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Freitag, 17. Juni 2022

Slow Food: Besuch im libanesischen Restaurant Mahas, Recklinghausen

Update August 2023: Nach einem Brand musste das Restaurant umziehen. Es befindet sich jetzt in der Halterner Str 15, 45657 Recklinghausen.


Bereits am 17. Juni 2022 besuchte der Ini-Kreis von Slow Food Bochum für sein monatliches Arbeitsessen auf Vorschlag von Jochen Hoss das Restaurant „Mahas“. Seit 2019 betreibt Maha Potthoff das kleine Juwel in der Recklinghäuser Altstadt. Maha ist gebürtige Libanesin und kam 1978 als Achtjährige mit ihrer Familie nach Deutschland, arbeitete nach einem Sprachstudium 25 Jahre bei der Sparkasse und entschloss sich 2019, sich selbstständig zu machen und das Restaurant zu eröffnen. Inspiriert durch die Rezepte ihrer Mutter, bietet sie mit ihren Köchinnen authentische libanesische Küche an.

Zur Einführung in die arabisch-levantinische Aromenwelt bestelltem wie die „Mesa für kleine und große Gesellschaften mit fünf kalten und vier warmen Mesa-Speisen für unsere siebenköpfige Gruppe. Neben den üblichen Getränken gab es dazu eine herb unsüße, hausgemachte Zitronenlimonade und zum Abschluss einen arabischen Mokka. Das Essen war eine wunderbare Erfahrung.

Mesa für kleine oder große Gesellschaften


Hausgemachte Zitronenlimonde mit Rosenwasser


Kalte Mesa-Speisen


Hummus
Kichererbsenpüree mit Sesam und andren gewürzen


Baba Ghanoush

Auberginenpüree mit Sesam

Laban

Arabischer Joghurt

Tabouleh
Couscous-Petersilien-Salat

Fattousch
Libanesischer Brotsalat



Warme Mesa-Speisen

Falafel
Frittierte Kichererbsenbällchen

Reis nach libanesischer Art
Gedämpfter Reis mit angebratenen Fadennudeln

Hähnchenfilet und Kartoffeln

in einer Koriander-Zitronen-Knoblauch-Marinade

Rinderhackfleisch-Fladen
in einer würzigen Sesamsauce



Mokka mit Lebkuchen


Restaurant Mahas. Halterner Str. 15. 45657 Recklinghausen. Tel 02361-4867711. Mi-Mo 17-23 Uhr. Di Ruhetag. https://mahas.online/

Dienstag, 1. Mai 2018

Am 1. Mai starten die Kochquintette 2018


Der Mai ist gekommen, und so startet traditionell die Aktion "Dein Kochquintett". Dazu haben sich in Dortmund, Duisburg, m Kreis Vest (und außerhalb des Ruhrgebiets in Münster und Bielefeld) jeweils 5 Spitzenrestaurants zusammeneschlossen, die 5 Monate lang abwechselnd die Gäste mit einem besonderen Menü verwöhnen wollen. Das Kochquinetett Essen hat 2018 noch kein Programm für 2018. Es gab zwei Ausfälle, und die Veranstalter arbeiten dran, Ersatz zu finden.

In diesem Jahr sind das in Dortmund
- Emil
- Cielo
- Vivre
- Lennhof
- Rödels Kochlokal

in Duisburg
- Cocon am Rhein
- Akazienhof
- Küppersmühle
- Elfrather Mühle (Krefeld)
- Villa Patrizia


im Kreis Vest
- Gasthaus Stromberg (Waltrop)
- Ratsstuben im Ratshotel (Haltern)
- VestTafel (Recklinghausen)
- Bullerkotte (Marl-Polsum)
- Püttmann "Zum Blauen See" (Dorsten)

Infos zum den Menüs und Sonderaktionen finden Sie unter ww w.dein-kochquintett.de

