Dienstag, 28. Juli 2026

Neu im Dortmunder Kreuzviertel: Olivera Gastrobar


Seit Isaac Saiz Rosell vor drei Monaten Wochen seine Gastrobar Olivera auf der Lindemannstraße im Dortmunder Kreuzviertel eröffnet hat, sind seine Fans ganz aus dem Häuschen, wenn man von den Kommentaren auf den einschlägigen Facebook-Seiten ausgeht. Die Tapas-Kreationen des katalanischen Kochs hatte man in der Westfalenmetropole doch sehr vermisst, seit in den Corona-Wirren die Weinbar Weinadvokat in der Innenstadt, in der der gelernte Bauzeichner die nötigen Unterlagen zum Weingenuss lieferte, schließen musste. Als sich 2023 die Gelegenheit bot, Küchenchef in der Tapasbar Auszeit in Waltrop zu werden, griff Isaac zu und startete mit seinem gewohnten Temperament durch (klick hier). Doch das Glück währte nicht lang. Bereits nach ein paar Monaten verließ er das Auszeit wieder, weil er mit dem Geschäftskonzept der Inhaber nicht klar kam. In diesem Rahmen sah er nicht, wie er seine Vorstellung von handwerklicher Küche mit ausgesuchten Zutaten realisieren sollte. Also nahm er in Dortmund erst einmal seine Arbeit als Mietkoch für private Anlässe wieder auf, mit der er während des Lockdowns so großen Erfolg gehabt hatte. Das Auszeit ohne ihn musste im Sommer 2025 wieder schließen.

Isaac in seiner Küche

Das Olivera ist nun sein eigenes Kind. Mit vielleicht 30 Sitzplätzen und einer kleinen Terrasse auf der Lindemannstraße nicht zu groß, könnte es auch eine Bar in Barcelona sein – und das nicht nur, weil er seine Patatas bravas nach „BCN-Art“ bezeichnet. (Spanienurlauber wissen, dass BCN die Bezeichnug des internationale Airports in Barcelona ist.) Durch ein großes Durchreiche-Fenster am Pass können die Gäste sehen, wie Isaac in der Küche hantiert.



Ein Feuilletonist (und ein Koch) unter Influencern:
Die Gästeschar wartet darauf...
 
 
...dass das Essen fotografiert ist.

Der Betrieb hat sich langsam eingespielt, und so ließ Isaac am letzten Montag von Ramona und Elvis von CUDOS Foto & Film die Gerichte der kommenden Karte profimäßig fotografieren. Damit die sorgfältig vorbereiten Teller nach dem Knipsen aber nicht einfach entsorgt werden mussten, bat er meine Kollegin Silke von „Mein kulinarisches Dortmund“, doch ein paar Leute einzuladen, die die Gerichte am Ende ganz einfach aufessen würden. Und so kam es, dass der Genießer sich auf einmal in einer munteren Partytruppe wiederfand, allein als ergrauter Feuilletonist unter jugendlichen Influencern sozusagen. Während die sich auf die nach dem offiziellen Fotografiert-Werden herüber gereichten Teller stürzten, um lässig ihre Smartphones darüber kreisen zu lassen und flüchtige Reels für Social Media zu generieren, versuchte ich verzweifelt, bei meinem altmodischen Fotoapparat (immerhin schon digital) den eigenen Schärfepunkt für die Ewigkeit zu finden.




Aus Teruel kommt der beste spanische Schinken:
Isaac an der Jamonera.

Was wir immer gern vergessen ist, dass Spanien ein Zusammenschluss von selbstbewussten Regionen ist, die sich wie in Italien auch durch ihre kulinarische Individualität definieren. So war das Potpourri der Köstlichkeiten, die wir bekamen, eine Reise durch die iberische Halbinsel mit katalanischen Tapas, die nach den Tellern, die in den Kneipen zum Schutz vor Fliegen auf den Gläsern liegen, benannt sind und baskischen Pintxos, die nach den Spießchen heißen, die sie zusammenhalten. Häufig gab es den Kontrast von pikanter Grundzutat und süßer Marmelade, Zuckerrübensirup oder gar Apfelmus. Die Zutaten stammten meist aus Spanien, und so traditionell wie Isaac auch arbeitete, immer blitzte seine unbändige Kreativität durch. Besonders faszinierte mich sein Matjes auf Hummus, der in seinem Crossover von holländischen und orientalischen Zutaten das Zeug zu einem Ruhrgebietsklassiker haben könnte. In Spanien würde man dafür wohl Boquerones, in Essig eingelegte Sardellen, verwenden. Ich musste daran denken, dass ich einmal im italienischen Ristorante Casa Lodato in Essen-Kettwig auf einer Antipasti-Platte Matjes anstelle von Sardinen bekommen hatte (klick hier), im Prinzip nicht unähnlich.



Im Glas: Ein Blanc de Noir aus der Garnacha-Traube 
von Pompaelo (klick hier)

After-Fotosession-Party
Olivera, Dortmund, 20.7.2026


3 Pintxos


Olivera Oliven der Sorte Gordal
in hausgemachter Marinade


Eingelegte Sardellen aus Santoña (Kantabrien)
mit Picada und Pinienkernen

Picada ist eine katalanische Würzsauce


Jamón de Teruel mit Mandeln


Patatas Bravas BCN-Art in Salsa Brava und Milch-Allioli


Berenjenas fritas con miel
Die frittierten, gebratenen Bananen geschmacklich nicht unähnlichen Auberginenstreifen mit Zuckerrübensirup sind die andalusischen Pommes und erinnerten mich an die süditalienische Spezialität Melanzana alla cioccolata, Auberginen in Schokoladensauce (klick hier).

 

Bohnen-Thunfisch-Salat


Matjes auf Hummus
Spanische oder Ruhrgebietsküche? 


Miesmuscheln 

Navajas mit Safranallioli
Gegrillte Schwertmuscheln und Knoblauch-Petersilie-Dip


Babycalamares auf weißen Bohnen


Kabeljau mit Samfaina und Picada 

Kroketten mit Bacalhau


Croquetas de Chorizo mit Apfelmus


Zucchinicarpaccio mit Schinken, Kirschen und Pinienkernen


Samfaina mit Ziegenkäse & Padrón
Samfaina ist ein katalanischer Gemüseeintopf 
ähnlich der französischen Ratatouille



Hähnchenspieß mit Zitronen-Rosmarin-Sauce und Patatas Bravas


Geschmortes Kaninchen mit Ofenkartoffel


Marinierte Kirschen mit Crema Catalana Schaum


Klassische Crema Catalana mit selbst gemachtem Orangeneis


Und zum Abschluss ein eisgekühlter Hierbas

Olivera Gastrobar. Lindemannstr. 36, 44137 Dortmund. Tel 02 31. 77 57 10 66. Di-Sa 17-22 Uhr. https://oliveragastrobar.com/ 

Der Genießer bedankt sich für die Einladung. 

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