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Samstag, 1. August 2026

Gourmetmeilen 2026: Weinfest „Food, Wine & Music“ im Essener Stadtgarten gestartet


Seit das Weinfest „Food, Wine & Music“ vor 13 Jahren das erste Mal stattfand (klick hier), war es ein wegweisendes Beispiel fürs Easy Living im sommerlichen Ruhrgebiet. Beschattet von den hohen Bäumen des Stadtgartens im Essener Südviertel waren die Stände von deutschen und internationalen Spitzenweingütern im Mittelpunkt, und der Weingenuss wurde beschwingt begleitet von den wohltemperierten Music-Acts des Essener Impresarios und ehemalige Gastronomen Igor Albanese. Und die kulinarische Grundlage fehlte natürlich auch nicht und bot eine kleine, aber feine Schnittmenge zur Gourmetmeile „Essen...verwöhnt“. Dass wunderte nicht, denn Veranstalter beider Veranstaltungen war der Weingroßhändler Rainer Bierwirth.

Und auch in diesem Jahr erfüllte das Weinfest im Stadtgarten alle Erwartungen, die ich bei meiner Stippvisite zur gestrigen Eröffnung hatte. Kurz vor 16 Uhr legten Rainer Bierwirth und sein Team noch letzte Hand an, damit auch alles klappen würde, von der Musikbühne ertönten die Klänge des Soundchecks, und der lauschige Weg hinter dem Sheraton Hotel füllte sich rasch mit Gästen. Elf Weingüter sind diesmal vertreten, vier Gastronomen sorgen fürs Essen und fünf Künstler und Gruppen über die drei Tage verteilt für musikalische Unterhaltung (für alle Infos klick hier).

Soundcheck mit Lauryn und Band

Und trotzdem, irgendwie spürte ich die Erosionen, die die (Freiluft-)Gastronomie in den letzten Jahren verändert haben. Das fängt beim Klimawandel an - immer muss man befürchten, die Veranstaltung könnte dem Extremwetter zum Opfer fallen. Vor den Corona-Wirren fand das Weinfest in der Regel am gleichen Wochenende mit dem „Kulinarischen Treff an der Ruhr“ in Mülheim statt, was mich notorischen Gourmetmeilenhopper häufig in Terminnot brachte. Doch in diesem Jahr liegen beide Veranstaltungen schön entzerrt wie zwei verlorene Inseln zwischen den anderen Gourmetmeilen der Saison. Die erste große Lücke im Juli war wohl noch der Fußball-WM geschuldet, mit der die Veranstalter nicht konkurrieren wollten, die zweite Lücke von jetzt an bis Ende August liegt aber schlichtweg daran, dass drei große Meilen in diesem Jahr ausfallen – neben je einer in Dortmund und Bochum auch die Große Schwester des Weinfestes „Essen...verwöhnt“ (klick hier).

Publikumsmagnet Foodtruck "Milina Pottglück"

Was mich zum großen Fan der Gourmetmeilen gemacht hat, ist, dass die die teilnehmenden Restaurants kein Streetfood machen, sondern ihre anspruchsvolle Restaurant-Küche auf die Straße bringen. Deswegen habe ich auch mit Argwohn beobachtet, dass sich im Laufe der Jahre immer häufiger Hamburger und Currywurst auf den Angebotskarten drängten. Diese ruhrgebietstypischen Streetfood-Gerichte kriegt man schließlich tagtäglich an jeder Straßenecke – wozu brauche ich da ein Gourmetfestival? Dass sie trotzdem ein Umsatzbringer sind, darf man den Gastronomen nicht vorwerfen, es liegt wohl an der normativen Kraft des Publikumsgeschmacks. Mir klingt noch der befreiende Ausruf eines Herrn in mittlerem Alter in den Ohren, den ich auf dem Weinfest gehört habe: „Ich weiß schon was ich esse: den Hamburger!“

Auf dem Weinfest steht schon seit längerer Zeit die Currywurst auf dem Speiseplan, ich erinnere mich da an die hervorragenden Produkte von „Ruhrfeuer“. In diesem Jahr ist es „Milina Pottglück“, der Pommeswagen des Rüttenscheider Kult-Restaurants „Bliss“, der die Weinfestgäste mit diesem „Modern German Street Food“ versorgt. Sich dem Unvermeidlichen hingebend, verschaffte sich der Genießer mit diesem Produkt vom Thüringer Duroc Schwein die nötige Grundlage für den weiteren Weingenuss.

