Posts mit dem Label Ausflug werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ausflug werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 12. September 2012

Kleine Blogpausen-Unterbrechung: Ausflug in den Rheingau mit „Essen genießen e.V.“

Im Weinkeller von Schloss Johannisberg
(Zum Vergrößern auf die Bilder klicken)

Der Genießer lebt – auch wenn das in letzter Zeit hier im Blog nicht so aussieht. Am letzten Montag spürte er es aber deutlich. Da durfte er nämlich einen „Betriebsausflug“ des Vereins „Essen genießen e.V.“ mitmachen, in dem die Gastronomen organisiert sind, die die Gourmetmeile „Essen verwöhnt“ bestreiten.

1. Station: Schloss Johannisberg

Der Genusstrip ging am bisher letzten, betörend schönen Sommertag in den Rheingau. „Essen genießen“-Geschäftsführer Rainer Bierwirth und seine Leute hatten exklusive Besuche in zwei der edelsten Weinkellereien Deutschlands organisiert. Zuerst ging es nach Schloss Johannisberg mit seinen ältesten Riesling-Lagen Deutschlands. Dort wurde der dreihundert Jahre alte Weinkeller besichtigt, der nur für besondere Gäste geöffnet wird, und Vertriebsleiter Stefan Doktor gab eine launige Einführung die die Geschichte und die Weine des Guts. Karl der Große entdeckte bereits vor mehr als tausend Jahren, dass hier ideale Bedingungen für den Weinbau herrschen. In der Barockzeit wurde hier das Prinzip der Spätlese entdeckt, dass Trauben, die vom Edelpilz Botrytis cinerea befallen sind, besonders süße Weine ergeben. Im Weinkeller wurden die aktuellen Jahrgänge von Schloss Johannisberg und dem dazugehörigen Weingut Mumm degustiert. Anschließend ging es in den Verkostungsraum des Schlosses, wo es zu den edelsüßen Kreszenzen des Hauses eine mitgebrachte, im Essener Sheraton Hotel hergestellte wunderbare Gänseleberpastete und herrliche Brioches gab.

2. Sation: Mariannenaue von Schloss Reinhartshausen

Der Nachmittag wurde an einem weiteren, fast magischen Ort verbracht, der größten Insel im Rhein. Die „Mariannenaue“ liegt einen Steinwurf vom Ufer zwischen Eltville und Hattenheim und ist nur an wenigen Tagen im Jahr für Besucher geöffnet. Bewirtschaftet wird das Naturschutzgebiet von Schloss Reinhartshausen und weist eine besonders warmes Mikroklima auf, so dass hier die für den Rheingau untypischen Rebsorten Weißburgunder, Chardonnay und Sauvignon Blanc angebaut werden. Eine geradezu pannonische Hitze schlug uns entgegen, als wir das kleine Fährschiff „Preußens Gloria“ verließen. In den unprätentiösen Wirtschaftsgebäuden standen an die 60 Weine zum Verkosten bereit, am Grill warteten Steaks und Wildschweinbratwürstchen. 

 Basilika von Schloss Johannisberg

Mit Leidenschaft dabei: Vertriebsleiter Stefan Doktor

Im Weinkeller. Der Herr Doktor erklärt

Weil sich einst ein Bote verspätete
 durfte mit der Lese nicht begonnen werden
 So entstand die Spätlese.

Überraschung: Rainer Bierwirth präsentiert
die mitgebrachte Gänseleberpastete...

...und Stefan Doktor hat die passenden Weine dazu.

 Perfekter Genuss: Gänseleberpastete, Brioche und edelsüße Weine

Mit "Preußens Gloria" auf die Mariannenaue

 Reif für die Insel

60 Weine standen zur Verkostung bereit

Die schöne Marianne

Hier wächst der Wein...

...und so wird er getrunken.

Dann ging's zurück.

Nochmals herzlichen Dank an "Essen genießen e.V." und Rainer Bierwirth für die Einladung zu diesem wunderbaren Ausflug.

