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Freitag, 26. Oktober 2018

Kochbücher Ruhrgebietsküche, Teil 15: Original Ruhrpott

Barbara Boudon, Stephanie Streit-Boudon: Original Ruhrpott / The Best Food of the Ruhr Area. 96 Seiten. Hädecke Verlag. ISBN 978-3-7750-0784-9. 9,95 Euro


Ein wenig schmunzeln musste ich ja doch, als ich erst jetzt das bereits im Frühjahr im Hädecke Verlag erschienene Kochbuch „Original Ruhrpott“ aufschlug. Es ist zweisprachig gehalten, den Seiten auf Deutsch steht eine englische Version gegenüber. Dass erinnerte mich an die die Diskussionen in der Arbeitsgruppe Kulinarik der Kulturhauptstadt 2010 vor zehn Jahren, als gefordert wurde, dass im Festjahr die Restaurants Im Ruhrgebiet für die zu erwartenden Touristenströme ihre Speisekarten auch auf Englisch parat halten sollten. Dass eine kulturelle Auseinandersetzung mit der Ruhrgebietsküche eine wesentlich nachhaltigere Bedeutung für die regionale Identität haben würde, dämmerte den Kulturhauptstadtmachern damals nur langsam. Kulinarik war für sie, wie im Ruhrgebiet üblich, eine Sache der Versorgung und nicht der Kultur.

Die Dortmunderinnen Barbara Boudon und ihre Tochter Stephanie Streit-Boudon, die Autorinnen von „Original Ruhrpott“, sehen das zum Glück etwas anders. Stephanie Streit-Boudon betreibt das Kochblog „La Boudon’s Pot Culinaire“ (klick hier). In ihrem persönlich gehaltenen Einführungstext geht Barbara Boudon auf die Problematik der Ruhrgebietsküche ein, als wesentlichen Aspekt sieht sie die Internationalität der Zuwanderungsregion.

Illustriert wird das durch 29 Rezepte, meist Klassiker wie Taubensuppe, Schlapperkaps, Fisch in Senfsauce oder Herrencrème, professionell formuliert und einfach nachzukochen. Es mag eine verkaufsfördernde Entscheidung des Verlags gewesen seine, als erstes Rezeptfoto die populäre Currywurst mit Pommes Schranke zu bringen. Der erste Rezepttext hingegen ist Erbsensuppe, die ich viel typischer für’s Ruhrgebiet halte, das Buchcover ziert Pfefferpotthast, das westfälische Dortmunder Nationalgericht. Nebeneffekt der Zweisprachigkeit des schmalen Bändchens, das sich gut als Mitbringsel eignet: Durch die englische Fassung wirkt es doppelt so dick.

Sonntag, 10. April 2016

Kochbücher Ruhrgebietsküche, Teil 14: Das isst der Pott

Oliver Multhaup (Hrsg.)
Vorwort von Nelson Müller
Das isst der Pott
Klartext Verlag, 256 Seiten, 12,95 €
ISBN: 978-3-8375-1542-8

Ob es bei den Rezepten in diesem Buch um Ruhrgebietsküche handelt, sei einmal dahin gestellt. Richtiger wäre es wohl, von Küche im Ruhrgebiet zu sprechen. Denn es dokumentiert, was in den Haushalten des Reviers tatsächlich auf den Tisch kommt. Das können auch schon mal thüringisch-sächsische Quarkkeulchen sein, Schweizer Käsekuchen oder Amsterdamer Fleischtopf. So zeigt das Buch durchaus den state of art in deutschen Küchen vor dem Hintergrund von Kochshows im TV, dem zunehmenden Verlust des häuslichen Kochens und der Faszination des Lokalen.

Die insgesamt 220 Gerichte, gehen auf eine Aktion zurück, die die Ruhrgebietszeitung WAZ im Jahr 2015 durchgeführt. Es konnten Rezepte eingereicht werden, die dann in den Lokalteilen vorgestellt wurden. Ergänzt wurden sie von den Geschichten der Köche bzw. Köchinnen dazu, die auch im Buch enthalten sind. Daraus wählten die Leser die Stadtsieger, aus denen wiederum die drei besten Gesamtsieger gekürt wurden. Was den Vorwort-Schreiber Nelson Müller dabei besonders überraschte war, dass es in den ‚Top Drei‘ tatsächlich traditionelle Zutaten der Ruhrgebietsküche ging: Blutwurst (im Strudel, Platz 1), Dicke Bohnen (Platz 2) und Mettwurst (in der Spinat-Quiche, Platz 3).

Das Buch, das bereits im Herbst 2015 erschien, ist Dokument einer gelungenen Marketing-Aktion. Wie alle Tageszeitungen, leidet auch die Regional-Zeitung WAZ unter dem Akzeptanz-Schwund bei der Leserschaft. Die lokale Berichterstattung, eigentlich das Herzstück des Blattes, muss aus wirtschaftlichen Gründen immer mehr eingeschränkt werden. Da liegt es auf der Hand, dass die Redaktion das für die Schaffung der regionalen Identität so wichtig Kochen zum Thema der Aktion gemacht hat. Der Leser nimmt die dabei die vielen selbstreferenziellen Bilder (und das Selbstlob für die viele Arbeit von Herausgeber und Geschäftsführendem Redakteur Oliver Multhaup im zweiten Vorwort) gern in Kauf. Begrüßenswert ist der Versuch, dabei die heimische Küche mit der lokalen Gastronomie zu verbinden. Jedem Rezept ist der Kommentar eines stadtbekannten Profi-Kochs beigefügt. Leider steht nicht dabei, in welchem Restaurant der jeweilige Koch arbeitet. Einige kannte der Genießer ja, aber viele konnte er nicht zuordnen. Und das wird den meisten Lesern genauso ergehen.

