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Freitag, 19. November 2010

Neu in Bochum: Türkisches Restaurant „Öz Gaziantep Ocakbasi“


Das Restaurant steht mit neuem Namen unter neuer Leitung.


Dreißig Jahre hatte ich das Ladenlokal an der Alleestraße in Bochum aus den Augen verloren. Damals war hier ein Italiener, bei dem häufig die Redaktionsitzungen des seligen MARABO MAGAZINS ausklangen, das seine Räumlichkeiten ganz alternativ in einer ehemaligen Heißmangel ein paar hundert Meter weiter Richtung Essen hatte. Im Redaktionsjargon hieß der Laden wegen des einnehmenden Äußeren des Kellners nur „Frankenstein“, und hier machte der junge Genießer einige wegweisende kulinarische Erst-Erfahrungen, nämlich dass Nizza-Salat mit Thunfisch und Oliven gemacht wird und Frascati sauer ist.

Seit einigen Wochen ist hier, gleich am Hochbahnhof Bochum West (irgendwie berlinerisch, die Umgebung), ein neues türkisches Restaurant, „Öz Gaziantep Ocakbasi“. „Ocakbasi“ bedeutet Holzkohlengrill, und Gaziantep heißt die Stadt in Südostanatolien, aus der die Familie von Burak Akyol, die den Laden betreibt, stammt. Aufgefallen war mir das Restaurant, als mir hier neulich Nachmittag eine ganze türkische Hochzeitgesellschaft entgegengekommen war, die Jungs cool wie amerikanische Rapper und die Mädels mit wallenden Mähnen stolz wie Nicole Scherzinger – Kopftücher trugen nur die Omis.

Hähnchen- und Lammhackspieß frisch auf dem Grill

Hatte ich die Räumlichkeiten von früher als dunkle 70er-Jahre-Grotte in Erinnerung, sind sie jetzt in jenes gleißend-helle Licht getaucht, wie man es im südöstlichen Mittelmeerraum liebt. Ab 7 Uhr gibt es hier für 5 Euro ein türkisches Frühstück. Schon durchs Schaufenster entdeckt man die Spezialität, die den Laden ausmacht: den Grill mit offenem Holzkohlefeuer. In der Vitrine wird das appetitliche Grillgut ausgestellt, zahllose Spieße mit Lammhack und anderem Lammfleisch, Hähnchen und Leber, aber auch Lammkoteletts und viel frisches Gemüse. Daraus werden 26 verschiedene Gerichte gezaubert werden, häufig mit Joghurtsauce und den dünnen, zusammengerollten Lavasbrot-Fladen. Aber auch die klassischen Dönerspezialitäten vom großen Drehspieß sind vorhanden und ein paar klassische Suppen wie die Kuttel-Suppe.

Ich ließ mir „Adana Kebap“, zwei Lammhackspieße (8,50 Euro) empfehlen. Neben obligatorischem Salat und Reis gab es noch gegrillte Tomate und Chilischote als Beilage, Cacik und Zwiebeln sowie eine Menge Lavasbrot und ein aufgebackenes normales Fladenbrot. Zusammen mit zwei Ayran war das eine fantastische, prächtige Mahlzeit, rustikal und deftig.

Öz Gaziantep Ocakbasi, Alleestr. 26, 44793 Bochum, Tel. 02 34/32 5 90 00. 7-0.00 Uhr, fr, sa, so und feiertags bis 1 Uhr


Fleischspieß-Auswahl in der Vitrine

Freitag, 22. Oktober 2010

Türkischer Imbiss: Ege Grill in Herne

Update: Der Ege Grill ist geschlossen. Unter der Adresse Röhlinghauser Str. 83 befindet sich seit Herbst 2025 "Zaids Pizza Herne".

Halil und Semiha Ulay freuen sich, dass es
dem Mahlzeitvogel geschmeckt hat.

