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Donnerstag, 16. Januar 2025

Winterlicher Wurzeleintopf revisited


Seit ich vor dreizehn Jahren für meine Mutter einen winterlichen Wurzeleintopf gekocht hatte (klick hier), steht dieses wärmende Gericht bei kaltem Winterwetter immer wieder auf dem Speiseplan. Gepostet habe ich es allerdings eher selten, denn das Rezept variierte kaum. Lediglich die eingesetzte Brühe und die Wurzelgemüse waren manchmal etwas anders, je nachdem, was ich gerade im Haus hatte. Für Mama musste es natürlich eine Fleischbrühe sein, und Steckrübe hätte sie, die Jahrgang 1916 war, bei so einer Suppe auch nicht verarbeitet. Ich hingegen hatte die Steckrübe, das Ernährungstrauma für Deutsche, die die Weltkriege des 20. Jahrhunderts miterlebt hatten, in einem westfälischen Kochbuch (klick hier) als regionale Spezialität entdeckt und finde sie sehr delikat. Zudem setze ich immer öfter vegetarische Brühe als Grundlage für Suppen ein.

Steckrübe, Möhre, Sellerie, Grünkohl, Kartoffeln, Zwiebeln, Lauch

Als es jetzt knackekalt war, musste so ein winterlicher Wurzeleintopf auf den Tisch. Im Biomarkt fand ich eine kleine Steckrübe, eine dicke Möhre, und eine gute Handvoll Grünkohl, zuhause hatte ich als Rest von Weihnachten noch ein Stück Sellerie. Und im Kühlschrank hatten sogar ein paar nicht gebrauchte Champignons und Pfifferlinge überlebt, die eine prächtige zusätzliche Einlage geben würden.

Kühlschrankfunde: Pfifferlinge und Champignons

Die Champignons waren in einer Papiertüte zwar ziemlich verschrumpelt, aber im Grunde noch genießbar – ähnliches hatte ich im Frühjahr mit frischen Morcheln erlebt habe (klick hier). Die Pfifferlinge hatten gut zwei Wochen in einer verknoteten Plastiktüte verbracht und machten eine etwas verschwitzten Eindruck, als ich sie öffnete. Nachdem ich sie an der Luft abtrocknen ließ, waren sie aber tadellos fest. Nachdem ich beide Pilzsorten geputzt und die schäbigsten Stellen weggeschnitten hatte, entschloss ich mich, sie für den Eintopf zu verwenden. Die vertrockneten Champignons schnitt ich klein und kochte sie mit, damit sie sich wieder mit Flüssigkeit vollsaugen konnten. Die Pfifferlinge sautierte ich in Rapsöl und schmorte sie dann gut durch, damit eventuelle Keime abgetötet würden, und gab sie zum Schluss zum Eintopf.

Eine Orange zum Aromatisieren hatte ich nicht, was dem ganzen noch einen besonderen Akzent gegeben hätte. So mussten Kreuzkümmel, Curry, Bohnenkraut und Senf zum Würzen reichen.


Rezept: Winterlicher Wurzeleintopf

3-4 Portionen

Je 120 g Steckrübe, Möhre, Sellerie
200 g Grünkohl
6 Champignons, gern im Kühlschrank vertrocknet
3 Kartoffeln
2 kleine Zwiebeln
1 Knoblauchzehe
1 kleine Stange Lauch
1 Lorbeerblatt
1 Gewürzsäckchen mit Pfeffer, Piment und Nelke
1 -2 Zweige Bohnenkraut
¾ l Gemüsebrühe
ein paar Stücke altbackenes Brot

200 g Pfifferlinge
Rapsöl
Pfeffer, Salz

Steckrübe, Sellerie und Möhre putzen und in 1 Zentimeter große Stücke schneiden. Kartoffel schälen und in dünne Scheiben schneiden. Zwiebeln grob würfeln. Champignons vierteln.
Rapsöl in einem großen Topf erhitzen und die Gemüsewürfel darin kräftig anschwitzen, Zwiebeln, Champignons und Knoblauch dazugeben und ebenfalls anschwitzen. Mit Gemüsebrühe aufkochen, Lorbeerblatt, Gewürzsäckchen und Bohnkrautzweige dazugeben. Mit je einer Messerspitze Curry und Kreuzkümmel würzen. Alles 30 Minuten köcheln lassen, bis die Gemüse gar sind und die gewünschte Konsistenz haben. Für die Bindung etwas altbackenes Brot zerbrechen und mitkochen, es löst sich auf. Zum Schluss Gewürzsäckchen, Lorbeerblatt und Bohnenkrautzweig entfernen. Mit Pfeffer, Salz und Senf abschmecken.

In der Zwischenzeit in einer Pfanne Rapsöl erhitzen. Die Pfifferlinge dazugeben, scharf anbraten, pfeffern und salzen und mit Deckel bei niedriger Temperatur in der eigenen Flüssigkeit durchschmoren.

Zum Servieren Pfifferlinge auf vorgewärmte Teller verteilen und mit der Wurzelsuppe auffüllen.

Weitere Rezepte:
Winterlicher Wurzeleintopf „Gestern bei Mama“ klick hier.
Eintopf „Steckrübenwinter 2020“ klick hier (mit weiteren Steckrüben-Rezepten).
Wurzelsüppchen „Im Schnee“ klick hier.




Dienstag, 7. März 2023

Gestern bei Mama revisited: Violette und orange Möhren durcheinander (vegan)


Mama hätte diese meine Version ihres Klassikers „Möhren durcheinander“ bestimmt mit ihren ebenso klassischen Worten „Das ist nicht richtig“ quittiert. Violette Möhren hätte sie bestimmt nicht gekauft, auch wenn sie zu ihren Zeiten irgendwo im Angebot gewesen wären, und vegan wäre ihre Version auch nicht gewesen. Sie hätte ein Stück Schweinebauch angebraten und dann gekocht, um dann in der dabei entstandenen herzhaften Brühe je ein Drittel Möhren, Kartoffeln und Zwiebeln wie einen Eintopf zu garen. Und den zart gekochten Schweinbauch, für den sie besonders schwärmte, hätte sie klein geschnitten untergemischt. (Zum klassischen Rezept klick hier).

Ausgeblutet: Violette Möhren im ursprünglichen Eintopf

Meine der heutigen Zeit angepasste vegane Version entstand eigentlich als eine Art Resteessen. Ursprünglich wollte ich das Winterliche Wurzelsüppchen aus Schwarzwurzeln, Möhrchen und Sellerie von vor zwei Jahren (zum Rezept klick hier) um Steckrübe, Petersilienwurzel und Graupen erweitert erneut auflegen, und besonders sollten violette Möhren noch einen besonderen Farbakzent hineinbringen und das Ganze zu einem bunten Eintopf machen. Doch dieses Experiment wollte nicht gelingen. Beim gemeinsamen Kochen der Wurzelgemüse bluteten die violetten Möhren aus und färbten alles purpurrot. Das ist zwar eine schöne Farbe, doch meine Erwartungen wurden nicht erfüllt. Weil das Auge bekanntlich mit isst, wollte mir das Ergebnis also nicht schmecken, was sicherlich auch an den separat gekochten Graupen lag, die ich zur Bindung untermischte.

