Freitag, 16. Oktober 2026

Slow Food Essen & Bochum: Besuch bei Diergardts Kühler Grund in Hattingen


Nicht nur für Bochumer, die im Südwesten ihrer Heimatstadt wohnen, ist Diergardts Kühler Grund in Hattingen-Welper eine der lohnendsten kulinarischen Adressen in der Nachbarschaft. Im Jahr 1904 als Gasthof mit Milchwirtschaft gegründet, entwickelte sich das Haus im Schatten der Hattinger Henrichshütte zu einem florierenden Restaurant, und auch als das Stahlwerk vor über 20 Jahren endgültig schließen musste, profilierte es sich weiter als eines der wichtigsten Gasthäuser des EN-Kreises. Seit 2013 übernahm Philipp Diergardt die Leitung des Hauses von seinem Vater Friedel, der als Seniorchef immer noch munter die Honneurs bei den Gästen macht. „Heimat und Leidenschaft“ heißt das Motto der Küchenausrichtung.



2016 auf "Bochum kulinarisch": Philipp Diergardt 
mit dem spanischen Schinken-Cortador Isidro Velasco 

Für den Genießer waren und sind in den letzten Jahren besonders die Stände von Diergardt auf den Gourmetmeilen „Bochum kulinarisch“ (z.B. klick hier) und „Kulinarischer Altstadtmarkt“ in Hattingen (z.B. klick hier) Anlass für einen Pflichtbesuch gewesen. Wegen des Bekenntnisses zu Regionalität und handwerklicher Zubereitung besuchte er bereits 2014 gemeinsam mit den Freunden von Slow Food Bochum das Gasthaus (klick hier), und der Besuch des Panhasfestes, auf dem Diergardt gemeinsam mit anderen Hattinger Restaurants diese westfälische Spezialität präsentiert, ist mittlerweile zu einer kleinen Tradition unserer Gruppe geworden (z.B. klick hier).


Nachdem auch die Freunde von Slow Food Essen die Idee hatten, Diergardt zu besuchen, kam es vor einer Woche endlich zu einer gemeinsamen Aktion. 14 Slowfoodies aus beiden Städten trafen sich an einer großen Gasthaustafel und speisten von einer Sonderkarte, die für unsere Gruppe zusammengestellt worden war. Anschließend gab Philipp Diergardt bereitwillig Auskunft über sein Küchenkonzept und Problematik, so ein großes Haus mit Anspruch zu führen. Sowohl seine Speisen als auch seine Ausführungen fanden wir durchaus überzeugend.


Ein Slow Food Besuch
Diegardts Kühler Grund, 8.10.2026




Kürbis-Ingwer-Suppe 
mit gepickeltem Kürbis & Zwergorangen, 12 Euro  



Bunter Feldsalat mit Picandou Ziegenkäse
 & Mangalitzaspeck in Ciabatta gebraten, 25 Euro




Buchweizen-Risotto mit gebratenen Herbstpilzen Freiland-Ei
vom Kneibelhof & gezupfte Kräuter, 26 Euro





Geschmorte Eifeler Kaninchenkeule mit sautierten Herbstpilzen,
„Estragon-Senf beurre blanc“ & Buchweizenrisotto, 34 Euro




Original Wiener Schnitzel vom Kalbsrücken 
mit Preiselbeeren, Zitrone, Kartoffel- & Feldsalat, 32 | 24 Euro




Mousse von der Valrhona Guanaja-Schokolade 74%
 mit Salzkaramellsauce, Kalamansi & Knusperblättern, 15 Euro




Hausgemachte Sorbets Limette // Aprikose-Verveine // Himbeere, 4 Euro pro Kugel

Diergardts Kühler Grund, Hattingen, Am Büchsenschütz 15. Alle Infos hier.

Genussbereit über Diergardts Kühler Grund:
Porträt Philipp Diergardt, 2013
Bochum geht aus 2014
Slow Food Menü 2014
Bochum geht aus 2016 
"Hauptsache Wein" 2017
Eintopfessen 2017
Stadtporträt "Kulinarisches Hattingen" 2019 

Gänseessen 2019 

Bretonische Woche 2026 

Freitag, 9. Oktober 2026

Lecker Essen für Europa: Bretonische Buchweizen-Crêpes mit einer Füllung aus westfälischer Blutwurst vom Bunten Bentheimer, sächsischen Äpfeln Pinova, rosa Zwiebeln aus der Bretagne und Cidre vom Niederrhein.


