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Dienstag, 14. September 2021

Slow Food: Wie und was man aus Tofu machen kann. Mit einem Rezept für in Kastanienhonig marinierten Tofu mit geröstetem Chicoree, Totentrompeten und Zwetschgen (vegetarisch).

Selbst hergestellter Tofu

Ich muss einräumen, dass ich mich bislang für Tofu nie besonders interessiert habe. Das mag daran liegen, dass die raffinierte, facettenreiche und wohlschmeckende Küche Ostasiens, wo diese Art Quark aus Sojabohnen schließlich ein Grundnahrungsmittel ist, bei mir nie die gleiche Leidenschaft entfacht hat wie etwa die italienische Küche. Zudem gilt Tofu in der vegetarischen Küche als Fleischersatz, in verarbeiteter Form sogar als Fleischimitat, und beides halte ich für ziemlich entbehrlich. Sicher, wie Fleisch ist Tofu ein hochwertiger Eiweißlieferant. Aber warum soll ich mir, wenn ich mich fleischlos ernähren will, vorgaukeln, dass ich dennoch Fleisch esse? Es gibt schließlich genügend vegetarische Gerichte, die auch ohne Etikettenschwindel delikat und vollwertig sind wie solche mit Fleisch. Zudem ist der industriell hergestellte Tofu, den es überall zu kaufen gibt, häufig eine fad schmeckende gummiartige Masse, auf die ich bislang gut verzichten konnte.

Tofu-Workshop bei Mea (links) in Schwerte

Dennoch nutzte ich die Gelegenheit, am letzten Freitag mit einigen Slow Food Freunden einen Workshop zum Thema „Tofu selbstmachen“ zu besuchen. Michaela „Mea“ Wendel hatte uns dazu nach Schwerte eingeladen. Dort betreibt sie direkt am Marktplatz in der Innenstadt mit „Meas Cucina“ eine Lehrküche (klick hier), in der sie die verschiedensten Koch- und Ernährungskurse anbietet. Zudem ist sie Mitglied der Slow Food Chef Alliance und hat die Marktschwärmerei Schwerte ins Leben gerufen.

Der Tofu-Grundstoff sind eingeweichte Soja-Bohnen,...

... die im Profi-Mixer püriert werden.

Während des gemütlichen Abends zeigte sie uns, wie man Tofu herstellt (Zu einem Video-Workshop auf Youtube klick hier). Eingeweichte Sojabohnen werden dafür mit heißem Wasser püriert und das Püree dann unter ständigem Rühren 20 Minuten geköchelt. Das geköchelte Sojapüree wird dann heiß durch Käseleinen gepresst, so dass Sojamilch entsteht. Der dabei entstehende tresterartige Rückstand, übrigens eine ganze Menge, kann ebenfalls zur Speisenzubereitung verwendet werden. Die Sojamilch wird noch einmal 10 Minuten unter ständigem Rühren geköchelt. Dann lässt man sie auf 78 Grad abkühlen, fügt das vorbereitete Gerinnungsmittel Nigari und etwas Salz hinzu und lässt alles etwas ruhen, bis sich der Sojaquark von der Sojamolke getrennt hat. Schließlich füllt man den Quark in einen vorbereiteten Presskasten und lässt ihn unter dem beschwerten Deckel vollends erstarren. Nach 20 bis 30 Minuten erhält man schnittfesten Tofu. Irgendwie erinnerte mich das an einen Workhop vor acht Jahren, in dem wir Mozzarella gemacht hatten (klick hier).

Rühren, rühren, rühren und rühren:
Die eingeweichten Sojabohnen werden aufgekocht...
 
 

... und durch ein Tuch gepresst. Die so entstandenene Sojamilch wird noch einmal aufgekocht ...
 

... mit einem Gerinnungsmittel versehen ...


... und zum Erstarren in Presskästen gefüllt.

