Freitag, 11. Juni 2021

Neu in Dortmund-Wickede: La Vida


"La Vida"-Chef Frank Jülich übt sich am Pata negra

Der erste gastronomische Pressetermin nach der pandemiebedingten monatelangen Pause bescherte dem Genießer glatt so etwas wie einen Urlaubstag - und das nicht etwa, weil er ihn in die Nähe des Dortmunder Flughafens lockte. Der Stadtkern der Westfalenmetropole hat samt Nordstadt ja durchaus manchmal großstädtischen Berliner Flair, doch die im Lauf der Industrialisierung eingemeindeten Dörfer ringsum wirken heute immer noch wie muckelige Kleinstädte. Wer sich mit Auto oder Überlandstraßenbahn (Linie U43) in den fernen Osten der Stadt aufmacht, landet schließlich in Dortmund-Wickede. Dort gibt es an der schnurgeraden, aber belebten Mainstreet, die hier Wickeder Hellweg heißt (wie sonst!) irgendwann eine Art Marktplatz, der seit Anfang Juni durchaus die Ferienatmosphäre einer Plaza zwischen mallorquinischen Hotelneubauten atmet.





Patron Frank mit Küchenchef Sunil

In den Räumlichkeiten, in denen der „Grill Store“ als „größte Pommebude Deutschlands“ reüssieren wollte, hat sich jetzt die Dortmunder Gastro-Legende Frank Jülich einen Traum erfüllt. Der ehemalige Chef des „Alten Marktes“ in der Innenstadt und der Dico „Laufsteg“, nach eigenen Worten „zu jung für die Rente“, eröffnete hier das Restaurant „La Vida“, in dem der das „Beste aus Spaniens Küche“ auftischen will. Dass ihm das auch gelingt, dafür sorgt Küchenchef Sunil. Ursprünglich aus Sri Lanka stammend, hat er lange in Restaurants auf Mallorca gearbeitet und zaubert jetzt eine frische spanische Urlaubsküche auf die Teller, die über ein reines Tapasangebot hinausgehen soll.


Vorweg hausgemachte Mojo-Saucen und Aioli

Das kleine Pressemenü, das er für Silke von der Facebook-Seite „Mein (kulinarisches) Dortmund“, Tom vom Restaurantführer „Dortmund geht aus“ und den Genießer vorbereitet hatte, ließ nichts zu wünschen übrig. Bei herrlichstem Sommerwetter überzeugten die gemischte Tapasplatte (2 Personen 39,50 Euro), Mallorquinische Feuermuscheln (15,80 Euro), Paella Valenciana (pro Person 16 Euro) und zum Schluss ein mit süßer Kondensmilch zubereiteter Café con leche. Dazu gab‘s Sangria nach Hausrezept und vorweg das herzhafte Landbrot von der Bäckerei nebenan mit hausgemachten Mojo-Saucen und Aioli. Schöner kann ein Spanienurlaub in Dortmund nicht sein.




Sangria nach Hausrezept


Gemischte Tapasplatte

Mallorquinische Feuermuscheln

Paella Valenciana

Café con leche

La Vida. Wickeder Hellweg 93, 44319 Dortmund. Tel. 0231/97767740. Mo-Fr ab 15 Uhr, Sa und So ab 12 Uhr. www.lavida-dortmund.de

Der Genießer bedankt sich für die Presseeinladung.

Sonntag, 6. Juni 2021

Venedig auf dem Südbalkon: Würfel-Carpaccio von Thunfisch und Wassermelone mit pink-farbenem Prosecco

Enthält WERBUNG


Im Jahr 1950 erfand der legendäre Barkeeper Giuseppe Cipriani für eine Stammkundin von „Harry’s Bar“ in Venedig eine Diätspeise, indem er hauchdünn aufgeschnittenes rohes Rindfleisch mit der Universalsauce des Hauses marinierte. Aufgrund der tiefroten Farbe des Rindfleisches benannte er das Fingerfood nach dem venezianischen Renaissancemaler „Carpaccio“. Unter diesem Namen wurde es schnell ein Klassiker in der italienischen Antipastiküche.



Venedig durch die rosa Brille gesehen

Das Schicksal wollte es, dass ich von dem Wein- und Spirituosenproduzenten Sandro Bottega aus dem Veneto ein Falsche Prosecco zugeschickt bekam, eine Kreation aus der weißen Glera-Traube und dem roten Pinot Noir, deren exzentrische Farbe Pink in der typisch Mischung aus venezianischer Eleganz und modischem Kitsch changiert. Zu dieser perlend-fruchtigen Versuchung ein klassisches Rindfleisch-Carpaccio wie aus Bottegas Prosecco-Kochbuch zu machen, schien mir doch etwas zu heavy. So surfte ich ein wenig im Internet herum und ließ mich schließlich von einem Rezept für Thunfischsalat mit Melone und vor allem von dem Instagram-Foto eines britisch-australischen Küchenchefs von einem Gericht mit den gleichen Zutaten inspirieren. Läge Venedig in Südamerika, könnte man das Gericht glatt als Ceviche bezeichnen. Allerdings befreite ich meine Version eines Thunfisch-Wassermelonen-Carpaccios von der optischen Perfektion der Gourmetküche und integrierte es in die zu meinem unegalen Fingern besser passende urbane Landhausküche meines Südbalkons im westfälischen Ruhrgebiet.


