Dienstag, 23. April 2019

Osteressen: Croxetti mit einem Kaninchen-Stielmus-Senf-Sugo vom Mairübchen, Oliven und Pinienkernen



Croxetti sind dünne, wie Münzen geprägte Nudeln aus Ligurien und werden dort gern mit Pesto oder Nusssauce gegessen. Als sie mal im Angebot waren, hatte ich eine Tüte gekauft, die dann längere Zeit in meinem Vorratsregal vor sich hin staubte. Jetzt, zu Ostern, kamen sie endlich zum Einsatz. Schließlich sehen die oblatenartigen Dinger aus wie die Hostien, die in den christlichen Kirchen beim Abendmahl oder bei der Kommunion als Symbol für den Leib Christi von den Gläubigen verspeist werden.

Croxetti: oblatenartige Münznudeln aus Ligurien

Als erstes fiel mir ein, ein Lammragout dazu zu machen, denn das Lamm ist ja auch ein Symbol für Christus. Das war mir dann aber doch zu dicke, und ich schwenkte auf die weltliche Frühlings-Symbol-Figur um, den Osterhasen. Ich besorgte mir eine schöne Kaninchenkeule, aus der ich einen schmackhaften Sugo zubereiten wollte.

Natürlich, Senf gehörte dazu (ich hatte ja noch etwas von dem köstlichen bretonischen Algensenf - klick hier), und etwas Gemüse. Da kamen mir die weißen, kugelrunden (Mai-)Rübchen gerade recht, die nicht nur von Kaninchen gern vertilgt werden. Das üppige Grün verwendete ich wie Stielmus, dem ich zwei der gewürfelten Rübchen untermischte. Zwei weitere Rübchen schnitt ich zu dünnen Scheiben auf, die den Croxetti zum Verwechseln ähnlich sahen. In der Grillpfanne mit einem hübschen Muster versehen, konnte man beides beim Anrichten dekorativ miteinander vermischen.

Ein paar Oliven (Taggiasca hatte ich leider nicht zur Hand) und geröstete Pinienkerne dazu, ein Hauch geriebener Parmesan – fertig war ein köstliches Ostergericht der ganz ganz feinen Art.

Osteressen: Croxetti mit einem Kaninchen-Stielmus-Senf-Sugo vom Mairübchen, Oliven und Pinienkernen
2 Portionen

1 große Kaninchenkeule
2-3 EL Dijonsenf (oder bretonischer Algensenf)
1 mittelgroße Zwiebel
3-4 Zweige Thymian
Pfeffer und Salz
½ Flasche Weißwein
Olivenöl
300 g Croxetti
Salz
4 weiße Rübchen mit Grün
4 EL Crème fraiche
8-10 Oliven
1 EL Pinienkerne
Geriebener Parmesan
Pfeffer
Salz
Zucker
Muskat

Zwiebel klein würfeln.

Küchenfertige Kaninchenkeule pfeffern und salzen. Eine Seite dick mit Senf einstreichen. Öl in eine heiße Pfanne geben. Kaninchenkeule mit der Senfseite in die Pfanne geben und braun braten. Aufpassen, dass der Senf nicht anbrennt. Obere Seite ebenfalls mit Senf bestreichen, die Keule umdrehen und dann ebenfalls anbraten. Kaninchenkeule aus der Pfanne nehmen.

Pfanne vom Feuer nehmen, mit einem kleine Schuss Weißwein ablöschen und den Bratensatz losköcheln. Wein dabei verdampfen lassen. Zwiebelwürfel dazugeben und goldgelb anbraten. Mit Mehl bestäuben und umrühren. Thymianzweige und Kaninchenkeule dazugeben, mit Weißwein angießen und 35 Minuten mit Deckel schmoren lassen.

In der Zwischenzeit Mairübchen dünn schälen. Das Grün abschneiden, welke Blätter entfernen und in kleine Stücke schneiden. Zwei Rübchen in gleich große Würfel schneiden, die beiden anderen mit dem Gemüsehobel in drei Millimeter dicke Scheiben schneiden.

Nach 35 Minuten das Stielmus in die Pfanne geben und alles noch einmal 20 Minuten schmoren lassen. Evtl. Flüssigkeit nachfüllen. Oliven dazugeben.

Croxetti nach Packungsvorschrift in Salzwasser al dente kochen.

Mairübchenscheiben leicht salzen, pfeffern, mit etwas Zucker bestreuen und in einer eingeölten Grillpfanne mit einem dekorativen Muster versehen. Auf Küchenkrepp abtropfen lassen. Pinienkerne in der heißen Grillpfanne kurz rösten.

Wenn das Fleisch gar ist, aus der Pfanne nehmen, etwas ruhen lassen. Zwei schön gebratene Tranchen abschneiden, das restliche Fleisch vom Knochen lösen und wieder in die Sauce tun. Crème fraiche unterrühren, Sauce mit Pfeffer, Salz, Senf und geriebener Muskatnuss abschmecken.

