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Montag, 4. August 2025

Gourmetmeilen 2025: GourmeDo, der letzte Tag

Gänsemarsch zum Genuss

Am gestrigen Sonntag, dem letzten Tag der GourmeDo, war das Wetter endlich so, wie es sich die Gourmetmeilen-Macher gewünscht haben. Ein angenehm laues Lüftchen säuselte über den Dortmunder Friedensplatz, der Himmel war von verhaltenem Blau ohne knalligen Sonnenschein, und vor allen Dingen regnete es nicht. Und so verbrachte der Genießer noch einmal mit seinem Kollegen Christian einen entspannten Nachmittag auf der GourmeDo – jedenfall so lange, wie im Bühnenbereich unter dem Magic Sky das GourmeDuell lief, der Kochwettbewerb, der erstmalig in diesem Jahr im Rahmen der Veranstaltung stattfand. Erst als ihm die Beats des DJs, der anschließend für die anscheinend unabdingbare Partystimmung sorgte, zu sehr auf den Magen schlugen, suchte er das Weite.



Ein Bierchen vom Meilen-Sponsor



Rosé Ca dei Frati


Zentrales Genussanliegen war natürlich das Menü des Sterne-Gastkochs Sven Nöthel vom Duisburger Restaurant Mod, den ich schon aus der Zeit kenne, als er noch auf der bezaubernden, längst verblichenen Essener Stadtteil-Gourmetmeile „Schönebeck is(s)t gut“ auftischte (klick hier). Leider war Sven persönlich nicht anwesend  Aber er wurde von seinem Souschef Timo Baaske würdig vertreten. 

Souschef Tim Baaske vom Mod

Sterne-Menü vom Mod by Sven Nöthel
3.8.2025, GourmeDo



Lachsforelle Mosaik
Aprikose/Schwarzer Tee/Honig/Radieschen
17 Euro

Die Sushi-artig präsentierte Lachsforelle wurde mit den süßen Aromen von Aprikose und Honig aufgeladen, deren spitze Lieblichkeit mit der gerbstoffhaltigen Rauheit des schwarzen Tees konterkariert wurde. Mir gefiel die Kombination recht gut; später durfte ich an der Portion eines weiteren Gastes mitnaschen, der allerdings vermutete, der Fisch habe einen Stich gehabt.



Geschmorte Rinderbrust
Pflaume/Sellerie/Haselnuss
19 Euro

Das Fleisch war von einmaliger Zartheit, und die kundenfreundlich dimensionierte Portion der lang eingekochten Sauce veranlasste Freund Christian zu der Bemerkung, dass man sich dafür wesentlich mehr „Trägermaterial“ gewünscht hätte, um sie komplett vom Teller aufzunehmen. Bei der Deutlichkeit, mit der man den Schriftzug des GourmeDo-Sponsors „Hövels“ von dem den Tisch überspannenden Sonnenschirm darin erkennen konnte, gab dem Begriff „Saucenspiegel“ eine ganz neue Bedeutung.



Weiße Schokolade
Brombeere/Karamell/Walnüsse
10 Euro

Die Tatsache, dass das Dessert auf einem gekühlten Teller serviert wurde, zeigt, dass man auch auf einer Gourmetmeile High-End-Gerichte servieren kann. Die weiße Schokoladenspirale hätte vielleicht etwas schokoladiger und etwas weniger cremig sein können, doch die Frucht-Nuss-Begleitung bündelte die Aromen eines Waldspaziergangs.



Was sonst noch gegessen wurde.


SYGHT
Pulled Mushroom
Austernpilz/Avocado/Tomatensalsa

8 Euro
Ein veganes Juwel, das herzhafte Umami-Töne mit fruchtig-süßen Sommeraromen verband. Ein wahres Vergnügen.



SYGHT
Yuzu
weiße Schokolade, Basilikum, Passionsfrucht
7,50 Euro

Exotik pur auf dem Teller, und das Basilikumeis war erfrischend experimentell.



