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Freitag, 25. Juli 2025

Sizilien auf dem Südbalkon: Parmigiana di melanzane (vegetarisch)

Update: Das Binario 081 im alten Hattiger Bahnhof hat ab 13.8.2025 wieder geöffnet. https://binario081.com/


Parmigiana aus der Küche des Genießers

Ich werde ja immer etwas wehmütig, wenn ich an das „Café Bistro Mara“ denke, jenes hübsche Ristorante, das vor drei Jahren versuchte, in der Hattinger Altstadt authentische sizilianische Küche an den Gast zu bringen (klick hier). Gerade ein dreiviertel Jahr konnten die Betreiber mit ihrem anspruchsvollen Konzept durchhalten.

Umso erfreuter war ich, als mir die Kolleginnen von „Ruhrpott erleben“ das neue italienische Restaurant „Binario 081“ empfahlen, das im Frühjahr im alten Bahnhof Hattingen eröffnet hatte. Seit die „Fabbrica Italiana“ in dem historischen Prachtbau ihre Pforten schloss, war die Location eine Art Wanderpokal. So versuchte Sabri Aslan vom „Las Olas“ vergeblich dort Fuß zu fassen, dann gab es da ein italienisches Restaurant mit dem schönen Namen „Bella Bella Mozzarella“, dessen Betreiber Carmelo Bramanti es aber nach Essen-Rüttenscheid zog. Jetzt aber, so schwärmten Silke und Isabella, würde dort Ciro Guerriero tolle süditalienische Küche anbieten.

Der alte Bahnhof in Hattingen

So kam ich vorletzten Sonntag nach einem meiner sommerlichen Spaziergänge in der Ruhrschleife von Hattingen-Winz-Baak spontan auf die Idee, im „Binario 081“ einzukehren und wurde nicht enttäuscht. Auf dem zur Restaurantterrasse umfunktionierten Bahnsteig wurde mir eine Parmigiana di melanzane serviert, wie ich sie das letzte Mal bei unserem sizilianischen Menü im Dortmunder „Belvedere“ bekommen hatte (klick hier). Der köstliche Auflauf war Soulfood vom feinsten, genauso wie das Tiramisu, das ich mir als Nachtisch gönnte und das aus einer großen irdenen Schüssel mit einem großen Vorlegelöffel am Tisch aufgetragen wurde. Was mich allerdings wunderte war, dass das Lokal an diesem wunderschönen Sonntagnachmittag so gut wie gar nicht besucht war. Sollte das „Binario 081“ etwa das gleiche Schicksal erleiden wie das „Café Bistro Mara“?


Parmigiana im „Binario 081"


Tiramisu auf dem Bahnsteig


Später kam ich auf die Idee, meinen spontanen Besuch anders als zuerst geplant doch noch zu einem Blog-Beitrag zu verarbeiten. Deswegen fuhr ich noch einmal hin, um weitere Fotos zu machen. Da entdeckte ich an Tür einen Zettel mit der Nachricht, dass das Restaurant wegen technischer Probleme vorübergehend geschlossen sei. Aber nach deren Behebung solle es weitergehen, gab man sich optimistisch – nun ja, hoffen wir das Beste.

Der Zettel an der Tür

Die Parmigiana di melanzane ging mir aber nicht aus dem Sinn, und so beschloss ich, sie auf meinem Balkon einfach nachzubauen. Dazu suchte ich nach einem Rezept und wurde in dem italienischen Blog „Il cucchiaio d'argento“ fündig (klick hier). Parmigiana di melanzane ist ein besonders auf Sizilien und um Neapel verbreiteter Vorspeisen-Auflauf mit Auberginen, anderswo in Italien wird er auch mit anderen Gemüsen wie etwa Zucchini zubereitet. Die Zubereitung ist denkbar einfach: gebratene Auberginenscheiben werden mit einer Sauce aus passierten Tomaten mit Mozzarella und Parmesan im Ofen überbacken. Allerdings dauert die ganze Sache etwas, denn die Auberginen müssen vorbereitet werden. Obwohl es bei den modernen Sorten, die man heute im Supermarkt bekommt, nicht mehr notwendig ist, den Früchten die Bitterstoffe zu entziehen, empfiehlt es sich, sie für die Parmigiana einzusalzen und über eine Stunde lang zu entwässern. Denn durch den Wasserentzug lassen sie sich besser braten und haben dann ein konzentrierteres Aroma, was durch das Salz noch verstärkt wird. Während der Entwässerungszeit hat man aber genügend Muße, die Tomatensauce zuzubereiten, die ganz puristisch nur mit Zwiebeln, einem Minimum an Knoblauch und Basilikum gewürzt wird. Das Ergebnis ist unschlagbar.

