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Freitag, 28. August 2026

Gourmetmeilen 2026: „Essen...verwöhnt auf Zollverein“ gestartet

Dass die traditionell letzte große Veranstaltung der alljährlichen Gourmetmeilensaison im Ruhrgebiet nach 16 Jahren plötzlich einen anderen Namen hat, scheint den Besuchern bei der gestrigen Eröffnung kaum aufgefallen zu sein. Hieß die Veranstaltung bislang „Gourmetmeile Metropole Ruhr“, so firmiert sie seit Frühjahr als „Essen...verwöhnt auf Zollverein“. Der Grund dafür ist eigentlich ein trauriger, wie der Genießer meint. „Essen...verwöhnt“ war bislang der Name der legendären Gourmetmeile in der Essener Innenstadt, die in diesem Jahr jedoch abgesagt werden musste (klick hier). Um die Namensrechte daran zu behalten, mussten Veranstalter Rainer Bierwirth und sein Verein „Essen...genießen e.V.“ den eingängigen Slogan jedoch weiter benutzen. Und so bekam die Gourmetmeile auf dem Welterbe Zollverein plötzlich ganz pragmatisch einen neuen Namen.

Essens 1. Bürgermeisterin Julia Jacob und Veranstalter Rainer Bierweirth eröffnen die Gourmetmeile.

Mit der Innenstadt-Meile konnte sich die Schwesterveranstaltung auf dem denkmalgeschützen Zechengelände schon immer messen, und auch in diesem Jahr schafft sie es, dass man den Verlust mühelos verschmerzt. Zwölf zum größten Teil altbewährte Restaurants aus Essen, Bochum, Mülheim und Düsseldorf stehen mit ihren Zelten bereit, die Vielfalt der Gestronomie im Ruhrgebiet abzubilden. Neu dabei ist die Trattoria Momo aus Bochum. Und es ist gelungen, endlich wieder ein Sternerestaurant in den Schatten des Förderturms zu locken – das Restaurant Hannappel.

Coole Musik für eine angenehme Stimmung.

Die Teilnehmer von „Essen...verwöhnt auf Zollverein“ sind angehalten, als Add-on zu ihrem „normalen“ Progarmm auch noch jeweils ein Gourmetgericht und eine Bergmannsgericht anzubieten. So kommte es, dass neben luxuriösen Filet- und Seafood-Gerichten auch vier unterschiedliche Currywurst-Interprationen im Angebot sind. Ich weiß nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Ist das nun Ausdruck einer schwellenlosen demokratischen Esskultur oder die Kapitualtion des Fine Dinings vor dem Street Food?



Der Genießer bei der Arbeit.

Aber lecker ist es ja. So hatte der Genießer Grund genug, gemeinsam mit Silke von der Facebook-Seite „Mein kulinarisches Dortmund“ und seinen Food-Companeros Jochen und Christian aus den entlegendsten Ecken des Ruhrgebiets zu einer Gourmet-Expedition in den Essener Norden aufzubrechen und vor allem das Angebot von Hannappel durchzuchecken. Und weil alles geschwisterlich geteilt wurde, blieb auch noch Platz für das eine oder andere Schmankerl.

Essen...verwöhnt auf Zollverein
27.8.2026

Die Hannappel-Session 

Currywurst
Kartoffelespuma – Wollschweinwurst – Zwiebel
9,50 €
So mag der Bergmann auch Sterneküche. Die obligatorische Currywurst aus bestem Fleisch, stilecht in Stücke geschnitten. Ob mit dem Currywurst-Häcksler oder mit der Allzweckschere, ich weiß es nicht.



Thunfisch
Gazpacho – Jalapeño – Röllchen
12,50 €
Was sich hinter den „Röllchen“ verbarg, erschloss sich uns leider nicht. Aber die grüne klare Essenz bündelte die Gurken-Tomaten-Paprika-Aromen der spanischen Gazpacho mit intensiver Frische und ergänzte die feine Thunfischzubereitung perfekt.



Spätzle
Trüffel – Spinat – Crumble
14,00 €
Um es ehrlich zu sagen, von diesem Gang waren wir enttäuscht. Er kam ungewürzt, laff und ziemlich trocken daher.
 


Hühnerkeule
Petersilienwurzel – Piri Piri – Pak Choi – Mandel
16,50 €
Das saftige Hühnerfleisch, auf den Punkt gegart und pikant abgeschmeckt, war eine überzeugende Vollmahlzeit.



