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Mittwoch, 4. September 2024

Beiträge des Ruhrgebiets zur kulinarischen Welt, Teil III revisited: Die Currywurst


So, jetzt haben sie als beim Klartext-Verlag herausgekriegt, dass die Currywurst nicht 1949 in Berlin, sondern bereits 1936 in Duisburg-Marxloh erfunden wurde. Nun denn. Wirklich geprägt hat das arme Würstchen die Essgewohnheiten im Ruhrgebiet aber erst seit den 1960-er Jahren, so richtig durchstarten tat sie erst in den 1980-ern, wage ich mal zu behaupten.

Ich erinnere mich noch gerne eines historischen Dialoges aus dem Jahr 1966.
Meine Oma, vom Lesen eines Rezeptes in einer Frauenzeitschrift abrupt aufblickend: „Wat is denn Kurrie?“
Ich, naseweiser und frischgebackener allerster Gymnasiast in unserer Familie: „Abber Omma, dat heißt doch Körrie!“
(Die Spezialität meiner Oma war übrigens hausgemachte Sülze.)

Zu meinem mittlerweile selbst historisch gewordenen Genussbereit-Artikel über die Currywurst als Beitrag des Ruhrgebiets zur kulinarischen Welt bitte hier klicken.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Verkostung: Grillsaucen

Um die Curry-Sauce „pott.curry“, die der Genießer bei EDEKA Burkowski in Bochum entdeckt hatte, besser einordnen zu können, wurde letzte Woche im Garten des Weindeuters eine kleine Saucen-Verkostung arrangiert. Bei einem Grillabend standen zwei Damen, zwei Herren und zwei Kinder als Grill-erfahrene Tester zu zur Verfügung.

Für die Verkostung besorgte der Genießer noch vier weitere Produkte. Der Preis von „pott.curry“ ist mit 5,70 Euro (das entspricht 1,72 Euro pro 100 ml) ganz schön happig. Deshalb wurde die billigste Sauce, die EDEKA Burkowski im Sortiment hat, hinzu gezogen, die „Chili Sauce“ der Eigenmarke Gut & Günstig (0,20 Euro pro 100 ml). Als Bio-Produkt kam die erstaunlich preiswerte „Barbecue Sauce“ von Sanchon (0,68 Euro pro 100 ml) aus dem biokauf, Bochum, in die Teststrecke. Weil „pott.curry“ mit dem Anspruch eines Kult-Produktes auftritt, musste natürlich auch die legendäre Currysauce vom Bratwursthaus im Bermudadreieck, sprich „Dönninghaus“, her (0,75 Euro pro 100 ml). Und da sich „pott.curry“ mit Preis und Untertitel auch den Anspruch des Luxus gibt, kam auch noch ein wirkliches Luxus-Produkt ins Portfolio, die amerikanische „Maple Chipotle Grille Sauce“ von Stonewall Kitchen aus dem Aromafänger, mit 3 Euro pro 100 ml das teuerste Produkt.

Grillgut als Saucenträger: Rostbratwurst vom Schultenhof, Salsicce-Schnecken und Merguez von Metzger Gläser im biokauf, Bochum.

Der Blick auf die Zutatenliste machte klar: Ganz egal, wie teuer die Sauce ist, für die dickflüssigen Konsistenz ihrer Saucen setzen die Produzenten nicht darauf, eine gehörige Menge Tomaten einzukochen, sondern sie verwenden ausgiebig Gelier- und Verdickungsmittel wie Pektin, Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl, Xanthan oder Carrageen. Auch der animierende süß-saure Geschmack stammt nicht vom Einsatz vollreifer Tomaten, sondern durch den Zusatz von Zucker jeglicher Couleur und Säuerungsmitteln wie Essig, Zitronensäure (wird als Medikament zum Ausspülen von Harnsäuresteinen in den Nieren verwendet und ist auch in jedem Toilettenreiniger) oder Phosphorsäure (klingt irgendwie nach Granate aus dem ersten Weltkrieg). Für die Schärfe werden in der Regel Chilis verwendet, für die Aromatisierung tatsächlich verschiedene Gewürze und Gewürzmischungen. Geschmacksverstärker musste kein Produkt deklarieren. Den lebensmittelrechtlichen Dehnbegriff „Aroma“ benutzten jedoch zwei Saucen, die billigste und „pott.curry“.

Das Ergebnis des Tests war wenig überraschend. Am besten schmeckte allen Testern durchweg die teuerste Sauce, „Maple Chipotle Grille Sauce“ von Stonewall Kitchen, deren fruchtig-süße, ausdifferenzierte Schärfe sehr gut ankam. Am schlechtesten schnitt die billigste Sauce ab, die „Chili Sauce“ von Gut & Günstig. Sie war besonders den Kindern zu sauer und zu scharf. Die Bio-Sauce von Sanchon fand zwar Beachtung, wurde aber als langweilig empfunden, weil sie nur wie scharfer, aber gängiger Ketchup schmeckte. Die beiden sogenannten „Kultsaucen“ fielen letztendlich durch. Die „Dönninghaus“ wurde außerhalb des Bermudadreiecks als zu dumpf und zu scharf empfunden; auch war man sich ihrer schlichtweg überdrüssig. Doch auch die neue Kultsauce „pott.curry“ fand nur mäßigen Anklang. Als Curry-Sauce war sie zu wenig pikant und von der Konsistenz her zu schleimig. Die Kinder erinnerte sie spontan an einen gängigen Gewürzketchup von „Hela“, der nicht mit im Test-Portfolio war.