Ursprünglich war es ein Resteessen. Ich hatte vor einiger Zeit von einem Nachbarn eine Pfälzische Leberwurst geschenkt bekommen, die er nicht mehr essen konnte, weil er ins Krankenhaus musste. So lag das abgepackte Ding eine Zeitlang bei mir im Kühlschrank, und als es sich bedenklich dem Verfallsdatum näherte, nahm ich mir vor, es aufzuessen. Sie einfach so aufs Brot zu schmieren fand ich dann doch zu profan, und so kam ich auf die Idee, pikante bretonische Crêpes als Unterlage zu machen. Ich hatte den leckeren Crêpe aus dem bretonischen Menü bei Diergardts neulich (klick hier) noch gut in Erinnerung. Also probierte ich meine neue beschichtete Pfanne aus und briet mir ein paar dünne Buchweizenpfannkuchen, die auch tadellos gelangen. Gemeinsam mit der Leberwurst schmeckten sie köstlich, zumal ich sie mit ein getrockneten Cranberries ausdekorierte, die ich ebenfalls schon länger herum liegen hatte.

Vorstufe: Das Leberwurst-Experiment

Das Ganze sah so hübsch aus, dass ich ein paar Fotos davon auf Facebook postete, für den Blog fand ich sie eigentlich zu banal. Und prompt bekam ich einen Kommentar, dass alles zwar recht lecker aussehe, die Kombination aber wohl doch sehr ungewöhnlich sei.

Darüber war ich dann doch sehr überrascht. Zugegeben, in der Bretagne haben sie wohl keine deutsche Leberwurst, aber sicherlich Leber-Paté, die sie wie alles andere auch in ihr Crêpes bzw. Galettes stecken. Und die fruchtige Süße der dunkelblauen Beeren ist doch eine wunderbare Ergänzung für die pikante Leberwurst.

Dennoch war mein Ehrgeiz angestachelt, eine klassische bretonische Crêpe-Füllung zu finden, die meinem Leberwurst-Experiment in etwa entsprach. So stieß ich auf die Crêpes mit Blutwurst, Zwiebeln und Äpfeln. Die schwarze Blutwurst und dir rosafarbenen Zwiebeln aus Roscoff sind schließlich bretonische Spezialitäten par excellence, und ein Apfelland ist der Nordwsten Frankreichs allemal.

Die Zutaten der Füllung

Beim Kauf der Zutaten verwandelte sich das bretonische Gericht allerdings in ein lecker Essen für Europa – nicht zuletzt, weil es mich irgendwie an das rheinisch „Himmel und Erde“ erinnerte. Tatsächlich aus der Bretagne stammten die rosa Zwiebeln, die allerdings genauso fein waren wie die originalen aus Roscoff (nur nicht so teuer). Die Blutwurst war zwar keine bretonische boudin noir, sondern ein Bio-Produkt vom westfälischen Bunten Bentheimer aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis, und die Äpfel waren von der Sorte Pinova, einer Züchtung aus Sachsen, deren animierender süß-saurer Geschmack genau richtig war.


Der Pfannkuchen wird zur Hälfte gefüllt zund zugeklappt.

Die angebratenen Zwiebeln, Äpfeln und die Blutwurst verarbeitete ich mit körnigem Senf und – an Stelle von Crème fraiche – mit Ziegenfrischkäse zur Füllung. Das Rezept sah vor, dass sie mit Apfelessig etwas gesäuert werden sollte, doch es stellte sich heraus, dass das nicht nötig war. Senf und Frischkäse waren sauer genug.


Anders als im Rezept vorgesehen, nahm ich zum Ablöschen Cidre anstelle von Apfelessig, den mein Senf und der Frischkäse waren schon sauer genug. Der Cidre schmeckte natürlich auch als Getränkebegleitung zu den fertigen Crêpes. Er stammte allerdings, wie meistens bei mir, nicht aus der Bretagene oder der Normandie, sondern vom Niederrhein.