Das Ergebnis war dann eine Offenbarung. Entstanden beim Köcheln noch befremdliche Düfte, so hat das fertige Produkt ein wunderbar zartes unaufdringliches Aroma, bohnig, nussig, süßlich mit einem Hauch Bitterkeit. Und vor allem die Konsistenz war kaum mit Industrieware, bei der auf die „heiße“ Herstellung aus Zeitgründen verzichtet wird, zu vergleichen. Auch die Textur war unvergleichlich zart und dennoch schnittfest. Der selbstgemachte Tofu hatte als Saucen- bzw. Aromaträger mindestens den gleichen Soulfood-Faktor wie hausgemachte Pasta, 72 Stunden lang geruhter Pizzateig oder ganz einfach ein sahniges Kartoffelpüree – nur eben anders.


Fertig zum Probieren.

Ob man Tofu wirklich zu Hause herstellen sollte, weiß ich nicht. Sicherlich ist es nicht allzu kompliziert, aber man braucht viel Zeit, eine große Küche mit viel Platz, großen Töpfen und einer professionellen Küchenmaschine, um die sperrigen Sojabohnen fein genug zu pürieren. Am besten wäre es, es gäbe eine Manufaktur an der Ecke, wo man hausgemachten Tofu kaufen könnte wie frische Brötchen beim Bäcker.

Zutaten für mein Tofu-Gericht zu Hause frei nach Ottolenghi

Jeder durfte ein Stück Tofu mit nach Hause nehmen. Als ich überlegte, was ich damit machen sollte, fiel mir das Rezept von Yotam Ottolenghi ein, das ich vor acht Jahren in einem meiner eigenen Kochkurse hatte realisieren lassen (klick hier). Jetzt begriff ich, warum der israelische Starkoch marinierten Tofu mit geröstetem Rosenkohl kombinierte. Es ist die süße zarte Bitterkeit, die beide Produkte miteinander verbindet. Leider war für frischen Rosenkohl Mitte September noch keine Saison, und so überlegte ich, stattdessen die bitteren Salate Chicoree und Radicchio zu verwenden. Zum Einsatz kam schließlich schließlich Chicoree. Ottolenghi ergänzte diese Zutaten noch um Shii-Take-Pilze, doch ich konnte nicht widerstehen, als ich beim Einkaufen Totentrompeten entdeckte, jene schwarzen Pfifferlinge, die im Französischen morilles de la mort, Morcheln den Todes, heißen.
Die Tofu-Marinade aus süßer Chilisauce, Sojasauce, Sesamöl und Reisessig süßte Ottolenghi mit Ahornsirup. Ich hingegen nahm dafür Kastanienhonig, was die ganze Sache so mächtig machte, dass ich gern noch eine fruchtige Note im Gericht haben wollte. So gab ich noch ein paar Zwetschgen zum Gericht, die sich ganz hervorragend machten.


Als Getränk dazu hatte sich wohl ein chinesischer oder japanischer Pflaumenwein, der eigentlich ja ein Aprikosenlikör ist, gut geeignet. Den hatte ich jedoch nicht zur Hand. So kam mein heißgeliebter Salice Salentino zu Einsatz, eine süditalienischer Rotwein aus der Negroamaro-Traube, die durch ihr Trockenpflaumenaroma besticht.


Rezept: Mit Kastanienhonig marinierter gebratener Tofu mit Chicoree, Totentrompeten, Frühlingszwiebeln, Zwetschgen, Chili, Sesam und Koriander (vegetarisch)

Für 4 Portionen

150 g fester Tofu
Für die Marinade:
2 EL süß-scharfe Chilisauce
1 ½ EL helle Sojasauce
3 EL Sesamöl aus geröstetem Sesam
1 TL Reisessig
1 EL Kastanienhonig
Zitronensaft
evtl. Salz, Zucker

500 g Chicoree
Öl zum Braten
Salz
100 g rote Frühlingszwiebeln
½ kleine rote Chilischote, von den Samen befreit und klein gehackt
120 g Totentrompeten
150 g Zwetschgen
15 g Korianderblätter
1 EL Sesamsamen, geröstet