Nebenbei kam es auch noch zu einem Testergebnis ganz anderer Art. Als Saucenträger wurden verschiedene Bratwürste eingesetzt: die neutral gewürzte Bio-Rostbratwurst vom Schultenhof in Hattingen und die speziell gewürzten Merguez und Salsicce vom Bio-Metzger Gläser. Die Rostbratwurst passte bestens zu den Saucen, während die beiden anderen zusätzliche Würze gar nicht nötig hatten. Die nordafrikanisch-französisch gewürzten Merguez waren solo der absolute Favorit, während sich bei den auf italienische Art mit Fenchel gewürzten Salsicce die Geschmäcker genderspezifisch schieden. Während die Herren sie mit Genuss verzehrten, mochten die Damen sie nicht. Die Mütter wurden zu sehr an den Fencheltee erinnert, den sie während ihrer Schwangerschaften zu sich nehmen mussten.

Hier noch einmal die Saucen und Wertungen im Detail:

1. Stonewall Kitchen Maple Chipotle Grille Sauce. 330 ml 9,90 Euro (3 Euro pro 100 ml). Bezugsquelle: Aromafänger, Bochum.
Zutaten: Wasser, Zucker, Tomatenmark, Brauner Zucker, Tomaten, Weißweinessig, Ahornsirup (4 %), Melasse, Sojasauce, Gewürze, Knoblauch, Salz, Zwiebeln, Senf, Rapsöl, Verdickungsmittel: Xanthan, Curry, Chipotle Pepperoni, Säuerungsmittel: Zitronensäure. Ohne künstliche Geschmacksverstärker und Farbstoffe.
Farbe und Konsistenz: dunkelrot, dickflüssig. Geschmack: Sehr fruchtig, sehr pikant, dezente Schärfe, ausgewogen und vielschichtig. Zitat: „Der Cabernet unter den Saucen.“ Nachteil: zu teuer.

2. Sanchon Barbecue Sauce („Bio“). 220 ml 1,99 Euro (0,90 Euro pro 100 ml). Bezugsquelle: biokauf, Bochum.
Zutaten: Tomatenmark*, Rohrohrzucker*, geräucherte Zwiebeln*, Meersalz, Sojasauce* (Sojabohnen*, Wasser, Weizen*, Kaji), Aceto Balsamico* (Rotweinessig*, Traubenkonzentrat*), Geliermittel: Pektin, Verdickungsmittel: Guarkernmehl*, Knoblauchpulver*, schwarzer Pfeffer*. *aus kontrolliert biologischem Anbau
Farbe und Konsistenz: leuchtend tomatenrot, geleeartig flüssig. Geschmack: nach Tomaten, scharf, sauer. Trotz guter Bio-Zutaten und Aceto Balsamico-Einsatz eindimensional und langweilig. Vorteil: überraschend preiswert.

3a. Die echte Currysauce vom Bochumer Bratwursthäuschen („Dönninghaus“). 400 ml 3 Euro (0,75 Euro pro 100 ml). Bezugsquelle: Bratwursthaus, Bochum.
Zutaten: Tomatenmark, Glukosesirup, Wasser, Branntweinessig, Zucker, Curry, Senf, modifizierte Stärke, Speisesalz, Sellerie, Gewürze, Zwiebeln, Chili, Aroma.
Farbe und Konsistenz: bräunlich, schleimig, wie mit Currypulver durchsetzt. Geschmack: scharf, eindimensional, ordinär. Zitat: „Das meist überschätzte Produkt.“ Nachteil: erzeugt wegen inflationärem Genuss Überdruss.

3b. pott.curry deluxe sauce. Die exklusive Sauce aus dem Pott. 330 ml 5,70 Euro (1,72 Euro pro 100 ml). Bezugsquelle: EDEKA Burkowski, Bochum.
Zutaten: Tomaten, Branntweinessig, Zucker, Gewürze (mit Senfsaat), Speisesalz, modifizierte Maisstärke, Verdickungsmittel (Guarkernmehl, Johanniskernmehl), Maltodextrine, Aroma, natürliches Aroma, Farbstoff E150d, Säuerungsmittel (Phosphorsäure), Aromakoffein, Zuckerrübensirup, Tonka Bohne, Sesam
Farbe und Konsistenz: bräunlich, mit Tomaten(?)kernen durchsetzt. Geschmack: Fade, undifferenziert, wenig scharf. Nachteil: zu teuer, zu aufdringliches Marketing