Die Zukunft der Gourmetmeilen? 
Currywurst mit alkoholfreiem Wein (immerhin von Schloss Johannisberg)

Obwohl wäre das eigentlich nicht nötig gewesen wäre. Denn das diesjährige Weinfest stand im Zeichen einer weiteren gastronomischen Entwicklung, die den Genießer irritiert: alkoholfreier Wein. Und der müsste ja eigentlich auch auf nüchternen Magen bekömmlich sein.

Früher galt mäßiger Weingenuss ja durchaus als gesund, doch seit in die Weltgesundheitsorganisation empfohlen hat, Warnhinweise wegen der Krebsgefahr durch Alkohol auf die Flaschen zu drucken, ist die Nachfrage nach alkoholfreiem Wein deutlich gestiegen, zumal das Ganze auch noch von solchen Internet-Aktionen wie „Dry January“ sekundiert wird. So hat sich die unter wirtschaftlichem Druck stehende Weinwirtschaft in letzter Zeit sehr darum bemüht, alkoholfreie Weine, die auch noch schmecken, herzustellen. Dabei wird fertigen Weinen der Alkohol entzogen.

Weinfest-Veranstalter Rainer Bierwirth und Winzer Michael Beck 
präsentieren ihre alkohlfreie Weinlinie  "B&B Zero"


Weinfest-Veranstalter Rainer Bierwirth, der im Hauptberuf Weingroßhändler für Gastronomie und Handel ist, hat sich mit dem rheinhessischen Weingut Beck zusammengetan, und eine alkoholfreie Weinlinie in Rot, Rosé, aus Riesling und Sauvignon blanc und als Secco kreiert, die auf dem Weinfest erstmals vorgestellt wird. Im Gegensatz zu gängigen alkoholfreien Weinen, die recht teuer sind, sollen die Weine unter 10 Euro in den Einzelhandel kommen und Gastromen die die Möglichkeit bieten, preiswert glasweise auszuschenken.

Aber auch andere Weingüter sind mit alkohlfreien Weine vertreten, häufig als Sparkling Secco. Ich probierte allerdings nur die Stillweine, darunter den Riesling Gelblack, den das legendäre Rheingau-Weingut Schloss Johannisberg für das einschlägige Label Kolonne/Null herstellt, den alkoholfreien Biowein „Jederzeit Rosé“ aus Pinot Noir, Merlot und Portugieser vom Neuspergerhof in der Pfalz und den Blanc de Noir alkoholfrei auf Spätburgunderbasis vom Weingut Lamm Jung im Rheingau.



Schloss Johannisberg
Riesling Gelblack alkoholfrei
Deutlich erkennbarer Riesling




Weingut Neuspergerhof
Jederzeit Rosé alkoholfrei
Limonadige Cuvée




Weingut Lamm Jung 
Blanc de Noir alkoholfrei

Würzige Entdeckung

Ja, man konnte alle Weine sehr gut trinken, sie wiesen geschmackliche Tiefe und Vielfalt auf, man konnte z.T. sogar die Rebsorte erkennen. Am besten gefiel mir der Blanc de Noir von Lamm Jung mit seinen würzigen Kräuternoten. Dennoch fand ich alle Weine ziemlich süß, fast wie Limonade, und ich zweifelte doch, ob man so einen Geschmackserlebnis nicht auch ohne so einen Produktionsaufwand herstellen kann. (Ich musste daran denken, dass auf den Fotos zu meinen Rezepten hier im Blog häufig eine fotogene Rhabarberschorle die Rolle des Rosé ersetzt, die ich anschließend austrinke und die ein herrlicher Essensbegleiter ist).

Immerhin war die Vekostung so vieler Weine eine Art Genuss ohne Reue. Die kam erst auf, als ich die Pendants der Weine mit Alkohol probierte. Auf einmal war Körper und Tiefe da und trotz der Wohltemperiertheit eine anheimelnde Wärme. Und vor allem fühlte ich mich in einer Genusstradtion, die etwas Tranzendentes hat.


