Donnerstag, 30. November 2017

Kleinod im Ruhrtal: Gastronomie im Essener Golfclub Haus Oefte



Coole Gastronomen:
Maksim Zitnikov und Natalia Kocheskova

Wer als Normalsterblicher am Südufer der Ruhr zwischen Kettwig und Werden die Laupendahler Landstraße entlangfährt, lässt in der Regel das Zufahrtsschild zum „Essener Golfclub Haus Oefte“ am Straßenrand unbeachtet liegen. Dabei lohnt es sich, in die kleine gleichnamige Straße einzubiegen. Denn kaum hat man die blickdichte Begrünung hinter sich gelassen, öffnet sich der Blick auf eine schmucke Schlossanlage, von denen es an der Ruhr mehr zu geben scheint als man denkt. Hinter dem historischen Haupthaus, der sein heutiges Aussehen im 19. und in den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts erhielt, erstreckt sich auf den Ruhrhügeln das Green des Golfclubs und bietet den Spielern teilweise atemberaubende Ausblicke auf das Ruhrtal.

Haus Oefte: Märchenschloss am Wegesrand

Der Golfclub ist einer der exklusivsten seiner Art in der Region, und bislang war die Gastronomie des Hauses nur für Mitglieder zugängig. Unter dem langjährigen ehemaligen Betreiber Alexander Röder hatte die Küche eine Qualität erreicht, die auch unter Normalsterblichen Begehrlichkeiten erweckte. Jetzt hat such der Club entschlossen, auch fremde Golfreunde und Gourmetbegeisterte willkommen zu heißen.

Die Terrasse: Sogar in trüber
Novembernacht bezaubernd.

Und die kommen voll auf ihre Kosten. Nicht nur, das Haus Oefte mit seiner atemberaubendem Terrasse so zauberhaft daherkommt wie Schloss Hugenpoet ein paar Kilometer westwärts und die elegant eingerichteten Gasträume den Verlust der Résidence wettmachen können. Seit zwei Jahren ist Natalia Kocheskova die Pächterin, und mit Maksim Zitnikov hat sie einen Küchenchef am Herd, der mit Leib und Seele seinen Job macht. Das coole Gastronomepaar ergänzt sich ideal. Während Maksim in seinen Träumen in maximale Höhen aufsteigt, bringt Natalia ihn kurz und knapp mit charmantem Lächeln und dem unwiderstehlichen Blick einer Löwenbändigerin wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Exklusives Vereinsheim

Gelernt hat Makism sein Handwerk in der Schlossküche von Hugenpoet, war dann Souschef bei Erika Bergheim, um dann in die weite Welt der Sternegastronomie zu gehen. Er arbeitet im Hotel Traube-Tonbach in Baiersbronn, lernte bei Juan Amador Segnungen und Fluch der Molekularküche kennen (übrig geblieben ist davon seine Vorliebe fürs Sous-Vide-Garen). Zurück in Essen, betrieb er einige Zeit ein eigenes Restaurant in Rüttenscheid und ist heute froh, nichts mehr mit der Geschäftsführung zu tun haben zu müssen. Dafür hat er Natalia.

Allerdings liebt Maksim das Einkaufen und hofft, durch die Öffnung des Restaurants noch besser an noch frischere Zutaten zu kommen. Die sind das A und O seiner Küche, die er ungern mit einem Wort charakterisiert. Auf der einen Seite sieht er sich als Traditionalist (Maksim selbstzufrieden: „Ich komme aus Usbekistan und mache das beste Lammpilaw überhaupt.“ Natalia spöttisch: „Wirklich?“), andrerseits schätzt er die Präzision der Zubereitung aus der Sterneküche. Prätentiöses Chi-Chi beim Anrichten mag er nicht, was ihn aber nicht daran hindert, bei der Fischsuppe etwa eine Rotbarbe mit einem dreieckigen Stück Hummerfleisch als Hai zu verkleiden.

Die Karte in Haus Oefte ist ein Spagat zwischen hochwertiger Verpflegung für hungrige Golfspieler wie Flammkuchen (9,50 Euro) oder auch ein Wiener Schnitzel ohne weitere Beilage aus dem Kalbsrücken (16,60 Euro, „Für Holländer mit Senf“). Aber eben auch exklusive Gerichte, die man sich zu einem mehrgängigen Menü zusammenstellen kann. Die Preise sind erfrischend moderat. Bei aller Exklusivität befindet man sich in dieser Hinsicht durchaus immer noch in einem Vereinsheim.

Für ein intimes Arbeitsessen, das der Genießer mit zwei Kollegen hatte, tischte Maksim folgendes Menü auf. Als Gruß gab es hausgemachtes Gänserillette, den Edelfischeintopf von der Karte mit einer Aioli aus geräuchertem Knoblauch als Rouille-Ersatz (10,50 Euro), gebratene Gänsestopfleber mit Kaiserschmarren (statt Brioche) und Himbeersauce (16,50 Euro), Rinderfilet mit Steinpilzrisotto (24,50 Euro, steht mit Wintercouscous auf der Karte) und als Nachtisch eine Kugel Eierliköreis auf Beerenfrüchten, wie die kalorienbewussten Golf-Sportler ihr Dessert bevorzugen (1,50 Euro die Kugel Eis !). Auch die Weinbegleitung aus der umfangreichen Weinkarte war gut ausgewählt.

 Hausgemachtes Gänserillette

 Als Hai verkleidete Rotbarbe im Fischeintopf

Sündig: Gänsesstopfleber mit
Kaiserschmarren und Himbeersauce

Dazu gab es eine Riesling Spätlese

Kein Chi-Chi auf dem Teller:
Rinderfilet mit Steinpilzrisotto 

Dazu einen Barbera aus dem Piemont.

Eisvergnügen zum Dessert

Wer also noch für die Vorweihnachtszeit oder sogar fürs Fest selbst ein edles Ambiente für‘s erschwingliche Speisen sucht, sollte schleunigst bei Haus Oefte anrufen. Nach Weihnachten hat das Märchenschloss erst mal bis Ende Februar zu. Zum Start der Saison im Frühling ist man dann wieder am Golfball, und bei gutem Wetter wird auch die traumhafte Terrasse geöffnet sein.


 Der Meister in seinem Reich

Haus Oefte, Oefte 1 (Laupendahler Landstraße), 45219 Essen-Kettwig, Tel. 02054/9443998 Di- Fr 11-21 Uhr (Küche ab 12.00 Uhr), Sa, So, Feiertag 11 - 21 Uhr. www. oefte.com/gastronomie/

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