Rezept: Buchweizen-Crêpes mit Blutwurst, Äpfeln und rosa Zwiebeln

Ergibt 4-6 Crêpes

Füllung:
1 bis 2 Roscoff-Zwiebeln
100 g Blutwurst
2 Äpfel
Öl
Butter
1 Schuss Cidre
1 Bund Schnittlauch
2 TL körniger Senf
1 El Ziegenfrischkäse
Salz. Pfeffer

Zwiebeln in dünne Ringe schneiden. Blutwurst in dünne Scheiben schneiden. Äpfel schälen, achteln und das Kerngehäuse herausschneiden. Die Äpfel in feine Scheiben schneiden.
Öl und Butter in einer Pfanne erhitzen. Die Zwiebeln und Äpfel darin ungefähr 8 Minuten andünsten, sie sollen keine Farbe annehmen. In den letzten 3 Minuten die Blutwurstscheiben zugeben und mit dem Cidre ablöschen. Abkühlen lassen. Schnittlauch in Röllchen schneiden.
Alles mit Schnittlauchröllchen, Senf und Ziegenfrischkäse verrühren und mit Salz und Pfeffer würzen.

Crêpes:
100 g Buchweizenmehl
1 Ei
Mineralwasser mit Kohlensäure
Salz
Pfeffer
Muskat (frisch gerieben)
Butter

Das Ei mit dem Buchweizenmehl verrühren. Mit Sprudelwasser auffüllen und weiter verrühren, bis ein wasserdünner Teig entsteht. Mit Pfeffer, Salz und geriebener Muskatnuss würzen.
Teig eine halbe Stunde ruhen lassen.
In einer Pfanne einen Stich Butter erhitzen und mit einem Pinsel verstreichen. Auf mittlere Hitze einstellen. Wenig Crêpeteig in die Pfanne gießen und durch Schwenken hauchdünn auf dem Pfannenboden verteilen. Crêpe backen, bis die komplette Oberseite trocken ist und nicht mehr glänzt. Mit einem flexiblen Pfannenheber wenden und fertig backen. Aus der Pfanne nehmen und auf die gleich Weiser vier bis sechs weitere Crêpes backen.

Karamellisierte Apfelspalten:
1 Apfel
Butter
Zucker
Anis

Geschälten Apfel om Kerngehäuse befreien und in Achtel schneiden. Butter erhitzen, etwas Zucker und Anis einstreuen und die Äpfel darin karamellisieren.

Anrichten:
Je einen Crêpe zur Hälfte mit etwas Füllung belegen und zu klappen. Mit karamellisierten Apfelspalten belegen und mit der restlichen Anisbutter begießen. Mit Schnittlauchröllchen bestreuen.

Sonntag, 4. Oktober 2026

Gourmetmeilen 2026: Panhasfest in Hattingen

Slow Food Bochum traf sich bei Grauburgunder...



...Aperol Sprizz...


...und Panhas (von Diergardts).


Das Panhasfest ist Anfang Oktober immer ein liebenswerter Nachschlag zur alljährlichen Gourmetmeilensaison, die bekanntlich am Ende der Sommerferien mit der beeindruckenden Veranstaltung auf der Essener Welterbe-Zeche Zollverein ihren Höhepunkt und Abschluss findet. Auch an diesem Wochende wurde in Hattingen auf dem herbstlichen Pendant zum Kulinarische Altstadtmarkt im Sommer wieder dem Panhas gefrönt, jener westfälischen Spezialität aus Buchweizenmehl, Speck und Blut, die richtig zubereitet eine wahre Delikatesse ist. Auf dem Fest haben Diergardts und Eggers Panhas auf dem Programm, an den Ständen von Haus Kemnade, Gasthaus Weiß, An de Krüpe und Las Olas gibt’s darüber hinaus weitere Hausmannskost vom Feinsten, so dass jeder Gast auf seine Kosten kommt.

Der liebe Gott hatte es an diesem Feiertagswochenende mit einem wahrhaft goldenen Oktoberwetter besonders gut gemeint, und so strömten die Besucher auf den St.-Georgs-Kirchplatz, während in den Fachwerkgassen rundum zusätzlich der Hattinger Herbstmarkt tobte.

