Montag, 6. Juli 2026

Slow Food Bochum: Kochabend „Heldenhafte Hülsenfrüchte“

Slow Food Bochum: Konzentriertes Kochen

Bislang fanden die Kochabende von Slow Food Bochum in der Küche der Katholischen Erwachsenenbildungsstätte (KEFB) statt, doch das Bistum Essen, dass diese Einrichtung betreibt, hat das Haus geschlossen. Also musste ein Ersatz gesucht werden, und Slow Food Bochum-Leiterin Wiebke wurde in der städtischen Familienbildungsstätte in Bochum-Hamme fündig. Dort können nun die Slow-Food-Veranstaltungen im Rahmen der dort angebotenen Kochkurse stattfinden. Sie sind öffentlich, und so können sich auch Nicht-Mitglieder über die Bildungsstätte für die Teilnahme anmelden.
Der Frühsommer-Kurs am 29.6.2026 stand unter dem Motto „Heldenhafte Hülsenfrüchte“. Wiebke hatte sechs Gerichte rund um Linsen, Erbsen und Bohnen herausgesucht. Fünf davon wurden von den neun Teilnehmern, die sich eingefunden hatten, realisiert. Auf die Currywurst 2.0 „Herberts letzte Schrei“ aus einem Linsenbrät samt Sauce wurde angesichts der sommerlichen Temperaturen verzichtet. (Zum Rezept klick hier).



Die Küche in der Familienbildungsstätte der Stadt Bochum

Die Hülsenfrüchte und vor allem die weiteren Zutaten kamen so weit wie möglich von regionalen Produzenten. Kartoffeln, Senf und Rapsöl stammten von der Kornkammer in Witten, Tomaten von der Gärtnerei Babkus in Herdecke, Frischkäse vom Hof Sackern in Wetter und Erdbeeren vom Hof Sander in Castrop-Rauxel. Ganz besonderer Dank geht an die Solawi Hevener Feld in Witten, die die Dicken Bohnen gespendet hatte.








Vier Stunden lang wurde geschnippelt, geschält, geknetet, gebraten und gekocht, und heraus kamen durchweg schmackhafte Gerichte, die zum Schluss gemeinsam gegessen wurden.


Heldenhafte Hülsenfrüchte
Kochabend von Slow Food Bochum, 29.6.2026



„Schrebergarten 2026“
Bohnen-Melonen-Salat

Dank der Kombination von weißen Bohnen und saftigen Wassermelonen, die mit Zitrone abgeschmeckt wurde, ein erfrischender Einstieg ins Sommer-Menü.
Zum Rezept hier klicken.




Schnippelbohnensalat

Milchsäurevergorene grüne Bohnen sind eine regionale Spezialität im Ruhrgebiet. Gemeinsam mit Äpfeln und Kartoffeln ergaben sie ebenfals einen erfrischenden Salat. 
Zum Rezept hier klicken.



Erbsen-Minz-Süppchen mit Dicke-Bohnen-Crostini

Dicke Bohnen und Erbsen haben im Sommer Saison. Natürlich wurde die die Frage diskutiert, ab die Lederhäute, die die Kerne der Dicken Bohnen umschließen, entfernt werden müssen oder nicht.
Zum Rezept hier klicken.



Linsenrisotto mit Zitronengremolata

Ein experimentelles Rezept. Es wurde über die KI für den Kurs zusammen gestellt. Das Experiment gelang recht gut, weil Risotto-Reis und Linsen in etwa die gleiche Kochzeit haben. Interessant war, dass die Reis nicht wie traditionell üblich mit Weißwein, sondern mit einer Mischung aus Zitronen- und Apfelsaft gesäuert wurde.
Zum Rezept hier klicken.



„Süßes Gold“
Bohnen-Brownie mit Erdbeereis

Dass man (schwarze) Bohnen mit Kakao zu einem süßen Dessert verabreiten kann, war eine überraschende Erkenntnis des Abends. Bananen und Erdbeeren wurden tiefgekühlt mitgebracht.
Zum Rezept hier klicken.
 