Wagyu Shabu Shabu
Rauchaalöl – Kaviar – Erbse – Hoisin
28,50 €
Eigentlich ist Shabu Shabu ja eine Art japanisches Fondue, bei dem der Gast sich feinstes Rindfleisch in einer edlen Brühe am Tisch selbst gart (klick hier). Hier kam das erstklassige Wagyu-Fliesch bereits fertig zubereitet auf den Teller, begleitet von feinen Beilagen.
 

Himbeere – Hagebuttenblüten – Pfeffer – Granité
Joghurt – weiße Schokolade
10, 50 €
Ein luftig-leichtes Dessert mit überraschender Aromatik.


Was sonst noch reinging



Momo mio Momo
Carpaccio vom Rind
Rucola & Parmesan
8 Euro
Ein wunderbarer Einstieg in die Schlemmer-Tour. Bestes Rindfleisch zum fairen Preis.


La Turka
Orientalische Dattel-Currywurst
Geröstete Mandeln | getrüffelte Stampfkartoffeln
10,- €
Mittlerweile ein Klassiker bei La Turka. Die Sauce ist durch die Datteln schön süß-pikant, die Wurst allerdings eine Brühwurst nach Art der Berliner Currywurst.


Da Vinci
Bohneneintopf nach ital. Art
Mit würziger Salsiccia
10 €
Nein, das ist keine Currywurst in Sauce, sondern italienische Salsiccia in Bohnensuppe. Trifft die Vorstellung eines Bergmannsgerichtes genau.


Gummersbach
Schnitzel von der französischen Entenleber
Schalottenmarmelade, Honigbrot, Apfel
19 € 
Die französische Entenleber ist ein Klassiker bei Gummersbach und macht der Bezeichnung „Gourmetgericht“ alle Ehre.


Bliss
Pulpo Tempura
Teriyaki-Rotkohl, Wasabicreme
8 €

Schon auf dem „Kulinarischen Treff“ in Mülheim überzeugte der Pulpo im feinen Tempurateig, während der Rotkohl irritierte.



Bliss
Duett aus Futomaki und Thunfisch Tataki
12 €
Überzeugende kleine Reise durch Japan aus Rüttenscheid.



Gärtnerei / Fleischerei
Bouillabaisse
Sauce Rouille | Baguette
16 €
Eine etwas dünn geratene Fischsuppe, die aber durch ihre intensive Aromastärke überzeugte. Ganz großartig die Rouille, ein Fest für Safranfreunde.



Hüftgold
Zum Nachtisch allerlei Eis


Coffee Bike
Espresso für vier

„Essen...verwöhnt auf Zollverein“ geht noch bis zum 30. August 2026. Sa und So ab 12 Uhr. Alle Infos zum Musikprogramm und Speisekarten mit Preisen klick hier.


Samstag, 1. August 2026

Gourmetmeilen 2026: Weinfest „Food, Wine & Music“ im Essener Stadtgarten gestartet


Seit das Weinfest „Food, Wine & Music“ vor 13 Jahren das erste Mal stattfand (klick hier), ist es ein wegweisendes Beispiel fürs Easy Living im sommerlichen Ruhrgebiet. Beschattet von den hohen Bäumen des Stadtgartens im Essener Südviertel stehen die Stände von deutschen und internationalen Spitzenweingütern im Mittelpunkt, und der Weingenuss wird beschwingt begleitet von den wohltemperierten Music-Acts des Essener Impresarios und ehemalige Gastronomen Igor Albanese. Und die kulinarische Grundlage fehlt natürlich auch nicht und bietet eine kleine, aber feine Schnittmenge zur Gourmetmeile „Essen...verwöhnt“. Das wundert nicht, denn Veranstalter beider Veranstaltungen ist der Weingroßhändler Rainer Bierwirth.

Und auch in diesem Jahr erfüllte das Weinfest im Stadtgarten alle Erwartungen, die ich bei meiner Stippvisite zur gestrigen Eröffnung hatte. Kurz vor 16 Uhr legten Rainer Bierwirth und sein Team noch letzte Hand an, damit auch alles klappen würde, von der Musikbühne ertönten die Klänge des Soundchecks, und der lauschige Weg hinter dem Sheraton Hotel füllte sich rasch mit Gästen. Elf Weingüter sind diesmal vertreten, vier Gastronomen sorgen fürs Essen und fünf Künstler und Gruppen über die drei Tage verteilt für musikalische Unterhaltung (für alle Infos klick hier).

