. Lesen Sie hier.

Gestern bei Mama: Schnitzel mit Kohlrabi


Gestern habe ich für Mama Schnitzel (Rezept hier) mit Kohlrabi (Rezept hier) gemacht. Sozusagen ein "Best Of" der Gerichte aus der letzten Zeit. Naja, geschmeckt hat es richtig gut, aber das Schnitzel war für meinen Geschmack zu dunkel. Das störte Mama nicht. Doch sie meinte: „Warum sind deine Saucen eigentlich immer so dünn? Das ist nicht richtig!“
Tja, warum? Ich mache die Sauce halt aus selbstgemachtem Fond und kein Mehl und nur ganz wenig Mondamin dran. Dafür einen Schuss Brandy. Das schmeckt zwar, bindet aber nicht…

Samstag, 28. November 2009

„Gastmahl Polnisch“ von Slow Food: Heimat ist, wo man satt ist


Einen kulinarischen Abend der besonderen Art erlebten die 20 Feinschmecker, die der Einladung von „Slow Food im Ruhrgebiet“ zum „Gastmahl Polnisch“ ins Restaurant „Gurski“ in Mülheim-Saarn gefolgt waren. Im Rahmen der RUHR.2010-Menü-Reihe zu den Säulen der Ruhrgebietsküche war gestern die polnische Küche dran. Bei der Suche nach einem geeigneten Austragungsort für diese kulinarische Spurensuche (siehe auch die Posts hier, hier und hier) hatte der Genießer einen Glücksgriff getan. Bei „Gurski“ wird noch ganz rustikal mit der Hand gekocht, ohne technische Mätzchen, ohne Angst vor echter Würze und dem Geschmacksträger Fett, mit dem Ziel, arbeitenden Menschen am Esstisch ein Stückchen Wohlgefühl zu geben: Heimat ist, wo man satt ist.

Beate Gurski präsentiert den Karpfen

Das Restaurant ist einer beskidischen Karczma nachempfunden, einem typischen südpolnischen Berggasthaus. Stilecht waren die schöne Hausherrin und ihre Bedienung in entsprechender Tracht gekleidet, und jenseits aller gastronomischen Trends und Moden boten Beate Gurski und ihr Team einen Streifzug durch die polnische Küche, so dass sich die armdicken Balken der rustikalen Tische bogen: Hering aus der Ostsee, Rouladen aus Schlesien, Barszcz aus Ostpolen als regionale Schmankerln, dazu die Nationalgerichte Bigos, Piroggen und Kuttelsuppe. Und natürlich der Karpfen, von dem extra eine ganze Kiste eingekauft wurde. Bei dem üppigen Mahl wurde klar, warum der Pole den Wodka so liebt: selbstverständlich als Verdauungshilfe.
Die mit allen kulinarischen Wassern gewaschenen Slow-Foodies schnallten begeistert den Gürtel weiter. Sie entdeckten, dass die wahre Exotik in der Nachbarschaft liegt – oder wie im Ruhrgebiet, wo die polnischen Einwanderer seit über 100 Jahren einen maßgeblichen Anteil an der explosionsartig gewachsenen Bevölkerung bilden, im eigenen Herzen.


Das Menü
Gruß aus der Küche:
Hering auf kaschubische Art (mit Rosinen mariniert), Gebratener Räucherkäse und Griebenschmalzbrote (1)
Suppen-Gang:
Flaczki (Kuttelsuppe), Barszcz (Rote-Bete-Suppe)(2), Żurek (Sauerteigsuppe)(3)
Fisch-Gang:
Karpfen (4) mit Bigos (5) (polnisches Sauerkrautgericht) und Krautsalat
Fleisch-Gang:
Schlesische Rinderroulade mit Klößen und Rotkohl (6)
Dessert:
Süße Piroggen mit Frischkäse- und Himbeerfüllung (7)

Alle Fotos sind vom Weindeuter

Freitag, 27. November 2009

„Gault Millau“-Punkte von Restaurants im Ruhrgebiet

Hier die Punkte-Bewertungen der Restaurants im Ruhrgebiet im „Gault Millau 2010“:

18 „Rosin“, Dorsten
18 „Résidence“, Essen

16 „Im Eichwäldchen“, Duisburg
16 „Hannappel“, Essen
16 „Kölner Hof“, Essen
16 „La Grappa“, Essen
16 „Hannappel“, Essen
16 „Landhaus Köpp", Xanten

15 "Brendel", Duisburg
15 „Nero“, Essen
15 „Rôtisserie du Sommelier“, Essen
15 "Kurlbaum", Moers
15 „Möllecken’s Altes Zollhaus“, Mülheim

14 „Orangerie im Stadtpark“, Bochum
14 „Goldener Anker“, Dorsten
14 „Henschel“, Dorsten
14 „Oase Due“, Essen
14 „Landhaus Huxel“, Hattingen
14 „Am Kamin“, Mülheim
14 „Hackbarth’s“, Oberhausen
14 „Opgen-Rhein“, Oberhausen