Auch Slow Food Bochum nahm die Tradition eines Besuches wieder auf, und am Samstag stürzten sich fünf Unentwegte Slofoodiesins Getümmel. Es wurde ein heiterer Spätnachmittag bei Panhas, Aperol Sprizz und Grauburgunder mit zwanglosen Gesprächen über gutes Essen und schöne Urlaubsreisen. 


Königsberger Klopse vom Reh (An de Krüpe)

Schnitzel vom Jungschweinfilet (Eggers)



Blauer Himmel über der Hattingia



Klein-Montmartre hinter den Zelten






Französischer Gourmetmarkt 
im Rahmen des Herbstmarktes


Das Panhasfest Hattingen fand vom 1. bis zum 4. Oktober 2026 statt.

Mittwoch, 30. September 2026

Ruhrgebietsküche: Taubenbrühe. Als Suppe und als Basis für ein Risotto.

Taubensuppe

Taubenrisotto mit Pfifferlingen

Von meinem diesjährigen Pfingstschmaus, der Taube à la Craputin (klick hier), hatte ich noch eine Taube im Tiefkühlfach, die ich damals nicht gebraucht hatte. Jetzt war es an der Zeit, sie zu verarbeiten. Ich wollte endlich einmal einen Klassiker der Ruhrgebietsküche machen, von dem ich zwar viel gelesen hatte, der mir aber noch nirgendwo wirklich untergekommen war, weder in Restaurants noch im privaten Umfeld: Taubensuppe.

Das Ruhrgebiet ist, oder war es zumindest, eine Hochburg der Brieftaubenzucht, doch im Zusammenhang mit diesem Bergmannshobby hat sich keine kulinarische Tradition des Taubenbratens herausgebildet. Ich habe einmal darüber einen Artikel geschrieben (klick hier). Das einzige, was es traditionellerweise gab, war die Taubensuppe. Aber das verwundert nicht. Die hier vorhandenen Brieftauben waren als Athleten der Lüfte schließlich ziemlich zähe Gesellen, die sich kaum zum Braten eigneten, aber für eine lang gekochte Brühe natürlich ideal waren. Doch heute bekommt man so etwas so gut wie gar nicht mehr, und auch die viel beschworenen Wildtauben gibt es in guter Qualität nur sehr, sehr selten. Vor 16 (!) Jahren hatte ich mal das Glück (klick hier).

Zutaten für die Taubenbrühe

So musste jetzt ich für meine Brühe mit einer jungen fetten Brattaube französische Provinienz vorlieb nehmen, die ich im Feinkostsupermarkt meines Vertrauens bekommen hatte. Aber es gibt schlimmeres.
Taubenbrühe zu kochen geht genauso einfach wie Hühnersuppe zu kochen (siehe Rezept unten). Allerdings ist das Fleisch wesentlich dunkler und im Geschmack durchaus herzhafter. Ich rundete die Brühe mit Muskatnus und Zitronensaft ab. Wer das richtige Ruhrgebietsaroma haben möchte, kann durchaus einige Spritzer Maggi-Würze drantun.

Die kostbare Brühe nur als einfache Suppe wegzuschlabbern, reichte mir irgendwie nicht. So hielt ich einen großen Teil zurück, um daraus ein Täubchenrisotto zuzubereiten. Und das war wahrhaft delikat.

Übrigens, im Glas auf dem Risottobild ist kein Rotwein, sondern mit Wasser verdünnter Johannisbeeressig von der Bonnekamphöhe. Was für ein Genuss!


Rezept: Taubenbrühe

Ausreichend für jeweils 2 Portionen

1 Taube
1-1 1/2 l Wasser
2 kleine Zwiebeln
50 g Sellerie
50 g Möhren
50 g Lauch
20 g Petersilienwurzel 
Stängel von 1/2 Bund Petersilie
Salz, Pfeffer
geriebene Muskatnuss
Zitronensaft
Gewürzsäckchen mit:
1 TL Pfefferkörner
2 Lorbeerblätter
2 Nelken
2 Wacholderbeeren