Back to the roots

Nun denn, ein paar Möhren von beiden Farben waren übrig geblieben, und so machte ich mich ein paar Tage später daran, daraus ein veganes „Möhren durcheinander“ zu mischen. Zwar ohne Fleisch, aber dafür mit Kartoffeln zur Bindung, was dann auch herrlich schmeckte. (Dass ich keine mehlig kochenden zur Hand hatte, kompensierte ich damit, dass ich einmal kurz mit dem Mixstab durch den Eintopf ging und ein wenig davon pürierte.) Und aus dem Farbdesaster hatte ich gelernt. Die violetten Möhren dünstete ich separat und verteilte die Würfelchen erst hinterher auf dem Teller, so dass der bunte Eindruck erhalten bleib.


Rezept: Violette und orange Möhren durcheinander (vegan)

2 Portionen

100 g orange Möhren
100 g violette Möhren
200 g Kartoffeln, vorzugsweise mehlig
200 g Zwiebel
400 ml Gemüsebrühe
Rapsöl
Zucker
Pfeffer, Salz
Sojasauce oder andere Speisewürze
Petersilie

Möhren, Kartoffeln und Zwiebel schälen und in 1 Zentimeter große Würfel schneiden.
Rapsöl ind einem Topf erhitzen, Zucker hinzugeben und die orangen Möhren- und Zwiebelwürfel darin karamellisieren. Kartoffelwürfel dazu geben und mit anschwitzen. Mit Gemüsebrühe auffüllen und 20 Minuten weich köcheln lassen. Gegen Ende der Kochzeit ohne Deckel die Flüssigkeit einkochen lassen.
In der Zwischenzeit in einem zweiten Topf etwas Rapsöl und Zucker erhitzen und die violetten Möhrenwürfel karamellisieren. Etwas Brühe angießen und die Möhrenwürfel ebenfalls weich dünsten. Immer wieder Flüssigkeit nachgießen.
Wenn das Möhrengemüse im großen Topf gar ist, eventuell mit dem Pürierstab etwas binden. Mit Pfeffer, Salz und Sojasauce abschmecken. Die violetten Möhrenwürfel untermischen, auf Teller verteilen und mit gehackter Petersilie bestreuen.

Mittwoch, 1. Februar 2023

Resteessen: Bacalhau mit Kichererbsen nach Genießerart


So richtig im Sinne des Erfinders war die Sache ja nicht. Heiligabend war bei der Zubereitung der Stockfisch-Küchlein auf Kichererbsensalat (klick hier) ein Stück Bacalhau übrig geblieben, jene eingesalzene und getrocknete Kabeljau-Spezialität aus Portugal, die man eigentlich eine Ewigkeit aufbewahren kann. Dummerweise hatte ich es aber schon gewässert und pochiert, so dass ich mir nicht anders zu helfen wusste, als den schönen Rest bis zur weiteren Verwendung erneut zu konservieren und im Tiefkühler einzufrieren. Nun ja, nachhaltig geht anders.

Jetzt hatte ich endlich Lust, den Bacalhau-Rest zuzubereiten. Ich hatte in Domenico Gentiles Blog „Cooking Italy” das recht einfache Rezept für „Baccalà e Ceci alla calabrese“ gefunden (klick hier), bei dem Baccalà, die italienische Variante von Bacalhau, ebenfalls mit Kichererbsen zubereitet wird. Und da ich davon auch noch ein Glas übrig hatte und ich anstelle der im Rezept vorgesehenen passierten Tomaten zerdrückte Dosentomaten, die ich sowieso immer im Haus habe, nehmen konnte, war also ein wunderbares Resteessen perfekt.

Zutaten: Kichererbsen, Dosentomaten, Bacalhau, Chili, Salbei und Rosmarin, Knoblauch. Zwiebel

Wobei Domenicos Version natürlich authentischer ist, denn er nimmt getrocknete Kichererbsen, die er im gleichen Wasser quellen lässt, in dem er auch seinen Baccalà wässert, und ihnen somit eine ganz eigenen Geschmack verleiht. Da das Wässern des Fisches bei mir wegfiel, kamen mir die vorgekochten Kichererbsen aus dem Glas nur zu Recht. Doch um die Aromaintensität des Gerichtes zu erhöhen, kippte ich einfach den letzten Schluck Wermut von meinem Grünkohl Martini (klick hier) mit in die Sauce – das ist schließlich auch eine Resteverwertung.


Das fertige Gericht brachte mir schließlich die ganze Aromatik und den Sonnenschein Süditaliens in diesen trüben Januartagen auf den Tisch. Dazu hätte natürlich mein Lieblingswein, der apulische Salice Salentino gepasst (klick hier). Doch diesmal gab es, wortspielerisch zum Bacalhau, einen Wein von Bacalhôa, einem der größten portugiesischen Weinerzeuger mit Sitz auf der Península de Setúbal vor den Toren Lissabons. Er wird aus der Rebe Alicante Bouschet gekeltert und weist eine ähnliche dunkle Farbe und ähnliche Aromen von Trockenpflaumen und Minze auf wie der süditalienische Salice Salentino aus Negroamaro.

(Kleiner Nachsatz: Ich bringe ja öfter Rezepte mit Bacalhau und übersetzte dieses Wort meist mit Stockfisch. Richtiger wäre Klippfisch, denn Stockfisch bezeichnet auf Stöcken getrockneten, nicht eingesalzenen Fisch, während Klippfisch eingesalzen auf den Klippen ausgebreiteten und getrockneten Fisch bezeichnet. Aber irgendwie ist mir das Wort Stockfisch geläufiger, und auch der portugiesische Supermarkt meines Vertrauens bezeichnet auf seinen Etiketten Bacalhau auf Deutsch als Stockfisch.)


Rezept: Bacalhau mit Kichererbsen nach Genießerart

2 Portionen

300 g Baccalà, Bacalhau oder Klippfisch
1 kleines Glas Kichererbsen
1 kleiner Bund Salbei
3 Zweige Rosmarin
1 TL Chiliflocken
1 Zwiebel
l Knoblauchzehe
1 kl. Dose geschälte Tomaten (400 g)
Pfeffer
Olivenöl
1 Glas Weißwein oder Wermut (nach Belieben)

Bacalhau drei Tage lang wässern, um das Salz auszuspülen.
Zwiebel fein würfeln, Knoblauchzehe in dünne Scheiben schneiden, Salbei und Rosmarin von den Zweigen zupfen und fein hacken.
Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Zwiebelwürfel darin anschwitzen, Knoblauchscheiben und gehackte Kräuter zugeben und etwas mitschwitzen lassen. Mit einem Schuss Weißwein oder Wermut ablöschen. Dosentomaten dazugeben und zerdrücken. Kichererbsen dazugeben. Umrühren und etwas einköcheln lassen. Eventuell etwas Wasser dazu geben.
Klippfisch in mundgerechte Würfel schneiden und dabei Gräten entfernen. Mit der Hautseite nach unten in die Pfanne legen und in der Tomaten-Kichererbsensauce bei niedriger Temperatur 10-15 Minuten garziehen lassen. Fischstücke wenden.
Ein paar Löffel Tomaten-Kichererbsen-Sauce abnehmen, pürieren und als Bindung wieder zurück in Pfanne geben. Umrühren.
Zu servieren Klippfisch mit Kichererbsen in tiefe Teller geben, mit etwas Olivenöl beträufeln und mit gehackten Kräutern bestreuen.
Dazu schmeckt geröstetes italienisches Landbrot.

