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Sonntag, 12. April 2026

Frühlingslust: Tarte Tatin vom grünen Spargel. Vegetarisch mit Morcheln oder Orangen. Traditionell mit luftgetrocknetem Schinken.



Eigentlich sind diese Rezepte ein Resteessen. Zu Ostern hatte ich nach langer Zeit mal wieder Pasteis de nata gemacht (klick hier), und da blieben nach dem Ausstechen des tiefgekühlten Fertig-Blätterteigs, den ich diesmal verwendete, einige Reste übrig. Gut verstaut in einer Tupperdose hielten die sich im Kühlschrank erstaunlich gut, und so kam ich auf die Idee, sie aufzubrauchen. Ich hatte nämlich auf Instagram ein Filmchen gesehen, in dem witzige Spargel-Tartes Tatin zubereitet wurden, die nicht rund, sondern spargelstangenlang waren. Das wollte ich nachmachen.

Die Zutaten: Pfeffer, Fleur de Sel, Honig, Öl, Spargel, Eigelb, Ziegenkäse, Blätterteig


Denn auch die anderen Zutaten waren nach meinem Geschmack. Ebenfalls von Ostern trocknete auch noch ein Bund grüner Spargel im Gemüsefach vor sich hin. Leicht verschrumpelt, wie die Stangen waren, hätten sie auf dem Teller keine bella figura gemacht; verbacken in eine Tarte waren sie aber noch bestens zu genießen. Und dann Honig und Käse von der Ziegenrolle, alles schnell und simpel verarbeitet – was wollte ich mehr. 

Das Garen der Spargelstangen unter der Teighaube erinnerte mich zudem an ihre Zubereitung in Alufolie Folie (klick hier) - nur, dass man hier die Ummantelung mitessen konnte. 


Fleur de Sel, Pfeffer, Öl und Honig 
auf ein Backpapier verteilen.


Spargel darauf legen. 


Es folgt der Ziegenkäse


Mit Blätterteig bedecken.
 
Mit Eigelb bestreichen.
 

Bei 180 Grad backen.

 
Fertig.

Im Original werden die fertigen Tartes mit Räucherforelle garniert. Ich nahm mir vor, sie zu vegetarisieren und verwendete zur Abrundung Morcheln und Orangen. Und für Traditionalisten hatte ich auch etwas luftgetrockneten italienischen Schinken im Kühlschrank, aus dem ich kleine Röschen formte.

Heraus kamen drei wunderbare Frühlingsgerichte.


Rezept: Tarte Tatin von Grünem Spargel (Grundrezept)


Zutaten pro Portion:
3-4 Stangen grüner Spargel (geht natürlich auch mit weißem), je nach Dicke
50 g (1 Platte) TK-Blätterteig aufgetaut
Fleur de Sel, gern mit Chili aromatisiert
Pfeffer
Rapsöl
2 TL Honig
4-5 kleine Scheiben Ziegenkäse (Ziegenrolle), 3 Millimeter dick
1 Eigelb
Schnittlauch

Backofen auf 180 Grad vorheizen.
Ein Backblech mit Backpapier belegen.
Grünen Spargel ggf. schälen, weißen auf alle Fälle.
Aufgetauten Blätterteig durchkneten und zu einem dünnen Rechteck ausrollen, das 2 cm länger und breiter ist als die nebeneinender gelegten Spargelstangen.
So lang wie die Spargelstangen sind, eine Spur aus Fleur de Sel und Pfeffer darauf streuen. Rapsöl und Honig darüber träufeln. Die Spargelstangen darauf legen, dann die Ziegenrollenschiben darauf verteilen.
Alles mit Blätterteig bedecken. Die Ränder sorgfältig unter den Spargel schieben. Mit Eigelb bestreichen und den Teig einstechen.
30 Minuten bei 180 Grad backen.
Wenn die Tartes schön braun sind, aus dem Ofen nehmen. Mit einer langen Palette vorsichtig wenden und mit feingeschittenem Schnittlauch garnieren.


