Freitag, 24. Juli 2026

Gourmetmeilen 2026: Kulinarischer Treff an der Ruhr in Mülheim gestartet


Durch das frühe Aus der deutschen Mannschaft während der Fußballweltmeisterschaft war es eigentlich gar nicht nötig gewesen, die Ende Mai begonnenene und im Juni sporadisch fortgesetzte Gourmetmeilensaison 2026 so lange zu unterbrechen. Es gab ja keine Spiele mehr, die die Fans davon hätten abhalten können, die kulinarischen Freiluftveranstaltungen zu besuchen. Doch jetzt, mit dem Start der Sommerferien, ging die zweite Runde mit dem „Kulinarischen Treff an Ruhr“ los.

In Mülheim zu Gast: Julia Mair von der Gärtnerei/Fleischerei in Essen 
und Yavuz Cagretekin vom La Turka in Düsseldorf

Mittlerweile ist die Spritztour nach Mülheim ein lieb gewonnene Tradition für uns geworden. Sie findet immer am ersten Tag der Veranstaltung statt, und wir sehen zu, dass wir sofort, wenn die Stände am Nachmittag öffnen, vor Ort sind. Dann, wenn die Mülheimer noch gar nicht richtig mitgekriegt haben, dass der „Kuli-Treff“ wieder los geht, ist die Meile unter den grünen Bäumen auf die Wiese an der Ruhr ein geradezu idyllisches, heiteres Gartenfest. Anders als etwa samstags oder sonntags, braucht man an den Ständen noch nicht großartig Schlange zu stehen, um etwas zu bekommen, und ein Plätzchen zum gemütlichen Essen ist auch noch leicht zu finden.



Heimspiel: Borislav und Vladimir Veselinov 
vom Spices 1822 in Mülheim

Insgesamt elf Gastronomien sind in diesem Jahr vertreten, darunter Mülheimer Schwergewichte wie das Walkmühlen-Restaurant und sein Ukraine-Zelt, Spices 1822 und Café Leonardo. Aus Düsseldorf lässt es sich La Turka nicht nehmen, sein Zelt aufzuschlagen. Früher hatte ich an dieser Stelle öfter mal darüber gelästert, dass so viele Essener Restaurants auf der Mülheimer Veranstaltung vertreten sind. In diesem Jahr aber, in dem „Essen...vewöhnt“ anscheinend endgültig zu Grabe getragen wurde (klick hier), stillt der Kulinarische Treff in Mülheim ein wenig die Sehnsucht nach den guten alten Zeiten. Immerhin sind vier Essener Veteranen mit von der Partie: das unverwüstliche Gummersbach, die Alte Metzgerei, Bliss und erstmalig die Gärtnerei/Fleischerei.

Bei angenehmen 23 Grad und bezauberndem Sonnenschein versuchten der Genießer und sein Slow-Food-Kollege Jochen, sich durch das Angebot zu futtern. Hier das Ergebnis unserer Gourmandise.

Kulinarischer Treff an der Ruhr
Mülheim, 23.7.2026 

 


Walkmühlen-Restaurant
Frische irische Felsenaustern mit Schwarzbrot und frischer Zitrone
3 Stck. 8 Euro
Schade, dass Kollegin Silke aus Dormund nicht dabei sein konnte. Diese Einstiegsmahlzeit wäre für sie obligatorisch gewesen. Allerdings, es gab nur Prosecco (4,50 Euro das Glas) dazu. Champagner scheint man als Austern-Begleitung nicht zu kennen.



Walkmühlen-Restaurant
Oktopus vom Grill
auf erfrischendem Salatbouquet 15 Euro
Fast schon Tradition bei unseren Besuchen auf dem Kulinarischen Treff. Auch diesmal war der Oktopus fantastisch gegrillt, sehr zart und auch knusprig, mit animierendem Rauch-Aroma. Mit den Beilagen eine üppige Hauptmahzeit, so dass man fast nichts anderes mehr brauchte.


Bliss
Pulpo-Tempura
Teriyaki-Rothohl / Wasabicreme
8 Euro
Tintenfisch auf japanisch im direkten Vergleich zur Walkmühle. Der Pulpo im knusprigen Tempura-Teig war schmelzend zart. Der mit Teriyaki-Sauce marinierte Rotkohl war im Gegensatz zur deutschen Tradition erfrischend unsüß und salzig. Ein schöne Vorspeise.