Zum Schluss spendierte mir Silke Lohn vom Weingut Lamm Jung
 ein Gläschen des herrlich lachsfarbenen Blanc de Noir Spätburgunder feinherb. Mit Alkohol.



Das Weinfest im Stadtgarten geht noch bis zum 2.8.2026. Essen-Südviertel, Stadtgarten, hinterm Sheraton Hotel, Huyssenallee 55. Alle Infos hier. 

Freitag, 24. Juli 2026

Gourmetmeilen 2026: Kulinarischer Treff an der Ruhr in Mülheim gestartet


Durch das frühe Aus der deutschen Mannschaft während der Fußballweltmeisterschaft war es eigentlich gar nicht nötig gewesen, die Ende Mai begonnenene und im Juni sporadisch fortgesetzte Gourmetmeilensaison 2026 so lange zu unterbrechen. Es gab ja keine Spiele mehr, die die Fans davon hätten abhalten können, die kulinarischen Freiluftveranstaltungen zu besuchen. Doch jetzt, mit dem Start der Sommerferien, ging die zweite Runde mit dem „Kulinarischen Treff an Ruhr“ los. Zu den weiteren Terminen dieser Saison klick hier.

In Mülheim zu Gast: Julia Mair von der Gärtnerei/Fleischerei in Essen 
und Yavuz Cagretekin vom La Turka in Düsseldorf

Mittlerweile ist die Spritztour nach Mülheim ein lieb gewonnene Tradition für uns geworden. Sie findet immer am ersten Tag der Veranstaltung statt, und wir sehen zu, dass wir sofort, wenn die Stände am Nachmittag öffnen, vor Ort sind. Dann, wenn die Mülheimer noch gar nicht richtig mitgekriegt haben, dass der „Kuli-Treff“ wieder los geht, ist die Meile unter den grünen Bäumen auf die Wiese an der Ruhr ein geradezu idyllisches, heiteres Gartenfest. Anders als etwa samstags oder sonntags, braucht man an den Ständen noch nicht großartig Schlange zu stehen, um etwas zu bekommen, und ein Plätzchen zum gemütlichen Essen ist auch noch leicht zu finden.



Heimspiel: Borislav und Vladimir Veselinov 
vom Spices 1822 in Mülheim

Insgesamt elf Gastronomien sind in diesem Jahr vertreten, darunter Mülheimer Schwergewichte wie das Walkmühlen-Restaurant und sein Ukraine-Zelt, Spices 1822 und Café Leonardo. Aus Düsseldorf lässt es sich La Turka nicht nehmen, sein Zelt aufzuschlagen. Früher hatte ich an dieser Stelle öfter mal darüber gelästert, dass so viele Essener Restaurants auf der Mülheimer Veranstaltung vertreten sind. In diesem Jahr aber, in dem „Essen...vewöhnt“ anscheinend endgültig zu Grabe getragen wurde (klick hier), stillt der Kulinarische Treff in Mülheim ein wenig die Sehnsucht nach den guten alten Zeiten. Immerhin sind vier Essener Veteranen mit von der Partie: das unverwüstliche Gummersbach, die Alte Metzgerei, Bliss und erstmalig die Gärtnerei/Fleischerei.

Bei angenehmen 23 Grad und bezauberndem Sonnenschein versuchten der Genießer und sein Slow-Food-Kollege Jochen, sich durch das Angebot zu futtern. Hier das Ergebnis unserer Gourmandise.

Kulinarischer Treff an der Ruhr
Mülheim, 23.7.2026 

 


Walkmühlen-Restaurant
Frische irische Felsenaustern mit Schwarzbrot und frischer Zitrone
3 Stck. 8 Euro
Schade, dass Kollegin Silke aus Dormund nicht dabei sein konnte. Diese Einstiegsmahlzeit wäre für sie obligatorisch gewesen. Allerdings, es gab nur Prosecco (4,50 Euro das Glas) dazu. Champagner scheint man als Austern-Begleitung nicht zu kennen.