Freitag, 13. Dezember 2013

Kochbücher Ruhrgebietsküche, Teil 13: Ruhrgebiet – Rezepte und Lebensart

Ruhrgebiet – Rezepte und Lebensart. 176 Seiten, Festeinband, Fadenheftung, zahlreiche Abbildungen. Droste Verlag. ISBN 978-3-7700-1407-1. 24,50 Euro

Das in diesem Herbst im Düsseldorfer Droste Verlag erschienene Kochbuch über das Ruhrgebiet ist sicherlich eines der schönten und informativsten, das in letzter Zeit auf den Markt gekommen. 130 Rezepte, 35 Städteporträts mit Sehenswürdigkeiten und zahlreiche Einkaufstipps für regionale Produkte geben einen Überblick über das kulinarische Ruhrgebiet, der die 24,50 Euro mehr als lohnt. Dabei ist noch nicht mal ein Autor oder eine Autorin genannt, lediglich als Redakteurin steht die Düsseldorferin Barbara Maassen im Impressum.

Als wichtigem Schwerpunkt der Ruhrgebietsküche kreisen die Rezepte zum großen Teil um die Produkte aus dem Arbeitergarten. Im Kapitel „Aus der Siedlung – Kohle, Kolonie und Kappes“ wird Einfaches aus eigener Ernte vorgestellt. Das sind in der Regel Eintöpfe wie Kohlsuppe mit Wurst, Linseneintopf oder Schlabberkappes. Das Kapitel „Im Schrebergarten – Kuchen, Kompott und Aufgesetzter“ bringt Nachtische und andere süße Verführungen wie Stachelbeer-Marmelade, Buttermilchsuppe oder Möhren-Rhabarber-Soße und natürlich den heißgeliebten Streuselkuchen.

Schön ist die Unterteilung in die Kapitel „Auf Schicht – Kumpel, Zechen und Maloche“ und „Über Tage – Halden, Parks und Industriekultur“. Wird dort die Eintopfkultur des Ruhrgebiets weitergeführt und werden historische Henkelmanngerichte wie Weißkohleintopf mit Kassler, Steckrübenragout oder auch Deftiges wie Sauerbraten vorgestellt, kommen hier moderne Gerichte, wie sie häufig in den Restaurants in den Denkmalen der Industriekultur angeboten werden, zum Zuge. Etwas paradox, aber historisch richtig ist, dass im Kapitel „An der Ruhr – Stauseen, Flüsse und Kanäle“ viele feine Fisch-Rezepte gebracht werden, die sich aber kaum um Süßwasserfische, sondern hauptsächlich um Heringe oder Miesmuscheln drehen. Das Kapitel „Wie bei feinen Leuten“ dreht sich – inspiriert von den Schlössern, Burgen und Sternerestaurants des Reviers – um die moderne, feine Festtagsküche wie Fasanenbrust im Brotmantel oder „Täubchen mit Obst-Nuss-Füllung.

Ohne ein unvermeidliches Gericht geht es aber auch in diesem Kochbuch nicht: Die Currywurst. Rund um die Imbissküche, die sich, ob das dem Genießer gefällt oder nicht, zum kulinarischen Symbol des Ruhrgebiets entwickelt hat, dreht sich das Kapitel „Im Herzen des Reviers – Buden, Bier und König Fußball“. Da gibt es u.a. auch ein Rezept für die Currywurst, obwohl die, wie jeder weiß, eigentlich nicht zu Hause, sondern an der Bude gegessen wird. In diesem Kapitel ist mit gerade einmal sechs Rezepten auch die Gastarbeiter-Küche der Einwanderer versteckt, die allerdings die Essgewohnheiten (nicht nur) im Ruhrgebiet in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert hat.

Doch neben den Rezepten bietet das Buch mit seinen zahlreichen, z.T. historischen Bildern auch fundierte Informationen über das Ruhrgebiet, die auch den Einheimischen noch Neues bieten. Besonders die kulinarischen Einkaufstipps, die im ganzen Buch verstreut auftauchen, sind mit viel Sachverstand zusammen gestellt. 

Hier geht's zur Leseprobe.

Montag, 27. Mai 2013

Kochbücher Ruhrgebietsküche, Teil 12: „Alte Ruhrgebietsküche“

Klaus Teuber: „Alte Ruhrgebietsküche“. 96. Seiten. Tandem Verlag, Königswinter 2009. 3,99 Euro. ISBN 978-3-8331-8033-0 

Edel-nostalgisch illustriert sei das Büchlein über die Ruhrgebietsküche von Klaus Teuber, vermerkt der Klappentext, doch die altertümlichen Vignetten auf gelblichen Papier vermitteln eher den Eindruck, bei der Gestaltung habe der Geschmack von gestern gewaltet. Warum etwa auf S. 50 ein Mehltopf mit der englischen Aufschrift „Flour“ abgebildet ist, bleibt schleierhaft, zeugt jedoch davon, dass sich der Grafiker aus einem internationalen und wahrscheinlich kostenfreien Bildarchiv bedient hat.
Auch der knappe Einführungstext zum Thema Ruhrgebiet ist dürftig, doch die Auswahl der Rezepte ist klasse. Auf unumgängliche Currywurst hat man verzichtet; aus der Imbissbuden-Tradition des Ruhrgebiets hat es nur das Schaschlik ins Buch geschafft. Ansonsten liegt der Schwerpunkt auf der rheinisch-westfälisch-polnischen Kochtradition der Bergarbeiterküche. Ein großer Teil des Buches setzt sich mit Suppen und Eintöpfen auseinander, aber auch Klassiker aus anderen Bereichen wie Stielmus, Panhas und Pfefferpotthast sind dabei. Allerdings: den „Dortmunder Sauerbraten“ mit Rosinen und Apfelkraut in der Sauce kennt der Genießer als „Rheinischen Sauerbraten“. Sei’s drum. Der Pott ist halt ein Melting-Pot.


Linseneintopf-Rezept. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.