Die Zutaten für den Nachbau


Der Wein dazu


Zum Überbacken hatte ich mir Fior di Latte besorgt, jene Mozzarella-Spezialität aus Kuhmilch, die ursprünglich aus den Bergen über der Amalfi-Küste stammt; für die Tomatensauce verwendete ich rote Zwiebeln aus dem Biomarkt, von denen ich mir einbildete, sie seien welche aus Tropea in der Basilicata. Und getrunken wurde zur Parmigiana natürlich ein roter Süditaliener, ein Salice Salentino aus dem Stiefelabsatz.

Es gibt übrigens auch eine süße Dessert-Variante der Parmigiana. Da werden die gebratenen Auberginenscheiben mit Schokoladensauce kombiniert und sind eine Traditionsessen für den sommerlichen Feiertag Ferragosto. Das Rezept dafür findet ihr hier.

Gebratene Auberginenscheiben

Tomatensauce

In der Auflaufform

Mit Mozzarella und Parmesan überbacken

Das Vorbild im Binario 081"

Der Nachbau auf dem hemischen Balkon

Rezept: Parmigiana di melanzane (vegetarisch)
2-3 Vorspeisenportionen

2 mittelgroße Auberginen
300 ml Passata (passierte Tomaten)
150 g Mozzarella
2 kleine Zwiebeln
100 g geriebener Parmesan
1 Knoblauchzehe
1 Zweig Basilikum
Öl zum Braten
Natives Olivenöl extra
Salz
Pfeffer
Zucker
Mehl

Auberginen putzen und längs in 50 Millimeter dicke Scheiben schneiden. In eine Seihe schichten und jede Schicht mit Salz bestreuen. Mit einem flachen Teller bedecken und mit einem Gewicht (kleiner Topf) beschweren. Eine Stunde ziehen lassen. Das ausgetretene Wasser wegschütten. Die Auberginen mit Küchenkrepp abtrocknen und dabei noch vorhandenes Salz abwischen.
Zwiebel fein würfeln. Knoblauchzehe schälen. Basilikumblätter vom Zweig zupfen. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und darin Zwiebelwürfel und Knoblauchzehe weich dünsten. Mit Passata auffüllen, Basilikumblätter und den Zweig hinzugeben. Pfeffern und wenig salzen. (Die entwässerten Auberginen bringen genug Salz ans Gericht). Alles zwanzig Minuten köcheln lassen. Dann den Basilikumzweig und evtl. die Knoblauchzehe herausfischen.
Die abgetropften und abgetrockneten Auberginenscheiben in Mehl wälzen. Überschüssiges Mehl abklopfen. In einer zweiten Pfanne eine genügende Menge Öl erhitzen und die mehlierten Auberginenscheiben nach und nach bei mittlerer Hitze goldgelb braten. Zwischendurch ggf. verbranntes Mehl aus der Pfanne wischen und Öl nachgießen. Fertig gebratene Auberginenscheiben auf Küchenkrepp abtropfen lassen.
Eine Auflaufform dünn mit Tomatensauce ausstreichen und eine Lage Auberginenscheiben einschichten. Darauf wieder Tomatensauce geben, dann wieder Auberginenscheiben, bis die Scheiben alle sind. Zum Schluss den Rest Tomatensauce darauf verteilen.
Alles mit geriebenem Parmesan bestreuen und den in Scheiben geschnittenen Mozzarella darauflegen.
Im vorgeheizten Backofen bei 180 Grad 30 Minuten backen. Wenn der Mozarrella geschmolzen und leicht gebräunt ist, die Parmigiana aus dem Ofen holen. Auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.