Für die Marinade süß-scharfe Chilisauce, helle Sojasauce , Sesamöl, Reisessig und Kastanienhonig verrühren. Mit Zitronensaft und evtl. Salz und Zucker abschmecken. Tofu in ein Zentimeter dicke Scheiben schneiden und ein Stunde marinieren.
Chicoree-Stauden in ein Zentimeter dicke Scheibenschneiden. Blätterstücke vom Strunk lösen u n die dünnen Teile von den dickeren trennen. Strünke in Scheiben schneiden. Öl in einer großen Pfanne erhitzen und die dicken Chicoreeteile etwas salzen und scharf anbraten, dass sie sehr dunkle Stellen bekommen. Aus der Pfanne nehmen und in eine Schüssel geben. Nun die dünnen Blatterteile salzen und sanft anbraten, ohne des sie viel Farbe verlieren. Ebenfalls aus der Pfanne nehmen und in die Schüssel geben.
Zwetschgen entkernen und in Scheiben schneiden. Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden. Große Herbsttrompeten kleiner schneiden. Etwas Chilischote ohne Kerne hacken. Etwas Öl in die Pfanne geben, Frühlingszwiebeln, gehackten Chili und Zwetschgen hineingeben, mit Sesam bestreuen und anbraten. Totentrompeten dazugeben, etwas später die Hälfte der Korianderblätter dazu geben und mitbraten, bis die Pilze sie durchgegart sind. Alles aus der Pfanne nehmen und in die Schüssel mit den anderen gebratenen Zutaten geben.
Etwas Öl in die Pfanne geben und wieder erhitzen. Von den marinierten Tofuscheiben die überschüssige Marinade abstreifen. Tofu in ein Zentimeter große Würfel schneiden. Tofuwürfel bei mäßiger Hitze braun anbraten und ebenfalls in die Schüssel geben. Überschüssiges Öl aus der Pfanne gießen und den Schüsselinhalt wieder hingeben. Restliche Marinade darüber gießen und alles wieder aufwärmen.
Auf Teller verteilen, mit weiteren Korianderblättern bestreuen und lauwarm servieren. 

Die Fotos vom Workshop stammen von Guntram Walter, Jochen Hoss, Wiebke und Torsten Rieck.

Donnerstag, 13. September 2018

Neu in Schwerte: Ellinikon

Gastronomenpaar Fotis Athanasiou und Maria Gaki

Sowas nennt man wohl verkehrsgünstig gelegen. Direkt an der Kreuzung von vier Einfallstraßen in Schwerte-Villigst liegt der imposante Bau des neuen griechischen Restaurants „Ellinikon“. Früher war hier das Restaurant „Ruhrbrücke“. Das junge Gastronomenpaar Maria Gaki und Fotios Athanasiou, bekannt vom „Ariston“ in Schwerte, haben das burgähnliche Gebäude mit Turm und Wintergarten zwei Jahre lang aufwendig renovieren lassen, und so strahlt es ca. vier Wochen nach der Eröffnung noch wie nigelnagelneu.

Doraden, Lachs und ein mächtiger Seeteufel in der Vitrine

In dieser Zeit hat es sich aber auch zu einem Lieblingstreff der Schwerter entwickelt – und das, obwohl die Speisekarte wohlweislich auf den griechischen (Imbiss-)Klassiker Gyros verzichtet. Dennoch kommen Fleischfreunde hier voll auf ihre Kosten. Aber es wird auch auf frischen Fisch wert gelegt. Gleich neben der Eingangstür schillert in einer Fisch-Vitrine auf kühlendem Eis alles, was der täglich Fang im Großmarkt ins Netz brachte: zahlreiche Doraden, ein mächtiger Seeteufel, Lachs und allerlei Meeresfrüchte.



 In der Küche

Der Ausflug zum Presseessen nach Schwerte lohnte sich auf alle Fälle. An dem ganz normalen Donnerstag herrschte im „Ellinikon“ ein Trubel, wie man ihn einem Gastronomen nur wünschen kann. Das mochte allerdings auch der Grund sein, dass einige der Speisekarten-Highlights, die uns präsentiert wurden, etwas zu lange auf dem Grill gelegen hatten und eine Spur zu dunkel oder zu trocken waren. Dem Spaß am Abend tat das aber keinen Abbruch, denn die Rezepturen stimmten, und die Lammkeule und die Torten zum Dessert waren einfach Spitze.