Soundcheck mit Lauryn und Band

Und trotzdem, irgendwie spürte ich die Erosionen, die die (Freiluft-)Gastronomie in den letzten Jahren verändert haben. Das fängt beim Klimawandel an - immer muss man befürchten, die Veranstaltung könnte dem Extremwetter zum Opfer fallen. Vor den Corona-Wirren war die Sommerzeit im Ruhrgebiet kontinuierlich mit Gourmetmeilen gefüllt, und das Weinfest fand in der Regel sogar am gleichen Wochenende mit dem „Kulinarischen Treff an der Ruhr“ in Mülheim statt, was mich notorischen Gourmetmeilenhopper häufig in Terminnot brachte. Doch in diesem Jahr liegen beide Veranstaltungen schön entzerrt wie zwei verlorene Inseln zwischen den anderen Gourmetmeilen der Saison. Die erste große Lücke im Juli war wohl noch der Fußball-WM geschuldet, mit der die Veranstalter nicht konkurrieren wollten, die zweite Lücke von jetzt an bis Ende August liegt aber schlichtweg daran, dass drei große Meilen in diesem Jahr ausfallen – neben je einer in Dortmund und Bochum auch die Große Schwester des Weinfestes „Essen...verwöhnt“ (klick hier).

Publikumsmagnet Foodtruck "Milina Pottglück"

Was mich zum großen Fan der Gourmetmeilen gemacht hat, ist, dass die die teilnehmenden Restaurants kein Streetfood machen, sondern ihre anspruchsvolle Restaurant-Küche auf die Straße bringen. Deswegen habe ich auch mit Argwohn beobachtet, dass sich im Laufe der Jahre immer häufiger Hamburger und Currywurst auf den Angebotskarten drängten. Diese ruhrgebietstypischen Streetfood-Gerichte kriegt man schließlich tagtäglich an jeder Straßenecke – wozu brauche ich da ein Gourmetfestival? Dass sie trotzdem ein Umsatzbringer sind, darf man den Gastronomen nicht vorwerfen, es liegt wohl an der normativen Kraft des Publikumsgeschmacks. Mir klingt noch der befreiende Ausruf eines Herrn in mittlerem Alter in den Ohren, den ich auf dem Weinfest gehört habe: „Ich weiß schon was ich esse: den Hamburger!“

Auf dem Weinfest steht schon seit längerer Zeit die Currywurst auf dem Speiseplan, ich erinnere mich da an die hervorragenden Produkte von „Ruhrfeuer“. In diesem Jahr ist es „Milina Pottglück“, der Pommeswagen des Rüttenscheider Kult-Restaurants „Bliss“, der die Weinfestgäste mit diesem „Modern German Street Food“ versorgt. Sich dem Unvermeidlichen hingebend, verschaffte sich der Genießer mit diesem Produkt vom Thüringer Duroc Schwein die nötige Grundlage für den weiteren Weingenuss.

Die Zukunft der Gourmetmeilen? 
Currywurst mit alkoholfreiem Wein (immerhin von Schloss Johannisberg)

Obwohl wäre das eigentlich nicht nötig gewesen wäre. Denn das diesjährige Weinfest stand im Zeichen einer weiteren gastronomischen Entwicklung, die den Genießer irritiert: alkoholfreier Wein. Und der müsste ja eigentlich auch auf nüchternen Magen bekömmlich sein.

Früher galt mäßiger Weingenuss ja durchaus als gesund, doch seit in die Weltgesundheitsorganisation empfohlen hat, Warnhinweise wegen der Krebsgefahr durch Alkohol auf die Flaschen zu drucken, ist die Nachfrage nach alkoholfreiem Wein deutlich gestiegen, zumal das Ganze auch noch von solchen Internet-Aktionen wie „Dry January“ sekundiert wird. So hat sich die unter wirtschaftlichem Druck stehende Weinwirtschaft in letzter Zeit sehr darum bemüht, alkoholfreie Weine, die auch noch schmecken, herzustellen. Dabei wird fertigen Weinen der Alkohol entzogen.