4. Gut & Günstig Chili Sauce. 250 ml 0,45 Euro. (0,20 Euro pro 100 ml). Bezugsquelle: EDEKA Burkowski, Bochum
Zutaten: 30 % Tomatenmark, Wasser, Brantweinessig, Zucker, rote Paprika, modifizierte Stärke, Speisesalz, Verdickungsmittel: Carrageen, färbendes Lebensmittel: Karamellzuckersirup, Gewürze, Aroma
Farbe und Konsistenz: leuchtend tomatenrot, geleeartig flüssig. Geschmack: zu scharf, zu sauer. Vorteil: billig

Dienstag, 14. Juni 2011

Im Supermarkt entdeckt: „pott.curry“ – Die teure Currysauce aus dem Pott


Bekanntlich ist der Genießer kein Freund der Currywurst als Nationalgericht des Ruhrgebiets. Er findet, dass die Ruhrgebietsküche etwas anderes als das in Berlin erfundene Würstchen als Symbol verdient hat - die Linsensuppe zum Beispiel. Bei dieser subjektiven Disposition war es also kein Wunder, dass er bislang an den Flaschenstapeln mit „pott.curry deluxe sauce“ ganz vorn in der Gemüseabteilung von EDEKA Burkowski immer vorbei gerannt war. Immerhin kostet die Currysauce in der 0,33-l-Bierflasche 5,70 Euro. Da besorgt er sich bei Real lieber eine Dose San-Marzano-Tomaten für 1,79 Euro und macht sich seine Sauce selbst (z.B. hier oder hier) und tut Curry dran. Doch jetzt überkam ihn das Pflichtgefühl des Chronisten und er kaufte sich eine Flasche des Produkts, das seit etwa anderthalb Monaten auf dem Markt ist.

Der Genießer war natürlich enttäuscht. Statt wie erwartet, kam keine fruchtig-pikante Curry-Sauce aus der chic designten Flasche, sondern eine dunkelbraune, zähflüssige Masse, durchsetzt mit Tomaten(?)kernen, eher laff im Geschmack und wenig ausdifferenziert. Enttäuscht war der Genießer auch, als er einen Blick auf die Zutatenliste warf und den Farbstoff E150d entdeckte, der sich bei weiterer Recherche aber als harmlose Zuckercouleur erwies, wie sie auch bei der Herstellung von Cola und bestimmten Biersorten verwendet wird. Passt irgendwie. Was sich aber hinter dem ominösen lebensmittelrechtlichen Dehnbegriff „Aroma“ verbirgt, mochte er nicht wissen. Er dachte immer, der Geschmack von Currysauce käme von Curry. Wozu dann noch „Aroma“?

Zutatenliste auf der Flasche. (Zum Vergrößern aufs Bild klicken.)

Die auf der Flasche angegebene Internetseite offenbarte das Dilemma. Hier waren anscheinend keine Feinschmecker, sondern Kreativwirtschaftler zu Gange gewesen, denn als verantwortlich für dieses Produkt zeigt sich eine Werbeagentur. Die hat auch eine schöne Legende für die Currysauce gestrickt, die unter Marketinggesichtspunkten gar nicht übel ist. Stichworte: Familienrezept, Ruhrgebietsverbundenheit, etc. Das ist zwar hip und entspricht dem Zeitgeist, den Genießer überzeugte es nicht. Ihm fiel dazu nur der alte Kurt Tucholsky ein: „Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein.“

"pott.curry" im Test

Dennoch wollte der Genießer seine Meinung nicht zum Maßstab aller Dinge machen und initiierte einen Currysaucentest mit der Grill-erfahrenen Familie eines Genießerfreundes: zwei Kinder, zwei Frauen, zwei Männer. Da stellte er insgesamt fünf Saucen an, vom Billigprodukt über eine Bio-Sauce, die wahre Bochumer Kult-Sauce von Dönninghaus bis hin zur teuersten Sauce, die er auftreiben konnte, einen US-Import von Stonewall Kitchen. Die Reaktion der Kinder auf „pott.curry“ war entlarvend: „Die schmeckt ja wie Curry-Gewürzketchup von Hela“, riefen sie fast unisono. Dabei stand dieses Produkt gar nicht als Vergleich im Test-Portfolio. Aber da ist der Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat drin - und es kostet mit 0,86 Euro in der kleinsten Verpackungs-Einheit gerade einmal die Hälfte.
Zum Ergebnis des gesamten Tests geht es hier.

pott.curry deluxe sauce. Die exklusive Sauce aus dem Pott. 330 ml 5,70 Euro (1,72 Euro pro 100 ml). Bezugsquelle: EDEKA Burkowski, Bochum.
Zutaten: Tomaten, Branntweinessig, Zucker, Gewürze (mit Senfsaat), Speisesalz, modifizierte Maisstärke, Verdickungsmittel (Guarkernmehl, Johanniskernmehl), Maltodextrine, Aroma, natürliches Aroma, Farbstoff E150d, Säuerungsmittel (Phosphorsäure), Aromakoffein, Zuckerrübensirup, Tonka Bohne, Sesam

