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Sonntag, 19. Juli 2026

Regionale Produzenten: Tomaten und anderes von Babkus in Herdecke

Unbeauftragte und unbezahlte Werbung



Obwohl der Supermarkt EDEKA Burkowski im Westtor Center an der Bochumer Alleestraße seit Jahren mit einer ewigen Baustelle vor der Tür zu kämpfen hat, ist er der Devise, in seinem Angebot einen Schwepunkt auf regionale Produzenten legen, treu geblieben. So präsentierte er vor drei Wochen im Rahmen des „Tages der Lokalität“ über 20 verschiedene Manufakturen, Landwirte und Produzenten „von umme Ecke“. Unter anderem gehörte auch die Gärtnerei Babkus aus Herdecke dazu.




Über 25 verschiedene Tomatensorten bauen dort Babette und Markus Seim auf dem Schnee an. Begonnen hat alles als Liebhaberei im Jahr 2010, doch mittlerweile hat sich daraus eine Firma mit verschiedenen Standorten entwickelt. So schön es es ist, dass man das ein oder andere ihrer Produkte im Bochumer Supermarkt bekommen kann, trotzdem bekam ich große Lust, den Hofladen, den es seit 2021 gibt, an der Wittener Landstraße in Herdecke zu besuchen.


Olivenöl mit eigenem Label aus Apulien




...Gewürzsalz...


...und Mandelspzialitäten aus Mallorca


Ein wenig aufpassen musste ich trotz Navi-Einsatz doch, um die kleine Einfahrt gegenüber des Restaurants Haus Huster nicht zu verpassen. Doch dann bot sich mir der Blick auf eine recht imposante Anlage des „Treibhauses 34“. Ein großer Teil der ersten Abteilung ist zu einem Verkaufsraum ausgebaut. Hier werden den verschiedenene Tomatensorten, so wie sie gerade reif sind, aber auch noch anderes Gemüse, Beerenobst und Kartoffeln aus eigener Produktion angeboten. Darüber hinaus vertreibt Babkus Orangen, Zitronen und Mandelspzialitäten sowie Gewürzsalze von mallorquinischen Produzenten. Eine exklusive Olivenöl-Edition aus dem süditalienischen Apulien trägt den Namen Babkus als eigenes Label. Vor der Kulisse der Tomatenpflanzen gibt es sogar eine Lounge zum Chillen, wo ich die Gazpacho, die eisgekühlte spanische Gemüsesuppe, die Mitarbeiterin Steffi aus den hofeigenen Produkten zubereitet hatte, probieren konnte.





Die Lounge im Treibhaus: 
Hausgemachte Gazpacho von Mitarbeiterin Steffi

Ich deckte mich mit verschiedenen Tomatensorten wie Ochsenherz, Schwarzer Muck und verschiedenfarbige „Tröpfchen“ ein; dazu nahm ich noch eine Handvoll von der Blauen Hilde mit, eine blaue Stangenbohne, die beim Kochen aber grün wurde, zwei Minigurken „Freche Lotti“ und je ein Körbchen köstliche Aprikosen und Erdbeeren.



Tomate Schwarzer Muck
 

Stangenbohne Blaue Hilde



Beim Kochen für den Salat 
wurde die Blaue Hilde grün.


Babkus – Treibhaus 34. Wittener Landstraße 34, 58313 Herdecke. Tel. 01 72. 367 77 09. Mi 9-18.30 Uhr, Sa 9-14 Uhr. https://babkus.de/treibhaus-34/

Sonntag, 10. August 2025

Saison auf dem Balkon: Mit Tomaten und Pesto gefüllte und mit Ziegenkäse überbackene Champignons (vegetarisch)


Wieder einmal inspirierte mich ein Bild auf Instagram, dieses leichte und vegetarische Sommergericht nachzukochen. Die gefüllten Champignons eignen sich prima als Weinbegleiter, als Beilage für allerlei Grilladen oder ganz einfach um sie solo zu essen.