Weinfest-Veranstalter Rainer Bierwirth und Winzer Michael Beck 
präsentieren ihre alkohlfreie Weinlinie  "B&B Zero"


Weinfest-Veranstalter Rainer Bierwirth, der im Hauptberuf Weingroßhändler für Gastronomie und Handel ist, hat sich mit dem rheinhessischen Weingut Beck zusammengetan, und eine alkoholfreie Weinlinie in Rot, Rosé, aus Riesling und Sauvignon blanc und als Secco kreiert, die auf dem Weinfest erstmals vorgestellt wird. Im Gegensatz zu gängigen alkoholfreien Weinen, die recht teuer sind, sollen die Weine unter 10 Euro in den Einzelhandel kommen und Gastromen die die Möglichkeit bieten, preiswert glasweise auszuschenken.

Aber auch andere Weingüter sind mit alkohlfreien Weine vertreten, häufig als Sparkling Secco. Ich probierte allerdings nur die Stillweine, darunter den Riesling Gelblack, den das legendäre Rheingau-Weingut Schloss Johannisberg für das einschlägige Label Kolonne/Null herstellt, den alkoholfreien Biowein „Jederzeit Rosé“ aus Pinot Noir, Merlot und Portugieser vom Neuspergerhof in der Pfalz und den Blanc de Noir alkoholfrei auf Spätburgunderbasis vom Weingut Lamm Jung im Rheingau.



Schloss Johannisberg
Riesling Gelblack alkoholfrei
Deutlich erkennbarer Riesling




Weingut Neuspergerhof
Jederzeit Rosé alkoholfrei
Limonadige Cuvée




Weingut Lamm Jung 
Blanc de Noir alkoholfrei

Würzige Entdeckung

Ja, man konnte alle Weine sehr gut trinken, sie wiesen geschmackliche Tiefe und Vielfalt auf, man konnte z.T. sogar die Rebsorte erkennen. Am besten gefiel mir der Blanc de Noir von Lamm Jung mit seinen würzigen Kräuternoten. Dennoch fand ich alle Weine ziemlich süß, fast wie Limonade, und ich zweifelte doch, ob man so einen Geschmackserlebnis nicht auch ohne so einen Produktionsaufwand herstellen kann. (Ich musste daran denken, dass auf den Fotos zu meinen Rezepten hier im Blog häufig eine fotogene Rhabarberschorle die Rolle des Rosé ersetzt, die ich anschließend austrinke und die ein herrlicher Essensbegleiter ist).

Immerhin war die Vekostung so vieler Weine eine Art Genuss ohne Reue. Die kam erst auf, als ich die Pendants der Weine mit Alkohol probierte. Auf einmal war Körper und Tiefe da und trotz der Wohltemperiertheit eine anheimelnde Wärme. Und vor allem fühlte ich mich in einer Genusstradtion, die etwas Tranzendentes hat.


Zum Schluss spendierte mir Silke Lohn vom Weingut Lamm Jung
 ein Gläschen des herrlich lachsfarbenen Blanc de Noir Spätburgunder feinherb. Mit Alkohol.



Das Weinfest im Stadtgarten geht noch bis zum 2.8.2026. Essen-Südviertel, Stadtgarten, hinterm Sheraton Hotel, Huyssenallee 55. Alle Infos hier. 

Dienstag, 17. März 2026

Gourmetmeilen 2026: Aus für „Essen … verwöhnt“


Essen ... verwöhnt 2012

Heute erreichte Genussbereit folgende Pressemitteilung: 

Der Verein Essen Geniessen stellt seine Traditionsveranstaltung „Essen … verwöhnt“ auf der Kettwiger Straße ein und beendet damit eine nahezu 25-jährige Tradition, die fest im kulinarischen Kalender der Stadt Essen verankert war und im Laufe der Jahre zig Tausende Gourmets in die Ruhrgebiets-Metropole lockte.

Die Entscheidung zur Einstellung der Innenstadt-Meile ist Essen Geniessen-Vorstand und Begründer des Vereins, Rainer Bierwirth, sichtlich schwergefallen. Schließlich ist die Open Air-Veranstaltung, die nach zweijähriger Vorbereitung vom 18. bis 20. Juni 1999 in der Essener Innenstadt Premiere feierte, eine Erfolgsgeschichte, die sich Initiatoren von Gourmetmeilen in anderen Städten oftmals zum Vorbild nahmen. Warum die „Königin der Gourmetmeilen“, wie die Presse die erfolgreiche Veranstaltung anerkennend titulierte, jetzt die Segel streicht?