Heldenhafte Köche für heldenhafte Hülsenfrüchte
Fotos: Wiebke Rieck, Peter Krauskopf
 

Donnerstag, 25. Juni 2026

Gourmetmeilen 2026: „Dortmund à la carte“ gestartet


Die tropischen Temperaturen von weit über 30 Grad hinderten den Genießer nicht daran, sich dem flirrenden Asphalt der A40 hinzugeben und zur Eröffnung von „Dortmund à la carte“ zu düsen. Schließlich war das in diesem Jahr ein Pflichttermin. Aber nicht etwa, weil mit Alexander Kalouti ein neuer Oberbürgermeister beim traditionellen Fassanstich den Hammer schwang, sondern weil „Dortmund à la carte“, die unverwüstliche „Mutter aller Gourmetmeilen“, nach der Absage der „Gourmedo“ (klick hier) die einzig übrig gebliebene Veranstaltung dieser Art in Dortmund ist. Dass die auf schmalem wirtschaftlichen Grat balancierende „Gourmedo“ letztendlich keine Solidarität erfuhr, sondern zerschossen wurde, verstehen viele Genussfreunde in der Stadt bis heute nicht. Seit jeher standen beide Veranstaltungen in zickiger Konkurrenz zueinander, wobei die „Gourmedo“ den kulinarischen Anspruch plakativ hoch hielt, das traditionell volkstümlichere „Dortmund à la carte“ aber ganz schön aufholte. Für die Gäste war das natürlich äußerst komfortabel, und der kulinarische Standort Dortmund konnte eigentlich nur gewinnen. Es gab keine andere Stadt weit und breit mit zwei Veranstaltungen dieses Kalibers.


Dortmunds OB Kalouti schwingt den Hammer zum Fassanstich

Nun denn. Auf den schattigen Terrassen der zwölf Pop-Up-Restaurants (mit Bedienung!) und einiger weiterer Teilnehmer (alle Infos hier) war es gestern Nachmittag eigentlich ganz erträglich – wie es an der vorhergesagten 40-Grad-Grenze der nächsten Tage sein wird, kann ich jetzt nicht beurteilen. Ich hatte mich mit Silke von der Facebook-Gruppe „Mein kulinarisches Dortmund“ (klick hier) verabredet, ein Stückchen „Gourmedo“ auf „Dortmund à la carte“ zu suchen. Den Veranstaltern war es nämlich gelungen, mit dem „SchwarzGold“ das letzte verbliebene Dortmunder Sternerestaurant als Teilnehmer für ihre Gourmetmeile zu gewinnen, und die Auszeichnung war gerade am Tag zuvor für dieses Jahr bestätigt worden. Pierre Breckerling und sein Team hatten ein dreigängiges Menü im Angebot, und so bestand die einmalige Gelegenheit, einmal für schlappe 60 Euro auf dem extravaganten Sterne-Niveau des „SchwarzGold“ zu schlemmen. Weil sich auch einige weitere Facebook-Gruppenmitglieder eingefunden hatten, kamen mir auch eine paar weitere Gerichte vom „SchwarzGold“ vor die Linse.



"Mein kulinarisches Dortmund" trifft sich...


... zu Austern...



... und Cremant

Nach Oberbürgermeister Kaloutis durchaus gelungenem Fassanstich landete die ganze Gesellschaft im bewährten „Rodenberg 1770“. Hier gab es die obligatorischen Austern mit Cremant, an sizilianische Granità erinnernde Lillet-Slushis und allerlei köstliches Meeresgetier.



Der Genießer unterwegs (Foto Silke Albrecht)

Und langsam stieg der Urlaubsatmosphären-Level aus dem Hansaplatz sukzessive an. Doch bevor der Geräusche-Pegel Ballermann-Niveau erreichte, suchte der Genießer das Weite. Zwar verpasste er auch dieses Jahr wieder das Feuerwerk am späteren Abend, aber wer will, kann sich ja Silkes Posts auf „Mein kulinarisches Dortmund“ ansehen (klick hier). 