Zutaten: Ziegenkäse, Thymian, Tomaten, große Champignons, hausgemachtes Pesto
 

Die ausgehöhlten Champignons und die Tomaten werden im Ofen vorgegart. Dann werden die Tomaten mit Pesto in die Champignons gefüllt und noch einmal mit Ziegenkäse überbachen. 




Rezept: Mit Tomaten und Pesto gefüllte und mit Ziegenkäse überbackene Champignons (vegetarisch)

3-4 große Champignons oder Portobello-Pilze
16 verschiedenfarbige Kirschtomaten
1 EL Olivenöl
1 Knoblauchzehe
Salz und Pfeffer
2 EL Pesto (Rezept hier klicken)
20g schnittfester Ziegenkäse
Frischer Thymian und etwas geriebene Parmesan zum Garnieren 

Pesto nach diesem Rezept herstellen.

Den Ofen auf 200°C vorheizen.
Champignons putzen. Die Stiel herausschneiden und anderweitig verwenden, z.B. für eine Brühe. Die Lamellen mit einem scharfkantigenTeelöffel ausschaben.
Kirschtomaten halbieren.
Pilze und Kirschtomaten auf ein Backblech mit Backpapier. Mit Olivenöl betpinseln. Knoblauch hacken und auf die Tomaten streuen. Mit Salz und Pfeffer würzen.
Backblech für 20 bis 25 Minuten in den vorgeheizten Backofen schieben, bis die Pilze und die Toamten durchgegart sind.
Aus dem Ofen nehmen. Pesto in die Pilze füllen und die gegarten Tomaten darauf legen.
Ziegenkäse in klien Würfelchen schneiden und darüber streuen. Für weitere 4-5 Minuten in den Ofen geben. Bis der Käse geschmolzen ist.
Zum Servieren mit frischem Thymian, frisch gemahlenem Pfeffer und einer Prise geriebenem Parmesan garnieren.



Es war natürlich eine Menge Pesto übrig geblieben. Deshalb gab es auch noch eine Spezialität aus Ligurien, Trenette bzw. Linguine mit Pesto. Dafür die Pasta nach Packungsvorschrift kochen, etwas Kochwasser abnehmen, damit das Pesto gechmeidig machen und mit den Nudeln vermischen. Schade, dass ich keinen Wein aus den Cinque Terre im Keller hatte, er hätte prima dazu gepasst.

Ein Rezept für kleine gefüllte Champignons klick hier
Weitere schöne Gerichte mit Tomaten klick hier


Sonntag, 15. August 2021

Urbane Landhausküche: Schwarze Tomatensuppe „Black Beauty“


Ich erinnere mich immer wieder gerne an das große Menü rund um die Tomate, das wir von Slow Food vor drei Jahre mit Mario Kalweit in seinem Restaurant in Dortmund veranstaltet hatten (klick hier). Als Tomatenfachfrau war Rita Breker-Kremer vom Werkhof dabei, einer Demeter-Gärtnerei, bei der - neben einer Vielzahl anderer Gemüse - mit über 80 Sorten das größte Tomaten-Angebot weit und breit zu finden ist. Deswegen versuche ich, wenigstens einmal im Jahr eine Einkaufsexpedition von der Bochumer Innenstadt nach Dortmund-Scharnhorst-Grevel zu machen (klick hier). In diesem Jahr verband ich die Shopping-Rundfahrt mit einem Besuch bei Manufactum in Waltrop (klick hier) und dem italienischen Supermarkt Andronaco in der Dortmunder Nordstadt (klick hier).




Im Bioladen des Werkhofs in Dortmund-Scharnhorst gibt es die größte Tomatenauswahl weit und breit.

Als Beute brachte ich dann ein paar Kilo der verschiedensten Tomatensorten in allen Farben mit nach Hause, wobei es mir die fast schwarzen Sorten Black Beauty und Gargamel besonders angetan hatten. Mir schwebte vor, daraus eine schwarze Tomatensuppe zu machen, die ein wenig meine Befindlichkeit angesichts des letzten UN-Klimaberichts widerspiegeln sollte.