Rainer Bierwirth, der sein Amt von Beginn an ehrenamtlich ausübt, erläutert die Beweggründe: „Die 23 Essener Restaurants, die 1999 an den Start gingen, legten die Messlatte von Beginn an hoch. Qualität und Frische der vor Ort zubereiteten Speisen, einladende Pagodenzelte und eine hohe Aufenthaltsqualität für die Gäste war das erklärte Ziel, das wir all die Jahre gemeinsam mit viel Herzblut und Professionalität umgesetzt haben. Die Gäste von "Essen… verwöhnt" speisten im Wohnzimmer der Stadt Essen. Aber die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren haben sich signifikant verändert, sodass die Meile in der Innenstadt unserem Anspruch nicht mehr gerecht wird.“

Ab 2020, so Bierwirth, sei vieles anders geworden. Die Pandemie war ein harter Einschnitt für die Gastronomie, von der sie sich bis heute nicht erholt habe. Auflagen der Stadt und Feuerwehr, verschärfte Sicherheitsvorkehrungen für Veranstaltungen, stark gestiegene Kosten in allen Bereichen und nicht zuletzt der sich verändernde Einzelhandel auf der Kettwiger Straße mit einhergehendem Wechsel des Publikums und sich verändernder Atmosphäre führt er als einige Gründe an. Ging das „riesige Outdoor-Restaurant“ einst von der Lichtburg bis zur Marktkirche, so musste sich die Veranstaltung zuletzt mit 40 Prozent dieser Fläche begnügen. Weiterhin sind von den 23 Essen Geniessen-Gründungsrestaurants 16 inzwischen nicht mehr existent. Die ihnen nachgefolgten Restaurants haben heute vielschichtige Herausforderungen, wie etwa Personalmangel, zu bewältigen, die eine Teilnahme an Außer-Haus-Veranstaltungen nicht gerade erleichtern.

Zugleich bedankt sich Rainer Bierwirth - im Namen aller Essen Geniessen-Mitglieder - für das große Engagement und die Unterstützung der EMG - Essen Marketing GmbH und von Oberbürgermeister Thomas Kufen, die der Veranstaltung stets den Rücken stärkten. „Mein Dank gilt weiterhin allen Wegbegleitern vor und hinter den Kulissen sowie den großartigen Gästen, die von nah und fern gekommen waren.Ihnen allen ist zu verdanken, dass wir nahezu 25 Jahre zum positiven Image meiner Heimatstadt Essen betragen konnten“, lässt Rainer Bierwirth stolz und zugleich wehmütig die Jahre Revue passieren.

Das Stadtgarten Weinfest, die Gourmetmeile Metropole auf Zollverein sowie die Restaurant-Karussells im Frühjahr und Herbst. die ebenfalls von Essen Genießen veranstaltet werden, finden weiterhin statt.

Termine in 2026:
Stadtgarten Weinfest: 31.07. – 02.08.2026 in Essen an der Philharmonie / Sheraton
Gourmetmeile Metropole Ruhr: 27.08. – 30.08.2026 in Essen auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein

www.essen-geniessen.de

Samstag, 30. August 2025

Gourmetmeilen 2025: „Gourmetmeile Metropole Ruhr“ auf Zollverein, Tag 2


Beim ersten Besuch auf der „Gourmetmeile Metropole Ruhr“ am Eröffnungstag (klick hier) fiel mir auf, dass man mit einigen der angebotenen Bergmanns- und Gourmetgerichten herrliche kulinarische Challenges austragen könnte. Also war am gestrigen Freitag ein weiterer Besuch angesagt. Bei den Duellen sekundierte mir tatkräftig Slow-Food-Compañero Jochen; zum Sattwerden wurde auch noch das ein oder andere weitere Gericht verzehrt. 



Duell Himmel und Erde

Sowohl das Bliss als auch Mintrop's Restaurant M boten „Himmel und Erde“ als Bergmannsgericht an. Beide Versionen hätten nicht unterschiedlicher sein können. Die mit 15 Euro teurere Variante des Bliss interpretierte den rheinischen Klassiker aus Blutwurst, Kartoffeln und Äpfeln auf spanische Art und kam auf dem Teller recht unscheinbar daher, während der mit 11 Euro eher preiswerte Teller unter dem mundartlichen Namen „Himmel & Äd“ fast experimentell angerichtet war. 