Variation mit Morcheln:

Pro Portion 2-3 Morcheln, frisch
Sesamöl
1 TL Sesamkörner
2 TL Butter
2 TL Mehl
Etwas Sahne
Pfeffer, Salz

Spargel-Tarte Tatin zubereiten, aber Sesamöl benutzen.
In der Zwischenzeot frische Morchen halbieren und 8 Minuten blanchieren. Abgießen und das Blanchierwasser aufbewahren.
Aus Mehl und Butter eine Mehlschwitze herstellen, mit Blanchierwasser und Sahne auffüllen und einkochen lassen, bis es nicht mehr nach Mehl schmeckt. Sauce mit Pfeffer und Salz abschmecken.
Morcheln mit ein paar Sesamkörnern in Sesamöl anbraten.
Mit der Sauce auf einem Teller einen Spiegel herstellen. Tarte darauf platzieren und mit den Morchelhälften und Sesammkörnern garnieren.


Variation mit Orangen:

1 Biorange

Spargel-Tarte Tatin herstellen.
Orange in dünne Scheiben schneiden. Scheiben in einer Grillpfanne leicht angrillen.
Tarte mit angegrillte Orangenscheiben garnieren und mit etwas Orangensaft beträufeln. Mit Schnittlauchröllchen garnieren.


Variation mit Schinken:

Aus luftgetrocknetem Schinken kleine Röschen herstellen und damit die Tartes garnieren. Mit Schnittlauchröllchen bestreuen.

Donnerstag, 9. Februar 2023

Urbane Landhausküche: Tarte Tatin von der Möhre mit Piment d’espelette und Ziegenfrischkäse-Honig-Thymian-Dip (vegetarisch)


Und wieder war es ein Foto auf Instagram, das mich zu einem kulinarischen Bastelnachmittag anregte. Diesmal ging es um eine Tarte Tatin von der Möhre, eine Idee, die mich sofort begeisterte. Anstelle der karamellisierten Äpfel, die beim klassischen, mit dem Teig oben auf den Früchten gebackenen und dann gestürzten Kuchen der Geschwister Tatin Verwendung finden, waren es hier karamellisierte Möhren, was dem Ganzen ein großartige pikante Note gab.

Darüber hinaus war es aber die optisch gelungene Präsentation, die mich inspirierte. Erstens war das Ganze eckig anstatt rund, wie man es bei einer Tarte vermuten sollte. Und statt ganze kleine Möhren zu verwenden oder dickere in runde Scheiben geschnittene, waren hier dicke Möhren zu länglichen dünnen Planken aufgeschnitten und auf der Seite stehend angeordnet, so dass sie fertig gebacken und gestürzt die blättrige Struktur des als Teigboden fungierenden, aufgegangen Blätterteigs widerspiegelten. Also: Herausforderung angenommen. 

Zutaten: Möhren, Zwiebel, Zucker, Honig, Blätterteig, Piment d'espelette

Teiggrundlage sollten handelsübliche Tiefkühlblätterteigplatten sein, die eine Seitenlänge von 13 Zentimeter haben. Um der ganzen Sache die nötige Form zu geben, wär es schön wäre es gewesen, wenn ich einen Dessertrahmen in dieser Größe gehabt hätte. Aber ich musste mich mit einem runden Eisenpfännchen von 16 Zentimeter Durchmesser begnügen. Also schnitt ich die aufgetauten Teigplatten auf 10 Zentimeter zurecht, sodass ich ohne anzuecken in die Pfanne passten.

In gleichmäßige Planken geschnittene Möhren

Ich hatte mir mehrere dicke, gerade gewachsenen Möhren besorgt, die ich zu quadratischen, ca. 1,5 Zentimeter dicken Bohlen von ebenfalls 10 Zentimetern Länge zurecht schnitt. Diese Bohlen schnitt wiederum sorgfältig in 2 Millimeter dicke Planken. Damit die optische Wirkung des Ganzen erhalten blieb, entschloss ich mich, diese Planken nicht direkt in der Pfanne zu karamellisieren, sondern kurz zu blanchieren und das Karamell separat herzustellen. Das geschah, indem ich in relativ viel Butter eine fein geschnittene Zwiebel weich dünstete und dazu noch Honig und Zucker gab und mit Pfeffer und Salz würzte. Für eine feine Schärfe sorgte Piment d’espelette, das Chili-Pulver aus dem Baskenland.