Ein weiteres Kichererbsengericht mit Bratwurst klick hier

Donnerstag, 29. Dezember 2022

Vegetarische Weihnachten 2022: Genießers Grünkohlcurry mit Süßkartoffeln, Maronen, Äpfeln, Kokosschmand und gebrannten Walnüssen


Mehr Weihnachten kann gar nicht auf dem Teller sein als bei diesem vegetarischen Gericht, das es am zweiten Weihnachtstag beim Genießer gab. Oder besser gesagt, mehr Weihnachtsmarkt, denn entdeckt hatte ich es auf dem kleinen gemütlichen Maronimarkt, der nach einer Coronapause am diesjährigen vierten Adventssamstag wieder im Biergarten des Café-Restaurants Dolcinella (klick hier) in Essen-Werden stattfand. Am Cateringstand der Schmausbuben (wer immer das sein mag, das Internet schweigt sich aus) gab es als vegane Alternative zum Hirschragout Grünkohleintopf mit Süßkartoffeln und – maronimarktgemäß - Maronen, der dann noch ganz verwegen mit dem griechischen Kartoffel-Knoblauch-Dip Skordalia und Oliven sowie karamellisierten Walnüssen als Crunch kombiniert wurde. Ich war überrascht, wie gut das schmeckte, und dachte sofort, das kochst du nach.

Das Original auf dem Maronimarkt

Also forschte ich im Netz nach einem Gericht aus Grünkohl und Süßkartoffeln, die ich übrigens noch nie zubereitet hatte, und wurde mit einem Grünkohlcurry mit Äpfeln und Räuchertofu fündig (klick hier). Da brauchte ich nur den Tofu durch die Maronen zu ersetzen. Die Äpfel behielt ich bei, denn sie bildeten einen frischen saftigen Kontrast zu den Esskastanien. Denn die bleiben, so gut sie auch schmecken, als ganze gekochte Früchte immer sehr mehlig und trocken. Überhaupt wollte ich die ganze Sache viel saftiger als am Stand haben, wo der Grünkohl anscheinend ein wenig zu lange im Kessel vor sich hin dampfen musste, bevor er serviert wurde. Deshalb verzichtete ich auch auf das kartoffelstampfartige Skordalia als Topping. Um dennoch einen weißen Tupfer als Kontrast auf den Teller zu bekommen, ersetzte ich es durch den festen Schmand aus einer Dose Kokosmilch. Der flüssige Anteil der Milch landete zum Geschmeidigmachen natürlich im Grünkohl.

Zutaten

Auf dem Foto sind zwar frische Maronen zu sehen, doch für das Gericht nahm ich vorgekochte aus dem Vakuumpack. Die verpassten zusammen mit den Süßkartoffeln dem Ganzen eine schmeichelnde Süße, die ich mit den Weihnachtgewürzen Muskatnuss, Kreuzkümmel und Zimt konterkarierte. Für den Crunch kandierte ich übrigens zum ersten Mal in meinem Leben Walnüsse. Sie wurden zwar etwas dunkel, aber zum Glück nicht bitter.

Dunkel, aber nicht bitter: Gebrannte Walnüsse

Gekocht wurde mein Grünkohlcurry schon am ersten Weihnachtstag, gegessen aber erst am zweiten. Denn nicht nur für Sauer-, auch für Grünkohl gilt die alte Weisheit der Witwe Bolte aus „Max und Moritz“: „…für den sie besonders schwärmt, wenn er wieder aufgewärmt“. 



Rezept: Genießers Grünkohlcurry mit Süßkartoffeln, Maronen, Äpfeln. Kokosschmand und gebrannten Walnüssen

2-3- Portionen

300 g Grünkohl
200 ml Gemüsebrühe
200 g Süßkartoffeln
200 g Esskastanien (Maronen), vorgekocht aus dem Vakuumpack
2 kleine Äpfel
2 kleine Zwiebeln
Rapsöl
Pfeffer, Salz
Muskatnuss, Zimt, Kreuzkümmel, Chili
1 Dose (0,2 l) Kokosmilch

Grünkohl waschen und in mundgerechten Stücken von den dicken Rippen zupfen. Rippen entsorgen. Grünkohl in einen Topf geben, Gemüsebrühe angießen. Aufkochen und etwa 30 Minuten köcheln, bis er weich ist. Gegen Ende den Deckel abnehmen, damit die Brühe etwas verdampfen kann. Mit Pfeffer, Salz, Kreuzkümmel und Chili würzen.
Vakuumpack mit den Esskastanien in kochendem Wasser erhitzen, aufreißen und die Maronen entnehmen. Durch das Erhitzen kleben sie nicht mehr aneinander.
Süßkartoffel schälen und in 1 cm große Würfel schneiden.
Äpfel schälen, das Kerngehäuse entfernen und ebenfalls in Würfel schneiden. (Mit Zitronensaft beträufeln, damit sie nicht braun werden.)
Zwiebeln fein würfeln.
Rapsöl in einer Pfanne erhitzen und die Süßkartoffelwürfel darin 10 Minuten braten. Zwiebeln, Maronen und Apfelstücke dazugeben und weitere 5 Minuten mitbraten. Die Zwiebeln sollten weich sein, die Äpfel nicht zerfallen. Mit Muskatnuss, Zimt, Pfeffer und Salz abschmecken. Gekochten Grünkohl dazu geben.
Dose Kokosmilch öffnen und den festen Schmand und die flüssige Milch trennen. Schmand mit etwas Milch verrühren und beiseite stellen. Restliche Milch zum Grünkohl geben und alles aufkochen lassen. Noch einmal mit allen Gewürzen abschmecken.

Gebrannte Walnüsse:
6-8 Walnüsse, geknackt
1 Tütchen Vanillezucker
80 g weißer Zucker
Wasser
1-2 TL Zimtpulver

Ein Backblech oder ein Bratreine mit Backpapier belegen.
Zucker und Vanillezucker mischen auf dem Boden einer Pfanne verteilen. Mit Wasser bedecken. Bei mittlerer Hitze zum Kochen bringen, bis er der Zucker Blasen wirft. Geknackte Walnüsse dazu geben und mit einem Backspatel umrühren. Zimtpulver dazutun. Einige Minuten unter Rühren köcheln lassen, bis der Zucker die Nüsse umhüllt, wieder fest wird und karamellisiert. Vorsicht, heiß! Fertige Nüsse auf das Blech mit dem Backpapier geben und abkühlen lassen.

