Montag, 19. Oktober 2020

Nachhaltige Küche in Bochum: Schreiner’s Essen+Trinken

Patron Andreas Schreiner in seinem Restaurant

Seit der grundlegenden Renovierung vor mittlerweile über 30 Jahren verbreitet das imposante wilhelminische Eckhaus Hattinger/Kulmer Straße durchaus so etwas wie Belle-Epoque-Atmosphäre in Bochum. Besonders die kleine Straßeneinfahrt links, an der der Außenbereich des Schreiner’s liegt, erinnert mit dem Treppenaufgang am Ende ein wenig an Montmartre – wenn sie nicht wie gewöhnlich zugeparkt ist. So wundert es nicht, dass die Lokalität im Erdgeschoss, die wohl einst als typische Eckkneipe geplant war, ein Stück Bochumer Gastrogeschichte geschrieben hat. Am längsten mit dem französisch inspirierten La Maison, dann folgten so bunte Projekte wie das russische Majakowkij, die Cocktailbar Spizz oder das Colonial. Seit 2014 bewirtschaftet Andreas Schreiner die Lokalität.

Ein wenig Montmartre an der Hattinger Straße

Was Andreas Schreiner auf den Tisch bringt, könnte man als bodenständige, europäisch inspirierte Frischeküche bezeichnen, steckte nicht auch noch ein leidenschaftliches gastro-politisches Engagement dahinter. Schreiner ist nicht nur Mitglied bei den Green Chefs, sondern auch einer von vier Vizepräsidenten der Köche-Vereinigung Euro-Toques Deutschland e.V. Euro-Toques, eine Zusammensetzung von Europa und dem französischen Wort für Kochmütze, wurde 1986 vom belgischen Drei-Sterne-Koch Pierre Romeyer als ein Zusammenschluss europäischer Köche gegründet, um gemeinsam für natürliche Lebensmittel einzustehen. Die deutsche Sektion musste sich nach Schwierigkeiten mit einem ehemaligen Vorsitzenden neu organisieren, woran Schreiner heute tatkräftig mitarbeitet. So war er maßgeblicher Mitorganisator des GTW (Gastro-Tage West) Summits auf der Essener Zeche Zollverein im September, eine der wenigen gastronomischen Fachveranstaltungen, die im Coronajahr 2020 stattfanden.

 

Das Lokal hat eine lange gastronomische Tradition

„Uns geht es um Nachhaltigkeit und Regionalität der Produkte, die in der Gastronomie verarbeitet werden“, erklärt Schreiner. Wichtig ist dabei auch, dass diese Produkte in den organisatorischen und wirtschaftlichen Ablauf eines Betriebs hineinpassen. Die Zusammenarbeit mit dem Handel steht dabei im Mittelpunkt, aber auch Weiterbildung und Aufklärung. So organisiert Euro-Toques seit einiger Zeit Jahr die frühere Bezirksmeisterschaft der Köche im Bochumer Alice-Salomon Berufskolleg.

Das Mittagessen, zu dem Andreas Schreiner den Genießer einlud, war ein kleiner Streifzug durch seine engagierte Küche. Die herzhaften, z.T. mit spielerischer Kreativität veränderten Traditionsgerichte machten deutlich, inwieweit ein regionaler und nachhaltiger Anspruch in einem professionell geführten gastronomischen Betrieb umgesetzt werden kann.

Ein Mittagessen im Schreiner’s
15.10.2020


Traditionslimo neu aufgelegt:
Bevor Sinalco eine Weltmarke wurde, hieß es Bilz Brause,
nach einem sächsischen Naturheilkundler.

Münsterländer Blutwurst trifft Jakobsmuschel auf Kartoffel-Meerettichstampf
mit Schreiner ́s Apfel-Quitten-Kompott
Gleich zu Beginn kam mit dieser Varitiion des Klassikers Himmel und Äd auch der Favorit des Genießers. Die kross gebratene Blutwurst war in Zusammenhang mit dem Meerrettichkartoffelstampf sensationell. Die Jakobsmuschel brachte noch ein gewisses Extra.


Teigtaschen gefüllt mit Pecorino und Feige in Pinienkernbutter geschwenkt mit sautiertem Babyspinat, gerösteten Walnüssen, geriebener Parmesan und Wildkräutergrün
Die vegetarischeHauptgang- Alternative zeigte, wie groß der Itaalienische Einfluss auf die deutsche Küche ist. Lustig: lilafarbenes Kroepoek als Garnitur.