Eckige Tarte im runden Pfännchen, bevor der Blätterteig drüber kam.

Mein Pfännchen präparierte ich so, indem ich ein Stück Backpapier rund zuschnitt, dass es den Boden bedeckte. Darauf verstrich ich etwas Honig, und gab Thymianblätter und etwas Salz darauf. Hierauf konnte ich nun eng nebeneinander die blanchierten Möhrenplanken festkleben und seitwärts mit zwei langen Möhrenverschnittstücken stabilisieren. Darauf gab ich die gedünsteten Zwiebeln und goss die überschüssige Butter langsam darüber, damit sie zwischen die Planken sickern konnte. Zum Schluss legte ich zwei Platten Blätterteigplatten darüber und backte das Ganze ca. 20 Minuten, bis der Blätterteig aufgegangen und schön gebräunt war. Stürzen ließ sich das Ganze dann recht einfach, denn wegen des Backpapiers blieb nichts kleben. Die Stabilsierungsstützen an den Seiten konnte ich problemlos wegnehmen (und aufessen).

Dazu machte ich noch einen Dip aus Ziegenfrischkäse, Honig und Thymian und hatte damit einen chicen, leckeren Snack. Mehr als eine Portion hatte ich allerdings nicht fertig gebracht, denn es waren gar nicht genug Möhren da. Was ich unterschätzt hatte: beim Zurechtschneiden blieb eine Menge Verschnitt übrig. Doch den verputzte ich einfach roh zwischendurch.


Rezept: Tarte Tatin von der Möhre
1 Portion

2 TK-Blätterteigplatten, 13 cm im Quadrat
3 dicke Möhren, 13 cm lang
1 kleine Zwiebel
Honig
Zucker
50 g Butter
Piment d’espelette oder Paprikapulver edelsüß
Salz, Pfeffer

Blätterteigplatten auftauen.
Möhren zu quadratischen Balken von 1,5 Zentimeter schneiden.
Blätterteig und Möhrenbalken auf eine für die Form (kleine Pfanne) passende Länge schneiden.
Zwiebel in feine Streifen schneiden.

Möhrenbalken in gleichmäßige, 2 Millimeter dicke Planken schneiden und 2-3 Minuten in kochendem Salzwasser blanchieren. Unter kaltem Wasser abschrecken.

Ein Stück Backpapier zurechtschneiden, dass es den Boden der Form bedeckt. Das Papier dünn mit Honig bestreichen und etwas salzen und mit Piment d‘espelette bestreuen Die Möhrenplanken mit den schmalen Seiten dicht an dicht darauf setzen und etwas festkleben, damit sie nicht umfallen. Seiten eventuell mit Möhrenverschnitt abstützen.

Butter in einer zweiten Pfanne auslassen und die Zwiebeln darin weich dünsten. Honig, wenig Zucker und etwas Salz dazugeben und alles karamellisieren lassen. Die Zwiebelstreifen auf den Möhrenplanken verteilen, überschüssige Karamellbutter langsam darüber gießen, damit sie zwischen die Planken sickern kann. Mit Piment d’espelette bestreuen. Alles mit zwei aufgetauten Blätterteigplatten belegen und nach Packungsvorschrift 20 Minuten im auf 210 Grad vorgeheizten Ofen backen, bis der Teig aufgegangen und braun geworden ist.

Aus dem Ofen nehmen, etwas warten und auf einen Teller stürzen. Backpapier von der Oberfläche abziehen, Stabilisierungsstützen an den Seiten entfernen.