Hela Curry Gewürzketchup. 150 ml 1,29 Euro (0,86 Euro pro 100 ml). Bezugsquelle: EDEKA Burkowski
Zutaten: Tomatensaft, Zucker, Dextrose, Kochsalz, Curry (u.a. Senfmehl), Pfeffer, Paprika, Chilis, Nelken, Branntweinessig, modifizierte Maisstärke, Säuerungsmittel: Citronensäure, Verdickungsmittel (Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl, Kräuter (u.a. Sellerie), Säureregulator: Natriumlactat, Geschmacksverstärker: Mononatriumglutamat

Freitag, 25. Februar 2011

Beiträge des Ruhrgebiets zur kulinarischen Welt, Teil III: Die Currywurst

 


 

Update September 2024: Jetzt haben sie als beim Klartext-Verlag herausgekriegt, dass die Currywurst nicht 1949 in Berlin, sondern bereits 1936 in Duisburg-Marxloh erfunden wurde.

Stimmt das überhaupt? Ist die Currywurst wirklich ein Beitrag des Ruhrgebiets zur kulinarischen Welt? Glaubt man den Comedians und Krimi-Kommissaren, die das Bild vom Ruhrgebiet in den Medien prägen, ja. Noch im letzten Schimanski bestellte der greise Götz George demonstrativ eine „Currywurst Schranke“. Beim ZDF musste bis vor einiger Zeit der arme Joachim Król als verlutterter Essener Kripomann auch immer ins arme Würstchen beißen. (Was für eine Genuss-Karriere: Einst als Commissario im Gourmet-Paradies Venedig gestartet, dann als Imbissbuden-Besucher im Pott gelandet. Mal sehen, was Król als neuer Frankfurter Tatort-Kommissar alles schlucken muss.)

Dabei wird im Ruhrgebiet nur deshalb so viel Currywurst gegessen, weil hier so viele Menschen wohnen – so wie überall in Deutschland. Denn die Currywurst stammt gar nicht von hier, sondern aus Berlin. Wikipedia schreibt folgendes, und das ist durchaus glaubwürdig: „Die Erfindung der Currywurst wird Herta Heuwer zugeschrieben, die nach eigenen Angaben erstmals am 4. September 1949 an ihrem Imbissstand an der Ecke Kant-/Kaiser-Friedrich-Straße in Berlin-Charlottenburg gebratene Brühwurst mit einer Sauce aus Tomatenmark, Currypulver, Worcestershiresauce und weiteren Zutaten anbot. Im Januar 1959 ließ sie den Namen ihrer Sauce, Chillup, als Marke schützen.“ Allerdings, so schreibt Wikipedia auch, gebe es eine ruhrgebietstypische Ausprägung der Currywurst. Hier handele es sich um eine Bratwurst, in Berlin um eine frittierte oder gebratene Brühwurst.

In den Fußballstadien wurde die Currywurst schon bald zum Grundnahrungsmittel, doch die Kreative Klasse im Ruhrgebiet entdeckte die Currywurst als Kult-Essen erst spät. Pionierarbeit leistete dabei Herbert Grönemeyer Anfang der 1980er mit seinem Lied von der „Currywurst“. Den Text dazu schriebeben übrigens Diether Krebs und Horst Krause, ein Mitbegründer des Bochumer Veranstaltungszentrums „Zeche“. Doch machen wir uns nichts vor, seinen großen Durchbruch zum Superstar hatte Grönemeyer erst mit der Platte danach, „Bochum“.

Als Catering auf einer Kulturveranstaltung erlebte der Genießer die Currywurst erstmals 1993 bei der Premiere des Helge-Schneider-Filme „Texas - Doc Snyder hält die Welt in Atem“. In der damals noch nicht renovierten Lichtburg in Essen wurde sie als anarchistisches Armutsszeugnis mit selbstironischer Chuzpe serviert, in labbrigen, zu kleinen Pappschälchen, damit sich das Premierenpublikum von oben bis unten bekleckern konnte.

Schließlich war es der ziemlich in Vergessenheit geratene Altkanzler Gerhard Schröder, der der Currywurst den Durchbruch verschaffte. Er äußerte sich Ende der 1990er Jahre einmal im Rosenkrieg mit seiner damaligen Ex-Frau in spe Hillu, er würde eine Currywurst ihrer Körner-Kost vorziehen – und prompt gelangte sie als Kult-Genuss der Neuen Mitte (und nicht nur in der Coca-Cola-Oase im Einkaufszentrum Centro im gleichnamigen neuen Stadtteil in Oberhausen) auf die Speisekarten der Nobelrestaurants in Deutschland und besonders auch im Ruhrgebiet – häufig allerdings als „Berliner Currywurst“.

Seitdem ist das Ding aus der kulinarischen Ruhrgebietsfolklore nicht mehr wegzudenken. Rainer Ostendorps „Profi-Grill“ in Wattenscheid, Die Currywurst in Herne-Crange mit dem Wettbewerb um die schärfste Currywusrt  oder das „Bratwursthaus“ mit der Dönninghaus-Wurst im Bochumer Bermudadreieck gelten aus Aushängeschilder der Ruhrgebietsgastronomie.

