Donnerstag, 30. November 2017

Kleinod im Ruhrtal: Gastronomie im Essener Golfclub Haus Oefte



Coole Gastronomen:
Maksim Zitnikov und Natalia Kocheskova

Wer als Normalsterblicher am Südufer der Ruhr zwischen Kettwig und Werden die Laupendahler Landstraße entlangfährt, lässt in der Regel das Zufahrtsschild zum „Essener Golfclub Haus Oefte“ am Straßenrand unbeachtet liegen. Dabei lohnt es sich, in die kleine gleichnamige Straße einzubiegen. Denn kaum hat man die blickdichte Begrünung hinter sich gelassen, öffnet sich der Blick auf eine schmucke Schlossanlage, von denen es an der Ruhr mehr zu geben scheint als man denkt. Hinter dem historischen Haupthaus, der sein heutiges Aussehen im 19. und in den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts erhielt, erstreckt sich auf den Ruhrhügeln das Green des Golfclubs und bietet den Spielern teilweise atemberaubende Ausblicke auf das Ruhrtal.

Haus Oefte: Märchenschloss am Wegesrand

Der Golfclub ist einer der exklusivsten seiner Art in der Region, und bislang war die Gastronomie des Hauses nur für Mitglieder zugängig. Unter dem langjährigen ehemaligen Betreiber Alexander Röder hatte die Küche eine Qualität erreicht, die auch unter Normalsterblichen Begehrlichkeiten erweckte. Jetzt hat such der Club entschlossen, auch fremde Golfreunde und Gourmetbegeisterte willkommen zu heißen.

Die Terrasse: Sogar in trüber
Novembernacht bezaubernd.

Und die kommen voll auf ihre Kosten. Nicht nur, das Haus Oefte mit seiner atemberaubendem Terrasse so zauberhaft daherkommt wie Schloss Hugenpoet ein paar Kilometer westwärts und die elegant eingerichteten Gasträume den Verlust der Résidence wettmachen können. Seit zwei Jahren ist Natalia Kocheskova die Pächterin, und mit Maksim Zitnikov hat sie einen Küchenchef am Herd, der mit Leib und Seele seinen Job macht. Das coole Gastronomepaar ergänzt sich ideal. Während Maksim in seinen Träumen in maximale Höhen aufsteigt, bringt Natalia ihn kurz und knapp mit charmantem Lächeln und dem unwiderstehlichen Blick einer Löwenbändigerin wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Exklusives Vereinsheim

Gelernt hat Makism sein Handwerk in der Schlossküche von Hugenpoet, war dann Souschef bei Erika Bergheim, um dann in die weite Welt der Sternegastronomie zu gehen. Er arbeitet im Hotel Traube-Tonbach in Baiersbronn, lernte bei Juan Amador Segnungen und Fluch der Molekularküche kennen (übrig geblieben ist davon seine Vorliebe fürs Sous-Vide-Garen). Zurück in Essen, betrieb er einige Zeit ein eigenes Restaurant in Rüttenscheid und ist heute froh, nichts mehr mit der Geschäftsführung zu tun haben zu müssen. Dafür hat er Natalia.

Allerdings liebt Maksim das Einkaufen und hofft, durch die Öffnung des Restaurants noch besser an noch frischere Zutaten zu kommen. Die sind das A und O seiner Küche, die er ungern mit einem Wort charakterisiert. Auf der einen Seite sieht er sich als Traditionalist (Maksim selbstzufrieden: „Ich komme aus Usbekistan und mache das beste Lammpilaw überhaupt.“ Natalia spöttisch: „Wirklich?“), andrerseits schätzt er die Präzision der Zubereitung aus der Sterneküche. Prätentiöses Chi-Chi beim Anrichten mag er nicht, was ihn aber nicht daran hindert, bei der Fischsuppe etwa eine Rotbarbe mit einem dreieckigen Stück Hummerfleisch als Hai zu verkleiden.

Die Karte in Haus Oefte ist ein Spagat zwischen hochwertiger Verpflegung für hungrige Golfspieler wie Flammkuchen (9,50 Euro) oder auch ein Wiener Schnitzel ohne weitere Beilage aus dem Kalbsrücken (16,60 Euro, „Für Holländer mit Senf“). Aber eben auch exklusive Gerichte, die man sich zu einem mehrgängigen Menü zusammenstellen kann. Die Preise sind erfrischend moderat. Bei aller Exklusivität befindet man sich in dieser Hinsicht durchaus immer noch in einem Vereinsheim.