Gestern trafen sich der Mahlzeitvogel vom Mahlzeitblog und der Genießer zu einem kleinen Gipfeltreffen der Genussblogger im Ege Grill in Herne. Hintergrund: Die Fotografin Brigitte Kraemer, bekannt durch ihre ganz eigene Sicht auf das Leben im Ruhrgebiet, hatte dem Mahlzeitvogel diesen türkischen Imbiss im Wanne-Eickeler Stadtteil Röhlinghausen empfohlen.

Und tatsächlich ist der Ege Grill etwas Besonderes. Blickt man auf die Speisekarte, so findet man hier zwar das Standardsortiment an Gerichten, dass die türkischen Imbisse so beliebt macht: den klassischen Döner-Teller mit Pommes, Zaziki und Salat (7,50 Euro), den Köfte-Teller (Hacksteaks mit Pommes und Salat, 7,50 Euro), alles auch als preiswerte Portion in der Brottasche für 3,50 Euro. Was den Ege Grill jedoch auszeichnet, ist die Sorgfalt, mit der die Gericht zubereitet werden.

Iskender Kebap: Unterm Putenfleisch sind
die Brotwürfel mit der Joghurtsauce

Halil Ulay und seine Frau Semiha sind stolz auf ihren guten Ruf. Seit über 15 Jahren sind sie im Imbissgeschäft, seit etwa fünf Jahren am jetzigen Standort im schmucken Wohngebiet Röhlinghauser Ecke Plutostraße. „Meine Frau ist die Köchin“, erklärt Halil Ulay. Den beiden geht es nicht darum, möglichst billige Zutaten zu verwenden. So schichten und würzen sie ihre Dönerspieße selbst, bereiten die Joghurtsaucen selbst zu. Dabei gehen sie selbstverständlich auf die Kundenwünsche ein. „Kalbfleisch wollen die Kunden nicht“, erklärt Halil Ulay. Die Angst vor BSE und Gammelfleisch sitzt anscheinend immer noch tief. Deshalb wird im Ege Grill Putenfleisch verarbeitet, obwohl „Kalbfleisch natürlich höherwertig ist“.

Der Mahlzeitvogel und der Genießer probierten zwei Spezialitäten des Hauses: Döner-Buğlama (Brotwürfel in Butter geröstet, geschnittenes Döner-Fleisch, mit Weißkäse überbacken, dazu scharfe Sauce und Salat, 8,50 Euro) und Iskender Kebap (Brotwürfel in Butter geröstet, Joghurtsauce und geschnittenes Dönerfleisch, dazu scharfe Sauce und Slat, 8,50 Euro). Die Mahlzeiten waren perfekt, das Brot schön knusprig geröstet, die Saucen eher zurückhaltend abgeschmeckt. Die Reise nach Wanne-Eickel hatte sich gelohnt.

Ege Grill, Röhlinghuser Straße 83, 44651 Herne. di-sa 12-22 Uhr, so u feiertags 14-22 Uhr

Mittwoch, 4. August 2010

Kultverdächtig: "Fischmann" in Essen

Ausgebackene Meerbarben

Bis ich fünf Jahre alt war, wohnten wir im Essener Stadtteil Altendorf. Und so war es für den Genießer ein kleiner Rücksturz in die frühe Kindheit, als er gestern am Essen-Wester-Bahnhof vorbei über die Helmholtz- und Helenenstraße zum „Fischmann“ in die Hüttmannstraße fuhr. Das Schnellrestaurant nicht weit vom Altendorfer Markt wird im Internet auf „Qype“ empfohlen und ist wirklich schwer kultverdächtig. Die 50er-Jahre-Wohnhäuser rundum machen einen biederen neo-proletarischen Eindruck. Türkische Jungs in Schlabberhosen haben das Ohr am Handy, afrikanische Mütter fahren stolz ihren Nachwuchs im Kinderwagen umher, deutsche Rentner sind auf der Suche nach einer Bude, um sich eine BILD-Zeitung zu kaufen. Auf einem alten Kneipenschild an der Fassade von Haus Nummer 28 steht immer noch „Schotten Stube“, obwohl im Lokal dazu die Familie Taskiran seit 2004 das türkische Schnellrestaurant betreibt. Der helle Gastraum ist mit Netzen, Segelschiffmodellen und Plastikfischen ausstaffiert wie an der Nordseeküste, ein Kitschbild vom Lago Maggiore hängt an der Wand, und dennoch herrscht beim „Fischmann“ eine Atmosphäre wie in einem Fischer- und Arbeiterbistro an der Schwarzmeerküste. Im unvermeidlichen Fernseher knapp unter Decke flimmert ein türkischer Historienfilm.