Freitag, 22. März 2013

Kochbücher: Ruhrgebietsküche, Teil 11 - „War dat lecker! Unsere Lieblingsgerichte aus dem Ruhrgebiet“

„War dat lecker! Unsere Lieblingsgerichte aus dem Ruhrgebiet“. 144 Seiten. Komet Verlag. ISBN 978-3-86941-275-7. 7,99 Euro 

Schon vor Jahren hat der rührige Komet Verlag ein kleines Kochbuch zum Thema Ruhrgebietsküche herausgebracht, dessen Rezepte in überarbeiteter Form dann z.T. in Patrik Jaros' „Der Pott kocht“ wieder auftauchten, das allerdings im britischen Verlag „Parragon Books Ltd“ erschien. In das neue Ruhrgebietskochbuch hat der Komet Verlags durchaus auch Rezepte aus dem alten Kochbuch aufgenommen, etwa das „Schaschlik ‚Schimmi‘“ aus Lammfleisch, Kalbsleber und Schweinfilet, eine - wie der Genießer findet - recht extravagante Kombination für dieses Pommesbuden-Gericht. Aber er bringt auch viele schöne neue Varianten der Hausmannsküche aus dem Ruhrgebiet: Pfefferpotthast und Blindhuhn, Karpfen blau und Königsberger Klopse, Gulaschsuppe ‚Gelsenkirchen‘ und Gänsebraten ‚Grugapark‘, Schnitzel mit Jägersauce und Pommes Schranke sowie natürlich die vom Genießer heißgeliebte Linsensuppe. Ach ja, ein Rezept für Currywurst gibt es auch. (Obwohl ich noch nie erlebt habe, dass jemand zu Hause Currysauce macht. Da wird höchstens im Garten eine Bratwurst gegrillt und die fertige Sauce aus der Bude seines Vertrauens drübergekippt.)

Ganz wunderbar sind die Texte, die einen schönen Überblick über das Wesen der Ruhrgebietsküche geben. Sie verweisen auf die rheinischen und westfälischen Einflüsse, auf das, was die Arbeitsimmigranten aus Polen und anderswo mitgebracht haben, und auch auf die Arbeitergärten, die traditionell die frischen Zutaten für die deftige Bergmannskost lieferten. Die Autorin Sabine Durdel-Hoffmann hätte es verdient, größer genannt zu werden als nur in einer winzigen Zeile im Impressum.

Fast noch schöner als die Texte ist die Aufmachung des Buches. Appellieren die prächtigen Rezeptfotos an den hungrigen Magen, gehen die nostalgisch anmutenden Fotos aus dem Ruhrgebiet direkt ins Herz. Da gibt es Hinterhofidyllen, wie sie der Genießer aus seiner Kindheit kennt, Bilder aus Beat-Ära der 1960er Jahre, von Kraftwerken und Hochöfen, von Zeche Zollverein, als da noch gearbeitet wurde und von Zeche Zollverein als Museum. Und von Opel gibt es Bild, auf dem noch ein richtiges Auto, der Kadett A, zusammengeschraubt wird. Überraschend ist ein Bild von Krimi-Altvater Schimanski mit dem noch sehr jungen späteren Kölner Tatort-Kommissar Dietmar Bär.

Um etwas zu blättern, bitte hier klicken.

Samstag, 16. Juni 2012

Kochbücher: Ruhrgebietsküche, Teil X - „Der Pott kocht. Die leckersten Gerichte aus dem Ruhrgebiet“

Patrik Jaros: Der Pott kocht. Die leckersten Gerichte aus dem Ruhrgebiet. 96 Seiten. Parragon Verlag. 4,99 Euro. ISBN 978-1-4454-6924-9

Wow, hält die Ruhrgebietsküche die Weltwirtschaft am Laufen! Der Verlag dieses hübschen Büchleins im Großformat sitzt in London, die Druckerei in China, aber immerhin kommt der, der für die Auswahl und Fotografie der Gerichte zuständig ist, in Köln. Patrik Jaros, früher Küchenchef in Witzigmanns Münchener „Aubergine“, hat ganze Arbeit geleistet. Was er unter dem alten KVR-Slogan „Der Pott kocht“ auftischt, ist authentisch und alltagstauglich, so wie es sich für die Region gehört. Der Ruhrgebietsküche werden „vielfältige und feinschmeckertaugliche Gerichte“ attestiert.

Rheinisch-westfälische Klassiker wie Pfefferpotthast, Blindhuhn, geräucherte Aal mit Peiselbeeren oder Muscheln im Wurzelsud machen die kulinarischen Traditionen der Region tafelfertig, aber auch Große Küche wie Bottroper Sauerbraten oder Zanderfilet mit Schwarzbrotkruste und Schavur (dat is Wirsing – aber warum sprichse dat auf kölsch aus, Junge? Und warum heißt der Heringsstipp Herings„dipp“?). Auch kommen Rezepte mit polnischen Wurzeln wie gebackener Karpfen mit Endiviensalat vor. Die italienisch-türkische Linie der Ruhrgebietsküche wird leider vernachlässigt, obwohl diese mediterranen Einflüsse die Essgewohnheiten in der Region seit fast 50 Jahren maßgeblich prägen – knapp ein Drittel der Zeit, in der der das Ruhrgebiet überhaupt als solches existiert.

Ansonsten ist der Einführungstext von Kira Crome ganz gut recherchiert. Sie stellt den Eintopf als typisch für die Region in den Mittelpunkt. Auch wird die Henkelmann-Kultur gewürdigt, so wie beim Ruhrgebiets-Kochwettbewerb auf der Essener Gourmetmeile im Kulturhauptstadtjahr 2010. Ganz im Sinne des Genießers wird sich wohltuend von der der Currywurst als Symbol der Ruhrgebietskulinarik distanziert, obwohl die „Mantaplatte (Currywurst-Pommes)“ als Rezept vorkommt. Aber wieso versteigt man sich zu der Behauptung, die Currysauce würde zu Hause „nach Familienrezept“ hergestellt? Das ist eher die Ausnahme. Currysauce kommt ausse Flasche oder vonne Bude – in letzter Zeit durchaus von sog. Kultimbissen.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Prächtiger Bildband zur Ruhrgebietsküche: „Spitzenköche und kulinarische Newcomer im Ruhrgebiet“


Heinz Anschlag/Wolfgang Faßbender: Spitzenköche und kulinarische Newcomer im Ruhrgebiet. Mercator Verlag 2012. 262 Seiten. Großformat 25 x 31 cm. ISBN 978-3-87463-497-7. 34 Euro

Was für ein Kompendium der Ruhrgebiets-Gastronomie: Über 40 Porträts von Spitzenköchen und Newcomern aus der Metropole Ruhr bringen der Fotograf Heinz Anschlag und sein Texter Wolfgang Faßbender in ihrem großformatigen Bildband. Und das nicht als mehr oder weniger tabellarisches Ranking, wie es einschlägige Restaurantführer tun, sondern mit aufwendigen fotografischen Porträts und noch aufwendigeren Fotos von Gerichten, die jeweils mehrere Rezepte der Köche und Köchinnen dokumentieren und verführerisch illustrieren.

