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Freitag, 10. Februar 2012

Dosenfutter: Soupe de poisson bretonne

Als Vorspeise zum Zitronenhähnchen von Vincent Klink machte es sich der Genießer neulich einfach. Er öffnete eine Dose mit bretonischer Fischsuppe der Marke „La Quiberonnaise“, die er für stolze 5,80 Euro bei Manufactum erstanden hatte. Diese Einkaufsquelle machte das Fertigprodukt über jeden Zweifel erhaben, zumal auf der lustigen Dose unter dem Porträt eines bretonischen „Meisjes“, wie wir Holländer sagen, auch noch der schöne Satz stand: „Garantie sans additif chimique“.
Der Inhalt war ein zu einer gallertartigen Masse eingekochter Fischfond (40 %) mit allerlei Gemüsen und Gewürzen, der mit der gleichen Menge Wasser aufgewärmt werden musste. Dann war er allerdings ziemlich laff (ob das daran lag, dass keine Geschmacksverstärker drin waren?), und der Genießer peppte ihn mit Meersalz, Pfeffer und je einem Schuss Pernod und Wermut auf. Als Einlage breit er ein paar auf einer Seite panierte Jakobsmuscheln dazu.
Demnächst sieht er zu, dass er wieder 'nen Fischkopp für 'nen kleinen Euro bekommt und macht sich die Suppe selbst.

Fischsuppe aus der Dose mit selbst
gebratenen Jakobsmuscheln

Nachtrag 29.6.2019

Von meinem Aufenthalt in der Bretagne Ende Februar 2019 habe ich mir noch einmal ein paar Dosen aus Quiberon mitgebracht (vergl. hier). Ich fand die Suppe jetzt gar nicht mehr so schlecht, sogar recht gut. Zur Garnierung kam nur noch etwas Fenchelkraut dazu, abgeschmeckt wurde mit etwas Piment d'espelette. Die Jakobsmuscheln wurden mit Pfeffer, Salz und Zitronensaft gewürzt, auf einer Seite mit Paniermehl bestreut und dann sanft angebraten. Hat gut geschmeckt..

Dienstag, 14. Juni 2011

Im Supermarkt entdeckt: „pott.curry“ – Die teure Currysauce aus dem Pott


Bekanntlich ist der Genießer kein Freund der Currywurst als Nationalgericht des Ruhrgebiets. Er findet, dass die Ruhrgebietsküche etwas anderes als das in Berlin erfundene Würstchen als Symbol verdient hat - die Linsensuppe zum Beispiel. Bei dieser subjektiven Disposition war es also kein Wunder, dass er bislang an den Flaschenstapeln mit „pott.curry deluxe sauce“ ganz vorn in der Gemüseabteilung von EDEKA Burkowski immer vorbei gerannt war. Immerhin kostet die Currysauce in der 0,33-l-Bierflasche 5,70 Euro. Da besorgt er sich bei Real lieber eine Dose San-Marzano-Tomaten für 1,79 Euro und macht sich seine Sauce selbst (z.B. hier oder hier) und tut Curry dran. Doch jetzt überkam ihn das Pflichtgefühl des Chronisten und er kaufte sich eine Flasche des Produkts, das seit etwa anderthalb Monaten auf dem Markt ist.

Der Genießer war natürlich enttäuscht. Statt wie erwartet, kam keine fruchtig-pikante Curry-Sauce aus der chic designten Flasche, sondern eine dunkelbraune, zähflüssige Masse, durchsetzt mit Tomaten(?)kernen, eher laff im Geschmack und wenig ausdifferenziert. Enttäuscht war der Genießer auch, als er einen Blick auf die Zutatenliste warf und den Farbstoff E150d entdeckte, der sich bei weiterer Recherche aber als harmlose Zuckercouleur erwies, wie sie auch bei der Herstellung von Cola und bestimmten Biersorten verwendet wird. Passt irgendwie. Was sich aber hinter dem ominösen lebensmittelrechtlichen Dehnbegriff „Aroma“ verbirgt, mochte er nicht wissen. Er dachte immer, der Geschmack von Currysauce käme von Curry. Wozu dann noch „Aroma“?

Zutatenliste auf der Flasche. (Zum Vergrößern aufs Bild klicken.)