Bliss
Himmel und Erde
Iberico Blutwurst / Kartoffelpüree / marinierter Apfel / Brombeerjus, 15 Euro

Die Version vom Bliss stürzte mich in tiefste Irritation. Sowohl dem mit Brombeerlikör aromatiserten Bratenjus als auch den marinierten Äpfeln fehlten das animierende Süße-Säure-Spiel, das „Himmel und Erde“ bei den meisten Zeitgenossen, die keine Probleme mit Blutwurst haben, zu so einem befriedigenden Soulfood macht. Hier kam noch die gewöhnungsbedürftige Blutwurst vom Iberico-Schwein dazu, die eher an eine spanische Chorizo erinnerte als an den auf der Zunge zerfallenden Flöns kölnischer Art. Die Wurst war so hart, dass man ihr kaum mit dem Gourmetmeilenmesser zu Leibe rücken konnte, obwohl das, wie der Aufdruck auf dem Besteck-Tütchen versprach, „für alle Gerichte geeignet“ wäre.



Restaurant M
Himmel & Äd
Blutwurst-Kartoffelschnitte /Apfelkompott / Röstwiebel, 11 Euro
Das ist wohl die längste Blutwurst-Kartoffel-Praline, die je auf einen Gourmetmeilenteller gebracht wurde. Diese „Himmel und Erde“-Variante erreichte fast die Originalität der Präsentation dieses Gerichtes vom Gelsenkirchener Restaurant Heiner's vor vierzehn Jahren, bei der die Bestandteile zu einem Förderturm gestapelt worden waren (klick hier). Bei aller Witzigkeit der Präsentation war das Gericht geschmacklich herrlich ausgewogen und entsprach den traditionellen Erwartungen, In unserer Challenge zweifellos mein Favorit.


Duell Königsberger Klopse

Sowohl die Fischerei/Gärtnerei als auch Gummersbach präsentieren auf Zollverein den Klassiker Königsberger Klopse. Das Gericht gehört sicherlich in die klassiche Ruhrgebietsküche, aber dass die Fischerei/Gärtnerei ausgerechnet ihre vegane Version als Bergmannsgericht ankündigt, wundert doch. Schließlich kannten die Kumpel das Wort „vegan“ noch gar nicht, geschweige denn, dass sie sowas in de Mund genommen hätten. Da hätte die Bezeichnung Bergmannsgericht für die klassische Gummersbach-Version aus Kalbfleisch viel eher getaugt, mehr noch als für die als solches angebotene Currywurst, die ja eher in die Nach-Bergbau-Epoche des Ruhrgebiets gehört.




Fischerei/Gärtnerei
Königsberger Klopse Vegan
Kartoffelpüree / Rote Bete, 14 Euro
Och, war dat lecker! Auch wenn die veganen Königsberger Klopse, die ich gerne als gebrühte Könisberger Falafel bezeichnen möchte (woraus sie bestehen, ist Betriebsgeheimnis und wurde mir nicht mitgeteilt), nicht die Konsistenz der klassischen Kalbfleisch-Klopse hatten, vermengt mit der typisch hellen leicht säuerlichen Sauce, den üppig darauf verteilten leicht salzigen Kapern (die in der Beschreibung des Gerichtes gar nicht genannt wurden, aber natürlich dazu gehören), der süßen Roten Bete und dem samtigen Kartoffelpüree sorgte alles für ein Mundgefühl wie früher bei Oma.




Gummersbach
Königsberger Klopse
vom Kalb, frittierte Kapern, buttriger Kartoffelstampf, 13 Euro
Ich würde ja so gern die veganen Königsberger Klopse favorisieren, aber...
Natürlich boten die aus Kalbfleisch bestehenden Klopse von Gummersbach dem Messer genau den Widerstand, wie es sich gehört, und dazu einen feinen Fleischgeschmack, auch wenn man sie ohne Sauce probierte. Natürlich war die Sauce richtig elegant. Natürlich war die Rote Bete nicht nur süß, sondern auch tiefgründig erdig. Natürlich hatte das Püree eine betörende Butternote. Und natürlich brachten die frittierten Kapern noch einen besonderen Crunch ans Gericht (obwohl es für meinen Geschmack viel zu wenige waren).
So waren die Königsberger Klopse von Gummersbach sicherlich kein Bergmannsgericht, sondern gehörten eher in die Gourmetabteilung – und waren mein Favorit. 

Auf die Könisberger Klopse! 
Mit Klaus Gummersbach.