Anrichten:
Nachdem der Grünkohl durch gezogen und eventuell wieder aufgewärmt worden ist, auf vorgewärmte Teller geben. Mit einem Klecks Kokosschmand versehen und mit gebrannten Walnüssen garnieren. 

Original und Kopie

Mittwoch, 16. November 2022

Urbane Landhausküche: Torte von Rosenkohl, Grünkohl und Kartoffeln (vegetarisch)

Mit Bechamel

Ein wenig aufwendig ist dieses Gericht schon, schließlich werden die Bestandteile Rosenkohl, Grünkohl und Kartoffeln gleich dreimal gegart: erst blanchiert bzw. gekocht, dann in der Pfanne karamellisiert bzw. gebraten und schließlich mit verschlagenem Ei im Ofen gestockt. Aber ich hatte nun einmal Lust, eine Art Torte aus den beiden Winterkohlsorten zu machen, und so war Genießers Bastelstunde angesagt. Um mit den Schneideflächen der halbierten Rosenköhlchen eine interassente Oberfläche zu bekommen, bereitete ich das Ganze als Tarte Tatin zum Stürzen zu.

Karamellisierter Rosenkohl mit Pistazien

Allerdings wollte ich auf einen Boden oder ähnlichem aus Teig verzichten, und so überlegte ich, wie ich dann dem Ganzen den nötigen Halt verleihen könnte. Da griff ich auf das verschlagene Ei zurück, wie ich es bei der italienischen Gemüsepastete Mattonella (klick hier) angewandt hatte. Dazu musste ich die Torte im Wasserbad garen, eine sehr sanfte Methode, bei der aber kaum herzhafte Röstaromen entstehen. So kam ich auf die Idee, alles vorher in der Pfanne zu braten oder zu karamellisieren. Weil die kompakten Rosenkohlröschen und vor allem auch der Grünkohl sehr harte Gemüsesorten sind, schien es mir angebracht, sie vorher zu blanchieren.

Interessante Oberfläche

Um den nussigen Geschmack des Rosenkohls zu unterstreichen, ergänzte ich ihn mit karamellisierten Pistazien und etwas Sesamöl. Den Grünkohl aromatisierte ich durch Chili, Orangensaft und –schale (vergl. hier). Wer möchte, könnte ihn auch in ausgelassenem Speck anbraten oder die mittlere Kartoffellage durch dünne Scheiben von Mett- oder Kohlwurst oder Pinkel ersetzen. Als farblichen Kontrast arbeitete ich noch klein Würfel von gekochter Roter Bete mit ein. Dazu reichte eine Bechamel- und eine leichte Tomatensauce.

Als ich die fertige Torte schließlich anschnitt, fand ich, dass sich die viele Arbeit gelohnt hat. Und schmecken tat es auch noch ganz wunderbar.


Rezept: Torte von Rosenkohl, Grünkohl und Kartoffeln

2-3 Portionen

Rosenkohl:
500 g Rosenkohl, kleine Röschen
1 EL geschälte Pistazien
1 Prise Salz
½ TL Zucker
etwas Butter
1 Schuss Sesamöl

Rosenkohl putzen. In Salzwasser 5-6 Minuten blanchieren, so dass die Röschen noch Biss haben. In eiskaltem Wasser abschrecken. Die Röschen längs halbieren.
Butter in einer Pfanne erhitzen. Zucker hinzugeben und schmelzen lassen. Salzen und etwas Sesamöl zugießen. Die Rosenkohlröschen mit der Schnittseite dazu geben und karamellisieren lassen. Herausnehmen und beiseite stellen.
Pistazien ebenfalls karamellisieren.

Kartoffeln:
300 g Kartoffeln, festkochend
Salz
1 TL Kümmel
Rapsöl

Kartoffeln mit Schale in gut gesalzenem Wasser, dem etwas Kümmel beigegeben ist, in 25 Minuten gar kochen. Abgießen und etwas abkühlen lassen.
Kartoffeln pellen und in 3 Millimeter dicke Scheiben schneiden.
In der Pfanne vom Rosenkohletwas Rapsöl erhitzen. Die Kartoffelscheiben darin bräunen. Aus der Pfann nehmen, dabei aufpassen, dass die Scheiben nicht zerbrechen.

Grünkohl:
200 g Grünkohl
Rapsöl
½ Zwiebel, fein gewürfelt
1 Prise Chiliflocken
½ Knoblauchzehe, gehackt
1 Stück Ingwer, gehackt
Pfeffer, Salz, Muskatnuss
etwas Orangensaft
abgeriebene Orangenschale

Grünkohl von den dicken Rippen und in kleine Stücke zupfen. In Salzwasser 10-12 Minuten blanchieren. In Eiswasser abschrecken und gut ausdrücken.
In der Pfanne von Rosenkohl und Bratkartoffeln Rapsöl erhitzen und darin Zwiebelwürfel anschwitzen, bis sie glasig sind. Chiliflocken, gehackten Knoblauch und Ingwer dazu geben und mit schwitzen, bis die Zwiebeln weich sind. Ausgedrückten Grünkohl dazu geben und alles etwas braten. Mit Orangensaft ablöschen. Geriebene Orangenschale und geriebene Muskatnuss dazu geben und bei geschlossenem Deckel schmoren, bis der der Grünkohl weich ist. Ab und zu umrühren. Deckel abnehmen und die Flüssigkeit etwas verdampfen lassen. Pfanne vom Herd nehmen.

Backen:

1 Form von ¾ l Inhalt, 5 cm hoch
1 genügend große Bratreine für das Wasserbad
Backpapier
Rapsöl
kleine gewürfelte gekochte Rote Bete
3 Eier
Pfeffer, Salz, Muskatnuss

Backofen auf 220 Grad vorheizen.
3 Eier verschlagen, mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss gut würzen.
Eine Form von ¾ l Inhalt mit Backpapier ausschlagen. Backpapier mit Rapsöl dünn einpinseln.
Die Hälfte karamellisierten Rosenkohlhälften durch das Ei ziehen und als erste Lage mit dem der Schnittseite nach unten dicht an dicht in die Form legen. In die Zwischenräume die karamellisierten Pistazien geben.
Rosenkohlröschen mit einer Lage gebratener Kartoffelscheiben belegen. Mit geschlagenem Ei einpinseln.
Gebratenen Grünkohl durch die verschlagenen Eier ziehen und auf der Kartoffellage verteilen. Die restlichen durchs Ei gezogenen Rosenkohlhälften mit der runden seit hineindrücken, so dass die Schnittstellen eine glatte Fläche ergeben. Die restliche Kartoffelscheiben darauf verteilen und mit geschlagenem Ei einpinseln.
Form in eine genügend große Bratreine setzen. Bratreine mit kochendem Wasser angießen, bis die Form zu drei Vierteln im Wasser steht. Bratreine in den für 30 Minuten in den vorgeheizten Backofen geben.