Die auf der Flasche angegebene Internetseite offenbarte das Dilemma. Hier waren anscheinend keine Feinschmecker, sondern Kreativwirtschaftler zu Gange gewesen, denn als verantwortlich für dieses Produkt zeigt sich eine Werbeagentur. Die hat auch eine schöne Legende für die Currysauce gestrickt, die unter Marketinggesichtspunkten gar nicht übel ist. Stichworte: Familienrezept, Ruhrgebietsverbundenheit, etc. Das ist zwar hip und entspricht dem Zeitgeist, den Genießer überzeugte es nicht. Ihm fiel dazu nur der alte Kurt Tucholsky ein: „Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein.“

"pott.curry" im Test

Dennoch wollte der Genießer seine Meinung nicht zum Maßstab aller Dinge machen und initiierte einen Currysaucentest mit der Grill-erfahrenen Familie eines Genießerfreundes: zwei Kinder, zwei Frauen, zwei Männer. Da stellte er insgesamt fünf Saucen an, vom Billigprodukt über eine Bio-Sauce, die wahre Bochumer Kult-Sauce von Dönninghaus bis hin zur teuersten Sauce, die er auftreiben konnte, einen US-Import von Stonewall Kitchen. Die Reaktion der Kinder auf „pott.curry“ war entlarvend: „Die schmeckt ja wie Curry-Gewürzketchup von Hela“, riefen sie fast unisono. Dabei stand dieses Produkt gar nicht als Vergleich im Test-Portfolio. Aber da ist der Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat drin - und es kostet mit 0,86 Euro in der kleinsten Verpackungs-Einheit gerade einmal die Hälfte.
Zum Ergebnis des gesamten Tests geht es hier.

pott.curry deluxe sauce. Die exklusive Sauce aus dem Pott. 330 ml 5,70 Euro (1,72 Euro pro 100 ml). Bezugsquelle: EDEKA Burkowski, Bochum.
Zutaten: Tomaten, Branntweinessig, Zucker, Gewürze (mit Senfsaat), Speisesalz, modifizierte Maisstärke, Verdickungsmittel (Guarkernmehl, Johanniskernmehl), Maltodextrine, Aroma, natürliches Aroma, Farbstoff E150d, Säuerungsmittel (Phosphorsäure), Aromakoffein, Zuckerrübensirup, Tonka Bohne, Sesam

Hela Curry Gewürzketchup. 150 ml 1,29 Euro (0,86 Euro pro 100 ml). Bezugsquelle: EDEKA Burkowski
Zutaten: Tomatensaft, Zucker, Dextrose, Kochsalz, Curry (u.a. Senfmehl), Pfeffer, Paprika, Chilis, Nelken, Branntweinessig, modifizierte Maisstärke, Säuerungsmittel: Citronensäure, Verdickungsmittel (Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl, Kräuter (u.a. Sellerie), Säureregulator: Natriumlactat, Geschmacksverstärker: Mononatriumglutamat

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Im Supermarkt entdeckt: San Marzano und Gelbe Tomaten

Unbezahlte WERBUNG
Aktualisierung 5.3.2016: Beide Tomatensorten gibt es schon lange nicht mehr. 

Soll man jetzt lachen oder weinen? Da war man bislang stolz, als Slowfoodie der Welt von den San-Marzano-Tomaten als (durchaus teuren) Geheimtipp zu empfehlen, und jetzt stehen sie unter der poetischen Bezeichnung „Lava des Vesuvs“ bei Rewe im Regal. Zwar nicht von einem Slow-Food-Presidio zertifiziert, aber mit der Ursprungsbezeichnung „Pomodoro San Marzano dell‘ Agro Sarnese Nocerino“ DOP. „Die San Marzano Tomate stammt aus Kampanien, vom Fuße des Vesuvs, und ist eine besondere, traditionsreiche und pflegeintensive Sorte“, wird der Kunde auf einem Dosenaufkleber informiert. Seit über 25 Jahren widmen sich kleine Familienbetriebe liebevoll dem Anbau von San Marzano Tomaten. Da die vollreife, sehr schmackhafte Frucht für das Tomatenkraut zu schwer ist, muss jede Pflanze einzeln an einem Stock befestigt werden.“ Und wird von Hand geerntet. Da sind wohl die 1,99 Euro, die die 400-Gramm-Dose kostet, durchaus gerechtfertigt, im Vergleich zu den 35 bis 39 Cent, die eine normale Dose geschälte Tomaten kostet, jedoch ganz schön happig. Aber der Geschmack ist einmalig. (Es sei allerdings drauf hingewiesen, dass es bei Real in Wattenscheid San Marzano Tomaten von der Fa. Mutti für 1,79 Euro gibt – ebenfalls mit geschützter Ursprungsbezeichnung und sogar mit Jahrgangsangabe.)

