Posts mit dem Label 5 Säulen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 5 Säulen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 26. November 2010

"Gastmahl Italienisch“ von Slow Food im Ömmes Hof

Update: Das Restaurant wurde am 29.6.2025 geschlossen.

Bruschette zum Entrée

Klein aber fein verlief das Slow-Food-Gastmahl Italienisch im Ömmes Hof in Herne. Ob es an der Hektik der in diesen Tagen ausbrechenden Vorweihnachtsszeit lag, leider fanden nur 12 Slowfoodies und Freunde den Weg zum fünften Menü der Reihe über die Küche des Ruhrgebietes, die das Convivium Mittleres Ruhrgebiet im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt RUHR.2010 veranstaltet. Somit sind die fünf Säulen der Ruhrgebietsküche „abgegessen“. Mit den Stammessen Rheinisch und Westfälisch wurden die historischen Wurzeln aufgezeigt, mit den Gastmahlen Polnisch, Türkisch und Italienisch die Einflüsse, die die Arbeitsimmigranten mitgebracht haben.
Der Ömmes Hof in Herne ist eines jener typischen italienischen Restaurants, die die Gastro-Szene im Ruhrgebiet prägen. Sie nehmen seit den 60er Jahren jenen Platz ein, der früher traditionell von den Lokalen mit deutscher bürgerlicher besetzt war. Andersherum ist in den verbliebenen deutschen Restaurants der Einfluss der italienischen Küche unübersehbar, sowohl bei den Gerichten und vor allem in der Art des Kochens.

Menü: Zum Vergrößern auf die Bilder klicken

Patron Albino Freda, der den Ömmes Hof seit 1988 betreibt und eigentlich aus Kampanien stammt, hatte für das Gastmahl ein herbstliches, wärmendes Menü zusammengestellt. Zum Entrée gab es verschiedene Bruschette, geröstete Brotscheiben mit Tomaten, Schinken und Auberginen. Den ersten Gang bildete ein Risotto mit Steinpilzen, wie er in der Gegend um Rom gern gegessen wird. Zum Hauptgang gab es eine Spezialität aus dem Piemont: ein Ossobuco, löffelweich geschmort mit einer Orangensauce und hausgemachten Gnocchi, den kleinen Kartoffelklößchen, die sich so herrlich als Saucenträger eignen. Zum Nachtisch gab es ganz klassisch Pannacotta mit Früchten.
Bemerkenswert waren die Weine, die der Ömmes Hof im Angebot hatte. Das Ossobuco wurde perfekt von Barbera d’Alba des Bioweinguts Punset aus dem Jahr 2004 begleitet. Eine Entdeckung war auch ein sizilianischer Weißwein, ebenfalls Bio, aus der Rebsorte Cataratto, die auch gern für die Wermut-Herstellung benutzt wird. Der trockene Wein aus dem Jahr 2006 vom Weingut Bagliesi changierte in den verschiedensten Gemüse- und Frucht-Aromen.

Fröhliche Gesichter im Ömmes Hof

Freitag, 15. Oktober 2010

„Stammessen Rheinisch“ von Slow Food im Landhaus Höppeler

Ruhe vor dem Sturm

Letzten Freitag fand im Landhaus Höppeler in Mülheim-Mintard das „Stammessen Rheinisch“ statt, eine Veranstaltung, die Slow Food Mittleres Ruhrgebiet im Rahmen einer Menüreihe über die Ruhrgebietsküche für die Kulturhauptstadt RUHR.2010 organisert hatte. Zwanzig Slowfoodies und fast noch einmal so viele Stammgäste vom Landhaus Höppeler hatten sich eingefunden, neugierig, wie Peter Höppeler die rheinische Küche interpretierte.

Aperitif auf dem Sofa: Cidre von Van Nahmen

Die Zutaten kamen vorwiegend von Genusshandwerkern aus der Region, das Fleisch von Thönes in Wachtendonk, der Fisch von Noll in Schermbeck, die Weinbergschnecken von der Grafschafter Schneckenzucht in Moers, der Cidre zum Aperitif von Van Nahmen in Hamminkeln.

Bei den Gerichten schieden sich die Geister – kein Wunder, jeder Slowfoodie ist ein Geschmacksindividualist, der mit ausgeprägtem Bewusstsein ans Essen geht.

Positiv aufgenommen wurde der Matjessalat, der als Amuse gueule gereicht wurde.

