Freitag, 26. August 2022

Gourmetmeilen 2022: „Gourmetmeile Metropole Ruhr“ auf Zollverein eröffnet

Die Essener 1. Bürgermeisterin Julia Jacob und
Meilenmacher Rainer Bierwirth stoßen an

Zollverein-Vorstand Prof. Heinrich Theodor Grütter spendet der Meile seinen Segen. Im Hintergrund Brauereichef Thomas Stauder und Gastronom Yavuz Cagritekin vom La Turka in Düsseldorf

Mit der „Gourmetmeile Metropole“ auf Zeche Zollverein hat gestern in Essen die letzte kulinarische Großveranstaltung dieser Art in diesem Sommer eröffnet. Erstmals fand sie im Kulturhauptstadtjahr 2010 statt und sollte eigentlich einen einmalige Sache sein, doch erwies sie sich als gelungenes Aushängeschild für die gastronomische Landschaft im Ruhrgebiet, dass sich der Verein „Essen genießen e.V.“ um Meilenmacher Rainer Bierwirth und die Stiftung Zollverein dazu entschlossen, das städteübergreifende Konzept weiter zu führen. Auch wenn sich einige gastronomische Perlen im Laufe der Zeit zurück zogen, das Publikum schloss die Gourmetmeile ins Herz – nicht zuletzt wegen der beeindruckenden Kulisse des UNESCO-Welterbes Zollverein, das in der Dunkelheit zauberhaft illuminiert wird und der wohltemperierten Musikauswahl von Musikpromoter und Trüffelspezialist Igor Albanese, die live auf einer Bühne das große Schlemmen entspannt untermalt.


Beindruckende Kulisse des Kulturerebes

Umso mehr freute sich der Genießer, dass er dieses Jahr nach der Corona-Zwangspause wieder einer Einladung zum Eröffnungsmenü erhielt. Wie alle Gourmetmeilen im Ruhrgebiet, die sich dieses Jahr wieder an den Start wagten (klick hier), hat auch Zollverein etwas abgespeckt. Es sind aber immerhin 13 Gastronomien hauptsächlich aus Essen, aber auch aus Mülheim, Gladbeck und Düsseldorf, die sich nicht durch pandemiedingten Personalmangel oder Ukraine-Kriegs-bedingter Teuerung von ihrer Präsenz abbringen ließen. Und so ist auch in diesem Jahr wieder eine prachtvolle Meile zu Stande gekommen, die ein nostalgisches, Gefühl aufkommen lässt, das an die guta alte Zeit der Gourmetmeilen erinnert.

Genießen im Kulturdenkmal

Von 88 Gerichten, so hat Meilenmacher Rainer Bierwirth im Vorwort des Programmheftes gezählt, können sich die Besucher verwöhnen lassen. Was bei der Durchsicht der Speisekarten auffällt ist, dass das grüne Veggie-Zeichen allerdings kaum ins Auge fällt. Einige Restaurants haben gar keine vegetarischen Gerichte.Wie auch bei den anderen Gourmetmeilen im Ruhrgebiet, scheint man auch hier nicht an dem sich immer weiter ausbreitenden Trend zum Fleischlosen zu glauben, der es mittlerweile schon bis in die Werbung der Fast-Food-Ketten geschafft hat. Stattdessen betont Bierwirth in der Pressemitteilung, wenig die Gerichte auf Zollverein kosten, was ein wenig an den alten „Geiz ist geil“-Slogan erinnert. Die preiswertesten Gerichte gibt es übrigens für 5 Euro, das teuerste ist ein „Surf and Turf“ aus Simmentaler Rinderfilet mit Pfeffersauce und einem halben kanadischen Hummer mit Hummersauce für 24,90 Euro beim Ristorante Acquario.


Erfischende Eistee-Cocktails in der Schick Essen Cocktail Bar

Zum von Genius Loci des Veranstaltungsorts inspirierten Konzept gehört es, eine „Bergmannsgericht“ im Angebot zu haben - eine Herausforderung, die die Kreativität der Küchenchefs immer wieder herausfordert. In diesem Jahr spielt dabei die Currywurst eine wichtige Rolle. An drei Ständen wird sie angeboten, Grund genug, um daraus die diesjährige Genussbereit-Challenge zu machen. Wobei ich mir als Hobbyhistoriker gar nicht so klar darüber bin, ob sie wirklich ein Bergmannsgericht ist. Schließlich kam sie erst Ende der 1960-er Jahre so richtig in Mode, als die meisten Zechen im Ruhrgebiet schon geschlossen hatten. Zur Ruhrgebietsmahlzeit wurde sie erst durch die Comediens, die im Zuge des Strukturwandels seit den 1980-er Jahren zur Identifikationsfigur der Region wurden.

