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Samstag, 19. Juli 2025

Gourmetmeilen 2025: Kulinarischer Treff an der Ruhr in Mülheim



Sehnsucht nach besseren Tagen

Eigentlich versprach der kurze Trip am gestrigen Freitag zum „Kulinarischen Treff an der Ruhr“ in Mülheim so zauberhaft zu werden wie eh und je. Es war herrlichstes Sommerwetter, die hohen Bäume der innenstadtnahen Parkanlage am Flussufer säuselten im Wind und warfen kühlenden Schatten – und hätte es geregnet, hätten die großen weißen Zelte mit ihren Biergartengarnituren genügend Platz im Trockenen geboten. Dazu noch die coole Live-Musik von einer kleinen Bühne, alles Voraussetzungen für ein wunderbares Gourmetmeilen-Feeling. Und trotzdem konnten mein Slow-Food-Kollege Jochen und ich die Sehnsucht nach den besseren Tagen der Mülheimer Gourmetmeile nicht unterdrücken.

Neben dem Getränkestand von Bellenbaum und der „Bar in Motion“ aus Herne mit ihrem Cocktailangebot waren gerade einmal sieben Restaurants vertreten, und davon kamen nur drei – das Walkmühlen-Restaurant, das Spices 1822 und das Café Leonardo - aus Mülheim. Den Hauptteil bestritten bewährte Gourmetmeilenveteranen aus anderen Städten: Gummersbach aus Essen-Borbeck, die Alte Metzgerei und das Bliss aus Essen-Rüttenscheid und La Turka aus Düsseldorf. Das war eigentlich kein Manko, denn bei allen handelt es sich um hervorragende Betriebe, die es schaffen können, unter dem Motto „Klein aber fein“ eine großartige kulinarische Veranstaltung auf die Beine zu stellen.


Heitere Stimmung in den Ruhranlagen


Doch was weit mehr irritierte, war der Blick in die durchaus glücklichen Gesichter der zahlreichen Gäste, die sich aus der langen Warteschlange am Stand der Alten Metzgerei lösten, um die ergatterte Beute zu einem Sitzplatz zu jonglieren. Dabei handelte es sich fast ausschließlich um Currywurst mit Pommes. Auch wenn es sich dabei um das legendäre Kultprodukt von Dönninghaus aus dem Bochumer Bermudadreieck handelte – gehen die Leute heutzutage wirklich auf eine Gourmetmeile, um eine Currywurst zu essen? Ein Gericht, das man letztendlich in jedem Freibad und an jeder Tankstelle bekommt? Wie reizvoll war es war es doch früher, sogar aus dem fernen Bochum zum Kulinarischen Treff anzureisen. Da hobelte z.B. Renato die Trüffel dick über die Spaghetti, man bekam bei der Mausefalle die exklusiven Weinbergschnecken aus Moers, die Schlossküche von Hugenpoet steckte edle Artischocken in Strudel- oder Nudelteig und Möllecken's Altes Zollhaus kredenzte Gänselebermousse – die Spitzenrestaurants der Region gaben ihr bestes. Doch das, was eine Gourmetmeile zur Gourmetmeile macht (und diese Art von Veranstaltung von Streetfood-Märkten unterscheidet), scheinen immer weniger Leute zu schätzen, wie wir auch schon auf den Gourmetmeilen anderswo bemerkten. 



Der Cocktail-Wagen

Doch die beschwingte Atmosphäre des „Kulinarischen Treffs an der Ruhr“ sorgte dafür, dass wir unsere gute Laune nicht verloren und schon gar nicht den Appetit. Ein wenig eingeschränkt wurden wir bei der Auswahl, weil wir als mittlerweile routinierte Gourmetmeilen-Hopper eine ganze Reihe der Gerichte schon aus den Vorjahren kannten, etwa das „Schnitzel von der französischen Entenleber“ bei Gummersbach, das „Wiener Kalbsschnitzel“ bei der Alten Metzgerei oder den „Oktopus vom Grill“ beim Walkmühlen-Restaurant. Dennoch stellten wir uns eine schönes Menü zusammen, nicht allzu umfangreich, aber so, dass wir es ohne Anstrengung schaffen konnten.