Bliss
Risotto von Fregola Sarda 
Ratatouille, Basilikum-Pesto und Parmesan
12 Euro
Im Bliss können sie nicht nur japanisch, sondern auch italienisch. Fregola Sarda sind kleine, kugelförmige Nudeln, die man wie Risotto kocht. Auf den ersten Blick exotisch, entpuppte sich der Teller als ein nur wenig irritierendes Nudelgericht.


Gummersbach
Jakobsmuscheln
Safransauce, Blattspinat, Noilly Prat
15 Euro
Wie der Oktopus im Walkmühlen- Restaurant, sind die Jakobsmuscheln bei Gummersbach ein alljährliches Muss. Diesmal ganz klassisch mit Safran und Wermut.



Gärtnerei/Fleischerei
Mini-Romanasalat-Herzen „Ceasar's Style“
mit Zitrone, Parmesan-Crisp, Rosmarincoutons
und knusprigem Feta und Erdbeere
8 Euro
Hezhaft-Pikante Geschmackskombi: Der Feta im knusprigen Yufka-Teig und gedörrte Erdbeeen ergänzten die saftig geschmorten Salatherzen.



Gärtnerei/Fleischerei
Onsen-Ei
mit dreierlei Blumenkohl und Trüffelschaum
11 Euro
Die butterweiche gaumenschmeichelnde Konsistenz des bei niedriger Temperatur langsam gegarten Eis und des pürierten Blumenkohls wurde von kackigen, fast rohen Röschen von rotem Blumenkohl konterkariert. Der Trüffelschaum sorgte für aromatischeTiefe.



La Turka
Lava Cake, Bourbon
Vanille-Eis, Waldfruchtspiegel
7 Euro
Der flüssig gefüllte Brownie und das Eis bildeten ein klassisches Dessert von orientalischer Baklava-Süße.



Hüftgold
Himmlischer Rhabarber
XL-Kugel Rhabarber-Eis auf marinierten Erdbeeren
7 Euro
Ein herrlich einfaches, erfrischend süß-saures Sommer-Dessert.

Der Kulinarische Treff an der Ruhr in Mülheim (Auf dem Dudel) geht noch bis 26. Juli. Alle Infos hier.

Sonntag, 19. Juli 2026

Regionale Produzenten: Tomaten und anderes von Babkus in Herdecke

Unbeauftragte und unbezahlte Werbung



Obwohl der Supermarkt EDEKA Burkowski im Westtor Center an der Bochumer Alleestraße seit Jahren mit einer ewigen Baustelle vor der Tür zu kämpfen hat, ist er der Devise, in seinem Angebot einen Schwepunkt auf regionale Produzenten legen, treu geblieben. So präsentierte er vor drei Wochen im Rahmen des „Tages der Lokalität“ über 20 verschiedene Manufakturen, Landwirte und Produzenten „von umme Ecke“. Unter anderem gehörte auch die Gärtnerei Babkus aus Herdecke dazu.




Über 25 verschiedene Tomatensorten bauen dort Babette und Markus Seim auf dem Schnee an. Begonnen hat alles als Liebhaberei im Jahr 2010, doch mittlerweile hat sich daraus eine Firma mit verschiedenen Standorten entwickelt. So schön es es ist, dass man das ein oder andere ihrer Produkte im Bochumer Supermarkt bekommen kann, trotzdem bekam ich große Lust, den Hofladen, den es seit 2021 gibt, an der Wittener Landstraße in Herdecke zu besuchen.


Olivenöl mit eigenem Label aus Apulien




...Gewürzsalz...


...und Mandelspzialitäten aus Mallorca


Ein wenig aufpassen musste ich trotz Navi-Einsatz doch, um die kleine Einfahrt gegenüber des Restaurants Haus Huster nicht zu verpassen. Doch dann bot sich mir der Blick auf eine recht imposante Anlage des „Treibhauses 34“. Ein großer Teil der ersten Abteilung ist zu einem Verkaufsraum ausgebaut. Hier werden den verschiedenene Tomatensorten, so wie sie gerade reif sind, aber auch noch anderes Gemüse, Beerenobst und Kartoffeln aus eigener Produktion angeboten. Darüber hinaus vertreibt Babkus Orangen, Zitronen und Mandelspzialitäten sowie Gewürzsalze von mallorquinischen Produzenten. Eine exklusive Olivenöl-Edition aus dem süditalienischen Apulien trägt den Namen Babkus als eigenes Label. Vor der Kulisse der Tomatenpflanzen gibt es sogar eine Lounge zum Chillen, wo ich die Gazpacho, die eisgekühlte spanische Gemüsesuppe, die Mitarbeiterin Steffi aus den hofeigenen Produkten zubereitet hatte, probieren konnte.





