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Sonntag, 4. Oktober 2026

Gourmetmeilen 2026: Panhasfest in Hattingen

Slow Food Bochum traf sich bei Grauburgunder...



...Aperol Sprizz...


...und Panhas (von Diergardts).


Das Panhasfest ist Anfang Oktober immer ein liebenswerter Nachschlag zur alljährlichen Gourmetmeilensaison, die bekanntlich am Ende der Sommerferien mit der beeindruckenden Veranstaltung auf der Essener Welterbe-Zeche Zollverein ihren Höhepunkt und Abschluss findet. Auch an diesem Wochende wurde in Hattingen auf dem herbstlichen Pendant zum Kulinarische Altstadtmarkt im Sommer wieder dem Panhas gefrönt, jener westfälischen Spezialität aus Buchweizenmehl, Speck und Blut, die richtig zubereitet eine wahre Delikatesse ist. Auf dem Fest haben Diergardts und Eggers Panhas auf dem Programm, an den Ständen von Haus Kemnade, Gasthaus Weiß, An de Krüpe und Las Olas gibt’s darüber hinaus weitere Hausmannskost vom Feinsten, so dass jeder Gast auf seine Kosten kommt.

Der liebe Gott hatte es an diesem Feiertagswochenende mit einem wahrhaft goldenen Oktoberwetter besonders gut gemeint, und so strömten die Besucher auf den St.-Georgs-Kirchplatz, während in den Fachwerkgassen rundum zusätzlich der Hattinger Herbstmarkt tobte.

Auch Slow Food Bochum nahm die Tradition eines Besuches wieder auf, und am Samstag stürzten sich fünf Unentwegte Slofoodiesins Getümmel. Es wurde ein heiterer Spätnachmittag bei Panhas, Aperol Sprizz und Grauburgunder mit zwanglosen Gesprächen über gutes Essen und schöne Urlaubsreisen. 


Königsberger Klopse vom Reh (An de Krüpe)

Schnitzel vom Jungschweinfilet (Eggers)



Blauer Himmel über der Hattingia



Klein-Montmartre hinter den Zelten






Französischer Gourmetmarkt 
im Rahmen des Herbstmarktes


Das Panhasfest Hattingen fand vom 1. bis zum 4. Oktober 2026 statt.

Freitag, 28. August 2026

Gourmetmeilen 2026: „Essen...verwöhnt auf Zollverein“ gestartet

Dass die traditionell letzte große Veranstaltung der alljährlichen Gourmetmeilensaison im Ruhrgebiet nach 16 Jahren plötzlich einen anderen Namen hat, scheint den Besuchern bei der gestrigen Eröffnung kaum aufgefallen zu sein. Hieß die Veranstaltung bislang „Gourmetmeile Metropole Ruhr“, so firmiert sie seit Frühjahr als „Essen...verwöhnt auf Zollverein“. Der Grund dafür ist eigentlich ein trauriger, wie der Genießer meint. „Essen...verwöhnt“ war bislang der Name der legendären Gourmetmeile in der Essener Innenstadt, die in diesem Jahr jedoch abgesagt werden musste (klick hier). Um die Namensrechte daran zu behalten, mussten Veranstalter Rainer Bierwirth und sein Verein „Essen...genießen e.V.“ den eingängigen Slogan jedoch weiter benutzen. Und so bekam die Gourmetmeile auf dem Welterbe Zollverein plötzlich ganz pragmatisch einen neuen Namen.

Essens 1. Bürgermeisterin Julia Jacob und Veranstalter Rainer Bierweirth eröffnen die Gourmetmeile.

Mit der Innenstadt-Meile konnte sich die Schwesterveranstaltung auf dem denkmalgeschützen Zechengelände schon immer messen, und auch in diesem Jahr schafft sie es, dass man den Verlust mühelos verschmerzt. Zwölf zum größten Teil altbewährte Restaurants aus Essen, Bochum, Mülheim und Düsseldorf stehen mit ihren Zelten bereit, die Vielfalt der Gestronomie im Ruhrgebiet abzubilden. Neu dabei ist die Trattoria Momo aus Bochum. Und es ist gelungen, endlich wieder ein Sternerestaurant in den Schatten des Förderturms zu locken – das Restaurant Hannappel.

Coole Musik für eine angenehme Stimmung.

Die Teilnehmer von „Essen...verwöhnt auf Zollverein“ sind angehalten, als Add-on zu ihrem „normalen“ Progarmm auch noch jeweils ein Gourmetgericht und eine Bergmannsgericht anzubieten. So kommte es, dass neben luxuriösen Filet- und Seafood-Gerichten auch vier unterschiedliche Currywurst-Interprationen im Angebot sind. Ich weiß nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Ist das nun Ausdruck einer schwellenlosen demokratischen Esskultur oder die Kapitualtion des Fine Dinings vor dem Street Food?