Der „Gourmedo“ auf „Dortmund à la carte“-Nachmittag
24.6.2026


SchwarzGold 
3 Gang Menü
60 Euro


Brot von der Naturbackstube Kreis
mit Rohmilchbutter und Brot Miso
Die Naturbackstube Kreis ist die Kultbäckerei in Dortmund.



Lachsforelle von Torsten Pistole
mit Aprikose, Garum und Karotte
„Hardcore Food“ nennt Torsten Pistole sein Feinkostgeschäft in Badbergen in der Nähe von Osnabrück. Wie das japanische Miso beim Brot vorweg sorgt hier Garum, die auf die alten Römer zurückgehende Sauce aus fermentiertem Fisch, für die Umami-Würze. 
Für die leckere Sauce hätte man sich einen Löffel gewüncht.



Golden Coin vom Vogelsberger Wagyu
mit Bergkäse, Mais und Japaleno
Zum Burger gwolft, hat das edle Wagyu-Rindfleisch auf Gourmetmeilen eine Art Inflation erlebt. Hier gibt es ein wunderbar zart geschmortes Stück Schulter des hessischen Erzeuger Vogelsberger. 
Auch hier hätte ein Löffel für die Sauce die Zeit im kulinarischen Himmel verlängert.



Himbeere vom Gärtnerhof Röllingsen
mit Perilla, weißer Schoki und Mandel
Perilla ist eine auch Shiso genannte Würzpflanze.
Mit dem Gärtnerhof Röllingsen in Soest haben wir bei der Himbeere wieder einen regionalen Erzeuger.




SchwarzGold
Hanse Garnele
mit Peperoni, Pistazie und Erbse
15, 90 Euro
Die in Geschmack und Konsistenz perfekten Hanse Garnelen stammen aus einer modernen Aquakultur in Norddeutschland.



SchwarzGold
Special des Tages
Australische Wintertrüffel, Fritten, Gruyère, Bratensauce
14,50 Euro
Naja, auch so kann Sterneküche von der Optik her aussehen. Aber alle, die davon genascht hatten, brachen in schieres Entzücken aus.



Rodenberg 1770
Tuna Tataki
kurz angebratener Thunfisch auf Algensalat, verfeinert mit einer Unagi Sauce und Pepper Drops
17,90 Euro

Eigentlich wird Unagi Sauce zu Aal gegessen, aber auch zum tadellos gebratenen Thunmfisch schmeckte sie herrlich.


Rodenberg 1770
Garnelenpfännchen Mediterran
mit Kräutern und knusprigem französischen Baguette
14,90 Euro
Die Garnelen waren zwar nicht so exklusiv wie die im „SchwarzGold“, aber von großartiger Konsistenz und beschworen Strand-Feeling auf.


Eiskalt: Lillet Slushi


Dortmund à la carte gent noch bis zum 28. Juni 2026. Alle Infos und Speisekarten (mit Preisen!) klick hier
 
Alle Gourmetmeilen im Ruhrgebiet 2026 klick hier 

Mittwoch, 24. Juni 2026

Slow Food Bochum: Besuch in „Kreiner's Zollhaus“ in Witten



Friedrich Kreiner

Ein Verein, der sich Slow Food nennt, horcht natürlich auf, wenn sich ein Restaurant auf seiner Internetseite zur „Leidenschaft für Slow Food und außergewöhnliches Ambiente“ und „frische, regionale und saisonale Produkte“ bekennt. Da lag es auf der Hand, dass sich Slow Food Bochum letzte Woche aufmachte, „Kreiner's Zollhaus“ zu besuchen.