Die Lounge im Treibhaus: 
Hausgemachte Gazpacho von Mitarbeiterin Steffi

Ich deckte mich mit verschiedenen Tomatensorten wie Ochsenherz, Schwarzer Muck und verschiedenfarbige „Tröpfchen“ ein; dazu nahm ich noch eine Handvoll von der Blauen Hilde mit, eine blaue Stangenbohne, die beim Kochen aber grün wurde, zwei Minigurken „Freche Lotti“ und je ein Körbchen köstliche Aprikosen und Erdbeeren.



Tomate Schwarzer Muck
 

Stangenbohne Blaue Hilde



Beim Kochen der Blauen Hilde für
den Salat wurde die Bohne grün.


Babkus – Treibhaus 34. Wittener Landstraße Wittener Landstraße 34, 58313 Herdecke. Tel. 01 72. 367 77 09. Mi 9-18.30 Uhr, Sa 9-14 Uhr. https://babkus.de/treibhaus-34/

Dienstag, 14. Juli 2026

Duisburg: 2. Kulinarisches Laufhaus 2026 in der Faktorei21 im Innenhafen

Christian Krüger (rechts) und Mitorganisator Andreas Schmitt (Gastronomy Innovation Hub)

Alle guten Geister, die das Laufhaus organisierten.

Vielleicht erinnert sich ja noch jemand daran, aber der legendäre Tatort-Kommissar Horst Schimanski war jene Ikone der populären Kultur, die in den letzten 45 Jahren das Image von Duisburg prägte wie keine andere. In seinem kulinarischen Verhalten gab es einen klischeehaften klassenkämpferischen Reflex: Immer, wenn der notorische Currywurst-Esser im Rahmen einer Ermittlung ein Fine-Dining-Restaurant betreten musste, explodierte der Rüpel in ihm und am Ende war der Laden komplett zerlegt.


Versöhnliches Food-Pairing: Champagner und Currywurst

Ich weiß nicht, ob Christian Krüger von der Faktorei21, die Duisburger Traditionsfleischerei Sieveneck und der „Champagner Club“ um Corinna Dosch und Rafael Mittmann an Schimanski dachten, als sie als Food-Pairing-Highlight für die zweite Ausgabe des Kulinarischen Laufhauses „Currywurst & Bubbles“ kreierten. Immerhin, der Zusammenprall zweier Genusskulturen konnte kaum versöhnlicher gestaltet werden wie bei dieser Kombination von Currywurst und Champagner und hätte, wenn schon nicht den Kommissar Schimanski, aber bestimmt seinen Darsteller Götz George begeistert. Und natürlich auch die Gäste der Faktorei21, auf deren Speisekarte dieser Gaumen-Twist demnächst stehen wird.



Laufhaus-Chef Christian Krüger...

... zieht sich ...



...den "Italian Hand Job" (Rinderfilet mit Trüffelmayo Oliehoorn und Crunch) ...



... des ehem. Sternekochs Renato Manzi rein.

Bereits im letzen Jahr hatte das „Kulinarische Laufhaus by Christian Krüger“ gezeigt, welch beeindruckendes gastronomische Potenzial Duisburg und der Niederrhein haben. Bei der diesjährigen Ausgabe am 12. Juli wurde das Areal des Genussfestivals in und an Krügers Restaurant Faktorei21 noch einmal beträchtlich erweitert, so dass im Duisburger Innenhafen wahrhaftig eine Gourmetmeile für einen Tag entstand. Mehr als 30 Spitzenrestaurants, Gastronomielieferanten, Wein-, Spirituosen- und Lebensmittelproduzenten waren mit Ständen vertreten. Obwohl das Ganze natürlich nicht ganz so groß dimensioniert war, wurde ich in vielerlei Hinsicht für den Verlust der „Gourmedo“ in Dortmund entschädigt, die in diesem Jahr ausfallen musste. Wie auf dieser Spitzengourmetmeile war allein die Anzahl der Sterne- und ehem. Sterneköche überwältigend, und die Newcomer, die sich daneben präsentierten, hielten mühelos Schritt. Großer Wert wurde auf die Regionalität der Aussteller gelegt – wobei die Region neben dem Niederrhein (bzw. dem westlichen Ruhrgebiet) natürlich auch das Münsterland und die Niederlande umfasste und weniger eine Nachhaltigkeits-Utopie widerspiegelte, sondern eine knallhart wirtschaftliche, gastronomische Professionalität.