Walkmühlen-Restaurant
Oktopus vom Grill
auf erfrischendem Salatbouquet 15 Euro
Fast schon Tradition bei unseren Besuchen auf dem Kulinarischen Treff. Auch diesmal war der Oktopus fantastisch gegrillt, sehr zart und auch knusprig, mit animierendem Rauch-Aroma. Mit den Beilagen eine üppige Hauptmahzeit, so dass man fast nichts anderes mehr brauchte.


Bliss
Pulpo-Tempura
Teriyaki-Rothohl / Wasabicreme
8 Euro
Tintenfisch auf japanisch im direkten Vergleich zur Walkmühle. Der Pulpo im knusprigen Tempura-Teig war schmelzend zart. Der mit Teriyaki-Sauce marinierte Rotkohl war im Gegensatz zur deutschen Tradition erfrischend unsüß und salzig. Ein schöne Vorspeise.



Bliss
Risotto von Fregola Sarda 
Ratatouille, Basilikum-Pesto und Parmesan
12 Euro
Im Bliss können sie nicht nur japanisch, sondern auch italienisch. Fregola Sarda sind kleine, kugelförmige Nudeln, die man wie Risotto kocht. Auf den ersten Blick exotisch, entpuppte sich der Teller als ein nur wenig irritierendes Nudelgericht.


Gummersbach
Jakobsmuscheln
Safransauce, Blattspinat, Noilly Prat
15 Euro
Wie der Oktopus im Walkmühlen- Restaurant, sind die Jakobsmuscheln bei Gummersbach ein alljährliches Muss. Diesmal ganz klassisch mit Safran und Wermut.



Gärtnerei/Fleischerei
Mini-Romanasalat-Herzen „Ceasar's Style“
mit Zitrone, Parmesan-Crisp, Rosmarincoutons
und knusprigem Feta und Erdbeere
8 Euro
Hezhaft-Pikante Geschmackskombi: Der Feta im knusprigen Yufka-Teig und gedörrte Erdbeeen ergänzten die saftig geschmorten Salatherzen.



Gärtnerei/Fleischerei
Onsen-Ei
mit dreierlei Blumenkohl und Trüffelschaum
11 Euro
Die butterweiche gaumenschmeichelnde Konsistenz des bei niedriger Temperatur langsam gegarten Eis und des pürierten Blumenkohls wurde von kackigen, fast rohen Röschen von rotem Blumenkohl konterkariert. Der Trüffelschaum sorgte für aromatischeTiefe.



La Turka
Lava Cake, Bourbon
Vanille-Eis, Waldfruchtspiegel
7 Euro
Der flüssig gefüllte Brownie und das Eis bildeten ein klassisches Dessert von orientalischer Baklava-Süße.



Hüftgold
Himmlischer Rhabarber
XL-Kugel Rhabarber-Eis auf marinierten Erdbeeren
7 Euro
Ein herrlich einfaches, erfrischend süß-saures Sommer-Dessert.

Der Kulinarische Treff an der Ruhr in Mülheim (Auf dem Dudel) geht noch bis 26. Juli. Alle Infos hier.

Zu den Terminen aller Gourmetmeilen im Ruhrgebiet 2026 klick hier.

Donnerstag, 25. Juni 2026

Gourmetmeilen 2026: „Dortmund à la carte“ gestartet


Die tropischen Temperaturen von weit über 30 Grad hinderten den Genießer nicht daran, sich dem flirrenden Asphalt der A40 hinzugeben und zur Eröffnung von „Dortmund à la carte“ zu düsen. Schließlich war das in diesem Jahr ein Pflichttermin. Aber nicht etwa, weil mit Alexander Kalouti ein neuer Oberbürgermeister beim traditionellen Fassanstich den Hammer schwang, sondern weil „Dortmund à la carte“, die unverwüstliche „Mutter aller Gourmetmeilen“, nach der Absage der „Gourmedo“ (klick hier) die einzig übrig gebliebene Veranstaltung dieser Art in Dortmund ist. Dass die auf schmalem wirtschaftlichen Grat balancierende „Gourmedo“ letztendlich keine Solidarität erfuhr, sondern zerschossen wurde, verstehen viele Genussfreunde in der Stadt bis heute nicht. Seit jeher standen beide Veranstaltungen in zickiger Konkurrenz zueinander, wobei die „Gourmedo“ den kulinarischen Anspruch plakativ hoch hielt, das traditionell volkstümlichere „Dortmund à la carte“ aber ganz schön aufholte. Für die Gäste war das natürlich äußerst komfortabel, und der kulinarische Standort Dortmund konnte eigentlich nur gewinnen. Es gab keine andere Stadt weit und breit mit zwei Veranstaltungen dieses Kalibers.