Hier also die zweiteilige Fotodokumentation dessen, was beim gestrigen Besuch verzehrt wurde.

1. Die Currywurst-Challenge
25.8.2022

 
Alte Metzgerei
Die „Echte Dönninghaus“ –Currywurst“ mit Baguette (5 Euro)
Seit Herbert Grönemeyers Song von der Currywurst ist die „Echte Dönninghaus“ in Bochum und dem Rest des Ruhrgebiets Kult – auch weil die dazu gehörige Sauce genau die Schärfe hat, um die Biervorräte im Bermudadreieck auszutrinken. Sie auf einer Gourmetmeile zu präsentieren, scheint aber etwas einfallslos, vor allem wenn sie so - wie hier auf dem Teller während des Eröffnungsmenüs – serviert wird.

Gummersbach
Currywurst
Echt Schwäbisch Hällische Bratwurst mit einem Butterbrot mit schwarzem Grubensalz (7 Euro)
Zu meiner Zeit war Currywurst etwas, was man an der Bude aß, um sich von Mutterns Bevormundung zu Hause unabhängig zu machen. Dieses Gourmetstück hingegen schmeckt so, wie Mama sie zubereitet hätte, wenn sie sowas überhaupt gekocht hätte. Die Wurst aus bestem Fleisch vom Schwäbisch-Hällischen Schwein, der Gemüseansatz der Sauce herausschmeckbar, die Currywürze dezent aber eindeutig. Und das dekorative schwarze Salz auf dem Bütterken ist ein Verweis auf die Fine-Dining-Heimat des servierenden Hauses.

La Turka
Orientalische Dattel-Currywurst mit gerösteten Mandeln (7 Euro)
La Turka, einst ein edles türkisches Restaurant in Rüttenscheid, heute in gleicher Funktion in Düsseldorf tätig, sorgt für den kreativen Clash der Kulturen. Die Sauce ist ein süß-würziger Ausflug in einen türkischen Serail und stünde auch gut einem pikanten Dessert zu Gesicht. Die Wurst ist natürlich nicht aus Schweine-, sondern aus Hähnchenfleisch mit ebenfalls exotischer Textur. Ein schönes Experiment.

Fazit
Hier die beste Wurst zu küren, würde mehr über meine Erwartungen verraten als über das Produkt. Deshalb zitiere ich lieber meinen alten Bergmannsgericht-Schlachtruf: „Rettet die Linsensuppe!“




2. Gourmetmeile Metropole Ruhr 2022
Menü zur Eröffnung für geladene Gäste
15.8.2022

(Preisangaben zur Orientierung)

Acquario
Agnolotti al Tartufo
Gefüllte Nudeln Trüffel Sahnesauce (8,50 Euro)
Die Nudeln sind ein Klassiker der italienischen Küche. Die Sauce sollte wohl an die legendäre Trüffelsauce erinnern, mit der, wenn anwesend, „La Grappa“ eine legendären Gourmetmeilen-Gnocchi serviert.

Wasserschloss Wittringen
Gambas Mediterran Mit frischen Kräutern und Knoblauch in Weißwein-Tomaten-Tunke, dazu Knoblauch-Baguette (12 Euro)
Optisch sah das Gericht der folgenden Currywurst von der „Alten Metzgerei“ verblüffend ähnlich. Die Gambas waren knackig, die Sauce erinnerte an bekannte Nudelgerichte aus der Kindheit.

Alte Metzgerei
Die „Echte Dönninghaus-Currywurst“ (5 Euro)
Siehe oben


Der Löwe
Sauerbraten vom deutschen Rind Mit einer kräftigen Rotweinsauce (ohne Rosinen), Kartoffelknödel und Apfelrotkohl (12 Euro)
Zwar gehört der westliche Teil des Ruhrgebietes zum Rheinland, aber bei der Zubereitung von Sauerbraten zeigt sich, das das Ruhrgebiet eben doch nicht das Rheinland ist. Die Sauce wird hier nämlich ohne Rosinen gemacht – so wie bei meiner Mutter. Sauce und Rotkohl zeigten ein angenehmes Süß-Säure-Spiel, der Knödel hatte ein perfekte Konsistenz, das Fleisch bot korrektem Schnitt gegen die Faser einiges zum Kauen.

Gourmetmeile Metrople Ruhr auf Zeche Zollverein. Essen, Gelsenkirchener Str. 180. Geht noch bis zum 28.8.2022. Infos hier.

