Montag, 12. April 2010

Sonntagsessen: Bärlauchsuppe, Kalbskoteletts mit Safran-Risotto, Rhabarberkompott

Fast auf dem Balkon: Kalbskoteletts mit Risotto

Am Samstag lachten den Genießer bei Metzger Gläser sorgsam geschnittene Kalbskoteletts an, und so kam er nicht umhin, für das Sonntagsessen einen Großteil seines Haushaltsgeldes für die kommende Woche in diese wunderbare Bioware zu investieren. Um den exklusiven Fleischhappen einen würdigen Rahmen zu verleihen, beschloss er, einen Ausflug in die norditalienische Küche zu machen. Er wollte sie nach Milaneser Art panieren, also mit Bröseln und Parmesan, aber als er am Sonntag zur Tat schritt, gebrach es ihm an einem Ei. War wohl nix. Also schaltete er um auf toskanisch, briet die Koteletts unpaniert in der Pfanne an, bestrich sie mit der Rosmarin-Fenchelsamen-Knoblauchmischung, mit der er schon den Eichelschweinrücken im Dezember veredelt hatte (Rezept hier) und garte sie in einem Viertelstündchen bei 150 Grad im Ofen fertig. Doch mit der Sättigungsbeilage blieb er im Lombardischen. Für den Safran-Risotto alla milanese ließ er eine feingehackte Knoblauchzehe in Butter anziehen, tat (für zwei Personen) eine Tasse Risottoreis dazu, die er mit dem letzten kräftigen Schluck aus einer Piccolo-Sektflasche, die aus unerfindlichen Gründen im Kühlschrank ihr Dasein fristete, ablöschte. Als der Sekt verdampft war, füllte er den Reis nach und nach mit selbstgemachter heißer Hühnerbrühe auf. Irgendwann tat er eine Prise Safranfäden dazu und würzte mit ein wenig zerdrücktem Knoblauch. Nach 17 Minuten war der Reis fertig und wurde mit etwas Butter und ordentlich geriebenem Parmesan verfeinert und mit frisch gemahlenem Pfeffer gewürzt. Als Vorspeise gab es ein Bärlauch-Süppchen mit viel Sahne und zum Nachtisch Rhabarber-Kompott (Rezepte hier und hier). Alles in allem war das ein sehr elegantes Sonntagsessen, bei dem noch nicht einmal die kräftigen Knochen der Koteletts störten.

Bärlauch-Süppchen und Rhabarber-Kompott

Als Wein gab es dazu eine Flasche La Lepre, einen Dolcetto der Barolo-Kellerei Fontanafredda aus der DOC Diano d’Alba. Der Wein aus dem Jahr 2007 strotzte nur so vor Saft und Kraft. Schon beim Öffnen entströmte ein unwiderstehlicher fruchtiger Duft der Flasche, und auch im Mund hielt der Wein, was dieser Duft versprach. Allerdings legten sich die jungen Tannine und die fruchtige Säure wie flüssiger Schiefer auf die Zähne, und um die nächste Flasche zu genießen, wird er Genießer noch ein, zwei Jährchen ins Land gehen lassen, bis die jugendliche Ungestümtheit der reifen Eleganz gewichen ist.

Die allmähliche Verfertigung des Genusses beim Braten: Kalbskoteletts in Pfanne und Ofen

Sonntag, 11. April 2010

Vorgestern bei der Freundin des guten Geschmacks: Portugiesisches Bloggermenü

Stilvolle Präsentation: Portugiesisches Menü bei der Freundin des guten Geschmacks

Vorgestern hatte die Freundin des guten Geschmacks zum zweiten Mal zum Bloggermenü geladen. Diesmal hatte sie es unter das Motto „Portugiesische Spezialitäten“ gestellt, und der Weindeuter, der Genießer und die Blog-Beobachterin P.Sch. ließen es sich nicht nehmen, der Einladung zu folgen. Der Mahlzeitvogel war nicht da; er hatte wohl keinen Hunger.

