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Donnerstag, 20. Februar 2025

Aus dem Archiv: Italienische Momente. 12 kulinarische Feuilletons und ein Nachschlag.

Santa Maria di Castellabate (2008). Nicht im Ruhrgebiet - Symbolbild.

Ob es daran liegt, dass ich, wie viele Hobbyköche meiner Generation auch, meine ersten eigenen Kochabenteuer als Jugendlicher erlebt habe, als ich die Tomatensauce der legendären Miracoli-Spaghetti mit einer Dose Thunfisch – Ihr wisst schon, die mit den Zwiebeln und Erbsen drin – verlängert habe? Jedenfalls gehört seit jeher die italienische Küche zu meinen bevorzugten Genussgalaxien, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass ich bei meiner Tätigkeit als Autor für die „Geht aus“- Restaurantführer mit Vorliebe italienische Restaurants im Ruhrgebiet besucht habe. Neben hervorragendem und inspirierendem Essen habe ich dort auch viele charmante Momente erlebt, die ich in meinen Texten gern als unterhaltsame Anekdoten zum Besten gegeben habe. Schließlich gehörte das Erlebnis des „Ausgehens“ genauso zu den Bewertungskriterien wie die Qualität der Gerichte, und der damit verbundene Lesespaß war immer wichtiger als der simple Werbeefekt für die betreffenden Restaurants.

Hier habe ich zwölf Texte mit den schönsten Momenten zusammengestellt, die ich bei meinen Besuchen in italienischen Restaurants erlebt habe. Manche Restaurants gibt es noch, einige sind mittlerweile geschlossen. Natürlich beschreiben die Texte den Status quo des angegebenen Jahres, und das ist ziemlich lange her. Doch es geht mir hier nicht um vordergründige Aktualität, sondern um die Darstellung des Exemplarischen in der Gastronomie. Deshalb halte ich die Texte immer noch für lesenswert und nicht für kalten Kaffee – schließlich schmeckt der besonders gut, wenn man ihn über Vanilleeis gießt.

Nur bei wenigen Restaurantbesuchen habe ich zur Gedächtnisstütze Bilder gemacht. Fotos zu machen gehörte damals nicht zu meinem Auftrag, zumal manche Texte noch aus vordigitalen Zeiten stammen, als es noch nicht üblich war, sein Essen zu fotografieren.

Als besonderes Schmankerl habe ich noch eine Reportage über die Neapolitanische Pizza im Essener Süden verlinkt.

12 italienische Momente im Ruhrgebiet

Il Piccolo, Duisburg (1995, geschlossen). Klick hier
Da Daniele, Essen (1995). Klick hier
Mille Miglia – Milano oder Essen?. Essen (2003, geschlossen). Klick hier
Toni’s Ristorante – Kulinarische Erotik, Dortmund (2006, geschlossen). Klick hier
La Grappa – Rinos Welt, Essen (2008). Klick hier
Da Raffaele – Allein unter Stammgästen, Herdecke (2010, geschlossen). Klick hier
Oase Due – Italienische Klassik, Essen (2010). Klick hier
Gallo – Wo Essen Spaß macht, Essen (2011, geschlossen). Klick hier
Piazza Navona – Allein unter Fußballern, Dortmund (2011, geschlossen). Klick hier
Da Omero – Italienische Illusionen, Essen (2012). Klick hier
Alte Senffabrik da Enzo – Abenteuer Zackebarsch, Mülheim (2013, geschlossen). Klick hier
Pasta e Gamberoni – Mein Stuhl gehört mir, Essen (2015). Klick hier

Nachschlag
 
Neapel ist überall – Neue Pizza-Konzepte im Essener Süden (2021). Klick hier
 
Alle Restaurants A-Z. Klick hier

Sonntag, 9. Februar 2025

Aus dem Archiv: Restaurants von A bis Z


Zum Ende des Jahres 2024 hat der Dortmunder Zeitungsverlag Lensing Media die jährlich erscheinenden Restaurantführer-Magazine der Edition Überblick „Essen geht aus“, „Bochum geht aus“, „Dortmund geht aus“, „Duisburg geht aus“, „Ruhrgebiet geht aus“ und andere eingestellt. Seit Erscheinungsbeginn vor fast 25 Jahren habe ich als Mitarbeiter für die Magazine Restaurantkritiken und Reportagen geschrieben. Mehr noch: Gemeinsam mit den Kollegen vom MARABO MAGAZIN haben wir Mitte der 1990-er Jahre mit den Vorgängerheften „Ausgehen im Ruhrgebiet“ diese Magazin-Gattung im Ruhrgebiet etabliert. Die Geschichte dazu kann man hier nachlesen.

Aus der Sentimentalität des Ruheständlers heraus habe ich mir seit Weihnachten die Mühe gemacht, alle meine alten Texte aus diesen Printmedien unter den tatsächlichen Erscheinungsterminen in meinen Blog „Genussbereit“ aufzunehmen. Zwischendurch kamen mir durchaus Zweifel, ob das überhaupt sinnvoll ist. Schließlich gehören jahrzehntealte Restaurantkritiken von Lokalen, die es zum Teil seit Jahren nicht mehr gibt, eher in die Kategorie „Unnützes Wissen“. Doch je mehr ich die alten Texte wieder las, fand ich sie so interessant, informativ und anekdotenreich, dass ich sie meinen Blog-Lesern nicht vorenthalten möchte – nicht nur wegen der heute kurios anmutenden Preisangaben..

Die ersten Restaurant -Texte aus „Ausgehen im Ruhrgebiet“ stammen aus dem Jahr 1994, die letzten aus „Dortmund geht aus“ aus dem Jahr 2017; einige Reportagen sind auch neueren Ursprungs. In diesem Zeitraum galt die Redaktions-Maxime „Wir testen anonym, unabhängig und zahlen selbst“. Bei den seit 2009 bis heute direkt für diesen Blog erstellten Posts ist das anders; der überwiegende Teil dieser Beiträge geht auf Medien-Einladungen durch die Restaurants zurück, wie ich es auch entsprechend vermerkt habe.

Erstaunlich ist, wie unbefangen und teilweise frech meine Beschreibungen von damals waren. Es war besonders in den Anfangszeiten eine Lockerheit da, die ich mir heute damit erkläre, dass ich eine Redaktion im Rücken hatte, dies vieles abfederte; heute als Blogger ist man ja ein Einzelkämpfer. Ziel war und ist es noch immer, in erster Linie unterhaltsame Texte zu erstellen. Sezierende Detailkritiken fand ich schon damals für einen Hobbykoch wie mich als eher anmaßend. So würde ich alle meine Texte etwas altmodisch als „Kulinarische Feuilletons“ bezeichnen.