Für den Dip:
2 EL Ziegenfrischkäse
1 TL Honig
1 TL Rapsöl
Thymian
Pfeffer, Salz

Ziegenfrischkäse, Honig und Rapsöl miteinander verrühren, mit Thymian, Pfeffer und Salz würzen.

Weitere Tarte-Tatin-Rezepte auf Genussbereit
Tarte Tatin mit Birnen klick hier
Tartelette Tatin von der Roscoffzwiebel klick hier
Tarte Tatin Surprise nach Yotam Ottolenghi klick hier
Tarte Tatin Surpise frei nach Yotam Ottolenghi mit Tomaten, Kartoffeln und Spargel klick hier

Dienstag, 25. Mai 2021

Pfingstschmaus 2021: Tarte Tatin Surprise mit karamellisierten Kartoffeln und Spargel (vegetarisch)


Mein Lieblingsrezept aus dem vegetarischen Kochbuch von Yotam Ottolenghi gehört die Tarte Tatin „Surprise“ (klick hier und hier). Die besteht aus karamellisierten Kartoffeln und Tomaten sowie Ziegengouda und wird unter einer Blätterteighaube wie die berühmte Apfel-Tarte der der Schwestern Tatin gebacken und zum Servieren gestürzt, so dass der Teig nach unten auf den Teller kommt. Ottolenghi würzt das Ganze auf italienische Art mit Oregano.


Gefüllt..
.

...gebacken...

...gestürzt.

Mir kam der Gedanke, diese Überraschungs-Tarte mit Spargel zu machen. Dabei veränderte ich kurzer Hand das Rezept entsprechend und vereinfachte den Karamellisierungsvorgang. Vor allem ersetzte ich den Oregano als Würzkraut durch Französischen Estragon. Heraus kam ein wunderbarer vegetarischer Pfingstschmaus, zu dem prima eine Rhabarberschorle schmeckte.


Rezept: Tarte Tatin Surprise mit karamellisierten Kartoffeln und Spargel

500 g kleine Kartoffeln (Drillinge)
1000 g Spargel
4 Cherrytomaten.
100 g Ziegengouda in Scheiben
1-2 Zwiebeln
2-3-Zweige Französischer Estragon
1 Packung TK Blätterteig
Rapsöl
Zitronensaft
Zucker
Salz, Pfeffer
Butter

TK-Blätterteig aus der Kühlung nehmen, auspacken und die Platten auftauen lassen.

Kartoffeln in gut gesalzenem Wasser in der Schale gar kochen. Abkühlen lassen, pellen und in 5 mm dicke Scheiben schneiden.

Spargel schälen. Köpfe abschneiden, die Stangen in 2 cm lange Stücke schneiden. Zwiebeln in dünne Ringe schneiden. Cherrytomaten halbieren.

Rapsöl in einer Pfanne erhitzen. Spargelstücke darin anbraten, mit etwas Zucker und Salz würzen. Einige Spritzer Zitronensaft dazugeben und bei geschlossenem Deckel 2-3 Minuten schmoren. Sie sollten noch knackig sein. Kurz vor Schluss die Spargelköpfe dazugeben und mitschmoren. Spargel aus der Pfanne nehmen.
Evtl. etwas Rapsöl nachgießen und die Cherrytomatenhälften anschmelzen, ohne dass sie die Form verlieren. Dabei mit Salze und etwas Zucker würzen. Ebenfalls heraus nehmen.
Zwiebelringe in der gleichen Pfanne braun braten, evtl. Öl nachgießen. Mit Zucker und Salz würzen.

Eine Tarte- oder Springform mit Backpapier auskleiden. Boden kräftig einbuttern und mit Zucker und Salz bestreuen. Mit den gekochten Kartoffelscheiben belegen. Großzügig pfeffern und salzen. Spargelstücke, Cherrytomatenhälften und Zwiebelringe darauf verteilen. Estragonblätter von den Stängeln streifen, etwas hacken und darüber streuen. Mit Ziegengoudascheiben belegen, bis alles bedeckt ist. Dann alles mit aufgetauten Blätterteigscheiben belegen, bis alles bedeckt ist.