Ein Jahr hat die Recherchearbeit des Food-Fotografen Heinz Anschlag gedauert, bis er seine Köchesammlung von Moers bis Dortmund, von Nordkirchen bis Velbert soweit komplett hatte. Mit Ausdauer und Leidenschaft überzeugte er Spitzenköche wie Björn Freitag, Nelson Müller oder die beiden Eri©ks aus der Kettwiger Résidence, Erik Arnecke und Eric Werner, sich und ihr Haus für das aufwendige Foto-Shooting zur Verfügung zu stellen. Dabei musste Anschlag viel Mut zur Lücke beweisen, denn nicht alle wollten. Frank Rosin hatte keine Zeit, im edlen Schloss Hugenpoet glaubte man nicht, dass das Buch zustande käme, der eigenwillige Mario Kalweit in Dortmund hatte einfach keine Lust, plaudert Anschlag aus dem Nähkästchen. Dafür waren weniger bekannte Kollegen umso bereitwilliger bei der Sache, Martin Glanz vom Overbeckshof in Bottrop z.B., Kai-Thorsten Bräsch von Kai’s Restaurant in Mülheim oder Mirko Wuttig vom Hopfengarten in Bochum. Finanziert hat Heinz Anschlag die Recherche übrigens damit, indem er den Köchen seine Fotos zum Kauf anbot. Viele griffen auch zu, und so tauchen die gelungenen Motive schon jetzt in Anzeigen oder als Pressefotos auf. Abgerundet wird der prachtvolle Band durch eine subjektive Auswahl von Produzenten aus der Region und eine Reihe beeindruckender Landschaftsbilder des grünen Ruhrgebiets.

Das erste Buch dieser Art hat Heinz Anschlag vor einiger Zeit über den Niederrhein gemacht, und auch im Ruhrgebietsbuch wird deutlich, dass das Herz des Fotografen aus  Velen besonders für diese Region schlägt. Je weiter er nach Norden oder Osten kommt, desto weniger Häuser kommen vor – dabei hätte gerade der Ennepe-Ruhr-Kreis oder auch Dortmund noch einiges zu bieten gehabt. Wie immer bei solchen Projekten, sind einige Angaben jetzt schon wieder überholt. So hat das Heiner’s in Gelsenkirchen mit Nils Rieger mittlerweile einen neuen Küchenchef, und der Dortmunder Dennis Rother arbeitet jetzt im U VIEW.

Sicherlich hätten die aufwendigen Fotos einen besseren Druck verdient, möglicherweise hätte der ein oder andere Text etwas mehr Pfiff haben können. Dennoch ist „Spitzenköche und kulinarische Newcomer im Ruhrgebiet“ die bislang repräsentativste und liebevollste Darstellung der Gastronomie im Ruhrgebiet, und dem Duisburger Mercator Verlag sei Dank, dass er sich für dieses Projekt engagiert hat.

Freitag, 25. März 2011

Kochbücher: Ruhrgebietsküche, Teil IX

Klaus Gorzny: Die neue Küche im Ruhrgebiet - Suppen. Eine kulturhistorische Betrachtung mit vielen Rezepten. 144 S. ISBN 978-3-9811104-5-6. Piccolo-Verlag, Marl. 12,80 Euro

Leider ist der Genießer etwas spät auf dieses Kochbuch aufmerksam geworden. Das hübsche Büchlein über die Suppe ist nämlich bereits im letzten November erschienen und auf den Internet-Seiten des kleinen „Piccolo-Verlags“ anscheinend nicht mehr erhältlich. Doch in der Mayerschen Buchhandlung in Bochum ist der Genießer noch auf einige Exemplare beim Herumstöbern gestoßen und war sofort von dem Bändchen eingenommen. Der Autor Klaus Gorzny aus Marl ist nämlich kein Koch-Profi, sondern ein leidenschaftlicher Hobbykoch und Büchermacher, der seine Werke im Eigenverlag herausgibt. Von Haus aus ist der 75-Jährige Chemiker, und eine seine weiteren Passionen sind die Schlösser an Lippe, Emscher und Ruhr.

Sein Buch ist nämlich weit mehr als ein Kochbuch. Es ist eine kulturhistorische Betrachtung über die Suppe, die, wie Gorzny ausführt, typisch für die Küche im Ruhrgebiet ist. Damit rennt er gerade beim Genießer offene Türen ein, der auch findet, dass der Linsensuppe die Ehre als Nationalgericht des Ruhrgebiets gebührt und nicht etwa der schnöden Currywurst.

Faktenreich beschreibt Gorzny die Kulturgeschichte der Suppe seit der Prähistorie, und er siedelt die Erfindung der Suppe in jener Zeit an, als der Mensch lernte, Töpfe zu töpfern. Als Chemiker geht er natürlich auch auf die chemischen Prozesse des Suppekochens ein, und auch die Molekularküche bekommt ihr Fett weg.

46 Rezepte hat Klaus Grozny zusammengetragen – alle selbst gekocht und ausprobiert, wie er versichert. Dabei stellt er nicht nur traditionelle Suppen aus Westfalen oder vom Niederrhein vor, sondern geht auch besonders auf die Traditionen der Einwanderer im Ruhrgebiet ein und hat exotische Suppen-Varianten aus Thailand, der Türkei und sogar Schweden dabei. Und zu jedem Rezept gibt es eine ausführliche Erläuterung der darin vorkommenden Gewürze und Gemüse.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Kochbücher: Ruhrgebietsküche, Teil VIII

Ulrike Wahl/Jaroslaw Piotrowski: „Pottpüree und Schicht-Kebab“. Menschen, Geschichten und Rezepte aus Herne und der ganzen Welt. Herausgeber: Gesellschaft zur Förderung der Integrationsarbeit in Herne e.V. (gfi). 56 Seiten. 9,95 Euro. Erhältlich in zahlreichen Buch- und Weinhandlungen sowie Bürgereinrichtungen in Herne und unter gfi@herne.de

Wenn Enisa Maljisevic (Bild) den Yufka-Teig durch Hochwerfen in die Luft auf die Größe eines Tischtuches ausdehnt, hat das etwas von kulinarischer Akrobatik. Die Mutter von drei Söhnen, die als Asylbewerberin nach Herne gekommen ist, braucht den hauchdünnen Teig, um daraus Burek-Pita herzustellen, eine Art Nationalgericht ihrer ursprünglichen Heimat Bosnien-Herzegowina. Das sind schneckenförmige Strudel, die mit Hackfleisch oder auch anderen Füllungen im Ofen gebacken werden.