Der Einsatz von Slow Food für die Tomatenspezialität hat sich anscheinend gelohnt. Doch hoffentlich geht das Bewusstsein, mit diesem Produkt etwas Besonderes auf dem Teller zu haben, jetzt nicht im banalen Überfluss des Supermarkt-Alltags unter.

Übrigens: Die von Feinschmeckern ebenfalls geschätzten gelben kampanischen Flaschentomaten gibt es bei Rewe auch, unter der Bezeichnung „Gold des Vesuvs“.

Montag, 5. April 2010

Im Supermarkt entdeckt: Campbell’s Tomato Soup

Als der Genießer am Karsamstag auf der Suche nach einer Dose San-Marzano-Tomaten gegen 20 Uhr 30 durch Real in Wattenscheid schlich, war er überrascht, eine neue Abteilung mit internationalen Spezialitäten zu entdecken. Schön übersichtlich nach Ländern wie Italien, Frankreich, Griechenland, Spanien, Türkei, Mexiko und USA sortiert, standen hier auf einmal alle Produkte auf einem Haufen, die früher im ganzen Laden verteilt waren. Darunter gab es auch einiges, das dem Genießer früher noch nie aufgefallen war, etwa mit Sepia-Tinte schwarz gefärbte Spaghetti und französische Dosen-Saucen nach klassischen Rezepten, deren Zutatenlisten keine Geschmacksverstärker aufweisen und deshalb nicht uninteressant zu sein scheinen.

Höhepunkt war jedoch ein Stück Pop-Art zum Essen: die Tomatensuppe der Firma Campbell’s im USA-Regal, deren Dose durch Andy Warhols Porträt zu einer Ikone der modernen Kunst geworden ist. Die Lebensmittel-Konserve im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit kostet 2,29 Euro und besteht laut Aufdruck aus „Tomatenpüree (Wasser, Tomatenmark), Fruktose-Glukose-Sirup, Weizenmehl, Wasser, Salz, Säuerungsmittel Kaliumchlorid, Aroma, Säuerungsmittel (Citronensäure, Ascorbinsäure, Monokaliumphosphat), natriumreduziertes Meersalz“. Der Zubereitungstipp lautet: „Doseninhalt (laut Aufdruck 10 ¾ OZ., das entspricht 305 g) mit 270 ml Wasser oder Milch (für eine noch cremigere Suppe) in einen Topf geben und unter Rühren langsam erhitzen.“
Die Dose San-Marzano-Tomaten fand der Genießer übrigens nicht im Italien-Regal der neuen Abteilung, sondern bei den ganz normalen Gemüsekonserven. Das fand er gut.