Das Menü war, schlicht gesagt, sensationell. Besser als kann in Portugal auch nicht essen, mit solch einem Enthusiasmus kam die Freundin des guten Geschmacks für die portugiesisch sprechende Welt nach. Als Aperitif wurde auf der Terrasse Poncha, gereicht, eine Rum-Spezialität von Madeira. Dazu gab es stilecht weiße Bohnen als authentisches Knabberzeug. Am Amuse gueulle, einer Thunfisch-Paté zum Brot, Oliven, Butter und verschiedene Salzspezialitäten, hätte man sich satt essen mögen, doch das wäre ein Fehler gewesen. Als ersten Gang gab es eine Fischplatte der besonderen Art mit Stockfischkrokette, gebackener Jakobsmuschel und Tintenfischsalat – delikat, delikater, am delikatesten. Dem folgte eine Caldo verde, eine rustikale Suppe aus eine besonderen Kohlart mit Chourizo-Wurst aus Nordportugal. Als Hauptgang gab es schließlich ein Muschel-Schweinefleisch-Ragout aus der Cataplana, einer bombenartigen Deckelpfanne, die früher direkt ins offene Feuer gesetzt wurde. Das Dessert bestand aus Ananas mit Caiprinha-Sorbet, ein Tribut an das größte Land der Welt, in dem portugiesisch gesprochen wird: Brasilien. Doch es war noch nicht der Abschluss des Ganzen. Den bildeten die extra aus einer portugiesischen Bäckerei in Hagen eingeflogenen Pastel nata, Blätterteigtörtchen mit Pudding.

Dass alles mit Raffinesse gekocht und einer Extraportion Charme serviert, aber immer wieder überraschend sein würde, darauf hatten die Gäste von Anfang an gefreut. Also legten sich der Weindeuter und der Genießer mächtig ins Zeug, um entsprechende Rotweine beizusteuern. Für einen weißen Vinho Verde und einen Madeira hatte bereits Herr Geschmacksache gesorgt. Der Genießer brachte einen eleganten 2000er Pactus aus der Estremadura aus der roten Rebsorte Touriga Nacional mit. Der Weindeuter überraschte nicht nur mit einem mächtigen 2005er Grou Cabeção aus dem Alentejo, sondern auch mit einem Portwein Ottima 10 von Warre’s.

Das üppige Mal dauerte von halb sieben bis weit nach Mitternacht. Muss man noch mehr sagen?

Gute Laune auf der Terrasse: Freundin des guten Geschmacks, P.Sch., Herr Geschmacksache, Genießer. Der Weindeuter hat fotografiert.


Samstag, 10. April 2010

Gestern bei Mama: Überbackene Nudeln Bolognese

Gestern (eigentlich war’s heute Mittag, aber dieses Format heißt aus rituellen Gründen nun mal „Gestern bei Mama“, und Riten muss man einhalten, besonders mit zunehmendem Alter) habe ich für Mama überbackene Nudeln gemacht. Dazu habe ich aus 300 Gramm Gehacktem halb & halb, einer Zwiebel, einer großen Zehe Knoblauch, vier Möhren, einem Stück Sellerie, einer Stange Lauch, einer Dose San-Marzano-Tomaten, Thymian und Rosmarin eine Bolognese gekocht (ein raffinierteres Rezept gibt es hier) und sie mit Pfeffer und Salz, ein paar Spritzern thailändischer Fischsauce (als Ersatz für die italienische Colatura) und einer Prise selbstgemachtem Currypulver abgeschmeckt.

Diese Sauce habe ich über gar gekochte Spirelli-Nudeln gekippt, das Ganze mit frischen, nochmals leicht mit Pfeffer und Salz gewürzten Tomatenscheiben belegt, dann mit geriebenem Greyerzer-Käse bestreut und im Ofen überbacken.
War lecker, nur ein bisschen viel.

Dienstag, 6. April 2010

Feinkostläden: Manufactum

Manufactum in Waltrop und der "Brot & Butter"-Laden

Manchmal überkommt den Genießer die Shoppinglust und er fährt die gefühlten dreißig Kilometer nach Waltrop, um in der dortigen gleichnamigen Zeche, die einem Versailles der Industriekultur gleich hinter der Stadt liegt, das Kaufhaus von Manufactum zu besuchen. Anders etwa als bei Strauss Innovation oder Ikea hat er hier nicht das Gefühl, auf einer Konsumhalde des Massendesigns herumzuwühlen, sondern er genießt die Erhabenheit des „Noblesse oblige“. Schwarze Bürotelefone aus Bakelit mit Wählscheibe, porzellanene Lichtschalter mit sattem Knipssound, Olivenölseife aus dem syrischen Aleppo, vernickelte Rasierhobel aus Solingen, die schon vor Stalingrad nicht schlapp machten – hier gibt es einen Qualität, die man sonst nur spüren kann, wenn man die gebrauchten Klamotten von Robert Redford oder den Requisitenfundus einer Rosamunde-Pilcher-Verfilmung aufbrauchen darf. Besonders die Küchengeräte haben es dem Genießer angetan – sündhaft teuer zwar, aber manches findet man auch billiger, wenn man woanders im Internet sucht.