Kulinarischer Treff an der Ruhr
Mülheim, 18.7.2025


Gummersbach
In den Gläsern befinden sich der alkoholfreie Saft „PLOPP“ von der Merlot-Traube (rot) und ein Souvignier Gris (weiß), beides vom badischen Weingut Höfflin. Der Souvignier Gris ist ein sog. Piwi-Wein, eine gelungene Neuzüchtung, die mit den Folgen des Klimawandels besonders gut zurecht kommt.



Gummersbach
Kokos-Zitronengras-Suppe, Pak Choi, Mango (vegetarisch, 8 Euro)
Was sich so harmlos auf der Karte las, entpuppte sich als 'chön 'charfer Einstieg in unser Menü.



Gummersbach
Jakobsmuschel, Tomate, Aprikose, Chorizo (14 Euro)
Es ist erstaunlich, wie variantenreich das Restaurant Gummersbach alljährlich ein Jakobsmuschel-Gericht auf die Gourmetmeilen bringt. In diesem Fall brachten die Tomaten und Aprikosen Säure und Fruchtigkeit an das zarte, eher zurückhaltend gewürzte Muschelfleisch.



Spices 1822
Hasselback-Kartoffeln mit Chorizo und Tzatzikisauce, eingelegte Schalotten (8 Euro)
Das hübsche Gericht bestach in erster Linie durch die würzigen Beilagen zu den Kartoffeln, die sehr zurückhhaltend gesalzen waren.



Spices 1822
Linguine mit Ziegenkäse, Rucola-Chips, Pflaumen und einem Hauch von Kaffee (vegetarisch, 14 Euro)
Ich hätte nicht gedacht, dass mich ein Nudelgericht noch überraschen könnte, aber die Trockenpflaumen in Kombination mit dem Kaffearoma gaben dem ganzen einen schönen Schuss Umami-Aroma. Und der frittierte Rucola sorgte für den nötigen Crunch.



La Turka by Seda
Surf & Turf
Carpaccio vom US Black Angus Rinderfilet, Black Tiger Garnele, getrüffelte Parmesan-Nudeln (19 Euro)
Eine Variante des eigenwilligen Surf & Turf vom letzten Jahr. Diesmal gehörten noch getrüffelte Parmesan-Nudeln zum Gericht. Die Linguine waren schön gekocht, garten aber durch ihre Wärme das hauchdünn aufgeschnittene Carpaccio unfreiwillig durch. Die Garnelen waren schön knackig.



Walkmühlen-Restaurant
Cannoli Siciliani
Knusprige Teigröllchen mit Ricottafüllung, Pistazien und Schokoflocken (5 Euro)
Leider fehlte den recht dickwandigen Teigröllchen die dieser sizilianischen Spezialität eigene Leichtigkeit.



Walkmühlen-Restaurant
Zelt „Ukraine“
Die Betreiberfamilie Sirik des Walkmühlen-Restaurants stammt aus der Ukraine. Der Erlös des Zeltes geht als humanitäre Unterstützung dorthin.
Mlynzi
Crepes mit Mohn, Kirschen und Schmand (7 Euro)
Eine kräftige ukarainische Dessert-Spezialität.



Und zum Abschluss ein Espresso bei der „Bar in Motion“

Der kulinarische Treff an der Ruhr geht noch bis Sonntag, 20.7.2025. Mülheim, Ruhranlagen. Alle Infos hier.

Samstag, 27. Juli 2024

Kulinarischer Treff an der Ruhr 2024: Heiterkeit as usual auf der Mülheimer Gourmetmeile

Nachmittagsidylle unter Bäumen in Mülheim

Leider hinderte eine gesundheitliche Unpässlichkeit den Genießer, am Donnerstag den „Kulinarischen Treff an der Ruhr 2024“ gleich zur Eröffnung zu besuchen, und so wurde das am zweiten Tag nachgeholt. Es ist ja bewundernswert, wie die Gourmetmeile in Mülheim die Corona-Zwangspause überstanden. So opulent wie vor der Pandemie ist das Angebot allerdings nicht mehr. Die meisten der renommierten Häuser aus Mülheim und dem Ruhrtal bis Kettwig, wegen denen ich früher von der Veranstaltung früher so begeistert war, sind aus den verschiedensten Gründen nicht mehr dabei. Wie gern erinnere ich mich an die mit Trüffeln überhobelte Portion Spaghetti, die ehedem eine so sichere Bank am sommerlichen Ruhrufer war; jetzt bringt es ein ähnliches Gericht nur noch auf Pfifferlinge.