Donnerstag, 4. Januar 2018

Aus dem Archiv: Das kulinarische Vest

Der Text erschien erstmals in "Ruhrgebiet geht asu 2018/2019"

 

Von Bauer Ewald zum Baiersbronn des Ruhrgebiets

Das Vest ist der historische Name die Landschaft, die im Norden des Ruhrgebiets den Übergang des rheinisch-westfälischen Industriegebietes ins ländliche Münsterland bildet. Als Speisekammer des Ruhrgebiets hat das Vest kulinarisch eine Menge zu bieten, und mit seit Neustem drei Sternerestaurants ist es als Restaurantlandschaft geradezu spektakulär.

Von Peter Krauskopf

Die Engelsburg in Recklinghausen ist ein Stück Westfalen im Ruhrgebiet wie aus dem Bilderbuch. Der barocke Residenzbau, den sich einst ein kurfürstlich-kölnischer Statthalter und Richter bauen ließ, beherbergt heute ein luxuriöses Hotel, und das Restaurant des Hauses trägt den Namen „VestTafel“. Dieses Wortspiel bezieht sich auf die historische Bezeichnung jenes Bereiches, die besagter Statthalter zu verwalten hatte, das Vest. Es umfasste den heutigen Kreis Recklinghausen mit seinen insgesamt zehn Gemeinden, die Stadt Bottrop mit dem eingemeindeten Kirchhellen und das nördliche Gelsenkirchen.

Verwaltungstechnisch ist die Bezeichnung „Vest“ schon längst verschwunden. Marketingtechnisch feiert er jedoch besonders im kulinarisch-gstronomischen Bereich fröhliche Urständ. Nicht nur die „VestTafel“ trägt den bodenständigen Begriff im Namen. Auch die Recklinghäuser Brennerei Dörlemann, wirbt damit als „Ihre Kornbrennerei im Vest“ und ist in der Tat der letzte Produzent westfälischer Schnapsspezialitäten in der Kreisstadt. Die Gourmetmeile „Zu Gast in Recklinghausen“, die 2017 ihr 30-jähriges Jubiläum feiern konnte und damit eine der ältesten Veranstaltungen dieser Art im Ruhrgebiet ist, warb lange mit dem Begriff „Vestival“. Und auch die großen Indoor-Gastroaktionen der Region verzichten nicht auf den Begriff. Das jährlich im Februar und März stattfindende „Menue-Karussell Vest“ ist mit 35 teilnehmenden Restaurants eine populäre Leistungsschau der ortsansässigen Gastronomie, und das „Kochquintett Kreis Vest“ bietet über die Sommermonate eine exklusive gastronomische Spitzenauswahl.

Typisch für die Region sind die Landgasthöfe Zum blauen See und Bullerkotte. Thomas Püttmann und Thilo Bullerkotte haben für ihre schmucken Ausflugslokale zu durchaus experimentierfreudigen Hot Spots des Fine Dining verwandelt. „Wie wild darf ein Koch sein?“, fragt Thilo Bullerkotte auf seiner Interntseite, und Thomas Püttmann gibt schmunzelnd zu, durchaus ein wenig „wild“ in seinem Angebot zu sein. Als „Junger Wilder“ hatte auch einst Stefan Manier begonnen, der schon seit Jahren im Gasthaus Stromberg im etwas östlich gelegenen Waltrop für Spitzenküche sorgt. Im letzten Jahr hat er sich mit Bernd Stollenwerk einen weiteren Spitzenkoch als Chef de cuisine ins Haus geholt, so dass das Stammhaus in der Waltroper Innenstadt und die sog. Werkstatt in den historischen Hallen auf Zeche Waltrop erstklassig bespielt werden können.