Wie schon erwähnt, existieren viele der Restaurants, die ich beschrieben habe, heute nicht mehr. Doch viel überraschender finde ich es allerdings, dass es noch erstaunlich viele der Restaurants gibt. Gemeinsam mit meinen aktuellen Posts, die ich direkt für diesen Blog geschrieben habe, ergeben meine alten Texte ein Kompendium für alle, die sich für die Gastro-Geschichte des Ruhrgebietes in den letzten 30 Jahren interessieren. Dass es lückenhaft ist, ist mir bewusst. Viele Spitzenrestaurants der Region habe ich nie besucht.

Hier geht zum Kompendium meiner Restaurantkritiken: Klick hier.

Hier geht es zu den Reportagen aus dem Archiv. Darunter befinden sich auch Texte aus den ebenfalls eingestellten Zeitschriften „Ruhrgebeef“ und „Revier für Genießer“: Klick hier.

Mittwoch, 9. März 2022

Zwei neue Michelin-Sterne im Ruhrgebiet: THE STAGE in Dortmund und MOD in Duisburg

Heute wurden die Bewertungen 2022 des Guide Michelin bekannt gegeben. Das Ruhrgebiet kann sich über zwei neue Sterne Restaurants freuen, deren Küchenchefs schon vorher für Sternenglanz im Ruhrgebiet gesorgt hatten. Die Neueröffnungen MOD in Duisburg von Sven Nöthel, bis 2019 Küchenchef im Mülheimer „Am Kamin“, und THE Stage in Dortmund von Michael Dyllong, zuvor Küchenchef im Palmgarden auf der Hohensyburg, wurden jeweils mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Der Palmgarden hat damit seinen Stern verloren.
Alle anderen Sterne-Restaurants im Ruhrgebiet konnten ihre Position behaupten.

2 Michelin-Sterne
Rosin, Dorsten

1 Michelin-Stern
Goldener Anker in Dorsten
der Schneider in Dortmund
Grammons Restaurant in Dortmund
luma in Dortmund
The Stage (neu) in Dortmund
Mod by Sven Nöthel (neu) in Duisburg
Hannappel in Essen
Schote in Essen
Ratsstuben in Haltern am See
Haus Stemberg in Velbert
Landhaus Köpp in Xanten

Bib Gourmand
Der Lennhof in Dortmund
Diergardts Kühler Grund in Hattingen
Gasthaus Stromberg in Waltrop

Zur kompletten Liste klick hier.

Freitag, 28. Januar 2022

Ruhrgebiet: Menue- und Restaurant-Karussells drehen sich auch 2022



Ein Stück Normalität in Coronazeiten. Die Menue- und Restaurant-Karussells drehen sich wieder. Zahlreiche Restaurants im Ruhrgebiet bieten in diesen beiden Monaten spezielle Menüs zu besonderen Preisen an.

28. Januar bis 27. März 2022
Restaurant-Karussell
27 Restaurants in Essen, Duisburg und Mülheim an der Ruhr präsentieren ihr Frühjahrsmenüs.
Zu Infos zu den Restaurants, ihren Menüs und Möglichkeiten zur reservieren bitte hier klicken.

2. Februar bis 31 März 2022
Menue-Karussell
93 (!) Restaurants in Bochum und Herne, Dortmund und Umgebung, Hattingen und dem Ennepe-Ruhr-Kreis sowie im Vest (Recklinghausen) und Umgebung präsentieren ihre Menüs.
Zu Infos zu den Restaurants, ihren Menüs und Möglichkeiten zur reservieren bitte hier klicken.

Freitag, 5. März 2021

Michelinsterne 2021 im Ruhrgebiet: 3 Neuzugänge in Dortmund!




War das eine wunderbare Sternedusche für die Westfalenmetropole, als heute die morgen die Präsentation der Michelinsterne coronabedingt durchs Internet geisterte. Jeweils eine der begehrten Auszeichnungen ging an gleich drei Restaurants in Dortmund: Der Schneider, IUMA und Grammons Restaurant. Gemeinsam mit dem Traditionshaus Palmgarden verfügt Dortmund jetzt über 4 Sternerestaurants und löst damit Essen als kulinarisches Zentrum in der Metropole Ruhr ab. In Essen strahlen nur noch das Restaurant Hannappel und Nelson Müllers Schote mit jeweils einem Stern, nachdem Erika Bergheim das Laurushaus im Schlosshotel Hugenpoet verlassen hat.

Insgesamt gibt es 2021 elf Restaurants aus dem Ruhrgebiet (in den Grenzen des RVR zzgl. Velbert) in der gastronomischen Königsklasse. Spitzenreiter mit 2 Sternen ist wiederum das Restaurant des Fernsehkochs Frank Rosin in Dorsten

Hier die Liste aller Sternerestaurants im Ruhrgebiet.

2 Michelinsterne
Dorsten (Kreis Recklinghausen): Rosin

1 Michelinstern
Dortmund: Der Schneider
Dortmund: Grammons Restaurant
Dortmund: IUMA
Dortmund: Palmgarden
Dorsten (Kreis Recklinghausen): Goldener Anker
Essen: Restaurant Hannappel
Essen: Schote
Haltern am See (Kreis Recklinghausen): Ratsstuben
Velbert: Haus Stemberg
Xanten: Landhaus Köpp

Hier die Liste mit allen Michelinsternen aus ganz Deutschland 2021. Klick hier. 

Genussbereit-Berichte aus dem Archiv:

Dortmund: Der Schneider klick hier
Dortmund: Palmgarden, klick hier
Essen: Restaurant Hannappel, klick hier
Essen: Schote, klick hier
Haltern: Ratsstuben, klick hier
Velbert: Haus Stemberg, klick hier
Xanten: Landhaus Köpp, klick hier

Donnerstag, 23. Januar 2020

Ruhrgebiet: Menue- und Restaurant-Karussells rotieren auch in 2020

Die Teilnehmer des Menue Karussells 2020

Am 1. Februar startet im Ruhrgebiet zum 14. Mal das „Menue Karussell“. 104 ausgewählte Restaurants präsentieren bis zum 31. März Vier-Gänge-Menüs und begleitenden Getränken zum Festpreis – so viele wie noch nie. Neben Bochum und Umgebung (mit Herne, Hattingen und Sprockhovel), Dortmund (mit Castrop-Rauxel, Herdecke, Unna, Werl, Wetter-Wengern, Witten und Waltrop) und dem Vest (mit Recklinghausen, Dorsten, Datteln-Ahsen, Dülmen, Haltern am See, Herten, Marl, Oer-Erkenschwick und Olfen-Vinnum) ist nach einer kreativen Pause auch die Region Emscher-Lippe (mit Bottrop, Dorsten, Gelsenkirchen und Herten.) wieder mit einem eigenen Programmheft an Bord. Die 2006 von Herwig Niggemann (Niggemann Food Frischemarkt) und Hugo Fiege (Privatbrauerei Moritz Fiege) zunächst in Bochum, Hattingen und Sprockhövel gestartete Initiative brachte es im Jahr 2019 auf 56.000 Menüs.