Schatten im Innenhafen



Pressefrau Corinna Dosch

DJane  Dominique und Saxophonist Joël



Maler Artur "Kulibree" Kulikowski



Der Zauberkünstler 
Thomas Maria Graf von Bratwurst

So erlebten die 350 Gäste des „Laufhauses“ einen entspannten Urlaubstag. Im Schatten hoher Bäume waren die angesagten 32 Grad so gut wie kein Problem. DJane Dominique und Saxophonist Joël Mozes van de Pol sorgten auch musikalisch für wohltemperierte Stimmung, der Maler Artur „Kulibree“ Kulikowski schuf eine Live-Kunstwerk und der Zauberkünstler Thomas Maria Graf von Bratwurst  ließ die Geldbörsen brennen.

Der vom Laufen (und Essen) ermattete Genießer

Alles zu probieren war geradezu unmöglich, so überwältigend war das Angebot. Zudem waren einige Portionen so groß, dass kaum noch Appetit für anderes aufgebracht werden konnte. Und manchmal war es anstregend, eine Abstellfläche für die schweren abgegessenen Teller zu finden, denn andere Gäste waren da immer fixer (wobei das Service-Personal, das dann abräumte, noch fixer war). Aber das sind Wachstumsprobleme, die im nächten Jahr sicher behoben sind.

Hier also die Dokumentation dessen, was ich mit der bewährten Unterstützung von Slow-Food-Kollege Jochen bewältigen konnte.

2. Kulinarisches Laufhaus by Christian Krüger
12.7.2026, Faktorei21 im Innenhafen Duisburg




Carsten Goms
Ceviche vom geräuchertem Buntbarsch / Wakame Gel / 
Chili Mayo / Gewürze 
Auch der TV-Koch Casten Goms überraschte mit 
einem Häppchen auf die Hand.




Christian Vincke
Spezialitäten vom Westfälischen Iberico
Christian Vincke züchtet die schwarzen Iberico-Schweine im westfälischen Everswinkel. Ich habe ihn einmal besucht, als er damit begann (klick hier).



Wellings Parkhotel, Kamp-Lintfort
Confierte Wassermelone, Pfifferling, Tomaten-Couscous, Frischkäserolle, Linsen
von Wolfgang Labudda
Eine wunderbar erfrischende Kombination von Sommer-Aromen.



Verve, Krefeld
„Meine Hummersuppe“
von Philipp Rümmele, 1 Michelinstern 
Perfekt ausbalancierter Hochgenuss vom Sternekoch




Wundertüte, Essen
Gebeizter Edelfisch, Chorizo, Crunch, Koriander
von Marlon Kouth 
Der Newcomer aus Essen-Borbeck forderte mit grün gebeiztem Fisch heraus.




Jordan Olivenöl
Feta Mousse, Hot Honey Picadillo, Jordan Olivenöl Crumble
von Bastian Jordan und Elias Engers 
Bastian Jordan von der Wuppertaler Olivenöl-Firma überzeugte mit einem griechisch inspirierten Sommerhappen.



Otto Gourmet / Retigo
US Entrecote / Rehydrierte Gemüse / Erbse Minze /Ingwer-Chili-Espuma
Der Gastro-Großhändler und der Kombidämpfer-Hersteller versuchten, mit einem extravaganten Fleischgericht zu überzeugen.



Restaurant 1876, Düsseldorf 
Tringoli Ricotta / Limone / Madeiraschaum / Pistazie
von Daniel Dal-Ben, 1 Michelinstern
Das Nudelgericht vom Düsseldorfer Sternekoch war ein Lieblingsgericht der Gäste. 






MOD by Sven Nöthel
Thunfisch / Gurke / Alge / Avocado / Buttermilch
von Sven Nöthel, 1 Michelinstern 
Grandiose Sommerkomposition von Duisburgs Sternekoch Sven Nöthel. 



Grafschafter Wirtshaus

InnField-Vanillemousse, Süßweingelee, Himbeere, CrunchDessert
von Timo Wiesel 
Ein Dessert zum Wegschlabbern



Patrick von Vacano, Original Beans
Schokomousse mit Erdbeeren
aus Piura 75% Original Beans/Shiso-Calpico und Chuncho 100% Original Beans
Exklusive Schokolade an einem exklusiven Ort 




"The Taste Company" Nic Shanker, David Rippen und Hakan Celebi
Espresso-Martini 
Zum Schluss ein Cocktail vom TV-Barkeeper...
 

...und ein großartiger Espresso vom Haus

Fotos: Peter Krauskopf, Jochen Hoss, Michael Alisch

2. Kulinarisches Laufhaus by Christian Krüger, Faktorei21, Duisburg-Innenhafen, Philosophenweg 21. Infos hier.

Der Genießer bedankt sich für die Einladung.