Schwarze Tomaten der Sorten Black Beauty und Gargamel

Wie bei blauen Weintrauben, steckt die dunkle Farbe der Tomaten nicht unwesentlich in der Schale. Als ich die Haut der Tomaten abgezogen hatte, sahen die kohleschwarzen Früchte plötzlich aus wie Pfirsiche, denn es kamen auch noch rot, blau und gelb zum Vorschein. Um dennoch eine so gut wie schwarze Suppe zu bekommen, gab ich noch einen guiten Schuss Rotwein daran, und statt der Ananasmarmelade, die meinen roten Tomatensaucen die leuchtende Farbe verleiht, nahm ich diesmal Quittengelee zum Süßen. Als mir die Tomatensuppe dann immer noch nicht dunkel genug war, tat ich noch etwas Tintenfischtinte dran, was ich durchaus als passend empfand.

Nach dem Abziehen der Schale haben die Tomaten Ähnlichkeit mit Pfirsichen.

Irgendwie hatte die fertige Suppe optisch dann etwas von einer dunkeln Bratensauce. Doch auf der Zunge erwies sie sich dann als herrlich fruchtig, wie es sich für eine Tomatensuppe gehört. Und kalt schmeckte sie dann noch besser.



Rezept: Schwarze Tomatensuppe „Black Beauty“

2 Teller

500 g vollreife dunkle Tomaten, z.B. Black Beauty und/oder Gargamel
1 rote Zwiebel
1-2 Stangen Staudensellerie
1 Möhre
½ Stange Lauch
1-2 Zehen Knoblauch
1 Kräuterstrauß aus Basilikum, Thymian, Romarin, Salbei und Oregano
½ Chilischote
1 Glas Rotwein
½ l Gemüsebrühe
1 Prise Curry
1-2TL Quittengelee
1 Schuss Olivenöl
evtl. etwas Tintenfischtinte
Pfeffer, Salz

Für die Garnitur:
6 Cherrytomaten, Basilikumblätter, Ziegenfrischkäse

Tomaten mit kochendem Wasser überbrühen und die Haut abziehen. In Stücke schneiden und den Stielansatz entfernen.
Zwiebel, Möhre, Staudensellerie in kleine Würfel, Lauch in Ringe schneiden. Chilischote entkernen und klein schneiden. Knoblauch in feine Scheiben schneiden.
Öl in einem Topf erhitzen, die gewürfelten Gemüse dazugeben und anschwitzen. Tomatenwürfel dazugeben und ebenfalls anschwitzen. Mit Rotwein und Gemüsebrühe auffüllen. Gewürzstrauß und Quittengelee dazugeben. Mit etwas Curry würzen. Ca. dreiviertel Stunde bei geschlossenem Deckel köcheln lassen, bis die Gemüse sehr weich und die Tomaten zerfallen sind. Deckel abnehmen und noch weiter einkochen lassen.
Kräuterstrauß herausnehmen. Suppe durch ein Haarsieb in einen anderen Topf streichen. Mit Pfeffer, Salz und Zucker abschmecken. Ggf. mit Tintenfischtinte nachschwärzen.

Zum Servieren in Teller füllen und mit halbierten Cherrytomaten, Basilikumblättern und etwas verdünntem Ziegenfrischkäse garnieren. Schmeckt auch kalt.

Werkhof Hofladen. Werzenkamp 30, 44329 Dortmund. 0231/72989230. Di, Fr 10-18 Uhr, sonst geschlossen.