Archaisches Mahl: Pansensuppe

Auf der Karte stehen zwar auch Lammkoteletts, Frikadellen, Hähnchenspieß und Grill-Teller, aber der Laden ist dem Fisch gewidmet. Als der Genießer da war, lagen Doraden, Makrelen, Meerbarben, Sardellen und Forellen im Eis der Vitrine, doch die Fischkarte versprach auch Thun- und Schwertfisch und sogar Hai, alles zum Preis von 6 bis 10 Euro. Der Genießer bestellte ein Portion Meerbarben (3 Stück 9 Euro), die im Nu auf dem Tisch waren. Die Zubereitungsart kannte er aus den ambulanten Fischbuden an der unwirtlichen Westküste Fuerteventuras: einfach in Mehl gewälzt und dann in der Friteuse goldgelb und saftig-zart ausgebacken. Zum Würzen wurde eine halbe Zitrone dazu gereicht. Salz, Pfeffer und Pul Biber, der Plättchenpaprika, standen auf dem Tisch. Dazu gab es eine kleinen Salat (2 Euro) und einen großen Korb Brot (gratis). Als Vorspeise genehmigte sich der Genießer Işkembe Çorbası, eine Pansensuppe (2 Euro), die einen Duft hatte, den er noch nicht kannte. Der kleingeschnittene Pansen war weich gekocht und schmolz butterzart auf der Zunge. Als Getränk gab es einen Becher Ayran.

Hübsche Fischauswahl in Altendorf

Als der Genießer den „Fischmann“ verließ, hatte er das Gefühl, ein rustikales, archaisches Mahl eingenommen zu haben, wie man es im Ruhrgebiet an anderer Stelle kaum noch bekommt. Schade, dass man dort nicht zufällig vorbei kommt. Man muss schon extra hinfahren.

Neue Adresse: In der Hagenbeck 3, Essen-Altendorf. Auf der ehem. Zeche Hagenbeck ist der Vater des Genießers jahrzehntelang eingefahren.

Dienstag, 22. Juni 2010

Dortmund: Türkische Weinprobe im Pamukkale-Grill

Chefkoch Jan von der "Siedlerklause" und der
Mahlzeitvogel beim Verkosten von türkischem Wein

„Un‘ dann stonn‘ se in de Döner-Bud‘, und schödd’n sich de Rotwein in de Kopp“, hätte man glatt in Abwandlung eines alten Liedes von den Bläck Fööss singen können. Nur, dass sich gestern bei Ali im „Pamukkale-Grill“ im Dortmunder Klinik-Viertel keine kölschen Jungs zur Weinverkostung trafen, sondern vier echte Ruhrgebietskumpel: der Weindeuter, der Mahlzeitvogel, der Genießer und Chefkoch Jan von der „Siedlerklause“. Aber die Metropole Ruhr is'n Dorf. Später kam ganz zufällig noch Kollege Perik vorbeigeradelt und wunderte sich, dass nix mehr da war.