Dortmunds OB Kalouti schwingt den Hammer zum Fassanstich

Nun denn. Auf den schattigen Terrassen der zwölf Pop-Up-Restaurants (mit Bedienung!) und einiger weiterer Teilnehmer (alle Infos hier) war es gestern Nachmittag eigentlich ganz erträglich – wie es an der vorhergesagten 40-Grad-Grenze der nächsten Tage sein wird, kann ich jetzt nicht beurteilen. Ich hatte mich mit Silke von der Facebook-Gruppe „Mein kulinarisches Dortmund“ (klick hier) verabredet, ein Stückchen „Gourmedo“ auf „Dortmund à la carte“ zu suchen. Den Veranstaltern war es nämlich gelungen, mit dem „SchwarzGold“ das letzte verbliebene Dortmunder Sternerestaurant als Teilnehmer für ihre Gourmetmeile zu gewinnen, und die Auszeichnung war gerade am Tag zuvor für dieses Jahr bestätigt worden. Pierre Breckerling und sein Team hatten ein dreigängiges Menü im Angebot, und so bestand die einmalige Gelegenheit, einmal für schlappe 60 Euro auf dem extravaganten Sterne-Niveau des „SchwarzGold“ zu schlemmen. Weil sich auch einige weitere Facebook-Gruppenmitglieder eingefunden hatten, kamen mir auch eine paar weitere Gerichte vom „SchwarzGold“ vor die Linse.



"Mein kulinarisches Dortmund" trifft sich...


... zu Austern...



... und Cremant

Nach Oberbürgermeister Kaloutis durchaus gelungenem Fassanstich landete die ganze Gesellschaft im bewährten „Rodenberg 1770“. Hier gab es die obligatorischen Austern mit Cremant, an sizilianische Granità erinnernde Lillet-Slushis und allerlei köstliches Meeresgetier.



Der Genießer unterwegs (Foto Silke Albrecht)

Und langsam stieg der Urlaubsatmosphären-Level aus dem Hansaplatz sukzessive an. Doch bevor der Geräusche-Pegel Ballermann-Niveau erreichte, suchte der Genießer das Weite. Zwar verpasste er auch dieses Jahr wieder das Feuerwerk am späteren Abend, aber wer will, kann sich ja Silkes Posts auf „Mein kulinarisches Dortmund“ ansehen (klick hier). 

Der „Gourmedo“ auf „Dortmund à la carte“-Nachmittag
24.6.2026


SchwarzGold 
3 Gang Menü
60 Euro


Brot von der Naturbackstube Kreis
mit Rohmilchbutter und Brot Miso
Die Naturbackstube Kreis ist die Kultbäckerei in Dortmund.



Lachsforelle von Torsten Pistole
mit Aprikose, Garum und Karotte
„Hardcore Food“ nennt Torsten Pistole sein Feinkostgeschäft in Badbergen in der Nähe von Osnabrück. Wie das japanische Miso beim Brot vorweg sorgt hier Garum, die auf die alten Römer zurückgehende Sauce aus fermentiertem Fisch, für die Umami-Würze. 
Für die leckere Sauce hätte man sich einen Löffel gewüncht.



Golden Coin vom Vogelsberger Wagyu
mit Bergkäse, Mais und Japaleno
Zum Burger gwolft, hat das edle Wagyu-Rindfleisch auf Gourmetmeilen eine Art Inflation erlebt. Hier gibt es ein wunderbar zart geschmortes Stück Schulter des hessischen Erzeuger Vogelsberger. 
Auch hier hätte ein Löffel für die Sauce die Zeit im kulinarischen Himmel verlängert.



Himbeere vom Gärtnerhof Röllingsen
mit Perilla, weißer Schoki und Mandel
Perilla ist eine auch Shiso genannte Würzpflanze.
Mit dem Gärtnerhof Röllingsen in Soest haben wir bei der Himbeere wieder einen regionalen Erzeuger.




