Das Restaurant hat am 23.6.2026 einen Michelin-Stern verliehen bekommen.
Eigentlich hätte man die große Veränderung in der
„Rotisserie du Sommelier“ schon erahnen können, als Hans Robert Lange Rodriguez
im letzten Jahr nach einem kurzen Zwischenspiel in Mülheim (
klick hier) nach
Essen-Rüttenscheid
zurückkehrte. Jahrzehntelang
war das Restaurant Inbegriff für französisch inspirierte Küche mit deutschem
Einschlag und Vorliebe für nachhaltig produzierte regionale Produkte, und dass
ausgerechnet hier ein Koch mit südamerikanischen Wurzeln die Nachfolge des nach
langen Jahren ausgeschiedenen Küchenchefs André Kaulke antreten sollte, konnte durchaus
irritieren. Doch dass die „Rotisserie du Sommelier“ zum „Rodizio du Sommelier“
würde, stand nicht zu befürchten, wie ich in meinem damaligen Post bemerkte (
klick hier). Doch es sollte noch ganz anders kommen.
Vor acht Jahren hatte Hans Robert Lange Rodriguez, Sohn
einer deutschen Mutter und eines bolivianischen Vaters, in der Rotisserie seine
Kochlehre absolviert, sich am „Basque Culinary Center“ im spanischen Bilbao
sich ein wenig mit der avantgardistischen Küche vertraut gemacht, in Bolivien
in einem Hotel gekocht, im Ruhrgebiet bei Nelson Müller, in Gelsenkirchen und
schließlich in Mülheim gearbeitet. Sein Ziel war es immer, ein eigenes Restaurant
zu führen und wenn möglich auch einen Michelinstern zu erringen.
Hans Robert Lange Rodriguez und
seine Lebensgefährtin Chantal KretschmannZumindest ersteres ist ihm jetzt gelungen. Nachdem sich auch
Rotisserie-Patron Thomas Friedrich in diesem Sommer aus dem Geschäft zurückgezogen
hatte, hat Hans Robert Lange Rodriguez die traditionsreiche Location in
Rüttenscheid komplett übernommen und sie grundlegend verändert. Unterstützt wird
er dabei von seiner Lebensgefährtin Chantal Kretschmann. Das Lokal ist zwar
immer noch ein hübsches intimes Restaurant mit 30 Plätzen, doch das
französische Flair ist verschwunden. Statt der früheren Belle-Epoque-Gemütlichkeit
herrscht nun eine coole braunledrige Bar-Atmosphäre, die schwarzweißen Fotos
von südamerikanischen Wüstenlandschaften an den Wänden verweisen in eine ganz
andere Weltgegend. „Teko by Lange Rodriguez“ steht jetzt als Name auf dem
Firmenschild. „Teko“, so erläutert Hans auf seiner Internetseite, bedeutet auf Spanisch
„Kultur“. Und dieses große Wort trifft genau die temperamentvollen Gesten, mit
denen er seine Pläne für das Restaurant unterstreicht. Neben seinen
kulinarischen Ambitionen gehören auch
Veranstaltungen mit südamerikanischen Künstlern dazu, Menüs mit Gastköchen und eine
Preisgestaltung, die auch junge Leute anspricht.



Die traditionsreiche Location strahlt in neuem Glanz„Zwei Kulturen, ein Geschmack“ heißt die Formel, auf die er mit
seinen deutsch-bolivianischen Wurzeln anspielt. Das hatte er schon in der Rotisserie
und vorher in Mülheim versucht, wie ich probieren konnte,
doch jetzt im eigenen Restaurant sei er, wie
er betont,
erst richtig frei. Die
südamerikanischen Einflüsse finden sich in den Zutaten wieder, Amaranth,
Quinoa, Mais, Kakao, um nur einige zu nennen. Ein seiner bevorzugten
Zubereitungen ist da Fermentieren, das er von seiner Großmutter gelernt hat und
das es auch hier im Ruhrgebiet verwurzelt ist – die Einmachgläser mit
Gemüsepräparaten begleiteten ihn durch alles eine Küchen. Bezeichnenderweise
hat er in diesem Jahr beim Wettbewerb „Koch des Jahres“ in der Challenge „Omas
Küche“ den ersten Platz belegt. Südamerikanischen Ursprungs ist auch die
Leidenschaft, mit der Hans seine Vorliebe für Kaffee zelebriert. Mit geradezu
wissenschaftlicher Präzision praktiziert der Kaffee-Sommelier die Zubereitung,
misst grammgenau Kaffeepulver und Wassermenge ab, (12 Gramm Kaffee auf 200 g
Wasser) und brüht mit nicht mehr kochendem Wasser und wohldosierter
Strahlbewegung auf. Doch auch mit anderen, eher deutschen Genussmitteln hat er
Pläne. So schweben ihm Menüs und Gerichte vor, die er mit Bier realisieren will.