Seit einem Jahr betreibt Friedrich Kreiner sein modernes Fine-Dining-Gasthaus in Witten-Stockum im weitläufigen Grenzgebiet zu Dortmund – der Name Zollhaus kommt nicht von ungefähr. Der mit heiterer Leichtigkeit und Kunst an den Wänden eingerichtete Gastraum bietet nicht nur Platz für ca. 25 Gäste, auch eine elegante Showküche befindet sich hier, so dass der der Gast beobachten kann, wie seine Mahlzeit entsteht.

Dicht an der Hörder Straße liegt das Haus, daneben ein Hof, der als Terrasse, Parkplatz und Autowerkstatt mit Pizza-Imbiss dient. Da wurde vor Kurzem bei einem Hoffest das einjährige Bestehen mit allerlei Grillgut gefeiert, und die erlesene Getränkeauswahl enthielt einige regionale Spezialitäten, die ein Slowfoodie nicht verschmähen würde, etwa Bergmann Bier vom Fass oder Gin aus der Dortmunder Spirituosen-Manufaktur Krämer.

Friedrich Kreiner mit Wiebke Rieck von Slow Food Bochum

Dazu inspiriert, sich intensiver mit der Herkunft und Qualität von Produkten auseinander zu setzen, wurde Friedrich Kreiner durch den Dokumentarfilm „Taste the Waste“ von 2010, der die globale Lebensmittelverschwendung zum Thema hat. Damals arbeitete er im „Emil“ im Dortmunder U; die exklusiven Bedingungen der Sterneküche lernte er bei Michael Dyllong im „Palmgarden“ auf der Hohensyburg und in der Essen-Kettwiger „Résidence“ bei den Küchenchefs Erik Arnecke und Eric Werner kennen.

Das Zollhaus ist sein erstes eigenes Restaurant. Ob die Küche, die er dort anbietet, die Vorstellungen des Vereins „Slow Food“ erfüllt, sei einmal dahingestellt, schließlich gibt es bei dem Begriff keinen Markenschutz. Und vor allem ist da häufig die Realität vor. „Ich muss ja Gerichte anbieten, die den Erwartungen der Leute hier in Stockum entsprechen“, räumt Kreiner ein, und wirtschaftlich in Einkauf und Logistik muss sein Betrieb schließlich auch sein. Um den Stil seiner Gerichte zu beschreiben, will er den Begriff „Fusionküche“ eigentlich nicht strapazieren, aber dennoch seien sie von einer Mischung aus asiatischen, mediterranen und deutschen Einflüssen geprägt.

Nimmt man den Begriff „Slow Food“ einfach als eine Bezeichnung für eine schmackhafte, handwerklich gekonnte und witzig-kreative Küche, so war das dreigängige Menü, das Friedrich Kreiner für die Bochumer Slowfoodies zusammengestellt hatte, eine überzeugende Sache. Den zuerst vorgesehenen Allerwelts-Lachs in der Vorspeise hatte er auf Wunsch durch einen regionaleren Saibling ersetzt, und der üppige Hauptgang schmeckte so gut, dass alle selbst bei den herrschenden Hitzewellen-Temperaturen alles aufaßen.

DAS ZOLLHAUS MENU
19.6.2026, Kreiner's Zollhaus
53 Euro


Gruß aus der Küche

Marinierte Wassermelone, Mandel und Balsamico-Reduktion


Saibling „Caipirinha“ 

Gurke | Wasabi | Frischkäse | Queller | Senf | Pumpernickel
Die erfrischende Vorspeise war ideal bei den hochsommerlichen Temperaturen. Der mit Limettensaft und dem Zuckerrohrschnaps Cachaça marinierte Saibling wurde pikant durch Wasabi und Senf konterkariert.


Gebratenes Kikok-Huhn

Ricotta-Knödel | Spinat | Braune Butter | Pecorino | Basilikum | Geschmolzene Kirschtomaten
Ideal wäre die üppige Portion aus cremigen Knödeln und kompakter Hähnchenbrust als Hüttenmahlzeit nach einer Bergwanderung in den Südtiroler Bergen gewesen, wurde aber auch im heißen Witten-Stockum mit Wonne verputzt.