Braten vom Thüringer Durocschwein mit Rübenkraut-Bier-Sauce, Kartoffelklößen, Rotkohl und Schreiner’s Apfelkompott

Ein Klassiker der deutschen Hausmannskost. Der Braten war herrlich saftig.

 Dazu ein Gläschen Nero d'Avola

 

Mousse von der belgischen Zartbitterschokolade mit eingelegten Kirschen


Schreiner’s Essen + Trinken. Hattinger Str. 103, 44789 Bochum. Tel 0234/41482872. Di-So 12-15 Uhr und ab 17Uhr. www.schreiners-bochum.de

Der Genießer bedankt sich für die Presseeinladung.

Sonntag, 18. Oktober 2020

Herbstvergnügen: Gorgonzola-Radicchio-Risotto mit Balsamicobirne, Steinpilzen und Walnüssen (vegetarisch). Dazu ein 18 Jahre alter Barolo.


Der Genießer findet, dass Restaurantbesuche äußerst inspirierend fürs Selber-Kochen ist. Das Presseessen im „La Mozzarella Da Bruno“ vor einigen Tagen in Dortmund war so ein Erlebnis (klick hier). Unter anderem wurde eine Vorspeise serviert, die mir nicht aus dem Kopf ging: Gebratener Radicchio mit Gorgonzolasauce. Mir war sofort klar, dass ich das nachkochen wollte.

Damit es nicht nur gut schmeckte, sondern auch gut aussah, wollte ich Radicchio Trevisano Tardivo verarbeiten, die pittoreske flammenförmige Varietät des roten bitteren Salats. Ein sicher Bank, den zu bekommen, ist das FrischeParadies in Essen, und so machte ich mich auf den Weg. In der Gemüseabteilung des Feinkostmarktes sprangen mir aber auch hübsche kleine Steinpilze ins Auge, bei denen sofort klar wurde, warum sie im Italienischen porcini heißen, Schweinchen. Auch Walnüsse gab es als lose Ware, und so nahm ich von beidem je eine Handvoll mit. Und natürlich auch einige von den schönen roten italienischen Williamsbirnen.

Balsamicobirne (vorn)

 
Steinpilze

 
Radicchio, Walnüsse, Risotto

Und aus der einfachen Vorspeise mit zwei Komponenten wurde ein Hauptgericht: Gorgonzola-Radicchio Risotto mit Steinpilzen und einer extra Portion geschmortem Radicchio. Als dritte Beilage schwebten mir die Birnen vor, die ich in einem pikanten Balsamico-Portweinsud schmoren wollte. Schöner konnte ich den piemontesischen Herbst nicht auf meinen Balkon bringen: Sahnig süß und bitter pikant.

 
Der Wein

Ein passendes Getränk dazu war natürlich ein Barolo. Ich wühlte ein wenig in meinen Regalen im Keller und fand tatsächlich eine Flasche des Jahrgangs 2002 von der Genossenschaft Terre del Barolo. O Mann, dachte ich, als der Wein gelesen wurde, war ich noch keine 47! Es war kein großer Barolo, sondern die Einstiegsqualität der Genossenschaft, die um die 10 Euro in Supermärkten verkauft wurde. Dafür hatte der der Wein die 18 Jahre, die er auf dem Buckel hatte, prächtig überstanden. Zwar verflog sich die wunderbare Duftwolke, die der Flasche beim Öffnen verströmte, ziemlich rasch. Übrig blieb aber ein trinkbarer, farbenprächtiger Wein, dem zwar nichts von der Morbidität anhaftete, die alten Barolos nachgesagt wird, der aber mit seiner frischen Säure meinem sahnigen Gericht als Begleiter ziemlich guttat.

Die Zutaten


Rezept: Gorgonzola-Radicchio-Risotto mit Balsamicobirne, Steinpilzen und Walnüssen
Zutaten für 4 Portionen

Balsamicobirnen:
2 Williamsbirnen
0,2 l Portwein
4 EL Balsamicoessig
3 Nelken
1 Stück Zimtstange
2 Ecken Sternanis
½ TL schwarze Pfefferkörner
Für die Reduktion:
½ Schalotte, fein gewürfelt
2 kleine Steinpilze oder eingeweichte getrocknete Steinpilze, fein gewürfelt
Pfeffer, Salz, Zucker oder Johannisbeergelee zum Abschmecken
Kalten Butter zum Montieren..