Gar gekochte Croxetti und gegrillte Mairübchen-Scheiben auf vorgewärmten Tellern anrichten und mit der der Stielmussauce übergießen. Dabei die Oliven schön verteilen. Auf jede Portion eine Fleischtranche setzen, die gerösteten Pinienkerne darüber streuen und das Ganze mit etwas geriebenem Parmesan dünn bestäuben.

 Kaninchen im Stielmus

 Croxetti und gegrillte Mairübchen

Osterstimmung auf dem Balkon.
Im Glas Rhabarber-Nektar.



Montag, 22. April 2019

Karfreitagsessen: Seeteufelmedaillon mit bretonischer Algensenfkruste | In Weißwein geschmorte Kartoffeln und Artischocken | Oliven | Knoblauch | Majoran



Eigentlich halte ich religiöse Essensregeln für Dogma gewordene Massenpsychosen, die ihre ursprüngliche rationale Begründung längst verloren haben. Plausibel erscheint mir nur die aus der christlichen Kultur stammende Folklore, freitags kein Fleisch, sondern Fisch zu essen, weil Christus am Karfreitag ans Kreuz geschlagen wurde. Einmal in der Woche Fisch zu essen, ist schließlich eine durch und durch gesunde Sache - auch wenn aufgrund der Überfischung und Verschmutzung der Meere das heutzutage kritisch zu hinterfragen ist, wie manch anderes in der Ernährung auch.

Überhaupt ist die Passionsgeschichte Christi mit ihren Motiven Römerherrschaft, Hinrichtung, und Wiederauferstehung eine der packendsten Fantasystories der Bibel, und ihre unterschwellig erotisch-masochistische Botschaft hat die abendländische Kunst und Kultur zu einer komplexen Symbolik inspiriert. Dass z.B. die Dornenkrone, die man Jesus bei der Kreuzigung aufs Haupt stülpte, in Notre Dame aufbewahrt wird, wurde mir erst durch die Berichterstattung über den Großbrand der französischen Kathedrale vor Ostern bewusst.

Fest und wohlschmeckend: Seeteufelmedaillon

Auch für mein diesjähriges Karfreitagsgericht plünderte ich mit Appetit die christliche Symbolik. Dass es Fisch gebe sollte, war klar. Ich entschied mich für ein Seeteufelmedaillon, dessen festes Fleisch äußerst wohlschmeckend ist und weder in der Pfanne noch im Ofen ruiniert werden kann. Aus dem Urlaub hatte ich bretonischen Algensenf mitgebracht, der sich aufgrund seines Meeresgeschmacks zu einer hervorragenden Senfkruste für den Edelfisch verarbeiten ließ.

Artischocken

Die Dornenkrone fand ihren Widerhall in den Artischocken der Beilage, handelt es bei diesem Edelgemüse schließlich um die Blüte einer besonderen Distelart. Der Fisch mit der Senfkruste, die in Weißwein geschmorten Artischocken und Kartoffeln sowie die schwarzen Oliven verbanden sich zu einem elegant-delikaten Geschmackserlebnis, die Omega-3-Fettsäuren des Fischs und die medizinischen Inhaltsstoffe von Artschocke und Knoblauch zu einem Gesundheitscocktail, für den nicht nur jeder Herzkranke von den Toten wieder auferstehen würde.


Rezept: Seeteufelmedaillon mit bretonischer Algensenfkruste | In Weißwein geschmorte Kartoffeln und Artischocken | Oliven | Knoblauch | Majoran
2 Portionen

1 Seeteufelmedaillon
2 EL Bretonische Algensenf oder Dijonsenf
1 EL Butter
1 EL Panko oder Paniermehl

5 kleine Kartoffeln
3 kleine Artischocken
1 Zitrone
2-3 Zehen junger Knoblauch
50 ml Weißwein
300 ml Geflügelbrühe
8-10 kleine schwarze Oliven
2-3 Stängel Majoran
Olivenöl
Pfeffer, Salz

Zitrone auspressen. Ein Schüssel mit Wasser füllen, Zironensaft hinegben. Etwas Zitronensaft für den Fisch zurückbehalten. Spitzen der Artschocken abschneiden, Stängel schälen, harte äußer Blätter entfernen. Dabei großzügig vorgehen. Artschocken der Länge halbieren und dan vierteln. Das Heu im Inneren entfernen. Fertig geputzte Artischocken sofort ins Zitronewasser tun, damit sie nicht anlaufen.
Kartoffeln schälen und der Länge nach vierteln.