Chefkoch Ali vom "Pamukkale-Grill"

Wenn Chefkoch Jan keine Lust mehr hat, in seiner „Siedlerklause“ das selbst Gekochte zu essen und der Mahlzeitvogel in Erinnerung an Omas Kochkünste Heimweh nach Rosmart bei Lüdenscheid kriegt, gehen sie in den „Pamukkale-Grill“ in der Luisenstraße, um sich satt und glücklich zu essen. Hier macht Ali Yildiz türkische Imbissküche vom Feinsten, vom Iskender-Kebab über Lammkoteletts bis hin zu Börek-Zigarren. Und dazu einen Reis, bei dem selbst Chefkoch Jan ins Schwärmen gerät. Kein Wunder, dass auch der Weindeuter und der Genießer da mal hinwollten.

Trinkst du türkisch?

Aber nicht einfach so: Wenn schon, dann musste es eine Probe mit türkischem Wein sein, die an diesem Hot Spot der Ruhrgebietsküche stattfinden sollte. Also besorgte der Weindeuter sechs Kreszenzen beim „Türkischen Weinversand“ in Bochum, und der Genießer steuerte noch zwei Flaschen bei, die er im Keller hatte. Chefkoch Jan brachte eine Rarität mit: einen Shiraz mit dem Namen "Hafez" wie der persische Dichter, dessen Trauben angeblich im Iran gelesen und dann im südfranzösischen Corbières vinifiziert worden sind. Aber der lief außer Konkurrenz.


Also kamen zur Verkostung:

1.„Sultaniye-Emir“ 2008 von DLC Doluca aus der Sultaniye-Traube u.a. aus der Ägäis (Türkischer Weinversand, ca. 8 Euro)

2. Villa Doluca „Legend“ aus der autochthonen türkischen Rebe Ökügözü, zu deutsch „Ochsenauge“, Alicante und Carignan (real, ca. 3 Euro)

3. „Boğazkere“ 2005 DLC Doluca aus der Traube Boğazkere, auf deutsch „Der im Hals kratzt“, aus Südostanatolien (Türkischer Weinversand, ca. 8 Euro)

4. „Öküzgözü“ 2005 DLC Doluca aus der Traube Öküzgözü aus Zentralanatolien (Türkischer Weinversand, ca. 8 Euro)

5. „Kalecik Karası“ 2005 DLC Doluca aus der Traube Kalecik Karası, die schon die Hethiter getrunken haben (Türkischer Weinversand, ca. 8 Euro)

6. „Angora“ 2008 von Kavaklidere aus Cabernet Sauvignon und Kaleci Karasi (ca. 3 Euro in Supermärkten)

7. „Anfora“ 2006 von Pamukkale Sarapclik aus Öküzgözü und Boğazkere (aus dem türkischen Restaurant „Tablo“ in Essen, Preis unbekannt)

8. „Corpus“ 2005 von deinem kleinen Winzer auf einer ägäischen Insel aus Merlot, Syrah, und Cabernet Sauvignon (Türkischer Weinversand, ca. 40 Euro)

Bis auf den „Öküzgözü“ 2005, der maderisiert war, schmeckten die Weine dem Genießer ganz gut. Es waren meist kräftige, temperamentvolle Burschen aus südlichen Gefilden, wie zu erwarten. Der 40 Euro teure „Corpus“ hatte den Ehrgeiz, internationales Format zu erreichen. Dennoch, so meint der Genießer, hatten alle Weine zu wenig Eigenständigkeit, um sich gegen gleichwertige Qualitäten aus klassischen Weinländern in Europa oder Übersee durchzusetzen – auch die aus den autochthonen Reben. Zu türkischem Essen jedoch sollte man sie auf Fälle probieren. Da sind sie stimmige Begleiter.

Hier die definitiven Wertungen vom Weindeuter.