Am Vortag Willamsbirnen schälen, halbieren und das Kerngehäuse entfernen. Portwein und Balsamico zum Kochen mit den Gewürzen zum Kochen bringen. Birnenhälften hinein geben , ggf mit kochendem Wasser auffüllen, bis die Birnen bedeckt sind. Bei kleiner Flamme je nach Reifegrad 20-30 Minuten weich kochen, ohne dass sie zerfallen. Abkühlen lassen und im Sud über Nacht stehen lassen.
Am nächsten Tag die Birnen aus dem Sud nehmen. Sud durch ein Sieb gießen. In einem Topf Schalotten- und Steinpilzwürfel in Butter anschwitzen. Sud hinzugeben zu zur Hälfte einreduzieren lassen. Mit Pfeffer, Salz und Johannisbeergelee bzw. Zucker abschmecken. Mit kalter Butter montieren.

Steinpilze, Radicchio. Walnüsse:
16 kleine Steinpilze
1 Knoblauchzehe
1 Zweig Estragon
1 großer Radicchio Trevisano Tardivo
Pfeffer, Salz
4 Walnüsse
Olivenöl

Steinpilze putzen und in gleich dicke Scheiben schneiden. Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen. Knoblauchzehe, Steinpilzscheiben und Estragonzweig hinzugeben und anbraten, pfeffern und salzen. 3 EL Wasser hinzugeben, ein Stück Alufolie darauf drücken. Deckel auflegen und 15 Minuten bei kleiner Flamme braten lassen. Nach der halben Zeit einmal wenden und weiterbraten. Wenn die Pilze fertig sind, herausnehmen und warm stellen.
Radicchio langs in vier Teile teilen. Pfeffern und salzen und in der Pfanne braten. Aufpassen, dass der Radicchio nicht zu viel Frabe verliert und nicht unansehnlich wird. Herausnehmen und warm stellen.
Walnüsse knacken und die Kerne in der Pfanne leicht anrösten. Warmstellen.

Gorgonzola-Radicchio-Risotto:
2 Tassen Risottoreis
2 Schalotten
1 Knoblauchzehe
1 guter Schuss Weißwein
1 l kochende Gemüsebrühe
1 Radicchio Trevisano Tardivo
100 g Gorgonzola
Pfeffer, Salz, Butter

Schalotten und Knoblauch fein würfeln. Butter in einem Topf erhitzen, Schalotten- und Knoblauchwürfel darin anschwitzen. Reis zugeben und ebenfalls anschwitzen. Mit Weißwein ablöschen und den Wein verdunsten lassen. Mit Brühe bedecken und köcheln lassen. Brühe nach und nach dazugeben, bis der Reis nach 17 Minuten gar ist.
In der Zwischenzeit den Radicchio in kleine Stücke schneiden. Kurz vor Kochende zum Reis geben, unterrühren und kurz mitkochen. Topf vom Feuer ziehen. Gorgonzolastücke unterrühren, bis sie schmelzen. Evtl. noch etwa Butter dazugeben und schmelzen lassen. Mit Pfeffer und Salz abschmecken.

Gorgonzolasauce:
0,2 l Gemüsebrühe
0,1 l Weißwein
0,1 l Sahne
100 g Gorgonzola
Pfeffer, Salz, Zucker
½ TL Speisestärke

Brühe, Wein und Sahne aufkochen, Gorgonzola in Stücken hinzufügen und schmelzen lassen. Mit Pfeffer, Salz und Zucker abschmecken. Speisestärke anrühren, dazugeben und aufkochen, bis die Sauce dicklich wird.

Anrichten:
Birnenhalften in der Pfanne anwärmen, fächerförmig aufschneiden, so dass die Schnitten an der Spitze noch zusammen halten. Auf großen Tellern ein Spiegel Gorgonzolasauce ausstreichen. In der Mitte mit einem Servierring eine Portion Risotto setzen. Gebratenen Radicchio, Steinpilze und Birne darum anrichten. Risotto mit Walnusskernen garnieren. Alles vorsichtig mit Balsamicoreduktion beträufeln. 