Ein Höhepunkt in der Entwicklung der Küche im Vest ist die Verleihung eines Michelinsterns an Daniel Georgiev von den Ratstuben im Ratshotel in Haltern. Damit wurde der Ruf der Region als „Baiersbronn des Ruhrgebiets“ gefestigt. Im Umkreis von 14 Kilometer finden sich jetzt sage und schreibe drei Sternekrestaurants, ein Drittel der Gesamtzahl in der Metropole Ruhr mit ihren 5 Millionen Einwohnern. Mit Rosin (2 Sterne)und dem Goldenen Anker (1 Stern) in Dorsten befinden sich zwei äußerst populäre deutsche Gourmettempel in der Nachbarschaft. Frank Rosin zeigt in seiner TV-Sendung auf Kabel 1 orientierungslosen Gastronomen, wo es mit ihren betrieben lang geht, und Björn Freitag vom Goldenen Anker beseitigt als Haus- und Hofkoch des WDR mit aufklärerischen Sendungen die kulinarischen Defizite der Nordrhein-Westfalen. Überhaupt Dorsten: Im Schatten der beiden schillernden TV-Stars gedeiht das Restaurant Henschel seit 55 Jahren. Seit Anfang an ist Leonore Henschel, eine der wenigen Frauen unter den Spitzenköchen in Deutschland, für die Küche verantwortlich.

Lange litt die westfälisch geprägte Küche der Region unter dem Vorurteil, „warm, weich und fettig“ zu sein. In den Wirtschaftswunderjahren machte Bauer Ewald in Haltern-Sythen Furore. Mit westfälischer Schlitzohrigkeit entwickelte der geschäftstüchtige Landmann seinen „EWG-Musterhof“ – wobei EWG für „Ewald wird gewinnen“ stand – zu einem kuriosen kulinarischen Freizeitpark mit Riesenschnitzeln, der nach der Wiedervereinigung noch einmal eine üppige Blüte erlebte. Und in der Tat ist das Vest heute noch so etwas wie die Speisekammer des Ruhrgebiets. Die großen Bauernhöfe versorgen die Supermärkte der Region mit frischem Obst und Gemüse. In den letzten Jahrzehnten hat sich besonders der edle Spargel als regionale Spezialität etabliert. In Kirchellen findet seit dem Kulturhauptstadtjahr 2010 auf Hof Umberg jährlich zu Pfingsten das Spargel-Gourmetfestival (19. – 21.5.2018), bei dem fünf Restaurants Spezialitäten rund um das königliche Gemüse und die zur gleichen Zeit reifenden Erdbeeren anbieten. Was als Experiment von Gastronomen in der Nachbarstadt Essen begann, hat sich mittlerweile zu einer Massenveranstaltung entwickelt, die aus dem kulinarischen Kalender nicht wegzudenken ist. Erntefrischen Spargel gibt es im Frühjahr zudem in den zahlreichen Hofläden, etwa auf dem Schmückerhof direkt neben Hof Umberg mit seinem schmucken Landcafé oder auf dem Spargelhof Schulte-Scherlebeck in Herten.

Doch nicht nur Obst, Spargel und Erdbeeren, sondern auch Ziegenkäse wie von den Hofkäsereien Sondermann in Dorsten und Andres in Haltern, Kräuter von der Kräutermagie Keller in Datteln und vor allem edles Fleisch gehören zu den Produkten, die im Vest erzeugt werden. Bauer Burkhard Sagel in Kirchhellen hat die konventionelle Fleischproduktion aufgebeben und widmet sich jetzt einer nachhaltigen Rinderzucht, deren Erzeugnissen man bei ihm kaufen kann. Hof Dingebauer in Castrop-Rauxel gehört zur Erzeugergemeinschaft Neuland. Das exklusivste Fleisch bietet jedoch die Vogelsang Stiftung in Datteln an. Eigentlich mit der Renaturierung ehemaliger Industrieflächen betraut, setzt die Stiftung Aubrac- und Heckrinder zur Landschaftspflege ein. Dabei gedeihen die halbwild gehaltenen Tiere so gut, dass ihr Fleisch unter der Marke Urbeef vermarktet wird.