Klimawandelsicher: Die erneuerten Zelte schützen auch vor Starkregen

Schon immer war der „Kulinarische Treff“ auf Teilnehmer von jenseits der Mülheimer Stadtgrenzen angewiesen. Unter den insgesamt zehn Ständen in diesem Jahr sind – neben den Getränke- und Sponsorenständen von Bellenbaum und Tabak Budde – von den Veteranen nur noch das „Walkmühlenrestaurant“ und das „Café Leonardo“ als Mülheimer Eigengewächse sowie „La Turka“ aus Düsseldorf und „Gummersbach“ aus Essen-Borbeck dabei. Unterstützung gibt es auch aus Rüttenscheid. War im letzten Jahr das „Schick“ aus dem chicen Essener Stadtteil vertreten, ist es in diesem Jahr die „Alte Metzgerei“.



Natur, Kultur und Kulinarik:
Das Acoustic Cover Duo spielt auf

So trudelte ich am gestrigen Freitag gleich um 16 Uhr auf dem „Kulinarischen Treff“ für ein kleines Nachmittagsmahl ein, und ich war sofort von der Heiterkeit eines großen Familienfestes umgeben. Die großen, alten Bäume der Ruhrwiese mit der schönen Adresse „Auf dem Dudel“ rauschten gemütlich und der weiße Glanz der Stndpagoden wetteiferte mit dem der großen, anscheinend nagelneuen großen Überdachungszelte, unter denen die Gourmeilengäste auch bei Starkregen trocken essen können. Neu ist auch eine kleine Bühne, auf der zur musikalischen Untermalung verschiedene Künstler auftreten. Abends hätte mir der Besuch wahrscheinlich weniger Spaß gemacht, denn da wird es auf dem „Kulinarischen Treff“ in der Regel sehr voll, denn der Mülheimer Gast überrennt vor lauter Liebeshunger seine Gourmetmeile sehr gern und mit Leidenschaft.


Vorbildliches "Spices 1822":
Von sechs Gerichten im Angebot sind drei vegetarisch.

Erst ausgewählt, dann doch nicht gegessen: Beluga-Linsen auf Roter Beete und Karotten (14 Euro)

Und auch gesundheitlich konnte ich mich bestens regenerieren. Wie regelmäßige Leser meines Blogs vielleicht wissen, hat mir meine Neurologin eine Vitamin-B12-Diät verordnet, und das gibt es auf natürliche Weise ausgerechnete nur in rotem Fleisch und Leber. Und wo kann man sich mit diesen Nahrungsmitteln besser versorgen aus auf der Mülheimer Gourmetmeile? (Aber keine Angst, liebe Fleischverschmäher, immerhin 9 Gerichte sind im Programmheft mit „V“ für „vegetarisch“ gekennzeichnet.) Also genehmigte sich der Genießer als Hauptgänge zwei der angebotenen Gourmetgerichte: das „Carpaccio Surf & Turf“ mit Rinderfilet und Garnelen von „La Turka“ und das „Schnitzel von der französischen Entenleber“ von Gummersbach. Eingerahmt wurde das von zwei Erfrischungsgerichten, die auch bei Höchsttemperaturen eine Empfehlung sind. Als Vorspeise CBurrata mit Wassermelone“ von „Spices 1822“ und als Dessert den „Rhabarbertraum“ mit Rhabarbereis auf Erdbeeren von „Hüftgold“.