Goldbar by Vetro
Tranche vom Filet Wellington
Black Angus/Selleriepüree/glasierte Karotten/Rotweinjus
18 Euro

Filet Wellington ist eine Gastro-Klassiker aus dem 19. Jahrhundert, der wegen seines Aufwandes in der heutigen Gastronomie kaum nach angeboten wird. Das Fleisch wird mit einer Pilzfarce bestrichen und dann noch mit einem Teigmantel versehen. Umso erstaunlicher war es, dass dieses Gericht auf einer Gourmetmeile angeboten wurde, und dann noch so perfekt und mit gelungenen Beilagen.
Benannt ist das Filet Wellington nach einem Feldherren aus den Kriegen gegen Napoleon und diente ursprünglich dazu, das Fleisch der in den Schlachten gefallenen Pferde der Offiziersverpflegung zuzuführen. Eine würdevolle Ergänzung dazu wäre der Kuchen „Napoeleon“ vom Delikat gewesen; doch den hatten wir schon an den Tagen zuvor gehabt
(klick hier).

Sonntag, 3. August 2025

Gourmetmeilen 2025: Der zweite Tag auf GourmeDo




April-Wetter auf der GourmeDo

Auch der zweite Tag, den der Genießer auf der GourmeDo verbrachte, war von wechselhaftem April-Wetter geprägt. Zum Teil heftige Schauer zwangen die Gäste unter die Schirme an den Ständen oder den futuristischen Magic Sky, der mit seinem ausladendem Wetterschutz den Dortmunder Friedensplatz während der Gourmetmeile überspannt.

Zugegeben, die Gastronomen hätten sich wohl mehr Betrieb gewünscht, aber meinen Genussfreunden Jochen, Christian und mir war das genussfreudige Reizklima nur recht. Es herrschte eine gelassenene Atmosphäre, man fand genügend Sitzplätze, und auch die Temperaturen waren angenehm. Und so oft regnete es nun auch nicht.

Am Sterne-Stand

Es ist ja ein raffiniertes Kalkül der GourmeDo-Macher, interessierte Feinschmecker immer wieder auf die Gourmetmeile zu ziehen, indem sie täglich ein anderes Sternerestaurant als Gast präsentieren. Amt Starttag waren es Marcel Förster und Jaspar Wcislo vom Agata's in Düsseldorf, die mit ihren feinziselierten Gerichten in Degustationsgröße überraschten (klick hier). Am Folgetag begann unser Nachmittag mit dem Menü des zweiten Gastkoches Tim Extra vom Sterne-Restaurant Apicius in Bad Zwischenahn. Hier überraschte mich, dass die drei Gänge aus der hochdekorierten Spitzenküche nicht nur eine feinste Aromenvielfalt auf den Teller brachten, sondern zusammen auch ein richtig üppiges Mittagessen ergaben. Über zu kleine Portionen brauchten wir uns jedenfalls nicht zu beklagen.



Menü von Tim Extra
4.8.2025, GourmeDo


Filet vom schottischen Lachs
Zitrone/Ponzu/Pastinake
17 Euro

Der leicht geräucherte Lachs war saftig und zart und ging mit den sommerlich-leichten säuerlichen Aromen eine wunderbaren Symbiose ein.



Kikok Mais Hähnchen Brust
Pfirsich/Bohne/Sellerie/Rauchmandel
19 Euro
Die Hähnchenbrust, immerhin vom in der Gastronomie hochgeschätzten Kult-Mastbetrieb Kikok, war von sättigender Bürgerlichkeit. Sterne-Raffinesse kam von der Aromenkombination von Sauce und Beilagen.


Banane
Kokos/Passionsfrucht
10 Euro

Aus der eher schweren Süße der Banane wurde ein wunderbar leichtes süß-saures Dessert destilliert.


Eigentlich schon gut gesättigt, überwältigte uns anschließend Tetyanas Gastfreundlichkeit am Stand des Delikat. Sie servierte uns gleich noch einmal vier Gerichte und ein Dessert, die wir wegen ihrer Üppigkeit getrost brüderlich teilen konnten. Die kräftig gewürzten Kreationen von Küchenchef Pawel, eine temperamentvolle Kombination verschiedenster internationaler, mediterraner und osteuropäischer Einflüsse, passte hervorragend zum wechselhaften Wetter. Kam die Sonne heraus, fühlte man sich wie am Mittelmeer, regnete es, fühlte man sich geborgen wie bei Muttern


Das delikate Zeugs vom Delikat
3.8.2025, GourmeDo
Der Genießer bedankt sich für die Einladung.


Garnelen Tatar
Avocado/Parmesanchips-Millefeuille
Eine sommerliche Kombination, die dunkle Wolken vertreibt.



Getrüffelte Arancini
schwarze Knoblauch Aioli
Ein Gruß aus Szilien, kräftig und sättigend.


