Gelungen, es ist gelungen: Mme. Mardermann
und die Freundin des guten Geschmacks
Gesagt hatten sie vorher natürlich nix, die Mädels: Plötzlich flatterte dem Genießer eine Einladung zum Essen ins Haus – die
Freundin des guten Geschmacks und Mme. Mardermann wollten zusammen kochen. FdgG-Schwager Heinz hatte nämlich im Sauerland einen Bock geschossen, und Rehrücken und –keule harrten nun auf fachkundige Zubereitung und Verzehr. Also packte der Genießer die letzte Magnum-Flasche 1996 Remelluri, die noch im Keller hatte, in den Rucksack, und startete die Bus-Expedition in den verschneiten Bochumer Norden. Unterwegs wollte er noch Monsieur Mardermann aufgabeln, aber den armen Mann hatte die Grippe erwischt, so dass er das Bett hüten musste und nicht im Bus auftauchte. Also blieb dem Genießer und Herrn Geschmacksache nicht anderes übrig, als allein das zu verspeisen, was die Damen in weiblicher Eintracht (sowas gibt’s!) zubereitet hatten.
Fröhliches Muschelschrubben
Die beiden hatten sich seit dem Nachmittag beim Einkaufen und in der Küche bewegt, wie es sich für Heldinnen am Herd gebührt: sicher, kompetent & hingebungsvoll. Für die Vorspeise wurden ein ganzer Haufen spanischer Pfahlmuscheln geputzt und von den franseligen Byssusbärten befreit, damit sie sich schließlich in einem Sud aus Gemüse, Kräutern, Speck und ebenfalls spanischem Weißwein dem aromatischen Genuss öffnen konnten. Getrunken wurde dazu eine Riesling-Scheurebe-Cuvé vom Weingut Hiestand in Rheinhessen, die Mme. Mardermann als Köchinnenwein schon tapfer vorverkostet hatte.
Herr Geschmacksache schneidet auf
Und dann der Hauptgang: Die noch leicht blutig gegarte
Rehkeule war herrlich mürbe und hatte die krümelige Saftigekeit von frischem Marzipan, genauso wie der wunderbar rosa-farbene Rehrücken, der wie von selbst auf der Zunge zerging. Der altersmilde Remelluri vom höchsten Weingut in der Rioja ergänzte mit sanften Vanilletönen. Nicht zu vergessen die Beilagen - mit altem Balsamico verfeinerte Linsen und
Ravioli, die mit einer köstlichen Kartoffel-Kräuter-Paste gefüllt waren. Schließlich sollten die Kohlehydrate nicht zu kurz kommen. Zum Nachtisch gab es Blauschimmelkäse mit Madeira-Weinen in verschiedenen Süße-Graden und die legendären Knusperwaffeln, die Herr Geschmacksache eigenhändig auf einem
antiken Waffeleisen gebacken hatte. Das feine Abendmahl endete schließlich in einer Gedenkminute für den kränkelnden Monsieur Mardermann, der ihn leider nicht miterleben durfte, und fürsorgliche Frauenhände packten noch einige Doggybags, damit er sich später an den Resten laben könne.
Fachkundiges Begießen
Rehkeule und -rücken an schwerem Silber
Rehrücken rosa
Rehkeule mit Balsamico-Linsen und
Ravioli mit Kartoffelfüllung
Spanische Pfahlmuschel
Edle Weinauswahl
Dass der Abend auch noch ein richtiges Abenteuer wurde, dafür sorgte schließlich der Bochumer Personennahverkehr. Wie Mme. Mardermann und der Genießer Opfer einer nachmitternächtlichen Verschwörung von Bus-Fahrplan und Taxizentrale wurden, der sie nur mit höchstem Durchhaltevermögen im nächtlichen Hordel trotzen konnten, erzählen wir aber lieber ein anderes Mal.
Ob's schmeckt?