Zum Abschluss ein besonderer Tipp für Leute, die die kulinarische Landschaft Vest ganz kompakt kennen lernen wollen. Reservieren Sie sich das erste Augustwochenende 2018 für ein kleines Gourmetmeilen-Hopping. Vom 1. bis zum 5.8. findet „Zu Gast in Recklinghausen“ mit acht Gastronomien der Region vor dem imposanten Rathaus statt, und vom 3. bis zum 5.8. das charmante „Haltern bittet zu Tisch“ ebenfalls mit acht Teilnehmern. Wer an diesem Wochenende in den Sommerferien ist, kann zwei Monate früher schon mal vorkosten: bei „Castrop kocht über“ vom 30.5. bis 3.6.2018.

Dienstag, 27. Juni 2017

Neu ab Juli 2017: Kochquintett Kreis Vest

Kochquintett Kreis Vest: Daniel Georgiev (Ratshotel), Thilo Bullerkotte (Restaurant Bullerkotte), Mirela Huhmann (Vesttafel), Bernd Stollenwerk (Gasthaus Stromberg), Thomas Püttmann (Zum blauen See).
Foto: Kochquintett

Die Ruhrgebiets-Kochquintette in Dortmund, Duisburg und Essen haben Zuwachs bekommen. Von Juli bis November 2017 präsentieren auch im Vest, d.i. ist der historische Name des Kreises Recklinghausen, fünf Spitzengastronomen jeweils ein Monatsmenü. Mit dabei sind das Gasthaus Stromberg (Waltrop), die VestTafel in der Engelsburg (Recklinghausen), das Restaurant „Zum blauen See“ (Dorsten), die Ratstuben um Ratshotel (Haltern) und das Restaurant Bullerkotte (Marl-Polsum). Zu den Speisekarten hier klicken.

Für den Sternekoch Bernd Stollenwerk, Ruhrgebiets-Feinschmeckern auch als zeitweiliger Küchenchef im Essener Casino Zollverein bekannt, ist das eine doppelte Premiere. Seit Kurzem unterstützt er die Küche von Stefan Manier im Gasthaus Stromberg und ist für das Kochquintett-Menü des Hauses verantwortlich, mit dem die Reihe startet.

Kochquintett Kreis Vest klick hier
Dortmunder Kochquintett klick hier
Duisburger Kochquintett klick hier
Essener Kochquintett klick hier


Montag, 9. März 2015

Aus dem Archiv: VestTafel - Formvollendet hemdsärmelig

Der Text erschien erstmals in "Ruhrgebiet geht aus 2015/2016".
Die VestTafel gibt es nicht mehr. Das Restaurant im Parkhotel Engelsburg firmiiert heuet (2025) unter "Engels in der Burg".


Seit jeher ist die Engelsburg eine der führenden Hoteladressen im Vest, und man versuchte in dem barocken Schlösschen am Rand der Recklinghäuser Innenstadt immer wieder, gehobene Gastronomie in der Region zu etablieren. Vor ein paar Jahren bemühte sich hier Suvad Memovic, heute Küchenchef in der Marler Loemühle, um ambitionierte Küche, musste aber schließlich aufgeben. Danach wurde das im Stil der Jahrtausendwende renovierte Engelsburg-Restaurant eine Zeitlang nur als Speisesaal fürs Hotel genutzt, bis vor vier Jahren neues kulinarisches Leben unter dem Namen VestTafel erblühte. Die Lage des Restaurants ist dafür schließlich ideal. Direkt gegenüber befindet sich an der schmalen Augustinessenstraße eines der Recklinghäuser Parkhäuser.