Alberto Mambranca hingegen setzt sich gern auf die „Raro“, ein typisches Küchengerät in Mosambik, mit dessen Hilfe das Fruchtfleisch aus der holzharten Schale der Kokosnuss geraspelt wird, um daraus dann durch Ausdrücken Kokosmilch zu gewinnen. Die braucht der heutige Pastor an der freikirchlichen Adventsgemeinde in Herne, um Matapa herzustellen. Zu diesem vegetarischen Gericht werden in Mosambik neben der Kokosmilch die weichen Blätter des Kürbis genommen, aber es geht auch mit Kohlrabiblättern, Weißkohl oder Wirsing.

Gekocht und zubereitet werden diese beiden auf den ersten Blick exotischen Gerichte mitten im Ruhrgebiet, in Herne. Sie machen so deutlich, welch prägende Wirkung die Migranten-Küchen auf die Küche des Ruhrgebiets haben. Immerhin wohnen Vertreter von 170 Nationen in der Stadt, die aus den verschiedensten Gründen hierher gekommen sind. 17 davon haben die Journalistin Ulrike Wahl und der Fotograf Jaroslaw Piotrowski im Auftrag der Gesellschaft zur Förderung der Integrationsarbeit in herne (gfi) für das Kochbuch „Pottpüree und Schicht-Kebab“ porträtiert. Neben den Gerichten, die zeigen, wie eng das Essen in den unterschiedlichsten Weltgegenden miteinander verwandt ist, werden auch die individuellen Schicksale der Köche und Köchinnen skizziert, die aus den unterschiedlichsten Gründen den Weg nach herne gefunden haben. So ist das liebevoll gestaltete Buch weit mehr als nur ein Kochbuch, sondern eine Bestandsaufnahme darüber, wie zugewanderte menschen das Leben im Ruhrgebiet auf einmalige Art prägen.

Das Gericht „Pottpüree mit Schicht-Kebab“ wurde übrigens extra für das Buch kreiert, weil es als Titel so schön klingt. Es stammt von Albert Okoniewski, dem Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) und Bernd Willenbacher, dem Chefkoch des Begegnungs- und Pflegezentrums des ASB. Okoniewski hat natürlich auch einen Migrationshintergrund. Seine Großväter kamen in 1920er Jahren aus Ost- und Westpreußen ins Ruhrgebiet.

Autorin Ulrike Wahl, gfi-Geschäftsführer Michael
Barszap, Alberto Mambranca, Fotograf Jarolaw Piotrowski
und Enisa Maljisevic präsentieren das Kochbuch.

Freitag, 10. Dezember 2010

Kochbücher: Ruhrgebietsküche, Teil VII

„Kochen im ‚Pott‘“. Mit freundlicher Unterstützung der Verkaufsberatung Frische (Bedienung) und der Werbeabteilung der Rewe Dortmund. 100 Seiten. 2,95 Euro

Regionalbewusstsein im Firmenmarketing zeigt die Supermarktkette Rewe schon länger, indem sie geschickt auf die Forderungen von Elite-Essern wie den Mitgliedern von Slow Food eingeht und sie fürs breite Publikum aufbereitet. So fiel dem vorweihnachtlich gestressten Genießer beim unumgänglichen Lebensmitteleinkauf ein Kochbüchlein für 2,95 Euro auf, das er sofort in einer spontanen Übersprungshandlung in den Einkaufskorb warf und sich damit als idealer Konsument outete.

„Kochen im ‚Pott‘“ heißt die 100 Seiten starke Broschüre, die die Werbeabteilung der Rewe Dortmund zusammen mit der „Verkaufsberatung Frische (Bedienung)“ herausgebracht hat. Da wird in zahlreichen Rezepten zum Fleischkonsum (und damit zum Besuch der Fleischtheke bei Rewe) animiert, gleichzeitig aber auch zum Kochen zu Hause angeregt. Die Rezepte sind ausführlich und für Anfänger nachvollziehbar formuliert. Auf verschiedenen Themen-Seiten gibt es zusätzlich Tipps zur Zubereitung von Braten und Saucen oder die Verwendung von Kräutern und Gewürzen.

Von alltäglicher Hausmannskost bis zu festliche Braten reicht das Spektrum der Rezepte, und gelegentlich wird auch der Freund der regionalen Ruhrgebietsküche fündig. So steht auch Pfefferpotthast oder Westfälischer Sauerbraten auf dem Programm.

Samstag, 14. August 2010

Kochbücher: Ruhrgebietsküche, Teil VI

Dr. Oetker Ruhrgebiet Kochen von A – Z“. 2010. Dr. Oetker Verlag. 256 Seiten. 9,95 Euro. Sonderausgabe für die Mayersche Buchhandlung.

„Dr. Oetkers Schulkochbuch“ ist für die Kochkultur in Deutschland mehr verantwortlich als jede andere Publikation, auch als sein großes Vorbild, das „Praktische Kochbuch“ von Henriette Davidis. Denn anders als das mittlerweile antike Standardwerk der Haushaltslehrerin aus Wetter an der Ruhr hat das geniale Marketing-Produkt des Bielefelder Backpulver- und Tiefkühlpizza-Produzenten die große kulturelle Zeitenwende in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg überstanden, nicht zuletzt, weil sich Dr. Oetker zu einem modernen, weitverästelten Großkonzern entwickelt hat. Doch nach wie vor verquickt das Kochbuch die Aufklärung übers Kochen mit der Werbung für die vielen hausgemachten Küchen-Helferlein der Lebensmittelindustrie.