Freitag, 26. März 2010

Im (Bio-)Supermarkt entdeckt: Die teuerste Currywurst der Welt

Obwohl der Genießer gern und leidenschaftlich gegen die Currywurst als geschmacksbestimmende Referenz für die kulinarische Kultur des Ruhrgebiets wettert, kann er sich der normativen Kraft des Faktischen gelegentlich nicht entziehen. So stand er neulich im „Biohaus“ an der Hattinger Straße in Bochum durchaus fassungslos vor dem Regal, als er eine Glaskonserve der Firma „Kiebitzhof“ in Gütersloh entdeckte, schön mit dem Label „Bioland – Ökologischer Landbau“ versehen: „Currywurst für zwei“ (Einwaage 410 g). Das musste er haben, selbst bei dem gepfefferten Preis von 6,29 Euro, also 3,145 Euro pro Portion (Wer sich noch erinnert: das sind 6,15 DM. Zum Vergleich: eine legendäre Original-Dönninghaus-Currywurst mit halbem Brötchen kostet am Stand neben dem Union-Kino im Bochumer Bermudadreieck 2,20 Euro, auf dem Parkplatz vor der Ratio mit ganzem Brötchen 2 Euro – ist aber nicht Bio.)
Currywurst in Bio-Qualität zum Apothekenpreis auf dem heimischen Herd aufgewärmt: Das musste ja schmecken – und tat’s irgendwie auch. Die Wurst war laut Aufschrift eine Röstbratwurst aus 71 Prozent Schweine- und 13 Prozent Rindfleisch, Trinkwasser, Zwiebeln, Meersalz, Gewürzen, Kräuterwürze und Milcheiweiß und so fein, dass sie in ihrem vorgebrühten und kaum gerösteten Zustand fast wie eine Brühwurst schmeckte, also für eine Currywurst im Ruhrgebiet untypisch, eher berlinerisch. Die Currysauce kam lässig an den Dönninghaus-Standard heran, war aber nicht ganz so scharf und bestand laut Aufschrift aus Tomatenmark, Rohrohrzucker, Branntweinessig, Meersalz und Gewürzen.
Doch der Genießer kam nicht umhin, die Normen des Faktischen mit aller Kraft zu sprengen. Um die Wurst extrascharf zu machen, würzte er sie mit dem selbstgemachten Currypulver der Freundin des guten Geschmacks nach, das vom letzten Männer-Kochkurs übrig geblieben war – eine Prise Slow Food fürs Fast Food. Zusammen mit einem Bio-Brötchen aus der Hutzel Bäckerei war das preislich und von der Zutatenqualität her bestimmt eine extravagantes Mahl – blieb aber im Grunde ein kulinarisches Armutszeugnis: ‘ne Currywurst eben.

Bio-Currywurst - noch nicht nachgewürzt

Montag, 25. Januar 2010

Im Supermarkt entdeckt: San-Marzano-Tomaten



Leider sind diese Tomaten z.Zt. nicht verfügbar.

Früher gab es bei Real Wattenscheid die 400-Gramm-Dose geschälte Tomaten (Pelati) für 29 Cents. Dann wurde der Preis auf die auch anderswo üblichen 35 Cents erhöht, und seit einiger Zeit gibt es die 400-Gramm-Dose zum Niedrigpreis überhaupt nicht mehr, sondern nur noch die große Dose und zahlreiche teurere Markenprodukte. Da hatte der Genießer die Lust verloren, bei Real weiter Pelati zu kaufen. Zu diesen Preisen kann er auch anderswo fündig werden.
Am Samstag warf er wieder einen Blick aufs Tomatenregal und war überrascht. Für 1,79 Euro gab es dort die 400-Gramm-Dosen mit San-Marzano-Tomaten von einer Konserven-Firma mit dem schönen Namen „Mutti“. San-Marzano-Tomaten sind Flaschentomaten, die in in der gleichnamigen Region am Fuß des Vesuvs auf dem Vulkanboden in der Nähe von Neapel angebaut werden und von unvergleichlicher Aromatik sind. Die internationale Genießervereinigung Slow Food hatte sich für die Erhaltung dieser Tomatensorte eingesetzt, und es entstand eine „Denominazione d’Originale Protetta“ (D.O.P.), die die Herkunft der Tomaten garantiert.
1,79 Euro für 400 Gramm Dosentomaten, die es auch für 35 Cents gibt, scheint viel, aber der Preis ist für diese Ausnahmequalität relativ niedrig. In Feinkostgeschäften und Weinhandlungen kosten die Dosen um die 2 Euro, bei Manufactum in Waltrop 2,60 Euro. Im Internet hat der Genießer sogar Dosen für über 3 Euro entdeckt. Billiger als 1,79 Euro wird es dort nur, wenn man größere Gebinde kauft, doch dann kommen die Transportkosten dazu.
Also griff der Genießer bei Real zu und kochte am Sonntag eine Dose San-Marzano-Tomaten mit Thymian, etwas Knoblauch, Chili und etwas Salz zu einer wunderbaren Nudelsauce "alla Mutti" ein, die er nur mit frischem Pfeffer, Basilikum und eine Schuss gutem Olivenöl würzte - mit geriebenem Parmesan ein einzigartiger Genuss.

Nicht "alla Mamma", sondern "alla Mutti": Spaghetti mit Tomatensauce