SchwarzGold
Hanse Garnele
mit Peperoni, Pistazie und Erbse
15, 90 Euro
Die in Geschmack und Konsistenz perfekten Hanse Garnelen stammen aus einer modernen Aquakultur in Norddeutschland.



SchwarzGold
Special des Tages
Australische Wintertrüffel, Fritten, Gruyère, Bratensauce
14,50 Euro
Naja, auch so kann Sterneküche von der Optik her aussehen. Aber alle, die davon genascht hatten, brachen in schieres Entzücken aus.



Rodenberg 1770
Tuna Tataki
kurz angebratener Thunfisch auf Algensalat, verfeinert mit einer Unagi Sauce und Pepper Drops
17,90 Euro

Eigentlich wird Unagi Sauce zu Aal gegessen, aber auch zum tadellos gebratenen Thunmfisch schmeckte sie herrlich.


Rodenberg 1770
Garnelenpfännchen Mediterran
mit Kräutern und knusprigem französischen Baguette
14,90 Euro
Die Garnelen waren zwar nicht so exklusiv wie die im „SchwarzGold“, aber von großartiger Konsistenz und beschworen Strand-Feeling auf.


Eiskalt: Lillet Slushi


Dortmund à la carte gent noch bis zum 28. Juni 2026. Alle Infos und Speisekarten (mit Preisen!) klick hier
 
Alle Gourmetmeilen im Ruhrgebiet 2026 klick hier 

Donnerstag, 18. Juni 2026

Gourmetmeilen 2026: Kulinarischer Altstadtmarkt in Hattingen gestartet



Matjeswaffel vor der Hattingia

Bei herrlichstem Sommerwetter startete gestern der Kulinarische Altstadtmarkt (KAM) in Hattingen. Letztes Jahr erlebte die traditionelle Veranstaltung nach dem Corona-Zusammenbruch ihre triumphale Wiedergeburt (klick hier); in diesem Jahr muss sie sogar das Erbe ihrer Schwester-Gourmetmeile „Bochum kulinarisch“ tragen, die aus Kostengründen abgesagt wurde (klick hier). Aber das tut der KAM mit Bravour. Die Feinschmecker aus dem Mittleren Ruhrgebiet kommen vor der idyllischen Fachwerkkulisse voll auf ihre Kosten – wenn die für das Wochenende vorhergesagte Hitzewelle ihnen den Appetit verdirbt.

Der erste Tag war für meinen Slow-Food-Kollegen Jochen und mich als eingefleischte Gourmetmeilenhopper ein Pflichttermin und entwickelte sich zu einer entspannten kulinarischen Urlaubsreise. Obwohl mir das Angebot in diesem Jahr etwas kleiner und gestraffter als zu vergangenen Gourmetmeilen-Hochzeiten vorkam, schafften wir es nicht, bei allen sechs teilnehmenden Restaurants etwas zu probieren. Hier also unsere subjektive Auswahl. 

Diergardts „Kühler Grund“
„Nordische Waffeln“
Herzhafte Waffeln in Nussbutter gebacken mit verschiedenen Auflagen

Das Angebot von Diergardts ist von genialer Einfachheit. Neben einer Pop-Up-Weinbar, die auf die zunehmende Nachfrage nach Getränken im heißen Sommer zu reagieren scheint, frischen Austern und den obligatorischen Erdbeertörtchen von der Herner Konditorei Wiacker, gibt es diesmal keine aufwändigen Wirtshausgerichte, sondern Streetfood der Spitzenklasse. Auf Waffeln aus einem pikanten Kartoffelteig gibt es vier veschiedene Auflagen, die ausgewogene, teils deftige, teils filigrane Geschmackskombinationen bieten. Wir probierten folgende Variationen:

Mit Matjes, Roter Beete, Brombeere & Sauerklee...


...und mit Shrimps, Dill & Zitrone. 
Beides ganz große Klasse.


