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Sonntag, 27. März 2011

Olivenöl: „Bio ist rausgeschmissenes Geld“


Provokant: Olivenöl-Experte Dr. Christian Gertz

Wie der Genießer im neuen Slow Food Magazin berichtet, veranstaltete schon vor ein paar Wochen das Slow Food Convivium Essen einen viel besuchten Informationsabend über Olivenöl. Zu Gast war Chemiedirektor Dr. Christian Gertz, der Leiter des Chemischen Untersuchungsamtes in Hagen und Träger der Wilhelm-Normann-Medaille, einer Art „Nobelpreis“ für Fettwissenschaftler. Das große Hobby des 62-Jährigen ist jedoch das Olivenöl. Er ist Mitglied des „Deutschen Olivenöl Panels“, das native Olivenöle auf ihre Güteklasse hin sensorisch zu analysieren.

Der Genießer verkostet Olivenöl. (Foto: Jürgen Brinkmann)

Dem Genießer imponierte besonders die unverblümte Direktheit, mit der Gertz kein Blatt vor den Mund nahm. Obwohl Gertz und seine Co-Sensoriker auch für die Stiftung Warentest, sieht er deren Gütesiegel-Vergabe mehr als skeptisch. „Ein gutes Olivenöl ist unter 10 Euro pro halbem Liter nicht zu haben“, sagte er.


Probieren geht über studieren: Slowfoodies beim Test (Foto: Jürgen Brinkmann)

Eine weitere Aussage war genauso provokativ: „Bio-Olivenöle sind rausgeschmissenes Geld.“ Pestizide oder chemische Dünger kämen auch im konventionellen Olivenanbau nicht zum Einsatz, so dass es kaum einen Unterschied gäbe. Schadstoffe können höchsten über das Fruchtfleisch in die Olive gelangen, wenn die Bäume etwa zu nah an Industrieanlagen oder Autobahnen stehen. Diesem Risiko unterliegen Bio-Pflanzen jedoch genauso wie konventionelle. Auch könnten häufig die Bio-Oliven nicht so schnell wie nötig in den Ölmühlen verarbeitet werden, und das würde sich negativ auf die Qualität auswirken. In den Tests schneiden deshalb Bio-Öle häufig eher schlecht ab.

Olivenöl von Jordan

Diese Behauptungen fand der Genießer jetzt bestätigt. Auf der „Kult(ur)-Weinmesse“ der Essener Weinhandlung Rolf Kaspar gestern auf Zollverein hatte auch der renommierte Olivenölhersteller Jordan einen stand, der in Griechenland produziert. Neben konventionellem Öl hat Jordan auch ein teureres Bio-Öl im Angebot. Unverblümt wurde den Kunden mitgeteilz, das dies aber das gleiche Produkt sei, nur teurer. „Wir produzieren seit eh und je biologisch“, erklärte der Kundenbetreuer, „und haben nur einen Teil der Olivenhaine zertifizieren lassen.“ Denn: „Wir wollen unser Olivenöl nicht teurer verkaufen als unbedingt nötig. Aber die Nachfrage nach Bio-Öl ist halt da.“

(Für Fans: „Gestern bei Mama“ fällt heute aus. Der Genießer war gestern auf der Weinmesse und konnte deshalb nicht kochen.)