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Donnerstag, 17. März 2016

Aus dem Archiv: Pina und Enzo im Martins - Trubel im Fachwerkhaus

Der Text erschien erstmals in "Ruhrgebiet geht aus 2016/2017"
Das Restaurant gibt es nicht mehr. Heute befindet sich wieder das Resuarant "Martins" unter dieser Adresse.

Auf dem schmucken Marktplatz im Herzen der Castroper Altstadt findet im Sommer in der Regel die Gourmetmeile „Castrop kocht über“ statt, doch in diesem Jahr muss die Veranstaltung auf den Viehmarkt ausweichen. Der Grund: umfangreiche und langwierige Baumaßnahmen. Den Gästen von Pina und Enzo bereitet die Baustelle trotz der Adresse „Am Markt“ keine Unannehmlichkeiten, denn um das historische Fachwerkhaus von 1816 zu erreichen, muss man einige Schritte in die Fußgängerzone Richtung Lambertuskirche machen.

2017 können Pina und Enzo hier ihr zehnjähriges Jubiläum feiern. Richtig schön trubelig geht es auf den beiden Ebenen ihres Ganz-Tages-Restaurants zu. Ganz Castrop trifft sich hier: morgens zum Frühstück, anschließend zum umfangreichen und liebevollen Mittagstisch, der bis 17 Uhr ausgegeben wird, nachmittags zu Kuchen und Torten, die einem aus einer beleuchteten Vitrine entgegen lachen. Und durchgehend bis in den späten Abend hinein zu italienischer Küche, kulinarischen Aktionen wie dem Menue-Karussell oder Familienfeiern im angebauten Wintergarten.

Die umfangreiche Karte bietet alles, was man von einem italienischen Restaurant verlangen kann: Pizza und Pasta, Suppen, Salate, Fleisch- und Fischgerichte, darunter Angebote für Kinder und Vegetarier. Besonders hübsch sind die Spaghetti al cartoccio (12,50 Euro). Bei diesem Gericht werden die Nudeln mit allerlei Fisch, Meeresfrüchten und Tomaten in Alufolie gegart, der - erst am Tisch aufgerissen - ein wunderbarer Duft entströmt.

Überrascht bin ich, wie wohltemperiert der offene sizilianische Weißweincuvée aus Chardonnay und Grillo ist, der die mir beim Testbesuch empfohlen wird. Er passt prima zum Essen. Als Vorspeise bekomme ich eine sizilianische Lasagne aus Auberginen und Zucchini ohne Nudeln (8,90 Euro). Warum auf der Speisekarte die Warnung „leicht pikant“ steht, weiß ich nicht. Die überbackenen Gemüse sind eher unkompliziert süßlich.

Tadellos ist das Saltimbocca alla Romana (17,50 Euro) zum Hauptgang, zwei zarte Kalbsschnitzel, die mit knusprig gebratenem Parmaschinken und ebensolchen Salbeiblättern belegt sind und in einer wirklich pikanten Weißweinsauce schwimmen. Dazu gibt es gemischtes Gemüse und angeröstete Drillinge in der Schale
-kopf.
44575 Castrop-Rauxel, Am Markt 3

Dienstag, 10. Januar 2006

Aus dem Archiv: Haus Goldschmieding - Revier für Schnäppchenjäger

Der Text war geschrieben für "Dortmund geht aus 2006/2007".
Das Restaurant ist geschlossen.


„Haben Sie einen Gutschein?“ Eine Spur zu lautstark hallt diese Frage durch das Kaminzimmer vom Haus Goldschmieding, das am späten Abend zum Glück nur noch spärlich besetzt ist. Woran mag der Kellner bloß erkannt haben, dass wir keine normalen Gäste sind? An meinem billigen Aftershave aus dem Supermarkt? Oder an dem bei e-bay erstandenen gebrauchten Markenschuhwerk meiner Begleitung? Oder ist die gehobene Gastronomie im Ruhrgebiet so auf den Schnäppchenjagd-Hund gekommen, dass jedes unbekannte Gästepaar gleich als Schnorrer verdächtig ist?

Dabei verbreitet die antike Einrichtung des Schlösschens mit dem eindrucksvollen Renaissancekamin eine ganz andere, gediegene Jagdatmosphäre. Einst als Sommerresidenz des aus Irland stammenden Schlotbarons Mulvany eingerichtet, erinnert der biedermeierliche, hochherrschaftliche Speisesaal sofort an die letzte Jane-Austen-Lektüre.

Saisonbedingt beherrschten bei unserem Besuch neben westfälischen und klassischen Gerichten Wildgerichte die Speisekarte. Dass ein Fasan nicht zu den saftigsten Braten gehört, war zu erwarten. Doch man sollte erwarten können, dass bei dem stolzen Preis von EUR 25,50 für „Geschmorten französischen Fasan auf Champagnerkraut mit glacierten Trauben und Mousselinkartoffeln“ die Küche jene seit Jahrhunderten bekannten Techniken beherrscht, mit denen man dieses Manko des Wildgeflügels bewältigt. Auch die „Galantine von der Nanteiser Ente auf Quittenkompott mit kleinem Salatbukett“ (EUR 10,50) überzeugte als Vorspeise wenig. Der Mantel aus Entenfleisch war so fest, dass er sich kaum schneiden ließ, und die Füllung war eine allzu kompakte, wenig luftige Masse. Ausgezeichnet hingegen war der „Zopf vom schottischen Lammrücken auf weißem Bohnenpüree, Lavendeljus und blauen Kartoffelkrapfen“ (EUR 26,90), butterzart und in der Präsentation auch hübsch anzusehen. Im „Aufgeschlagenen Kürbiscremesüppchen auf Quitten und Hummermedaillon“ (EUR 10,50), als Vorspeise durchaus pikant und schmackhaft, hätte man sich über etwas mehr Hummer gefreut. Zum Abschluss teilten wir uns eine „Dessertvariation Goldschmieding“ (EUR 10,50), einen Streifzug durch die süßen Nachtische des Hauses, der aber kaum einen geschmacklichen Nachhall hinterließ. Überhaupt: Vom ganzen Menü blieb später nur der Duft der offenen Weine in Erinnerung (Tempranillo 0,2 l EUR 6, Bordeaux 0,2 l EUR 8).

Als die Rechnung für das durchwachsene Menü kam, hätten wir uns durchaus gewünscht, einen Gutschein gehabt zu haben. Denn der Spesensatz als Tester für „Dortmund geht aus“ reichte bei weitem nicht aus, das gar nicht mal so üppige Mahl zu begleichen.

-kopf


Castrop-Rauxel, Dortmunder Str. 55