Ähnliche Rezepte:
Melanzana alla cioccolata bzw. Auberginen in Schokoladensauce (vegetarisch) klick hier
Mit Mozzarella überbackener Fenchel (vegetarisch) klick hier
Lasagne mit Wildbrät-Ragù und Gorgonzola-Béchamel klick hier

Dienstag, 11. Juli 2023

Portugiesisch-sizilianisches Mittachshapperl: Verdel in Escabeche (Makrele in süßsaurer Marinade) mit Caponata und mit Couscous gefüllten Zucchiniblüten. Dazu ein gekühlter Salice Salentino


Immer, wenn es so richtig heiß wird wie am letzten Wochenende, bekomme ich Appetit auf sizilianische Küche. Letztes Jahr war es möglich, nach Hattingen ins „Café Mara“ zu fahren (klick hier), wo Michelangelo und Catena Pintaudi für einen kurzen Sommer lang authentische sizilianische Kost anboten, aber das schöne Lokal war zum Jahresende schon wieder zu – ich schätze, die Hattinger waren von der pizzafreien Italo-Angebot einfach überfordert. Jetzt muss man schon nach Dortmund-Brackel ins „Belvedere“ (klick hier) fahren, um mit etwas Glück z. B. pasta con le sarde zu bekommen.

Zutaten für die Caponata

Nun denn, man kann ja auch selbst kochen. Zu meinen sizilianischen Lieblingsgerichten gehört die Caponata, ein süßsaurer Salat aus Auberginen, Paprika, Tomaten und anderen Gemüsen mit Pinienkernen und Rosinen. Er ist wohl ein Erbe der arabischen Kultur, die auf Sizilien auch heute noch allgegenwärtig ist, genauso wie das Couscous, dem der sizilianische Badeort San Vito lo Capo ein eigenes Festival widmet.

Portugiesische Makrele in Marinade

Gekühlter Salice Salentino

Ein Trip in den Feinkostsupermarkt im Essener Frischcenter brachte mich dann auf die Idee für dieses sizilianisch inspirierte Sommergericht, das allerdings auch portugiesische Wurzeln hat. Denn die Makrele in süßsaurer Marinade, die ich zur Caponata servierte, war eine wunderbare Konserve eines portugiesischen Produzenten, der mir bis lang nur durch seine Jahrgangssardinen aufgefallen war. Und der Rotwein, den ich übrigens gekühlt dazu trank, stammte auch nicht von der Insel, sondern aus Apulien. Doch das ist ja genauso südlich (klick hier).


Rezept: Verdel in Escabeche (Makrele in süßsaurer Marinade) mit Caponata und mit Couscous gefüllten Zucchiniblüten

2 Portionen

1 Makrele in süßsaurer Marinade (Konserve)

Caponata:
1 kleine Aubergine
1 kleine rote Paprika
1 Zwiebel
1 Knoblauchszehe
1 Pckg. Kirschtomaten
1 kl. Zucchino
geröstete Pinienkerne
gewässerte Rosinen
frittierte Kapern
Zucker
Weißweinessig

Caponata nach folgendem Rezept am besten am Vortag herstellen, damit sie ziehen kann. Zum Rezept klick hier.

Mit Couscous gefüllte Zucchiniblüten:
4 Zucchiniblüten mit Ansatz
1/2 Tasse Couscous
1 Tasse Wasser
½ TL gekörnte Gemüsebrühe
3 TL Ziegenfrischkäse
1 EL geriebener Pecorino

½ Tasse Couscous in eine Schüssel geben und mit der gekörnten Brühe vermischen. 1 Tasse Wasser zum Kochen bringen und über den Couscous gießen. Umrühren und 10 Minuten quellen lassen.
Zucchiniblüten vorsichtig waschen und abtupfen. Den Stempel aus der Blüte drehen.

1 EL gequollenen Couscous mit Ziegenfrischkäse und Pgeribenem Pecorino vermischen und mit einem Teelöffel in die Blüten füllen und zudrehen. In eine mit Olivenöl ausgestrichene Forme legen und bei 180 Grad im Ofen ca. 20 Minuten backen.

Anrichten:
Makrele abgießen, Marinade auffangen. Makrele in zwei Filets teilen. Makrelnfilets auf tellern mit Caponata und je zwei Zucchiniblüten anreichten. Übrig geblieben Couscous dazureichen. Mit gekühltem Rotwein Salice Salentino servieren.

Und zum Nachtisch einen Eiskaffee

Hier geht es zu weiteren Posts mit dem Stichwort Sizilien.

Sonntag, 19. Februar 2023

Dortmund-Brackel: Sizilianisches im Belvedere

Update Dezember 2024: Das Restaurant ist auf die andere Straßenseite gezogen und befindet sich nun unter der Adresse Flughafenstr. 16, 44309 Dortmund..