Hotel & Restaurant Eggers
Unser Vitello
Gebackene Kalbsfleischbällchen / Thunfisch-Kapern-Mayonnaise / Rucola / getrocknete Tomaten / Pesto / Parmesan
Auch bei Eggers wird anscheinend nach dem Baukasten-Prinzip gearbeiet. Die Italo-Beilagen-Garnitur Rucola-Trockentomaten-Pesto-Parmesan gibt es sowohl beim „Vitello“ als auch beim „Paillard“. Ansonsten ist „Unser Vitello“ der witzige und äußerst schmackhafte Nachweis dafür, wie eng die urdeutschen Königsberger Klopse und das italienische Vitello tonnato miteinender verwandt sind. Zu beidem gehört eine weiße Kapernsauce, und das Fleisch stammt vom Kalb. In der Eggers-Version aber nicht als dünner Aufschnitt wie beim Italiener oder als geköchelter Klops wie im Gasthaus, sondern als gebackene Fleischbällchen. Leider wurde die feine Thunfisch-Kapern-Mayonnaise von der deftigen Salattunke, mit der der Rucola mariniert war, ziemlich überdeckt. 


Hotel & Restaurant Eggers
Paillard
Dünne Scheiben vom Ochsenrücken / Bratkartoffeln / getrocknete Tomaten / Rucola / Pesto / Parmesan
Paillard nennt man dünne Scheiben Rindfleisch, noch dünner als plattgeklopfte Schnitzel. Und weil sie so dünn sind, braucht es Fingespitzengefühl beim Braten, damit sie außen knusprig, innen aber noch rosa bleiben. Das war bei der Gourmetmeilen-Version von Eggers auch tatsächlich der Fall; gemeinsam mit den leckeren Brtakartoffeln bildeten sie eine ordentliche Portion. Allerdings dominierte auch hier wie bei den Vitello-Bällchen der sehr deftig marinierte Rucola der Beilage.


Haus Kemnade
Kemnader Krosse Krabbe
Krustentiere, Cocktailsauce, eingelegte Gurke, gebeizter Heilbutt, Krabbenknusper
Als ich dieses wunderbare Krabbenbrötchen vor mir hatte, hatte ich sofort vergessen, dass ich eigentlich etwas anderes erwartet hatte. Viel Krosses gab es eigentlich nicht, sondern dieser Küstenhappen war ein warmes softes Vergnügen, das den Gaumen sanft umschmeichelte.
 


An de Krüpe
Karamellisierte Kaiserscharrn
Rumrosinen, Apfelmus und Vanilleeis
Zusammen mit eine doppelten Espresso vom Bäckerei-Stand Löscher war dieser Kaiserschmarrn ein perfekter süßer Abschluss unseres Mahls.

Der Genießer mit Friedel Diergardt (Foto Jochen Hoss)

Der Kulinarische Altsatdtmarkt auf dem St.-Georgs-Kirchplatz in Hattingen geht noch bis zum 21. Juni. Zum Programmheft mit allen Infos hier klicken.

Samstag, 6. Juni 2026

Gourmetmeilen 2026: "Castrop kocht über" ist als zweite Veranstaltung der Saison gestartet


Wer bei „Castrop kocht über“ gemütlich essen will, muss früh Hunger haben. Denn das Spektakel auf dem Marktplatz in der Castroper City ist sozusagen ein Zwei-Komponenten-Freiluft-Event. Nachmittags kann man es durchaus als Gourmetmeile bezeichnen, vom frühen Abend an ist es aber ein Musik-Festival, das die Massen anzieht.

Schnell essen, ...

... bevor die Baschallung beginnt

Also beeilten sich am Fronleichnamstag der Genießer und seine Freunde Jochen und Christian, um noch vor Beginn des lauten Musikprogramms etwas auf die Gabel zu bekommen. Die Speisekarten der acht teilnehmenden Gastronomien waren meist zweigeteilt. Hauptsächlich fanden wir dort Musik-Begleitendes wie Flammkuchen, Tacos oder Hamburger, doch dafür waren wir nicht von Herne, Bochum und Hamm angereist. Wir versuchten, uns aus dem restlichen Angebot ein paar hübsche Gerichte heraus zu suchen. Das, was wir zwischen Regenschauern, Sonnenschein und Platz-Beschallung vor dem großen Publikumsansturm probieren konnten, war zwar nicht besonders originell, schmeckte insgesamt aber ganz prima. Es dominierte saisongemäß natürlich der Spargel. Aber spätestens, als die Rock'n'Roller von Dougie & the Blind Brothers mit ihrem Soundcheck begannen und die wummernden Bässe uns auf den Magen schlugen, suchten wir das Weite.


