Manufactum in Waltrop und der "Brot & Butter"-Laden
Manchmal überkommt den Genießer die Shoppinglust und er fährt die gefühlten dreißig Kilometer nach Waltrop, um in der dortigen
gleichnamigen Zeche, die einem Versailles der Industriekultur gleich hinter der Stadt liegt, das Kaufhaus von
Manufactum zu besuchen. Anders etwa als bei Strauss Innovation oder Ikea hat er hier nicht das Gefühl, auf einer Konsumhalde des Massendesigns herumzuwühlen, sondern er genießt die Erhabenheit des „Noblesse oblige“. Schwarze Bürotelefone aus Bakelit mit Wählscheibe, porzellanene Lichtschalter mit sattem Knipssound, Olivenölseife aus dem syrischen Aleppo, vernickelte Rasierhobel aus Solingen, die schon vor Stalingrad nicht schlapp machten – hier gibt es einen Qualität, die man sonst nur spüren kann, wenn man die gebrauchten Klamotten von Robert Redford oder den Requisitenfundus einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung aufbrauchen darf. Besonders die Küchengeräte haben es dem Genießer angetan – sündhaft teuer zwar, aber manches findet man auch billiger, wenn man woanders im Internet sucht.
Fantastisch ist natürlich die Lebensmittelabteilung mit dem schönen Namen „
Brot & Butter“. Hier findet man nur exklusive Lebensmittel, Gewürze, Ölsardinen, Saure Drops, wie man sie seit der Kindheit nicht mehr gegessen hat, den teuersten Kaffee der Welt - alles handwerklich hergestellt und von verlässlich bester Qualität. All das kann man bei Manufactum auch im Internet bestellen, doch lohnt sich der Besuch des Ladens vor allem wegen der Frischtheken. Eine wunderbare Wurst- und Aufschnitt-Theke wird ergänzt durch eine nicht minder überwältigende Käsetheke, dazwischen der Brotregal mit Broten wie aus dem Bilderbuch. Eigentlich wollte der Genießer sich neulich mit dem traditionell hergestellten Pumpernickel aus der Pumpernickel-Manufaktur
Holtermann in Seppenrade eindecken, allein es war ausverkauft. Frustiert zog er sich in das „
Gasthaus Lohnhalle“, das angeschlossene Bistro, zurück, um sich einen großen Aufschnitt-Teller zum Frühstück zu genehmigen, natürlich mit den Spezialitäten aus dem „Brot & Butter“-Laden.
Was er sich gekauft hat? Eine Flasche Rasierwasser der Marke „Tüff“, eine Dose Fildersauerkraut und ein Gläschen Fischfond von „Vieux Sinzig“. Letzterer wurde Karfreitag für die Erstellung der Senfsauce zum Fisch verbraucht. Senf aus der Schwerter Senfmühle hätte der Genießer bei Manufactum auch kaufen können, aber nur im großen Glas. Um ein kleines zu bekommen, reichte es jedoch, in die Rewe-Filiale gleich beim Genießer über die Straße zu gehen. Warum ist da eigentlich kein Manufactum-Laden, sondern nur in Waltrop?