Was sonst noch gegessen wurde



Hofbräu im Königshof
Käs'spätzle
mit Original Schweizer Käse, Sahne, Frühlingszwiebeln mit Röstzwiebeln inder Pfanne geschemkt, 10 Euro
Sicherlich hätten der Bergleute, die früher auf Zollverein arbeiteten, dieses Gericht von jenseits des Weißwurstäquators geliebt. Angesichts der üppigen Zutaten und der versierten Zubereitung können sich auch die Besucher der Gourmetmeiule an diesem preiswerten und sogar vegetarischen sattessen, ohne noch ein zweites Gericht irgendwo anders probieren zu müssen.



Fischerei/Gärtnerei
Sliptong
Kartoffelpüree / Gurkensalat, 18 Euro
Zur Zeit ändert die „Fischerei“ in Essen-Rüttenscheid ihr Konzept und wird ab September als „Fleischerei“ firmieren. Dieses Gericht ist aber ein wunderbares Beispiel dafür, was wir an der „Fischerei“ vermissen werden.
Sliptong ist niederländische Handelsbezeichnung für kleine Seezungen. Hier ist sie perfekt zubereitet und zergeht auf der Zunge. Die Bezichnung Gourmetgericht ist treffend (auch wenn das Püree vielleicht etwas zu salzig war). 


Gourmetmeile Metropole Ruhr geht noch bis zum 31. August. Essen, Zollverein. Sa & So ab 12 Uhr. Alle Infos hier.
 
Zum Bericht über den Eröffnungstag klick hier. 

Freitag, 29. August 2025

Gourmetmeilen 2025: „Gourmetmeile Metropole Ruhr“ auf Zollverein gestartet

Gelöste Stimmung auf Zollverein 

Eröffnung der „Gourmeile Metropole Ruhr“ durch den scheidenden Zollverein-Vorstand Hans-Peter Noll, Bürgermeisterin Julia Jacob und Meilen-Chef Rainer Bierwirth


Fünfzehn Jahre ist es es her, seit die erste „Gourmetmeile Metropole Ruhr“ auf Zollverein stattfand, gedacht als „einmalige Veranstaltung zur Kulturhauptstadt 2010“, wie Rainer Bierwirth, als Vorstand des Gastronomenvereins „Essen...genießen e.V.“ Initiator der Aktion, bei seiner gestrigen Eröffnungrede betonte. Doch mittlerweile hat sich das kulinarische Fest vor der gewaltigen Kulisse des Welterbes Zollverein als feste Größe im Reigen der Gourmetmeilen im Ruhrgebiet etabliert, mit viel Ausstrahlungskraft über den städtischen Standort hinaus. Zugegeben, mittlerweile fehlen einige der schillernden Teilnehmer aus dem Michelin-Sterne- und TV-Bereich, die die Veranstaltung zu Anfang zierten, aber immerhin sind noch 13 Gastronomien aus Essen und Mülheim und einige weitere Standbetreiber am Start. Nach wie vor sieht das Konzept vor, dass es bei jedem Anbieter zum „normalen“ Angebot je ein „Gourmetgericht“ und ein „Bergmannsgericht" gibt, mit denen die gesamte Bandbreite der Küche im Ruhrgbiet abgebildet wird.




Bei der gestrigen Eröffnung hatten die Gastronomen und auch wir Glück. Wir, das waren der Genießer und die Pott-Gourmette (d.i. Silke von der Facebook-Seite „Mein kulinarisches Dortmund“ mit bürgerlichem Namen), hatten zwischen den heftigen Regenschauern am Nachmittag und am späteren Abend genug Zeit, um bei wunderbar lauen Temperaturen einen ersten Einblick in das umfangreiche Angebot zu gewinnen. Einiges konnten wir beim offziellen Eröffnungsempfang probieren, weitere Gerichte genehmigten wir uns danach in entspannterer Atmosphäre.