Eine herausfordernde Rarität im Glas:
Spontan vergorener Grauer Burgunder 2022
vom Weingut Höfflin bei "Gummersbach"


 
Kulinarischer Treff an der Ruhr
26.7.2024, Mülheim




Spices 1822
Burrata mit Wassermelone und Romescosalat (8 Euro)
Was immer „Romescosalat” sein soll –die Kombination von der Frischkäsespezialität Burrata und Wassermelone war herrlich erfrischend und eines der drei vegetarischen Gerichte, die „Spices 1822“ im Angebot hat.




La Turka by Seda
Surf & Turf
Carpaccio vom Black Angus Rinderfilet & Gambero Rosso mit Parmesanhobel, Rucola, Trüffelöl, Amalfi-Zitrone (17 Euro)

Hervorragend Zutaten, erfrischend präsentiert – die meditarrane Edelküche von „La Turka“ ist einzigartig. Ganz früher war Yavuz Cagritekin mit seinem damaligen Mülheimer Lokal „Türkis“ auf dem „Kulinarischen Treff“ vertreten.




Restaurant Gummersbach
Schnitzel von der französischen Entenleber, Roscoff-Zwiebel-Marmelade, Honigbrot, Apfel, Portwein (17 Euro)
Helene und Klaus Gummersbach gehören zu den unerschütterlichen Veteranen der Gourmetmeilenszene in Essen und Mülheim. Mit ihrem Gourmetgericht präsentieren sie auf dem „Kulinarischen Treff“ feinste französische Küche in klassischer Ausprägung.



Hüftgold
Rhabarbertraum
XL-Kugel Rgabarbereis auf marinierten Erdbeeren (6 Euro)

Der Rhabarber für das hausgemachte Eis stammt aus dem Rheinland.

Der „Kulinarische Treff an der Ruhr“ geht noch bis zum 28.7.2024. Sa und So ab 12 Uhr. Mülheim, Ruhranlage „Auf dem Dudel“. Infos und Speisekarte hier.

Freitag, 21. Juli 2023

Kulinarischer Treff an der Ruhr 2023 in Mülheim: Stimmungsvolle Gourmetmeile, aber mit Lücken

Ruhrfeuer: Fine Dining mit Pommes


Es gab Zeiten, da war der „Kulinarische Treff“ an der Ruhr sozusagen der Gourmetmeilen-Treff der Spitzengastronomie aus Mülheim, Essen und dem Ruhrtal. Um die 14 Betriebe hatten die ihre Stände in den lauschigen Anlagen direkt am Ruhrufer, die reinen Getränkestellen gar nicht mit gerechnet. Doch mit der der Zeit zogen sich viele renommierte Betriebe zurück, manche Restaurants machten überhaupt zu, und es wurde immer schwieriger, Ersatz zu finden. Dabei schien es mir, dass die Besucher der stimmungsvollen Veranstaltungen unbeirrt die Treue hielten. Immer, wenn die Genießer da war, war der Kulinarische Treff mehr als gut besucht. So war es auch im letzten Jahr, als die Gourmetmeile nach der Corona-Zwangspause wieder am Start war. Die hungrigen Mülheimer strömten herbei, doch die Anzahl der Stände war auf die Hälfte geschrumpft (klick hier).


Vorhang auf für Mobile Jukebox

In diesem Jahr sind von den Restbeständen noch einmal zwei Teilnehmer verschwunden, wie ich beim gestrigen Besuch mit Bedauern feststellen musste: das Slow-Food-Restaurant „Mausefalle“, deren Weinbergschnecken-Appetizer ich sehr vermisste, und die Trattoria „Betrolini’s“, die mich letztes Jahr immerhin mit ihrem hausgemachten Salsiccia-Brät zu einer eigenen Kreation zu Hause inspirierte (klick hier). Diesmal gab es neben den drei traditionellen Getränkeständen, darunter eine Cocktailbar und einen Champagner-Lounge, letztendlich nur noch sechs Stände, die Speisen anboten. Neben den Veteranen „Gummersbach“ aus Essen, „La Turka“ aus Düsseldorf (Yavus Cagritekin war in früheren Jahren mit dem nicht mehr existenten „Türkis“ vertreten), und „Walkmühlen-Restaurant“ (seit 2017 unter der Leitung von Sergio Sirik) waren das die Debütanten „Café Leonardo“ und „Schick Essen“ aus Essen-Rüttenscheid sowie die Edel-Pommesbude „Ruhrfeuer“ - und natürlich das Catering-Unternehmen „Hüftgold“, das diesmal allerdings nur mit seinen Eiskreationen vertreten war.