Das Menü 

Zucchini-Bällchen mit Schafskäse-Mousse

Oktopus vom Grill


Lamm bzw. Schwein mit Bratkartoffeln

Gegrillte Dorade


Lammkeule


Schweinefilet mit Pistazienkruste

Torte zum Nachtisch

Griechischer Mokka 

Schöne Auswahl an guten griechischen Weinen





Ellinikon. 58239 Schwerte-Villigst, Letmather Str. 1. Tel. 02304/17280. Tägl 17-22.30 Uhr. https://ellinikon-schwerte.de/

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Westfälischer Gastronomiepreis 2016: Festliche Gala in der Rohrmeisterei in Schwerte


Eigentlich gehört Westfalen, dieser ausgedehnte östliche Vorgarten des Ruhrgebiets, nur zu einem kleinen Teil zum Beritt des Genießers, und so hat er sich bislang um den Westfälischen Gastronomiepreis nie so recht gekümmert. Dabei ist dieser Küchen-Oscar, den das Dortmunder Westfaleninstitut gestern bereits zum 9. Mal verliehen hat, eine ganz entzückende Huldigung an die kulinarische Vielschichtigkeit dieser Region. Initiiert wurde er von Gerhard und Marcus Besler, die auch für solch schillernde Events wie das Westfalen Gourmetfestival und die Gourmetmeile Gourmedo verantwortlich sind. So freute sich der Genießer umso mehr, dass er an der Gala teilnehmen konnte.

Großes Finale mit allen Preisträgern auf
der Bühne in der Rohrmeisterei.

Je zehn Landgasthäuser und Restaurants aus Westfalen werden durch die Gäste, die Bewertungspostkarten einsenden können, ausgezeichnet; überprüft werden diese Empfehlungen dann noch einmal durch eine Jury aus Leuten vom Fach. Unter den diesjährigen Preisträgern befindet sich nur ein Lokal aus dem westfälischen Teil des Ruhrgebiets, der Ölckenthurm in Unna auf Platz 5 unter den Restaurants. Die anderen Lokale liegen in Münster-, Sauer- und Lipperland. Auf Platz 1 der Restaurants steht die Almer Schlossmühle (Brilon), auf Platz 2 der Detmolder Hof (Detmold) und auf Platz 3 das Restaurant Il Campo (Fröndenberg). Auf Platz 1 der Landgasthäuser steht Sicking‘s Wirtshaus (Südlohn), auf Platz 2 der Alte Krug Distelbruch (Detmold) und auf Platz 3 das Gasthaus Lennemühle (Schmallenberg).

Und dennoch kam der Genießer bei der gestrigen Gala auf sein Kosten. Die Köche des Menüs, das das Rückgrat der Veranstaltung bildete, kamen alle aus dem westfälischen Ruhrgebiet. Was Stefan Manier vom Gasthaus Stromberg in Waltrop, der Dortmunder Koch, Ausbilder und Produktentwickler Heiko Antoniewicz, Dirk Bangert und Marc Kampmann von der gastgebenden Rohrmeisterei in Schwerte und Günther Overkamp-Klein von der Gastronomie Overkamp in Dortmund lieferten Gänge, Amuses Bouches und Desserts, die auf der Höhe der aktuellen Kochkunst waren. Durchaus experimentell, bauten sie dennoch auf den Geschmackserwartungen der Generation Nutella auf. Während Dirk Bangert und Marc Kampmann ganz direkt eine Haselnusscrème als Sauce zum kurzgebratenen Rind servierten, setzte Heiko Antoniewicz seine Grüne Forelle auf Süßkartoffelpüree, und auch die Wildgarnelen von Stefan Manier überzeugten durch ihre pikante Süße. Der Genießer war zwar etwas irritiert, ließ sich aber nur allzu gern die geschmacklichen Schmeicheleinheiten um den Bart schmieren.

Auch die begleitenden Weine waren ausgezeichnet. Besonders gern denkt der Genießer an die wunderbare Nase des Château Guibot La Fourvieille aus St. Emilion zurück.