Fantastisch ist natürlich die Lebensmittelabteilung mit dem schönen Namen „Brot & Butter“. Hier findet man nur exklusive Lebensmittel, Gewürze, Ölsardinen, Saure Drops, wie man sie seit der Kindheit nicht mehr gegessen hat, den teuersten Kaffee der Welt - alles handwerklich hergestellt und von verlässlich bester Qualität. All das kann man bei Manufactum auch im Internet bestellen, doch lohnt sich der Besuch des Ladens vor allem wegen der Frischtheken. Eine wunderbare Wurst- und Aufschnitt-Theke wird ergänzt durch eine nicht minder überwältigende Käsetheke, dazwischen der Brotregal mit Broten wie aus dem Bilderbuch. Eigentlich wollte der Genießer sich neulich mit dem traditionell hergestellten Pumpernickel aus der Pumpernickel-Manufaktur Holtermann in Seppenrade eindecken, allein es war ausverkauft. Frustiert zog er sich in das „Gasthaus Lohnhalle“, das angeschlossene Bistro, zurück, um sich einen großen Aufschnitt-Teller zum Frühstück zu genehmigen, natürlich mit den Spezialitäten aus dem „Brot & Butter“-Laden.
Was er sich gekauft hat? Eine Flasche Rasierwasser der Marke „Tüff“, eine Dose Fildersauerkraut und ein Gläschen Fischfond von „Vieux Sinzig“. Letzterer wurde Karfreitag für die Erstellung der Senfsauce zum Fisch verbraucht. Senf aus der Schwerter Senfmühle hätte der Genießer bei Manufactum auch kaufen können, aber nur im großen Glas. Um ein kleines zu bekommen, reichte es jedoch, in die Rewe-Filiale gleich beim Genießer über die Straße zu gehen. Warum ist da eigentlich kein Manufactum-Laden, sondern nur in Waltrop?

Montag, 5. April 2010

Im Supermarkt entdeckt: Campbell’s Tomato Soup

Als der Genießer am Karsamstag auf der Suche nach einer Dose San-Marzano-Tomaten gegen 20 Uhr 30 durch Real in Wattenscheid schlich, war er überrascht, eine neue Abteilung mit internationalen Spezialitäten zu entdecken. Schön übersichtlich nach Ländern wie Italien, Frankreich, Griechenland, Spanien, Türkei, Mexiko und USA sortiert, standen hier auf einmal alle Produkte auf einem Haufen, die früher im ganzen Laden verteilt waren. Darunter gab es auch einiges, das dem Genießer früher noch nie aufgefallen war, etwa mit Sepia-Tinte schwarz gefärbte Spaghetti und französische Dosen-Saucen nach klassischen Rezepten, deren Zutatenlisten keine Geschmacksverstärker aufweisen und deshalb nicht uninteressant zu sein scheinen.

Höhepunkt war jedoch ein Stück Pop-Art zum Essen: die Tomatensuppe der Firma Campbell’s im USA-Regal, deren Dose durch Andy Warhols Porträt zu einer Ikone der modernen Kunst geworden ist. Die Lebensmittel-Konserve im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit kostet 2,29 Euro und besteht laut Aufdruck aus „Tomatenpüree (Wasser, Tomatenmark), Fruktose-Glukose-Sirup, Weizenmehl, Wasser, Salz, Säuerungsmittel Kaliumchlorid, Aroma, Säuerungsmittel (Citronensäure, Ascorbinsäure, Monokaliumphosphat), natriumreduziertes Meersalz“. Der Zubereitungstipp lautet: „Doseninhalt (laut Aufdruck 10 ¾ OZ., das entspricht 305 g) mit 270 ml Wasser oder Milch (für eine noch cremigere Suppe) in einen Topf geben und unter Rühren langsam erhitzen.“
Die Dose San-Marzano-Tomaten fand der Genießer übrigens nicht im Italien-Regal der neuen Abteilung, sondern bei den ganz normalen Gemüsekonserven. Das fand er gut.

Sonntag, 4. April 2010

Gestern bei Mama: Mangoldauflauf mit Lammkarree


Vor drei Wochen hat der Genießer noch geübt, gestern habe ich für Mama Mangoldauflauf mit Lammkarree gemacht: Es ist ja Ostern. Allerdings habe ich den Mangold wie die Füllung der Ligurischen Ostertorte zubereitet und 900 Gramm blanchiertes Gemüse mit einer Packung Ricotta, Greyerzer und einem Ei vermischt und mit Muskat und Majoran gewürzt.