Über die Menüs können sich die Gäste in den Programmheften informieren, die in den teilnehmenden Restaurants ausliegen, oder auf der Internetseite www.menue-karussell.de . Die überwiegende Zahl der Restaurants bietet neben dem klassischen Karussell-Menü mit Fleisch oder Fisch auch eine vegetarische Variante an. „Das vegetarische Menü ist heute eine unverzichtbare Option, die tatsächliche Nachfrage in den Restaurants ist im Vergleich zum klassischen Menü allerdings eher niedrig“, erklärte Menue-Karussell-Koordinator Andreas Sievers.

Menue Karussell. 1.2.-31.3.2020. Bochum, Dortmund, Emscher-Lippe und Vest. Für alle Informationen, Reservierungen und Gutschein-Downloads bitte hier klicken.


Bereits am 24. Januar 2020 beginnt sich das Restaurant-Karussell im westlichen Ruhrgebiet zu drehen. Organisiert wird dieser Menü-Reigen vom Verein „Essen genießen e.V.“ um Vorstand Rainer Bierwirth. Bis zum 22. März sind hier Insgesamt 30 Gastronomen aus Essen, Duisburg, Mülheim, Oberhausen und Wesel am Start. Schwerpunkt ist Essen mit 21 Teilnehmern.

Restaurant-Karussell. 24.1.-22.3.202. Essen, Oberhausen, Duisburg, Mülheim, Wesel. Für alle Informationen rund um die Menüs bitte hier klicken.

Donnerstag, 24. Januar 2019

Menue Karussell 2019: Start am 1. Februar


Familienfoto des Menue Karussells.
Foto: Menue Karussell/Arne Pöhnert


Nach 14 Jahren ist die Pressekonferenz, die jeweils im Januar zum Start des Menue Karussells zumeist im Niggemann Food Frischemarkt in Bochum stattfindet so etwas wie business as usual. Und dennoch haben sich diesmal anscheinend so viele Gastronomen zusammengefunden für das Familienfoto zusammengefunden wie noch nie. Insgesamt sind 102 Restaurants bei der diesjährigen Leistungsschau der Gastronomie im westfälischen Ruhrgebiet dabei und präsentieren vom 1. Februar bis 31. März jeweils ein besonderes Menü.

Dabei hatte es im letzten Jahr eine Verschlankung bei der Anzahl der Bezirke gegeben, die jeweils in einem eigenen Programmheft präsentiert werden. Statt deren vier gibt es nur noch drei, der Bereich Gelsenkirchen wurde dem Vest zugeschlagen – was dem Verkauf von Menüs sogar zu Gute kam. So präsentiert sich das Menü Karussell in diesem Jahr folgendermaßen:

Bochum und Umgebung
Bochum, Herne, Hattingen, Sprockhövel: 37 Restaurants. Klick hier

Dortmund und Umgebung
Dortmund, Witten, Castrop-Rauxel, Hattingen-Blankenstein, Herdecke, Lünen-Brambauer, Waltrop, Werl, Unna, Wetter-Wengern, Sprockhövel: 30 Restaurants. Klick hier

Region Vest
Recklinghausen, Haltern am See, Dorsten, Gelsenkirchen, Herten, Marl, Datteln, Bottrop, Dülmen, Raesfeld: 35 Restaurants. Klick hier
 

Übrigens: Auch im rheinischen Ruhrgebiet gibt es eine ähnliche Aktion. Hier heißt es allerdings Restaurant Karussell und wird von einem anderen Veranstalter ausgerichtet.

Restaurant Karussell (25. Januar – 24.3.2019)
Essen, Mülheim, Oberhausen, Duisburg und Wesel: 31 Restaurants. Klick hier

Sonntag, 11. November 2018

Gault&Millau 2019: Landhaus Köpp in Xanten und Haus Stemberg in Velbert die besten Restaurants im Ruhrgebiet

In diesen Tagen erscheint der der Restaurantführer Gault Millau für das Jahr 2019. In der neuen Ausgabe werden 1026 Adressen beschrieben und bewertet. Eine Übersicht des Bereiches von 16-19 Punkten finden Sie auf der Internetseite „Gourmetwelten“ (klick hier).

Demnach ist mit 19,5 von 20 Punkten Tim Raue (Berlin) das beste Restaurant in Deutschland. Ihm folgen mit 19 Punkten Hotel Bareiss im Schwarzwald (Baiersbronn), Restaurant Haerlin im Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten (Hamburg), Falco (Leipzig) und Steinheuers Restaurant „Zur Alten Post“ (Bad Neuenahr-Ahrweiler).

Die bestplatzierten Restaurants im Ruhrgebiet sind mit 17 Punkten das Landhaus Köpp in Xanten. (Hier ein - allerdings nicht mehr ganz aktueller - Genussbereit-Bericht.) Und Haus Stemberg in Velbert (Genussbereit-Bericht hier).

Mit 16 Punkten wurden im Ruhrgebiet ausgezeichnet: Rosin (Dorsten) Palmgarden (Dortmund, Genussbereit-Bericht hier), Hannappel (Essen), La Grappa (Essen, Genussbereit-Bericht hier), Kurlbaum ( Moers) und Am Kamin (Mülheim an der Ruhr, Genussbereit-Bericht hier). Der ebenfalls mit 16 Punkten ausgezeichnete Akazienhof (Duisburg) musste seine Pforten schon wieder schließen.

Ergänzung 16.11.2018:
Philipp Schneider vom Restaurant Der Schneider (Dortmund, 15 Punkte, wird als "Junges Talent ausrücklich erwähnt (Genussbereit-Bericht hier).

Alle Wertungslisten des Gault Millau 2019 finden Sie hier auf der Seite "Tageskarte"..
(Angaben ohne Gewähr.)

Gault Millau 2019, 768 Seiten, ZS Verlag München, 39.99 Euro

Sonntag, 14. Oktober 2018

Slow Food Genussführer 2019/20 erschienen. Ein paar kritische Gedanken.

Der Blick ins Impressum lässt nicht nur den bewussten Feinschmecker, sondern auch einen notorischen Karl-May-Freund wie den Genießer jubilieren. Als Druckerei des Slow Food Genussführers wird dort nämlich die Friedrich Pustet GmbH und Co. KG angegeben, zu der auch ein gleichnamiger Verlag gehört. Dort erschien einst die schwer katholische Zeitschrift „Deutscher Hausschatz in Wort und Bild“, in der 1881 erstmals Karl Mays Reiseerzählung „Durch die Wüste“ abgedruckt wurde, ein Klassiker der Abenteuerliteratur.