Statt auf artifizielle Gourmetküche setzen Mirela Huhmann und Thomas Große auf den Trend zur nachhaltigen Bioküche. Wenn möglich, kochen sie mit Produkten aus der Region, und immer bieten sie eine vegetarische Alternative. Unterstrichen wird diese moderne Küchenauffassung durch die unkomplizierte Bedienung, die bei aller Formvollendung mit einer szenemäßigen, fast hemdsärmeligen Aufmerksamkeit auftritt und keinerlei Schwellenangst aufkommen lässt.

Häufig tauchen die A-la-carte-Gerichte, die auf einer handgeschriebenen Tafel Platz haben, auch im Menü-Angebot auf. So scheint es mir sinnvoll, mit dem Menue-Karussell-Menü eine kleine Degustationsreise durch die Küche der VestTafel zu machen. Auf den Loup de Mer zum Hauptgang verzichte ich zugunsten eines Gemüse-Couscous, und so habe ich ein komplett vegetarisches Menü. Ob ich nun, wie viele Vegetarier meinen, mit dem Verzicht auf Fisch und Fleisch die Welt rette, weiß ich nicht. Kulinarisch jedenfalls muss ich keinerlei Abstriche machen.

Bei der Kalkulation von 45 Euro, in die auch noch eine große Flasche Wasser sowie zwei Weißweine und ein Rotwein gehören, gibt es leider kein Amuse bouche, sondern man mit dem ersten Gang sofort zur Sache. Die Birnentarte mit Ricotta und einem Chutney mit rotem Pfeffer könnte glatt als Dessert durchgehen, doch besteht der Hauptgeschmack nicht in der Süße, sondern in einer delikaten Würzigkeit, die durch einige Wildkräuter noch unterstrichen wird.

Zusammen mit einem Gläschen Riesling macht dieser Einstig Appetit auf ein cremiges Pastinaken-Süppchen, das, wie mir versichert wird, ohne Fleischbrühe zubereitet ist. Getrüffelte Pumpernickelbrösel sorgen für rustikalen Luxus, bedeuten mit ihrer Härte aber auch, dass ein wenig die Zähne strapaziert werden. Das Glas Chardonnay ist eine schöne Ergänzung dazu.

Der vegetarische Hauptgang ist eine kleine Augenweide. Goldgelb leuchtet der Gemüse-Couscous auf dem Teller, umrahmt von einem aufgeschäumten Sößchen aus Mango und Mandel. Von Zurückhaltend orientalisch gewürzt passt er gut zu dem schweren Rotwein, der dazu serviert wird. Optisch wird eine Fleischbeilage durch panierte Tomatenscheiben ersetzt, die für eine gewisse Saftigkeit sorgen.

Insgesamt ist das Menü so leicht, dass der Nachtisch ohne verdauungsbedingte Verzögerung eingenommen werden kann. Die geeiste Crème brûlée mit Lavendel, Waldbeeren und Biskuit erinnert an schöne Sommertage in Südfrankreich und ist ein gelungener Abschluss, begleitet von einem koffeinfreien Capuccino (2,50 Euro), natürlich aus fairem Handel.

-kopf

45657 Recklinghausen, Augustinessenstraße 10

Donnerstag, 6. März 2014

Aus dem Archiv: Loemühle - Wasser auf die Mühle

Der Text erschien erstmals in "Ruhrgebiet geht aus 2014/2015"
Das Restaurant gibt es nicht mehr.


Manchmal sind es die Kleinigkeiten, die ein Restaurant besonders exklusiv machen. Bei der Loemühle in Marl ist es das Mineralwasser. In den letzten Jahren wurde um das elementare Getränk in der Gastronomie ein ziemlicher Hype veranstaltet, je weiter weg die Quelle, desto teurer, schien da die Devise zu sein. Wie bodenständig gibt sich die Loemühle. Hier kommt das Wasser aus einer eigenen Quelle und wird in rustikalen Bügelverschluss-Flaschen nur im Restaurant serviert (1 l 5,90 Euro). Was für ein schönes regionales Alleinstellungsmerkmal!