Für ein intimes Arbeitsessen, das der Genießer mit zwei Kollegen hatte, tischte Maksim folgendes Menü auf. Als Gruß gab es hausgemachtes Gänserillette, den Edelfischeintopf von der Karte mit einer Aioli aus geräuchertem Knoblauch als Rouille-Ersatz (10,50 Euro), gebratene Gänsestopfleber mit Kaiserschmarren (statt Brioche) und Himbeersauce (16,50 Euro), Rinderfilet mit Steinpilzrisotto (24,50 Euro, steht mit Wintercouscous auf der Karte) und als Nachtisch eine Kugel Eierliköreis auf Beerenfrüchten, wie die kalorienbewussten Golf-Sportler ihr Dessert bevorzugen (1,50 Euro die Kugel Eis !). Auch die Weinbegleitung aus der umfangreichen Weinkarte war gut ausgewählt.

 Hausgemachtes Gänserillette

 Als Hai verkleidete Rotbarbe im Fischeintopf

Sündig: Gänsesstopfleber mit
Kaiserschmarren und Himbeersauce

Dazu gab es eine Riesling Spätlese

Kein Chi-Chi auf dem Teller:
Rinderfilet mit Steinpilzrisotto 

Dazu einen Barbera aus dem Piemont.

Eisvergnügen zum Dessert

Wer also noch für die Vorweihnachtszeit oder sogar fürs Fest selbst ein edles Ambiente für‘s erschwingliche Speisen sucht, sollte schleunigst bei Haus Oefte anrufen. Nach Weihnachten hat das Märchenschloss erst mal bis Ende Februar zu. Zum Start der Saison im Frühling ist man dann wieder am Golfball, und bei gutem Wetter wird auch die traumhafte Terrasse geöffnet sein.


 Der Meister in seinem Reich

Haus Oefte, Oefte 1 (Laupendahler Landstraße), 45219 Essen-Kettwig, Tel. 02054/9443998 Di- Fr 11-21 Uhr (Küche ab 12.00 Uhr), Sa, So, Feiertag 11 - 21 Uhr. www. oefte.com/gastronomie/

Wochenplan: Kulinarische Veranstaltungen vom 1.12. - 7.12.2017



bis 31.12.2017
Ausstellung
Essen außer Haus. Vom Henkelmann zum Drehspieß
Dortmund, Brauerei-Museum
Infos hier

bis 14.1.2018
Ausstellung
Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum
Waltrop, LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg
Infos hier

bis 23.12.2017
Bochumer Weihnacht
Bochum, Innenstadt
Infos hier

bis 30.12.2017
Dortmunder Weihnachtsmarkt
Dortmund, Innenstadt
Infos hier

bis-30.12.2017
Duisburger Weihnachtsmarkt
Duisburg, Innenstadt
Infos hier

bis 23.12 2017
Weihnachtsmarkt
Essen, Kennedyplatz
Infos hier

bis 23.12.2017
Nostalgischer Weihnachtsmarkt
Hattingen, Innestadt
Infos hier













1.12. - 4.12.2017
Hugenpoeter Nikolausmarkt
Essen, Schlosshotel Hugenpoet
Infos hier

1.12. - 19.12.2017
Mittelaltermarkt
Broicher Schlossweihnacht
Mülheim, Schloss Broich
Infos hier

6.12.2017
Saarner Nikolausmarkt
Mülheim, Dorf Saarn
Infos hier

8.12. - 10.12.2017
Food Lovers Street Food Markt
Duisburg-Innenhafen, Johann-Corputius-Platz
Infos auf Facebook

Wein-, Bier- und Spirituosen-Events im Ruhrgebiet 2017. Klick hier
Wochen- und Feierabendmärkte im Ruhrgebiet. Klick hier


Dienstag, 28. November 2017

Restaurantführer "Gault&Millau 2018" erschienen. Landhaus Köpp in Xanten und Haus Stemberg in Velbert beste Restaurants im Ruhrgebiet.