Ochsenbäckchen
Blumenkohlcreme/Marsala-Demi-Glace/konfierte Schalotte
Ein wahres Weihnachtsessen. Das Fleisch wunder zart geschmort und dennoch von deftiger Festigkeit, die Sauce fast schokoladig.



Kohl-Tetraltogie VEGAN
vierfache Interpretation vom Kohl
Kohlrabi-Steak/Rotkohlcreme/marinierte Pak Choi/Kohlensaft-Kaviar

Die vegane Kohl-Tratolgie war wohl der experimentellste Gang. Witzig die Kaviarperlen aus Kohlsud. Das Kohlrabi-Steak hätte ich mir weicher gewünscht.


Napoleon
Zum Dessert passte nur noch der Napoleon vorn, eine russiche Torte aus Rührteig und Kondensmilch-Crème.


Zum guten Schluss des Nachmittages gab es noch ein paar Süßigkeiten.

 

Miss Mai
Prinzessin Yu's Traum
Yuzu-Törtchen/weiße Schokoladen-Mousse/Matcha-Keks-Krümel
8 Euro


Trattoria Linguini
Amalfi Zitronensofteis
Softeis aus sizilianischen Amalfi-Zitronen
6 Euro

Sehr erfrischend. Aber eher ein Zitronen-Sorbet aus dem Softeis-Spender. Und dass Amalfi auf Sizilien liegt, war mir auch neu. Es waren wohl sizilianische Zedrat-Zitronen. (Besserwisser brummelnd ab.)

GourmeDo geht noch bis Sonntag, den 3.9.2025. Alle Infos hier. 

Zum Bericht vom Eröffnungstag klick hier 

Freitag, 1. August 2025

Gourmetmeilen 2025: GourmeDo eröffnet

Denis Brown, OB Thomas Westphal und 
Sebastian Schalkau eröffnen die GourmeDo


Pünktlich zur Eröffnung der GourmeDo auf dem Friedensplatz in Dortmund setzte gestern eine Art Aprilwetter mit gelegentlichen Regenschauern ein, die den Gastronomen der Gourmetmeile, die noch den Starkregen am letztjährigen Eröffnungstag in Erinnerung hatten, ein ängstliches Runzeln auf der Stirn hervorrief, die Gäste, die so langsam eintrudelten, aber an Urlaube auf Sylt oder Norderney erinnerten. Auch der Dortmunder OB Thomas Westphal zeigte sich gut gelaunt. Immerhin hatte er sein trockenes Büro auf ein Stößchen Hövels verlassen, um mit den Veranstaltern Sebastian Schalkau und Denis Brown auf die Gourmetmeile zu Füßen seine Rathauses anzustoßen.

Aprilwetter am Eröffnungstag

Seit ihrer Wiedergeburt vor zwei Jahren ist die GourmeDo sofort zu jener Spitzenveranstaltung dieser Art im Ruhrgebiet geworden, die sie auch schon vor der Corona-Pause war. Und obwohl sich in deisem Jahr bei der Organisation des Events einige Änderungen ergeben hatten, stehen die Chancen – Wetter hin, Wetter her – ganz ausgezeichnet, dass es in diesem Jahr wieder so wird. Daniel Östreich ist aus der Organistaion ausgeschieden und macht jetzt seinen eigenen gastronomischen Stiefel, aber Sebastian Schalkau und sein neuer Partner Denis Brown haben ein Kulinarik- und Unterhaltungsprogamm auf die Beine gestellt, das dem der letzten beiden Jahre in nichts nachsteht. Insgesamt sind 19 Gastronomien am Start.

GourmeDo-Sterne: Gastköche Marcel Förster (vorn) und Jaspar Wcislo vom Agata's in Düsseldorf

Für das GourmeDo-Sterne-Zelt konnten sie drei Gastköche mit der Michelin-Auszeichnung gewinnen, die täglich wechselnd ein High-End-Menü anbieten. Am gestrigen Donnerstag war das Marcel Förster mit seinem Team vom Agata's in Düsseldorf, am heutigen Freitag und morgigen Samstag ist es Tim Extra vom Apicius in Bad Zwischenahn und am Sonntag Sven Nöthel vom Mod in Duisburg. Und auch den Abgang des Dortmunder Traditions-Sternekochs Michael Dyllong, der jetzt auf der anderen örtlichen Gourmetmeile „Dortmund à la carte“ fest verankert ist, wurde prima verkraftet. Anstelle von seines The Stage tischen nun die Kollegen vom Essener Sternerestaurant Hannappel an einem eigenen Stand auf.