Sonntag, 8. August 2021

Gestern bei Mama revisited: Linsen-Tomaten-Suppe (vegetarisch)


Hier auf Genussbereit ein Linsensuppen-Rezept zu posten, heißt eigentlich Eulen nach Athen tragen, denn das geschah schon öfter (z.B. hier). Schließlich ist der Genießer bekennender Linsen-Aficionado. Aber neulich stieß ich beim Aufräumen auf den Stapel der alten Kochbücher meiner vor mittlerweile sechs Jahren verstorbenen Mutter, darunter eines aus den 1980-er Jahren, „Kochen mit Tomaten“. Ausgerechnet bei dem Rezept für ein Linsen-Tomaten-Suppe steckte ein Stapel mit aus irgendwelchen Frauenzeitschriften ausgeschnittenen Rezepten. Beim Stichwort Linsen wurde ich hellhörig und dachte, das kochst du einmal nach.


Mamas altes Kochbuch

Aufmachungstechnisch wirken die Rezepte in dem Kochbuch ziemlich altmodisch. Sie haben nichts von veganer Weltrettungsattitüde oder hippem Nachhaltigkeits-Zurück-zur- Natur. Es sind einfach praktische Rezepte mit wenigen Zutaten, die eine überlastete Hausfrau (ja, -frau!) schnell und einfach zubereiten kann. So wird zum Würzen der Suppe nur Pfeffer und Salz und als Kraut Petersilie verwendet.

Das konnte für ein Genussbereit-Rezept natürlich nicht so bleiben. Spätestens beim Slow-Food-Linsensuppenkochen vor knapp drei Jahren (klick hier) hatte ich gelernt, dass ein mitgekochtes Stück Orangenschale wunderbar mit den Hülsenfrüchten harmoniert. Also kam es auch diesmal hinein, genauso wie je eine Prise Kreuzkümmel und Curry sowie ein Stich Senf. Statt Petersilie nahm ich tomatenaffines Basilikum. Die Suppe hätte mit einer Dose italienischer Pelati sicherlich ausgezeichnet geschmeckt. Da wir aber mitten in der Tomatensaison sind, nahm ich frisch geerntete vollreife Demeter-Früchte vom Wochenmarkt. Zur Garnitur gab’s ein paar Cherrytomaten.

Vollreife Tomaten und andere Zutaten vom Wochenmarkt

Das Rezept sah auch vor, etwas durchwachsenen Speck in Olivenöl auszulassen und die alles darin anzuschmoren. Geschmacklich ist das sicherlich das Beste, was man machen kann. Um vegetarisch und sogar vegan zu bleiben, verzichtete ich jedoch darauf. Um den Aromaverlust auszugleichen, bestäubte ich die fertigen Teller mit einem Hauch geräucherten Paprika.


Rezept: Linsen-Tomaten-Suppe

Ergibt 4 Teller

250 g grüne (oder andre) Linsen
1 Zwiebel
1 große Knoblauchzehe
1 Möhre
1 Stück Lauch
1 Stängel Staudensellerie
500 g vollreife gemischte Tomaten
Schale von ½ Orange
Olivenöl
3 Stängel Basilikum
1 Prise Curry
1 Prise Kreuzkümmel
½ tl Senf
Orangensaft
Pfeffer, Salz
¾ l Gemüsebrühe oder Wasser
Cherrytomaten für die Garnitur
Geräuchertes Paprikapulver