Zufälliges Zusammentreffen beim Trinken
auf der Straße: Weindeuter und Perik

Sonntag, 28. Februar 2010

Slow Food: „Gastmahl Türkisch“ im Tablo

Yilmaz Doğan und der Genießer präsentieren das Gastmahl Türkisch" im "Tablo"

Am Freitag, den 26.2., fand das „Gastmahl Türkisch“ im Essener Restaurant "Tablo" statt. Über 41 Mitglieder und Freunde von Slow Food fanden sich ein, um an der dritten Veranstaltung teilzunehmen, in der die Genießervereinigung anlässlich der Kulturhauptstadt RUHR.2010 die fünf Säulen der Ruhrgebietsküche darstellt. Bereits stattgefunden haben das „Stammessen Westfälisch“ und das „Gastmahl Polnisch“, es folgen noch das „Stammessen Rheinisch“ und das „Gastmahl Italienisch“.
Wie bei den Veranstaltungen zuvor, gab der Genießer eine kurze Einführung und erklärte, warum die türkische Küche für die Ruhrgebietsküche so wichtig ist. Schließlich bildeten die türkischen Arbeitsimmigranten nicht nur die Basis für den Bergbau und die Stahlindustrie. Mit den Döner-Imbissen haben sie auch die Ernährungsgewohnheiten im Ruhrgebiet und in ganz Deutschland maßgeblich verändert.

Die Tablo-Crew im Einsatz

Doch die türkische Küche ist weit mehr ist als Döner, sondern hochfein und anspruchsvoll. Das bewiesen Yilmaz Doğan und sein Team vom Restaurant „Tablo“. Mit 13 Punkten im Gault-Millau ist es das höchstdekorierte türkische Restaurant in ganz Deutschland. Für das „Gastmahl Türkisch“ hatt er ein Menü zusammengestellt, das die geschmacksverwöhnten Slowfoodies durchweg begeisterte.

Als ersten Gang (1) gab es eine köstliche Zusammenstellung kalter Vorspeisen: Antep eszme (pikantes Püree aus Tomate, Paprika, Zwiebel, Petersilie und Knoblauch), Çerkez tavuğu,(pürierte Hähnchenbrust mit Walnuss und Brot), Şak Suka (orientalisches Gemüseallerlei mit Tomatensauce), Haydari, (fein gewürztes Püree aus Joghurt, Petersilie, Dillspitzen, Pfefferminz und Knoblauch), Humus (Kichererbsenpüree mit zerstoßenem Sesam und Butter) und Enginar salatası (Artischockensalat mit Fenchel und spezieller Vinaigrette).
Der zweite Gang (3) bestand aus Manti, winzigen, filigran mit Hackfleisch gefüllten Maultaschen samt Gemüse auf Joghurt mit Tomaten-Butter-Basilikumsauce.
Dann gab es eine Überraschung. Im Gastsaal war eine Kochstelle aufgebaut, auf der zwei Köche Hackfleisch gefüllte Kroketten (2) in Brühe fertig garten, die sich die Gäste dann samt einem mit Reis gefüllten Weinblatt selbst abholen konnten.


Beim Hauptgang hatten die Slowfoodies die Qual der Wahl, denn sie mussten entscheiden, was sie essen wollten: Entweder Ali Nazik (Lammrückensteakstücke auf pürierter Aubergine mit Joghurt, verfeinert mit Tomaten-Basilikumsauce (4)), Seytan Balığı (Seeteufel vom Grill auf Tomaten-Basilikumsauce, dazu Spinat und Kartoffeln (5)), ein vegetarisches Imam Bayildi (Aubergine mit Tomate, Paprika, Pinienkernen, Zwiebel und Knoblauch gefüllt(6)) oder Şili soslu Tavuk dolması (Hähnchenbrust mit Püree aus Hähnchen, Scampi und Basilikum gefüllt auf Chili-Honig-Sahnesauce, dazu Reis (7)).
Zum Dessert gab es eine Auswahl von den vielen Süßigkeiten, an denen die türkische Küche so reich ist (8): Kazandibi (Milchdessert mit Zimt karamellisiert), Baklava (Blätterteigdessert eingerollt mit Pistazien und Zuckersirup) Kabak tatlısı (Kürbisdessert mit Walnuss in Zuckersirup).
Als Weine empfahl Yilmaz Doğan zwei Spezialitäten aus der Türkei: Cankaya Kavaklidere, einen trockenen Weißwein und als Rotwein Kavaklidere Selection.