Bechamelsauce:

50 g Butter
50 g Mehl
½ l Milch
Pfeffer, Salz, Muskat
Weißwein, Senf

Butter in einem Topf schmelzen lassen, Mehl dazugeben. Umrühren und köcheln lassen, ohne dass die Butter braun wird. Milch dazu gießen, mit Pfeffer, Salz und Muskatnuss würzen und unter häufigem Rühren zwanzig Minuten köcheln lassen, bis sie eindickt und nicht mehr nach Mehl schmeckt. Nach 15 Minuten einen Schuss Weißwein dazu geben und unter umrühren verkochen lassen. Mit etwas Senf abschmecken.

Tomatensauce:
½ Zehe Knoblauch
1 Kräuterbündchen aus Thymian, Oregano und Basilikum
1 Teebeutel mit 10 Pfefferkörnern
Olivenöl
1 EL Tomatenmark
0,2 l Weißwein
Kartoffelstärke

Olivenöl in einem Topf erhitzen, Knoblauchzehe darin anschwitzen, ohne dass sie braun wird. Tomatenmark dazugeben, etwas anschwitzen. Mit Weißwein und etwas Wasser aufgießen, umrühren, bis sich das Tomatenmark aufgelöst hat. Kräuterbündchen und Pfeffersäckchen dazu geben. Bei geschlossenem Deckel ein paar Minuten köcheln lassen, damit Pfeffer und Kräuter ihre Aromen abgeben können. Deckel abnehmen und alles etwas einkochen lassen. Kräuterbund, Pfeffersäckchen und Knoblauchzehe herausfischen. Etwas Kartoffelstärke anrühren, zur Sauce geben und damit binden.

Anrichten:
Würfelchen aus gekochter Roter Bete
Orangenfilets

Gegarte Torte aus dem Ofen nehmen, auf dein Platte stürzen und die Form wegnehmen. Etwas abkühlen lassen. Vorsichtig das Backpapier entfernen. Mit einem Elektro- oder sonstigem scharfen Messer die unschönen Ränder abschneiden, so dass ein rechteckiger Block entsteht. Diesen Block in Portionsblöcke zerteilen.
Auf vorgewärmte Teller Spiegel aus Bechamel- oder Tomatensauce gießen und die Portionsblöcke hinein setzen. Mit Rote-Bete-Würfelchen und Orangenfilets garnieren.

Mit Tomatensauce
 

Dienstag, 27. September 2022

Herbstvergnügen: Steckrübeneintopf mit gegrillter Gelber Bete und Blanc de Noir (vegetarisch)


Der diesjährige „Tag des offenen Weins“ (klick hier) stand bei Iulians Wein unter dem Motto „Blanc de Noir“. Das ist eine Weinspezialität, bei der aus roten Trauben Weißweine hergestellt werden. Der Trick dabei ist, beim Keltern den farblosen Most sofort von den farbintensiven Schalen zu trennen. Bleibt beides etwas länger zusammen, entsteht ein Rosé, bleibt beides noch länger zusammen, schließlich ein Rotwein.

Einer der wichtigsten Grundweine für weißen Champagner ist ein auf diese Art gekelterter roter Pinot Noir. Dass ein Blanc de Noir aber auch als ‚normaler‘ Stillwein fantastisch schmecken kann, zeigten die drei deutschen Weine, die Max am letzten Samstag ausschenkte. Schöne fruchtige Exemplare ihrer Art, fast schon zu erfrischend für das kühle Herbstwetter, das sich mittlerweile breit gemacht hatte: ein Merlot vom rheinhessischen Weingut Schittler Becker, eine Cuvée vom ebenfalls in Rheinhessen liegenden Weingut Zehe-Clauss und ein Spätburgunder vom Weingut Karlheinz Becker in der Südpfalz.


Bei allen Weinen verspürte ich tänzelnde Zitrusnoten auf der Zunge, beim Spätburgunder eher Zitrone, beim Merlot eine leicht bittere Grapefruit. Und letzteres bewog mich, davon eine Flasche mit nach Hause zu nehmen und beim Kochen einzusetzen.


Ich hatte nämlich noch eine kleine Steckrübe und zwei Gelbe Bete von meinem Einkauf auf dem Wünnerhof im Gemüsekorb, und daraus wollte ich einen Eintopf zubereiten. Als besondere Note wollte ich ihn mit Orangensaft aromatisieren, und dazu schien mir Grapefruit-Note des Merlot Blanc de Noir großartig zu passen. Also machte ich mich ans Werk, und heraus kam ein bittersüßes Süppchen von einer Eleganz, die man der Steckrübe gar nicht zugetraut hätte. Mittlerweile war auch die Sonne herausgekommen, und so kam eine Farbenpracht auf den Teller, die schon den (hoffentlich) Goldenen Oktober herauf beschwor.


Rezept: Steckrübeneintopf mit gegrillter Gelber Bete und Blanc de Noir


1 kleine Steckrübe
1 Stück Sellerie
1 kleine Stange Porree
2 Möhren
1 kleine Petersilienwurzel
1 Zwiebel
1 Gewürzsäckchen mit 2 Nelken und ½ TL Pfefferkörnern
1 Lorbeerblatt
½ Bund Petersilie
3 Kartoffeln
2 Gelbe Bete
40 ml Gemüsebrühe
1 Schuss Orangensaft
0,1 l Merlot Blanc de Noir oder anderen Weißwein
Rapsöl
Pfeffer, Salz, Curry, Senf, Zucker, Sojasauce zum Abschmecken

Gelbe Bete in Salzwasser 20 Minuten kochen und schälen.
Zwiebel fein Würfeln. Porree in Ringe schneiden.
Steckrübe, Sellerie, Möhren und Petersilienwurzel schälen bzw. putzen und in kleine Würfel schneiden. Kartoffeln schälen und ganz lassen bzw. in große Stücke schneiden. Gewürze in einen Teebeutel füllen. Die Hälfte der Petersilie zusammenbinden.
Rapsöl in eine Topf erhitzen. Zwiebelwürfel und Porreeringe darin anschwitzen, ohne dass sie Farbe annehmen. Gemüsewürfel dazugeben und mitschwitzen lassen. Mit Wein ablöschen, den Wein weitgehend verdampfen lassen. Mit Gemüsebrühe aufgießen. Kartoffeln, Gewürzbeutel und den Petersilienstrauß dazutun. Etwas salzen. Ca. 20 Minuten kochen lassen, bis die Kartoffeln gar sind und das Gemüse weich ist.
Gewürzsäckchen und Petersilienstrauß herausfischen. Gegarte Kartoffeln herausholen und mit einer Gabel zerstampfen. Wieder in die Suppe geben und einmal aufkochen lassen. Pfeffer, Salz, Curry, Senf, Zucker und Sojasauce abschmecken.
Gelbe Bete in Scheiben schneiden und in einer Grillpfanne anrösten. Restliche Petersilie hacken.
Suppe in vorgewärmte Teller geben. Mit Petersilie bestreuen und mit gegrillter Gelber Bete garnieren. Mit Merlot Blanc de Noir servieren.