Es muss für die Veranstalter wohl schwierig gewesen sein, den Ersatz zu bekommen, denn das Programmheft mit den Speisekarten wurde erst sehr spät veröffentlicht – ein Standplan, der sehr hilfreich gewesen wäre, war auch nicht drin. „Gummersbach“, „Walkmühlen-Restaurant“ und „Schick Essen“ waren mit den gleichen Speisen wie vor vier Wochen bei „Essen verwöhnt“ vertreten, was aber nur einem notorischen Gourmetmeilen-Hopper wie mir auffallen konnte. Das „Walkmühlen-Restaurant“ hatte wieder seinen Stand um den für die Ukraine-Hilfe erweitert.

Am Eröffnungstag strömten schon vor Beginn der offiziellen Öffnung die Gäste. Hier der Bericht mit einer willkürlichen Auswahl an Gerichten.

Kulinarischer Treff an der Ruhr
Mülheim, 20.Juli 2023



Walkmühlen-Restaurant
Oktopus vom Grill
auf erfrischendem Salatbouquet. 14 Euro
Wie schon bei „Essen verwöhnt“, überzeugte die tadellos gegrillte Portion in überzeugender Größe




Café Leonardo
Vegetable Samosa
Crispy gefüllte Teigtasche mit Minzchutney (6 Euro)
Asiatisches Streetfood auf einer Fine-Dining-Gourmetmeile, und dann noch vegetarisch. Samosa heißen frittierte Teigtaschen, die ihren Ursprung in Pakistan und Indien haben und die es im ganzen vorderasiatischen Raum bis an die Küste Afrikas gibt. Herausfordernd waren die dick geschnittenen, scharf gewürzten Zwiebeln, die als Beilage gab.



Café Leonardo
Palak Paneer
Indischer Hüttenkäse mit Spinat in einer mild gewürzten Currysauce, dazu Reis (12 Euro)
Trotz des italienischen Namens bietet das „Café Leonardo“ indische Küche an. Der u.a. mit Kreuzkümmel gewürzte Spinat ear etwas wässrig und hätte mehr Pep haben können. Die Currysauce war sehr mild, aber appetitanregend. Mutig, so ein Gericht anzubieten.



Schick Essen
Dreierlei von der Kichererbse
Falafel, Hummus, geröstet. Gegrillte Paprika, Joghurt (6 Euro)
Ebenfalls ein vegetarisches Stück Streetfood auf der Gourmetmeile, auf den Punkt hergestellt. Die auf drei verschiedene Arten zubereiteten Kichererbsen stecken nicht in den drei perfekt frittierten und abgeschmeckten Falafelbällchen. Darunter befinden sich noch pastöses Hummus und einige geröstete Kircherbsen. Klasse.



Schick Essen
Duroc Schweinebauch
Balsamico Linsen, marinierte Honigmelone (7 Euro)
Besser kann es auch im Restaurant nicht schmecken. Fast schon ein Hauptgericht zum Vorspeisenpreis.



Ruhrfeuer
Ruhrfeuer Schaschlik vom Duroc-Schweinefilet
Mango-Spitzkohl, rote Zwiebeln, Kürbiskern-Aioli, handgemachte Pommes frites doppelt blanchiert (10 Euro)
Nach meinem Verständnis fährt man eigentlich nicht auf eine Gourmetmeile, um Imbisskost zu essen. Was die Schaschlikbrüder von „Ruhrfeuer“ hier präsentieren, ist allerdings absolute Premiumqualität. Man muss nur die herrlich kreativ zusammengestellte Zutatenliste des Gerichts lesen, und das Wasser läuft einem im Mund zusammen. Und so schmeckte es auch.