Linsen waschen und in der doppelten Menge Wasser nach Packungsangabe in ca. 30 Minuten bissfest garen.
In der Zwischenzeit Gemüse putzen und in kleine Würfel schneiden. Zwiebel und Knoblauch schälen. Zwiebel würfelen, Knoblauch in feine Scheiben schneiden.
Tomaten mit kochendem Wasser überbrühen und die Haut abziehen. In Stücke schneiden und den Stielansatz entfernen. Basilikumblätter von den Stielen zupfen.
Öl in ein Topf erhitzen. Zwiebel- und Gemüsewürfel darin schwitzen. Knoblauch, Tomatenstücke dazu und Basilikumstiele dazu geben und mitschmoren lassen. Mit Gemüsebrühe oder Wasser auffüllen, Orangenschale dazu geben, und alles köcheln lassen, bis die Gemüse weich und die Tomaten zerfallen sind.
Bissfest gegarte Linsen mitsamt Restwasser dazugeben und weiter köcheln lassen, bis die Linsens so weich wie gewünscht sind. Mit Orangensaft, Curry, Kreuzkümmel, Senf, Pfeffer und Salz abschmecken. (Wer mag, kann einen Schuss Weißwein dazugeben.) Basilikumblätter hacken und unterrühren. Einig ganze Blätter für die Garnitur zurück behalten.
Für die Garnitur Cherrytomaten am Zweig in einer geschlossenen Pfanne in etwas Öl anbraten, bis sie leicht aufplatzen.
Linsen-Tamten-Suppe auf vorgewärmte Teller geben. Mit Cherrytomaten und Basilikumblättern garnieren. Mit einem Hauch geräuchertem Paprikapulver bestäuben.


 

 

Samstag, 29. September 2018

Edition Genussbereit: Pikantes Ochsenherz mit Ananas und italienischen Kräutern


Am letzten Wochenende produzierten Katrin von der Manufaktur „im Glas“ und der Genießer ein neues Produkt der Edition Genussbereit: Pikantes Ochsenherz mit Ananas und italienischen Kräutern.

Auf dem großen Slow-Food-Menü rund um die Tomate bei Mario Kalweit hatten wir die grandiosen Ochsenherz-Tomaten von der Demeter-Gärtnerei Werkhof in Dortmund kennen (klick hier). Sie waren aufgrund des heißen Sommers top gereift. Kurzerhand kaufte Katrin die letzten 15 Kilogramm auf, so dass wir uns ans Werk machen konnten. Es entstanden sage und schreibe 38 190-Gramm-Gläschen des exklusiven Produktes. Jedes Gläschen reicht – auf dem Teller verfeinert mit geriebenem Parmesan und gehacktem frischen Basilikum- - für zwei große Portionen Spaghetti.

Basis für das „Pikante Ochsenherz mit Ananas und italienischen Kräutern“ ist das legendäre Spaghetti-Saucen-Rezept der Genießers mit Ananasmarmelade (klick hier), allerdings mit weitaus exklusiveren Zutaten. Statt Dosentomaten verwendeten wir nun die kostbaren Ochsenherzen, das Ananasmus kam nicht aus dem Marmeladenglas, sondern wurde selbst eingekocht. Ebenso kamen die Paprika nicht aus dem Glas, sondern wurden im Ofen selbst geröstet. Abgerundet wurde das Ganze mit einem dicken Kräutersträußchen, die meisten von Katrins Hochbeet.


An Leute, die Interesse haben, geben wir die Gläschen zum Selbstkostenpreis von 6 Euro weiter. Erhältlich sind sie am 10.9.2018 auf dem Feinkost-Festival für Foodies DELINALE im Schauspielhaus Dortmund (klick hier) oder ab nächste Woche in Katrins Manufaktur „im Glas“, Am Krüzweg 18, 44879 Bochum (Facebook)


Freitag, 14. September 2018

Aus dem Archiv: Tomatenfan Mario Kalweit

Der Text erschien erstmals in "Dortmund geht aus 2019".



Die Tomatenwelt auf der Restaurantterrasse

Als Patron seines Restaurants gehört Mario Kalweit zu den beständigsten Spitzenköchen in Dortmund. Was die meisten seiner Gäste überrascht: Er ist auch passionierter Tomaten-Aficionado und züchtet auf der Terrasse seines eleganten Restaurants alte Sorten, die er gemeinsam mit seiner Frau Susanne Thoenes in der „Tomatenwelt“ seines Internet-Blogs „Die Genussjäger“ dokumentiert.