Dienstag, 13. Oktober 2020

Italienische Region Dortmund: La Mozzarella Da Bruno

Gastronomisches Urgestein: Bruno Rossi und Sohn Marco

Wer sich ein wenig für die italienische Küche interessiert, weiß, dass sie aus einer ausgeprägten Sammlung von regionalen Spezialitäten besteht. Anders als etwa in Deutschland, besann man sich bei der Gründung des modernen italienischen Staats Mitte des 19. Jahrhunderts auf die Küche der Regionen als ein kulinarisches Fundament des Nationalbewusstseins. So entstand eine Vielzahl an Gerichten mit Zutaten, die es ursprünglich nur an bestimmten Orten gab; allein die Nudelformen, die überall entstanden waren, kann man kaum zählen.
 
Der Cocktail vorweg

So ist es kein Wunder, dass hierzulande in den italienischen Restaurants mit ihrem Pizza-Pasta-Fleisch-Fisch-Tiramisu-Einerlei meistens nicht die authentische Vielfalt der italienische Küche angeboten wird, sondern vor allem die Urlaubserinnerungen der deutschen Gäste aufgewärmt werden. Umso mehr freute sich der Genießer, als er bei einem Presseessen gemeinsam mit Silke Albrecht von „Mein (kulinarisches) Dortmund“, Tom Thelen von „Dortmund geht aus“ und Michael Alisch von „Feine Adressen“ in Bruno Rossis kleinem Restaurant „La Mozzarella Da Bruno“ ein Dutzend authentisch anmutende italienische Regionalgerichte serviert bekam.

Wobei er zuerst etwas schmunzeln musste. Nicht etwa, dass der quirlige Maestro seine Leidenschaft fürs regionale Kochen bei der Nonna in Italien entdeckt hätte – nein, Bruno erzählte, dass er vor 50 Jahren als sehr junger Mensch aus Pescara in den Abruzzen nach Dortmund kam, erst einmal eine Lehre als Bäcker und Konditor machen wollte, die abbrach und dann das Kochhandwerk ausgerechnet in einem Kurs an der IHK Dortmund lernte. Vor 42 Jahren machte er sich selbstständig und betrieb mehrere Restaurants in Dortmund und Lünen, darunter bis Anfang der 1990-er Jahre „La Lumaca“ in der Nordstadt, wo er einer der ersten Italiener im Ruhrgebiet war, die den Pizzaofen aus der Küche verbannten. 
 


La Mozzarella Da Bruno in Wellinghofen

Sein Faible für die Regionalküche entdeckte er durch einen Koch aus Neapel, der bei ihm arbeitete. „Ich war zwar der Chef“, räumt Bruno ein, „aber in dieser Hinsicht ordnete ich unter“. Eine Zeitlang gin Bruno zurück nach Italien, bis ihn sein Bruder Massimo bat, „La Mozzarella“ wieder auf Vordermann zu bringen. So heißt der kleine Laden mit der schmalen Terrasse auf dem noch schmaleren Bürgersteig an einer verkehrsumbrandeten Straßenecke im ansonsten kleinstädtisch anmutenden Dortmunder Stadtteil Wellinghofen seit acht Jahren „La Mozzarella Da Bruno“; mittlerweile ist auch Brunos Sohn Marco ins Geschäft eingestiegen. Trotz der eleganten Renovierung hat das Restaurant nichts von seinem engen, bodenständigen Trattoria-Charme verloren. 
 
Frisch renoviert

Was die Küche der beiden auf die Teller zauberte, war einfach überwältigend. Alles war handwerklich tiptop, Kurzgebratenes wie Lammkoteletts und die eingelegte Meeresfrüchte butterzart, Geschmortes wie Ossobuco fiel vom Knochen. Abgeschmeckt waren die Gerichte vorzüglich, besonders die überbackenen Muscheln überzeugten durch die präzise hinzugefügte Dosis Knoblauch. Dazu empfahl Bruno zwei vorzügliche Weine, einen sizilianischen Grillo und einen Montepulciano aus seiner Heimat Abruzzen. Und natürlich konnte Bruno jede Region benennen, aus der das jeweilige Gericht stammte. Nur bei den Meeresfrüchtesalaten habe ich vergessen es aufzuschreiben, doch ich tippe auf Venetien oder Ligurien. 