Heute erscheint der neue „Gault&Millau 2018“, nach dem Guide Michelin der renommierteste Restaurantführer in Deutschland. Vorab wurden die Spitzenreiter veröffentlicht, die mindestens 17 von den 20 möglichen Punkten bekommen haben, oder in die symbolischen Kochmützen umgerechnet, drei oder vier Kochmützen. Im Ruhrgebiet gehören zwei Restaurants dazu, die im „eigentlichen“ Sinne gar nicht Ruhrgebiets sind: Das Landhaus Köpp in Xanten (zwar RVR-Mitglied, gefühlt aber „nur“ Niederrhein) und Haus Stemberg in Velbert (kein RVR-Mitglied, dafür „gefühltes“ Ruhrgebiet). Verbessert auf 16 Punkte hat sich ist der Palmgarden in Dortmund, auf 15 Punkte Hackbarths in Oberhausen und Cielo in Dortmund. Ganz neu mit 13 Punkten sind das Jade in Essen und das Cocon in Duisburg.

Die anderen Restaurants im Ruhrgebiet haben die gleichen Bewertungen wie im letzten Jahr (klick hier). Die Résidence in Essen ist ausgeschieden.

Montag, 27. November 2017

Novemberessen: Spaghetti alla carbonara mit Guanciale, Trentingrana, Cavolo nero und Granatapfelkernen



Spaghetti alla carbonara habe ich in diesem Blog schon oft und in verschiedenen Varianten abgehandelt (klick hier), aber diese Version mit Cavolo nero , der italienischen Varietät von unserem Grünkohl, und Granatapfelkernen bringt so viel Farbe ins novemberlich trübe Licht der Welt, dass ich die Bilder den Blog-Lesern nicht vorenthalten möchte.

Cavolo nero

Dafür zerzupfte ich die Kohlblätter in mundgerechte Stücke, entfernte dabei die dicken Strünke und blanchierte sie in Salzwasser. Nach vier Minuten holte ich die Blätter heraus und schreckte sie mit eiskaltem Wasser ab. Das Blanchierwasser hielt ich zurück, um darin die Spaghetti al dente zu kochen.

Dann bereitete ich die Carbonara zu. Dazu ließ ich gewürfelte Guanciale aus, die römische Speckspezialität aus geräucherter Schweinebacke, und briet darin zwei Knoblauchzehen an. Dann gab ich den blanchierten Cavolo nero dazu und schmorte ihn eine Zeitlang mit.

Ich schlug zwei Eier auf, würzte sie mit weißem Pfeffer, zerstoßenen Korianderkörnern und Muskatnuss und quirlte drei, vier Esslöffel geriebenen Trentingrana, d.i. ein parmesanähnlicher Käse aus dem Trentino, darunter.

Die gekochten Nudeln gab ich zum Nero cavolo-Speck und briet sie ebenfalls eine Zeitlang mit. Dann nahm ich die Pfanne vom Feuer, ließ sie etwas abkühlen und goss den verquirlten Eier-Käse darüber. Mit etwas zurückbehaltenem Nudelkochwasser machte ich alles geschmeidig. Alles darf nicht zu heiß sein, damit die Eier nicht stocken. Zum Servieren würzte ich mit schwarzem Pfeffer aus der Mühle und streute ordentlich Granatapfelkern darüber.

 


Sonntag, 26. November 2017

Urbane Landhausküche: Herrengedeck mit Grünkohltapas



Eigentlich dokumentiert dieser Post einen Vorbereitungs-Test für den Grünkohl-Kochkurs des Genießers am 12. Dezember an der VHS Herne. Bei dem schönen Grünkohlessen bei Slow Food Bochum Anfang des Jahres hatte Slowfoodie Wiebke superleckere Grünkohlchips mit Erdnüssen mitgebracht, die sie in ihrem Dörrgerät hergestellt hatte und die ich im Kurs auch zubereiten lassen möchte. Weil in der VHS-Küche so ein Gerät (natürlich) nicht vorhanden ist, wollte ich jetzt ausprobieren, ob das Dörren auch im normalen Backofen in angemessener Zeit möglich ist. Und siehe an, es geht. Die Chips waren luftig, leicht und knusprig und schmeckten einfach wunderbar.

Aber als Einstiegs-Gang für das geplante Kochkurs-Menü fand ich das ein wenig zu dürftig. Und so gesellten sich noch zwei weitere Komponenten dazu: der bewährte Grünkohlsalat, den ich diesmal mit Orangen- und Grapefruitsaft und Apfelessig marinierte und schließlich mit Granatapfelkernen vermischte, und ein Grünkohlpesto-Pumpernickel-Kanapee mit Salami, gebratenem Bacon und Knusperparmesan – alles im Miniaturformat.