Von Peter Krauskopf

Der heiße Sommer fordert seinen Tribut.  Die eigentlich mittelspätreifende, fast kindskopfgroße, durchschnittlich 400 bis 800 Gramm schwer werdende und ins Braunrot changierende Tomate der Sorte Ohio 1884 ist Anfang September schon überreif. „Eigentlich wollte ich das dicke Ding als Demonstrationsobjekt für ein Menü rund um die Tomate für die Feinschmecker von Slow Food Bochum zurückbehalten“,  meint Mario Kalweit. Doch die Riesenfrucht ist schon geplatzt und der Saft tritt aus, so dass sie die drei Tage bis zum Wochenende nicht mehr durchhalten wird.



Tomate Ohio 1884

Die Slowfoodies aus der Nachbarstadt waren auf „La cuisine Mario Kalweit“ aufmerksam geworden, weil der Patron gemeinsam mit seiner Frau Susanne Thoenes im Internet das Blog „Die Genussjäger“ betreibt. Dort dokumentiert er unter der Rubrik „Marios Tomatenwelt“ seine Leidenschaft für den Paradiesapfel. Unter den Spitzenköchen im Ruhrgebiet ist das eine einzigartige Sache. „Vor einigen Jahren waren wir an der Loire und haben uns die Gärten der dortigen Schlösser angesehen“, erzählt Mario. „Da haben wir in einem Sternerestaurant gegessen, das von einem Tomatengarten umgeben war“. Erste Samen wurden in einem sog. „Tomatenmuseum“ gekauft und zu Pflanzen gezogen. Mittlerweile wachsen 70 Sorten in dem kleinen Gewächshaus und an geschützten Stellen der eleganten Terrasse des Restaurants in der Dortmunder Gartenstadt. Je weitere 15 Sorten stehen in privaten Gärten von befreundeten Gästen und auch auf dem Werkhof, eine Demetergärtnerei im Dortmunder Osten, in der schwer vermittelbare Jugendliche beschäftigt werden. Deren Chefin Rita Breker-Kremer hat Mario auch als unterstützende Expertin für das Slow-Food-Menü herangezogen. Immerhin hat auch sie 80 alte, samenfeste Sorten im Angebot, die interessierte Kunden  - neben anderen Gemüsen - im Hofladen des Werkhofs kaufen können.

Geradezu befruchtend war für Mario Kalweit auch die Freundschaft zu dem privaten Tomaten- und Kräuterzüchter Heinz Niehaus aus Bocholt, seiner westfälisch-niederrheinischen Heimat. Der Möbelhauschef ist passionierter Hobbygärtner, der seine Gewächse auch verkauft und den Erlös an ein Hospiz spendet. Auch von ihm bekam Mario zahlreiche Samen.

Bei richtiger Lagerung sind die Tomatensamen fünf bis zehn Jahre keimfähig.  Mit sichtlichem Stolz zeigt Mario Kalweit seine Samenschublade. Darin stecken wie in einem großen Karteikasten unzählige exakt beschriftete Samentüten, eine wahre Schatzkiste der Biodiversität. „Im Supermarkt bekommt man häufig sog. Hybrid-Tomaten, also Früchte, deren Samen unfruchtbar sind, damit man beim Hersteller immer wieder neue Pflanzen kaufen muss“, erklärt Mario. Zudem sind die Supermarkt-Tomaten auch nach den Bedürfnissen der Logistik und nicht es des Geschmacks gezüchtet worden: auch unreif schon rot, immer gleich groß zur idealen Verpackung, mit strapazierfähiger dicker Schale. Erst in letzter Zeit ist das Angebot vielfältiger geworden.

Dabei gibt es so viel zu entdecken. Durch den heißen Sommer sind beim Slow-Food-Menü die eigenen  Vorräte schon weitgehend geschrumpft, und so bringt Rita Breker-Kremer vom Werkhof an die dreißig verschiedene Sorten zum Verkosten mit. Die Slowfoodies sind begeistert von der Farben-, Geschmacks- und Formenvielfalt. Die Früchte changieren von rot über gelb bis braun, violett und sogar meliert, von kleinen Kugeln bis hin zu riesigen, seltsamen Gebilden. Das Geschmacksspektrum. reicht von süßlich bis säuerlich, von fruchtig bis würzig, von saftig bis mehlig.

