Mittwoch, 2. Juni 2010

Handgemachter Käse: Käse-Deele Rafflenbeul in Hagen



Liebevoll gepflegte Kühe geben die Milch...

...für den Käse aus dem Ruhrgebiet

Wer an Käse denkt, dem fällt Frankreich ein, Italien, die Schweiz, vielleicht noch Holland. In Deutschland hat gerade noch Bayern das Image eines Käselandes. Aber das Ruhrgebiet?

Petra Rafflenbeul mit gereiftem Käse

In Hagen, direkt neben den großen Parkplätzen des überaus sehenswerten LWL-Freilichtmuseums, befindet sich mit der „Käse-Deele Rafflenbeul“ eine jener handwerklichen Käsereien, die in den letzten Jahren das schöne Handwerk des Affineurs auch in unseren Gefilden heimisch machen wollen. Petra Rafflenbeul, die gestern ca. 25 Slowfoodies vom Convivium Dortmund zu einer Hofführung empfing, ist eine Milchbäuerin, wie man sie sich vorstellt, unkompliziert, temperamentvoll und zupackend. Schließlich hat sie auf dem Hof einiges zu versorgen: 80 Kühe, 5 Kinder und 1 Mann, dazu die Kunden im Hofladen, die nicht immer einfach sind. Und der Käse will ja auch noch gemacht werden.

Die Kühe fühlen sich wohl im Stall

Die 80 Kühe stehen in einem großen, luftigen Stall, in dem sie viel Platz zum Bewegen haben. In strohgepolsterten Liegeboxen können sie sich hinlegen, schlafen und wiederkäuen, wie sie wollen; an großen Bürsten können sie sich schubbeln, wenn ihnen danach ist. Ab Anfang Mai werden die Kühe bei schönem Wetter auf die hofnahen Weiden getrieben.

Hier sind die Laibe schon fertig

Überwacht werden die Kühe durch das hochmoderne Herdenmanagementprogramm Diary Plan. Zweimal am Tag wird gemolken. Acht Stunden dauert es, bis aus der Milch, die in einem 500 l-Batch-Pasteur keimfrei gemacht wird, ein Käse entstanden ist. Wie das im Einzelnen geschieht, kann man auf der liebevoll gestalteten, informativen Internetseite der „Käse-Deele“ nachlesen. Im Keller der Käserei können die Laibe dann reifen.

Der halbfeste Schnittkäse nach Gouda-Art schmeckte den Slowfoodies

Natürlich konnten die Slowfoodies den Käse der „Käse-Deele“ auch verkosten. Dazu servierte Petra Rafflenbeul das Hauptprodukt, den halbfesten Schnittkäse nach traditioneller Gouda-Art in verschiedenen Reifungsgraden. Verschiedene Geschmacksrichtungen ergaben sich durch die Beimischung von Kräutern und Gewürzen wie Bärlauch, Basilikum, Knoblauch oder Karottensaft, moderne Produkte, die Käsefreunde überzeugen. Bis daraus aber so mythisch-legendäre Käsesorten wie jene aus den traditionellen Käseländern werden, wird noch viel Zeit vergehen, meint der Genießer.

Selbstverständlich konnte auch die köstliche Milch und der nicht minder köstliche Joghurt des Hofes probiert werden. Außerdem wird auch noch Camembert und Bergkäse hergestellt.

Einkauf im Hofladen

Die Vermarktung, so Petra Rafflenbeul, mache einen Aufwand, der nicht zu unterschätzen sei. Der Genießer hatte den Eindruck, dass dabei mit der allenthalben vorhandenen Aldi-Mentalität im Ruhrgebiet zu kämpfen ist. „Wir verkaufen unseren Käse für 99 Cent pro 100 Gramm“, meinte Petra Rafflenbeul. Die Slowfoodies meinten, dass dieser Preis dem Wert der handwerklichen Arbeit, die geleistet wird, keineswegs gerecht wird. Doch die Mutter von fünf Kindern fügte hinzu: „Es sollen sich ja auch Familien unsere Produkte leisten können.“

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