Panna Cotta Classica

Erdbeeren Pur und Sorbet | Pistazie | Mandel | Zitronenthymian
Ein Dessert, das keine Wünsche übrig ließ


Kreiner's Zollhaus. 58454 Witten-Stochum, Hörder Str. 323. Tel. 01 76. 84 50 22 88. So-Mi geschlossen. Do 12-14 Uhr und 18-22 Uhr. Fr 12-14 Uhr und 18-23 Uhr. Sa 12-23 Uhr. https://kreiners.ruhr/

Dienstag, 23. Juni 2026

Guide Michelin 2026: Zwei neue 1-Stern-Restaurants im Ruhrgebiet

Heute wurden in Frankfurt die diesjährigen Michelinsterne verliehen. Das Ruhrgebiet kann sich über zwei neue 1-Stern-Restaurants freuen: „Teko by Lange Rodriguez“ in Essen und „Tante Anna“ in Sprockhövel. Insgesamt gibt es elf 1-Stern-Restaurants in der Region. Mit vier ausgezeichneten Häusern profiliert sich Essen als das kulinarische Zentrum des Ruhrgebiets.


Dorsten
Goldener Anker
Rosin

Dortmund
SchwarzGold

Duisburg
Mod by Sven Nöthel

Essen
Chefs Atelier
Hannappel
Kettner's Kamota
Teko by Lange Rodriguez

Haltern
Ratsstuben

Sprockhövel
Tante Anna

Velbert
Haus Stemberg

Alle Sterne-Restauarnts klick hier

Donnerstag, 18. Juni 2026

Gourmetmeilen 2026: Kulinarischer Altstadtmarkt in Hattingen gestartet



Matjeswaffel vor der Hattingia

Bei herrlichstem Sommerwetter startete gestern der Kulinarische Altstadtmarkt (KAM) in Hattingen. Letztes Jahr erlebte die traditionelle Veranstaltung nach dem Corona-Zusammenbruch ihre triumphale Wiedergeburt (klick hier); in diesem Jahr muss sie sogar das Erbe ihrer Schwester-Gourmetmeile „Bochum kulinarisch“ tragen, die aus Kostengründen abgesagt wurde (klick hier). Aber das tut der KAM mit Bravour. Die Feinschmecker aus dem Mittleren Ruhrgebiet kommen vor der idyllischen Fachwerkkulisse voll auf ihre Kosten – wenn die für das Wochenende vorhergesagte Hitzewelle ihnen den Appetit verdirbt.

Der erste Tag war für meinen Slow-Food-Kollegen Jochen und mich als eingefleischte Gourmetmeilenhopper ein Pflichttermin und entwickelte sich zu einer entspannten kulinarischen Urlaubsreise. Obwohl mir das Angebot in diesem Jahr etwas kleiner und gestraffter als zu vergangenen Gourmetmeilen-Hochzeiten vorkam, schafften wir es nicht, bei allen sechs teilnehmenden Restaurants etwas zu probieren. Hier also unsere subjektive Auswahl. 

Diergardts „Kühler Grund“
„Nordische Waffeln“
Herzhafte Waffeln in Nussbutter gebacken mit verschiedenen Auflagen

Das Angebot von Diergardts ist von genialer Einfachheit. Neben einer Pop-Up-Weinbar, die auf die zunehmende Nachfrage nach Getränken im heißen Sommer zu reagieren scheint, frischen Austern und den obligatorischen Erdbeertörtchen von der Herner Konditorei Wiacker, gibt es diesmal keine aufwändigen Wirtshausgerichte, sondern Streetfood der Spitzenklasse. Auf Waffeln aus einem pikanten Kartoffelteig gibt es vier veschiedene Auflagen, die ausgewogene, teils deftige, teils filigrane Geschmackskombinationen bieten. Wir probierten folgende Variationen:

Mit Matjes, Roter Beete, Brombeere & Sauerklee...