Als ich dieses Dreierlei dann schließlich vor mir stehen hatte, wurde mir klar, dass es nicht nur einen wunderbaren „Gruß aus der Küche“ abgeben würde. Es eignet sich auch ganz prächtig für eine Grünkohl-Tapasvariation zum klassischen Herrengedeck Korn und Bier, wie es (nicht nur) in den westfälischen Kneipen des Ruhrgebiets serviert wird.


Rezept: Grünkohlsalat mit Granatapfelkernen

Einige Blätter Grünkohl
2 EL Rapsöl
Saft einer Orange bzw. Grapefruit
1 TL Apfelessig
Zucker, Pfeffer, Salz
Granatapfelkerne
einige Grapefruitfilets

Grünkohlblätter von den harten Stielen befreien und klein zupfen. Aus Rapsöl, Orangen- bzw. Grapefruitsaft, Pfeffer, Zucker und Salz und ein paar Spritzern Apfelessig eine Marinade zubereiten und in die Grünkohlblätter massieren, bis sie etwas weicher geworden sind. Oder die Grünkohlblätter einige Stunden vorher marinieren und stehen lassen, bis sie zusammen gefallen sind. Granatapfelkerne untermischen und mit Grapefruitfilets garnieren.
Mit Orangensaft wird es süßer, mit Grapefruitsaft bitterer. Das muss man beim Abschmecken mit etwas Zucker ausgleichen. Man kann auch Zitronensaft nehmen, dann braucht man keinen Apfelessig.

Rezept: Grünkohlpesto-Pumpernickel-Kanapee mit Bacon, Salami und Knusperparmesan

200 g Grünkohlblätter
1-2 Knoblauchzehen
100 gehackte Haselnüsse
Schalenabrieb von ½ Orange
Rapsöl
100 g geriebener Parmesan
Pfeffer, Salz
Senf
Pumpernickeltaler
Salamisticks
Bacon

Grünkohl von den harten Rippen zupfen. 3 Minuten in Salzwasser blanchieren und kalt abschrecken. Gut abtropfen lassen. Mit Knoblauchzehen und gehackten Haselnüssen pürieren. Öl, Orangenabrieb und geriebenen Parmesan untermischen. Mit Pfeffer und Salz abschmecken. Mehrere Stunden ziehen lassen.
Für den Knusperparmesan ein bis zwei EL geriebenen Parmesan auf ein Stück Backpapier geben und eine dünne, zusammenhängende Spur daraus formen. Bei 130 Grad fünf bis zehn Minuten im Backofen knusprig braun werden lassen. In schöne Splitter zerbrechen.
Ein bis zwei dünne Scheiben Bacon ausbraten, bis sie knusprig sind und in Splitter zerbrechen.
Salamisticks in dünne Scheibchen schneiden.
Zum Anrichten Pumpernickeltaler sehr dünn mit Senf bestreichen. Zwei bis drei TL Pesto darauf geben und schön glatt streichen. Mit Knusperparmesan, geratenem Bacon und Salami garnieren.

Rezept: Grünkohlchips mit Erdnüssen

250 Gramm Grünkohl
Rapsöl
2 EL Erdnusscrème
Salz
1 TL Paprikapulver edelsüß
1 TL Chiliflocken


Grünkohl in 4 cm große Stücke zupfen, dabei die dicken Strünke entfernen. In Salzwasser drei Minuten blanchieren, abschrecken und trockentupfen.
Aus Erdnusscrème, Rapsöl, edelsüßem Paprika und Chiliflocken mit dem Schneebesen eine glatte Marinade rühren. Mit Salz abschmecken. Es soll salzig sein. Gezupfte und abgeschreckte Grünkohlblätter dazugeben und alles gut durchmassieren. Auf einem mit Backpapier ausgelegtem Backblech verteilen.
Bei 130 Grad im Ofen 40 Minuten lang dörren. Nach zwanzig Minuten den Ofen einen Spalt öffnen und die Tür fixieren, damit die Feuchtigkeit entweichen kann. Bei geöffnetem Ofen fertig dörren, bis die Chips knusprig sind.

 Grünkohl trifft Schwarzkohl.
Man kann die Tapas natürlich auch mit Cavolo nero machen.