Donnerstag, 25. August 2022

Gourmetmeilen 2022: „Dortmund à la carte“ eröffnet

Die kulinarische Zeltstadt auf dem Hansaplatz wartet auf die Gäste

Ich weiß nicht, ob es heutzutage noch politisch korrekt ist, so ein Wetterchen wie gestern „Kaiserwetter“ zu nennen. Aber die Sonne knallte vom Himmel herunter, dass es eine Lust war, als zur Mittagszeit erstmals die Zelte für die Gourmetmeile „Dortmund à la carte 2022“ auf dem Hansaplatz öffneten . Und immerhin gibt es am Stand vom Freischütz Kaiserschmarrn.

Zwei Jahre lang konnte die „Mutter aller Gourmetmeilen“, die zu den ältesten Veranstaltungen dieser Art im Ruhrgebiet gehört, wegen Corona nicht stattfinden. „GourmeDo“, die andere große Dortmunder Gourmetmeile der letzten Jahre, hat angesichts dieser Turbulenzen die Bestecke komplett abgeben und findet überhaupt nicht mehr statt. Dabei war diese Konkurrenz durchaus segensreich, brachte sie doch „Dortmund à la carte“ vor ein paar Jahren dazu, in ein neues Erscheinungsbild zu investieren. Und so präsentiert sich der Dortmunder Hansaplatz heute als eine der elegantesten kulinarischen Zeltstädte der Region mit elf großzügigen Pop-Up-Restaurants (Ringhotel Drees, Matenaar’s, Markt 13 by Gaudialm, Treppchen 1763, Brauturm, Dieckmann’s, Tante Amanda, EMIL, Vetro, Altes Gasthaus Grube und Freischütz) und weiteren Ständen.

Kaiserwetter in Dortmund

Doch der große Wandel, den die Dortmunder Gastronmieszene in den letzten beiden Jahren erlebte, wird auf „Dortmund à la carte“ nicht abgebildet. Die Sterneküchen-Revolution, die über die Westfalenmetropole herein gebrochen ist, findet hier nicht statt. Ich würde es klasse finden, wenn etwa ein Stand vom „Kochquintett“, der die Dortmunder Sternehäuser vereinigen könnte, auf „Dortmund à la carte“ ein Gastspiel geben würde.

Stattdessen gibt man sich mit dem Angebot gewohnt deftig. Eine kleine Bosheit muss ich loswerden. Kulinarisch ist es wie beim Fußball, man will in Dortmund gerne Bayern sein. Denn die Gerichte klingen für die Westfalenmetropole erstaunlich bajuwarisch-südländisch: „Tiroler Gröstel“, „Jausenplatte“, „Münchner Leberkäs Semmel“, „Tafelspitz (immerhin) auf Stielmus“ oder eben „Kaiserschmarrn“. Und das Wies’n-Ritual, die Veranstaltung mit dem Anstich eines Bierfasses durch den Oberbürgermeister zu eröffnen, passt da auch schön ins Bild.


Rituelle Handlung:
Dortmunds OB Thomas Westphal und Johannes Riepe
vom Ringhotel Drees stechen das Fass an

Freunde der mediterranen Urlaubsküche kommen allerdings auch auf ihre Kosten, was bei den sommerlichen Temperaturen geradezu ideal ist. Was das vegetarische Angebot angeht, liegt man leider nicht besonders im Trend. Nur wenige Hauptgerichte tragen das grüne Veggie-Zeichen. Wer fleischlos essen will, muss sich auf „Dortmund à la carte“ offensichtlich von Desserts ernähren.

Nichts desto weniger waren die Gerichte, die ich gestern probierte, erstaunlich gut. Besonders die Fleischzubereitung beherrscht man bei „Dortmund à la carte“ aus dem Effeff. Das Secreto vom Iberico-Schwein vom Vetro und die Rinderroulade bei Tante Amanda ließen keine Wünsche übrig. Allerdings muss ich gestehen, gegessen wurde bei der Hitze nicht so viel, obwohl mich dabei Kollegin Silke vom der Facebook-Gruppe „Mein (kulinarisches) Dortmund“ unterstützte. Dafür wurde wurde den Getränken umso lebhafter zugesprochen.

 

Ein Nachmittag auf „Dortmund à la carte“
24.8.2022



Ein Stößchen Kronen vom Schlips zum Auftakt

 


Matenaar’s 
3 Austern mit Schampus
Das musste sein

Hauscocktail mit Skiclub Kampen Likör



Dieckmann‘s
SL Falafelbällchen
Mit orientalischem Rot-Beete-Salat mit Limetten-Minz-Joghurt

Erfrischend-knusprige Vorspeise mit deftigem Kreuzkümmel-Touch. Dazu vegetarisch. Hier ist Dieckmann’s vorbildlich. Allein auf der Hauptkarte stehen der Veggie-Gericht, dazu kommen, zwei fleischfreie Desserts. Was heißt eigentlich SL?