Das Menü der italienischen Regionen bei Bruno
6.10.2020 

 

Die Weine des Abends
 

Abruzzen
Gegrillte Paprikaschoten mit eingelegter Makrele und Spargel
Köstliche Kombi


Friaul
Radicchio Trevisano mit Gorgonzolasauce
Ein Symphonie in würzig, bitter und süß



Neapel
Melanzane alla parmigiana
Auberginenauflauf, optisch unscheinbar, auf der Zunge ein Gedicht



Abruzzen
Überbackenen Muscheln
Perfekt abgeschmecktes Gratin



Ligurien
Pulpo-Kartoffel-Salat mit eingelegtem Fenchel
Deftig-zarte Kombination


Venetien
Bohnen und Linsen mit Meeresfrüchten
Was für ein Mundgefühl



Kampanien
Spaghetti Vongole
Ein Klassiker

 

Neapel
Calamarata mit Oktopus
Calamarata heißen die Nudeln

 
 

Sizilien
Pasta alla Norma mit Auberginen und gesalzenem Ricotta
Gesalzener Ricotta!
 
 
 


Adria
Brodo di pesce
Fischsuppe mit Muscheln 
 
 
  
Abruzzen
Lammkotelett mit Polenta
Extra cremige Polenta



Lombardei
Osso buco
Fleisch, das vom Knochen fiel, herzhafetes Mark



Toskana
Kaninchen geschmort mit Pinienkernen und Kartoffeln
Zarte Versuchung des Rustikalen



Abruzzen
Lammrücken mit Kräutern
Aromenvielfalt der Extraklasse


Dortmund
Weincrème mit Himbeeren nach Brunos Hausrezept


Der Absacker

 
La Mozzarella Da Bruno. Preinstr. 88, 44265 Dortmund. Tel. 0231/479948. Tägl. 12-23 Uhr, So 13-22 Uhr. Mi Ruhetag. www.mozzarella-bruno.de

Der Genießer bedankt sich für die Presseeinladung.

Sonntag, 11. Oktober 2020

Gestern bei Mama revisited: Möhren durcheinander (vegetarisch)


Seit fast zwei Wochen vegetierte ein Packung bunter Möhren in meinem Gemüsekorb vor sich hin. Vor lauter Restaurantterminen war ich bislang einfach nicht dazu gekommen sie zuzubereiten. Als ich sie jetzt aufriss, stellte ich fest, dass die meisten der normal orangen, gelben und rot-violetten Möhren noch ziemlich knackig waren. Und so kam ich auf die Idee, das alte Mama-Rezept „Möhren durcheinander“ mal wieder aufzuwärmen.


Bunte Möhen

Doch ich unterzog es einer gründlichen Revision. Schweren Herzens beschloss ich, auf die Brühe aus Schweinbauch als Grundlage zu verzichten und eine vegetarische Version zu erstellen. Mama liebte das zarte gekochte Fleisch über alles. Sie briet es immer kurz an, um dann daraus eine deftig gewürzte Brühe zu kochen, die dem Gericht aus je einem Teil Möhren, Zwiebeln und Kartoffeln eine wunderbare Herzhaftigkeit zu verlieh. Ich verwendete eine kräftige Gemüsebrühe und versuchte, das Manko des fehlenden Fleischgeschmacks durch andre Umami-Quellen wettzumachen. Also schmeckte ich den fertigen Eintopf nicht nur wie Mama mit Pfeffer und Salz ab, sondern zusätzlich noch mit Senf, Sojasauce und Curry. Zudem kochte ich ein Stück Orangenschale, zwei Lorbeerblätter und ein Gewürzsäckchen mit Pfeffer- und Pimentkörnern und Nelken mit. Das Ergebnis konnte sich schmecken lassen.


Rezept: Möhren durcheinander (vegetarisch)

300 g Zwiebeln, fein gewürfelt
300 g Möhren, klein gewürfelt
300g Kartoffeln, klein gewürfelt
1 kleine Petersilienwurzel
½ TL Curry
1 Streifen Schale einer ungespritzten Bio-Orange
Gewürzsäckchen aus 1 TL schwarzen Pfefferkörnern, ½ TL Pimentkörner, 2 Nelken
1-2 Lorbeerblätter
1/2 l kräftige Gemüsebrühe
Etwas Zucker
Salz, Pfeffer,
1-2 TL Senf

Zwiebelwürfel in etwas Zucker karamellisieren und andünsten. Curry mitrösten.. Möhrenwürfel und Kartoffelwürfel hinzufügen. Mit Gemüsebrühe aufgießen, Gewürzsäckchen, Lorbeerblätter und Orangenschale dazugeben und alles ca. 30 Minuten köcheln lassen lassen, bis die Kartoffeln gar und die Möhren weich sind. Mit Salz, Pfeffer, Sojasauce und Senf abschmecken. Zum Servieren Lorbeerblätter und Orangenschale herausfischen.