Im eigentlichen Menü kommt dann Mario Kalweits ganze Erfahrung zum Tragen. Gut fünfundzwanzig Jahre ist es her, seit er als Küchenchef im Restaurant des Cateringservice „Art Manger“ t einen Michelinstern erkochte. Den Gründer Heiko Antoniewicz kannte er von ihrer gemeinsamen Zeit im legendären Zwei-Sterne-Restaurant „Résidence“ in Essen-Kettwig. Als Antoniewicz dann ausstieg und der Stern verschwand, übernahm Kalweit das Restaurant in eigener Regie und führte es als „La cuisine Mario Kalweit“ weiter. Lange Zeit arebeitet er dann als Fernsehkoch beim WDR, alternierend u.a. mit Nelson Müller, ebenfalls ein Résidence-Veteran.

Befreit von den artifiziellen Zwängen der Sterneküche kann er jetzt ganz die fantastischen Produkte in den Mittelpunkt seiner Kochkunst stellen. Für das Slow-Food-Menü hat er die Tomate durch das Fleisch des schottischen Hochlandrindes ergänzt, das er aus der ebenfalls privaten Zucht von Richard Löttert im münsterländischen Velen ergänzt. Für den großen Braten hat er sich ausgerechnet eine „alte Kuh“ von zehn Jahren ausgesucht. Üblich sind maximal drei Jahre. Das Fleisch wurde fast einen Tag lang in Tomatensaft geschmort und hatte eine deftige Kernigkeit, die jedes labbrige sous-vide-gegartes Stück in den Schatten stellte. Die Sauce war herrlich fruchtig, bei weitem nicht so sauer wie beim Sauerbraten, aber auch nicht so „breit“ wie beim Barolobraten.

Auch nach dem großen Tomatenschmaus können Gaste, die auf die Terrasse von „La cuisine Mario Kalweit“ kommen, durchaus noch Pflanzen, die Früchte tragen entdecken. Auffällig ist eine gelb-schwarzviolette Tomate. „Das ist eine ursprünglich kanadische Sorte, die noch keinen Namen hat sondern unter der Nummer GWX P20-F3 A2 geführt wird, weil man noch nicht weiß, ob sie beständig ist“, erklärt Mario Kalweit. „Bei mir auf der Terrasse ist sie jedoch in den letzten Jahren immer wieder gut gekommen.“ Wer weiß: Haben wir vielleicht bei der eindeutigen Farbgebung in Bälde eine BVB-Tomate?

 

Dienstag, 11. September 2018

Dortmund: Menü rund um die Tomate (und das schottische Hochlandrind) bei Mario Kalweit


Es war wahrlich Tomatenwetter. Bei milden 23 Grad trudelten am späten Sonntagnachmittag fast vierzig Slowfoodies aus Bochum und Dortmund sowie einige andere Feinschmecker im Restaurant „La cuisine Mario Kalweit“ in der Dortmunder Gartenstadt ein, um sich bei einem exklusiv für Slow Food kreierten Menü der Tomate zu widmen. Patron Mario Kalweit ist leidenschaftlicher Tomatenzüchter, seit er vor einiger Zeit die Gärten der Loire besucht hat. In einem Gewächshaus auf und an geschützten Stellen rund um die elegante Terrasse seines Restaurants zieht er alljährlich über 70 verschiedene alte Tomatensorten. Die dokumentiert in der „Tomatenwelt“ des Blogs „Die Genussjäger“, den er mit seiner Frau und Restaurantchefin Susanne Thoenes betreibt (klick hier).

Patron Mario Kalweit und Tomatenspezialistin Rita Breker-Kremer begrüßen die Leiterin von Slow Food Bochum Wiebke Rieck.