 

Mittwoch, 16. Februar 2022

Nachgekocht: Kartoffelsuppe mit Wirsing und (Doppel)-Wacholder nach Björn Freitag (vegan)


O Mann, da hat sich der Genießer doch tatsächlich das erste Mal in seinem Leben einen Flachmann mit Doppelwacholder gekauft. Allerdings nicht, um sich in diesen harten Zeiten damit in einer kalten Winternacht an der frischen Luft innerlich aufzuwärmen, sondern um ein Rezept aus Ostwestfalen-Lippe, das Fernsehkoch Björn Freitag in seiner WDR-Sendung „Einfach und köstlich“ vorgestellt hatte, nachzukochen: Kartoffelsuppe mit Wirsing und Wacholder. Einmal bot sich da die Gelegenheit, endlich einmal Wirsing zu verarbeiten, was mir in diesem Winter noch nicht gelungen war. Und außerdem konnte ich mich endlich einmal dem Wacholder als Aromaspender widmen. Auf die würzigen Beeren, die eigentlich aus der Küche nicht wegzudenken sind, war ich ebenfalls durch eine Fernsehsendung von Björn Freitag aufmerksam geworden. Bereits in der ersten Staffel von „Lecker an Bord“ besuchte er die Westruper Heide bei Flaesheim, wo ein regionaler wilder Wacholder wächst, von dem der Koch schwer begeistert war. Doch wurden da beim Zuschauer Begehrlichkeiten geweckt, die die Realität nicht einhalten kann. Wilder Wacholder steht in Deutschland unter strengstem Naturschutz, so dass die Westruper Beeren weder gepflückt noch gekauft werden können. Dass Björn Freitag ein paar bekam, war eine Ausnahme fürs Fernsehen.

Kartoffel, Wirsing (Doppel-)Wacholder etc.: Die Zutaten

Also griff ich für mein Süppchen auf normale Gewürzregal-Ware zurück, die auch sehr gut war. Zumal das Aroma auch noch durch den Doppelwacholder potenziert wurde. Sicherlich hätte ich auch einen chicen Gin nehmen, wie er in letzter Zeit wieder so in Mode gekommen ist. Aber ich wollte dem Trend nicht nachlaufen und nahm deshalb einen klassischen Doppelwacholder, wie er im Ruhrgebiet seit jeher üblich ist und wie ich ihn von mei’m Oppa her kannte. Doch der Inhalt meines Flachmman schaffte es zwar in die Suppe, die Falsche aber nicht aufs Zutatenbild. Denn als ich von meinem Kochplan auf der letzten Slow-Food-Sitzung erzählte, präsentierte Kollegin Wiebke plötzlich eine 0,35-l-Flasche Doppelwacholder der Hausmarke der längst vergessenen Hattinger Supermarktkette Hill hervor. Hill war bis Anfang der 1980-er Jahre mit seinen Filialen im EN-Kreis und Bochum vertreten, ging dann in den Deutschen Supermarkt DS über und danach an REWE. Entdeckt hatte Wiebke das Pülleken sinnigerweise irgendwo in der Toskana, auf der Suche nach einem exklusiven Grappa. Jetzt war das antike Schätzchen zwar leer, machte sich als Fotodekoration aber noch sehr gut.

 
Der Flachmann heißt Flachmann, weil er flach ist.

Da Rezept von Bjorn Freitag hielt, was der Titel der Frensehsendung versprach. Die Kartoffelsuppe mit Wirsing und Wacholder war einfach zuzubereiten und schmeckte köstlich. Wacholder, Lorbeer, Muskatnuss und Majoran verbanden sich zu einer heimeligen Aromakombination. An zwei Stellen veränderte sich das Rezept allerdings. Die Wirsingstreifen blanchierte ich kurz vor der Weiterverarbeitung, damit sie im Endeffekt weicher wurden. Und den Doppelwacholder ließ ich anders als der Sternekoch beim Ablöschen der Kartoffeln komplett verdampfen – so, wie ich es fürs Riottokochen mit dem Weißwein aus einem italienischen Kochbuch gelernt habe. Dem Aroma tat das keine Abbruch, der Alkohol war dann aber hoffentlich weg.


Rezept: Kartoffelsuppe mit Wirsing und (Doppel-)Wacholder

4 Portionen

8 - 10 Kartoffeln, vorwiegend festkochend
½ Wirsing
2 rote Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
6 cl Doppelwacholder oder Gin
6 Wacholderbeeren
2 Lorbeerblätter
1 Prise Muskatnuss
600 ml Gemüsefond
Rapsöl
Salz, weißer Pfeffer
2 Zweige frischer Majoran

Wirsing putzen, den Strunk und dicke Rippen entfernen und in Streifen schneiden. Gemüsebrühe zum Kochen bringen, ggf. etwas salzen und die Wirsingstreifen darin drei Minuten blanchieren. Wirsingstreifen aus der Brühe heben, mit eiskaltem Wasser abschrecken und gut abtropfen lassen. Wirsingbrühe aufbewahren.
Kartoffeln schälen und in 1 cm dicke Würfelschneiden. 1-2 Kartoffeln ganz lassen. Zwiebeln schälen, halbieren und in halbe Ringe schneiden. Knoblauch schälen und in dünne Scheiben schneiden. Rapsöl in einen Topf geben, Zwiebelringe und Knoblauchscheiben darin glasig schwitzen. Kartoffelwürfel und ganze Kartoffeln dazu geben und ebenfalls anschwitzen. Lorbeerblätter und Wacholderbeeren dazugeben. Mit Salz und Muskatnuss würzen. Mit Doppelwacholder bzw. Gin ablöschen, bis der Schnaps völlig verdampft ist. Dann mit dem Wirsing-Gemüsefond aufgießen und bei schwacher Hitze ca.15 Minuten köcheln lassen, bis die Kartoffeln weich sind.
Abgetropfte Wirsingstreifen nochmal mit Küchenpapier trocken drücken und wieder auflockern. In einer Pfanne mit Rapsöl anbraten, bis sie leicht Farbe angenommen haben. Mit Salz und Pfeffer würzen.
Lorbeer und Wacholderbeeren aus der Suppe holen, für die Bindung die ganz gelassenen Kartoffeln herausnehmen, mit einem Kartoffelstampfer oder einer Gabel zerdrücken und wieder in die Suppe geben. Den Wirsing dazugeben und umrühren. Mit gehacktem Majoran abschmecken.

Hier eine Variante als Cocktail mit Grünkohl klick hier.