Doch schon seit dem 1970er Jahren musste das Schulkochbuch mit der steigenden Unernsthaftigkeit, die sich beim Kochen in den Haushalten breit machte, auseinandersetzen und gegen das massenhafte Erscheinen von lustvollen Kochbüchern bei steigender Unlust an der Bedienung des Herdes auseinandersetzen. So wundert es nicht, dass sich auch das Angebot des Dr Oetker Verlages ausdifferenzierte. Passend zum Kulturhauptstadtjahr erschien als Sonderausgabe für die Mayersche Buchhandlung im Frühjahr „Dr. Oetker Ruhrgebiet Kochen“. Alphabetisch werden hier über 240 Rezepte in perfekter ökotrophologischer Aufbereitung präsentiert. Wer nach diesen Anweisungen kocht, dem kann nichts misslingen.

Die Auswahl der Rezepte ist durchaus ruhrgebietsgemäß, viele Eintöpfe, Spezialitäten wie Westfälisches Blindhuhn, Pfefferpotthast, Streuselkuchen oder die unvermeidliche Currywurst sind selbstverständlich dabei. Dennoch scheint das Buch jene Skeptiker zu bestätigen, die behaupten, es gäbe überhaupt keine eigenständige Ruhrgebietsküche. Denn manches Gericht wie etwa Rumpsteak in Pfeffersauce scheint sehr beliebig. Das sehr knapp gehaltene Vorwort sieht in der Ruhrgebietsküche nur eine nostalgische Sehnsucht nach den Gerichten der Kindheit; es scheint aber, als sei es in Wirklichkeit die Sehnsucht nach der Zeit, als Dr. Oetker noch die unangefochtene Autorität am deutschen Herd war. „Dr. Oetker Ruhrgebiet Kochen“ ist ein modernisierter Wohlfühl-Streifzug durch die allgemeine deutsche Küche des letzten Jahrhunderts, der auf die brisante, von Einwanderung geprägte Geschichte und Gegenwart des Ruhrgebiets nicht eingeht.

Dienstag, 6. Juli 2010

Kochbücher: Ruhrgebietsküche, Teil V

Heinrich Wächter: „Das Ruhrgebiets-Kochbuch – Essen mit Tradition“. 2010. Helmut Lingen Verlag, Köln. 78 Seiten. 5,95 Euro. ISBN 978-3-941118-42-3

Heinrich Wächter hat sich schon um die Ruhrgebietsküche verdient gemacht, als sie noch nicht „neu“ und „trendy“ war. Vom Verein pro Ruhrgebiet wurde er dafür zum „Bürger des Ruhrgebiets“ ernannt, für sein soziales Engagement erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande. Das Gelsenkirchener Urgestein ist kulinarischer Botschafter nicht nur seiner Stadt, sondern der ganzen Region. Als Berufsschullehrer sorgt er für die Ausbildung des Koch-Nachwuchses, sein eigenes Profil als Koch schärft das FC-Ruhrgebiet- und Eurotoques-Mitglied durch zahlreiche Medienauftritte.

Im Kulturhauptstadtjahr bringt Heinrich Wächter nun ein schönes „Ruhrgebiets-Kochbuch“ heraus. Im Vorwort charakterisiert er die Ruhrgebietsküche treffend. Sie sei „geprägt von den vielen Zuwanderern“, sozusagen ein „Kraut der Kulturen“, schreibt er. Das Ruhrgebiet nennt er „Eintopfland“, die von den Kumpels selbst bearbeiteten Gärten und Äcker eine wichtige Quelle für die Zutaten. Manch interessantes Detail erfährt der Leser, z.B. dass Stielmus mit Napoleon aus Frankreich ins Ruhrgebiet kam.

Über vierzig vereint das Buch, Klassiker wie „Roten Heringssalat“, „Falsches Kotelett“ (d.i. panierter Schweinebauch) oder „Kuschelmusch“ (ein Auflauf aus übrig gebliebenem Fisch). Und natürlich Eintöpfe und anderes Durcheinander: Steckrüben, Schlodderkappes, Stielmus oder Grünkohl. Auch vor der Moderne macht Heinrich Wächter nicht halt. So gibt es natürlich ein Rezept für die obligatorische Currywurst und für Fischstäbchen.

„Essen mit Tradition“ heißt das Buch im Untertitel, und so haben die meisten Gerichte ihre Basis im Westfälischen und im Rheinischen. Auch polnisch-schlesisch-ostpreußische Ursprünge lassen sich ausmachen. Die mediterranen Einflüsse, die mit den italienischen und türkischen Gastarbeitern ins Ruhrgebiet kamen, werden zwar im Vorwort erwähnt, finden bei der Rezeptauswahl aber kaum einen Niederschlag. Stattdessen wird man mit Alltäglichkeiten der Vergangenheit konfrontiert, die heute wie exotische Delikatessen wirken.

So ist Heinrich Wächters „Ruhrgebiets-Kochbuch“ ein Erinnerungsbuch, bei dessen Lektüre einem förmlich das Wasser im Munde zusammenläuft. Wer Appetit auf die kulinarische Basis dieser Industrieregion hat, dem wird hier eine wunderbare Mahlzeit serviert.

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Kochbücher: Ruhrgebietsküche, Teil IV

Diesmal geht es um zwei der fünf Säulen der Ruhrgebietsküche, die westfälische und die polnische Küche. Bei den Büchern geht es wirklich um’s Eingemachte, und nicht um ein modernes Crossover.

Bettina Rackow-Freitag: „Großmutters westfälische Landküche. 114 traditionelle Rezepte neu entdeckt.“ 144 Seiten. 2005, Neuer Umschau Buchverlag. ISBN 3-86528-233-4.

Das östliche Ruhrgebiet ist nicht unbedingt das Herz Westfalens, aber sicherlich der am dichtesten besiedelte Teil der kulinarisch so interessanten Region. Bettina Rackow-Freitag geht in die Tiefe und präsentiert wirklich traditionelle westfälische Gerichte. Das ergibt eine Art kulinarische Kulturgeschichte Westfalens, kann aber auch als Grundlage für die Ruhrgebietsküche gelesen werden. Dabei wurde die Autorin vom Verein „Westfälisch genießen“ unterstützt. Wer also wissen will, was Moppelkotze, Wurstebrei, Pickert, Töttchen, Blindhuhn oder Potthucke wirklich ist, wird hier fündig. Ergänzt werden diese alten Gerichte durch einige moderne Rezept-Vorschläge von bekannten westfälischen Restaurants.