Die Verkostung

Zu Einstimmung auf sein Menü hatte er die Tomatenspezialistin Rita Breker-Kremer eingeladen. Rita Breker-Kremer ist Leiterin des Werkhofs, einer gemeinnützigen Demeter-Gärtnerei, die sich mit dem Gemüseanbau auch der Ausbildung von schwervermittelbaren Arbeitslosen widmet und von der Mario Kalweit sein Gemüse bezieht. Im Hofladen des Werkhofs kann sie neben anderen Gemüsen auch bis zu 80 verschiedene alte Tomatensorten anbieten.

Mario Kalweit und Rita Breker-Kremer
begutachten die Tomaten

Für die Slowfoodies hatte sie an die 30 verschiedene Sorten mitgebracht, die wegen des heißen Wetters in den letzten Wochen voll ausgereift waren und beim rohen Verkosten ihre ganze Pracht entfalteten. Die Farben changierten von rot über gelb bis braun, violett und sogar meliert, die Formen von kleinen Kugeln bis hin zu riesigen, seltsamsten Gebilden. Noch überraschender war das Geschmacksspektrum. Es reicht von süßlich bis säuerlich, von fruchtig bis würzig, von saftig bis mehlig.


 Das Interesse an der Verkostung war groß

Der Patron zeigt sein Gewächshaus

Züchter Richard Löttert (neben dem Genießer, der die Veranstaltung moderierte) stellte seine schottischen Hochlandrinder vor.

Nach diesem die Sinne betörenden Einstieg begann das Menü. Zur Ergänzung zur Tomate verarbeitet Mario Kalweit Fleisch von Schottischen Hochlandrindern aus dem Münsterland. Züchter Richard Löttert war ebenfalls anwesend und plauderte amüsant und lehrreich über sein Hobby. Denn die 40 schottischen Hochlandrinder hält er nebenberuflich. Sie sind ganzjährig im Freien, beweiden hauptsächlich Landschaftsschutzgebiete und ergeben so erstklassiges Fleisch, das weit über die normale Bio-Qualität hinausgeht.

Das Menü rund um die Tomate (und das schottische Hochlandrind) bot dann fünf produktbezogene Gänge, die der der ehem. WDR-Fernsehkoch mit Sterneküchen-Vergangenheit sein ganzes Können legte, ohne sich dabei an vom Produkt ablenkende Anrichte-Vorgaben halten zu müssen.

Das Menü

Aperitif
Chardonnay Sekt Brut
Weingut Stachel, Pfalz
mit Tomaten-Rosmarinsirup

Fingerfood
Dreierlei gelierte Tomatensüppchen
auf Brotspezialitäten

Rosa Scheiben vom Hochlandrind, mit Tomatenpesto, kandierten Oliven und einem Tomaten-Ricottakrapfen

Zander unter der Tomatenkruste
mit Tomatensalat und Rucola-Fond

In Tomatensaft geschmorter Braten von der alten Hochlandkuh mit gefüllter Tomate und Aubergine

Tomatensorbet mit Mascarpone, Melone und Zitronenthymiansoße

Die Weinbegleitung
Chardonnay Und Weißburgunder 2017
Weingut Rings, Pfalz
Primitivo di Manduria SUD 2016
Cantine San Marzano, Apulien 

Werkhof-Gärtnerin Rita Breker-Kremer
und Moderator Peter Krauskopf

 Zufriedene Gastgeber.
Rita Breker-Kremer, Peter Krauskopf,
Richard Löttert und Mario Kalweit

 Vor dem Sturm

 Im Gewächshaus
 
Fotos: Peter Krauskopf (10), Katrin Manzke (8)

La cuisine Mario Kalweit, Dortmund. Infos  hier
Werkhof Projekt gGmbH, Dortmund und Unna. Infos hier
Schottische Hochlandrinder Richard Löttert, Velen. Vermarktung über Hof Keil, Reken hier
Slow Food Bochum. Infos hier