Montag, 6. September 2021

Urbane Landhausküche: Grüne-Linsen-Curry mit buntem Mangold, Stangenbohnen, Tomaten, Pfifferlingen und Ei (vegetarisch)


Auch die Augen essen mit, besagt eine alte Küchenweisheit. Was für einen Kochblogger bedeutet, dass auch die Kamera mit isst. Und besonders Eintöpfe wie Linsensuppe bedeuten immer wieder eine große optisch Herausforderung. Schließlich soll auf den Fotos im Blog das Essen nicht so aussehen wie schon einmal gegessen.


Stangenbohnen, bunter Mangold und
Tomaten von der Bonnekamphöhe


Eier von Jolantas Hühnern,
Pfifferlinge aus dem Supermarkt

Langer Rede kurzer Sinn: Mir waren die tollen Fotos von dem bunten Mangold aufgefallen, die die Bonnekamphöhe auf Facebook veröffentlicht hatte, und ich dachte, mit diesem farbenfrohen Gemüse könnte man doch ein Linsen-Curry wunderbar optisch aufpeppen. Also machte ich am Samstagmittag bei immer schöner werdendem Spätsommerwetter einen Ausflug in die verwunschene Permakultur-Demeter-Gärtnerei im Essener Norden (klick hier), um mir so einen dekorativen Gemüsestrauß zu besorgen. Doch nicht nur das: an dem kleinen Marktstand inmitten der buntblühenden Gemüsebeete waren auch Stangenbohnen einer seltenen Sorte, die nur hier angebaut wird, und wunderbar vollreife Tomaten im Angebot. Da konnte ich natürlich nicht widerstehen. Gemeinsam mit den Eiern von den-Hühnern in Jolantas Garten (klick hier) und ein paar Pfifferlingen, die ich im Supermarkt meines Vertrauens erstanden hatte, könnte ich daraus bestimmet einen ziemlich prachtvollen Teller meiner urbanen Landhausküche zaubern.



Wie es sich für einen ordentlichen Eintopf gehört, hätte ich alle Zutaten gemeinsam in einem Topf kochen können. Doch ich entschied mich nicht nur wegen der unterschiedlichen Garzeiten dagegen. Vor allem, um die Farbigkeit der Einzelteile zu erhalten, bereitete ich alles getrennt zu. Der bunte Mangold und die Stangenbohnenschoten, die man komplett mitessen kann, wurden in Salzwasser bissfest blanchiert und mit Eiswasser abgeschreckt. Die Linsen wurden mit etwas Kurkuma in 30 Minuten körnig weichgekocht, und die Pfifferlinge in Butter durchgeschmort. All das kam dann in einen pikant gewürzten Suppenansatz aus Kokosmilch und der Blanchierbrühe – fertig war das Grüne-Linsencurry mit buntem Mangold, das nicht nur von mir, sondern auch von der Kamera mit Appetit verschlungen wurde. Die Details findet ihr unten im Rezept.

Im Glas: ein Lassie aus Orangensaft und Kefir

Rezept: Grüne-Linsen-Curry mit buntem Mangold, Stangenbohnen, Tomaten, Pfifferlingen und Ei
2 Portionen

1 Tasse grüne Linsen
1 TL Kurkuma
1 Sütck Orangenschale
150 g Pfifferlinge
Pfeffer und Salz
3 Stangen plus Blätter bunter Mangold (rot, gelb, weiß)
4-5 Stangenbohnenschoten
Salz
1 Tropea- oder andere rote Zwiebel
1-2 Knoblauchzehen
1 Stück Ingwer
1-2 EL Sesam
Chili nach Geschmack
400 ml Kokosmilch
2-3 Kellen Blanchier- oder andere Gemüsebrühe
½ TL Kreuzkümmel
1 TL Kurkuma
6-8 bunte Cherrytomaten
Zitronensaft
Butter oder Butterschmalz oder Gee
Salz
1-2 Eier

1 Tasse grüne Linsen mit 2 Tassen Wasser, 1 TL Kurkuma und einem Stück Orangenschale in ca 30 Minuten gar kochen, bis sie die Flüssigkeit aufgesogen haben. Wenn zu viel Wasser verdampft, etwas nachgießen. Orangenschale entfernen.
Pfifferlinge putzen und in einer Pfanne in etwas Butter mit Pfeffer und Salz ca. 15 Minuten bei geschlossenem Deckel durchschmoren.
Mangold und Stangenbohnenschoten putzen und in 2 l Salzwasser ca 6-8 Minuten blanchieren. Nicht zu weich werden lassen. Mit einem Schaumlöffel aus der Blanchierbrühe heben und mit eiskaltem Wasser abschrecken. Blanchierbrühe aufbewahren. Mangold in mundgerechte Stücke, Stangenbohnen in Rauten schneiden. Einige größere Stücke zum Garnieren zurückbehalten.
Tropezwiebel in Würfel, Knoblauch und Ingwer in hauchdünne Scheiben schneiden, Chilischote ggf. Klein hacken. In einer großen Pfanne Butter erhitzen und Zwiebel, Knoblauch, Ingwer und Chili darin glasig schwitzen. Sesam, Kreuzkümmel und Kurkuma dazugeben und anrösten, bis es duftet. 400 ml Kokosmilch und ein 2-3 Kellen Blanchierbrühe dazugeben. Wer irgendwo eine Rest Weißwein hat, kann ihn auch dazu geben. Umrühren und alles köcheln lassen, bis die Zwiebeln weich sind. Weiter einkochen lassen. Cherrytomaten dazu geben und mitköcheln lasse, bis sie leicht aufplatzen.
Eier im Eierkocher wachsweich kochen
Gegarte grüne Linsen und Gemüsestücke unter die Brühe heben. Mit Salz und Zitronensaft abschmecken.
Zum Anrichten in tiefe Teller geben, mit zurück behaltenen Mangoldstückchen, geschmorten Pfifferlingen, angegarten Tomaten und halbierten wachsweichen Eiern garnieren.

Montag, 15. Februar 2021

Urbane Landhausküche: Winterliches Wurzelsüppchen aus Schwarzwurzeln, Pastinaken, Möhrchen und Sellerie mit frittierten Kapern (vegetarisch)


Die unüblichen Schneemassen, die in der letzten Woche das Leben im urbanen Raum beeinträchtigten, hatten verhindert, dass ich im Auto eine Expedition in die Bioläden meines Vertrauens unternehmen konnte. Also stapfte ich zu Fuß in den Supermarkt gegenüber und fand dort zwar abgepackte, dafür superfrische Pastinaken und Suppengemüse vor. In der Tüte von letzterem waren sogar zwei Stückchen Petersilienwurzel, was ja leider nicht immer der Fall ist. Zu Hause hatte ich noch ein paar Stangen Schwarzwurzeln von meinem Skrei’n’Skyr-Rezept (klick hier) im Gemüsekorb liegen, die nach zwei Wochen immer noch schön hart und frisch waren. Also beschloss ich, aus diesen wunderbaren Zutaten ein energiegeladenes Wurzelsüppchen zu machen, das ganz wunderbar in die winterweiße Schneelandschaft auf meinem Balkon passte.