Ruhrfeuer
Bauernkäse vom Hielscher Hof aus Leichlingen, Ruhrfeuer Chilikompott, Dinkelbrot von Hemmerle, Salzbutter (6 Euro)
Eine pikante Käsejause als Dessert, einfach und gut zusammengestellte beste Produkte – was will man mehr. Der Käse erinnerte an einen italienischen Provolone. Das Brot vom Mülheimer Stadtbäcker war herzhaft, das Chilikompott köstlich.



Hüftgold Catering
3 Eislust Kugeln (6 Euro)
Warum ist eigentlich der Hüftgold-Stand so versteckt? Das sensationelle Eis hätte einen exponierteren Standort auf dem „Kulinarischen Treff“ verdient. Unter den bei Eiskugeln mit Pistazien- und Blutorangen-Aroma verbirgt sich noch eine mit Rhabarber – das hatte ich noch nirgendwo gesehen. Der perfekte Abschluss für den Gourmetmeilen-Besuch.

Der Kulinarische Treff an der Ruhr geht noch bis Sonntag, 23. Juli. Fr ab 16 Uhr, Sa & So ab 12 Uhr. Mülheim, Ruhranlagen. Infos und Speisekarten hier.

Samstag, 15. Juli 2023

Gourmetmeilen 2023: Der „Kulinarische Treff an der Ruhr“ in Mülheim startet am 20. Juli


Etwas zaghaft war der „Kulinarische Treff an der Ruhr“ in Mülheim im letzten Jahr aus der Corona-Zwangspause mit nur etwa der Hälfte der Restaurants zurückgekehrt, die in den Jahren davor die Gäste begeistert hatten. In diesem Jahr sind zwei weitere Gastronomien ausgeschieden: das Slow-Food-Restaurant „Mausefalle“ und die 2022 erstmalig angetretene „Trattoria Bertolini’s“, die laut Google schon wieder dauerhaft geschlossen hat. Dafür konnten das neue Restaurant Schick aus Essen-Rüttenscheid, das Café Leonardo und der Currysaucen-Spezialist Ruhrfeuer dazu gewonnen werden. Wieder dabei ist das Hüftgold Catering mit seinen Eisspezialitäten.

So sorgen in diesem Jahr folgenden Restaurants, Gastronomen und Eisdielen für kulinarisches Leben in den wunderbaren Mülheimer Ruhranlagen zwischen dem Flussufer und der Straße Auf dem Dudel: Norbert Bellenbaum Gastronomie & Catering, Restaurant Gummersbach Essen, Restaurant La Turka Düsseldorf, Cafe Leonardo, Ruhrfeuer, Restaurant Schick Essen, Walkmühlen-Restaurant, Bar in Motion, Hüftgold und Tabak Budde.

Jetzt ist auch das Programmheft mit allen Speisekarten im Internet. Klick hier. 

Hier mein Test-Bericht über den Eröffnungstag. Klick hier.

Kulinarischer Treff an der Ruhr. Mülheim, Ruhranlagen. 20.-23. Juli 2023. Do und Fr ab 16 Uhr, Sa und So ab 12 Uhr. Infos hier.

Freitag, 24. Februar 2023

Mülheim-Winkhausen: „Am Kamin“ mit neuer Ausrichtung

Update 2024: Das Resurant ist dauerhaft geschlossen.

Neues "signature dish": Roulade wie von Oma

Eine Fahrt nach Mülheim versetzt mich immer wieder in eine gewisse nostalgische Wehmut, schließlich hat in der Stadt an der Ruhr bis vor acht Jahren meine – ursprünglich in Essen beheimatete – Familie gewohnt. Damals bekochte ich dort fast jedes Wochenende meine hochbetagte Mutter und meine Schwester. Diese Kochabenteuer veröffentlichte ich hier im Blog unter dem Titel „Gestern bei Mama“, woraus ich später dann das Konzept der „Urbanen Landhausküche“ entwickelte, übrigens eine Titelwahl nicht ohne Augenzwinkern.


Die neue Stahl-Stele in Stil von Richard Serra wartet auf ihre Patina.