Authentisch findet der Genießer das alles nicht, eher als einen kläglichen Schritt auf der Suche nach der kulinarischen Identität der Region. Das eigentliche Symbolgericht für die Region ist schließlich die Linsensuppe. Aber die mag ja keiner, schon gar nicht die nachwachsende Kreative Klasse.

Zu allen Beiträgen des Ruhrgebiets zur kulinarischen Welt klick hier. 

Donnerstag, 12. August 2010

Bochum kulinarisch: Känguru und Currywurst

Petrus hatte ein Einsehen:
Heitere Atmosphäre auf dem Boulevard

Bekanntlich ist der Genießer Anhänger der seltsamen Verschwörungstheorie, dass die deutsche Wurst-Industrie in schöner Eintracht mit der Speerspitze der deutschen Feinschmeckerschaft, nämlich den Fußballstadien- und Rock-Festival-Besuchern sowie verschiedenen TV-Kommissaren, ausgerechnet die Currywurst zum Nationalgericht des Ruhrgebiets erkoren haben. Nun ja, für Bochum hat das eine gewisse Berechtigung. Von hier kommt immerhin de kultige Dönninghaus-Wurst mit der Currysauce vom Bratwursthäuschen.

Currywurst vom Känguru beim Strätlingshof

Auf der Gourmetmeile „Bochum kulinarisch“, die gestern eröffnet wurde, geht man mit diesem heimatlichen, kulinarischen Pop-Mythos geradezu postmodern um. So kombiniert z.B. der „Kümmel Kopp“ die Currywurst mit Garnelen zu einem Spießchen (das hatte der Genießer schon letztes Jahr probiert), während der „Strätlingshof“ eine Currywurst vom Känguru im Angebot hat. Gourmetmeilenbesuchern, die vor soviel Exotik auf der Zunge Angst haben, kann der Genießer beruhigen. Die Down-Under-Variante der BO-Spezialität schmeckt auch nicht viel anders als sonst. Hauptgeschmackslieferant ist nicht das Fleisch, sondern die Sauce.

Helmut Wicherek, OB Dr. Ottilie Scholz, Heinz Bruns
 und Hugo Fiege eröffnen "Bochum kulinarisch"

Am Morgen hatte es ja schon so ausgesehen, als ob die diesjährige Eröffnung von „Bochum kulinarisch“ genauso verregnet werden würde wie im letzten Jahr, doch Petrus schickte rechtzeitig zum Nachmittag die Sonne nach Bochum. Mit mächtigem Töpfeklappern zog die traditionelle Köcheparade vom Rathaus zum Massenbergboulevard, allerdings fast eine halbe Stunde früh. Der antike Fiege-Lieferwagen sorgte für Heimat-Flair, der mobile Kult-Koch François Cambuse für Komik, Bochums OB Dr. Ottilie Scholz für eine kurze, launige Eröffnungsrede. Eine lockere und heitere Atmosphäre breitete sich schnell am Massenbergboulevard aus.

16 Gastronomen geben „Bochum kulinarisch“ ein eigenständiges Profil, das sich zwischen dem glamourösen „Essen verwöhnt“ und dem westfälisch-sittlichen „Dortmund à la carte“ in der Gourmetmeilen-Landschaft des Ruhrgebiets bestens positionieren kann. In der Regel wird Bochum – dank des Bermudadreiecks – mit Jugend- und Szenegastronomie in Verbindung gebracht. Die Bochumer Spitzen- und Traditionshäuser, die an „Bochum kulinarisch“ teilnehmen, zeigen jedoch, dass die solide Gastro-Landschaft der Stadt wesentlich mehr zu bieten hat.

Zum Vergrößern auf die Collage klicken

Am ersten Abend schaffte es der Genießer, bei vier Ständen vorbei zu schauen. Ach – warum sind die Portionen nur so groß? So wurde aus dem geplanten Naschen immer ein Satt-Essen. Weniger wäre hier vielfach mehr gewesen. Z.B. der „Italienische Sauerbraten mit Ratatouille und Gnocchi“ (1) beim „Kümmel Kopp“. Zwei Stücke Fleisch lagen auf dem Teller: das Endstück löffelweich und sauer wie es sich gehört, das zweite Mittelstück eher zäh und laff. Die Känguru-Currywurst vom „Strätlingshof“ wurde schon erwähnt. Als Slowfoodie interessierte den Genießer natürlich die Küche der „Gesellschaft Harmonie“. Küchenchef „Herr B.“ (bürgerlicher Name Daniel Birkener) präsentierte einen schön in der Folie gegarten Seehecht mit Fenchel und Orange (2) sowie „Pulled Porc“, eine Schweinenuss mit Kohlrabi, Kräutercème und BBQ-Sauce (3). Letztere war allerdings so sauer, dass alle anderen Aromen überdeckt wurden. An den mit grobem Senf und Rotweinschalotten gefüllten Minirouladen vom US-Rind an getrüffeltem Kartoffelpüree (4) durfte der Genießer bei einem Kollegen mitnaschen. Das Trüffelöl schmeckte man kräftig heraus.