Mutter und Sohn: Salvo und Melina Galvagno

Zugegeben, im ersten Moment fand ich den Gedanken, von meinem Heimatort aus 28 Kilometer erst auf der A40 und dann auf der B1 durch das gesamte Dortmunder Stadtgebiet zu juckeln, um im Vorort Brackel eine Pizzeria zu testen, gar nicht so prickelnd. Aber weil auf die Empfehlungen von Kollegin Silke von der Facebook-Seite „Mein (kulinarisches) Dortmund“ eigentlich immer Verlass ist, gab ich mir letzten Mittwoch den nötigen Ruck und machte mich auf den Weg zu einem kleinen Presseessen – und wurde dann wahrlich nicht enttäuscht. Was wie ein Ausflug in den fernen Osten des Ruhrgebiets begann, wurde eine Himmelfahrt in die sizilianische Küche.


Sizilien in Brackel. Im Sommer ist eine hübsche Terrasse geöffnet.

Denn im Ristorante Belvedere an der Flughafenstraße kocht tatsächlich eine Mamma. Melina Salvagno und ihr Sohn Salvo, die mit ihrer Familie auch noch das Ristorante Da Pino im benachbarten Lünen betreiben, servieren hier normalerweise eine recht feine italienische Küche samt Pizza und Pasta und haben sich so eine treue Stammkundschaft herangezogen. Doch immer wieder versuchen sie, das übliche Angebot durch etwas Spezielles zu erweitern. Zwar lebt Melina seit vierzig Jahren in Deutschland, doch ihr Herz hängt an der Küche ihrer sizilianischen Heimat. Und so entstand die Idee, eine kleine Auswahl der bodenständigen Gerichte der süditalienischen Insel zu präsentieren, die schließlich ein soulfood der ganz besonderen Art darstellen und auf ihre Art des italienische Edel-Einerlei von Carpaccio, Rinderfeilet und Tiramisu weit in den Schatten stellen.


Das heißt, Tiramisu gab es zum Dessert auch, aber in fast orientalischem Überschwang mit Pistazien und Rocher-Pralinen, dass man die typischen Cannoli, die es demnächst aber auch geben wird, kaum vermisste. Schließlich wurden sie auch noch von einer handgerührten Zabaione sekundiert, an der man sich kaum satt schlürfen konnte. Allerdings sind wir damit schon am Ende des denkwürdigen Abends, doch beginnen wir lieber von Anfang an.

Eine Revue kleiner sizilianischer Köstlichkeiten
Belvedere, 15.2.2023



Vorweg: Bruschetta



Parmigiana di melanzane
Parmigiana ist ein mit Mozzarella und Parmigiano überbackener Gemüseauflauf, der in ganz Süditalien verbreitet ist. Auf Sizilien werden gerne Auberginen, italienisch melanzane, verwendet.




Cannelloni mit Ricotta und Spinat gefüllt
Ebenfalls ein feiner überbackener Auflauf aus dem Ofen, allerdings mit großen Röhrennnudeln. Auf dem Foto sind sie portionsweise geteilt.


Ein Sangiovese aus Apulien





Paccheri mit Polpette und Sugo alla Mamma
Spätestens, seit in dem Filmklassiker „Der Pate“ Michael Corleone von seinem Komplizen Clemenza beigebracht bekommt, wie man für 20 Männer Spaghetti mit Fleischklößchen (Polpette) in Tomatensauce kocht, heißt dieses traditionelle Gericht auch „Spaghetti Il Padrino“. Anders als im Film, macht Melina einen sugo alla Mamma mit herrlichem Fleischaroma und nimmt als Pasta anstelle von Spaghetti die kurzen breiten Paccheri.




Casarecce mit Sardellen und Semmelbröseln
Pasta con le sarde ist einer der großen Klassiker der sizilianischen Küche. Melina präsentiert sie ganz einfach mit Sardellen und gerösteten Semmelbröseln und macht die Casarecce, eine typisch sizilianische Nudelform, dafür selbst.


Dessert I: Pistazien-Tiramisu

Dessert II: Rocher-Tiramisu

Dessert III: Zabaione

Absacker: Averna Sour

Belvedere Ristorante Pizzeria. Flughafenstr. 16, 44309 Dortmund. Tel. 0231/201060. Mo, Mi-Sa 17-23 Uhr, So 12-14.30 und 17-23 Uhr. www.belvedere-dortmund.de

Der Genießer bedankt sich für die Einladung.