Durch die Wüste, so kommt es einem auch vor, wenn man den 752 Seiten dicken Wälzer nach Restaurants aus dem Ruhrgebiet durchforstet. Von den insgesamt 598 aufgeführten Adressen in ganz Deutschland liegen nur ganze drei ins unserer 5 Millionen Einwohner umfassenden kulinarischen Diaspora: die Rôtisserie du Sommelier in Essen-Rüttenscheid, Lecker Werden in Essen Werden und die Mausefalle in Mülheim an der Ruhr.

Es ist schwer zu entscheiden, woran das liegt. Vieles spricht dafür, dass es in unserer Region wirklich nur sehr wenige Restaurants gibt, die die Slow-Food-Kriterien „gut, sauber und fair“ tatsächlich“ erfüllen. Was das genau bedeutet, wird im Genussführer auf anderthalb Seiten ausgeführt: mit frischen und saisonalen Lebensmitteln kochen, gutes Handwerk praktizieren und sich dazu den kulinarischen Produkten ihrer Region verbunden fühlen – und das auch noch zu fairen Preisen. Auf der anderen Seite mag es aber auch daran liegen, wie die Auswahl der Restaurants für den Genussführer zustande kommt. Recherchiert und getestet werden sie ehrenamtlich von den Slow-Food-Mitgliedern aus den Ortsgruppen des Vereins, Convivien genannt. Im Ruhrgebiet gibt es drei davon: Slow Food Essen, Slow Food Bochum und Slow Food Dortmund. Aktiv ist in diesem Zusammenhang aber nur Slow Food Essen. So wundert es nicht, dass die drei Restaurants im Genussführer genau in dessen Bereich liegen.

Eine weitere Frage ist, warum sich eigentlich so wenig Köche und Köchinnen im Ruhrgebiet von sich aus für Slow Food interessieren. Schließich ist Slow Food eine weltweit agierende Bewegung, die sich für eine lebendige und nachhaltige Kultur des Essens und Trinkens einsetzt – eine Haltung, die jeder Gastronom teilen kann. So stellt de Genussführer u.a. die Slow Food Chef Alliance vor, den internationalen Zusammenschluss von Köchen, die sich dem Slow-Food-Gedanken verpflichtet fühlen. In Deutschland gehören allerdings nur ganze 26 Köchinnen und Köche dazu – aus dem Ruhrgebiet ist immerhin Patrick Jabs von Lecker Werden dabei. Ob es daran liegt, dass Slow Food für Köche und Gastronomen, die ja in erster Linie auch ökonomisch bestehen müssen, nicht wirklich den nötigen Support bringt, den sie brauchen? Die Slow-Food-Kriterien im täglichen Kampf um den Kunden durchzuhalten, erfordert schließlich mehr als nur eine tiefe Überzeugung.

Slow Food Genussführer 2019/20. 752 Seiten, Oekom Verlag München, 2018. ISBN-13: 978-3-96238-057-1. Preis: 28 Euro

Freitag, 6. April 2018

Gourmetmeilen im Ruhrgebiet 2018


Traditionsgemäß war es die „Kulinarische Symphonie Herne“, die alljährlich den Gourmetmeilen-Reigen im Ruhrgebiet Mitte Mai einläutete. Im letzten Jahr hat jedoch das vorwitzige „Oer-Erkenschwick schlemmt“ erstmals die Herner Gastronomen, die zukünftig wohl unter "Herne kulinarisch" firmieren, von der Pole Position verdrängt, und auch 2018 ist das quirlige Dorffest wieder als erstes am Start.

„Essen verwöhnt“ ist zweifellos mit den zahllosen guten Restaurants der Ruhrgebietsmetropole die Königin der Gourmetmeilen im Ruhrgebiet. An ihrem 20. Geburtstag in diesem Jahr ist so attraktiv wie schon lange nicht mehr. Die Michelin-Sterne von zwei Restaurants leuchten 2018 über der Kettwiger Straße: von Nelson Müllers „Schote“ und erneut Erike Bergheims Küche im „Schlosshotel Hugenpoet“.

Und auch „Haltern bittet zu Tisch“ mit einem neuen Sternrestaurant, den „Ratsstuben“ von Daniel Georgiev. Damit ist das Dorffest am Nordrand des Ruhrgebeits neben Dortmunds „GourmeDo“ (mit Michael Dyllong) die dritte Gourmetmeile im Revier, auf der Sternerestaurants vertreten sind.

Und dann gibt es noch eine gute und eine schlechte Neuigkeit: „Schermbeck genießen“ ist 2018 wieder da. Dafür fällt „Hamm kulinarisch“ aus.

Alle Angaben ohne Gewähr. Möglicherweise sind die verlinkten Internetseiten noch nicht aktualisiert.



4.5. - 6.5.2018
Gourmetmeile
Oer-Erkenschwick schlemmt
Oer-Erkenschwick, Hünenplatz
Infos hier

9.5. – 13.5.2018
Gourmetmeile
Herne kulinarisch
Herne, Robert-Brauner-Platz
Infos hier

18.5. – 21.5.2018
Spargel Gourmet-Festival
Essen, Domplatz Kettwiger Straße
Das Fest muss ausnahmsweise von Bottrop nach Essen verlegt werden.
Infos hier
Bericht vom Eröffnungstag hier

30.5. - 3.6.2018
Gourmetmeile
Castrop kocht über
Castrop-Rauxel, Am Markt
Infos hier

31.5. - 3.6.2018
Gourmetmeile
Kulinarischer Altstadtmarkt
Hattingen, St.-Georgs-Kirchplatz
Infos hier
Bericht über den Eröffnungstag hier

31.5. - 3.6.2018
Matjesfest
Duisburg, Innenstadt
Infos hier

6.6. - 10.6.2018
Gourmetmeile
Dortmund à la carte
Dortmund, Hansaplatz
Infos hier

7.6. - 10.6.2018
Musikalisch-kulinarische Meile
Essen-Kettwig, Ruhrufer
Infos hier
Genussbereit-Bericht klick hier

6.7. - 8.7.2018
Gourmetmeile
Schermbeck genießen
Schermbeck, Am Rathaus
Infos hier

18.7. - 22.7.2018
Gourmetmeile
Essen verwöhnt
Essen, Kettwiger Straße
Infos hier
Bericht über die Lange Tafel hier

26.7. – 29.7.2018
Gourmetmeile
Kulinarischer Treff an der Ruhr
Mülheim, Ruhrufer
Infos hier
Bericht vom Eröffnungstag hier

1.8. - 5.8.2018
Gourmetmeile
Rü genuss pur
Essen-Rüttenscheid, Messeparkplatz am Girardethaus
Infos hier
Genussbereit-Bericht hier

1.8. - 5.8.2018
Zu Gast in Recklinghausen
Recklinghausen, Rathausplatz
Infos hier

2.8. - 5.8.2018
Gourmetmeile
GourmeDo
Dortmund, Friedensplatz
Infos hier
Genussbereit-Bericht hier

3.8. - 5.8.2018
Gourmetmeile
Haltern bittet zu Tisch
Haltern am See, Altstadt
Infos hier
Genussbereit-Bericht hier