...und mit Shrimps, Dill & Zitrone. 
Beides ganz große Klasse.


Hotel & Restaurant Eggers
Unser Vitello
Gebackene Kalbsfleischbällchen / Thunfisch-Kapern-Mayonnaise / Rucola / getrocknete Tomaten / Pesto / Parmesan
Auch bei Eggers wird anscheinend nach dem Baukasten-Prinzip gearbeiet. Die Italo-Beilagen-Garnitur Rucola-Trockentomaten-Pesto-Parmesan gibt es sowohl beim „Vitello“ als auch beim „Paillard“. Ansonsten ist „Unser Vitello“ der witzige und äußerst schmackhafte Nachweis dafür, wie eng die urdeutschen Königsberger Klopse und das italienische Vitello tonnato miteinender verwandt sind. Zu beidem gehört eine weiße Kapernsauce, und das Fleisch stammt vom Kalb. In der Eggers-Version aber nicht als dünner Aufschnitt wie beim Italiener oder als geköchelter Klops wie im Gasthaus, sondern als gebackene Fleischbällchen. Leider wurde die feine Thunfisch-Kapern-Mayonnaise von der deftigen Salattunke, mit der der Rucola mariniert war, ziemlich überdeckt. 


Hotel & Restaurant Eggers
Paillard
Dünne Scheiben vom Ochsenrücken / Bratkartoffeln / getrocknete Tomaten / Rucola / Pesto / Parmesan
Paillard nennt man dünne Scheiben Rindfleisch, noch dünner als plattgeklopfte Schnitzel. Und weil sie so dünn sind, braucht es Fingespitzengefühl beim Braten, damit sie außen knusprig, innen aber noch rosa bleiben. Das war bei der Gourmetmeilen-Version von Eggers auch tatsächlich der Fall; gemeinsam mit den leckeren Brtakartoffeln bildeten sie eine ordentliche Portion. Allerdings dominierte auch hier wie bei den Vitello-Bällchen der sehr deftig marinierte Rucola der Beilage.


Haus Kemnade
Kemnader Krosse Krabbe
Krustentiere, Cocktailsauce, eingelegte Gurke, gebeizter Heilbutt, Krabbenknusper
Als ich dieses wunderbare Krabbenbrötchen vor mir hatte, hatte ich sofort vergessen, dass ich eigentlich etwas anderes erwartet hatte. Viel Krosses gab es eigentlich nicht, sondern dieser Küstenhappen war ein warmes softes Vergnügen, das den Gaumen sanft umschmeichelte.
 


An de Krüpe
Karamellisierte Kaiserscharrn
Rumrosinen, Apfelmus und Vanilleeis
Zusammen mit eine doppelten Espresso vom Bäckerei-Stand Löscher war dieser Kaiserschmarrn ein perfekter süßer Abschluss unseres Mahls.

Der Genießer mit Friedel Diergardt (Foto Jochen Hoss)

Der Kulinarische Altsatdtmarkt auf dem St.-Georgs-Kirchplatz in Hattingen geht noch bis zum 21. Juni. Zum Programmheft mit allen Infos hier klicken.

Mittwoch, 17. Juni 2026

Allerlei vom Auerochsenkalb aus den Ruhrwiesen: Fegato alla veneziana und Ossobuco

Ossobuco mit Risotto und Spinat

Bruschetta mit Fegato alla veneziana

In den letzten Jahren hat sich herausgebildet, dass das regional, nachhaltig und artgerecht produzierte Fleisch der Auerochsen aus den Ruhrwiesen in Hattingen-Winz-Baak fast das einzige Rindfleisch ist, das ich zu Hause verarbeite (klick hier). Letzte Woche hatte ich das Glück, noch einige Spezialitäten vom Auerochsenkalb zu ergattern, die Bauer Schulte-Stade im Angebot hatte und die schon am ersten Tag fast ausverkauft waren. Zwei kleine Beinscheiben waren noch da, die ein herrliches Ossobuco versprachen, und auch noch zwei Scheiben Leber. (Zwei Kalbschnitzel bekam ich auch noch, aber die kriegen wir später.)