 Grünkohlchips



Freitag, 24. November 2017

Wochenplan: Kulinarische Termine vom 24. - 30.11.2017



Ob man Weihnachtsmärkte als kulinarische Veranstaltungen bezeichnen möchte, sei einmal dahin gestellt. Jedenfalls dominieren sie ab diesem Wochenende die Innenstädte im Ruhrgebiet, und zu essen gibt es dort reichlich.

bis 31.12.2017
Ausstellung
Essen außer Haus. Vom Henkelmann zum Drehspieß
Dortmund, Brauerei-Museum
Infos hier 

bis 14.1.2018
Ausstellung
Zum Wohl! Getränke zwischen Kultur und Konsum
Waltrop, LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg
Infos hier


bis 30.11.207
Kochquintett Kreis Vest
Menü im November
Bullerkotte, Marl-Polsum
Infos hier



Linsenuppe auf dem
Bochumer Weihnachtsmarkt
















23.11. -23.12.2017
Bochumer Weihnacht
Bochum, Innenstadt
Infos hier

bis 30.12.2017
Dortmunder Weihnachtsmarkt
Dortmund, Innenstadt 
Infos hier

bis 30.12.2017
Duisburger Weihnachtsmarkt
Duisburg, Innenstadt
Infos hier

bis 23.12 2017
Weihnachtsmarkt
Essen, Kennedyplatz
Infos hier

27.11. - 23.12.2017
Nostalgischer Weihnachtsmarkt
Hattingen, Innestadt
Infos hier 

28.11. - 30.11.2017
Romantischer Weihnachtsmarkt
Hagen, LWL-Freilichtmuseum 
Infos hier

Wein-, Bier- und Spirituosen-Events im Ruhrgebiet 2017. Klick hier
Wochen- und Feierabendmärkte im Ruhrgebiet. Klick hier

Montag, 20. November 2017

Kunst statt Nudeln: Ausstellung mit Bildern von Maler Christian Nienhaus und den Köchen Knut Hannappel, Berthold Bühler und Jeannette Schnitzler im FrischeParadies Essen





Maler und Feinschmecker Christian Nienhaus

Wenn der Genießer die Bilder des Malers Christian Nienhaus aus Gelsenkirchen sieht, muss er unwillkürlich an André Heller denken. In den 1970er/80er war das heuer 70 Jahre alt gewordene „Multitalent“ aus Wien mit seinen Schallplatten der erfolgreichste Popstar Österreichs, der das Wienerlied für die internationalen Popkultur entstaubte, später machte er als Veranstalter von künstlerischen Großaktionen Furore. Anfang der 2000er Jahre installierte er z.B. das künstlerische Fantasialand „Meteorit“ in einer Halle des Energiekonzerns RWE in Essen. Er kultivierte die im Wiener Schmäh wurzelnde Provokation, nicht zuletzt regte er auf, weil er sich nicht scheute, tief in die Kitschkiste zu greifen. Die Kritiker haderten mit ihm, weil sie nie so recht wussten, ob seine nach außen gebrachte Empfindsamkeit nicht doch nur konsequent durchdachtes Selbstmarketing war – zumal Heller ein Meister in der Kunst des Akquise von Sponsoren ist.

Genuss trifft Kunst im FrischeParadies

Es muss um 1976 gewesen sein, dem Jahr, in dem Christian Nienhaus geboren wurde, als Heller eine Lesung eigener Gedichte in einer Nachtbar veranstaltete. Diese Aktion fiel mir ein, als ich hörte, das Nienhaus einen Gemäldezyklus unter dem Motto „Heimat“ ausgerechnet im FrischeParadies Essen ausstellt, einem Feinkostsupermarkt am Essener Großmarktgelände. Auch er, so betonte Nienhaus, will mit seinen Gemälden die hermetische Kunst-Welt der Museen oder Galerien verlassen und freue sich sehr, dass das FrischeParadies für die Zeit der Ausstellungen einige Nudelregale für seine Bilder beiseite geräumt habe.

Die Gemälde selbst erinnerten mich ebenfalls an Heller. Die dekorativen, farbenprächtigen Bilder sind gemalte Traumfabrik, quasi eine Symbiose aus Actionpainting und Surrealismus. Basierend auf großformatigen Fotos, die Nienhaus durch Übermalung verfremdet, erhalten sie durch eine aufwändige Farbtechnik eine eingängige Hochglanzoberfläche. Einerseits tief empfunden, sind sie andererseits sehr erfolgreich. Zu Christian Nienhaus besten Kunden gehören Käufer aus den USA und dem Nahen Osten.