8.8. - 12.8.2018
Gourmetmeile
Bochum kulinarisch
Bochum, Boulevard
Infos hier
Genussbereit-Bericht hier

10.8. - 12.8.2018
Stadtparkfest
Food, Wine & Music
Essen, Stadtgarten
Infos hier

23.8. - 26.8.2018
Gourmetmeile Metropole Ruhr
Essen, Zollverein
Infos hier
Genussbereit-Bericht hier

30.8. - 2.9.2018
Gourmetmeile
Steele à la carte
Essen-Steele, Kaiser-Otto-Platz
Infos hier

26.9. - 30.9.2018
Pfefferpotthastfest
Dortmund, Hansaplatz

28.9. - 30.9.2018
Hattinger Panhas-Fest
Hattingen, Kirchplatz

Sonntag, 25. Februar 2018

Veranstaltungsreihe „Thema Esskultur“ im Frühjahr 2018



Was so aussieht wie ein Stück Holz ist Katsuobushi. getrockneter und fermentierter Bonito (Thunfisch). Er ist Grundlage für Dashi, die Brühe, aus der die meisten japanischen Suppen bestehen. Im Asia-Laden ist Katsuobishi meist in Flockenform erhältlich.

Das Stück präsentierte der Ernährungswissenschaftler Guido Ritter am letzten Donnerstag im Rahmen seines Vortrages „Geschmack ist mehr als schmecken! - Einführung in die Sensorik“ als Geruchsbeispiel. Mich erinnerte der Duft an Bottarga, den süditalienischen Meeräschenrogen. Auch Katsuobushi würde sicherlich wunderbar über Spaghetti gerieben schmecken – und den Nudeln genauso wie Bottarga, Trüffel oder Parmesankäse den nötigen Umami-Schub geben. (Nebenbei: Bottarga gibt es natürlich auch in Japan, dort heißt es Karasumi.)

Guido Ritters umfangreiche und unterhaltsame Einführung bildete der Auftakt einer fünfteiligen Veranstaltungsreihe des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) zum „Thema Esskultur - Perspektiven auf Geschmack und Ernährung in einer globalisierten Welt“, die das KWI noch bis Juli in seinen eigenen Räumen in Essen und im „Raum e.V.“ in Witten durchführt.

Es stehen noch folgende Termine an:

Donnerstag, 22. März 2018, 19.30 Uhr
"Kaffee – Geschmack, Produktion und Handelsweg" mit Benedikt Heitmann (Kaffeerösterei „Neues Schwarz“ aus Dortmund), [....] raum e.V.

Donnerstag, 26. April 2018, 19.30 Uhr
"GeschmacksBildung – Soziokulturelle Prägung des Geschmacks" mit Daniel Kofahl (Büro für Agrarpolitik und Ernährungskultur – APEK), KWI Essen

Donnerstag, 17. Mai 2018, 19.30 Uhr
"Essen in der Stadt – Über urbane Lebensmittelproduktion" mit Britta Acksel (KWI), [....] raum e.V.

Donnerstag, 05. Juli 2018, 19.30 Uhr
"Welternährung: Vier verschiedene Küchen, ihre Entstehungskontexte und die geschmacklichen Eigenheiten" mit Steven Engler (KWI), KWI Essen

Für detaillierte Infos hier klicken.

Mittwoch, 7. Februar 2018

Bochum: Fachforum dialog food&drink 2018 in der Jahrhunderthalle


Haben gut lachen:  Veranstalter Martin Hartmann (Getränke Hartmann), Rainer Altendeitering (Niggemann Food Frischemarkt), Hugo Fiege (Privatbrauerei Moritz Fiege)

Einmal mehr wurde gestern die Jahrhunderthalle Bochum zur Markthalle der Stadt. Über 90 Gastro-Anbieter nutzten die imposante Kulisse, um ihre Produkte mehr als 1000 Fachbesuchern vorzustellen, die das Fachforum dialog food&drink besuchten. Zum vierten Mal fand der gelungene Mix aus Workshops, Fachvorträgen, Podiumsdiskussionen und Branchentreff statt, seit es 2014 von den Bochumer Gastronomieversorgern Niggemann Food Frischemarkt, Getränke Hartmann und der Privatbrauerei Moritz Fiege ins Leben gerufen wurde.

Hendrik Hujser präsentiert die Hähnchen mit dem Label Rouge

Und auch der Genießer wurde in dem Angebot fündig. Im Rahmen eines Presserundgangs beeindruckten ihn zwei Aussteller besonders. Die „Fermiers Landais“ sind eine Kooperative von Geflügelzüchtern aus dem Département Les Landes im französischen Baskenland, die streng nach den Vorschriften des Gütesiegels „Label Rouge“ arbeiten. Das „Label Rouge“ wurde in der Region 1965 gegründet. Spezialität der „Fermiers Landais“ sind die Marensin-Hühnchen (Nackthalshühner), in den Pinienwäldern der Region aufwachsen und in transportablen Ställen Unterschlupf finden.

Chinotto mit Bitterorangen aus Savona

Begeistert war der der Genießer auch von der italienischen Getränkemarke Lurisia im italienischen Piemont. Das Mineralwasser, das unter dem Namen „Bolle et Stille“ angeboten wird, schmeckt tatsächlich wie schmelzender Schnee. Herausragend sind die Limonaden, die mit Früchten hergestellt werden, in den sog. Presidii von Slow Food geschützt sind. So kommen apulische Winterorangen und die Sfusato-Zirone aus Amalfi zum Einsatz - beim Chinotto nur die traditionsreichen Bitterorangen aus Savona.

 Bettina Westhagen und Salvatore Orto
vom Limonaden-Produzenten Lurisia

Präsentierte 30 Sorten Rum aus Venezuela:
American Bartender Peter Schütte

Bestes Felsich aus Australien: Patrick Burgers von Angus Pastoral


Thema Regionalität: Moderator Matthias Bongard diskutierte mit Gästen 

Auch die Podiumsdiskussion zum Thema Regionalität war ganz nach dem Geschmack des Genießers, und die Teilnehmer Christian Bühler (Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall), Ruth Lemmer (Chefredakteurin „Ruhrmetropole geht aus“), Gerhard Besler (Westfalen Magazin und Westfalen Institut) und Hugo Fiege (Privatbrauerei Moritz Fiege) hatten auch eine Menge zu sagen. Doch letztendlich zerfaserte sich das Thema wie der verschwurbelte Titel des Ganzen „Regionale Erzeugerkultur und gastronomisches Qualitätsverständnis als Erfolgsfaktoren für die Gastronomie der Zukunft – Standortbestimmung: Die Genussregion Rhein-Ruhr“, statt aufzuzeigen, welche kulinarische Bedeutung die Regionalität für das Ruhrgebiet hat und wie sie überhaupt in dieser jungen Industrieregion aussieht.