Sonntag, 29. Mai 2011

Slow Food: Auf Auerochsen-Safari in Hattingen

Bisons in Kanada? Wisente in Polen? Chianina-Rinder in der Maremma? Wasserbüffel in Kampanien? Wer glaubt, seltene Rinderrassen in natürlicher Umgebung nur in der großen weiten Welt entdecken zu können, irrt. Dass es solche Paradiese auch vor der Haustür gibt, konnten gestern 12 Slowfoodies vom Convivium Mittleres Ruhrgebiet erleben. Sie gingen in Hattingen-Winz-Baak auf Auerochsen-Safari. Hier, in einer großen Ruhrschleife, ist das Flusstal besonders romantisch, und die Idylle wird von den Einwohnern besonders energisch verteidigt. „Tal der Gesetzlosen“ ist auf einem verblassten Schild zu lesen, das an den gewonnenen Kampf der wutbürgerlichen Eingeborenen gegen den Autobahnbau der sog. „DüBoDo“ vor gut 25 Jahren erinnert.

Bauer Schulte-Stade

Gut dreiviertel Stunde ging es in Schleichfahrt in Jeep und Pick-Up über die für Radfahrer und Spaziergänger gesperrten Ruhrwiesen des Schultenhofs, auf denen Bauer Schulte-Stade die Wildrinder züchtet. Eigentlich wurde der Auerochse vor fast vierhundert Jahren ausgerottet, doch begannen die Brüder Heck in 1920-er Jahren mit der sog. Rückzüchtung, so dass die heutigen Heckrinder dem alten Auerochsen sehr nahe kommen. Klappen konnte die Dedomestikation, weil die meisten Hausrindrassen vom Auerochsen abstammen.

Los ging es mit Pick-Up...

... und Jeep.

Da kamen die Auerochsen in Sicht.

Die großen, unterschiedlich gezeichneten Ur-Viecher mit ihren hübschen, wolligen Kälbern leben das ganze Jahr über ungestört auf der Weide. Sie können auf dem Areal umherwandern wie das Wild in der Serengeti und sich die jeweils besten Futterplätze suchen. Die Kühe gebären ihre Kälber ganz ohne menschliche Hilfe. Nur bei extremem Hochwasser der Ruhr werden sie eingefangen und in Sicherheit gebracht. Im Herbst gibt es das Fleisch der Auerochsen auch zu kaufen. Allerdings werden sie nicht wie die Hausrinder geschlachtet, sondern mit dem Jagdgewehr erlegt.

Als sich die kleine Auto-Karawane der Herde näherte, taten die Auerochsen das, was halbwilde Tiere so tun. Erst guckten sie neugierig, was da kommt, und dann trollten sie sich schleunigst von dannen.





Deftiger Imbiss nach dem Abenteuer.

Nach dem Ausflug gab es im zur Zeit leeren Kuhstall des Schultenhofs einen deftigen Imbiss. Leider gibt es momentan kein Auerochsenfleisch, doch das Rindfleisch, das Bauer Schulte-Stade als Roastbeef und Gulasch auftischen ließ, entschädigte vollauf. Obwohl erst seit wenigen Jahren Bioland-zertifiziert, betreibt er die Bio-Viehzucht seit eh und je. Neben den Auerochsen hält er auch noch normale Fleischrinder, und in einem Eichenwald mästet er regelmäßig Bunte Bentheimer Schweine für einen aromatischen Schinken. Neben dem Schultenhof in Hattingen bewirtschaftet Schulte-Stade noch einen zweiten Hof in Witten. Seine Rinder verarbeitet er in einem eigenen Schlachthaus und verkauft das Fleisch in einem Hofladen. Auch als Caterer hat er einen guten Namen. Er versorgt u.a. den Landtag in Düsseldorf und die Messe Essen, wo er in Kürze ein Bio-Restaurant eröffnen wird.

Weitere Infos über den Schultenhof finden Sie hier.



Rezepte mit Auerochsenfleisch finden Sie hier.