Das geschichtsträchtige Anwesen wurde schon 1230 erbaut, seit fünf Jahren kümmert sich Peter Berkelmann als alleiniger Pächter um das Landhaushotel. Sein derzeitiger Küchenchef ist Sven Lindstedt, und der bringt nicht nur für die Hotelgäste eine kreative Frischeküche auf den Tisch. Brust und Keule von der Zitrus gebeizten Ente auf Lauch-Pflaumengemüse und Kartoffelkrapfen (23,50 Euro) ist einer der Klassiker des Hauses.

Auch bei den Einheimischen im Vest ist die Loemühle sehr beliebt. Beim überraschenden Testbesuch war der Laden so gut wie ausgebucht, und es war nur noch mit Mühe und Not ein Platz zu bekommen. An einer großen Tafel hatte z.B. eine Familie ihren Besuch aus Frankreich zum Menue-Karussell-Menü eingeladen, und es wurde leidenschaftlich übers Essen diskutiert. Niemand wusste, was Heilbutt auf französisch heißt, doch als das Gericht dann gebracht wurde, ging dem kulinarische versierten Gast aus Frankreich sofort ein Licht auf: „Ah, filétan!“

Ich zog es jedoch vor, à la carte zu speisen, aber das war nur bedingt eine richtige Entscheidung. Die Vorspeise war mehr als tadellos, ein Hechtmuffin auf süß-saurem Algensalat mit rotem Paprika-Pesto (9 Euro), eine erfrischende, aromatische Angelegenheit, bei der mich besonders der Algensalat überzeugte. Den Hauptgang, gegrillter Bauch vom Wiesenschwein mit cremigem Erbsenpüree und sautierten Baby-Möhren an kräftiger Portweinjus (18,50 Euro), musste ich leider zurückgehen lassen. Statt butterzart geschmortes „Wammerl“ gab es da zwei harte Fleischbrocken, denen weder mit Messer und Gabel noch mit den Zähnen beizukommen war. Aber hier zeigte sich die Größe des Hauses. Herr El-Araby, der zuvorkommende Kellner, legte in einer orientalischen Demutsgeste die Hand aufs Herz, bat um Verzeihung und brachte mir anstandslos das Gericht, das ich mir als Alternative ausgesucht hatte: Gegrilltes Steinbuttfilet an geschmortem Gemüse mit Knoblauchkartoffeln und Sauerrahmsauce (22,50 Euro). Der Edelfisch war auf den Punkt gebraten und hätte vielleicht etwas mehr salz vertragen, war aber mit den Beilagen eine gelungene Kombination. Und auch der offene Riesling vom Weingut Carl Loewen an der Mosel (0,2 l 5,80 Euro) war eine perfekte Begleitung.

Vollends versöhnte mich dann das Dessert, ein Tresterparfait mit Blaubeerkern an karamellisierten Babyäpfeln und Fruchtcoulis (7 Euro), das ein schöner Abschluss meines Abendessens was. So verließ ich die Loemühle doch recht glücklich, zumal ich für den zurück gegebenen Hauptgang selbstverständlich nichts bezahlen musste.

-kopf

45770 Marl, Loemühlenweg 221

Donnerstag, 4. August 2011

Gourmetmeile "Zu Gast in Recklinghausen": Biergartenstimmung vorm Rathaus

Rathaus Recklinghausen:
Alles München oder was?