Thema Köche-Akademie: Matthias Bongard (Moderator, Michael Dyllong (Palmgarden, Dortmund). Stefan Postert (IHK Mittleres Ruhrgebiet)...

... Berthold Bühler (Sternekoch), Hans-Hubert Imhoff (Gastronom, Essen), Herwig Niggemann

Ob ausgerechnet eine Podiumsdiskussion die geeignete Form war, um die großangelegte Exzellenz-Initiative der ersten deutschen Köche-Akademie, die 2019 in Bochum eröffnet werden sollen, vorzustellen, sei einmal dahingestellt. Wie notwendig so ein Projekt ist, zeigen die Statistiken. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Auszubildenden in Deutschland von 100.000 auf 50.000 halbiert. Besonders dramatisch macht sich der Mangel bei den Köchen im Ruhrgebiet bemerkbar. So hat sich ein Arbeitskreis unter Federführung der IHK Mittleres Ruhrgebiet zusammengefunden, zu dem neben regionalen Gastronomen wie Spitzenkoch Michael Dyllong auch das Alice-Salomon-Berufskolleg in Bochum sowie der Bochumer Gastro-Experte Herwig Niggemann gehören. Ziel ist es, eine ergänzende Aus- und Weiterbildungsmöglichkeit für Spitzenköche zu schaffen.

Das nächste Fachforum Dialog food&drink findet am 11. Februar 2020 statt.

 Zum Wohle!

Donnerstag, 4. Januar 2018

Aus dem Archiv: Das kulinarische Vest

Der Text erschien erstmals in "Ruhrgebiet geht asu 2018/2019"

 

Von Bauer Ewald zum Baiersbronn des Ruhrgebiets

Das Vest ist der historische Name die Landschaft, die im Norden des Ruhrgebiets den Übergang des rheinisch-westfälischen Industriegebietes ins ländliche Münsterland bildet. Als Speisekammer des Ruhrgebiets hat das Vest kulinarisch eine Menge zu bieten, und mit seit Neustem drei Sternerestaurants ist es als Restaurantlandschaft geradezu spektakulär.

Von Peter Krauskopf

Die Engelsburg in Recklinghausen ist ein Stück Westfalen im Ruhrgebiet wie aus dem Bilderbuch. Der barocke Residenzbau, den sich einst ein kurfürstlich-kölnischer Statthalter und Richter bauen ließ, beherbergt heute ein luxuriöses Hotel, und das Restaurant des Hauses trägt den Namen „VestTafel“. Dieses Wortspiel bezieht sich auf die historische Bezeichnung jenes Bereiches, die besagter Statthalter zu verwalten hatte, das Vest. Es umfasste den heutigen Kreis Recklinghausen mit seinen insgesamt zehn Gemeinden, die Stadt Bottrop mit dem eingemeindeten Kirchhellen und das nördliche Gelsenkirchen.

Verwaltungstechnisch ist die Bezeichnung „Vest“ schon längst verschwunden. Marketingtechnisch feiert er jedoch besonders im kulinarisch-gstronomischen Bereich fröhliche Urständ. Nicht nur die „VestTafel“ trägt den bodenständigen Begriff im Namen. Auch die Recklinghäuser Brennerei Dörlemann, wirbt damit als „Ihre Kornbrennerei im Vest“ und ist in der Tat der letzte Produzent westfälischer Schnapsspezialitäten in der Kreisstadt. Die Gourmetmeile „Zu Gast in Recklinghausen“, die 2017 ihr 30-jähriges Jubiläum feiern konnte und damit eine der ältesten Veranstaltungen dieser Art im Ruhrgebiet ist, warb lange mit dem Begriff „Vestival“. Und auch die großen Indoor-Gastroaktionen der Region verzichten nicht auf den Begriff. Das jährlich im Februar und März stattfindende „Menue-Karussell Vest“ ist mit 35 teilnehmenden Restaurants eine populäre Leistungsschau der ortsansässigen Gastronomie, und das „Kochquintett Kreis Vest“ bietet über die Sommermonate eine exklusive gastronomische Spitzenauswahl.

Typisch für die Region sind die Landgasthöfe Zum blauen See und Bullerkotte. Thomas Püttmann und Thilo Bullerkotte haben für ihre schmucken Ausflugslokale zu durchaus experimentierfreudigen Hot Spots des Fine Dining verwandelt. „Wie wild darf ein Koch sein?“, fragt Thilo Bullerkotte auf seiner Interntseite, und Thomas Püttmann gibt schmunzelnd zu, durchaus ein wenig „wild“ in seinem Angebot zu sein. Als „Junger Wilder“ hatte auch einst Stefan Manier begonnen, der schon seit Jahren im Gasthaus Stromberg im etwas östlich gelegenen Waltrop für Spitzenküche sorgt. Im letzten Jahr hat er sich mit Bernd Stollenwerk einen weiteren Spitzenkoch als Chef de cuisine ins Haus geholt, so dass das Stammhaus in der Waltroper Innenstadt und die sog. Werkstatt in den historischen Hallen auf Zeche Waltrop erstklassig bespielt werden können.

Ein Höhepunkt in der Entwicklung der Küche im Vest ist die Verleihung eines Michelinsterns an Daniel Georgiev von den Ratstuben im Ratshotel in Haltern. Damit wurde der Ruf der Region als „Baiersbronn des Ruhrgebiets“ gefestigt. Im Umkreis von 14 Kilometer finden sich jetzt sage und schreibe drei Sternekrestaurants, ein Drittel der Gesamtzahl in der Metropole Ruhr mit ihren 5 Millionen Einwohnern. Mit Rosin (2 Sterne)und dem Goldenen Anker (1 Stern) in Dorsten befinden sich zwei äußerst populäre deutsche Gourmettempel in der Nachbarschaft. Frank Rosin zeigt in seiner TV-Sendung auf Kabel 1 orientierungslosen Gastronomen, wo es mit ihren betrieben lang geht, und Björn Freitag vom Goldenen Anker beseitigt als Haus- und Hofkoch des WDR mit aufklärerischen Sendungen die kulinarischen Defizite der Nordrhein-Westfalen. Überhaupt Dorsten: Im Schatten der beiden schillernden TV-Stars gedeiht das Restaurant Henschel seit 55 Jahren. Seit Anfang an ist Leonore Henschel, eine der wenigen Frauen unter den Spitzenköchen in Deutschland, für die Küche verantwortlich.