Donnerstag, 16. Juni 2022

Sizilianisches Fronleichnam: Olivenbrot mit Pesto trapanese, Caponata und Calamarata alla puttanesca con cozze alla griglia



Der Besuch im Café Mara im Hattinger Sizilien war doch ungemein inspirierend (klick hier). Bei dem wunderbaren Sommerwetter am Fronleichnamstag kam ich deswegen auf die Idee, aus den zahlreichen sizilianische inspirierten Rezepten aus diesem Blog ein kleines, leichtes Menü für den Südbalkon zusammen zu stellen. Besonders den süßsauren Gemüsesalat aus Auberginen, Zucchini, Paprika, Oliven und Kapern hatte ich dabei im Auge, der in vordigitalen Zeiten eines meiner italienischen Standardgerichte war. Für den Blog hatte ich ihn aber nie zubereitet, und nur weil ich ihn im Jahr 2016 einmal in meinem Kochkurs "Die mediterranen Wurzeln der Ruhrgbietsküche" an der VHS Herne machen ließ (klick hier), hat das Rezept einen Eintrag im Rezepte-Archiv gefunden. Jetzt ergab sich die Möglichkeit, es auch im „offiziellen“ Blog zu bringen. Um einen besonderen Pfiff zu erzielen, wollte ich diesmal die Kapern aber nicht einfach so dazu tun, sondern sie separat in Olivenöl frittieren, bis sie knusprig waren.

Frische Zutaten für die Caponata

Oliven und Kapern, dazu noch die edlen vom Slow-Food-Presidio auf den Liparischen Inseln, hatte ich noch im Haus, genauso wie die Zutaten für das Pesto nach Art der sizilianischen Stadt Trapani, das aus Mandeln, Tomaten, Stangensellerie, Knoblauch, Basilikum und Olivenöl hergestellt wird. Ich hatte die schmackhafte Paste vor fünf Jahren einmal gemacht (klick hier) und wollte es als Brotaufstrich für eine Bruschetta vorweg verwenden, für die ich eine Olivenbrot-Stange im Rohr aufbackte. Zu kaufen hatte ich dann nur noch frischen Gemüse; im italienischen Feinkostladen kam dann noch ein Stück gesalzener Ricotta zum Darüberreiben dazu und der wunderbare „Il Bianco“ vom sizilianischen Weingut La Segreta.

Pesto trapanese auf Olivenbrot

Caponata


Calamarata alla puttanesca

Als Hauptgang sollte es eine Pasta alla puttanesca geben. Diese Art der Nudelzubereitung ist zwar eher nach Neapel zu verorten, aber die süditalienische Metropole war schließlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Hauptstadt des „Königreichs beider Sizilien“, so dass ich sie in bourbonischer Machtvollkommenheit einfach mal der sizilianischen Küche zuschlage. Klassisch wird die Sauce aus Tomaten, Chili, Knoblauch, Oliven und Sardellen zubereitet. Letztere ersetze ich gerne durch die fetteren Jahrgangssardinen, doch diesmal kehrte ich zu ihnen zurück. Denn als zusätzliche Hauptzutat kamen diesmal gegrillte Miesmuscheln hinzu, die ich als Fertigprodukt im Supermarktregal fand und die ich gar nicht übel fand.


Ein sizilianischer Weißer

So war mein sizilianisches Fronleichnamsmenü komplett. Als Nachtisch gab es gängiges fertiges Speiseeis, das ich hier nicht weiter erwähnen möchte. Das Ergebnis war, wie könnte es anders sein, einfach herrlich. Für das I-Tüfelchen auf der gut Stimmung sorgte natürlich der wunderbare sizilianische Weißwein.



Rezept: Olivenbrot mit Pesto trapanese, Caponata mit frittierten Kapern und Ricotta salata und Calamarata alla puttanesca con cozze alla griglia

2-3 Portionen

Olivenbrot mit Pesto trapanese
1 kleines Olivenbrot
1 großer Bund Basilikum
6 San-Marzano-Tomaten aus der Dose
3-4 Knoblauchzehen
200 g Mandeln aus Noto
2-3 EL geriebener gesalzener Ricotta
1 Pinnchen Olivenöl
Pfeffer, Salz

Saft der Dosentomaten abgießen. Tomaten Stücke schneiden. Mandeln grob Hacken. Knoblauch schälen.
Basilikumblätter, Knoblauchzehen, Mandeln und Olivenöl im Mixer oder mit dem Pürierstab zu einem Mus aufmixen. Nach und nach die Tomatenstücke untermixen. Geriebenen gesalzenen Ricotta unterheben. Mit Pfeffer und wenig Salz abschmecken und ziehen lassen.