Gewürzsäckchen (Teebeutel) mit den Gewürzen füllen.
Zwiebeln, Möhren, Sellerie und Lauch in Stücke schneiden.
Taube mit einer Gefügelschere halbieren, auswaschen und die Innereien entfernen, sofern vorhanden.
Beide Hälften mit dem Gewürzsäckchen in gesalzenes Wasser geben und zum Kochen bringen. Nach dem Aufwallen Hitze zurück drehen und entstandenen Schaum mit dem Schaumlöffel entfernen. Taubenhäften eine halbe Sunde köcheln lassen.
Gemüsestücke und Petersilenstängel dazu geben und alles noch einmal eine Stunde oder länger köcheln lassen, bis das Taubenfleisch weich ist und beim Einstechen keinen Widerstand mehr bietet.
Taubenhälften aus der Brühe nehmen.
Brühe durch ein Sieb in einen anderen Topf gießen. Gemüse zurückbehalten. Brühe mit Salz,
Pfeffer, Muskatnuss und Zitronensaft abschmecken.

Als Taubensuppe:

Gehackte Petersilie
Gekochte Suppennudeln o.ä.

Taubenkeulen mit Rückenstück und Taubenbrüste aus den Hälften auslösen, salzen und in einer Pfanne knusprig aufbraten.
Restliches Fleisch von den Knochen lösen und klein schneiden.
Gemüse aus der Brühe in feine Würfel oder Scheiben schneiden.
Fleisch- und Gemüsewürfel und ggf. gekochte Suppennudeln auf vorgewärmte Teller verteilen. Brühe wieder zum Kochen bringen und ebenfalls auf die Teller verteilen. Gebratene Taubenkeulen und -brüste in die Teller setzen. Mit gehackter Petersile bestreuen.
Für den besonderen Ruhrgebietstouch Maggi-Würze dazu reichen.

Als Taubenrisotto mit Pfifferlingen:

1 l Taubenbrühe samt Gemüse und gekochten Taubenhälften.
1 Tasse Risottoreis
eine Stich Butter
1 Zehe Knoblauch
einen guten Schuss Wein
Pfeffer
geriebene Muskatnuss
1 EL Butter
2 EL geriebenen Parmesan
1 Handvoll Pfifferlinge
gehackte Petersilie

Taubenkeulen und -brüste aus den Taubenhälften auslösen. In einer Pfanne knusprig braten und warm stellen. 
Pfifferlinge putzen und ebenfalls anbraten.
Restliches Fleisch von den Knochen lösen und klein schneiden. Suppengemüse klein würfeln. Knoblauch fein würfeln.
Taubenbrühe zum Köcheln bringen.
In einem Topf einen Stich Butter geben, erhitzen und die Knoblauchwürfel darin anschwitzen. Eine Tasse Risottoreis, das klein geschnittene Taubenfleisch und das fein gewürfelte Suppengemüse dazu geben und kurz mit anschwitzen lassen. Mit kochender Taubenbrühe ablöschen. Nach und nach die weitere Brühe dazugeben und köcheln lassen, bis der Reis gar. Das dauert ca. 17 Minuten. Immer wieder umrühren.
Wenn der Reis gar ist, von der Herdplatte nehmen. 1 El Butter oder mehr darin einrühren, bis der Risotto schön schotzig ist. Geriebenen Parmesan unterrühren. Mit Muskatnuss und Pfeffer und ggf. Salz abschmecken.
Risotto auf vorgewärmte Teller geben. Mit den gebratenen Taubenteilen garnieren. Mit gehackter Petersilie bestreuen.

Sonntag, 20. September 2026

Hattingen: Bretonische Woche bei Diergardts

Typisch Bretagne: Buchweizen-Galette mit klassischer Füllung

Es war meine Vorliebe für die Jahrgangssardinen in Dosen, und da besonders für die in Butter, die mich veranlasste, Ende Februar Anfang März 2019 auf Einladung von Andrea, einer Musikkollegin meiner verstorbenen Schwester, eine kurze Zeit in ihrem Ferienhaus in der Bretagne zu verbringen (klick hier). Leider war ich damals gesundheitlich nicht so ganz auf dem Damm, um den Aufenthalt wirklich zu genießen, was mir besonders wegen der Mühe, die sich Andrea gemacht hatte, noch heute leid tut. Aber dennoch zog mich die wunderbare Region am Atlantik tief in Ihren Bann. Die keltisch-mythische Landschaft, das fast liebliche Klima an der rauen Küste vor allem die kulinarische Vielfalt der eigenwilligen Region verzauberten mich nachhaltig. Und so freute es mich ungemein, als ich die Ankündigung der „Bretonischen Woche“ bei Diergardts in Hattingen entdeckte. Und bei dem guten Ruf, den das familiäre Gasthaus auszeichnet (klick hier), hatte ich keine Mühe, meine Gourmetfreunde Silke, Torsten und Sabrina aus Dortmund dorthin zu lotsen.