Samstag, 3. April 2010

Karfreitagsmenü: Hühnersuppe leicht asiatisch, Steinbeißerfilet mit Trauben-Fildersauerkraut und Senfsauce, Crème brulée

Fischhändler Peter Wienand

Nein, eine Lachs-Seite kaufte der Genießer mitnichten am Stand von Peter Wienand. Seit einiger Zeit steht der Bochumer Fischhändler, den man besonders auf den Wochenmärkten im Bochumer Südwesten findet, mit seinem Wagen jeden Freitagmorgen auf dem Parkplatz vom „Biohaus“ an der Hattinger Straße. Vor Ostern war er natürlich am Gründonnerstag da, und der Genießer erstand zwei gehörige Portionen Steinbeißerfilet für den Hauptgang seines Karfreitagsmenüs.

Den schmackhaften Fisch ließ der Genießer nur kurz in Butter garziehen. Als Beilage gab’s dazu Trauben-Fildersauerkraut. Dafür schmorte der Genießer kleine Zwiebelwürfel in Schmalz etwas an, tat das Fildersauerkraut dazu, bestreute es mit etwas Zucker und löschte alles mit Weißwein ab. Dann ließ er alles zehn Minuten schmoren und tat dann halbiert kernlose Trauben dazu und ließ sie noch einmal zehn Minuten mit garen: ein Gedicht! Fildersauerkraut wird nicht aus Weißkohl gemacht, sondern aus einer Sorte Spitzkohl, der nur in der Filder-Region in der Nähe von Stuttgart vorkommt.

Dazu gab’s Salzkartoffeln und eine einfacher Senfsauce, für die der Genießer Schalotten anschmorte, mit 1/8 Liter Weißwein ablöschte und einkochen ließ. Dann rührte er Fischfond und Senf aus der Schwerter Senfmühle darunter (hier schmeckte ihm die säuerliche Senfspezialität aus dem Ruhrgebiet ausnahmsweise richtig gut), ließ alles noch einmal etwas einkochn, würzte mit Dill und band alles mit eiskalter Butter ab. Für die Vorsuppe hatte der Genießer ein Suppenhuhn vom bewährten Metzger Gläser mit Suppengrün, Petersilienwurzel und viel Fenchelsamen ausgekocht, und die Brühe dann mit selbstgemachtem Curry und Limettensaft asiatisch-scharf abgeschmeckt. Zum Nachtisch gab es die bewährte Crème brulée aus dem Genießer-Kochkurs für Männer.

Als Wein hatte sich der Genießer dazu einen 2005 Riesling Graziosa von Peter Jakob Kühn gegriffen, keine wirklich gute Wahl. Das elegante Süß-Säure-Spiel eines Moselrieslings hätte wohl besser zu Fisch und Senfsauce gepasst. Die Graziosa war jedoch wenig graziös, sondern sie wirkte einfach nur plump-süß mit tropisch-schwerem Mangoton. Mit den Weinen des revolutionären Spontanvergärers aus dem Rheingau kommt der Genießer einfach nicht zurecht.

Plumpe Graziosa

Freitag, 2. April 2010

Auf dem Balkon: Sizilianische Erdbeeren


Eine der coolsten Kochsendungen des deutschen Fernsehens war "Was die Großmutter noch wusste" mit Kathrin Rüegg und Werner O. Feißt, die von 1982 bis 2006 vom SWR produziert wurde. Den im Laufe der Jahre immer älter werdenden Moderatoren beim Kochen zuzusehen, war kurioses Entertainment pur, auch wenn man die schweizerdeutsch redende Kathrin Rüegg und den badisch brabbelnden Werner O.Feißt kaum verstand. Die Rezpte, die die beiden vortrugen, waren ausgezeichnet und erzsolide. Kathrin Rüegg gilt nicht umsonst als Kult-Köchin.
Seit der Genießer in der Sendung die Zubereitung von "Andalusischen Erdbeeren" kennen lernte, gehören sie zu seinen Lieblingsdesserts. Er widmete sie einfach zu "Sizilianischen Erdbeeren" um, weil er meist italienische Menüs zubereitet. In beiden Mittelmeer-Regionen sind Orangen und Erdbeeren gleichzeitig reif, also wirds schon stimmen.

Sizilianische Erdbeeren

500 g Erdbeeren
1 Miniflasche Orangenlikör
2 EL Zucker
4 Eigelb
100 g Puderzucker
1/8 l Weißwein
abgeriebene Schale einer Bio-Orange
1/8 l Sahne

Die gewaschenen, entstielten Erdbeeren halbieren. Mit Orangenlikör beträufeln, Zucker darüber streuen und kühl stellen.
Eigelb, Puderzucker, Weißwein und abgerieben Orangenschale miteinander vermengen und im Wasserbad zu einer schaumigen Creme schlagen. Abkühlen lassen.
Sahne ganz steif schlagen und mit der Creme vermischen.
Sahnecreme auf den Erdbeeren anrichten.