Im Glas ein trockener Grauburgunder



Unser Ruhe vor dem Sturm-Menü
Castrop kocht über, 4.6.2026




Parkbad Süd
Beckenrand Klassiker – ein Stück Parkbad-Geschichte
Shrimp Cocktail / Russisches Ei / Schinken-Spargel-Röllchen / Zucchini-Lachs-Röllchen / Brot und Butter

Das Parkbad Süd ist sicherlich eines der profiliertesten Restaurants in Castrop-Rauxel und hatte noch das originellste Angebot. Hinsichtlich seiner Geschichte als Schwimmbad, in dem einst der gleiche volkstümliche Trubel herrschte wie heute bei „Castrop koch über“, gab man sich historisch-kritisch und ließ mit der bunten Vorspeisenplatte „Beckenrand-Klassiker“ die 1970-er Jahre aufleben. Großhandels-Fachmann Christian, mit den Geheimnissen konfektionierter Kost vertraut, maulte zwar herum, dass das Russische Ei keine richtiges Russisches, sondern nur ein hart gekochtes Ei mit Fake-Kaviar war. Jochen und ich erinnerten uns aber an Mutterns Geburtstagsbüffets von früher und ließen uns alles mit Wonne schmecken.


Hof Menken
2 panierte Spargelröllchen
mit gekochtem Schinken und Käse gefüllt, dazu Sauce Hollandaise

Hof Menken ist mit seinen Hofläden (einer auch in Bochum), dem Frühstücks- und Mittagsangebot sowie ausgwählten Menüveranstaltungen eine traditionsreiche regionale kulinarische Adresse in Castrop-Rauxel. Der Saison gemäß widmet sich sein Angebot auf „Castrop kocht über“ dem Spargel. Für den kleinen Hunger war dieses Gericht gar nicht so übel. Was so aussieht wie ein großes Fischstäbchen, waren panierte Spargelstangen. Die waren allerdings etwas faserig.



Hof Menken
Kräutercrepe gefüllt mit Stangenspargel und Kochschinken,
dazu Sauce Hollandaise
Lohnenswerter als die panierten Spargelröllchen war der Kräutercrepe, der mit einer größeren Spargelportion gefüllt, aber auch entprechend teurer war. Der Spargel war gut geschält, gegart und saftig, Schinken und Sauce Hollandaise, die stark an das Produkt eines bekannten Convenience-Herstellers erinnerte, waren identisch mit der panierten Version.



Hof Menken
Bunter Spargelsalat
mit Radieschen, Frühlingslauch und Ei in Kräuter-Senf-Dressing
Mit der Portionsgröße war Christian sehr zufrieden, er hätte sich aber beim „bunten“ Spargelsalat auch noch grünen gewünscht und dafür weniger Lauchwiebeln. Das fein gehobelte Ei ging in der Marinade geschmacklich unter.



Haus Hölter
Gegrillter Saibling
mit sautiertem weißem Spargel vom Hof Sanders, Drillingen und Orangen-Basilikum-Sauce

Haus Hölter gehört ebenfalls zu den Spitzenrestaurants der Region und hatte mit dem Saibling sicherlich eines der handwerklich schwierigsten Gerichte auf dem Programm. Das Grillen auf der Haut war, jedenfalls am frühen Nachmittag, sehr gut gelungen. Die Haut war knusprig, das Fischfleisch schön saftig und auf dem Punkt. Raucharoma vom Grillen war allerdings kaum auszumachen, die Würze kam erst, als man es mit der Haut der der netten Sauce gemeinsam aß.



Haus Hölter
Spießbraten
mit Krautsalat, Baguette und Senf
Die ordentliche Scheibe Spießbraten war saftig und hatte den typischen fleischigen Geschmack. Der Krautsalat war angenehm abgeschmeckt, aber ohne Pfiff.

„Castrop kocht über“ geht noch bis zum 7. Juni. Infos zum Musikprogramm und Speisekarten klick hier.