So wurde mein erster Besuch auf der GourmeDo am gestrigen Eröffnungstatg zu einem Trip durch die Sternegastronomie. Nach dem Gast-Menü vom Agata's beim Presseempfang gab es einen Abstecher nach Hannappel, und dann kehrten wir noch im Widu ein, dem Restaurant des Hotels Wittekindshof, wo es auf, ich möchte sagen, durchaus gleichwertigem Niveau weiterging. Ein paar Sweeties gab es schließlich noch im Delikat.

Trip zu den Sternen,
GourmeDo, 31.7.2025




Agata's
Forelle
Rübchen │Buttermilch
Beide Gänge des Agata's sind in ewas üppigerer Form auch ganz regulär im Restaurant im Düsseldorf zu bekommen. Die Vorspeise war eine wunderbar frisches Sommergericht, das das Aprilwetter rundum vergessen machte. Die kaum spürbar angeräucherte Forelle, die zarte Säure der Buttermilch und die pikanten Spitzen abgerundete Zubereitung von Kohlrabi und anderen Rübchen zergingen auf der Zunge.
Der Genießer bedankt sich für die Einladung.



Agata's
Secreto
Mais│Yuzu
Auch der Fleischgang stammte von der Restaurant-Karte des Agata's. Secreto ist ein besonderer Cut vom Schwein und überzeugte von seiner herzhafte Zartheit. Der Mais war mit der asiatischen Zitrusfrucht Yuzu gesäuert, als Reminiszenz an die japanische Küche in Düsseldorf, der Heimat des Agata's.
Der Genießer bedankt sich für die Einladung.



Agata's
Ananas
Espresso│Mojito

Das Dessert war das ideale Gegenstück zum Forellengang des Entrees. Fruchtig-frisch vereinigte es alles, was man sich zum Nachtisch wünscht: Obst, Kaffee und Cocktail.
Der Genießer bedankt sich für die Einladung
.



Hannappel
Garnelencarpaccio
Tomate│Erdbeere│Zitrone 
14 Euro
Wie die Forelle im Agata's, war dieses Garnelencarpaccio eine frisch-fruchtige Verbeugung vor dem Sommer. Besonders pikant: die Kombination von Tomate und Erdbeere.



Hannappel
Cod en Bleau
Brioche│Remoulade
16 Euro

Was für ein Wortspiel: Nicht Cordon Bleu (womit dieses Gericht gar nichts zu tun hat), sondern Cod en Bleau ist der Name dieses außergewöhnliche „Fischbrötchens“. In einer geröstenen Scheibe Brioche-Stuten steckte ein saftiges Filet von Kabeljau, dazu gab es eine aromatische Remoulade mit marinierten roten Zwiebeln und zarten Gürkchen-Würfeln. Himmlisch.



Widu
Garnelen Mosaik & Iberico Bauch
Sweet Chili│Kimchi│Sellerie│grüner Apfel
14 Euro

Ein Gericht, dass sich mit den Sterne-Gerichten durchaus messen konnte. Aus den Garnelen hatte die Küche zarte Sushis gebastelt, und der Bauch vom Iberico-Schwein war herzhaft gegrillt. Dazu eine überraschende Beilagen-Kombi.



Widu
Gegrillter Thunfisch & Tatar „Sizilianische Art
Süßkartoffel│Tomate│Pimientos de Padron│Tramezzini
16 Euro

Ein großartiges Thunfisch-Steak mit wunderbaren mediterranen Beilagen, bei denen die Bezichnung „Sizilianische Art“ allerdings etwas zu kurz greift. Aber das sollte kaum stören.




Delikat
Getrüffelte Arancini
schwarze Knoblauch Aioli
9 Euro
Sizilianisch-herzhaft ging es dann aber beim Delikat weiter.




Widu
Pawlowa
Baiser│Chambord Sorbet│Beeren│Vanillecreme
10 Euro
Ein Dessert vom feinsten Pawlowa ist eine Baiser-Zubereitung aus Neuseeland, die nach einer russischen Tänzerin benannt ist. Chambord ist ein ein fruchtig-süßer Likör, aus dem hier ein sommerliches Sorbet zubereitet wurde.




Delikat
Pralinen und Torten
Die pikanten Schokoladen-Pralinen und üppigen Torten vom Delikat waren ein mächtiger Abschluss des Nachmittages.