Auerochsenkalbshaxen und -schwanz

Weil die Beinscheiben so klein waren, nahm ich auch den Ochsen- bzw. Kalbsschwanz mit, der noch in der Auslage lag. Beides wollte ich zusammen schmoren, um neben dem Ossobuco noch etwas Kalbsschwanzragout zu haben, falls der Appetit zu groß würde (klick hier).

Ossobuco vom Auerochsen habe ich ja schon öfter gemacht, dabei aber immer Beinscheiben von ausgewachsenen Tieren verwendet, die Bauer Schulte-Stade, wenn vorhanden, als Suppenfleisch verkauft. Das empfand ich immer als ziemliches Understatement, denn auch sie ergaben ein wunderbares Ossobuco, weil die Tiere anscheinend immer sehr jung waren.

Jetzt freute ich mich über die echten Kalbshaxen, die ich diesmal aber nicht nach Art des legendären Kameramannes Michael Ballhaus mit Weißwein zubereiten wollte (klick hier), sondern nach einem anderen Rezept, das ich in vordigitalen Zeiten einmal ausprobiert hatte. Dabei wird das Fleisch in einer Sauce aus Rotwein, Tomaten, Zwiebeln, Orangenschalen und -saft geschmort. Ich hatte diese Version dann nicht wieder gemacht, weil sie mir Sodbrennen verursacht hatte. Das führte ich damals darauf zurück, dass ich die Orangenschale als feinen Abrieb beigefügt hatte, den man natürlich mitessen musste. Diesmal umging ich dieses Problem, indem ich die Orangenschale in breiten Streifen dazugab, die ich vor dem Essen wieder herausfischte.

Und das lohnte sich. Das Fleisch war nach anderthalb Stunden Schmoren wunderbar zart. Selbst das Bindegewebe, das die Haxen in Form hielt, zerging auf der Zunge. Das Fleisch war kaum geschrumpft, so dass die Portionen groß genug blieben und der Kalbsschwanz für ein famoses späteres Resteessen erst einmal im Topf bleiben konnte. Die Rindfleisch- und Orangenaromen der Sauce gingen eine betörende Allianz ein, zu der der Rotwein sein Übriges tat.



Kellerfund: Ein 20 Jahre alter Nebbiolo von Pio Cesare

Denn der hatte es in sich. Eine Expedition in die staubigste Ecke meines Kellers hatte einen Nebbiolo von Pio Cesare aus dem Jahr 2006 zu Tage gefördert, und dieser Spitzenwein aus der norditalienischen Langhe war natürlich die ideale Begleitung für das Fleischgericht aus dem Piemont. Erst war ich ja skeptisch, ob das 20 Jahre alte Schätzchen die lange Lagerzeit überstanden haben würde. Denn oft sind überlagerte italienische Wein ja nur nur noch dünne, hagere Säuerlinge. Doch dieser Nebbiolo konnte es mit jedem hochpreisigen Barolo aufnehmen. Atersgemäß von bräunlich-ziegelroter Farbe verbreitete er einen komplexen sekundär-fruchtigen Duft, in dem ich vor allem Feigenaromen wiederfand, und war von einer wunderbaren hintergründigen Süße, die an einen Portwein erinnerte. Eigentlich war es ja eine Freveltat, von diesem Elixier ein knappes Viertel in die Sauce zu kippen, aber wenn man sich schon so eine Rarität wie Ossobuco vom Auerochsenkalb leistet, sollte man auch nicht beim Wein sparen.