Ofen auf 220 Grad vorheizen. Tarte 25 Minuten backen, Ofen auf 180 Grad herunterschalten und noch einmal 15 Minuten backen.

Tarte herausnehmen, etwas abkühlen lasse und auf eine Tortenplatte stürzen. Form abheben und Backpapier entfernen.

Tarte in Stücke schneiden und mit etwas Ziegenjoghurt servieren.


 

Sonntag, 1. Oktober 2017

Erntedankfest-Jause auf dem Balkon: Tartelette Tatin von der Roscoff-Zwiebel, Manouri mit Zwetschgenmarmelade von Tanja Leis und Salice Salentino


Enthält WERBUNG

Am heutigen Erntedankfest zeigte sich der Oktober von der goldensten Seite, und das wunderbare Licht, das die warme Frühherbstsonne verbreitete, forderte eine nachmittägliche Jause auf dem Balkon geradezu ein. Da traf es sich wunderbar, das der Paketbote vor ein paar Tagen ein Päckchen mit Pröbchen aus der Feinkostmanufaktur von Tanja Leis in Stuttgart (klick hier) gebracht hatte. Tanja produziert Marmeladen, die zum Käse gereicht werden sollen, und schickt sich an, das Ruhrgebiet vertriebstechnisch zu erobern. So gibt es die pikanten Fruchtaufstriche schon in Klöcker’s Kaas-Kate in Essen-Werden und in einigen Restaurants der Region. Aber anders als bei ähnlichen Produkten, kommt sie bei ihren handwerklich hergestellten Käsemarmeladen ohne Senf aus.

Käsemarmeladen von Tanja Leis

Bei der Auswahl von Holunderblüte, Himbeere, Kirsche, Weinbergpfirsich und Aprikose fiel mit besonders die Zwetschgenzubereitung auf. Die schien bestens dazu geeignet, endlich die Zwiebel-Tarte-Tatin, die ich neulich Blog lamiacucina (klick hier) entdeckt hatte, nachzukochen. Auch da wird eine Zwetschgenzubereitung als Beigabe empfohlen, allerdings selbst gemacht. Aber warum nicht das fertige Produkt ausprobieren?

Zutaten: Roscoffzwiebeln,
brauner Rohrzucker, Gewürzmischung

Allerdings verließ ich für meine Tartelttes Tatin das Rezept ein wenig und benutzte Zutaten, die ich im Haus hatte. Statt roter Tropea-Zwiebeln aus Italien nahm ich die rosafarbenen Roscoff-Zwiebeln aus Frankreich und würzte sie nicht mit Würzsalz für helles Fleisch, sondern mit einer dunkleren Gewürzmischung, die ich mir einmal nach einem Rezept von Alfons Schuhbeck zusammengestellt hatte (klick hier) und die prima zu Zwetschge passte. Und ich fügte noch etwas Manouri-Käse dazu, doch davon später.

Für den Boden der Tartelettes bereitete ich erstmals Blätterteig selbst zu. Es war einfacher als ich dachte. Ich nahm nur die Hälfte der im Ursprungsrezept angegegebenen Zutatenmengen, was lässig für 10 Tartelettes reichte. Es hätten auch zwölf werden können, aber so viele Zwiebeln wollte ich nicht aufschneiden.

Ideale Mischung: Manouri, Tartelette Tatin,
Zwetschgenmarmelade, Rotwein

Fehlte also noch der Käse. Dabei verließ ich mich auch meinen Käsedealer Karsten, der mir zur Pflaumenmarmelade Manouri empfahl, eine Art griechischen Ricotta aus Molke von Schafsmilch. Den aß ich nicht nur dazu, sondern fügte ihn auch beim Backen der Tartelettes zwischen Zwiebelscheibe und Boden. Der Schritt zum Salice Salentino war dann nicht weit, bekanntermaßen ein Lieblingswein des Genießers. Er stammt aus Apulien, sicherlich aufgrund ihrer geografischen Lage eine der griechichsten Provinzen Italiens. Ich fand im Keller noch eine Flasche des Jahrgangs 2009 von Leone de Castris, bei der aufgrund ihrer Reife die rustikalen Trockenpflaumen-Aromen der Negroamaro-Trauben besonders gut zu Geltung kamen – besser konnte es gar nicht sein.