Zwei betörend süße Eistee-Kreationen.
Mit Granatapfel und Limette-Minze.



Vetro
Das geheime Filet
Iberico Secreto mit frischem Wildkräutersalat und Asia Dip

Saftig, knusprig, zart und mit schönen Raucharomen – der seltene Cut vom Iberoc-Schwein war tadellos zubereitet.


Tante Amanda
Zart geschmorte Rouladen vom Weideochsen
Mit Rahmspitzkohl und Kartoffelpüree

Bei Muttern schmeckt es nicht anders.



Hitzefrei Eiskreationen
Eiskaffee
Bei der Hitze einfach himmlisch zum Nachtisch. Wieso waren am Stand von Hitzefrei eigentlich keine Schlangen?



Dortmund à la carte. Hansaplatz, Dortmund. Tägl. ab 11 Uhr. Geht noch bis zum 28. August. Tägl. ab 11 Uhr. www.dortmund-a-la-carte.de

Dienstag, 23. August 2022

Gastroführer „Essen geht aus 2023“ erschienen


War die Präsentation von „Essen geht aus“ im letzten Jahr noch eine recht frostige Angelegenheit im Schatten der Pandemie, knüpfte die gestrige Release Party der neuen Ausgabe für das Jahr 2023 wieder an die Glorie alter Zeiten an. Bei schönstem Sommerwetter traf sich die Essener Gastronomen im Jagdhaus Schellenberg hoch über dem Baldeneysee, um das Erscheinen des neuen Gastroführers zu feiern. Projektleiter Marc Lorenz und Chefredakteur Tom Thelen konnten in ihren Moderationen schließlich einigen Optimismus verbreiten, schließlich gab es trotz Corona und den aufziehenden Schwierigkeiten durch den Ukraine-Krieg zahlreiche Neueröffnungen und Wiederbelebungen. So künden die großen Reportagen über ungebremste Frauenpower in der Essener Gastronomie: Erika Bergheim, langjährige Küchenchefin im Michelin-besternten Schlosshotel Hugenpoet, eröffnete mit der Pierburg in Kettwig ihr eigenes Restaurant, und Julia Mair, die das Gastro-Handwerk in der legendären Résidence lernte, beglückt das schöne Rüttenscheid jetzt mit gleich zwei Restaurants, „Fischerei“ und „Gärtnerei“. Im „Bahnhof Süd“ im Südviertel gibt es dank einer stärkenden Craft Bier-Infusion wieder Gastronomie. Und der Genießer hochstpersönlich wagt einen Blick über die Hügel am Baldeneysee und berichtet über den Neustart im Waldhotel Heiligenhaus mit dem Restaurant „Blattwerk“. „Essen geht aus 2023“ kann so, gemeinsam mit dem umfangreichen Rezensionsteil, über 200 Restaurants und kulinarische Adressen berichten.

Erleuchtet: Chefredakteur Tom Thelen

Die Köche des Abends

Zur Feier des Heftes wurde ein fünfgängiges Menü serviert, dessen Gänge von den Köchen der präsentierten Häuser zubereitet waren.

Das EGA 2023 Menü

Gebratene Riesengarnele
Gurke │ Mango │ Sesam │ Radieschen │ Shiso │ Limetten Salsa

Thorsten Bungard, Blattwerk im Waldhotel Heiligenhaus 

Wan Tan
Shii take │ Spitzkohl │ Papaya Salat │ Wasabi Crunch │ Sesam Aioli │ Teriyaki
Sven Zacharias, Fischerei & Gärtnerei

Kalbsfilet
Paprika in Texturen │ Basilikum │ Pistazien

Marc Wimper, Jagdhaus Schellenberg

Steinbutt
Kürbis vom Feld │ Yuzukosho │ Bonitoflocken
Michael Scheil und Mathhäus Bröl, Chefs & Butchers


Beerentarte

Joghurtparfait │ Zitronenverben │ Pistazienpesto
Peter Meistes, Restaurant am Park im Sheraton Essen Hotel


Im Glas:

Riesling Qualitätswein halbtrocken
Geschwister Köwerich, Mosel

Sagenhaft Rosé Qualitätswein trocken
Weingärtner Cleebronn & Güglingen, Württemberg