Der Genießer bei der Arbeit.

Aber lecker ist es ja. So hatte der Genießer Grund genug, gemeinsam mit Silke von der Facebook-Seite „Mein kulinarisches Dortmund“ und seinen Food-Companeros Jochen und Christian aus den entlegendsten Ecken des Ruhrgebiets zu einer Gourmet-Expedition in den Essener Norden aufzubrechen und vor allem das Angebot von Hannappel durchzuchecken. Und weil alles geschwisterlich geteilt wurde, blieb auch noch Platz für das eine oder andere Schmankerl.

Essen...verwöhnt auf Zollverein
27.8.2026

Die Hannappel-Session 

Currywurst
Kartoffelespuma – Wollschweinwurst – Zwiebel
9,50 €
So mag der Bergmann auch Sterneküche. Die obligatorische Currywurst aus bestem Fleisch, stilecht in Stücke geschnitten. Ob mit dem Currywurst-Häcksler oder mit der Allzweckschere, ich weiß es nicht.



Thunfisch
Gazpacho – Jalapeño – Röllchen
12,50 €
Was sich hinter den „Röllchen“ verbarg, erschloss sich uns leider nicht. Aber die grüne klare Essenz bündelte die Gurken-Tomaten-Paprika-Aromen der spanischen Gazpacho mit intensiver Frische und ergänzte die feine Thunfischzubereitung perfekt.



Spätzle
Trüffel – Spinat – Crumble
14,00 €
Um es ehrlich zu sagen, von diesem Gang waren wir enttäuscht. Er kam ungewürzt, laff und ziemlich trocken daher.
 


Hühnerkeule
Petersilienwurzel – Piri Piri – Pak Choi – Mandel
16,50 €
Das saftige Hühnerfleisch, auf den Punkt gegart und pikant abgeschmeckt, war eine überzeugende Vollmahlzeit.



Wagyu Shabu Shabu
Rauchaalöl – Kaviar – Erbse – Hoisin
28,50 €
Eigentlich ist Shabu Shabu ja eine Art japanisches Fondue, bei dem der Gast sich feinstes Rindfleisch in einer edlen Brühe am Tisch selbst gart (klick hier). Hier kam das erstklassige Wagyu-Fliesch bereits fertig zubereitet auf den Teller, begleitet von feinen Beilagen.
 

Himbeere – Hagebuttenblüten – Pfeffer – Granité
Joghurt – weiße Schokolade
10, 50 €
Ein luftig-leichtes Dessert mit überraschender Aromatik.


Was sonst noch reinging



Momo mio Momo
Carpaccio vom Rind
Rucola & Parmesan
8 Euro
Ein wunderbarer Einstieg in die Schlemmer-Tour. Bestes Rindfleisch zum fairen Preis.


La Turka
Orientalische Dattel-Currywurst
Geröstete Mandeln | getrüffelte Stampfkartoffeln
10,- €
Mittlerweile ein Klassiker bei La Turka. Die Sauce ist durch die Datteln schön süß-pikant, die Wurst allerdings eine Brühwurst nach Art der Berliner Currywurst.


Da Vinci
Bohneneintopf nach ital. Art
Mit würziger Salsiccia
10 €
Nein, das ist keine Currywurst in Sauce, sondern italienische Salsiccia in Bohnensuppe. Trifft die Vorstellung eines Bergmannsgerichtes genau.


Gummersbach
Schnitzel von der französischen Entenleber
Schalottenmarmelade, Honigbrot, Apfel
19 € 
Die französische Entenleber ist ein Klassiker bei Gummersbach und macht der Bezeichnung „Gourmetgericht“ alle Ehre.


Bliss
Pulpo Tempura
Teriyaki-Rotkohl, Wasabicreme
8 €

Schon auf dem „Kulinarischen Treff“ in Mülheim überzeugte der Pulpo im feinen Tempurateig, während der Rotkohl irritierte.



Bliss
Duett aus Futomaki und Thunfisch Tataki
12 €
Überzeugende kleine Reise durch Japan aus Rüttenscheid.



Gärtnerei / Fleischerei
Bouillabaisse
Sauce Rouille | Baguette
16 €
Eine etwas dünn geratene Fischsuppe, die aber durch ihre intensive Aromastärke überzeugte. Ganz großartig die Rouille, ein Fest für Safranfreunde.