So entstand eine Erntedankfest-Jause, die ihresgleichen sucht. Die Zwetschgenmarmelade zum Käse erwies sich zwar als ziemlich säuerlich, was aber gut zum Wein passte, der als echter Italiener auch über eine beachtlich Säure verfügte. Idealerweise wurde das dann ausgeglichen durch den braunen Rohrzucker, mit dem die Roscoffzwiebeln der Tartelettes karamellisiert waren.


Rezept: Tartelettes Tatins von der Roscoffzwiebel
Ergibt 10 – 12 Stück

Blätterteig:
125 g gesiebtes Mehl
125 g Quark
120 g kalte Butter, in kleine Würfel geschnitten
1 Prise Salz

Alle Zutaten mit dem Teigschaber vermischen und ganz sanft zu einem Teig verarbeiten. Nicht viel kneten. Zwei Teigrechtecke 10x20 cm daraus formen, in Folie einschlagen und im Kühlschrank eine Stunde ruhen lassen.
Nach einer Stunde die Teigrechtecke zu mindestens doppelter Größe ausrollen. Von den kurzen Enden her zusammenlegen, so dass drei Lagen entstehen. Etwas zusammendrücken, wieder in Folie einschlagen und eine halbe Stunde ruhen lassen. Wieder ausrollen, wieder zusaammenlegen und -drücken und wieder ruhen lassen.. Je öfter man diese „Tour“ wiederholt, umso feiner wird der Blätterteig. Für unser Gericht reicht aber einmaliges Tourieren.

Zwiebeln:
2 große und 1 kleine Roscoffzwiebeln
Pfeffer
Gewürzmischung aus Piment, Nelken, Korianderkörnern und Zimt
Salz
40 g brauner Rohrzucker
40 g Butter
Thymian, Rosmarin
Butter für die Form
Pro Tartelette 1 TL zerkrümelter Manouri

Die Zwiebeln schälen und in etwa 1 cm dicke Scheiben schneiden. Salzen, Pfeffern und mit der Gewürzmischung würzen. In einem großen Topf Wasser mit ein paar Thymian- und Rosmarinzweigen zum Kochen bringen, einen Dämpfeinsatz einsetzen. Die Zwiebelscheiben darauflegen und bei geschlossenem Deckel 10 Minuten Deckel dämpfen, bis sie weich sind.
Für das Karamell den Zucker in einer Pfanne schmelzen, bis er Blasen wirft. Die Butter unterrühren.
10 bis 12 Vertiefungen in einer Muffinform ausbuttern. Jeweils mit zwei TL Karamell füllen, mit etwas Thymian würzen und jeweils eine gedämpfte Zwiebelscheibe darauf legen. Darauf jeweils einen TL zerkrümelten Manouri verteilen.
Die ausgeruhten Blätterteigstücke so groß ausrollen, dass man jeweils 5 – 6 Teigböden mit einem Glas ausstechen kann, das die Größe der Muffinformen. Jeweils einen Teigboden auf die Zwiebelscheiben legen und einstechen.
Alles bei 200 Grad Umluft 12 Minuten backen, bis der Teig aufgegangen und gar ist.
Fertig gebackene Muffinform auf ein Blech stürzen. Die Tartelettes Tatin mit Thymian garnieren und noch warm servieren.

 Die Zwiebelscheiben werden gedämpft

Zutaten für den Blätterteig: Mehl, Butter Quark 

Karamellisierte Zwiebelscheiben kommen in eine Muffinform
und werden mit Blätterteig zugedeckt.

 Was vom Kochen übrig blieb:
Butterkaramellsplitter, aus der Pfanne gekratzt.