„Bochum kulinarisch“ geht noch bis zum 15. August. Öffnungszeiten und das Programm finden Sie hier.

Tradition: Die Köcheparade mit François Cambuse

Donnerstag, 17. Juni 2010

„Essen verwöhnt“ gestartet: Nicht ohne meine Currywurst


In den 1970er Jahren hat Peter Zadek einmal gesagt, Kultur müsse sein wie Fußball – und betrachtet man die Kulturhauptstadt RUHR.2010, die mit ihren Kulturaktionen Fußballstadien und Autobahnen füllt, ist das anscheinend Wirklichkeit geworden. Analog könnte man sagen, Haute Cuisine müsse sein wie Currywurst – und betrachtet man das Angebot auf der Essener Gourmetmeile „Essen verwöhnt“, die heute gestartet wurde, ist auch das zumindest im Ruhrgebiet Wirklichkeit geworden. Da kapitulierte der Genießer, der gern gegen die Currywurst als Symbol für die Ruhrgebietsküche wettert, vor der normativen Kraft der Faktischen und biss tapfer in das arme Würstchen, das bei drei Teilnehmern auf der Gourmetmeile als typisches Ruhrgebietsgericht angeboten wird. Das heißt, die Currywurst des „Lucente“ schenkte er sich als jemand, der in Bochum wohnt, denn das war nur der Import der Bochumer Kult-Currywurst von Dönninghaus mit der Sauce aus dem Bratwursthäuschen im Bermudadreieck nach Essen (3 Euro) – simpel, aber durchaus effektiv.

Die beiden anderen Currywürste überzeugten schließlich den Genießer. Holger „Nickel“ Nickelmann (Bild), Küchenchef im „Gummersbach“ präsentierte seine selbstgemachte Lammbratwurst ganz klassisch mit einer dunkelroten, süß-scharfen Currysauce, dazu gab es ein Butterbrot mit schwarzem Grubensalz (4,50 Euro).
Der „Kiepenkerl“ gab sich experimenteller: Die Entenbratwurst wurde auf „etwas Gesundem aus dem Schrebergarten“ (sprich einem grünen Salat) und mit zwei leckeren, aber farblich gewöhnungsbedürftigen Currysaucen serviert (4,50 Euro): einer hellroten („scharf“) und einer gelben („nicht so scharf“).

Oliver Scheytt, Rudi Jelinek, Johann Lafer, Rainer Bierwirth, Thomas Stauder

Die Eröffnung der 12. Essener Gourmetmeile, und dann noch im Kulturhauptstadtjahr, war gestern ein gesellschaftliches Ereignis. Bei strahlendem Kaiserwetter, das der olle Wilhelm vom Burgplatz geschickte hatte, platzte sie schon kurz nach der Eröffnung um 12 Uhr aus allen Nähten, denn die Leute standen an den Zelten der 21 Spitzengastronomen auf der Kettwiger Straße sofort Schlange. Veranstalter Rainer Bierwirth hatte Johann Lafer für die Eröffnung gewinnen können, und gemeinsam mit dem Fernsehkoch, Bürgermeister Rudi Jelinek, Thomas Stauder und später auch noch RUHR.2010-Geschäftsführer Oliver Scheytt führte er die Große Parade der Köche um 16 Uhr vom Willy-Brandt-Platz am Hauptbahnhof die Kettwiger Straße hinunter. Eigentlich habe er gar nicht gewusst, was er in Essen sollte, meinte Johann Lafer bei seiner Eröffnungsansprache, aber was er dann gesehen habe, habe ihn überzeugt. Überzeugt war er auch von den Kochkünsten von Knut Hannappel, an dessen Stand er „Himmel und Erde mit Taube und Blutwurst“ (13 Euro) probierte.

Bürgermeister Rudi Jelinek, Susanne Kötter,
Johann Lafer, Rainer Bierwirth

Jeannette Schnitzler mit Lachsforellen-Bulette,
gebeizte Lachsforelle mit geeistem Bellini
aus Nelson Müllers "Schote"

Der Genießer kostete sich ebenfalls noch weiter durch die Ruhrpott-Gerichte, die das „normale“ Angebot im Kulturhauptstadtjahr ergänzen. Bei „Schnitzlers“ gab es ein mächtige Bulette von der Lachsforelle an Stielmus mit Brunnenkresse-Senfrahm“ (11 Euro). Zum grob geschnittenen Stielmus hätte Mama sicherlich gesagt: „Das ist nicht richtig“ – aber geschmeckt hat es wunderbar.