Hüftgold
Zum Nachtisch allerlei Eis


Coffee Bike
Espresso für vier

„Essen...verwöhnt auf Zollverein“ geht noch bis zum 30. August 2026. Sa und So ab 12 Uhr. Alle Infos zum Musikprogramm und Speisekarten mit Preisen klick hier.


Donnerstag, 27. August 2026

Gourmetmeilen 2026: „Zu Gast in Recklinghausen“ eröffnet


Mit einer glanzvollen Eröffnung bei strahlendem Sonnenschein trotzte gestern „Zu Gast in Recklinghausen“ der großen Krise, in der sich die Gourmetmeilen im Ruhrgebiet in diesem Jahr befinden. Während anderswo traditionsreiche Veranstaltungen dieser Art eingestellt wurden, kann das Gourmetfest vor dem imposanten Rathaus immerhin seinen 39. Geburtstag feiern. 

Mit einem einzigen Hammerschlag sticht Bürgermeister Axel Tschersich das Fass an, beobachtet von Norbert Menzel vom neuen Veranstalter LM:V Veranstaltungsservice Herne.

Allerdings hat sich auch hier einiges geändert. Nicht nur, dass mit Axel Tschersich ein neuer Bürgermeister den Fassanstich zum Start ausführen musste, es gibt auch einen neuen Veranstalter, den LM:V Veranstaltungsservice, der seine Sitz übrigens nicht in der Festspielstadt selbst, sondern im benachbarten Herne hat. Und drei neue Restaurants mussten einige ausgeschiedene Kandidaten ersetzen: Das Ausflugslokal Mutter Wehner aus der Haardt in Oer-Erkenschwick, das Restaurant Vangos in der Residenz „Wohnen am Festspielhaus“ und das Ristorante Antica Roma am Bürgerhaus in Recklinghausen-Süd.

Biergarten-Party-Stimmung auf dem Rathausplatz

Beeindruckend war, wie viel Politprominenz der Stadt sich zur Eröffung eingefunden hatte, und der Rathausplatz füllte sich am späten Nachmittag rasch, so dass recht bald eine trubelige Biergarten-Partyatmosphäre herrschte. Auch der Genießer und sein Slow-Food-Kollege Jochen hatten sich eingefunden, um ein paar der angebotenen Gerichte zu probieren. Hier im nördlichen Ruhrgebiet ist natürlich Üppigkeit angesagt, aber das, was wir auf die formschöne Plastikgabel bekamen, die in diesem Jahr zum Standardbesteck der Veranstaltung gehört, war gar nicht übel.



Im Glas: Alkoholfreier Hugo


Zu Gast in Recklinghausen
26.8.2026


Antica Roma
Vitello Tonnato
Die überzeugende klassische italienische Vorspeise beim Meilen-Neuling war der perfekte Einstieg.




Vangos
Veganer Kebab
Herzhaft gewürzt, auf fruchtigem Tomaten-Ragout mit Soja-Tahin-Dressing & knusprigem Baguette 
Dieses Gericht ist der perfekte Einstieg für den Neuling bei Zu Gast in Recklinghausen. Nicht nur, dass es ein seltenes veganes Angebot ist, es kann auch Fleischfreunde überzeugen. Die Bratlinge auf Seitan-Basis waren in Konsistenz und Geschmack perfekt, das Tomaten-Ragout richtig lecker. Die einzige Irritation war, dass ich mir bei Kebab Geschnetzeltes vorgestellt hatte. Diese Frikadellen hätte ich Köfte genannt. Aber das weiß wohl der Koch besser.




Gute Stube im Parkhote
lFish & Chipsmit Vinegar & hausgemachtem Remouladen-Relish 
Zum zweiten Mal dabei hat sich die Gute Stube im Parkhotel Herne schon zum kulinarischen Spitzenbetrieb bei Zu Gast in Recklinghausen gemausert. Mit Fish & Chips führt es die Tradtion fort, die einst vom Irish Pub Murphy's begründet wurde. Stilecht werden die würzigen Chips mit von einer Portion Essig begleitet.



Gute Stube im Parkhotel
Rinderschmorbraten mit Romanasalat, Redieschen und Kartoffelpüree
Im Untertitel wird dieses Gericht als „Signature Dish der Guten Stube“ angekündigt, und tatsächlich ist es ein Mittagessen wie bei Muttern. Das Fleisch löffelweich geschmort, die Sauce würzig abgeschmeckt, das Püree gaumenschmeichelnd – was will man mehr! 


Mutter Wehner
Erdbeertiramisumit süßem Minzpesto & frischen Erdbeeren
Als Dessert gab es ebenfalls einen Italo-Klassiker. Den Kick gab das süße Minz-Pesto.