Samstag, 15. Oktober 2016

Herbstvergnügen: Tarte Tatin „Surprise“ nach Yotam Ottolenghi

Vor zwei, drei Jahren war Yotam Ottolenghi Kult unter den Kochbloggern. Der Londoner Sternekoch israelischer Abstammung zauberte betörende Geschmacksbilder auf den Teller, indem er in seinen vegetarischen Gerichten die mediterrane Sonnenküche der Levante mit asiatischen und mitteleuropäischen Einflüssen sowie der aufwendigen Raffinesse der Sterneküche verband. Damals bot der Genießer an der VHS Herne einen Kochkurs mit Rezepten nach Ottolenghi an, der auch ausverkauft war. Doch auf die Frage, ob sie wüssten wer das ist, antworteten die Teilnehmerinnen nur: „Nö.“ So ist das im mittleren Ruhrgebiet.

 Zutaten: Kirschtomaten, Kartoffeln, Blätterteig,
Ziegengouda, Oregano. Nicht im Bild: Butterkaramell.

Schön gestürzt: Tarte Tatin "Surprise"

 Ein Favorit war damals die Tarte Tatin „Surprise“, ein wahrhaft köstliches Beispiel der Ottolenghi-Küche. Die Tarte Tatin ist bekanntlich eine Torte mit karamellisierten Äpfeln, bei der beim Backen der Teig auf den Früchten liegt und die nach Fertigstellung gestürzt wird, so dass er unten den Boden bildet. Dieses Prinzip übernimmt Ottolenghi für sein Gericht. Seine Tarte besteht – neben Blätterteig - aber aus Kartoffeln, Kirschtomaten, Zwiebeln und Ziegengouda, die mit Oregano und Butterkaramell gewürzt werden.

 Nachdem in eine mit Backpapier ausgeschlagene Tarteform
die vorbereiteten Zutaten geschichtet wurden,
wird das Ganze mit Ziegengouda und Blätterteig zugedeckt.

Aufwendig wird das Ganze, weil aus allen Zutaten erst einmal jene Süße herausgekitzelt wird, die die Tarte so pikant macht. Nicht nur, dass die Kartoffeln vorgekocht werden. Die Kirschtomaten werden, schön halbiert, erst einmal für eine dreiviertel Stunde im Ofen getrocknet und die Zwiebeln natürlich vorgedünstet. Und der Butterkaramell muss auch hergestellt werden, was zwar nicht schwer ist, aber die volle Aufmerksamkeit verlangt, damit er nicht zu dunkel wird oder gar anbrennt.

Zweiter Versuch: Tartestück "fotogen"

Gestern endlich kam ich dazu, die Tarte Tatin „Surprise“ auch einmal zu Hause für mich zuzubereiten. Neben dem wunderbaren Geschmack erlebte ich nach dem Stürzen aber auch ein zweite „Surprise“. Da ich eine etwas kleinere Version als die im Rezept vorgesehene zubereiten wollte, reduzierte ich den Karamellanteil. Dabei vergaß ich, dass die Karamelldecke durchaus auch für die Stabilität der Tarte gebraucht wird, weil es keinerlei Bindung z.B. durch gestocktes Ei gibt. So purzelten die Tomaten und Kartoffeln lustig vom Teig, als ich das erste Stück auf den Teller setzen wollte – zumal durch die Fotografiererei auf dem Herbstbalkon die Tarte schon soweit abgekühlt war, dass der Ziegengouda unzerteilbare Fäden zog wie weiland der Fonduekäse in „Asterix bei den Schweizern“ und die Auflage des Tortenrestes mit sich riss. Erst das zweite Stück war dann fotogen genug, um in aller Schönheit zu überzeugen. Das hatten die Teilnehmerinnen im Kochkurs damals weitaus besser hingekriegt.

 So schön gelang im Kochkurs die Tarte Tatin "Surprise".
Als Garnitur: Crème fraiche.

 Der erste Versuch auf dem Herbstbalkon.

Um zum Rezept für die Tarte Tatin „Surprise“ nach Yotam Ottolenghi zu gelangen, bitte hier klicken.