Immer dabei: fermentierte Gemüse
Leidenschaft für KaffeeDas Pressemenü, zu dem Hans Robert Lange Rodriguez zwei
Wochen nach der offiziellen Eröffnung des „Teko“ eingeladen hatte, zeigte, wie
diszipliniert er bei allem südamerikanischer Leidenschaft kochen kann. Bei den
fünf Gängen, die er servierte, zeigte sich einmal mehr, dass er ein Meister der
tadellosen optischen und handwerklichen Präsentation ist, durchaus mit Hang zur
Pinzettenküche. Die detaillierten Beschreibungen der Gänge, die er für die
Berichterstattung zur Verfügung stellte und die ich bei den Bildern weiter
unten dokumentier, beweisen das. Und auch die Weinauswahl war sorgfältig und bestechend. Doch die
Freiheit, die er im eigenen Restaurant ausleben will, zügelte er zugunsten
vermeintlich deutscher Geschmacksvorlieben noch ziemlich deutlich. Es mögen
Klischeevorstellungen von Südamerika sein, aber etwas mehr überraschende
Exotik, überbordendes Temperament oder ganz einfach mehr „Wumms“, wie es
Sternekoch Berthold Bühler, der ebenfalls am Menü teilnahm, ausdrückte, hätten den
Erwartungen, den die Zutaten hervorriefen, deutlciher erfüllt. Doch das
Restaurant „Teka“ ist ja noch ganz neu, und Hans Robert Rodriguez wird sich
schon rasch frei schwimmen. Ob’s dann auch mit einem Michelinstern klappt?

Diner für sieben kultivierte Herren
2.11.2024, Teko by Lange Rodriguez
Vorweg
Aperitif aus destillierten Kaffeeschalen
Ein alkoholfreies Getränk mit irritierender sanfter Fruchtigkeit
Kartoffel- und Tapioka-Käsebrot
mit Guacamole-Butter
Amuse Gueulle
Gelierte Aioli
Krokette mit flüssigen
Bechamelkern / Petersilienemulsion
Sandwich de Chola
36 Stunden gegarter Schweinebauch / Mayonnaise aus geräucherter Karotte / gepickelte Schalotten
Dabei handelt es sich um die Miniaturisierung eines Street-Food-Gerichtes aus
Südamerika
Mango, Quinoa, Mojito
Die Fjordforelle ist gebeizt und aromatisiert
mit Kardamom, Korianderund Fenchel aromatisiert. Mango ist als Gel, in
Würfel aromatisiert mit Mango Essig und braunem Zucker und als Öl verarbeitet. Garniert
mit gepufftem Quinoa mit Zitronenzeste, Orangenblüten, Koriander). Der Mojito
Schaum besteht aus Rum, Limette, braunem Zucker und Minze und von Jalapeño-Siracha-Öl
umgeben.
Sauvignon Blanc Outer Limits
Weingut Viña Montes, Aconagua Valley, Chile
Ein Wein aus Südamerika darf nicht fehlen.
Jakobsmuschel
Quitte, Kürbis, Honig
Quitte als Würfel, Gel, und emulgiert, Kürbis alsPüree, eingelegt. Honig als Gel.
Erdnuss emulgiert und im Ganzen. Gewürzbrot aromatisiert mit Fenchel, Zimt,
Nelke.
Die Jakobsmuschel wurde ursprünglich von den Spaniern aus Südamerika nach
Europa gebracht.
Crozes Hermitage Mule Blanche
Domaine Paul Jaboulet Aîné, Rhône, Frankreich
Passend ausgesucht, erinnert noch ein wenig an den Weinkeller der Rotisserie.
Fagottini
Schwarzer Tee, Trüffel, geräucherte Schalotte
Schwarzer Tee (Pilzbrühe mit fermentiertem Schwarzem Tee). Geriebener Trüffel.
Ggeräucherte Schalotte. Buerre Blanc aus weißem Trüffel. Kräutersaitlinge und
weiße Trüffel
Barbera d’Alba
Cordero di Montezemole, Piemont, Italien
Zur mit Pilzen gefüllten Nudel natürlich ein Roter aus dem Piemont.
Ochsenfilet
Amaranth, Blumenkohl, Zwetschge
Gepuffter Amaranth mit Nüssen aromatisiert. Blumenkohl im Ganzen sautier und
als geräuchertes Püree geschmort). Zwetschge als Gel, im Ganzen und als Sud.
Cigalus Rouge
Gérard Bertrand, Languedoc, Frankreich
Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Cabernet
Franc, Merlot, Syrah, Grenache Noir und Carignan, ideal zum Rindfleisch
Kalamansi
Petersilie, Kakao, Mais
Petersilie als Eis und Öl). Kakao als Mousse
und asl „Steine“. Mais im Ganzen flambiert. Sud aus fermentiertem gelbem Mais,
Zitrone und Maracuja
Kalamansi sind eine Orangenart von den Philippinen
Domaine Wachau, Wachau, Österreich
Mit Weinbrand gespritete Spezialiät,.die an süßen Port erinnert.
Teko by Lange Rodriguez. Wegenerstraße 3, 45131 Essen-Rüttenscheid.
Tel. 0201/9596930. Mi-Sa 17-22 Uhr. So,
Mo, Di geschlossen. www.teko-by-langerodriguez.de
Der Genießer bedankt sich für die Einladung.
Dank an Michael Alisch für die Organisation.