Caponata Siciliana mit frittierten Kapern
Am besten am Vortag zubereiten, da die Caponata durchziehen muss.
½ rote Paprika
½ grüne Paprika
½ Aubergine
1 kleiner Zucchino
1 rote Zwiebel, vorzugsweise aus Tropea
1 Stange Staudensellerie
5 grüne Oliven
3 Tomaten
2 Tl Kapern
4 El Olivenöl
4 El Weißweinessig
2 El Zucker
einige Blätter Basilikum Salz Pfeffer
1-2 EL gewässerte Rosinen
1-2 EL geröstete Pinienkerne

Gesalzene Kapern gut wässern.
Paprika, Auberginen, Satudensellerie und Zucchino in Würfel schneiden, Zwiebel in dünne Scheiben. Oliven evtl. entkernen, halbieren. Tomaten würfeln (am besten vorher häuten, muss aber nicht sein) oder Tomaten aus der Dose nehmen.
Paprika- und Zucchino-Würfel im Olivenöl weich dünsten, aus der Pfanne nehmen und dann beiseite stellen. In der gleichen Pfanne Auberginen im Olivenöl weich dünsten und beiseite stellen. Dann die Zwiebelringe und Selleriewürfel im Olivenöl weich dünsten, beiseite stellen. In der gleichen Pfanne Tomatenstücke und Oliven in Olivenöl kurz andünsten.
Zucker im Essig auflösen.
Jetzt alle Zutaten zusammenfügen (nicht mehr dünsten), gut mischen.
In einem kleinen Topf einen halben Finger breit Olivenöl erhitzen. Gewässerte und abgetrocknete Kapern in das heiße Öl geben und frittieren, bis sie knusprig sind. Auf Küchenkrepp abtropfen lassen. Frittierte Kapern unter die Caponata heben und alles Pfeffer und wenig Salz abschmecken. Basilikum unterheben (die Blätter ganz lassen).
Gewässerte Rosinen und geröstete Pinienkerne unterheben.
Das Ganze in eine Tupperdose mit Deckel geben und 1/2 bis 1 Tag stehen lassen.

Calamarata alla puttanesca con cozze alla griglia
250 g Calamarata
250 g Cocktailtomaten, halbiert
200 g gegrillte Miesmuscheln (1 Packung)
4 bis 5 Sardellenfilets
1 Koblauchzehe
1 Chili-Schote aus dem Glas
2 TL Kapern
10 schwarze Oliven
gehackte Petersilie
Olivenöl, Pfeffer, Salz
Geriebener gesalzener Ricotta

Calamarata nach Packungsvorlage kochen.
Sauce nach diesem Rezept hier zubereiten. Miesmuscheln abspülen und zum Schluss mit den gar gekochten Nudeln dazugeben und alles noch etwas ziehen lassen. Gehackte Petersilie untermischen und auf vorgewärmten Tellern anrichten. Nach Geschmack mit geriebenem gesalzenem Ricotta bestreuen.


 

Sonntag, 5. Juni 2022

Neu In Hattingen: Café Bistro Mara

Das Restaurant ist seit Anfang 2023 geschlossen.

Sizilien im Fachwerk-Kleid

Ich glaube, so mancher meiner Leser runzelt die Stirn, wenn ich gelegentlich die verschiedenen Regionen des Ruhrgebiets mit legendären europäischen Landschaften vergleiche. So nenne ich gern den niederrheinischen Kreis Wesel im Nordwesten des Reviers die „Bretagne“ bzw. „Normandie des Ruhrgebiets“, weil es dort fantastischen Cidre gibt, oder die Stadt Hagen im Südosten den „Balkan des Ruhrgebiets“, weil sich dort die Schnaps- und Whiskybrennereien in den tiefsten Schluchten der nördlichen Ausläufer des wilden Sauerlandes verstecken. Jetzt kann ich mit Fug einen neuen Stirnrunzler formulieren. Hattingen, das idyllische Fachwerkstädtchen am sonnigen Südufer der Ruhr, ist das „Sizilien des Ruhrgebiets“.