Hitzefrei
Affogato – Espresso auf Vanilleeis
5 Euro


GourmeDo geht noch bis Sonntag, den 3.9.2025. Alle Infos hier. 
Zum Bericht vom zweiten Tag klick hier

Sonntag, 4. August 2024

Tag 2 und 3 auf der Gourmedo 2024: Schwimmen im Trubel und der Mut zur Lücke


Letztes Jahr, als die Dortmunder Gourmetmeile „Gourmedo“ nach der Corona-Zwangspause und einem Betreiberwechsel ein grandioses Comeback erlebte, war der Genießer ja von der Veranstaltungsreihe „Gourmedo-Sterne“ so begeistert. An jedem Tag des Festivals kochte ein anderer Sternkoch aus NRW zwei Gerichte, so dass man sich einen tollen Überblick über den State of Art der gehobenen Küche im Land machen konnte. (Und Lokalmatador Michael Dyllong vom „The Stage“ hatte ja auch noch seinen eigenen separaten Stand.) Das Anstrengende daran war: Ich musste jeden Tag von Bochum nach Dortmund düsen, um in den Genuss dieser Köstlichkeiten zu kommen.

Auch in diesem Jahr traten bzw. treten wieder vier „Gourmedo-Sterne“ an, aber ich glaube nicht, dass ich diesmal alle vier schaffe. Heute, an Tag 4 der „Gourmedo“, muss ich mir mal ein Päuschen von der Innenstadt-Schlemmerei gönnen, und dabei leider den Auftritt von Laurin Kux vom „Brust oder Keule“ in Münster verpassen. (Nachtrag: Zur Entspannung auf das gleichzeitig stattfindende Weinfest „Food, Wine & Music“ im herrlich grünen Essener Stadtgarten zu fahren, habe ich leider auch nicht mehr geschafft).

Der Magic Sky auf dem Friedensplatz

Mit den Gerichten von Anthony Sarpong von „Anthony’s Kitchen“ in Meerbusch, der auch neuerdings für die Küche im Haus Phoenixsee in Hörde zuständig ist, Marcel Kokot, einem Chef aus dem „Troyka“-Team in Erkelenz, und Eric Werner vom „astrein“ in Köln war ich in den letzten drei Tagen allerdings auch sehr gut bedient. Entsprachen die beiden Gänge von Anthony Sarpong, ein Lachs-Tatar mit schaumiger Chorizo auf einer japanischen Brotspezialität und die überraschende Kombination Gezupfte Ente auf Wassermelone (wobei der ebenfalls mit einem Grünen Michelinstern ausgezeichnete Küchenchef auch die Fruchtabschnitte zu einer dekorativen Schnecke aus Melonenmus verarbeitete und so vor dem Wegwerfen rettete; Fotos davon klick hier) noch den gängigen Vorstellungen von Sterneküche, überraschten die beiden anderen Köche mich durch eine Deftigkeit, als wollten sie sich den Gepflogenheiten auf der Veranstaltung in der Westfalen-Metropole anpassen. Bei den Fischgängen gab es kräftig dicke Tranchen, und die beiden anderen Gänge, eine georgische Teigtasche bzw. Königsberger Klopse, waren herzhafte magenfüllende Mittagessen, bei denen allerdings die Farbgebung extravagant ins Auge stach (Einzelkritik siehe unten).



Der Genießer im Gespräch mit Sternekoch Eric Werner
Foto: Silke Albrecht

Bei der weiteren Schlemmerei war ich froh, dass ich nicht alleine unterwegs war. An Tag 2 auf der „Gourmedo“ sekundierte mir auf bewährte Weise Kollege Christian, und Tag 3 verbrachte ich mit den Freunden der Facebook-Gruppe „Kulinarisches Dortmund“, bei denen ich mitnaschen durfte. Ich weiß nicht, was mich mehr beeindruckte: Die Ausdauer, mit denen die Dortmunder die Leckereien auf sich zukommen ließen, oder die Unermüdlichkeit, mit der sie sich der bei dem fabelhaften Wetter der immer höher brodelnden Atmosphäre zwischen Urlaubsort-Promenade und Freibad auf dem Friedensplatz hingaben. Ein systematischer Überblick auf das, was auf der „Gourmedo“ im Angebot war, kam da leider nicht bei heraus. Zum Stand von Miss Mai kam ich leider nicht mehr. Und angesichts der Schlangen, die bei Michael Dyllongs „The Stage“ anstanden, vereichtete ich diesmal auf die beiden herausragenden Risotto-Gerichte, die ich noch vom letzten Jahre unvermindert intensiv auf der Zunge hatte. Eine schöne Zusammenfassung der „Gourmedo“ kann man allerdings auf Facebook in Silkes Post nachlesen klick hier.