Chardonnay trocken
Velis Vineyards, Rheinhessen


Essen geht aus 2023. Überblick Lensing Media. 140 Seiten. 8,90 Euro. Erhältlich im guten Zeitschriftenhandel und hier im Internet

Sonntag, 21. August 2022

Slow Food Bochum: Besuch auf dem Wünnerhof in der Elfringhauser Schweiz

Bettina Wamsler vom Wünnerhof erklärt die Demeter-Kreislaufwirtschaft

Es war eine Empfehlung von Wegermann’s Bio-Landhaus. Während eines Vorbereitungsgesprächs für des große Geburtstagsmenü zum 30-jährigen Jubiläum von Slow Food Deutschland am 21.10. (zur Anmeldung klick hier) machte Axel Wegermann auf den Wünnerhof gar nicht weit von seinem Restaurant aufmerksam. Im Jahr 2016 hatten die Landwirtschaftsmeisterin Bettina Wamsler und der Landschaftsplaner Christian Bechtle das traditionsreiche, aber damals vor sich hin dümpelnde Anwesen in der idyllischen, zur Stadt Hattingen gehörenden Elfringhauser Schweiz übernommen und seitdem mit großen Investitionen in einen modernen, dem Demeter-Verband angeschlossenen Bio-Betrieb umgewandelt. 2020 konnte schließlich der Vertrieb der Produkte in den sog. „Felderkisten“ gestartet werden.


Spaß auf dem Feld: Slowfoodies Wiebke und Katrin mit Bettina Wamsler

Und so trafen sich etwa zehn Mitglieder von Slow Food Bochum am letzten Samstag auf dem Wünnerhof, um sich von Bettina Wamsler den Betrieb zeigen zu lassen. Der Schwerpunkt liegt im gärtnerischen Bereich. Auf drei Hektar Freiland und einem modernen 1000 Quadratmeter großen Gewächshaus werden 50 verschiedenen Gemüsearten mit über 200 Sorten produziert. Und das alles nach den strengen, weit über die EU-Verordnung hinausgehenden Bio-Richtlinien des Demeter-Verbandes. Im Mittelpunkt steht dabei die nachhaltige und sorgsame Behandlung des Bodens.


Im Gewächshaus: Minigurken


Tomaten
 
Blaue Chilis

Zwiebeln


Im Freiland wachsen sogar Artischocken


Blühende Artischocke

Über 200 Legehennen sorgen täglich für frische Eier. Sie leben mit vier Hähnen in einem Hühnermobil, das zu verschiedenen Futterbereichen gefahren werden kann. Dass der Habicht die Huhnerbestände nicht lichtet, dafür sorgen zwei Ziegen, die zwischen den Hühnern weiden und die Raubvögel irritieren und fern halten.

Hühnermobil

Ziegen als Hühnerwächter

2019 übernahmen Bettina Wamsler und Christian Bechtle auch den benachbarten Marienhof vom Troxler-Haus Wuppertal e.V., das dort auch weiterhin eine inklusive Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung betreibt. Schwerpunkt ist dort neben der Gärtnerei auch die Viehwirtschaft, und Veredelung von Fleisch und Milchprodukten. Die Zusammenarbeit beider Höfe garantiert auch die von Demeter geforderte Kreislaufwirtschaft. Der Wünnerhof produziert das Futter für die die Rinder des Marienhofs und bekommt im Gegenzug den Mist der Tiere als Dünger.

Dung vom Marienhof

Verkauft werden die Produkte beider Höfe im Hofladen des Wünnerhofs, Gemüse, Obst, Fleisch und Käse, der aus der Milch des Marienhofs in der Demeter-Käserei im nahen Windrather Tal produziert wird (klick hier). Wer nicht vorbeikommen kann, kann die Produkte auch im Abonnement in der sog. Felderkiste beziehen.


Im Hofladen

Die informative Führung über den Hof endete mit einem fröhlichen Schmaus auf der Terrasse des schönen Hofcafés, das auch ein beliebter Treffpunkt Für Leute ist, die sich mit selbst gepflückten Blumen vom Schnittblumenbeet eindecken oder einen Spaziergang durch die bewaldeten Hügel hinter dem Wünnerhof machen wollen.

Schmaus im Hofcafé

Quiche mit Salat

Lavendel-Limonade

Eiskaffee



Wünnerhof. Felderbachstraße 32, 45529 Hattingen. Tel. 02052-839 56 01. Hofladen Do 14.30-18 Uhr, Sa 11-15 Uhr. Hofcafé Mi-Fr12-18 Uhr, Sa 11-18 Uhr. wuennerhof-marienhof.de