Eines der Häppchen vorweg:
Steinpilz | Sellerie | Rote Bete | Buchweizen
von Heiko Antoniewizc

Vorspeise:
Wildfanggarnelen | Roter Curry | Tomate | Papaya | Wasabi-Eis
von Stefan Manier

Zwischengericht:
Forelle Grün | Kastanienblütenfond | Holzkohlesenf | Süßkartoffel
von Heiko Antoniewicz

Hauptgericht:
Tafelspitz Vom Iberico-Rind | Kürbis | Haselnuss
von Dirk Bangert & Marc Kampmann

Eines der Desserts:
Mini-Eishörnchen von Günther Overkamp-Klein

Sonntag, 26. August 2012

Westfalen Gourmetfestival 2012: Eröffnungsgala am 30. August in der Rohrmeisterei Schwerte



Am 30. August 2012 startet das 3. Westfalen Gourmetfestival. 16 Restaurants aus ganz Westfalen stellt bis zum 4. November die Vielfalt der Gastronomie in der kulinarisch so interessanten Region dar. Dazu wurden insgesamt 31 Gastköche aus ganz Deutschland eingeladen, die sie dabei unterstützen. Das Westfalen Gourmetfestival ist eine rein private Initiative und habe es geschafft, sich neben entsprechenden Festivals im Rheingau und in Schleswig-Holstein in Deutschland fest zu etablieren, betonte Veranstalter Gerhard Besler vom Westfalen Institut auf einer Pressekonferenz in der Rohrmeisterei Schwerte. Aus dem westfälischen Ruhrgebiet sind sechs Gastronomen mit dabei. 

In der Rohrmeisterei Schwerte findet am 30.8. die Eröffnungsgala statt, zu der Hausherr Manfred Kobinger die Sterneköche Sören Anders (Klenerts, Karlsruhe) und Elmar Simon Restaurant Balthasar, Paderborn sowie Silvio Eberlein (Gräflicher Park, Bad Driburg) eingeladen hat. Ende Oktober gibt es „Manfred Kobingers Weinmenü (26.10.), „Genuss und Entertainment“ mit der Kabarettistin Sissi Perlinger (27.10.) und das „Carte Blanche Menü“ mit Gastkoch Florian Kurz (Coqille St. Jacques, Neuwied). Am 24. November findet eine Whisky-Messe mit einer „Schottisch-Irischen Nacht“ statt.
Die Overkamp Gastronomie in Dortmund bestreitet zusammen mit Gastkoch Sascha Stemberg aus Velbert am 13. September ein fünfgängiges Festival Menü.

Im Restaurant Stockey in Lünen gibt es am 12.10. ein Festivalmenü mit Gastkoch Stefan Manier (Gasthaus Stromberg, Waltrop). Bereits am 10.10. findet ein Käse- und Wein-Abend statt sowie am 11.10. ein Whisky-Tasting.

Das Romantik Restaurant Lippekus in Werne bringt in der Woche vom 24. bis zum 28.9. ein sechsgängiges Festivalmenü. Ausnahme: Am 27.9. ist Sternekoch Jens Bomke von Ringhotel Bomke, Wadersloh, zu Gast und präsentiert ein eigenes Menü.

Mit Kolja Kleeberg hat das Gut Kump in Hamm am 6.9. einen prominenten Fernsehkoch für ein fünfgängiges Menü zu Gast.

Am 19.9. präsentiert Heiko Antoniewicz im Hotel Seehof in Haltern ein sechsgängiges Menü. Am 20.9. gibt es einen Käse- und Weinabend für Genießer.

Das komplette Programm und die Möglichkeit zur Online-Reservierung finden Sie hier. 

Küchenchef Manfred Kobinger, Sonja Schmolke und Tobias Bäcker (re.) von der Rohrmeisterei sowie Gerhard besler (2 v. re.) vom Westfalen Institut  stellten das Westfalen Gourmetfestival vor.

Sonntag, 28. Januar 2007

Aus dem Archiv: Landgasthof Wellenbad - Neuer Schwung in altem Haus

Der Text erschien erstmals in "Dortmund geht aus 2007/2008"
Das Restaurant gibt es nicht mehr.


