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Samstag, 12. Mai 2012

Heute startet die Gourmetmeilen-Saison 2012 im Ruhrgebiet mit „Werne à la carte“

Der heutige erste Tag von „Werne à la carte“ ist der Startschuss für das große kulinarische Freiluft-Theater im Ruhrgebiet in diesem Sommer. Schon 2008 hatte es in dem westfälischen Hanse-Städtchen nördlich von Dortmund den ersten Versuch einer Gourmetmeile gegeben, doch der Veranstalter gab wieder auf. Nun hat das Westfalen Institut das Heft in die Hand genommen und erweckt „Werne à la carte“ zu neuem Leben. Richtig losgelegt wird erst 2013, doch in diesem Jahr gibt es mit der kleinen „Genussinsel“ während der „Hansetage“ am 12. und 13. Mai 2012 schon einmal einen kleinen Vorgeschmack. Die Appetithappen dazu liefern das Romantikhotel Lippekus mit Safran-Risotto mit Spargel, Garnele und Jakobsmuschel-Espuma, heimischem Spargel mit konfiertem Lachs und gegrilltem Schaufelstück vom US-Beef mit Bone-Suckin‘ Sauce und Coleslaw sowie das Restaurant Stilvoll mit geschmortem Iberico-Schwein mit Rotwein-Zwiebelsauce und grünem Spargel, Spargelasagne, Black Tiger Garnelen mit Ratatouille und Paprika-Espuma, Blutorangen-Rafaello-Schnitte und Balsamico-Erdbeeren.

„Werne à la carte“, 12. und 13. Mai 2012, jeweils ab 11 Uhr, Werne, Innenstadt, Moormannplatz.

Alle Gourmetmeilen-Termine im Ruhrgebiet 2012 finden Sie hier.

Mittwoch, 11. November 2009

Aus dem Archiv: Villa Sim-Jú - Werner Schweinereien

Der Text erschien erstmals in "Dortmund geht aus 2009/2010".
Das Restaurant gibt es nicht mehr.



Sim-Jú“ ist nicht die nordvietnamesische Variante von „Dim Sum“, den kleinen Tapas-ähnlichen Häppchen der südchinesischen Küche, sondern die umgangssprachliche Bezeichnung des alljährlichen Marktes, der seit 1362 am Namenstag der Apostel Simon und Juda Ende Oktober in dem malerischen westfälischen Städtchen Werne mit der gotischen Kirche und Renaissance-Rathaus stattfindet. „Villa Sim-Jú“ ist seit August der neue Name der ehemaligen „Villa Suplie“ und signalisiert einen Neuanfang des traditionsreichen Hotels. Seit Mitte August gehört es zu den „Romantik-Hotels“, die, so das Konzept der Marketing-Vereinigung, dem „modernen Trend zum Cocooning“ folgen, den Genuss in den Mittelpunkt stellen und „die Bedürfnisse unserer hektischen Zeit nach Entschleunigung, Ruhe und Entspannung erfüllen“. Zu diesem Neuanfang gehörte es auch, dass Betreiber Dr. Jörg Suplie sich von seinem bisherigen Küchenchef Dirk Grammon trennen musste – was in der Gastroszene für Gesprächsstoff sorgte. Der neue Patron und Küchenchef ist Dieter Gerdes, der bereits in den 1980er Jahren für das „Landhaus am Schlosspark“ in Rastede einen Michelin-Stern erkochte und mit dem eigenwilligen „Landhaus Gerdes“ in Thüringen sich an die Spitze der dortigen Gastronomie stellte.

In der „Villa Sim-Jú“ bringt der gebürtige Auricher eine ausgezeichnete westfälisch-ostfriesische Crossover-Küche mit italienischen und asiatischen Einflüssen auf den Tisch. So findet man auf der Bistro-Karte den „Sim-Jù“-Teller, eine Knusperhaxe mit Kraut und Erbsenpürée (13,62 Euro sic!), während auf die großen Karte des Restaurants mit Zwischenahner Zander in Rauchaalsauce mit Wirsing-Kartoffel-Stampf (19,50 Euro) oder Ostfriesischer Deichlammrücken mit Schmorkartoffeln und Schnippelbohnen (24,50 Euro) besticht. Dass Dieter Gerdes für diese Gerichte nur beste Zutaten und Grundprodukte verwendet, dafür garantiert seine Mitgliedschaft in der Köchevereinigung „Eurotoques“, die in dieser Hinsicht höchste Anforderungen stellt.