Ebenso der erste Gang, ein Schneckenrahmsüppchen mit Wurzelgemüse und Schnecken auf Ackergemüse. Weinbergschnecken gehören historisch nicht in die niederrheinische Küche, aber die Grafschafter Schneckenzucht hat als erster Betrieb seiner Art in NRW eine neue kulinarische Tradition begründet, die es zu unterstützen gilt.

Ganz traditionell in der niederrheinischen Küche ist jedoch der Rheinaal. Peter Höppeler hatte ihn zu eine Komposition aus zwei Komponenten verarbeitet: Mousse und Terrine mit Meerrettichsauce und Reibeküchlein. Während die Mousse von vielen Gästen als recht beliebig empfunden wurde, fand die Terrine allgemeinen Anklang, dass sie den Geschmack des Aals deutlich zum Ausdruck brachte.

Für großen Diskussionsstoff sorgte der Sauerbraten zum Hauptgang, den Peter Höppeler mit Apfelmus, Rotkohl und Kartoffelkloß servierte. Manchem war die Sauce zu stark reduziert oder der Rotkohl zu kräftig abgeschmeckt, was den Gewohnheiten widersprach. Das war Fleisch war recht hart und keineswegs löffelweich geschmort, doch das schien von Teller zu Teller zu variieren, ebenfalls die Verteilung der Rosinen in der Sauce, die einen Sauerbraten zum „Rheinischen“ Sauerbraten machen.

Äußerst schmackhaft war das Dessert, eine Schokoladenkreation nach Art einer Linzer Torte mit Birnenmousse. In dem Küchlein ein Stück „Steinkohle“, wie es fantasievoll benannt war, zu sehen, mochte vielleicht schwerfallen – geschmeckt hat es ganz wunderbar.

Reges Interesse am "Stammessen Rheinisch"

Sonntag, 28. Februar 2010

Slow Food: „Gastmahl Türkisch“ im Tablo

Yilmaz Doğan und der Genießer präsentieren das Gastmahl Türkisch" im "Tablo"

Am Freitag, den 26.2., fand das „Gastmahl Türkisch“ im Essener Restaurant "Tablo" statt. Über 41 Mitglieder und Freunde von Slow Food fanden sich ein, um an der dritten Veranstaltung teilzunehmen, in der die Genießervereinigung anlässlich der Kulturhauptstadt RUHR.2010 die fünf Säulen der Ruhrgebietsküche darstellt. Bereits stattgefunden haben das „Stammessen Westfälisch“ und das „Gastmahl Polnisch“, es folgen noch das „Stammessen Rheinisch“ und das „Gastmahl Italienisch“.
Wie bei den Veranstaltungen zuvor, gab der Genießer eine kurze Einführung und erklärte, warum die türkische Küche für die Ruhrgebietsküche so wichtig ist. Schließlich bildeten die türkischen Arbeitsimmigranten nicht nur die Basis für den Bergbau und die Stahlindustrie. Mit den Döner-Imbissen haben sie auch die Ernährungsgewohnheiten im Ruhrgebiet und in ganz Deutschland maßgeblich verändert.

Die Tablo-Crew im Einsatz

Doch die türkische Küche ist weit mehr ist als Döner, sondern hochfein und anspruchsvoll. Das bewiesen Yilmaz Doğan und sein Team vom Restaurant „Tablo“. Mit 13 Punkten im Gault-Millau ist es das höchstdekorierte türkische Restaurant in ganz Deutschland. Für das „Gastmahl Türkisch“ hatt er ein Menü zusammengestellt, das die geschmacksverwöhnten Slowfoodies durchweg begeisterte.

Als ersten Gang (1) gab es eine köstliche Zusammenstellung kalter Vorspeisen: Antep eszme (pikantes Püree aus Tomate, Paprika, Zwiebel, Petersilie und Knoblauch), Çerkez tavuğu,(pürierte Hähnchenbrust mit Walnuss und Brot), Şak Suka (orientalisches Gemüseallerlei mit Tomatensauce), Haydari, (fein gewürztes Püree aus Joghurt, Petersilie, Dillspitzen, Pfefferminz und Knoblauch), Humus (Kichererbsenpüree mit zerstoßenem Sesam und Butter) und Enginar salatası (Artischockensalat mit Fenchel und spezieller Vinaigrette).
Der zweite Gang (3) bestand aus Manti, winzigen, filigran mit Hackfleisch gefüllten Maultaschen samt Gemüse auf Joghurt mit Tomaten-Butter-Basilikumsauce.
Dann gab es eine Überraschung. Im Gastsaal war eine Kochstelle aufgebaut, auf der zwei Köche Hackfleisch gefüllte Kroketten (2) in Brühe fertig garten, die sich die Gäste dann samt einem mit Reis gefüllten Weinblatt selbst abholen konnten.