Lange litt die westfälisch geprägte Küche der Region unter dem Vorurteil, „warm, weich und fettig“ zu sein. In den Wirtschaftswunderjahren machte Bauer Ewald in Haltern-Sythen Furore. Mit westfälischer Schlitzohrigkeit entwickelte der geschäftstüchtige Landmann seinen „EWG-Musterhof“ – wobei EWG für „Ewald wird gewinnen“ stand – zu einem kuriosen kulinarischen Freizeitpark mit Riesenschnitzeln, der nach der Wiedervereinigung noch einmal eine üppige Blüte erlebte. Und in der Tat ist das Vest heute noch so etwas wie die Speisekammer des Ruhrgebiets. Die großen Bauernhöfe versorgen die Supermärkte der Region mit frischem Obst und Gemüse. In den letzten Jahrzehnten hat sich besonders der edle Spargel als regionale Spezialität etabliert. In Kirchellen findet seit dem Kulturhauptstadtjahr 2010 auf Hof Umberg jährlich zu Pfingsten das Spargel-Gourmetfestival (19. – 21.5.2018), bei dem fünf Restaurants Spezialitäten rund um das königliche Gemüse und die zur gleichen Zeit reifenden Erdbeeren anbieten. Was als Experiment von Gastronomen in der Nachbarstadt Essen begann, hat sich mittlerweile zu einer Massenveranstaltung entwickelt, die aus dem kulinarischen Kalender nicht wegzudenken ist. Erntefrischen Spargel gibt es im Frühjahr zudem in den zahlreichen Hofläden, etwa auf dem Schmückerhof direkt neben Hof Umberg mit seinem schmucken Landcafé oder auf dem Spargelhof Schulte-Scherlebeck in Herten.

Doch nicht nur Obst, Spargel und Erdbeeren, sondern auch Ziegenkäse wie von den Hofkäsereien Sondermann in Dorsten und Andres in Haltern, Kräuter von der Kräutermagie Keller in Datteln und vor allem edles Fleisch gehören zu den Produkten, die im Vest erzeugt werden. Bauer Burkhard Sagel in Kirchhellen hat die konventionelle Fleischproduktion aufgebeben und widmet sich jetzt einer nachhaltigen Rinderzucht, deren Erzeugnissen man bei ihm kaufen kann. Hof Dingebauer in Castrop-Rauxel gehört zur Erzeugergemeinschaft Neuland. Das exklusivste Fleisch bietet jedoch die Vogelsang Stiftung in Datteln an. Eigentlich mit der Renaturierung ehemaliger Industrieflächen betraut, setzt die Stiftung Aubrac- und Heckrinder zur Landschaftspflege ein. Dabei gedeihen die halbwild gehaltenen Tiere so gut, dass ihr Fleisch unter der Marke Urbeef vermarktet wird.

Zum Abschluss ein besonderer Tipp für Leute, die die kulinarische Landschaft Vest ganz kompakt kennen lernen wollen. Reservieren Sie sich das erste Augustwochenende 2018 für ein kleines Gourmetmeilen-Hopping. Vom 1. bis zum 5.8. findet „Zu Gast in Recklinghausen“ mit acht Gastronomien der Region vor dem imposanten Rathaus statt, und vom 3. bis zum 5.8. das charmante „Haltern bittet zu Tisch“ ebenfalls mit acht Teilnehmern. Wer an diesem Wochenende in den Sommerferien ist, kann zwei Monate früher schon mal vorkosten: bei „Castrop kocht über“ vom 30.5. bis 3.6.2018.

Dienstag, 28. November 2017

Restaurantführer "Gault&Millau 2018" erschienen. Landhaus Köpp in Xanten und Haus Stemberg in Velbert beste Restaurants im Ruhrgebiet.


Heute erscheint der neue „Gault&Millau 2018“, nach dem Guide Michelin der renommierteste Restaurantführer in Deutschland. Vorab wurden die Spitzenreiter veröffentlicht, die mindestens 17 von den 20 möglichen Punkten bekommen haben, oder in die symbolischen Kochmützen umgerechnet, drei oder vier Kochmützen. Im Ruhrgebiet gehören zwei Restaurants dazu, die im „eigentlichen“ Sinne gar nicht Ruhrgebiets sind: Das Landhaus Köpp in Xanten (zwar RVR-Mitglied, gefühlt aber „nur“ Niederrhein) und Haus Stemberg in Velbert (kein RVR-Mitglied, dafür „gefühltes“ Ruhrgebiet). Verbessert auf 16 Punkte hat sich ist der Palmgarden in Dortmund, auf 15 Punkte Hackbarths in Oberhausen und Cielo in Dortmund. Ganz neu mit 13 Punkten sind das Jade in Essen und das Cocon in Duisburg.

Die anderen Restaurants im Ruhrgebiet haben die gleichen Bewertungen wie im letzten Jahr (klick hier). Die Résidence in Essen ist ausgeschieden.

Dienstag, 14. November 2017

Guide Michelin 2018: So viele Sternrestaurants wie lange nicht mehr im Ruhrgebiet. Neu: Laurushaus Kettwig und Ratsstuben Haltern.


Jetzt wieder mit Stern:
Erika Bergheim im Restaurant Laurushaus

Herzlichen Glückwunsch: Zum zweiten Mal hat Erika Bergheim für das Schlosshotel Hugenpoet in Essen Kettwig einen Michelinstern erkocht. Das erste Mal war es für das NERO von 2009 bis 2013, und jetzt nach der Umorganisation von Schloss Hugenpoet für das Restaurant Laurushaus.

Und ein zweites neues Sternerestaurant gibt es: Die Ratssuben im Ratshotel in Haltern am See. Auch hier einen herzlichen Glückwunsch.

Trotz des Abgangs der Kettwiger Résidence Ende 2016 hat jetzt das Ruhrgebiet so viele Sternerestaurants wie lang nicht mehr.

Hier die komplette Liste:

Rosin, Dorsten, 2 Sterne
Am Kamin, Mülheim, 1 Stern
Goldener Anker, Dorsten: 1 Stern
Haus Stemberg, Velbert, 1 Stern
Landhaus Köpp, Xanten, 1 Stern
Laurushaus im Schlosshotel Hugenpoet, Essen, 1 Stern
Palmgarden, Dortmund, 1 Stern
Ratsstuben, Haltern, 1 Stern
Schote, Essen, 1 Stern

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Herten: Ein Grillkurs in der Kochwerkstatt Ruhrgebiet

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Rosa wie die Toskana-Wölkchen am Himmel über Herten:
Steak-Tranche vom Grill der Kochwerkstatt Ruhrgebiet

Gehört hatte der Genießer von Giovanni Chiaradia und seiner „Kochwerkstatt Ruhrgebiet“ in Herten schon längst, u.a., weil die Teilnehmer seiner eigenen Kochkurse an der VHS Herne davon erzählt hatten. So freute er sich umso mehr, als er jetzt die Einladung erhielt, an einem Grillkurs bei Giovanni teilzunehmen, um einem Blogbeitrag darüber zu schreiben. Da gab es in vielerlei Hinsicht etwas zu lernen.