Und noch mal der Schmorbraten


Zu Gast In Recklinghausen geht noch bis zum 30.8.2026. Alle Infos zum Programm und Speisekarten klick hier.


Samstag, 1. August 2026

Gourmetmeilen 2026: Weinfest „Food, Wine & Music“ im Essener Stadtgarten gestartet


Seit das Weinfest „Food, Wine & Music“ vor 13 Jahren das erste Mal stattfand (klick hier), ist es ein wegweisendes Beispiel fürs Easy Living im sommerlichen Ruhrgebiet. Beschattet von den hohen Bäumen des Stadtgartens im Essener Südviertel stehen die Stände von deutschen und internationalen Spitzenweingütern im Mittelpunkt, und der Weingenuss wird beschwingt begleitet von den wohltemperierten Music-Acts des Essener Impresarios und ehemalige Gastronomen Igor Albanese. Und die kulinarische Grundlage fehlt natürlich auch nicht und bietet eine kleine, aber feine Schnittmenge zur Gourmetmeile „Essen...verwöhnt“. Das wundert nicht, denn Veranstalter beider Veranstaltungen ist der Weingroßhändler Rainer Bierwirth.

Und auch in diesem Jahr erfüllte das Weinfest im Stadtgarten alle Erwartungen, die ich bei meiner Stippvisite zur gestrigen Eröffnung hatte. Kurz vor 16 Uhr legten Rainer Bierwirth und sein Team noch letzte Hand an, damit auch alles klappen würde, von der Musikbühne ertönten die Klänge des Soundchecks, und der lauschige Weg hinter dem Sheraton Hotel füllte sich rasch mit Gästen. Elf Weingüter sind diesmal vertreten, vier Gastronomen sorgen fürs Essen und fünf Künstler und Gruppen über die drei Tage verteilt für musikalische Unterhaltung (für alle Infos klick hier).

Soundcheck mit Lauryn und Band

Und trotzdem, irgendwie spürte ich die Erosionen, die die (Freiluft-)Gastronomie in den letzten Jahren verändert haben. Das fängt beim Klimawandel an - immer muss man befürchten, die Veranstaltung könnte dem Extremwetter zum Opfer fallen. Vor den Corona-Wirren war die Sommerzeit im Ruhrgebiet kontinuierlich mit Gourmetmeilen gefüllt, und das Weinfest fand in der Regel sogar am gleichen Wochenende mit dem „Kulinarischen Treff an der Ruhr“ in Mülheim statt, was mich notorischen Gourmetmeilenhopper häufig in Terminnot brachte. Doch in diesem Jahr liegen beide Veranstaltungen schön entzerrt wie zwei verlorene Inseln zwischen den anderen Gourmetmeilen der Saison. Die erste große Lücke im Juli war wohl noch der Fußball-WM geschuldet, mit der die Veranstalter nicht konkurrieren wollten, die zweite Lücke von jetzt an bis Ende August liegt aber schlichtweg daran, dass drei große Meilen in diesem Jahr ausfallen – neben je einer in Dortmund und Bochum auch die Große Schwester des Weinfestes „Essen...verwöhnt“ (klick hier).

Publikumsmagnet Foodtruck "Milina Pottglück"

Was mich zum großen Fan der Gourmetmeilen gemacht hat, ist, dass die die teilnehmenden Restaurants kein Streetfood machen, sondern ihre anspruchsvolle Restaurant-Küche auf die Straße bringen. Deswegen habe ich auch mit Argwohn beobachtet, dass sich im Laufe der Jahre immer häufiger Hamburger und Currywurst auf den Angebotskarten drängten. Diese ruhrgebietstypischen Streetfood-Gerichte kriegt man schließlich tagtäglich an jeder Straßenecke – wozu brauche ich da ein Gourmetfestival? Dass sie trotzdem ein Umsatzbringer sind, darf man den Gastronomen nicht vorwerfen, es liegt wohl an der normativen Kraft des Publikumsgeschmacks. Mir klingt noch der befreiende Ausruf eines Herrn in mittlerem Alter in den Ohren, den ich auf dem Weinfest gehört habe: „Ich weiß schon was ich esse: den Hamburger!“

Auf dem Weinfest steht schon seit längerer Zeit die Currywurst auf dem Speiseplan, ich erinnere mich da an die hervorragenden Produkte von „Ruhrfeuer“. In diesem Jahr ist es „Milina Pottglück“, der Pommeswagen des Rüttenscheider Kult-Restaurants „Bliss“, der die Weinfestgäste mit diesem „Modern German Street Food“ versorgt. Sich dem Unvermeidlichen hingebend, verschaffte sich der Genießer mit diesem Produkt vom Thüringer Duroc Schwein die nötige Grundlage für den weiteren Weingenuss.