Beim Hauptgang hatten die Slowfoodies die Qual der Wahl, denn sie mussten entscheiden, was sie essen wollten: Entweder Ali Nazik (Lammrückensteakstücke auf pürierter Aubergine mit Joghurt, verfeinert mit Tomaten-Basilikumsauce (4)), Seytan Balığı (Seeteufel vom Grill auf Tomaten-Basilikumsauce, dazu Spinat und Kartoffeln (5)), ein vegetarisches Imam Bayildi (Aubergine mit Tomate, Paprika, Pinienkernen, Zwiebel und Knoblauch gefüllt(6)) oder Şili soslu Tavuk dolması (Hähnchenbrust mit Püree aus Hähnchen, Scampi und Basilikum gefüllt auf Chili-Honig-Sahnesauce, dazu Reis (7)).
Zum Dessert gab es eine Auswahl von den vielen Süßigkeiten, an denen die türkische Küche so reich ist (8): Kazandibi (Milchdessert mit Zimt karamellisiert), Baklava (Blätterteigdessert eingerollt mit Pistazien und Zuckersirup) Kabak tatlısı (Kürbisdessert mit Walnuss in Zuckersirup).
Als Weine empfahl Yilmaz Doğan zwei Spezialitäten aus der Türkei: Cankaya Kavaklidere, einen trockenen Weißwein und als Rotwein Kavaklidere Selection.

Zum Vergrößern auf die Bilder klicken!

Samstag, 28. November 2009

„Gastmahl Polnisch“ von Slow Food: Heimat ist, wo man satt ist


Einen kulinarischen Abend der besonderen Art erlebten die 20 Feinschmecker, die der Einladung von „Slow Food im Ruhrgebiet“ zum „Gastmahl Polnisch“ ins Restaurant „Gurski“ in Mülheim-Saarn gefolgt waren. Im Rahmen der RUHR.2010-Menü-Reihe zu den Säulen der Ruhrgebietsküche war gestern die polnische Küche dran. Bei der Suche nach einem geeigneten Austragungsort für diese kulinarische Spurensuche (siehe auch die Posts hier, hier und hier) hatte der Genießer einen Glücksgriff getan. Bei „Gurski“ wird noch ganz rustikal mit der Hand gekocht, ohne technische Mätzchen, ohne Angst vor echter Würze und dem Geschmacksträger Fett, mit dem Ziel, arbeitenden Menschen am Esstisch ein Stückchen Wohlgefühl zu geben: Heimat ist, wo man satt ist.

Beate Gurski präsentiert den Karpfen

Das Restaurant ist einer beskidischen Karczma nachempfunden, einem typischen südpolnischen Berggasthaus. Stilecht waren die schöne Hausherrin und ihre Bedienung in entsprechender Tracht gekleidet, und jenseits aller gastronomischen Trends und Moden boten Beate Gurski und ihr Team einen Streifzug durch die polnische Küche, so dass sich die armdicken Balken der rustikalen Tische bogen: Hering aus der Ostsee, Rouladen aus Schlesien, Barszcz aus Ostpolen als regionale Schmankerln, dazu die Nationalgerichte Bigos, Piroggen und Kuttelsuppe. Und natürlich der Karpfen, von dem extra eine ganze Kiste eingekauft wurde. Bei dem üppigen Mahl wurde klar, warum der Pole den Wodka so liebt: selbstverständlich als Verdauungshilfe.
Die mit allen kulinarischen Wassern gewaschenen Slow-Foodies schnallten begeistert den Gürtel weiter. Sie entdeckten, dass die wahre Exotik in der Nachbarschaft liegt – oder wie im Ruhrgebiet, wo die polnischen Einwanderer seit über 100 Jahren einen maßgeblichen Anteil an der explosionsartig gewachsenen Bevölkerung bilden, im eigenen Herzen.


Das Menü
Gruß aus der Küche:
Hering auf kaschubische Art (mit Rosinen mariniert), Gebratener Räucherkäse und Griebenschmalzbrote (1)
Suppen-Gang:
Flaczki (Kuttelsuppe), Barszcz (Rote-Bete-Suppe)(2), Żurek (Sauerteigsuppe)(3)
Fisch-Gang:
Karpfen (4) mit Bigos (5) (polnisches Sauerkrautgericht) und Krautsalat
Fleisch-Gang:
Schlesische Rinderroulade mit Klößen und Rotkohl (6)
Dessert:
Süße Piroggen mit Frischkäse- und Himbeerfüllung (7)

Alle Fotos sind vom Weindeuter