Noch ist der Tisch leer.

Für der Speisekarte dieser Aktion ist es Philipp Diergardt gelungen, zahlreiche bretonische Spezialitäten mit der handwerklich unnachahmlichen, zwischen fein und bodenständig changierenden Kochkunst des Hauses zu verbinden. Es gab natürlich eine Meeresfrüchteplatte und Hummer in Butter mit der Gewürzmischung Kari Gosse, „à l'amoricaine“ zubereiteten Lotte (Amorica nannten die alten Römer die Region), den traditionellen Rochenflügel, Miesmuscheln, Buchweizengalettes und Artischocken, Jahrgangssardinen (allerdings nicht in der Dose serviert, sondern nur als zusätzlichen Umami-Schub zum Tatar), in Cidre geschmortes Schweinefleisch und zum Nachtisch süße Crêpes und Tarte Tatin (selbstverständlich von der Birne). Ich hatte ja die leise Hoffnung gehabt, als Getränk etwas probieren zu können, was ich damals in der Bretagne versäumt hatte, nämlich Bier aus Buchweizen. Doch das gab es nicht, aber wir hatten ja mit Sabrina eine Fachfrau am Tisch, die zielbewusst die passende Getränkebegleitung aus der erlesenen Weinkarte des Hauses aussuchte.



Erst mal einen Aperitif: 
Birnen-Cidre aus der Normandie, Rosé-Sekt aus der Pfalz

Und so wurde es ein wunderbarer Abend. Das „Plateau Fruits de Mer“ und die Vorspeisen kamen in der Mitte auf den Tisch und jeder von uns bekam einen „Räuberteller“, wie Silke es immer so schön nennt, um sich selbst zu bedienen. Von den Hauptgängen bekam jeder seine eigene Portion, aber fürs Probieren wurde natürlich geschwisterlich geteilt.

Gelegentlich habe ich ja mal den Niederrhein als die „Bretagne des Ruhrgebiets“ bezeichnet (klick hier und hier), weil da ja auch ein fantastischer Cidre hergestellt wird, doch nach diesem Schmaus kam ich Versuchung, Hattingen so zu taufen. Aber dann fiel mir ein, dass die „Bretonische Woche“ leider nur eine zeitlich begrenzte Aktion ist.

Bretonische Woche
Diergardts, Hattingen, 18. September 2026
(Verlängert bis zum 4. Oktober)




Brot mit gesalzener Butter


VORWEG

Plateau Fruits de Mer
Kaisergranat aus Guilvinec, Austern, marinierte Bouchot Muscheln und Sashimi vom Wolfsbarsch „Ike Jime" mit Mayonnaise & Zitrusöl
Die Meeresfrüchteplatte war sozusagen unser Amuse Gueulle. Alle Zutaten waren ungemein frisch und aromatisch und typisch für die Bretagne. Guilvinec ist der größte bertonische Hafen für die handwerkliche Fischerei. Miesmuscheln und Austern sind in der Bretagne sozusagen das täglich Brot. Beim Sashimi kamen wir über den Fisch ins Grübeln: Hering oder Makrele? Ein Blick in die Speisekarte hätte uns belehrt, dass es Wolfsbarsch war. In geangelter Form ist er in der Bretagne eine absolzute Spezialität. Dieser wurde nach der schonenden japanischen Methode „Ikejime“ geschlachtet.




Champagne Emmanuel Brochet
2021 Le Mont Benoît Premier Extra Brut




VORSPEISEN



Galette

mit Gruyère, gekochtem Schinken & Ei
Gruyère, gekochter Schinken und Ei ist eine klassische Füllung für eine bretonische Galette. Diese pikante Version des Crêpe wird vorzugsweise aus Buchweizen hergestellt, sozusagen ein Ntationalprodukt in der Bretagne.