Sonntag, 15. Mai 2011

Ausflug: Im Rheingau bei Peter Jakob Kühn

Kompetente Information: Angela Kühn
2015 in der Weinzeche Essen

Der alljährliche Frühjahrsausflug an den Rhein verschlug den Genießer gestern zuerst nach Linz, wo auf dem großen Flohmarkt unter den Arkaden der Rheintal-Bahnstrecke eine schöne kupferne Auflaufform erstanden wurde. Dann ging es weiter vorbei an Loreley, Niederwalddenkmal und Rüdesheim in den Rheingau nach Oestrich-Winkel ins Weingut Peter Jakob Kühn, wo uns der erste Frühjahrsschauer in diesem Jahr überraschte. Was aber nichts machte, denn Angela Kühn präsentierte uns die schon fertigen Weine des Jahrgangs 2010 und einige fruchtsüße Preziosen, die das kleine Frühjahrsstürmchen draußen schnell vergessen machten. Hausherr und Winzerindividualist Peter Jakob war damit beschäftigt, ein angemeldetes Grüppchen von Weininteressierten mit Informationen zu versorgen und erschien immer wieder gutgelaunt am Kühlschrank, um neue Flaschen für die Gäste zu besorgen.

Winzer-Individualist: Peter Jakob Kühn

Aber was wäre ein Familienbetrieb, wenn die eine (im „Innendienst“) nicht ganz genau wüsste, was der andere (in Weinberg und Keller) tut. Angela Kühn hatte auf jede Frage eine kompetente Antwort, Information übers Produkt ist bei solch individuellen Erzeugnissen die halbe Miete. Nach wie vor sind die Kühn’schen Weine im Rheingau einzigartig. Nicht nur, dass Peter Jakob Kühn mit der Spontanvergärung ganz andere Wege als die auf Effizienz getrimmten Mehrheitsweine der unübersehbar großen Nachbarschaft, er arbeitet auch konsequent auf ökologische Art. „Das war nur eine logische Folge unseres Qualitätssdenkens“, sagt Angela Kühn. Das neue Biosiegel der EU sucht man bei Peter Jakob Kühn allerdings vergebens, dafür ist die Arbeitsweise auf dem Weingut zu gut. „Bei den Richtlinien für das Siegel hat man sich nicht auf die für die Arbeit im Keller einigen können“, erklärt Angela Kühn. Deshalb signalisiert bei Kühn das alte, wabenförmigen Signet weiterhin Bio im Weinberg, während der Demeter-Schriftzug für die komplett hohen Qualitätsansprüche beim gesamten Weinmachen auch im Keller steht.

Direkt am Oestricher Lenchen: Weingut Peter Jakob Kühn

Doch das entscheidende ist natürlich die Qualität im Glas, und die zu entdecken ist bei Peter Jakob Kühn immer ein Abenteuer. Zu Probe kamen Jacobus (9,20 Euro), Rheinschiefer (12,70 Euro), Quarzit (14,70 Euro) und Hallgarten Hendelberg (16,40 Euro), alle Jg.2010, die in der Regel trocken-mineralische Noten zum Ausdruck brachten, die sich in nächster Zeit zu großer Tiefe und Vielschichtigkeit harmonisieren werden. Geradezu begeistert war der Genießer von den fruchtsüßen Weinen aus der Lage Oestricher Lenchen direkt vor der Gutstür: Lenchen Kabinett (11,30 Euro), Spätlese (18,30 Euro), Auslese (25,30 Euro 375 ml) und Beerenauslese (65,30 Euro 375 ml). Wies schon der Kabinett eine wunderbar animierendes Süß-Säure-Spiel auf, gipfelte das bei der Beerenauslese in einer balsamischen Tiefgründigkeit. Auf einen Eiswein wird übrigens verzichtet, weil die Bio-Richtlinien den Einsatz von Pestiziden verbieten, die die überreifen Trauben bis zur Lese in der Frostzeit vor Verderben schützen würden. Da bliebe der Ertrag zu gering.

Panorama-Wintergarten: Gutsschänke von Schloss Johannisberg

Den Abschluss fand der Rheingau-Ausflug in einer ganz anderen Umgebung, in der Gutsschänke von Schloss Johannisberg, das alljährlich als glanzvolle Kulisse für das Rheingau-Festival fungiert. Leider war im modernen gläsernen Panorama-Wintergarten kein Platz mehr, der eine weite Aussicht über den Rhein bis nach Ingelheim gewährt, wo nicht nur Arthurs Tochter kocht, sondern einst auch Karl der Große mit sicherem Blick die Qualitäten des Johannisberges als Weinbergslage erspähte.