Und so fand ich es ganz passend, dass das ehemalige ‚Restaurant „am Kamin“‘ in Mülheim seit letztem Herbst als „Landhaus am Kamin“ firmiert. Heike Nöthel-Stöckmann hatte mich schon länger eingeladen, ihr neu ausgerichtetes Haus zu besuchen. Von 2015 bis 2019 hatte das historische Fachwerkhaus einen Michelinstern. Mit der Corona-Pandemie kamen 2020 die Lockdown-Probleme und nach deren Abklingen der Versuch, an die Sterne-Phase wieder anzuschließen, der allerdings nicht klappte. So beschloss Heike Nöthel-Stöckmann, sich von den Zwängen und Ansprüchen der High-End-Gourmet-Küche zu befreien und mit ihrem Restaurant ganz andere Wege zu gehen.

 
 
Neuer Herr der Töpfe: Tobias Weitz

Zurück zu den Wurzeln heißt das neue Motto, Bodenständigkeit ist die Devise. Es geht jetzt um eine Küche „wie bei Oma“, die die Gefühle anspricht. In Tobias Weitz hat Heike Nöthel-Stöckmann einen neuen Küchenchef gefunden, der dieses Konzept auch umsetzen will. Gelernt hat der 28-Jährige das Kochhandwerk im Landhaus Mönchenwerth in Meerbusch und dabei eine große Leidenschaft für die bodenständige Küche entwickelt. Wichtig ist ihm die hohe Qualität der Produkte, die verarbeitet werden. Um den Bezug dazu zu erhalten, hilft der Neusser oft beim Geflügelbetrieb „Gänsepeter“ in Rommerskirchen aus, einem Slow-Food-Unterstützer. „Es ist schön, in der Küche jemanden zu haben, mit dem man die gleichen Ansprüche teilt und mit dem man sich einig ist, wie es schmecken soll“, sagt Heike Nöthel-Stöckmann.


 
Familiär und gemütlich

Und dass die neuen Gerichte nicht nur die Zunge, sondern auch das Herz des Genießers treffen, zeigte das kleine bodenständige Menü, das ich probieren durfte. Alles war handwerklich perfekt und geschmacklich stimmig, aber unprätentiös zubereitet. Immer wieder wurde ich an mein eigenes familiäres Kochen erinnert. Beim Grünkohlsalat im Gruß aus der Küche musste ich daran denken, wie wir einmal bei der Vorbereitung für ein Grünkohlessen von Slow Food Bochum das rohe Gemüse mit Inbrunst weich massiert hatten (klick hier). Die Zwiebelsuppe des ersten Ganges erinnerte ich an den Heiligabendschmaus bei meinen Schwestern (klick hier), und die Rinderrouladen, quasi das neue „signature dish“ des Hauses, waren so klassisch mit Speck, Zwiebeln, Gurken und Senf gefüllt wie in Mamas Traditionsrezept (klick hier). Käsekuchen, wie es ihn zum Nachtisch gab, kannte ich noch aus den 1960-er Jahren als Lieblingskuchen meiner Großmutter. Allerdings wurde er damals nicht selbst gebacken, sondern zum Sonntagskaffee beim Bäcker gekauft.

Ein kleines bodenständiges Menü
Landhaus am Kamin, 16.2.2023

Vorweg
Hausgebackenes Brot mit Petersilienschmand


Gruß aus der Küche
Grünkohlsalat mit Apfel und Entenbrust



Erster Gang
Zwiebelsuppe mit Freiland-Eiernudel und gratiniertem Altbierkäse



Hauptgang
Rinderroulade wie von Oma
Möhrchen untereinander, Semmelknödel mit Speck und Senfsauce




Nachtisch
Omas Käsekuchen
mit Apfelgrenache und Pastinake 
 



Erwähnen muss man auch die schönen Weine, die das Menü begleiteten Ein klassischer Riesling von Bürklin-Wolf und ein chilenischer Cinsault aus biologischem Anbau.

Restaurant ‚am Kamin‘. Striepensweg 62, 45473 Mülheim an der Ruhr. 0208/760036. Di-So ab 18 Uhr. www.landhauskamin.de

Korrigierte Fassung. Der Genießer bedankt sich für die Einladung.