Kotelett vom Eichelschwein

Tonkabohnencrème mit Himbeereis

So geriet das Testessen auch entsprechend überzeugend. Die kräftige Rinderconsomée überzeugte neben der großzügigen Fleischeinlage besonders durch Juliennewürfelchen beeindruckte, die trotz ihrer Feinheit wunderbar knackig waren und eindeutig nach Gemüse schmeckten (5 Euro). Ein prachtvolles, kernig-nussiges Stück Fleisch war das Kotelett vom spanischen Bio-Eichelmastschwein des Hauptgangs, eine Beschwörung dessen, was Schweinefleisch eigentlich sein kann. Darauf gab es eine Schwarzbrot-Senfkruste, als Beilage eine pfiffiges Labskaus-Püree und wieder hervorragend zubereitete Gemüse (18,50 Euro). Dazu machte ein Spätburgunder vom badischen Aushängeweingut Bercher (0,25l 6,50 Euro) den Genuss perfekt. Zum Nachtisch gab es Tonkabohnencrème mit Himbeereis (5,50 Euro).

-kopf

Werne, Stockumer Str. 8

Freitag, 11. September 2009

Eichelschwein Teil II: Abenteuer in Werne

Eichelschwein-Kotelett mit Labskauspüree (links hinter der Kartoffel)

Bei meinen kulinarischen Recherchen im Internet fiel mir gestern Vormittag auf der Speisekarte des Romantik-Hotels „Villa Sim-Jú“ in Werne folgendes Gericht ins Auge: „Bio-Eichelschweinrücken mit Schwarzbrotkruste und Labskaus-Pürée“. Ich war wie elektrisiert, schließlich hatte ich bei Manfred Wenigers „essengenuss“ für Dezember einen der exklusiven 170 Eichelschweinrücken aus der einzigen deutschen Produktion bestellt, die in Franken die traditionelle Eichelmast wieder belebt. Und als Preis waren mäßige 17,50 Euro angegeben. Spontan, wie ich manchmal bin, setzte ich mich also ins Auto und düste eine Stunde lang über A40, A45, A2 und A1 die knappen 60 Kilometer von Bochum nach Werne, um einen Vorgeschmack auf das bekommen, was mich in drei Monaten erwartet. (Über die CO2-Bilanz will ich da gar nicht nachdenken – die war voll der Punk.) Ich war davon überzeugt, dass mich nichts Schlechtes erwarten konnte. Seit einiger Zeit steht in der ehemaligen „Villa Suplie“, wie das Restaurant mit dem putzigen Namen früher hieß, Dieter Gerdes in Küchenverantwortung, ein Meisterkoch aus Norddeutschland, wie man am Labskaus als Beilage mitten in Westfalen unschwer bemerken konnte. In den 1980er Jahren erkochte er für das „Landhaus am Schlosspark“ in Rastede einen Michelin-Stern und Anfang der 2000er Jahre brachte er mit dem „Landgasthof Gerdes“ die thüringische Gastronomie auf Vordermann. Bei dem Mitglied der Köche-Vereinigung „Eurotoques“ waren selbstverständlich nur beste Zutaten und Produkte zu erwarten.
Und ich wurde nicht enttäuscht. Ich bekam ein fantastisches, fünf Zentimeter dickes Kotelettstück am Knochen, das kerniger, nussiger und saftiger nicht hätte sein können. Es kam allerdings aus Spanien, wo man ja das beste Schweinefleisch überhaupt produziert, weil man sich dort an jene Tugenden erinnert, die die deutschen Mäster spätestens seit den 1960er Jahren vergessen haben. Ganz hervorragend hob die mit Senf verfeinerte Schwarzbrotkruste den Eigengeschmack des Fleisches hervor. Der Ausflug hatte sich voll gelohnt.
Doch leider hatte ich, bevor ich mich auf die lange Reise gemacht hatte, in Werne angerufen und gefragt, ob es das Eichelschwein auch wirklich gebe. Selbstverständlich, sagte man mir, man gebe jetzt schon in der Küche Bescheid, was ich Essen wolle. Das Ergebnis war, dass der fertige Schweinerücken, kaum dass ich eine halbe Stunde vor Küchenschluss am Tisch saß, herrlich duftend vor mir stand, ich aber keine Chance mehr hatte, mir noch eine Vorspeise zu bestellen, geschweige denn in den Genuss der gastronomische Segnung des „Grußes aus der Küche“ kam, die ein Menü in einem Restaurant von der Klasse der „Villa Sim-Jú“ in der Regel einzuleiten pflegt. Schon aus Trotz bestellte ich dennoch eine – nicht weniger hervorragende – Rinderbrühe mit Einlage (5 Euro) von der Vorspeisenkarte, die ich einfach nach dem Hauptgang aß. „Ist ja irgendwie komisch“, bemerkte die Restaurantchefin, die mich bediente.

Eichelschwein Teil I: Eins von 170