Da hatten sie in Recklinghausen gestern Glück gehabt. Pünktlich um 18 Uhr, als Bürgermeister Wolfgang Pantförder das Fässchen Boente zur Eröffnung des „Genuss-Vestivals“ „Zu Gast in Recklinghausen“ anstach, kam nach einem kurzen Schäuerchen die Sonne heraus und der Himmel über dem Rathaus wurde weißblau. Und in kürzester Zeit herrschte Zelte-Karree der der acht Recklinghäuser Gastronomen (Übersicht hier) mit den zahllosen Bierbänken in der Mitte eine Biergartenstimmung, wie man sie sonst nur aus den einschlägigen Werbespots für bayerische Biere kennt. Die Gerstensaft-Auswahl war überwältigend: neben den Produkten der ortsansässigen Hausbrauereien Boente und Murphy’s entdeckte der Genießer die bajuwarischen Marken Franziskaner und Maisel’s, die Sonnenschirmaufdrucke kündeten von der gesamten bunten Bierwelt. Das Glas Weißwein, dass der Genießer probierte, stammt übrigens von der Recklinghäuser Weinhandlung Molitor und war ein gar nicht übler Rueda.

Eröffnung: Bürgermeister Wolfgang  Pantförder (links) sticht an

Wie in der Werbung: Biergartenstimmung

Illustre Gäste und kesse Bedienungen

Üppig, üppig: Scherrers Ente bei Suberg's

Geschlemmt wurde, dass sich die Bierbänke bogen und als gäbe es morgen nichts mehr. Absoluter Renner war „Scherrers Ente“ (8,50 Euro), die der Altmeister aber nicht selbst anbot, sondern über den Stand von Suberg’s. Weil der Genießer sie bereits aus Bottrop zur Genüge kannte, verzichtete er diesmal darauf, zumal der halbe gelackten Flattermann zum Aufpreis von 1,50 Euro auch noch mit Rotkohl und Klößen serviert wurde. Buff – genau das Richtige für den schwülen Sommertag! Aber das irritierte die Kundschaft nicht.

Oma Subergs Blaubeerpfannkuchen:
Frisch gemacht von der Enkelin

Überhaupt kommt der Genießer beim Gourmetmeilen-Hopping zu dem gefühlten Eindruck, je nördlicher eine Gourmetmeile im Ruhrgebiet stattfindet, desto größer werden die Portionen. Der Idee der Gourmetmeile gerecht wurden seiner Meinung nach die Events in Mülheim und Essen, wo es handwerklich komplizierte Gourmet-Gerichte in vorbildlicher Tapas-Größe gab, die das Durchschlemmen durch alle Stände einfach und überraschend machten, während hier, in Bottrop und in Herten einfachere Hausmannskost im Kantinenformat angeboten wurde, die niemand irritiert und schon beim ersten Teller satt macht. Preislich tun sich kleinen, edlen Schmankerln und die große, deftige Verpflegung übrigens nichts.

Hier wieder eine willkürliche kleine Auswahl an Gerichten, die der Genießer schaffte, gestern zu verdrücken:


Feierabendhaus: Knackiger Sommersalat mit Feigen, karamelliserten Macadamianüssen, Honig-Balsamico-Vinaigrette und Ziegenkäsepralinen (5,50 Euro). Salatgenuss wie zu Hause. Ein großer Haufen Salatmischung wurde mit schönen Zutaten aufgepeppt. Lecker und regional: Die Ziegenkäsepralinen stammen vom Hof Sondermann in Lembeck.


Ratskeller: Marinierte Hähnchenspieße mit Couscous und Minzjoghurt (5 Euro). Hier gab man sich orientalisch. Couscous und Sauce waren klasse, das Hähnchenfleisch trocken gegrillt und musste mit einem Glas Rueda von Molitor saftig gemacht werden.


Murphy’s Fish’n‘ Chips (6,50). Das irische Pub in Recklinghausen überzeugte durch britisches Fast Food. Der auf den Punkt ausgebackene saftige Seelachs wurde mit dicken Kartoffelstäbchen stilecht auf Zeitungspapier serviert. Dazu gab es Remoulade und H.P Sauce aus handelsüblichen Flaschen – irgendwie klasse.


Haus Breuing: Panna-Cotta-Crème (4 Euro). Üppige Portion, schön fertig im Glas zum Dessert.

„Zu Gast in Recklinghausen“ geht noch bis Sonntag, 7.8.2011. Infos hier.