Winterzeit - Wurzelzeit

 
Frühlingszwiebelgrün und frittierte Kaperen
bringen pikanten Geschmack.

Ein wenig Fett musste natürlich auch ans Süppchen, als Geschmacksträger und natürlich auch, um den Vitamingehalt der Wurzeln aufzuschließen. Lecker wäre es gewesen, Speck auszulassen, darin die Gemüse anzuschwitzen und mit den knusprigen Würfelresten die Teller zu dekorieren. Um weitgehend vegetarisch zu bleiben, nahm ich aber das gute Rapsöl aus Witten (klick hier) und streute zum Schluss frittierte Kapern aus Pentelleria darüber, die den Tellern wie die Speckwürfel einen pikant-salzigen Umami-Touch gaben. Für sämige Süße sorgte ein gehöriger Schluck Sahne (wer will, kann da ein veganes Produkt nehmen), für fruchtige Säure ein Schuss Weißwein.


Rezept: Winterliches Wurzelsüppchen

ca. 6 Portionen

4 dicke Stangen Schwarzwurzel
3 kleine Pastinaken
1 handelsübliches Bund Suppengrün mit Sellerie, Möhren, Porree und Petersilienwurzel
5 Frühlingszwiebeln mit Grün
1 Zwiebel
1-2 Zehen Knoblauch
1 Msp Curry
1 Msp Kreuzkümmel
1 Msp Chiliflocken
1 Msp Senf
¼ TL Zucker
Rapsöl
1 l Gemüsebrühe
0,1 l Weißwein
0,25 l Sahne
Pflanzenöl
3 EL Kapern in Salz
Pfeffer, Salz

Von den Kapern das Salz abspülen und die Knospen einige Zeit wässern.
Von den Schwarzwurzeln die überschüssige Erde abschrubben, die Stangen schälen und bis zur weiteren Verwendung in Essigwasser legen. Pastinaken, Petersilienwurzel und Sellerie schälen. Porree anritzen und von Sandresten befreien. Alle Gemüse in gleich große Würfel schneiden.
Zwiebel und Knoblauch würfen. Von den Frühlingszwiebeln das Weiße in kleine Stücke schneiden, das Grüne zurück behalten.
Eine Schuss Rapsöl in einem großen Topf erhitzen, etwas Zucker zugeben und die Zwiebel-, Frühlingszwiebel- und Knoblauchwürfel darin karamellisieren. Wurzelgemüsewürfel dazugeben und kräftig anschwitzen. Je mehr Farbe das Gemüse hat, desto kräftiger und dunkler wird die Suppe. Mit Gemüsebrühe aufgießen, aufkochen lassen. Mit Curry, Kreuzkümmel, Chili und Senf würzen. Weißwein zugeben. Alles ca. 25 Minuten köcheln lassen, bis die Gemüse weich genug sind. Vom Feuer nehmen und mit dem Stabmixer pürieren. Sahne zugeben und kurz aufkochen lassen.

Zum Anrichten Das Grüne der Frühlingszwiebel in dünne Juliennestreifen schneiden. Gewässerte Kapern gut abtrocknen. In einer kleinen Kasserolle ein Finger hoch Öl stark erhitzen und die Kapern darin kurz frittieren. Suppe in vorgewärmte Teller füllen, mit Frühlingszwiebelgrün und frittierten Kapern bestreuen.


Hier ein anderer Winterlicher Wurzeleintopf aus der Mama-Küche, mit Schweinebauch. Klick hier

Sonntag, 24. Januar 2021

Regional: Curry von Schwarzkohl und Muscade-Kürbis mit Blutorange


Von meinem Besuch in Vera Gebauers regionalem Bio-Gemüseladen im Wittener Hammertal (Bericht klick hier) brachte ich mit zwei hübsche kleine Kürbisse mit, die sie selbst angebaut hat: einen Muscade- und einen Butternut-Kürbis. Als ich zu Hause war und die lustigen Dinger, dich spontan Ernie und Bert nannte, auf meinem Balkon fotografierte, wusste ich noch nicht so recht, was ich damit machen sollte. Doch als ich die aktuelle Ausgabe von Veras informativem Newsletter durchstöberte, entdeckte ich dort genau das Rezept, das ich brauchte: ein Schwarzkohl-Muscade-Curry. Also musste am heutigen Sonntag Ernie dran glauben, der Muscade-Kürbis.


Muscade- und Butternut-Kürbis

Ernie und Bert

Die Zutaten für das Gericht sind alle bei Vera zu bekommen, doch da ich ein paar sizilianische Blutorangen im Haus hatte, entschloss ich mich, ihr Rezept damit zu ergänzen. Schließlich passen Orangen zu Schwarz- und Grünkohl ganz phänomenal. Und ich gab auch noch eine kleine Petersilienwurzel hinzu, die dem Ganzen noch einen wunderbar süß-würzigen Touch gab.


Zutaten fürs Curry

Vera empfiehlt Kartoffeln als Beilage zum Curry, so griff ich auf die Drillinge von der Kornkammer in Witten samt Rapsöl (klick hier) zurück, das es übrigens auch bei Vera zu kaufen gibt. Allein diese Zusammenstellung ist schon eine komplette Mahlzeit mit Veggie-Touch. Doch weil heute Sonntag war, gönnte ich mir auch noch einen Hähnchenschenkel dazu.

Curry mit Kartoffeln und Hähnchenschenkel

Rezept: Curry von Schwarzkohl und Muscade-Kürbis

1 kg Schwarzkohl
500 g Muscade-Kürbis
1 Zwiebel
1 kleine Petersilienwurzel
1 Stück Ingwer
½ Chili-Schote
Rpasöl
500 g Joghurt
Sahne
1 Stück Orangenschale
Saft von 1 Orange
Curry, Pfeffer, Salz, Zitronensaft

Schwarzkohl vom Strunk und den harten Rippen befreien. In 1cm große Stücke schneiden.
Muacde-Kürbis halbieren. Kerne samt Gehäuse entfernen. Kürbishälften in 1 cm dicke Scheiben schneiden. Schale von den Scheiben abschneiden. Kürbis-Fruchtfleisch in 1 cm große Würfel schneiden.
Petersilienwurzel schälen und in kleine Würfel schneiden. Zwiebel in kleine Würfel schneiden. Ingwer und Chilischote hacken.
Rapsöl in einer großen Pfanne erhitzen, Zwiebel, Chili und Ingwer anbraten, Schwarzkohl dazu geben und fünf Minuten mitschwitzen. Dann die Kürbis- und Petersilienwurzelwürfel und die Orangenschale dazugeben und fünf Minuten mitschwitzen lassen. Joghurt, etwas Sahne und Orangesaft dazugeben, umrühren und alles 10 Minuten auf kleiner Flamme schmoren lassen, bis der Kohl weich ist. Orangenschale entfernen. Mit Curry, Pfeffer, Salz und Zitronensaft abschmecken.

Dazu:
Drillinge mit Rapsöl. Rezept hier.
Hähnchenschenkel. Rezept hier.