Lichtdurchflutete Atmosphäre


Trinacria, das Symbol Siziliens

Sizilianische Keramiken

Dabei weist der Name des neuen „Cafés Bistros Mara“ in den verwinkelten Gassen gar nicht direkt auf die süditalienische Insel hin. An der Fassade des prächtigen Fachwerkhauses in der Sankt-Georg-Straße prangt sogar noch in großen Lettern der traditionsreiche Schriftzug „Löwen-Apotheke“; bis vor kurzem gab es hier noch eine Tapas-Bar. Betritt man das lichtdurchflutete Ecklokal, umfängt einen die Eleganz einer südlichen Gastronomie. Vielleicht wäre die Bezeichnung „Trattoria Bar“ treffender, denn die Deko mit der Trinacria, dem dreibeinigem Gorgonenkopf, Tellern mit Zitronendarstellungen, und den Kopfskulpturen Teste di Moro in einer chic ausgeleuchteten Wandnische verbreiten sofort sizilianischen Zauber.


Michelangelo und Catena Pintaudi

Vor allem sind es die Dolce, die Süßigkeiten und Torten in einer Vitrine, die einem ins Auge fallen: Babà con Crema (luftiger Hefeteig, getränkt in Zuckerwasser und Rum mit Patisseriecreme), Tortino Ricotta e Crema (Törtchen mit Birnen-Ricotta, Haselnüssen und Keksstückchen). Pasticciotto di Crema (Mürbteig gefüllt mit Zitronencreme) und natürlich die legendären sizilianische Cannoli (Keksrollen gefüllt mit Ricottacreme) und anderes sind die hausgemachten Spezialitäten von Catena Pintaudi, die mit ihrem Mann Michelangelo seit Ende April 2022 das „Café Bistro Mara“ betreibt. Zuvor waren sie in Dortmund beheimatet, wo sie die „Oespeler Deele“ führten, doch haben sie dieses Restaurant im letzten Jahr nicht zuletzt wegen Corona verkauft und jetzt in Hattingen einen Neustart gewagt.



Hausgemachte Dolci

Dabei gehen sie den mutigen Weg, nicht auf die Pizza-und-Pasta-Konventionen des gängigen taste of Italy zu setzen, sondern wollen ihren Gästen die Küche ihrer ursprünglichen Heimat Sizilien nahebringen. Die ist aufgrund der ihrer Lage an der Schnittstelle vom europäischen zum arabisch-nordafrikanischen Kulturkreis sogar unter den Regionalküchen Italiens einzigartig. Mara ist der Name von Michelangelos Großmutter (und der Tochter), von der eine Menge der Rezepte stammen, die in der Küche realisiert werden. Während Catena dort die Chefin ist, macht Michelangelo den Service bei den Gästen. Seine große Erfahrung in der Gastronomie – Michelangelo arbeitete u.a. für Marco Mansutti in Bochum – und vor allem als Fremdenführer, der deutschen Touristen die Schönheit Siziliens näher brachte, machen ihn zu einem faszinierenden Storyteller. So plaudert er gerne über Pistazien aus Bronte, Mandeln aus Avola, Kapern von den Liparischen Inseln, die Schwierigkeiten, die tollen sizilianischen Orangen verkaufen zu können oder das Couscous-Festival in San Vito lo Capo. Und auch die Filmszene aus dem Mafia-Epos „Der Pate III“, in der die Schwester des Paten einen Widersacher mit einem Cannolo vergiftet, erklärt er mit dem traditionellen Streich, auf Familienfesten Peperoncini in die Süßigkeiten zu stecken, um böse Onkels zu ärgern.



Im Sizilien des Ruhrgebiets

Es war die Empfehlung eines meiner Blog-Leser, die mich auf das „Café Bistro Mara“ aufmerksam machte. Also fuhr ich an einem sonnigen Nachmittag nach Hattingen. Ab 17 Uhr gibt es, genauso wie über die Mittagzeit, ein Wochenmenü, bestehend aus je zwei Antipasti, erstem und zweitem Gang sowie Dessert, die man alle einzeln bestellen kann. Den ganzen Tag über gibt es Kleinigkeiten wie Salate, Bruschettona (Landbrot mit Tomaten, Büffelmozzarella und Basilikum), Couscous mit Gemüse, Parmigiana (Aubergine, Tomatensauce, Mozzarella, Parmesan und Basilikum) und häufig auch die frittierten Reisbällchen Arancini. Und natürlich die oben erwähnten Dolci und das Halbgefrorene Granita. Besonders hübsch sind die „Stuzzichini per aperitivo“, kleine Häppchen, die wie Tapas auf einem Tellerchen serviert werden, die z. B. ein Glas Aperol Spritz abdecken.