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Dienstag, 16. Februar 2010

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Feine türkische Küche: Restaurant „Tablo“ in Essen


Das hat noch nicht einmal Berlin geschafft: ein türkisches Restaurant in einem der Spitzen-Gastroführer zu platzieren. Mit 13 Punkten ist das „Tablo“ das einzige Lokal dieser Art im „Gault Millau“, und es befindet sich in Essen. Überhaupt sind die Länderküchen in den ambitionierten Gourmet-Guides kaum vertreten – Italiener, sicherlich, ein paar Japaner – aber Türken?
Das mag daran liegen, dass die türkische Küche in Deutschland zum Inbegriff der volksnahen Imbiss-Küche geworden ist. Das hat einerseits damit zu tun, dass die türkischen Gastronomen ursprünglich als Arbeiter nach Deutschland gekommen sind und nicht als Köche, andrerseits mit den traditionellen Lokalen in der Türkei, die in ihren Theken einen ziemlich fest definierten Kanon an vorbereiteten Gerichten anbieten – etwas, was dem Pommesbuden-Wesen in Deutschland ziemlich nahe kommt. Nicht von ungefähr ist die Döner-Tasche als Fast Food in Berlin erfunden worden, irgendwann Ende der 1970er Jahre. Im Ruhrgebiet gab es noch keine türkischen Restaurants, als man in der Hauptstadt schon längst türkisch aß.
Doch im Grunde ist die türkische Küche eine sehr feine, kultivierte Küche, die im Serail von Istanbul entstanden ist, wo die Einflüsse des riesigen osmanischen Reiches bis zur Dekadenz veredelt wurden: die kargen Hirtengerichte des anatolischen Hochlandes, Nordafrikas, Arabiens, Vorderasiens und Südosteuropas, vereint zu einer schillernden Metropolenküche schlechthin.
Das „Tablo“ in Essen ist der gelungene Versuch, die türkische Gastronomie aus der Folklore- und Imbiss-Ecke zu befreien. Dabei beschreitet Yılmaz Doğan den gleichen Weg, den Rino Frattesi vom Edel-Italiener „La Grappa“ eine Straße weiter gegangen ist, als er vor über zwanzig Jahren den Pizzaofen aus seinem italienischen Ristorante verbannte. Aber zum Glück hat das „Tablo“ bei den Preisen nicht die Bodenhaftung verloren. Fein und elegant kam das Mittagessen daher, das ich vorgestern im „Tablo“ einnahm. Eine Yoghurtsuppe (4,90 Euro), die fast wie englisches Porridge roch, nur würziger, machte den Anfang. Eine mit Yoghurt verfeinert Brühe war mit Milchreis und Kichererbsen leicht eingedickt und pikant abgeschmeckt. Als Zwischengang gab es einen leichten mediterranen Salat, der seine italienischen Vorbilder nicht verleugnete. Dann folgte als krönender Hauptgang eine löffelweich geschmorte Lammschulter auf Reis (12,90 Euro). Dazu schmeckte der Hauswein, ein roter „Yakut“ (0,2l 5,10 Euro) aus den autochthonen anatolischen Rebsorten Öküzgözü und Bogazkere sowie Carignan und Alicante. In Sachen Desserts sind die Türken sowieso Weltmeister. Nicht zu süß war die kleine Zusammenstellung aus Pistazien in Blätterteig, türkischem Pudding und Orangenkuchen (6,50 Euro).
All das kommt beim Essener Publikum gut an. Das „Tablo“ ist ein beliebter Treffpunkt in der Kulturhauptstadt. Während ich aß, schneite der RUHR.2010-Geschäftsführer Oliver Scheytt herein, um beim Essen zwei jungen Journalisten ein Interview zu geben.