Die Zukunft der Gourmetmeilen? 
Currywurst mit alkoholfreiem Wein (immerhin von Schloss Johannisberg)

Obwohl wäre das eigentlich nicht nötig gewesen wäre. Denn das diesjährige Weinfest stand im Zeichen einer weiteren gastronomischen Entwicklung, die den Genießer irritiert: alkoholfreier Wein. Und der müsste ja eigentlich auch auf nüchternen Magen bekömmlich sein.

Früher galt mäßiger Weingenuss ja durchaus als gesund, doch seit in die Weltgesundheitsorganisation empfohlen hat, Warnhinweise wegen der Krebsgefahr durch Alkohol auf die Flaschen zu drucken, ist die Nachfrage nach alkoholfreiem Wein deutlich gestiegen, zumal das Ganze auch noch von solchen Internet-Aktionen wie „Dry January“ sekundiert wird. So hat sich die unter wirtschaftlichem Druck stehende Weinwirtschaft in letzter Zeit sehr darum bemüht, alkoholfreie Weine, die auch noch schmecken, herzustellen. Dabei wird fertigen Weinen der Alkohol entzogen.

Weinfest-Veranstalter Rainer Bierwirth und Winzer Michael Beck 
präsentieren ihre alkohlfreie Weinlinie  "B&B Zero"


Weinfest-Veranstalter Rainer Bierwirth, der im Hauptberuf Weingroßhändler für Gastronomie und Handel ist, hat sich mit dem rheinhessischen Weingut Beck zusammengetan, und eine alkoholfreie Weinlinie in Rot, Rosé, aus Riesling und Sauvignon blanc und als Secco kreiert, die auf dem Weinfest erstmals vorgestellt wird. Im Gegensatz zu gängigen alkoholfreien Weinen, die recht teuer sind, sollen die Weine unter 10 Euro in den Einzelhandel kommen und Gastromen die die Möglichkeit bieten, preiswert glasweise auszuschenken.

Aber auch andere Weingüter sind mit alkohlfreien Weine vertreten, häufig als Sparkling Secco. Ich probierte allerdings nur die Stillweine, darunter den Riesling Gelblack, den das legendäre Rheingau-Weingut Schloss Johannisberg für das einschlägige Label Kolonne/Null herstellt, den alkoholfreien Biowein „Jederzeit Rosé“ aus Pinot Noir, Merlot und Portugieser vom Neuspergerhof in der Pfalz und den Blanc de Noir alkoholfrei auf Spätburgunderbasis vom Weingut Lamm Jung im Rheingau.



Schloss Johannisberg
Riesling Gelblack alkoholfrei
Deutlich erkennbarer Riesling




Weingut Neuspergerhof
Jederzeit Rosé alkoholfrei
Limonadige Cuvée




Weingut Lamm Jung 
Blanc de Noir alkoholfrei

Würzige Entdeckung

Ja, man konnte alle Weine sehr gut trinken, sie wiesen geschmackliche Tiefe und Vielfalt auf, man konnte z.T. sogar die Rebsorte erkennen. Am besten gefiel mir der Blanc de Noir von Lamm Jung mit seinen würzigen Kräuternoten. Dennoch fand ich alle Weine ziemlich süß, fast wie Limonade, und ich zweifelte doch, ob man so einen Geschmackserlebnis nicht auch ohne so einen Produktionsaufwand herstellen kann. (Ich musste daran denken, dass auf den Fotos zu meinen Rezepten hier im Blog häufig eine fotogene Rhabarberschorle die Rolle des Rosé ersetzt, die ich anschließend austrinke und die ein herrlicher Essensbegleiter ist).

Immerhin war die Vekostung so vieler Weine eine Art Genuss ohne Reue. Die kam erst auf, als ich die Pendants der Weine mit Alkohol probierte. Auf einmal war Körper und Tiefe da und trotz der Wohltemperiertheit eine anheimelnde Wärme. Und vor allem fühlte ich mich in einer Genusstradtion, die etwas Tranzendentes hat.


Zum Schluss spendierte mir Silke Lohn vom Weingut Lamm Jung
 ein Gläschen des herrlich lachsfarbenen Blanc de Noir Spätburgunder feinherb. Mit Alkohol.



Das Weinfest im Stadtgarten geht noch bis zum 2.8.2026. Essen-Südviertel, Stadtgarten, hinterm Sheraton Hotel, Huyssenallee 55. Alle Infos hier.