Magrit Liepe: „Polnisch kochen. Gerichte und ihre Geschichte“. Edition diá. 2003, Verlag die Werkstatt. ISBN 3-89533-414-6.
In diesem Kochbuch geht es auch nicht darum, wie die Gerichte der polnischen Arbeitsimmigranten den hungrigen Mäulern im rheinisch-westfälischen wilden Westen angepasst wurden, sondern darum, was man in Polen wirklich isst. Hering nach Danziger Art, Eier nach Krakauer Art, Klöße nach masurischer Art, kaschubische Kohlsuppe und kaschubische Fischsuppe – all das zeigt eine vielseitige mitteleuropäisch-baltische, auch jüdische Kochtradition auf. Neben 166 Rezepten bringt Magrit Liepe auch den kulturhistorischen Hintergrund und berichtet über Traditionen und Veränderungen in der polnischen Küche, kulinarische Bräuche, Gastronomie und Essgewohnheiten in Polen.

Übrigens: Seit heute läuft die Frankfurter Buchmesse. Eine kritische Übersicht über neu erscheinende Kochbücher bekommen Sie hier.
Zudem wird heute auf der Buchmesse das Buch "Verwegen kochen" von "Molekularpapst" Heiko Antoniewicz und Klaus Dahlbeck in einem Festakt mit der Silbermedaille der Gastronomischen Akademie Deutschlands ausgezeichnet.

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Kochbücher: Ruhrgebietsküche, Teil III

Hier zwei weitere Kochbücher, die sich mit der Ruhrgebietsküche auseinandersetzen.

Helmut Spiegel: „Unser Mutter stochte, bis die Suppe kochte. Lieder, Rezepte und Geschichten aus der alten Ruhrgebietsküche“. 97 Seiten, Henselowsky Boschmann, ISBN: 3-922750-59-1.

Der 1932 geborene, langjährige WAZ-Redakteur Helmut Spiegel legte bereits 2005 dieses nostalgische, etwas altmodische Büchlein vor. Er sammelt darin alte Küchenlieder wie „Mariechen saß weinend im Garten“ oder „Die holde Gärtnersfrau“, die er von seiner Mutter kannte. Einige hübsche Texte über das Leben der Hausfrau und den Küchenherd aus der Zeit, als man noch mit Kohle kochte und stochte, erinnerten mich durchaus als meine eigene Kindheit. Für den Genießer von wirklichem Interesse sind jedoch Rezepte, die Spiegel vorstellt: einfache, deftige Hausmannskost, wie sie in den Bergmannsfamilien auf den Tisch kam. Das reicht von Stielmus über Pfefferpotthast bis Panhas und Erbsensuppe. Als besondere Spezialität wird die Buttercrèmetorte mit Vanille aufgeführt, ein Paradestück, das auch meine Mutter zu Familienfesten herzustellen pfelgte, allerdings als Mokkatorte. Als Ergänzung bringt das Büchlein einige Rezepte nach Henriette Davidis.



„Die Rheinisch-Westfälische Küche. Typische Gerichte aus den Regionen“. Vorwort von Sarah Grün. 160 S. Komet Verlag. ISBN 978-3-89836-782-0.

Der Kölner Komet Verlag muss über einen riesigen Fundus an Rezepten verfügen, aus denen er in immer wieder neuen Ausstattungen Kochbücher zusammen stellt, die in Kaufhäusern und den modernen Antiquariatsabteilungen der Buchhandlungen zu niedrigen Preisen verkauft werden. Dabei geht er grundsolide vor, wie das vorliegende Buch beweist. Es vereint fast einhundert Rezepte aus dem Rheinland und Westfalen und dokumentiert damit die beiden historischen Säulen der Ruhrgebietsküche. Geordnet sind sie nach folgenden Kapiteln: Suppen und Eintöpfe, Beilagen und kleine Gerichte, Kartoffeln und Gemüse, Fleisch und Geflügel, Wildgerichte, Fischgerichte, Aus dem Brauhaus sowie Desserts und Backwaren. Interessant ist es, z.B. das westfälische und das rheinische Blindhuhn miteinander zu vergleichen. Beide Gerichte haben mit einem Huhn nichts zu tun. Das westfälische Blindhuhn ist ein Weiße-Bohnen-Eintopf mit Kartoffeln, Äpfeln, Birnen und Speck. Das rheinische einer aus weißen und Buschbohnen, Speck, Möhren und Kartoffeln.
Erwähnenswert ist auch das Vorwort von Sarah Grün, die präzise die Zusammenhänge der fünf Säulen der Ruhrgebietsküche aufzeigt. Neben den rheinischen und westfälischen Grundlagen weist sie auf die nachhaltigen Einflüsse der polnischen, türkischen und italienischen Küche auf die Küche im Ruhrgebiet hin.

Kochbücher: Ruhrgebietsküche, Teil I
Kochbücher: Ruhrgebietsküche, Teil II

Montag, 3. August 2009

Kochbücher: Ruhrgebietsküche, Teil II

Hier noch einmal drei Kochbücher, die mir beim Abstauben meines Bücherregals in die Hände gefallen sind. Es sind allesamt Werke namhafter Köche aus dem Ruhrgebiet.


„Lecka Dortmund – Overkamps Kochbuch“. 168 Seiten mit vielen Fotos, futec Agentur & Verlag, ISBN: 3-00-020108-4, 19,50 Euro

Die Overkamp Gastronomie ist ein alteingesessener, über 300 Jahre alter imposanter Landgasthof im Dortmunder Süden. Als Mitglied der Vereinigungen „Westfälisch genießen“ und „Slow Food“ hat der heutige Chef Günther Overkamp-Klein die Küche seines Hauses eindeutig auf Regionalität ausgerichtet. „Global denken, regional handeln“ ist seine Devise. Aus dem Westfälischen stammen die Gerichte, die er seinen Gästen auftischt, von Lebensmittelproduzenten aus der Region die Zutaten, die er dafür verwendet.
Zusammen mit dem Autor Gerhard Besler hat Günther Overkamp-Klein Rezepte aus seiner Küche für das Kochbuch „lecka Dortmund“ zusammengestellt. Neben einer wahren Fundgrube an Gerichten wie klassischem Grünkohleintopf oder Pfefferpotthast bietet das Buch auch amüsanten Lesestoff über die Möglichkeiten, sich in Dortmund und Umgebung mit regionalen Produkten zu versorgen. „Lecka Dortmund“ ist mehr als ein Kochbuch. Es ist ein liebevolles Bekenntnis zu Dortmund und dem westfälischen Ruhrgebiet.