Dennoch gab’s zur Labung ein kaltes Apfelsüppchen mit Lachstatar (6,50 Euro) und ein herzhaftes Wiener Schnitzel mit exotisch wirkenden Preiselbeeren, Salat und Bratkartoffeln (21,50 Euro). Der Riesling Rotlack des Hauses (11,20 Euro 0,2l) rann dabei mühelos und ohne Irritation durch die Kehle, ein bequemes Gegenstück zu den Herausforderungen bei Peter Jakob Kühn.

Freitag, 6. Mai 2011

Slow Food: Safari zu den Auerochsen in Hattingen

Am 28. Mai 2011 lädt Slow Food Mittleres Ruhrgebiet zu einer Safari der besonderen Art in die Ruhrwiesen an einer der idyllischsten Stellen des Ruhrtals ein. Auf dem Schultenhof in Hattingen-Winz-Baak hält Bauer Schulte-Stade von den Menschen weitestgehend unberührt und auf sich gestellt das Heckrind, eine Rückzüchtung des seit 1827 als ausgerottet geltenden Auerochsen (Bos primigenius). Der Auerochse war ein gegenüber dem heutigen Hausrind erheblich größeres Tier, vergleichbar mit dem Wisent. Das Fell war dunkelrotbraun und bei den Stieren oft fast schwarz. Sie lebten in offenen Wäldern und ernährten sich von Gräsern, Kräutern, Laub und Waldfrüchten wie Eicheln. Auf den Ruhrwiesen finden die Tiere die Bedingungen, die auch der Auerochse bevorzugte: Futter aus Gräsern, Wildkräuter. Laub, und Waldfrüchte und den notwendigen Auslauf. Darüber hinaus gibt es auch noch Bunte Bentheimer Schweine zu sehen, die Bauer Schulte-Stade in den angrenzenden Wäldern hält.

Interessenten für diesen Besuch müssen sich bis zum 25. Mai hier anmelden. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Dienstag, 24. August 2010

Slow Food: Ausflug ins Wassermuseum Aquarius in Mülheim

Letzten Sonntag besuchte ein gutes Dutzend Mitglieder des Slow-Food-Conviviums Mittleres Ruhrgebiet das Wassermuseum Aquarius. Untergebracht ist es in einem schönen, über einhundert Jahre alten Wasserturm in Mülheim-Styrum, der einst von Thyssen für die werkseigene Wasserversorgung gebaut wurde. 1993 wurde der unter Denkmalschutz stehende Turm für den Museumsbetrieb ausgebaut. Trägerin des Museums ist die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft mbH (RWW), die aus dem Zusammenschluss des Thyssen- und weiterer Wasserwerke im westlichen Ruhrgebiet entstanden ist und als der viertgrößte Wasserversorger Deutschlands der RWE Energy Gmbh und den Städten Mülheim, Bottrop, Gladbeck, Oberhausen sowie dem Kreis Recklinghausen gehört.

Museumsleiter Andreas Macat (rechts) führte die Slowfoodies durch die Ausstellung

Neuster Teil der mit modernster interaktiver museums-pädagogischer Computertechnik ausgestatteten Ausstellung ist seit Juni der Bereich „Virtuelles Wasser“, der die Slowfoodies besonders interessierte.
„Virtuelles Wasser beschreibt, wie viel Wasser nötig ist, um ein Produkt oder Lebensmittel herzustellen“, klärte Museumsleiter Andreas Macat in einem instruktiven Vortrag seine Besucher auf. Um zum Beispiel eine einzige Tomate zu erzeugen, sind 13 Liter Wasser erforderlich, 140 Liter verbergen sich in einer Tasse Espresso, 16.000 Liter in einem Kilo Rindfleisch. Deutschland gehört zu den weltweit größten Importeuren von virtuellem Wasser. „Indem wir Wasser hierzulande sparen, exportieren wir Wasserknappheit in andere Länder“, erläuterte Andreas Macat. Virtuelles Wasser sei ein globales Thema, das neue Impulse für die Debatte um die nachhaltige Nutzung unserer Ressourcen setzt.“

Lange Tafel im Biergarten von Schloss Styrum

Nach dem anregenden Besuch des Museums begab man sich zum Mittagessen in das italienische Restaurant im benachbarten Schloss Styrum. Unter den Bäumen des barocken Biergartens wurden im Schatten des Wasserturms die Tische zu einer Slowfood-gemäßen langen Tafel zusammengestellt und bis in den späten Nachmittag hinein getafelt und geplaudert.

