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Mittwoch, 20. Mai 2015

Aus dem Archiv: Landhaus Freesmann - Gott zum Segen

Der Text erschien erstmals in "Duisburg geht aus 2015/2016"

Dass für manchen Gast der Besuch eines Restaurants noch so etwas wie ein Gottesdienst ist, konnte ich bei meiner Einkehr im Landaus Freesmann in Dinslaken erleben. Da beobachtete ich, wie ein ganz normales Paar mittleren Alters kurz bevor es sich über ein großes Schnitzelgericht hermachte die Hände faltete und gemeinsam ein kurzes Tischgebet sprach. Das hatte ich so noch nie gesehen.

Überhaupt ist das Landhaus Freesmann im dörflichen Dinslakener Ortsteil Eppinghoven durchaus eine gelungene Mischung aus Tradition und Moderne. Der Bau selbst stammt aus dem Jahr 1650. Heute wird das in elegant-mediterranem Landhausstil eingerichtete Restaurant mit angeschlossener Tapas-Kneipe von der Familie Ortmann betrieben. Steffen Ortmann hat das Kochhandwerk unter anderem auf Schloß Lerbach bei Dieter Müller gelernt, Inka Ortmann eine Service-Ausbildung im Nobelhotel Schloss Hugenpoet in Essen-Kettwig absolviert.

Blickt in die regional und mediterran geprägte Speisekarte, so hat man die Qual der Wahl. Wählt man nun aus der Kategorie „Landhausspezialitäten“ üppige Tellergerichte wie Hühnchenbrust in Ananas-Mango-Curry-Sauce (17 Euro) oder Wiener Schnitzel aus dem Kalbsrücken mit Preiselbeeren, Kartoffelpüree und Rahmkarotten (17,50 Euro), oder entscheidet man sich für das Menüangebot, bei dem man aus fünf Gängen auswählen kann (drei Gänge 28,50 Euro, fünf Gänge 39,50)?

Ich wähle ein Vier-Gänge-Menu (35,50 Euro), doch dem abwechslungsreichen Streifzug durch Steffen Ortmanns Frischeküche scheint ein wenig von Gottes Segen zu fehlen. In der eigentlich gelungenen Bärlauchsuppe mit gebackenen Kartoffelstreifen suche ich letztere vergebens, aber sie ist auch so mächtig genug. Nach diesem saisonalen Einstieg folgt ein mediterranes Zwischengericht, Trüffelgnocchi auf Blattspinat, beides leider kaum gewürzt und ohne Aroma. Der Hauptgang, Geschnetzeltes aus der Maibockkeule in Preiselbeeren und Portweinsauce, zeugt zwar von der Vorliebe des Hauses für Wild, ist aber wie ein eigenständiges Tellergericht portioniert und sprengt komplett die Menüfolge. Zwar esse ich das durchaus schmackhafte Fleisch auf, lasse aber die beiden Riesenrösti-Taler und den lieblosen Broccoli und Blumenkohl der Beilagen kaum angebissen zurückgehen.

Versöhnlich stimmt dann der Nachtisch, Erdbeermascarpone mit Püree aus frischen Erdbeeren und Vanilleeis. Und vor allem, dass der Empfangscocktails aus Prosecco, Passionsfruchtsirup und Granatapfelsaft, der mit 6,50 Euro auf der Karte ausgewiesen ist, bereits im Menüpreis inbegriffen ist. Völlig glücklich macht dann der Spaziergang auf dem nahen Rheindeich, der einen gewaltigen Blick auf den breiten Niederrhein und die Emschermündung bietet.

-kopf

46535 Dinslaken-Eppinghoven, Heerstraße 335
Fon 0 20 64. 7 00 06
Mi-So 11.30-14.30 & 17-23 Uhr, Di 17-22 Uh. Mo, Di geschlossen
https://landhaus-freesmann.de/

Dienstag, 13. Juni 1995

Aus dem Archiv: Tiepolo

Der Text erschien erstmals in „Ausgehen im Ruhrgebiet 1996“.
Das Restaurant gibt es nicht mehr.