Zum Original-Mama-Rezept hier klicken.

Samstag, 10. Oktober 2020

Genießers Kochkurs: 3 Burger lecker

Zwiebel-, Linsen- und Bouillabaisse Burger
 
Es war fast wie eine Heimkehr, als der Genießer gestern wieder die Lehrküche der VHS Herne betrat. Das letzte Mal war er vor fast einem Jahr hier (klick hier); im Frühjahr waren dann wegen Corona alle Kurse ausgefallen. Doch jetzt im Herbst ging es mit einem entsprechenden Hygienekonzept der VHS wieder los.

Kochkurs in Corona-Zeiten
 
Sicher, mit Mund-Nasen-Schutz, Einweghandschuhen und Einmeterfünfzig-Abstand zu kochen schien auf den ersten Blick nicht besonders attraktiv. Aber die Reduzierung der Teilnehmerzahl machte das wieder wett. Unter normalen Umständen sorgen 16 Teilnehmer in der Lehrküche für lärmige Bahnhofshallenatmosphäre. Gestern waren pandemiebedingt aber nur sechs Gestalten mit Masken vor dem Mund und ein Kursleiter da, und entsprechend ruhig und konzentriert lief das Kochen ab.

Patty-Zutaten für den Zwiebelburger: Schweinebauch und Rindergulasch
 
Patty-Zutaten für den Bouillabaisse Burger: Dorade, Heilbutt, Garnelen
 
Wieder einmal ging es um hausgemachte Burger. Aus seinem umfangreichen Fundus hatte der Genießer drei Rezepte herausgesucht, die sich in den vorherigen Kursen besonders bewährt hatten. Je zwei Teilnehmer nahmen sich ein Rezept vor und bereiteten sieben Exemplare für die davon dazu, damit jeder jeden Burger probieren konnte. 

Teig für die Buns wird angerührt
 
Die Burger werden gebaut
 

Ein hausgemachter Burger ist eine durchaus aufwändige Angelegenheit. Pattys (Frikadellen), Buns (Brötchen), Saucen, Slat- und Gemüsebeilagen wurden alle selbst gemacht, das Fleisch selbst durch den Wolf gedreht, der Teig selbst geknetet. Niemand hatte große Routine darin, gab aber sein bestes. Und so kamen zum Schluss ganz hervorragende, saftige und schön anzusehende Exemplare heraus, die allen zudem auch noch hervorragend schmeckten. (Nebenbei bemerkt: Zum Essen durften die Masken natürlich abgenommen werden.)

Hier die Ausbeute des Kurses


Zwiebelburger

nach der WDR-Sendung „Lecker an Bord
Patty: Fleisch vom Biorind und etwas Schweinebauch, gewürzt mit gerösteten Zwiebeln und dem Curry „GOA“
Bun: Mit Dinkel- und Roggenmehl und Honig
Sauce: Joghurt-Mayonnaise
Auflagen: gebratene Baconscheiben, Zucchini, Avocado.
Zum Rezept hier klicken


Bouillabaisse Burger
Patty:
Dorade, Wolfsbarsch und Garnelen, gewürzt wie in der Provence u.a. mit Orangenschale
Bun: Nach Art eines provenzalischen Safranbrotes, bestreut mit Lavendelblüten
Saucen: Rouille (Knoblauchmayonnaise mit Safran, Pistou (Pesto aus Basilikum)
Auf Tapanade wurde diesmal verzichtet.
Gemüse: gebratene oder gegrillte Fenchel- und Tomatenscheibe
Zum Rezept hier klicken


Vegetarischer Rote-Linsen-Burger

Patty: Aus roten Linsen, orientalisch gewürzt mit Kreuzkümmel, Cayennepfeffer u.a.
Bun: Der Teig war dem türkischen Fladenbrot nachempfunden und mit Sesam bestreut
Salsa: Pico de Gallo
Gemüse: Marinierter Rucola
Käse: Feta
Zum Rezept hier klicken


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