Sterneküche zum Sonderpreis von 5 Euro gab es am Stand von Schloss Hugenpoet: einen Blutwurststrudel mit Gewürzkürbis und Bohnenragout – ein Schulbeispiel dafür, wie deftige Zutaten fein zugerichtet werden können. (Vielleicht hatte der Strudel etwas zu viel Farbe abkommen – aber bei der intensiven Sonne…). Nelson Müller von der „Schote“ ließ schließlich betörende Aromen und Farben spielen. Die gebeizte Lachsforelle mit Radieschen, Limonensauerrahm und Reibekuchen (10 Euro) war eine pikante sommerliche Erfrischung. Der Genießer nahm hier noch gleich das Dessert mit. Beim Geeisten Bellini mit Waldmeister und Passionsfrucht-Schaschlik (5 Euro) hatte er den Eindruck, Nelson Müller wolle mit Speck Mäuse fangen, denn das Passionsfrucht-Schaschlik erinnerte ihn an mit Likör aromatiserten Mausespeck. Und der gefrorene Bellini war ziemlich mächtig.

Die Gourmetmeile „Essen genießen“ geht noch bis Sonntag. Heute steht der Kochwettbewerb „Reviekönig für einen Tag“ auf dem Programm, bei dem eine Jury, zu der auch der Genießer gehört, das beste Ruhrgebietsgericht aus Rezepten, die Essener Hobbyköche eingereicht haben, prämiert. Als Jury-Chef war Alfons Schuhbeck vorgesehen, doch der hat kurzfristig abgesagt. Nun springt Nelson Müller ein.

Freitag, 26. März 2010

Im (Bio-)Supermarkt entdeckt: Die teuerste Currywurst der Welt

Obwohl der Genießer gern und leidenschaftlich gegen die Currywurst als geschmacksbestimmende Referenz für die kulinarische Kultur des Ruhrgebiets wettert, kann er sich der normativen Kraft des Faktischen gelegentlich nicht entziehen. So stand er neulich im „Biohaus“ an der Hattinger Straße in Bochum durchaus fassungslos vor dem Regal, als er eine Glaskonserve der Firma „Kiebitzhof“ in Gütersloh entdeckte, schön mit dem Label „Bioland – Ökologischer Landbau“ versehen: „Currywurst für zwei“ (Einwaage 410 g). Das musste er haben, selbst bei dem gepfefferten Preis von 6,29 Euro, also 3,145 Euro pro Portion (Wer sich noch erinnert: das sind 6,15 DM. Zum Vergleich: eine legendäre Original-Dönninghaus-Currywurst mit halbem Brötchen kostet am Stand neben dem Union-Kino im Bochumer Bermudadreieck 2,20 Euro, auf dem Parkplatz vor der Ratio mit ganzem Brötchen 2 Euro – ist aber nicht Bio.)
Currywurst in Bio-Qualität zum Apothekenpreis auf dem heimischen Herd aufgewärmt: Das musste ja schmecken – und tat’s irgendwie auch. Die Wurst war laut Aufschrift eine Röstbratwurst aus 71 Prozent Schweine- und 13 Prozent Rindfleisch, Trinkwasser, Zwiebeln, Meersalz, Gewürzen, Kräuterwürze und Milcheiweiß und so fein, dass sie in ihrem vorgebrühten und kaum gerösteten Zustand fast wie eine Brühwurst schmeckte, also für eine Currywurst im Ruhrgebiet untypisch, eher berlinerisch. Die Currysauce kam lässig an den Dönninghaus-Standard heran, war aber nicht ganz so scharf und bestand laut Aufschrift aus Tomatenmark, Rohrohrzucker, Branntweinessig, Meersalz und Gewürzen.
Doch der Genießer kam nicht umhin, die Normen des Faktischen mit aller Kraft zu sprengen. Um die Wurst extrascharf zu machen, würzte er sie mit dem selbstgemachten Currypulver der Freundin des guten Geschmacks nach, das vom letzten Männer-Kochkurs übrig geblieben war – eine Prise Slow Food fürs Fast Food. Zusammen mit einem Bio-Brötchen aus der Hutzel Bäckerei war das preislich und von der Zutatenqualität her bestimmt eine extravagantes Mahl – blieb aber im Grunde ein kulinarisches Armutszeugnis: ‘ne Currywurst eben.

Bio-Currywurst - noch nicht nachgewürzt

Sonntag, 7. Februar 2010

Festival für Schwerschmecker: Wer schafft die schärfste Currywurst?

Gestern fand in der Essener Edel-Currywurstbude "Coerri" mit der 1. Essener Scoville Meisterschaft ein Highlight der kulinarischen Veranstaltungen im Kulturhauptstadtjahr statt. Scoville ist die Einheit, mit der der Schärfegrad von Chili-Schoten gemessen wird. Die Ruhrgebiets-Fastfoodies konnten austesten, was sie so an Geschmacksverirrung aushalten. Gibt es eigentlich, analog zum Krankheitsbild "schwerhörig", eines, das "schwerschmeckig" heißt? Der Genießer weiß, warum er nicht da war.
Hier ein Filmchen über die Veranstaltung.

Montag, 11. Januar 2010

Der Kommissar und die Currywurst – mal wieder

Kulinarisches Symbol fürs Ruhrgebiet?