Sonntag, 13. Juni 2010

Ausflug zum Mittelrhein: Weingut Toni Jost in Bacharach

Peter Jost vom Weingut Toni Jost - Hahnenhof

Der Ausflug an den Mittelrhein ein sommerliches Ritual für den Genießer, seit ihn Freund W. von der Karl-May-Gesellschaft das erste Mal zu einer Geburtstagsfahrt auf den historischen Ausflugsdampfer „Goethe“ eingeladen hat. Immer am 8. Juni geht es durch das mittlerweile zum Weltkulturerbe geadelte Rheintal zwischen Koblenz und Rüdesheim, vorbei an schroffen Felsen wie der Loreley, falschen und echten mittelalterlichen Burgen sowie wieder instandgesetzten Rebterrassen. Ausgestiegen wird meist in Bacharach, denn da bleibt noch genügend Zeit, sich die Beine zu vertreten und zur Burg hinauf zu kraxeln, um anschließend auf dem aus Rüdesheim zurückkehrenden Bötchen wieder heimwärts zu tuckern.

Geprägt vom Massentourismus der 1960er und 70er Jahre

Anders als die benachbarten Weinanbaugebiete an Mosel und Nahe konnte der Mittelrhein kein besonderes Renommee unter Weinfreunden erwerben, und trotz seiner einzigartigen landschaftlichen Schönheit hat man es auch nicht geschafft, einen hochwertigen gastronomischen Tourismus wie im Rheingau zu etablieren. Dabei wären die Voraussetzungen da. Mit dem romantischen Rhein-Mythos wurde vor 200 Jahren auch der moderne Tourismus ins Leben gerufen, doch artete er aus. Noch heute lastet die verblasste, wein- und teutonen-selige Massenversorgung, die bis in die 1970er Jahre die Region prägte, auf der Landschaft.

Und der Wein? Das Weingut Toni Jost - Hahnenhof  in Bacharach zeigt, dass es auch hier möglich ist, Weine von internationalem Format zu produzieren. Seit 1975 führt Peter Jost zusammen mit Frau Linde und Tochter Cecilia den alteingesessenen Familienbetrieb, der auch Lagen in Walluf und Martinsthal im Rheingau besitzt. Toplage am Mittelrhein ist der Bacharacher Hahn, der sich vor der Stadt den von Koblenz kommenden Bötchen-Fahrern präsentiert.

Weinprobe im Weingut Toni Jost

Die Einkehr zu einer Weinprobe ist für den Genießer mittlerweile Ehrensache. In diesem Jahr wurden Rieslinge aus Bacharach probiert. Der 2009 Bacharacher Riesling (7,80 Euro) war ein schöner Einstieg, der jedoch vom 2008 Devon S Riesling (9,80 Euro) mühelos in den Schatten gestellt wurde. Mit seiner Pfirsichnote und Mineralität schien er dem Genießer der Wein mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Der 2009 Bacharacher Hahn Riesling (12,30 Euro) wies mit seiner Würze und exotischen Frucht-Anklängen schon auf den 2008 Hahn Großes Gewächs Bacharach (22,50 Euro), „unser internationaler Wein“, wie Peter Jost voller Stolz verriet.