Tag 2 und 3 auf der Gourmedo
1. und 2. August 2024, Friedensplatz Dortmund




Gourmedo-Stern Marcel Kokot, Troyka


Marcel Kokot, Troyka
Chinchali
Georgische Teigtasche, Kartoffel-Borschtsch-Espuma, Zedernholz-Zwiebel-Crumble (14 Euro)
Das leuchtende Pink stammt von der Roten Bete, dem Hauptbestandteil der russischen Suppe Borschtsch, die die Sauce für die Teigtasche abgab. Die wiederum sättigte mit einer Menge Teig, die eine schmackhafte Spinatfüllung umgab.



Marcel Kokot, Troyka
Hausgebeizter Ora King Lachs
Moscow Mule Vinaigrette, armenische Gurke (16 Euro)

Witzige Interpretation des Vodka-Cocktails Moscow Mule, der mit Gurke serviert wird. De Lachstranchen deftig dick und mundfüllend.




Gourmedo-Stern Eric Werner, astrein


Eric Werner, astrein
Gegrillter Schwertfisch
Gelierte Tomaten Essenz, Rucola Pesto, Fenchel, Sauce Rouille (14 Euro)

Eine gehörige Portion Fisch mit wunderer Zutaten-Kombi. Doch hätte der fast rohe Fenchel nach meinem Geschmack mehr der Konsistenz des Fisches angeglichen sein können.



Eric Werner, astrein
Königsberger Klopse
Spinat Cream, Gemüse, Duftreis, Kapern, Salzzitronen, Velouté, Wildkräutersalat (16 Euro)

Die Herausforderung der Gourmedo: Die Vielzahl der Zutaten weist auf eine eigenwillige Sterne-Küchen-Interpretation des Klassikers hin; leider ging dabei eine animierende Säure unter. Unter der grünen Hülle verbargen zwei mächtige, etwas trockene Klopse.




TAPA und Delikat
Oktopus
Süßkartoffel-Püree, Chipotle-Mayo (16 Euro)

Das Essen von Tanja und Pawel von den Restaurants TAPA und „Delikat“ ist immer eine sichere Bank. Der Oktopus war zart, die Mayo brachten den nötigen Pep.




TAPA und Delikat
Garnelen Tatar
Avocado, Parmesanchip-Millefeuille (15 Euro)

Irgendwie auch ein Burger. Erfrischend exotisch, saftig und knusprig.




TAPA und Delikat
Ochsenbäckchen
In Wein glasiert, Schalotten, Blumenkohlcrème (16 Euro)

Perfekt geschmortes Fleisch, das auf der Zunge zerging.



Schönes Leben
Shakshuka Tomaten
Tomaten, Burrata, Rucola (11,90 Euro)

Etwas anstrengend war es, am äußerst beliebten und mit überlaufenden Stand von „Schönes Leben“ sein essen zu ergattern. Zur klassischen Shakshuka gehört eigentlich Ei, stattdessen gibt es hier die einfacher zu handhabende Burrata-Kugel.





Quiro
Tomahawk vom Duroc-Schwein
Bratkartoffel, Salat (16 Euro)

Der Neuzugang „Quiro“ brachte gleich ein absolutes Spitzengericht auf die „Gourmedo“. Ein perfekt gegrilltes Riesenkotelett vom Duroc-Schwein. Es lohnte sich, ein extra Tranchiermesser an der Theke zu bestellen (und vielleicht auch noch ein Schälchen Salz). Denn von dem Kotelett konnten gut und gerne 4 Personen satt werden.



Quiro
Thunfisch Carapccio
Zucchini, Sesam, Soja (12 Euro)

Ich hatte erfrischende Säure erwartet, weil ich die gelben und grünen Zucchinistreifen für Zitruszesten gehalten hatte. Doch leider wurde dann alles von der Bitterkeit der Sojasauce ertränkt.




Labsal
Gebeizte Fjordforelle
Fenchel, Blumenkohl, Sauce Rouille (11 Euro)

Ein schönes Stück Fjordforelle, aber der Sauce Rouille gebrach es an der wichtigen Zutat Knoblauch.

Gourmedo – Festival der Kulinarik. Friedensplatz, Dortmund. Noch heute. Infos hier.