Grauburgunder vom Slow-Food-Weingut Höfflin
bei Gummersbach



Gourmetmeile Metropole Ruhr
Essen, Zollverein, 28.8.2025





Walkmühlen Restaurant
3 Frische Irische Felsenaustern 
mit Schwarzbrot und frischer Zitrone, 8 Euro 
und
Wachtel-Eier mit schwarzem Kaviar
6 halbe Wachtel-Eier mit 10g Premium-Stör-Kaviar, 15 Euro 
Nachdem Rino mit seinem „La Grappa“ auf Zollverein nicht mehr vertreten ist, hat das Walkmühlen Restaurant aus Mülheim die Versorgung der Gäste mit den Luxusgütern Austern und Kaviar übernommen. Die Austern waren von guter Qualität und im Vergleich zu anderen Gourmetmeilen sehr erschwinglich. Die Wachtel-Eier mit dem Kaviar waren allerliebst, die Frischkäsecrème dazu erfrischend, und über allem thronte ein Blini, wohl als Hinweis auf die ukrainische Herkunft von Walkmühlen-Betreiber Sergiy Sirik. Nur die marmeladensüße Balsamico-Crème als Deko war entbehrlich.



Da Vinci
Zuppa di Fagioli
Italienischer Bohneneintopf mit Salsiccia Picante, 10 Euro
Die cucina povera Italiens trifft sich ja gerne mit der Arbeiterküche des Ruhrgebiets, und so ist es einleuchtend, diese Bohnensuppe als Bergmannsgericht zu servieren. Statt Mettwurst war halt Salsisccia drin. Eine schöne Kräuternote, seis Thymian oder Bohnenkraut, hätte der Sache auch noch Pfiff gegeben.




Bliss
Pakoras
Indische Gemüserösti | Tomaten-Kokoscrème | saure Zwiebel, 7 Euro

Eine klasse Idee, den guten alten Reibekuchen indisch zu interpretieren. Leider war das Gemüseküchlein etwas sehr flüssig und mit Curry bzw. Kurkuma eindimensonal überwürzt.



Trattoria Trüffel
Pesce Spada alla Griglia
Gegrillter Schwertfisch mit frischen Kräutern auf Salat, 14 Euro

Ich hätte mir gwünscht, dass der edle Schwertfisch etwas liebevoller auf den Teller gebracht worden wäre. Etwas zu trocken gebraten, bekam er seine Würze fast ausschließlich von dem Knoblauch aus der Kräuterzubereitung.




Trattoria Trüffel
Coniglio con Verdure
Geschmorte Kaninchenkeule mit Sommergemüse, 13 Euro

Ich glaube, das erste Mal habe ich dieses Gericht vor vierzehn Jahre am Stand der Trattoria Trüffel gegessen, die damals noch von Diego Palermo geführt wurde. Und für die aktuelle Version seiner Nachfolger kann ich den Text von damals nur wiederholen (klick hier): „Was wäre die Ruhrgebietsküche ohne die Küche der eingewanderten Italiener! Und das Kaninchen gehört in Italien genauso traditionell auf den Speiseplan wie der Stallhase bei den hiesigen Bergleuten mit ihren Arbeitergärten. Deswegen sind die zart und saftig geschmorten Kaninchenkeulen gleichermaßen typisch für Italien wie fürs Ruhrgebiet.“



Hofbräu im Königshof
„Omas“ Rinderroulade
gefüllt mit Speck, Zwiebeln und gekörntem Senf, mit Soße, gedünstetem Wurzelgemüse und Kartoffel – Selleriestampf, 14 Euro
Momentan tut sich Lars Becker noch schwer, von seinem „Löwen“ am Kopstadtplatz ins „Hofbräu im Königshof“ am Willy-Brandt-Platz gegenüber dem Essener Hauptbhanhof zu ziehen. Aber es dauert nicht mehr lang, bis die bayerische Gastlichkeit in der Ruhrgebietsmetropole Essen komplett auf ein neues Level gehoben wird. Dass die Rinderroulade als „Gourmet-“ und nicht als „Bergmannsgericht“ angekündigt wird, mag irritieren, denn sie ist eine Spezialität, die Einwanderer aus Schlesien mit ins Ruhrgebiet gebracht haben. Aber letzten Endes ist es egal, denn so etwas Fanatstisches bekommt man auf der Gourmetmeile wohl kein zweites Mal. Das Fleisch löffelweich und saftig, die Sauce zum Reinlegen, die Beilagen schön schlotzig. Soulfood vom Feinsten.



Gummersbach
Valrhona küsst Birne
Mousse au chocolat von der Jivara Valrhona, Birnensorbet, 8 Euro
Ein Dessert wie aus Bilderbuch, wobei das Birnensorbet von keinem Trend-Eismacher besser gemacht werden könnte.

Gourmetmeile Metropole Ruhr geht noch bis zum 31. August. Essen, Zollverein. Fr ab 16 Uhr, Sa & So ab 12 Uhr. Alle Infos hier.