Frank Rosin: „Schmackofatz! Einfach gut kochen“. Mit kulinarischen Reportagen von Helmut Krause und André Laaks. 160 S. Knaur Ratgeber Verlage 2004. ISBN 3-426-66887-4. 19,90 Euro

Frank Rosin ist einer der wenigen Sterneköche im Ruhrgebiet. Seit 1991 betreibt der Sohn eines Großhändlers für Restaurantbedarf sein eigenes Restaurant in Dorsten. Der etwas in die Jahre gekommene „Junge Wilde“ ist ein überzeugter Ruhrgebietler und hat für die haute cuisine das erschlossen, was (nicht nur) seine Oma „Schmackofatz“ nannte: leckere Kleinigkeiten, die man sich gerne in den Mund steckt. Als ich vor einiger Zeit bei ihm essen war, hatte er ausgerechnet aus Elementen der türkischen Küche eine kleine Vorspeisen-Palette mit molekularem Einschlag zusammen gestellt. Diese multikulturelle Vermählung von Imbiss-Kost und Sterneküche kann nur im Ruhrgebiet passieren. So ist sein Kochbuch auch ein Spagat aus Bodenständigkeit und entsprechendem Küchen-ChiChi. Rezepte, die als Wegbereiter der Neuen Ruhrgebietsküche angesehen werden können, wechseln mit kurzen Reportagen über Einkaufsquellen und Lebensmittelproduzenten im Ruhrgebiet ab. Doch keine Angst, „gebratener Spargelsalat mit gerösteten Langostino-Zigarren“ oder „Wirsingpraline mit Feigenmarmelade“ können leicht nachgekocht werden.


Bernd Hendrick & Hartmut Kowsky-Kawelke: „Der Pott à la carte.“ Feine Ruhrgebietsküche und Dönekes aus dem Revier mit Rezepten von Manfred Schulte und Gisela Lorenz-Schulte. Mosaik Verlag 1994. ISBN 3-576-10413-5

„Der Pott à la carte“ ist als älteste Ruhrgebietskochbuch in meiner Sammlung bereits 15 Jahre alt und hat bei Erscheinen mein Interesse für die Küche der Region geweckt. Die Rezepte stammen von Manfred Schulte und seiner Frau Gisela, die in Duisburg-Rheinhausen den „Mühlenberger Hof“ betreiben. Schulte ist ein Kind des Ruhrgebiets. In Dortmund geboren, arbeitete er lange in Essen, bis er in der niederrheinischen Diaspora, wo das Ruhrgebiet heute typischer daherkommt als anderswo, sein eigenes Hotel-Restaurant eröffnete. Seine Rezepte sind herzhafte Alltagsgerichte aus dem Revier, die er professionell modifiziert hat und reichen von „Schluttruper Räucheraal auf Kartoffelkuchen“ über „Eintopf von Kälberzähnen“ bis zum „Mühlenberger Mostertbraten“. Ergänzt werden sie von liebevoll geschriebenen Geschichten rund ums Essen, die eine schöne Geschichte der Kulinarik im Ruhrgebiet ergeben. Leider ist das Buch heute vergriffen, und auch antiquarisch ist es nicht einfach zu bekommen.

Kochbücher: Ruhrgebietsküche, Teil I

Montag, 20. Juli 2009

Kochbücher: Ruhrgebietsküche, Teil I


Beim Abstauben meines Bücherregals habe ich folgende Kochbücher zum Thema Ruhrgebiet gefunden.


Ruhrküche. 64 Seiten, Garant Verlag 2009. ISBN 978-3-86766-709-8. 2,99 Euro

Eine hübsche Rezeptsammlung von rheinischen, westfälischen und sogar bergischen Klassikern mit einer kurzen, treffenden Einleitung. Für Freunde der traditionellen Ruhrgebietsküche. Anders als bei den sehr deftigen Gerichten ist beim Preis Schmalhans Küchenmeister. Die 2,99 Euro sind gut angelegt.



Ruhrgebietsküche. Regionale Küche mit Tradition. 144 Seiten. Komet Verlag o.J. ISBN-978-3-89836-334-1. Ca. 5 Euro

Das Buch bringt deftige Hausmannskost, wie sie Arbeiter im Ruhrgebiet auf den Tisch gebracht haben mögen. Deshalb gibt es so schöne Gericht-Bezeichnungen wie Gulschsuppe à la Oberhausen, Linsensuppe Herne, Gulasch Gelsenkirchen und Schaschlik "Schimmi". Leider wird nicht beschrieben, wie die Rezepte gesammelt wurden. Aber auf dem Deckel gibt es einen kurzen Klappentext, in dem dankenswerter Weise auf Henriette Davidis verwiesen wird und dem Vorurteil von Curry-Wurst und Dosenbier als typisch fürs Ruhrgebiet der Kampf angesagt wird. Das Buch gibt es auch in anderer Ausstattung mit einem Foto auf dem Deckel.



Claudia Wietfeld, Andrea Wirtz:
Ruhrpott. Rezepte aus dem Revier. 110 S. Landwirtschaftsverlag, Münster, 2004. ISBN 3-7843-3301-X. 14,95 Euro

Die Autorinnen Claudia Wietfeld und Andrea Wirtz bringen hier die Rezepte, die sie für die WDR-Lokalzeit Dortmund gesammelt haben. Da gibt es Rezepte von Hausfrauen und Hobbyköchen, aber auch von Kantinen- und Spitzenköchen wie Jutta Rosin (Mensa der Gesamtschule Dortmund-Brünningenhausen) oder Mario Kalweit ("La Cuisine d'Art Manger"). Das Ergebnis ist eine sorgfältig edierte Bestandsaufnahme, wie tradtionell und multikulturell im Ruhrgebiet gekocht wird.