Angenehm und durchaus edel ist die Atmosphäre im „Tiepolo“. In einem kleinen Vorraum empfängt den Gast ein Pult mit der Speisekarte; betritt man dann den Gastraum, so fällt der erste Blick auf die Theke und eine Polstersitzgruppe. Der große Saal ist durch Trennwände, die an Türen von edlen Vitrinen erinnern, in mehrere geräumige Bereiche unterteilt; künstliche Kirschblüten unterstreichen die Heiterkeit der soliden Ausstattung.

Pizza findet man auf der Karte des „Tepolo“ nicht, aber an „Pasta delicate“ eine ganze Auswahl, bei denen Freunde sämiger Saucen auf ihre Kosten kommen. „Linguine ai Porcini“ (feine Nudeln in Steinpilzsauce), „Ravioli Burro e Salvia“ (Ravioli in Salbeibutter) oder „Maccheroni Rustici“ (mit freischen Pilzen und Spinat in einer Schinken-Sahne-Sauce).

Bei den Fleischgerichten dominieren „Bistecca“ (Rumpsteak) und „Filetto“ (Rinderfilet), die schmale Fischkarte empfiehlt Scampi, Lachs, Seeteufelfilet und Riesencrevetten.

Inwieweit diese Angebote die Vielfalt der italienischen Küche repräsentieren, sei dahingestellt. Schon im letzten Jahr kamen uns die dominierenden Saucen und Kartoffelkroketten als Beilage eher „international“ vor. Auch die als Spezialität des Hauses angepriesene „Mais-Poularde auf Saisongemüse“ wurde mit kleinen Kartoffelplätzchen serviert, wie man sie aus Mutters schneller Küche kennt.

Doch diese Kritikpunkte sind akademisch, denn die Gerichte sind im „Tiepolo“ so zubereitet, dass der Appetit beim Essen kommt. Leicht und schmackhaft war der kleine gemischte Salat, der als Vorspeise gereicht wurde; knackig gedünstet war das Kohlgemüse als Beilage, und die mit Schinken und Käse gefüllte Poularde schwamm in einer wunderbaren Pfeffersahne. Mit dem „Tiepolo“ haben die Dinslakener einen feinen Mittagstisch.
-kopf

Saarstr. 12-14, 46535 Dinslaken

Dienstag, 7. Juni 1994

Aus dem Archiv: Tiepolo

Der Text erschien erstmals in „Ausgehen im Ruhrgebiet 1994/1995“.
Das Restaurant gibt es nicht mehr.

Was mag die Dame auf dem Gemälde des Barockmalers Tiepolo, das die Karte des gleichnamigen Ristorante in Dinbslaken ziert, wohl essen? Auf der Gabel sieht es aus wie Gnocchi, auf dem Teller eher wie Kartoffelpüree. Vom kultivierten Stil des Hauses zeugt das Bild allemal.

Die Einrichtung des großen Gastraumes ist von gefälliger Eleganz, die Tische sind groß, so dass es sich bequem essen lässt. Glasvitrinen mit bizarren Grappa- und anderen Spirituosenflaschen dienen als Raumteiler. Ein farbenfrohes Wandgemälde bringt die römische Antike nach Dinslaken. Hübsche italienische Kellner becircen Damen über 40.

Die Karte gibt sich klein, aber fein. Sieben Fleisch- , meist Rinderfilet oder Rumpsteak an verschiedenen Saucen, und fünf Fischgerichte – Crevetten, Lachs und Seeteufel – mehr bieten die Gebrüder Parisi neben den obligaten Paste und Insalate nicht  an. „Timballo di Vitello, Kalbsrouladen gefüllt mit Blattspinat an Sherrysauce“ und „Pescatrice in salsa di limone, Seeteufelfilet in Limettensauce“ waren ordentlich zubereitet, die Saucen stoffig dick, ganz nach deutschem Geschmack; der beiliegende Spinat hätte etwas mehr Biss vertragen.
-kopf

Saarstr. 12-14, 46535 Dinslaken