Steillage Bacharacher Hahn


Bacharach

Auf dem Rhein mit der Goethe
(Zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Dienstag, 30. März 2010

Ausflug nach Franken: Bürgerspital in Würzburg

Leider konnte der Genießer am Samstag nicht am gemeinsamen Frühjahrsmenü der Köchegruppe “ReVier“ in Herne teilnehmen. Der Grund: Er war übers Wochenende auf einem kleinen Kongress der „Karl-May-Gesellschaft“ in Würzburg. Neben den anregenden Diskussionen über die Literatur des vielseitigen Abenteuerschriftstellers gab es natürlich auch ein kulinarisches Highlight. Ein Stadtrundgang am Samstagabend endete in den ehrwürdigen Weinkellern des Bürgerspitals, eines der größten und ältesten Weingüter in Deutschland. Der Würzburger Patrizier Johannes von Steren hatte 1316 ein Anwesen zur Aufnahme pflegebedürftiger Menschen gestiftet und begründete damit das Bürgerspital, das seit dem 16. Jahrhundert so genannt wird. Ihre Einkünfte bezog die Stiftung von Anfang an durch den Weinbau. Heute betreibt sie zahlreiche soziale Einrichtungen wie Altenheime und eine geriatrische Reha-Klinik und verfügt über 110 ha Rebfläche in und um Würzburg in den besten Lagen.

Nach einem Rundgang durch die historischen Keller des Weingutes mitten in der Stadt, die allerdings beim Bombardement Würzburgs kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs zerstört wurden und wieder aufgebaut werden mussten, gab es nach einem Sekt 2004 Bürgerspital Pinot Cuvée brut eine deftige Brotzeit mit fränkischer Rotgelegter, einer Bluwurst, Bauernweißer, einer er Art Schwartemagen, rohem Schinken, geräucherter Leberwurst, Käse, Butter und Gurke. Dazu wurden fünf Weine aus typisch fränkischen Rebsorten gereicht. Wie Probenleiter Axel Schmidt (Bild) erklärte, wird das Klima am Main anders als im benachbarten Rheingau von kühlen, kontinentalen Ost-Wetterlagen bestimmt. Und so bildete sich zusammen mit dem Terroir des Maintales beim Frankenwein eine ganz andere Charakteristik als anderswo heraus, säurebetont, kernig, irgendwie rauer. Zudem ist es dem fränkischen Weinmarketing in den letzten Jahren gelungen, Neuzüchtungen als regionaltypisch im Bewusstsein der Weinfreunde zu etablieren, dass Franken auf der Basis seiner langen Weinbautradition mit der eigenen Flaschenform, dem Bocksbeutel, als eine äußerst eigenständige Weinregion gilt.

Weinprobe mit Winzerteller: Die Literaturfreunde lassen es sich schmecken

Zum Einstieg gab es einen 2009 Würzburger Pfaffenberg Müller-Thurgau Kabinett trocken, die traditionsreichste Neuzüchtung unter den Weißweinen: ein süffiger, leicht trinkbarer Wein, der Spaß machte. Ihm folgte ein 2009 Würzburger Innere Leiste Silvaner Kabinett trocken, schon trockener und härter im Mund. Der Silvaner gilt als idealer Spargelwein, der die bitteren Noten des edlen Gemüses klassisch ergänzt und ist die wichtigste Rebsorte in Franken. Riesling, die alte deutsche autochthone Rebsorte schlechthin, wird in Franken nur in geringen Mengen angebaut. Entsprechend individuell war der 2008 Würzburger Stein-Harfe Riesling Kabinett trocken, der ein kieseliges Mundgefühl hinterließ.
Als wichtigste Rotweinsorte wird in Franken die Domina angebaut, eine Neuzüchtung, die eigentlich durch Beimischung als Deckwein dünnen deutschen Spätburgundern eine kräftige Farbe geben sollte. Es stellte sich aber heraus, dass sich daraus rauchige Begleiter zu Wild und Braten bereiten lassen, eine Eigenschaft, die sich aus der 2008 Würzburger Pfaffenberg Domina Qualitätswein trocken herausschmecken ließ.
Den Abschluss machte die 2007 Würzburger Stein Rieslaner Spätlese edelsüß, eine Weinspezialität, die einer kräftigen Säure eine nicht minder kräftige Süße entgegen setzte.

Schatzkammer, Fuder und Barriques: Die historischen Schätze des Bürgerspitals wurden im zweiten Weltkrieg zerstöt.