13 „La cuisine d’art manger“, Dortmund
13 „Dettmann’s“, Duisburg
13 „Schumacher’s“, Duisburg
13 „Walsumer Hof“, Duisburg
13 „Akasaka“, Essen
13 „Hugenpöttchen“, Essen
13 „Tablo“, Essen
13 „Eggers“, Sprockhövel
13 „Habbel’s“, Sprockhövel

12 „Kahramane“, Essen

14 Punkte im „Gault Millau“ für die „Orangerie“ im Stadtpark Bochum

Auf Anhieb schaffte Michael Hau, der seit dem Frühjahr der Küche in der „Orangerie“ im Stadtpark Bochum vorsteht, dieses beachtliche Ergebnis. Als „kulinarisches Hoffnungsschimmern im Pott“ bezeichnete der Restaurantführer in seiner neusten Ausgabe das, was in der Gastronomie im Stadtpark jetzt angeboten wird – für Bochum selbst ist es ein Meilenstein. „Ausgesuchte Produkte, klare Rezepturen und handwerkliches Geschick“, umschreibt Michael Hau die Säulen seiner Kochkunst, deren Herkunft er nicht auf ein Land oder eine Region reduzieren will.
Der Genießer freut sich über diese Auszeichnung besonders, hat er doch schon früh auf die neuen Qualitäten der „Orangerie“ hingewiesen. Mit mehr Punkten wurden vom „Gault Millau“ im Ruhrgebiet nur noch Frank Rosin in Dorsten (18), Jürgen Köpp vom „Landhaus Köpp“ in Xanten und Manfred Altgaßen vom „Eichwäldchen“ in Duisburg (je 16) sowie Michael Kurlbaum und sein Küchenchef Detlef Hufschmidt vom „Kurlbaum“ in Moers (15) (und einige mehr) ausgezeichnet. (Alle Gault-Millau-Punkte im Ruhrgebiet hier.)

Donnerstag, 26. November 2009

Vegetarische Punks: „Ox-Kochbuch 4“ erschienen

Ihre Style-Bezeichnung mag übersetzt „Müll“ bedeuten, und die gleichnamige Musik mag wie Gehacktes klingen, aber ernähren tun sich die Punks bewusst. Seit 1997 das erste Kochbuch des Punk-Fanzines „Ox“ (wird nicht geschlachtet, frisst nur Gras) erschienen ist, haben sich die vegetarischen Rezeptesammlungen zu Geheimtipps entwickelt. Jetzt ist Ausgabe Nummer 4 des „Ox-Kochbuches“ erschienen, in dem die Herausgeber Uschi Herzer und Joachim Hiller unter dem Motto „Kochen ohne Knochen“ vegetarische und vegane Rezepte veröffentlichen, die sie bei den angesagten Punkbands der Gegenwart gesammelt haben. Und das sind so leckere Sachen wie „Gefüllte Paprika“, „Couscous mit Gemüse“ oder „Dithmarscher Mehlbeutel“, die den Gaumen keineswegs so strapazieren wie die Musik die Gehörgänge. Wenn auch kein Tierblut vergossen wird, eine „Goldene Mais-Pyramide vor Couscous-Entrée in Sklavenblut“ gibt’s immerhin. Aber keine Angst: Sklavenblut ist nur selbstgemachtes Tomaten-Ketchup…

Mittwoch, 25. November 2009

Spaghetti für den Fernsehkoch

So sehr der Genießer das novemberlich trübe Licht der Welt seit seiner Geburt mag, hatte er heute Sehnsucht nach der Zeit auf dem Balkon. Also bereitete er sich einen Klassiker aus seinen Kochkursen zu: Spaghetti mit Ananasmarmelade (Rezept hier). Und prompt war der Sommer zurück! Statt der gekörnten Gemüsebrühe tat er diesmal einen Spritzer der thailändischen Fischsauce an die Pelati, die in hübschen kleinen fischförmigen Fläschchen im Restaurant „Cha Cha“ im Essener Einkaufszentrum "Limbecker Platz" zum Stibitzen bereit liegen.
Zu den fertigen Spaghetti trank er eine Cuvée Columelle 1999 von der Domaine Richeaume in der Provence, einen Verschnitt aus Cabernet Sauvignon, Syrah und uralter Grenache, die ihm der Weindeuter einst zum Geburtstag geschenkt hat. Ich sehe immer wieder das skeptische Gesicht des Weindeuters vor mir, wenn er sieht, wie lange ich die Weine liegen lasse. Aber diese Flasche gab dem Genießer recht. Sie war auf dem absoluten Höhepunkt. Liebliche Kirschtöne kamen mir entgegen, als ich sie entkorkte, im Mund ergänzt durch kräftige Würztöne, die es getrost mit der Tomatensauce aufnehmen konnten. All das war einen köstliche Unterfütterung des Fernsehabends mit dem Film über Clemens Wilmenrod, den ersten Fernsehkoch im deutschen Fernsehen.


Fischsauce von "Cha Cha"