Auerochsenkalbsleber und Feigen

Besonders gut passte der gereifte Nebbiolo natürlich auch zur Vorspeise, zu der ich die Auerochsenkalbsleber verarbeitete: Fegato alla veneziana, Leber mit süßgeschmorten Zwiebeln und Salbei, die ich mit frischen Feigen verfeinerte. Auf geröstete Ciabatta-Scheiben verteilt, ergab das eine wunderbare Bruscetta.

Der Vollständigkeit halber sollte noch erwähnt werden, dass es als Beilagen zum Ossobuco Spinat gab, den ich mit Knoblauch, Muskat und Majoran gewürzt hatte, und mit Safran gewürzten und gelb gefärbten Risotto milanese. Der war, um die Exkluxivität des Ganzen zu unterstreichen, mit Taubenbrühe gekocht, die neulich beim Braten der Taube à la Craputin (klick hier) übrig geblieben war. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Rezept: Ossobuco in Tomaten-Orangensauce vom Auerochsenkalb
2 Portionen

2 Beinscheiben vom Auerochsenkalb, ca. 4 cm dick
Mehl zum Bestäuben
Olivenöl
1 Zwiebel, gewürfelt
1 Dose geschälte Tomaten
Saft und Schale eine Orange
¼ l Rotwein
Pfeffer, Salz

Mit einem Sparschäler breite, aber dünne Streifen von der Schale der Orange schälen. Sollte sich an den Streifen zu viel Weißes befinden, mit einem scharfen Messer abschneiden, sonst wird es zu bitter. Orange auspressen.
Das Fleisch salzen und mit Mehl bestäuben. Öl in einem Bratentopf erhitzen und die Beinscheiben rundum kräftig anbraten. Herausnehmen.
Im selben Öl die Zwiebelwürfel glasig braten. Die Tomaten aus der Dose dazugeben, zerdrücken und mehere Minuten stark einkochen lassen. Den Wein in die leere Dose geben, sie damit ausspülen und alles in den Topf gießen. Orangensaft und -schalen ebenfalls dazugeben.
Die gebratenen Beinscheiben darauf stetzen und alles pfeffern und salzen.
Bei niedriger Hitze ca 1 ½ Stunden langsam schmoren. Das Fleisch ist gar, wenn das Mark in den Knochen schmilzt und das Fleisch sich von den Knochen löst.
Vor dem Servieren die Orangenschalen aus der Sauce fischen.

Beilagen:
Risotto alla milanese. Zum Rezept klick hier.
Spinat. Zum Rezept klick hier


Vorspeise:

Fegato alla veneziana mit Feigen
2 Portionen

1 Scheibe Leber vom Auerochsenkalb, ca. 100 g
2 kleine Zwiebeln
4 frische Feigen
6 Blätter Salbei
etwas Rot- oder Süßwein
Butter, Olivenöl
Pfeffer, Salz
Geröstete Ciabattascheiben

Leber waschen, trockentupfen und in Streifen schneiden.
Zwiebeln schälen und vierteln. Feigen ggf ebenfalls schalen und vierteln.
In einer Pfanne etwas Butter und einen Schuss Olivenöl erhitzen. Zwiebelviertel dazugeben und bei niedriger Hitze schmoren, bis sie zerfallen und glasig und süß sind, aber noch keine Farbe angenommen haben. Danach die in Streifen geschnittene Leber hinzugeben, die Feigenviertel und die Salbeiblätter dazu tun und mit etwas (Süß-)Wein ablöschen. Zum Schluss mit Salz und Pfeffer würzen.
Auf gerösteten Ciabattascheiben servieren.

Nachschlag

Für ein famoses Resteessen hatte ich mir etwas Ossobucosauce und den mitgeschmorten Kalbsschwanz aufgehoben. Am nächsten Tag löste ich das Fleisch vom Knochen und erwärmte die Fetzen in der Sauce. Ich kochte mir ein paar Bandnudeln, die ich in der Sauce badete und bestreute alles mit geriebenem Parmesan.