Giovanni tranchiert den Schweinebraten

Giovanni Chiaradia ist nämlich Profi durch und durch. 2007 eröffnete der gebürtige, aber am Niederrhein aufgewachsene Italiener mit der „Kochwerkstatt Ruhrgebiet“ eine der ersten Einrichtungen dieser Art in Deutschland. Zuerst war sie auf Zeche Ewald an der Halde Hoheward beheimatet, doch wurden die Räumlichkeiten im Industriedenkmal bald zu klein. So zog Giovanni in das Gebäude einer ehemaligen Weinhandlung an der Hertener Hochstraße, wo er sich ausbreiten konnte. Es gibt einen großen Saal mit Eventküche, aber auch eine kleinere Küche samt Esszimmer für exklusivere Kochkurse. Auf dem Hof ist Platz genug für Grillveranstaltungen, und keiner der Nachbarn fühlt sich dadurch belästigt.

Gute Stimmung am Grill: Giovanni mit Kursteilnehmern

Fast jeden Tag finden hier abends um 18 Uhr Koch- und Backkurse oder Firmenevents statt, samstags häufig auch zwei: italienische und französische Landhausküche, Regionales, Asiatisches, Fisch und Meeresfrüchte sind dabei die Hauptthemen, immer saisonal abgestimmt. Besonders beliebt sind die Grill-Events, die Giovanni veranstaltet, z.T. als Mitglied der Weber Grill Academy. Seit einiger Zeit sind Barista-Kurse im Angebot, in denen man das richtige Kaffee-Kochen lernen kann. Die Kurse kosten, je nach Aufwand, 80 bis 120 Euro pro Person, die Barista-Kurse 90 Euro.

Bei den Kochvorbereitungen sind die Teilnehmer emsig bei der Arbeit.

Ab und zu kommen die Gäste der "Kochwerkstatt Ruhrgebiet" in den geschmackvollen Genuss vom Hausherrn bekocht zu werden, zum Beispiel beim traditionellen Grünkohlessen am jeweils letzten Samstag im Januar..

Dass Giovanni solch ein umfangreiches Programm nicht allein bewältigen kann, liegt auf der Hand. Zahlreiche gute Geister sorgen bei den Kochkursen fürs Aufräumen und Spülen. Für die Leitung der Kurse findet Giovanni Unterstützung in Stephan Zwikirsch. Auch den Grillkurs, den der Genießer besuchte, hatte Stephan fest im Griff, während sich Giovanni als graue Eminenz eher im Hintergrund hielt.

Kursleiter Stephan beim kulinarischen Entertainment.

Mit Witz und Tempo führte Stephan in die Gerichte ein, die die zwanzig Teilnehmer zubereiten sollten. Da sich alles um das Thema „Grillen“ drehte, lag es auf der Hand, dass es fast ausschließlich Männer waren; nur zwei Damen waren dabei. Im Kurs ging es darum, dass man auf dem Grill weitaus mehr zubereiten kann als nur Steaks. Die gab es natürlich auch, darüber hinaus noch Sandwiches, Flammkuchen, Nudeln im Wok, ganze Hühnchen und Schweinebraten samt Beilagen. Sogar der Nachtisch wurde auf dem Grill zubereitet.

Stephan erklärt, worauf es beim Steak-Grillen ankommt.

Bevor es losging, erklärte Stephan, was die Teilnehmer zu machen hatten, gab kurze Tipps zu den verwendeten Produkten und zeigte einige Kniffe, wie man mit den Küchenwerkzeugen umzugehen hat. Wenn er beim Zwiebel- oder Knoblauchschneiden mit dem Messer hantierte, war er schneller als Billy The Kid beim Ziehen seiner Pistole. Nach den Vorbereitungen in der Küche, an denen alle Teilnehmer beteiligt waren, ging es raus auf den Hof an die Grills. Hier zeigte sich, warum die Herren der Schöpfung so fasziniert vom Grillen sind. Während Stephan fast im Alleingang das Grillgut auf die Roste verteilte und dabei erklärte, worauf zu achten ist, stand der Rest der Mannschaft mit aufgeplöppten Bierflaschen drumrum, guckte zu und amüsierte sich prächtig. Lediglich beim Auflegen der Sandwiches legte ein Teilnehmer die Hand an, um beim Wenden der Nudeln kam eine der Damen zum Einsatz.

Die Ergebnisse waren einmalig. Einiges wie die Sandwiches, die Flammkuchen und die in Tranchen geschnittenen Steaks wurden sofort aus der Hand verputzt, Nudeln, Schweinebraten und Hühnchen samt Dessert gab es dann an der langen Tafel im Saal. Gut gesättigt und um manche Kocherfahrung reicher bekam jeder noch eine Teilnehmer-Urkunde samt Schürze zum Lohn.

Hier die Gerichte und ihr Entstehen in Wort und Bild.

Für den ersten Hunger:
Sandwiches mit Räucherlachs, Camembert und Feigen

Das ist Lachs...

 ...der mit Feigen und Camembert zwischen
 dünn gebutterterte Toastbrotscheiben gelegt wird.

 Die kommen dann auf den Grill...

...und schmecken einfach prima.

Für den zweiten Hunger: Flammkuchen vom Grill

Flammkuchenteig wird mit Crème fraiche eingestrichen...

...mit Käse und Schinken belegt...

...unter die Grillhaube gebracht....

...und schmeckt prima.

Gemüse und Pasta aus dem Grill-Wok

Pasta, Gemüse und Sauce werden vorbereitet..

...im Grill-Wok gemischt

...angerichtet und mit Parmesan bestreut...

...und an der Tafel gegessen.

 Steaks

Die Steaks

...werden auf den Grill gelegt...

 ...tranchiert und dokumentiert...

 ... und ergeben zartes Essen für harte Männer.

Beer-Can-Chicken

Für die Beer-Can-Chicken nimmt man keine Bierdosen (Alu und Lack sind ungesund), sondern eine Spezialpfanne, die mit Bier gefüllt wird....

...pudert die Hähnchen mit einer Gewürzmischung aus
Salz, Pfeffer, Chiliflocken, Rosmarin und Zitronenschale...

...und setzt sie auf den Halter. Nicht vergessen, das Loch oben mit dem dazugehörenden Stopfen zu verschließen, damit beim Garen der Dampf drin bleibt.

Dann geht es ab in den Grill, wo sie butterzart werden...

...und problemlso tranchiert werden können

Nackenbraten mit Knoblauch-Kräuter-BBQ Rub

Der Nackenbraten war schon vorbereitet, damit die Pfeffer-Kräuter-derProvence-Zucker-Paprika-Knoblauch-Chili-Mischung einziehen konnte.

Gemeinsam mit dem Hühnchen wurde er an der Tafel serviert.

Dessert: Aprikosenauflauf mit Mandeln

Mit Amaretto getränktes Toastbrot, gedörrte
Aprikosen und Mandeln im Grill überbacken.


Alle Infos zur Kochwerkstatt Ruhrgebiet im Internet. Klick hier.