Gestern lief der Tatort „Klassentreffen“, der die Kölner Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) nach Essen führte. Vor dem Hintergrund der Vorbereitungen zur Kulturhauptsadt RUHR.2010 spielte sich eine recht nette Krimi-Story übers Älter-Werden ab, und die Kulissen der Kulturhauptstadt wie Zollverein und Oberhausener Gasometer wurden überzeugend in Szene gesetzt. Nur: Als kulinarisches Symbol fürs Ruhrgebiet landete man wieder bei der Currywurst. Allerdings selbstironisch entlarvend. Denn die Currywurst war auch Symbol für die Arme-Würstchen-Seite des Charakters von Max Ballauf, für seine soziale Unverträglichkeit als „lonesome Rider“. Mannomann, früher, als Krimis noch „hardboiled“ wie verlorene Eier waren und keine Familienunterhaltung, mussten es wenigstens noch Zigaretten und harte Drinks wie Whisky oder gerührte Martinis sein.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

"Coerri Gourmet": Die eleganteste Currywurst Essens

Leider hat dieses Restaurant seit dem 27.2.2010 geschlossen.



Gestern hatte der Genießer in Essen zu tun und nutzte die Gelegenheit, eine Currywurst zu essen. Allerdings nicht irgendeine, sondern die von „Coerri Gourmet“. Das chice Restaurant befindet sich im „Deutschlandhaus" an der Lindenallee, einem der elegantesten Bauwerke in der Essener Innenstadt aus den 1920er Jahren. Durch die großen Fenster blickt man auf das aufwendig renovierte wilhelminische Gebäude der ehem. „Essener Credit-Anstalt“, heute Sitz der der „Deutschen Bank“ – Metropolen-Feeling pur.

Eigentlich hätte man in diesem Setting eine Sushi- oder Tapas-Bar vermutet, aber seit Februar 2009 wird hier jenseits aller Pommesbuden-Folklore ausgerechnet das Fast-Food-Produkt Currywurst verkauft. Allerdings mit Pfiff: Die Schärfe wird in fünf Stufen bis 1 Mio. Scoville angegeben, einer Maßeinheit, die nach ihrem Erfinder Wilbur L. Scoville benannt ist. Die handelsübliche Tabasco-Sauce hat übrigens 2500 bis 5000 Scoville. Wer im Essener Bankenviertel der Finanzkrise seinen Tribut zollen möchte, bekommt die Currywurst auch mit 24-karätiger Blattgold-Auflage – für 5 Euro ohne und 12,50 Euro mit Champagner.
Der Genießer begnügte sich mit einer normal scharfen Currywurst mit Pommes-Mayo (4,80 Euro) und dem bekannten schwarzen amerikanischen Landwein, gen. Coca-Cola - eine metzgerfrische Sünde, knusprig und pikant, süß und geschmackvoll fettig. Als Freund deftiger Eintopfgerichte hätte er auch Grünkohl mit Bratwurst (5,50 Euro) oder Möhrengemüse mit Frikadelle (4,50 Euro) von der Wochenkarte bekommen können. Aber was sein musste, musste sein.

Montag, 26. Oktober 2009

Kochkurs: Kochen mit Kumpels, Teil I


Heute fand der erste Abend des zweiteiliegen Kochkurses „Kochen für Männer“ statt, den der Genießer an der VHS Herne unter dem Motto „Kochen mit Kumpels“ gibt. Thema auch diesmal: die Ruhrgebietsküche. Der Kurs war ausverkauft. 15 kochbegeisterte Männer bewiesen sich an Herd, Schneidebrett und Spüle und hatten dabei ein Menge Spaß. Schließlich ging es um Gerichte, mit denen die Kumpels an der Ruhr groß und stark geworden sind. Und die schmecken den Männerköchen von heute immer noch.
Als Schmackofatz vorweg gab es eine Currywurst mit hausgemachter Sauce. Und da das Currysauce-Kochen kaum abendfüllend war, gab es noch eine Alternative dazu: eine Jägersauce. Der Pfiff dabei: Die Currysauce wurde u.a. mit Honig abgeschmeckt (Rezept hier), die Jägersauce mit Weißwein (Rezept hier). Als ersten Gang gab es die mittlerweile legendäre Linsensuppe des Genießers, die er auch schon für Mama gekocht hat (Rezept hier). Hauptgang war der Schlabberkappes, Weißkohl und Kartoffeln durcheinander mit Schweinebauch. Deftig und einfach lecker, wenn auch die richtige Würze des Gerichts für 15 + 1 Portion erst gefunden werden musste, weil das Rezept nur für vier ausgelegt war (Rezept hier).
Das Dessert gab’s im Doppelpack wie den Schmackofatz vorweg: Passend zum Herren-Koch-Abend erst eine niederrheinische Herrencrème, einen zum Schokoladenpudding umoperierten Vanillepudding (Rezept hier), dann ein westfälisches „Errötendes Mädchen“, einen Vanillepudding mit Preiselbeerkompott (Rezept hier).


Kochkurs: Der Pott kocht
Kochkurs, Teil II: Der Pott kocht