Im letzten Jahr gab es große Veränderungen in dem malerisch direkt an Ruhr in Schwerte-Geisecke gelegenen Hotel, Ausflugs- und Gourmetrestaurant. Frithjof Voll, dessen Sohn Michael mit seiner ambitionierten Küche dem traditionsreichen Haus einen ausgezeichneten Ruf erkocht hatte, verkaufte nach 37 Jahren den Betrieb an die Familie Weinhold. Damit war „Friet“ der zweitlängste Herr auf dem Anwesen, das Mitte des 19. Jahrhunderts als eine Badeanstalt an der Ruhr eröffnet worden war. Und noch heute freuen sich die Radler auf dem Ruhrtalradweg und der Kaiserroute, dass man hier so schön einkehren und sich entspannen kann. Eine besonderes Angebot unter dem Motto „Eat, sleep & bike“ (EUR 59) lädt sie zum Essen und Übernachten ein. Lars Weinhold hält zwar an der anspruchsvollen Küchenlinie seines Vorgängers fest, krempelt zur Zeit aber einiges im Hause um. So wurde im Winter die Terrasse vor dem Haus umgebaut und vergrößert, und auch die Inneneinrichtung, eine putzige Mischung aus Landhausstil und wirtschaftswunderlicher Ruhrgebietsästhetik, soll neuen Glanz bekommen.

Als eine Mischung aus volkstümlicher Esskultur und kreativ-mediterranen Einschüben präsentierte sich die häufig wechselnde Karte beim mittäglichen Testbesuch. Schnitzel vom Schwäbisch-Hällischen Jungschwein mit Bratkartoffeln und glasierten Fingermöhrchen (EUR 14,50) oder Kalbstafelspitz mit frischem Meerrettich mit Serviettenknödeln und Wurzelgemüsen (EUR 15,50) sind herzhafte Gerichte, die jedermann schmecken. Ein gratinierter Ziegenkäse mit Thymian und Honig auf kleinem Wintersalat mit Apfel-Honig-Vinaigrette (EUR 9) als Vorspeise verband schmackhaft winterlich Saisonales mit mediterraner Würze. Ähnliches gelang auch bei der mit EUR 18,50 leider etwas teuren Roulade mit mediterraner Füllung aus getrockneten Tomaten, Ricotta und Parmaschinken, die von Klößen, Birnenkompott und etwas grob geschnittenem Rotkohl umrandet wurde. Zum Nachtisch gab es eine gerade frisch gemachte Crème brulée, die noch schnuckelig warm einen leckeren Kontrast zum Pfirsich-Ricotta-Eis (EUR 7) bildete.
-kopf

Schwerte-Geisecke, Zum Wellenbad 7

Donnerstag, 25. Januar 2007

Aus dem Archiv: Rohrmeisterei - Hektisch vom Ecktisch

Der Text erschien erstmals in "Dortmund geht aus 2007/2008"

Selten wurde mir ein gutes Essen so schwer gemacht wie in der Rohrmeisterei in Schwerte. Das Restaurant in den alten, zu einem Kulturzentrum umgebauten Fabrikhallen hat ab 15 Uhr geöffnet, aber nur für Kaffee und Kuchen. Die Menüs und Gerichte, die in dem abgeteilten, „Glaskasten“ genannten Gourmetbereich inmitten des todchicen, industriemuseal renovierten Saales serviert werden, und die einfacheren des umliegenden Bistrobereichs gibt es erst ab 18 Uhr. Als ich deshalb eines Dienstags pünktlich viertel nach sechs vor der Tür des Hauses stand, war diese jedoch zu. Ein Zettel belehrte mich, das Restaurant sei wegen einer Großveranstaltung geschlossen, morgen jedoch wieder wie gewohnt geöffnet. Am nächsten Tag war die Tür dann offen, aber in den „Glaskasten“ konnte ich dennoch nicht. Der war nämlich von einer geschlossenen Gesellschaft gebucht, und auch die meisten Tische des Bistrobereiches waren für mehr oder weniger große Gruppen reserviert und füllten sich rasch. Schließlich wies mir eine schöne schlanke Bedienung mit entzückendem östlichem Zungenschlag ein freies Tischchen zu, bedauerte jedoch so charmant wie bestimmt, dass hier keine Gourmetmenüs serviert werden könnten. Fast wollte ich schon die Keule von wegen „Wie werden Pressevertreter behandelt und so“ schwingen, als ihr die überzeugenden Worte über die Lippen kamen. Die Bistrogerichte kämen ebenfalls aus der Küche von FC-Ruhrgebiet-Mitglied Manfred Kobinger und würden genauso gut gekocht – eine Behauptung, von der ich im Laufe des Abends feststellen konnte, dass sie stimmte.