Leider bescherte mir der Wettergott keinen venezianischen Sonnenschein, denn pünktlich zum Fotografieren bezog sich der Himmel und hüllte alles in eine eher ruhrgebietstypisch gräuliche Atmosphäre. Aber die verschiedenen Rottöne beißen sich auf den Bildern immer noch herrlich - und geschmeckt hat es mir ganz ausgezeichnet.


Rezept: Würfel-Carpaccio von Thunfisch und Wassermelone mit pink-farbenem Prosecco

Angaben für 1 Portion

125 g Thunfischsteak in bester Sushi-Qualität
evtl Olivenöl
125 g Wassermelone
1 Stück Bio-Schlangengurke
1 Bio Limette

Für die Marinade:
Oliven- oder Sesamöl
Colatura oder asiatische Fischsauce
Sojasauce
Zucker
Limettensaft
Pfeffer aus der Mühle
Fleur de Sel
1 EL Sesamkörner, in einer Pfanne geröstet
1 Stück Ingwer
Minze- und Korianderblättchen, gehackt

Thunfisch und Wassermelone möglichst präzise in 13 bzw. 12 1 cm große Würfel schneiden. Man sollte nur superfrischen Thunfisch nehmen. Ist man sich nicht sicher, die Thunfischwürfel in Öl einige Sekunedn auf zwei gegenüberliegenden Seiten anbraten. Dabei achten, dass der Kern die rote Farbe nicht verliert.
Aus Öl, Sojasauce, Fischsauce, Limettensaft und Zucker eine Marinade herstellen. In 2/3 der Marinade die Thunfischwürfel darin mindestens eine Stunde marinieren lassen.
Bio-Schlangengurke und Bio-Limette in hauchdünne Scheiben hobeln oder schneiden. Auf einen großen Teller auslegen. Die marinieretn Thunfischwürfel und die Melonenwürfel darauf zu einem Quadrat im Schachbrettmuster anrichten. Mit der restlichen Marinade beträufeln. Mit Klarsichtfolie abdecken und noch einmal 1 Stunde im Kühlschrank ziehen lassen.

Zum Anrichten Folie entfernen. Pfeffer aus der Mühle darüber geben. Mit geröstetem Sesam bestreuen. Ingwer darüber reiben. Mit gehackten Minze- und Korianderblättchen bestreuen.

Dienstag, 1. Juni 2021

Saison auf dem Balkon: Bandnudeln mit Maiwirsing à la Ziegenfrischkäsecrème, gegrillten Pfirsichen, Pistazien und Granatapfelkernen (vegetarisch)

Von den Maibock-Steaks von vorgestern (klick hier) war noch Wirsing übrig geblieben, und so machte ich mich an dieses Resteessen. Ich finde, diese vegetarische Variante stellte das ursprüngliche Gericht glatt in den Schatten Und im Frühsommerlicht war es auch optisch eine Sensation!



Rezept: Bandnudeln mit Maiwirsing à la Ziegenfrischkäsecrème mit gegrillten Pfirsichen, Pistazien und Granatapfelkernen


3 Handvoll Wirsing, in feine Streifen geschnitten
1-2 Knoblauchzehen
Rapsöl
Pfeffer, Salz, Zucker
geriebene Koriandersaat, gerieben Muskatnuss
etwas geriebenen Ingwer
2 EL Ziegenfrischkäse
Bandnudeln
Salz
2-3 weiße Plattpfirsiche

Rapsöl in einer großen Pfanne erhitzen. (Wer will, kann etwas fein gewürfelten Pancetta darin auslassen). Knoblauchzehen und Wirsing hineingeben. Mit Zucker, Salz, geriebener Koriandersaat und Muskatnuss würzen und kräftig anbraten. Eine halbe Tasse Wasser dazu geben, Deckel auflegen und den Wirsing schmoren lassen, bis er so weich ist, wie man ihn haben möchte.

In der Zwischenzeit eine Grillpfanne erhitzen. Die Pfirsiche entkernen und in 1 cm dicke Scheiben schneiden. Pfirsichscheiben in der Grillpfanne grillen.

Ebenfalls in der Zwischenzeit die Bandnudeln nach Packungsvorschrift in Salzwasser al dente kochen. Wenn sie gar sind, mit einem Schaumlöffel in tropfnass die Pfanne mit dem Wirsing geben und umrühren. Ziegenfrischkäse dazugeben, umrühren und etwas Ingwer darüber reiben. Alles kurze Zeit schmoren lassen. Evtl. mit Nudelwasser geschmeidig machen. Zum Anrichten Bandnudeln mit Wirsing auf vorgewärmte Teller geben, gegrillte Ofirsichscheiben darauf geben und mit Pistazien und Granatapfelkernen bestreuen. Pfeffer aus der Mühle darüber geben.


Frühsommer auf dem Südbalkon