Ich bestellte als Antipasti „Moscardini alla Diaviola“. Die Primi Piatti, „Risotto Montanaro“ mit Speck und Pistazien oder schwarze Bandnudeln mit Garnelen, Dorade und Tomaten, übersprang ich. Als Secondo nahm ich „Baccalá alla Messinese“, und zum Dessert gab es ein Cannolo mit Espresso. Als Weinbegleitung empfahl mir Michelangelo einen Diantha Bianco aus Grecanico und Malvasia Bianco vom Weingut Carlo Pellegrini (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Mineralwasser), ein fruchtig erfrischender Weißer, der schön mit den süßsauren Aromen der Gerichte harmonierte.


Nach dem Essen war ich nicht nur gesättigt, sondern hatte auch einiges Neues erfahren. Der Nachmittag hatte schon sonnig begonnen, aber im Laufe des Abends war das Wetter immer schöner geworden. An den Tischen vor dem Haus hatten sich einige Gäste eingefunden, darunter eine temperamentvolle italienische Familie, die sichtlich Spaß hatte. Doch als ich um die Ecke bog, erschrak ich fast. Der Außenbereich des benachbarten westfälischen Schnitzel-Steak-Schweinshaxen-Wirtshauses war dagegen voll besetzt. Das ist ja etwas Wunderbares, aber, liebe Michael-Corleone-Verehrer, Andrea-Camilleri- und Tommasi-di-Lamedusa-Leser sowie sonstige Freunde der italienischen Oper – das muss im „Mara“ genauso werden!


Kleines Sizilianisches Menü
2.6.2022


Moscardini alla Diavola
Baby-Octopus in scharfe Tomatensauce (11 Euro)
Die kleinen Tintenfischchen waren von der Größe her kaum von den Dattel-Tomaten in der Sauce zu unterscheiden. Schön scharf abgeschmeckt, boten sie ein wunderbares Kau- und Geschmackserlebnis nach Meer und Tomaten. Dazu geröstetes Brot mit Petersilien-Pesto. 
 



Baccalà alla Messinese
Frittiertes Kabeljaufilet mit Zwiebeln, Oliven, Weißwein und Minze
(24 Euro)

„Agrodolce“ heißt im Italienischen die süßsaure Zubereitungsart, die hier zum Tragen kam. Das panierte und schön auf den Punkt gegarte Kabeljaufilet war mit karamellisierten roten Tropea-Zwiebeln belegt, deren schwere Süße durch die Minze konterkariert wurde. Als Beilage gab es, neben Kartoffeln, eine Caponata, ein klassisches süßsaures Gemüsegericht aus Auberginen, Tomaten, Zwiebeln, Paprika, Kapern und Oliven. Sehr stimmig. 
 

Cannolo mit Espresso
Der Ricotta der Cannolo-Füllung war aus Schafsmilch hergestellt, sehr sanft und fein.

Mandelgebäck
Das Plätzchen bestand aus gemahlenen Mandeln mit Orange, die Füllung ist eine Maraschinokirsche. 
 
 
Mittagessen
14.6.2022 
 
Reissalat als Gruß aus der Küche 
 
Stuzzichini per aperitivo
Eigentlcih keine Vorspeise, sondern Häppchen zum Wein
Von rechts nach links: hausgemachte Kartoffelchips, Brot mit scharfer Zucchinipaste, frittierte Reis-, Käse- und Fischbällchen, Kartoffelkrokette, Caponata, Gemüsesalat, Frikadelle aus Blumenkohl und Speck
 

Couscous alle verdure

Couscous mit Gemüse und Promosale, sehr frischem Pecorino, gefüllt

Granita aus Melone

Café Bistro Mara. Sankt-Georg-Straße 13, 45525 Hattingen. Tel. 02324/9213215. Do-Di 10-22 Uhr. Küche 12-14:30 Uhr und 17-22 Uhr. Mi Ruhetag. cafe-bistro-mara.de