Christian Nienhaus und Ralf Schütte von LUEG eröffnen die Ausstellung

Den Begriff „Heimat“ meint er eher ideell, im Zeitalter der Popkultur durchaus global. So sind die Köpfe der Kumpels auf einem Bild über den Schichtwechsel auf einer Gelsenkirchener Zeche mit Tierköpfen übermalt, so dass man sie für die Komparserie in einem „Planet der Affen“-Filme hält, in dem verfremdeten Zitat eines Plattencovers erhält David Bowie einen Papageienkopf, und Vorbild für das Bügeleisenhaus auf einem anderen Bild ist die nicht das Sparkassengebäude in Bochum, sondern der bekannte Wolkenkratzer in New York.

Dass die Ausstellung im FrischeParadies sattfindet, ist kein Zufall. Christian Nienhaus ist nämlich ein leidenschaftlicher Feinschmecker. Sein Atelier in Gelsenkirchen hat er sich vom legendären Herd-Hersteller Küppersbusch mit einer Luxusküche ausstatten lassen, in der er immer wieder Spitzenköche empfängt – auch die sind heutzutage schließlich Popstars.

Knut Hannappel (3. v.r.) und Berthold Bühler (li.) mit ihrer Küchencrew

Im Rahmen der Ausstellung fanden im neueröffneten Bistro des FrischeParadies zwei Flying Menues statt. Dafür konnte Nienhaus drei Essener Spitzenköche gewinnen. Am Samstag präsentierte Knut Hannappel ein fünfgängiges „Vernissage Menü“, bei dem er tatkräftige Unterstützung durch Berthold Bühler fand, dem in den Ruhestand gegangenen Patron der legendären „Résidence“ in Kettwig.

Mann im Hintergrund:
Tablettträger Berthold Bühler

Der Grandseigneur der Sterneküche im Ruhrgebiet gab sich bescheiden wie eh und je. „Ich bin hier nur so eine Art Tablettträger“, meinte er schmunzelnd.

Jeannette Schnitzler

Am Sonntag gab es dann einen „Art Meets Kitchen“-Brunch rund um den Trüffel mit Jeannette Schnitzler. Jeannette ist gerade dabei, sich in ihrem neuen Domizil „La petite Cave“ in Rüttenscheid zu etablieren. Der Umbau des kleinen Kellerlokals geht im laufenden Betrieb vonstatten – eine Maßnahme, die die die Gäste keineswegs davon abhält, zum Essen zu kommen.

Als Koch- und Gastro-Blogger dokumentiert der Genießer pflichtgemäß das, was es bei den Menüs zu essen gab. Knut Hannappels Kreationen waren sensationell. Den Tellern entströmten Duftwolken, die gleichermaßen betörend und appetitanregend waren. Und Jeannettes Schnitzlers Brunchbüffet, ergänzt durch zahlreiche frisch zubereitete Gänge, zeigte, wie luxuriös Heimatgefühle sein können. Auch im Ruhrgebiet.


Vernissage Menu von Knut Hannappel und Berthold Bühler

Terrine von der Gänseleber, Banane, Kakao, Brioche

Meerforelle in Kaffee/Orange gebeizt
mit Quinoa, Zitrusfrüchten und Gurke

Filet vom Kabeljau mit Pastinake und Passionsfrucht

Geschmorte Backe vom Milchkalb auf Kartoffel-Stielmusstampf

Schokoladenkugel Guanaja Grand Cru 70 %, Baumtomate, Portwein


„Art Meets Kitchen“-Brunch von Jeannette Schnitzler

Samtige Fischsuppe

Trüffel-Belugalinsen

Jakobsmuschel auf Vanille-Chili-Sauce

Trüffel-Crème mit Schinken

Wachtelbrust mit Cassis-Sauce 

Hirschinvoltini mit Datteln und Sternanis-Kakaosauce

Rührei mit Trüffel 

Dessert 

Kaffee

Bilder einer Ausstellung

Bistro im FrischeParadies





Ralf Schütte (LUEG), Knut Hannapel, Juliane Eller (Juwel-Weine), Berthold Bühler, Christoph Wlotzki (FrischeParadies), Christian Nienhaus 

Die Ausstellung geht noch bis zum Dienstag, 21.11.2017. FrischeParadies, Essen, Lützowstr. 24.