Bekanntlich ist der Genießer kein Freund der Currywurst als Nationalgericht des Ruhrgebiets. Er findet, dass die Ruhrgebietsküche etwas anderes als das in Berlin erfundene Würstchen als Symbol verdient hat - die
Linsensuppe zum Beispiel. Bei dieser subjektiven Disposition war es also kein Wunder, dass er bislang an den Flaschenstapeln mit „pott.curry deluxe sauce“ ganz vorn in der Gemüseabteilung von
EDEKA Burkowski immer vorbei gerannt war. Immerhin kostet die Currysauce in der 0,33-l-Bierflasche 5,70 Euro. Da besorgt er sich bei Real lieber eine
Dose San-Marzano-Tomaten für 1,79 Euro und macht sich seine Sauce selbst (z.B.
hier oder
hier) und tut Curry dran. Doch jetzt überkam ihn das Pflichtgefühl des Chronisten und er kaufte sich eine Flasche des Produkts, das seit etwa anderthalb Monaten auf dem Markt ist.
Der Genießer war natürlich enttäuscht. Statt wie erwartet, kam keine fruchtig-pikante Curry-Sauce aus der chic designten Flasche, sondern eine dunkelbraune, zähflüssige Masse, durchsetzt mit Tomaten(?)kernen, eher laff im Geschmack und wenig ausdifferenziert. Enttäuscht war der Genießer auch, als er einen Blick auf die Zutatenliste warf und den Farbstoff E150d entdeckte, der sich bei weiterer Recherche aber als harmlose Zuckercouleur erwies, wie sie auch bei der Herstellung von Cola und bestimmten Biersorten verwendet wird. Passt irgendwie. Was sich aber hinter dem ominösen lebensmittelrechtlichen Dehnbegriff „Aroma“ verbirgt, mochte er nicht wissen. Er dachte immer, der Geschmack von Currysauce käme von Curry. Wozu dann noch „Aroma“?
Zutatenliste auf der Flasche. (Zum Vergrößern aufs Bild klicken.)
Die auf der Flasche angegebene
Internetseite offenbarte das Dilemma. Hier waren anscheinend keine Feinschmecker, sondern Kreativwirtschaftler zu Gange gewesen, denn als verantwortlich für dieses Produkt zeigt sich eine Werbeagentur. Die hat auch eine schöne Legende für die Currysauce gestrickt, die unter Marketinggesichtspunkten gar nicht übel ist. Stichworte: Familienrezept, Ruhrgebietsverbundenheit, etc. Das ist zwar hip und entspricht dem Zeitgeist, den Genießer überzeugte es nicht. Ihm fiel dazu nur der alte Kurt Tucholsky ein: „Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein.“
"pott.curry" im Test
Dennoch wollte der Genießer seine Meinung nicht zum Maßstab aller Dinge machen und initiierte einen Currysaucentest mit der Grill-erfahrenen Familie eines Genießerfreundes: zwei Kinder, zwei Frauen, zwei Männer. Da stellte er insgesamt fünf Saucen an, vom Billigprodukt über eine Bio-Sauce, die wahre Bochumer Kult-Sauce von Dönninghaus bis hin zur teuersten Sauce, die er auftreiben konnte, einen US-Import von Stonewall Kitchen. Die Reaktion der Kinder auf „pott.curry“ war entlarvend: „Die schmeckt ja wie Curry-Gewürzketchup von Hela“, riefen sie fast unisono. Dabei stand dieses Produkt gar nicht als Vergleich im Test-Portfolio. Aber da ist der Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat drin - und es kostet mit 0,86 Euro in der kleinsten Verpackungs-Einheit gerade einmal die Hälfte.
Zum Ergebnis des
gesamten Tests geht es hier.
pott.curry deluxe sauce. Die exklusive Sauce aus dem Pott. 330 ml 5,70 Euro (1,72 Euro pro 100 ml). Bezugsquelle: EDEKA Burkowski, Bochum.
Zutaten: Tomaten, Branntweinessig, Zucker, Gewürze (mit Senfsaat), Speisesalz, modifizierte Maisstärke, Verdickungsmittel (Guarkernmehl, Johanniskernmehl), Maltodextrine, Aroma, natürliches Aroma, Farbstoff E150d, Säuerungsmittel (Phosphorsäure), Aromakoffein, Zuckerrübensirup, Tonka Bohne, Sesam
Hela Curry Gewürzketchup. 150 ml 1,29 Euro (0,86 Euro pro 100 ml). Bezugsquelle: EDEKA Burkowski
Zutaten: Tomatensaft, Zucker, Dextrose, Kochsalz, Curry (u.a. Senfmehl), Pfeffer, Paprika, Chilis, Nelken, Branntweinessig, modifizierte Maisstärke, Säuerungsmittel: Citronensäure, Verdickungsmittel (Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl, Kräuter (u.a. Sellerie), Säureregulator: Natriumlactat, Geschmacksverstärker: Mononatriumglutamat