Also verzichtete ich leichten Herzens auf Rehrückenfilet rosa gebraten auf geröstetem Chicorée mit Lorbeerfeigen, Haselnüssen in Karamell und Schupfnudeln (EUR 24,50) oder den ganzen ausgelösten, in der Schale servierten Hummer mit Artischocken und Tagliolini (EUR 34,50), aber auch auf die Senf-Kurkuma-Suppe (EUR 4,50), die aus dem Senf der benachbarten Schwerter Senfmühle Peisert hergestellt wird. Auf der Bistrokarte fiel mir eine eingemachte Gänsekeule vom Grill mit Wirsing, Birne und Speck (EUR 15,50) ins Auge, denn aufgebratenes Gänseconfit ist ein klassisches französisches Bistrogericht und die Beilage erinnerte mich an die Hamburger Volksschauspielerin Heidi Kabel, die in den einschlägigen Fernsehsendungen immer den Eintopf Bohnen, Birnen und Speck kochen musste, weil sie sonst nichts konnte.

Doch ich wollte die diesjährige winterliche Testsaison, die mir so viele fette Fleischgerichte beschert hatte, mit leichten Fischgerichten beenden. Ein Salat von Föhrer Muscheln (EUR 7,50) und Welsfilet mit Rote-Zwiebel-Gemüse, Äpfeln, Grenadine-Sauce und Tagliatelle (EUR 14) schienen mir da angebracht. Doch auch hier war das Essen nicht so einfach wie gedacht, denn in der allgemeinen Hektik wurde mir der Hauptgang „Föhrer Muscheln“ (EUR 9,50) statt des Salates gebracht. Das war aber nicht schlimm, denn die „Austern des kleinen Mannes“ wurden hübsch rustikal in einem schwarz emaillierten Muscheltopf samt Wasserschale zum Fingerwaschen serviert, schmeckten dank des wunderbaren Gemüse-Weißwein-Suds vortrefflich und wurden mir nur zum Preis des Salates berechnet.

Auch der schöne Wels war à point goldbraun gebraten und bildete kulinarisch wie optisch einen hübschen Kontrast zur Sauce. Durch die Zugabe von Grenadine, einem roten Fruchtsirup, den man eigentlich zum Färben und Abschmecken exotischer Cocktails benutzt, wurden die süßsauren Apfelspalten und Zwiebeln von einem samtenen Sahneüberzug in Labskaus-pink umhüllt. Ein gleichwertiger Höhepunkt war dann die kleine Käseplatte (EUR 6,50), die ich mir als Dessert bestellte. Die verschiedenen Rohmilchkäse aus dem Ruhrtal bei Fröndenberg konnten es mit jeder französischen Spezialität aufnehmen. Mango-Chutney, Feigensenf, frische Weintrauben und kandierte Kürbiskerne rundeten diesen Genuss ab.

Beim Bezahlen fragte ich meine schöne Bedienung, ob hier immer so viel Betrieb sei. Ja, meinte sie nach kurzem Nachdenken kurz und bündig. Was ich aus alldem gelernt habe? Wenn ich noch einmal die Rohrmeisterei besuchen werde, was bestimmt geschehen wird, rufe ich vorher an.

-kopf

Schwerte, Ruhrstr. 20
Fon 0 23 04. 2 01 30 01
Mi-Fr ab 17 Uhr, Sa, So ab 10 Uhr, Mo,Di geschlossen.
https://www.rohrmeisterei-schwerte.de/