Donnerstag, 6. Februar 2020

Betreutes Trinken: Iulians Wein an der Universitätsstraße in Bochum

"Mach den Wein auf, wir müssen über Gefühle reden"
Cristina und Max von Iulians Wein

Als 2013 das Exzenterhaus an der Bochumer Universitätstraße endlich fertig war, taten sich zuerst viele mit dem mit 89 Metern höchsten Bürohauses im mittleren Ruhrgebiet schwer. Die Architektur des monolithischen Turmbaus schien wahrlich exzentrisch, und dass die 15 modernen Stockwerke ausgerechnet auf einen Hochbunker aus dem zweiten Weltkrieg aufgesetzt wurden, machte den Bau auch nicht wirklich gemütlich. Doch mittlerweile haben die Bochumer ihre neue Landmarke lieben gelernt, und das Exzenterhaus ist eines der meist fotografierten Motive auf den einschlägigen Heimatseiten in den sozialen Netzwerken.



Ein nicht von der Hand zu weisender Kritikpunkt war und ist, dass der gigantische Bau einen ebenso gigantischen Schatten auf die weit niedrigeren Wohnhäuser in der direkten Nachbarschaft wirft. Doch ausgerechnet in diesem Schatten ist am östlichen Rand der Universitätsstraße zwischen Oskar-Hoffmann-Straße und An der Schalwiese ein liebenswürdiger urbaner Kiez erblüht. Viele der alt eingesessenen Geschäfte sind zwar verschwunden, doch es haben sich in den frei gewordenen Ladenlokalen einige nur auf den ersten Blick unspektakuläre gastronomische Betriebe angesiedelt.

Eine der größten Überraschungen ist die Weinbar „Iulians Wein“, die seit knapp einem Jahr an der Ecke Brunsteinstraße residiert. In einer gelungenen Mischung aus gemütlicher Rustikalität und modernem Gastrodesign schaffen hier Cristina und Max Nuss eine anheimelnde Atmosphäre für ungezwungenen Weingenuss. Cristina stammt aus Moldawien, ihr Mann Max aus dem sibirischen Russland, und das Ziel der beiden ist es, den Bochumern die Weine aus Georgien, Rumänien und Moldawien nahezubringen. Namensgeber für ihren Laden ist Cristinas Vater, ein Winzer. Begonnen haben die beiden ihr Missionswerk im ebenfalls neu entstandenen Kiez im Bochumer Stadtteil Bärendorf, und als sich die Gelegenheit bot, in Richtung Innenstadt zu expandieren, griffen sie zu. Zuzüglich eines Korkgeldes von 8 Euro öffnen sie jede Flasche zum Ladenpreis und servieren sie vor Ort.

Blumen fürs Auge
 
Tapas aus dem Hungerturm

Wasser zur Erfrischung

Manchmal wird auch aufgelegt

Mittlerweile kommen aus den ehemaligen Ostblockländern und Sowjetrepubliken Weine, die sich mühelos mit westeuropäischen Kreszenzen messen lassen können. Besonders Georgien verfügt über eine Weintradition, die bis in die Antike zurückreicht. Uralte autochthone Rebsorten bringen ganz eigene Geschmacksnoten hervor, regionale Vinifizierungsmethoden wie der Ausbau in Amphoren sind einzigartig. Und bei aller Qualität liegen sie preislich in Bereichen, die westeuropäischer Erzeuger schon lange verlassen haben.

Presseempfang bei Iulians Wein

Vorgestern hatten Cristina und Max zu einem kleinen Presseempfang eingeladen, der dank der charmanten osteuropäischer Herzlichkeit der beiden schon bald zu einem heimeligen Akt des „betreuten Trinkens“ wurde, wie Max sich ausdrückte. Während er im großen Bogen die Charakterisken der Weine erläuterte oder Anekdoten aus dem Importeursleben im Allgemeinen und die Schwierigkeiten bei der Synchronisierung der Zeitvorstellung von kaukasischen Produzenten und hiesigen Kunden, lieferte Cristina präzise Informationen und Analysen. Zu leckeren Tapashäppchen wurden georgischer Sekt, der jedem Schampus die Perlage reichen konnte, fruchtige Weißweine, wie sie in Georgien hauptsächlich gekeltert werden, schwere Rotweine und natürlich auch die an trockenen Sherry erinnernden Amphorenweine aufgemacht. Zum Schluss gab es noch eine Süßweinspezialität, die schon einem gewissen Sowjetführer mundete, der aus Georgien stammte, und ein Weißwein aus dem rumänischen Transsylvanien, der Heimat Draculas, war auch dabei.

 Kleine Probe mit georgischen und rumänischen Weinen

 Tapas zum Naschen


Cristina und Max



Iulians Wein - Weinhandel & Weinbar. Brunsteinstr. 1 / Ecke Universitätssttr. 44789 Bochum. 0177/2889145. Di-Fr 15–22 Uhr, Sa 18–22 Uhr. www.iulianswein. de

Der Genießer bedankt sich für die Presseeinladung.

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