Montag, 20. November 2017

Kunst statt Nudeln: Ausstellung mit Bildern von Maler Christian Nienhaus und den Köchen Knut Hannappel, Berthold Bühler und Jeannette Schnitzler im FrischeParadies Essen





Maler und Feinschmecker Christian Nienhaus

Wenn der Genießer die Bilder des Malers Christian Nienhaus aus Gelsenkirchen sieht, muss er unwillkürlich an André Heller denken. In den 1970er/80er war das heuer 70 Jahre alt gewordene „Multitalent“ aus Wien mit seinen Schallplatten der erfolgreichste Popstar Österreichs, der das Wienerlied für die internationalen Popkultur entstaubte, später machte er als Veranstalter von künstlerischen Großaktionen Furore. Anfang der 2000er Jahre installierte er z.B. das künstlerische Fantasialand „Meteorit“ in einer Halle des Energiekonzerns RWE in Essen. Er kultivierte die im Wiener Schmäh wurzelnde Provokation, nicht zuletzt regte er auf, weil er sich nicht scheute, tief in die Kitschkiste zu greifen. Die Kritiker haderten mit ihm, weil sie nie so recht wussten, ob seine nach außen gebrachte Empfindsamkeit nicht doch nur konsequent durchdachtes Selbstmarketing war – zumal Heller ein Meister in der Kunst des Akquise von Sponsoren ist.

Genuss trifft Kunst im FrischeParadies

Es muss um 1976 gewesen sein, dem Jahr, in dem Christian Nienhaus geboren wurde, als Heller eine Lesung eigener Gedichte in einer Nachtbar veranstaltete. Diese Aktion fiel mir ein, als ich hörte, das Nienhaus einen Gemäldezyklus unter dem Motto „Heimat“ ausgerechnet im FrischeParadies Essen ausstellt, einem Feinkostsupermarkt am Essener Großmarktgelände. Auch er, so betonte Nienhaus, will mit seinen Gemälden die hermetische Kunst-Welt der Museen oder Galerien verlassen und freue sich sehr, dass das FrischeParadies für die Zeit der Ausstellungen einige Nudelregale für seine Bilder beiseite geräumt habe.

Die Gemälde selbst erinnerten mich ebenfalls an Heller. Die dekorativen, farbenprächtigen Bilder sind gemalte Traumfabrik, quasi eine Symbiose aus Actionpainting und Surrealismus. Basierend auf großformatigen Fotos, die Nienhaus durch Übermalung verfremdet, erhalten sie durch eine aufwändige Farbtechnik eine eingängige Hochglanzoberfläche. Einerseits tief empfunden, sind sie andererseits sehr erfolgreich. Zu Christian Nienhaus besten Kunden gehören Käufer aus den USA und dem Nahen Osten.

Christian Nienhaus und Ralf Schütte von LUEG eröffnen die Ausstellung

Den Begriff „Heimat“ meint er eher ideell, im Zeitalter der Popkultur durchaus global. So sind die Köpfe der Kumpels auf einem Bild über den Schichtwechsel auf einer Gelsenkirchener Zeche mit Tierköpfen übermalt, so dass man sie für die Komparserie in einem „Planet der Affen“-Filme hält, in dem verfremdeten Zitat eines Plattencovers erhält David Bowie einen Papageienkopf, und Vorbild für das Bügeleisenhaus auf einem anderen Bild ist die nicht das Sparkassengebäude in Bochum, sondern der bekannte Wolkenkratzer in New York.

Dass die Ausstellung im FrischeParadies sattfindet, ist kein Zufall. Christian Nienhaus ist nämlich ein leidenschaftlicher Feinschmecker. Sein Atelier in Gelsenkirchen hat er sich vom legendären Herd-Hersteller Küppersbusch mit einer Luxusküche ausstatten lassen, in der er immer wieder Spitzenköche empfängt – auch die sind heutzutage schließlich Popstars.

Knut Hannappel (3. v.r.) und Berthold Bühler (li.) mit ihrer Küchencrew

Im Rahmen der Ausstellung fanden im neueröffneten Bistro des FrischeParadies zwei Flying Menues statt. Dafür konnte Nienhaus drei Essener Spitzenköche gewinnen. Am Samstag präsentierte Knut Hannappel ein fünfgängiges „Vernissage Menü“, bei dem er tatkräftige Unterstützung durch Berthold Bühler fand, dem in den Ruhestand gegangenen Patron der legendären „Résidence“ in Kettwig.

Mann im Hintergrund:
Tablettträger Berthold Bühler

Der Grandseigneur der Sterneküche im Ruhrgebiet gab sich bescheiden wie eh und je. „Ich bin hier nur so eine Art Tablettträger“, meinte er schmunzelnd.

Jeannette Schnitzler

Am Sonntag gab es dann einen „Art Meets Kitchen“-Brunch rund um den Trüffel mit Jeannette Schnitzler. Jeannette ist gerade dabei, sich in ihrem neuen Domizil „La petite Cave“ in Rüttenscheid zu etablieren. Der Umbau des kleinen Kellerlokals geht im laufenden Betrieb vonstatten – eine Maßnahme, die die die Gäste keineswegs davon abhält, zum Essen zu kommen.

Als Koch- und Gastro-Blogger dokumentiert der Genießer pflichtgemäß das, was es bei den Menüs zu essen gab. Knut Hannappels Kreationen waren sensationell. Den Tellern entströmten Duftwolken, die gleichermaßen betörend und appetitanregend waren. Und Jeannettes Schnitzlers Brunchbüffet, ergänzt durch zahlreiche frisch zubereitete Gänge, zeigte, wie luxuriös Heimatgefühle sein können. Auch im Ruhrgebiet.


Vernissage Menu von Knut Hannappel und Berthold Bühler

Terrine von der Gänseleber, Banane, Kakao, Brioche

Meerforelle in Kaffee/Orange gebeizt
mit Quinoa, Zitrusfrüchten und Gurke

Filet vom Kabeljau mit Pastinake und Passionsfrucht

Geschmorte Backe vom Milchkalb auf Kartoffel-Stielmusstampf

Schokoladenkugel Guanaja Grand Cru 70 %, Baumtomate, Portwein


„Art Meets Kitchen“-Brunch von Jeannette Schnitzler

Samtige Fischsuppe

Trüffel-Belugalinsen

Jakobsmuschel auf Vanille-Chili-Sauce

Trüffel-Crème mit Schinken

Wachtelbrust mit Cassis-Sauce 

Hirschinvoltini mit Datteln und Sternanis-Kakaosauce

Rührei mit Trüffel 

Dessert 

Kaffee

Bilder einer Ausstellung

Bistro im FrischeParadies





Ralf Schütte (LUEG), Knut Hannapel, Juliane Eller (Juwel-Weine), Berthold Bühler, Christoph Wlotzki (FrischeParadies), Christian Nienhaus 

Die Ausstellung geht noch bis zum Dienstag, 21.11.2017. FrischeParadies, Essen, Lützowstr. 24.


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