Ganze bretonische Artischocke

„zum Dippen" mit Kräutervinaigrette & Mayonnaise
Das milde Atlantikklima ist ideal für den Anbau von Artischocken. Wir rupften auf traditionelle Art die ein einzelnen Blätter ab und lutschten die schmackhaften weich gekochten Teile davon ab, nachdem wir sie in die dazu gehörigen Dips getaucht hatten. Zum Schluss wurde der köstliche Boden wie eine Torte geteilt.



Tartar vom Limousin Beef
mit gebackener Jahrgangssardine, gezupften Kräutern & Chili-Mayo
Was dieses Tatar bretonisch macht ist die Jahrgangssardine aus der Dose, die paniert und gebacken der ganzen Sache noch einen weiteren Umami-Schub gab.



Rinderschinken Wagyu/Angus Beef mit Oliven
Der wunderbare Schinken zerging auf der Zunge - welch ein Genuss. (Was er allerdings mit der Bretagne zu hat, wollte sich mir nicht erschließen. Mit den Oliven verortete ich ihn eher an die spanische Mittelmeerküste. Aber egal – lecker ist lecker.)




Domaine Bretaudeau / Getigne
2022 Muscadet Gabbro Clos des Bouquinardiéres



HAUPTGÄNGE




Bouchot Miesmuscheln
aus dem Weissweinsud mit Fenchel & Paspierre mit Pommes frites
Nein, das ist kein rheinisches, sondern ein bretonisches Muschelessen. Die Miesmuscheln werden in der Bretagne an Pfählen, den sog. Bouchots, gezüchtet. Der grüne Paspierre, in Deutschland auch Meeresspargel genannt, ist ist ebenfalls typisch bretonisch. Obwohl eine Pflanze, soll er hier wohl die Algenverliebtheit der Bretonen symbolisieren.



Gebratener Rochenflügel
mit Limonen-Kapern-Butter & gegrillte Salatherzen
Die zarten Rochenflügel mit Kapern und Butter sind in der Bretagne ein Spezialität. Leider verschwanden sie auf dem Teller etwas unter den gerillten Salatherzen und Kräutern, waren aber ein Genuss. Dazu gab es Kartoffeln der Sorte La Ratte.



Bretonischer Hummer in Kari Gosse Butter gebraten mit Salat und La Ratte Kartoffeln
Der in bretonischen Gewässern gefangene Hummer gilt als große Spezialität, im Gegensatz zu den häufiger auftauchenden kanadischen. Entsprechend zart war hier das Fleisch. Bretonisch auch die Butter, in der er gebraten wurde. Sie war mit Karo Gosse gewürzt, einer Gewürzmischung, die in der Hafensaft Lorient erfunden wurde.




Kotelette vom Landschwein
mit Roscoff-Zwiebel & Äpfeln in Cidre geschmort
Ein wunderbar zartes Kotelette, wie es auch von bretonischen Landschweinen stammen könnte. Typisch die Schmorzutaten Äpfel, Cidre und die rosa Zwibel aus Roscoff. Dazu gabs in Salzbutter gegartes Wurzelgemüse und Kartoffelpürée.



DESSERTS



Hausgemachte Crêpes mit Salzkaramellsauce und Vanille-Eis
Anders als bei den pikanten Versionen, wird für die süßen bretonischen Crêpes in der Regel Weizenmehl verwendet. Die dünnen Pfannkuchen brachten ein herrlich weiches Gefühl auf die Zunge, die Karamellsauce war ganz typisch aus Salzbutter hergestellt.



„Tarte Tatin" von der Birne mit hausgemachten Crème fraîche Eis
Klassischerweise wird die Tarte Tatin mit Äpfeln hergstellt. Die Vewerndung von Birnen kam mir hier aber mehr als entgegen.

Diergardts Kühler Grund, Hattingen, Am Büchsenschütz 15. Bretonische Woche vom 17. bis zum 27. September 2026. Verlängert bis zum 4. Oktober 2026. Alle Infos hier.