Aus Senf, Butter und Panko bzw. Semmelbrösel eine Paste herstellen. Seeteufelmedaillons mit dem restlichen Zitronensaft beträufeln, pfeffern, salzen und in einer Pfanne in Olivenöl kurz anbraten. Herausnehmen und eine Seite dick mit der Senfpaste einschmieren und in eine feuerfeste Form geben. Fisch ca. 10 Minuten im 200 Grad heißen Ofen braten.
In die gleichen Pfanne etwas Olivenöl geben und die gesalzenen und gepfefferten Kartoffeln kurz anbraten. Weißwein dazu geben und komplett verdampfen lassen. Artischockenviertel dazu geben, mit Geflügelbrühe auffüllen und 15 bis 20 Minuten schmoren lassen, bis die Kartoffeln gar sind. Majoranstängel und Oliven dazu geben und kurz mitköcheln.
Fertig gegarten Fisch aus dem Ofen nehmen und aus der Form heben. Garflüssigkeit zum Gemüse in der Pfanne geben. Gemüse auf vorgewärmten Tellern anrichten, das Fischfleisch vom Rückenknochen lösen und darauf setzen.



Donnerstag, 18. April 2019

Lecker Essen für Europa: Bretonische Buttersardinen auf Fenchel-Bärlauch-Nudeln mit sizilianischer Orange



Bretonische Buttersardinen mit Zutaten vom Bochumer Südbalkon auf sizilianisch inspirierte Art angemacht – wenn das nicht ein leckeres Essen für Europa ist. Mit Jahrgangs-Ölsardinen hatte ich dieses Gericht auf ähnliche Art schon einmal vor einiger Zeit ausprobiert (klick hier), aber mit den Sardinen, die in Butter vom bretonischen Butterpapst Bordier (klick hier) eingelegt sind, mussten sie noch einmal so gut werden.

Exklusives aus Glas und Dose:
Minz-Bärlauch-Pesto der Edition Genussbereit, Bretonische Buttersardinen

Für das Nudelsugo ließ ich mich vom Rezept „Sarde alla Regaliali“ aus dem Sizilien-Kapitel von Lorenza de‘ Medicis Kochbuch „Die Renaissance der italienische Küche“ inspirieren (klick hier). Allerdings nahm ich diesmal als Basis den Rest aus einem Gläschen Barläuch-Minz-Pesto aus der Edition Genussbreit, das ich im letzten Frühjahr zusammen mit Katrin in ihre Manufaktur „im Glas“ abgefüllt hatte (klick hier). Die Gläschen sind zwar schon längst vergriffen, aber Katrin hat in dieser Saison neues Bärlauch-Pesto gemacht, allerdings ohne Minze. Oder man macht sich das Pesto gleich selbst, zum Rezept klick hier.

Reiche Ernte von der Bärlauchplantage auf dem Balkon des Genießers (hihi).

Für mein Gericht peppte ich den Rest aus dem Glas noch mit drei der fünf Bärlauchblätter auf, die alljährlich auf meinem Balkon unverdrossen hervorsprießen und gewaltig zum Ruhm des Genießers als Balkongärtner beigetragen haben (klick hier). Außerdem mixte ich noch ein paar Sardellen für die pikante Note dazu. Für Süße sorgten eingeweichte Korinthen, für Frische abgeriebene Orangenschalen.

Herausgekommen ist ein wunderbares Gericht, ein richtig lecker Essen für Europa. Und das hat Europa auch bitter nötig



Rezept: Bretonische Buttersardinen auf Fenchel-Bärlauch-Nudeln mit Orange, Pinienkernen und Korinthen.
1-2 Portionen

1 Dose Bretonische Buttersardinen
150 g Casarecce oder andere kurze Makkaroni
3 EL grünes Bärlauchpesto (Rezept hier)
3-4 frische Bärlauchblätter
3 Sardellen in Salz oder Öl
½ Fenchelknolle
1 Espresso-Tasse Rosinen oder Korinthen, eingeweicht
½ Espresso-Tasse Pinienkerne
Salz, Pfeffer
Butter
Semmelbrösel
geriebener Parmesan
Schalenabrieb von einer Bio-Orange

Fenchelknollen in reichlich Salzwasser gar kochen. Fenchel aus dem Wasser heben und klein hacken. Wasser nicht weg gießen.
Casarecce im Fenchelwasser al dente kochen.
Eventuell Salz von den Sardellen abwaschen. Gekochten Fenchel, Bärlauchpesto, frische Bärlauchblätter und Sardellen zu einer Paste verarbeiten.
Buttersardinen in kochendem Wasser erhitzen, damit die Butter in der Dose flüssig wird. Dose öffnen und die Butter vorsichtig in eine ofenfeste Pfanne gießen. Sardinen dazugeben und kräftig anbraten. Aufpassen, dass die Sardinen dabei nicht kaputt gehen. Sardinen aus der Pfanne heben. Aufpassen, dass sie dabei nicht kaputt gehen.
Bärlauch-Fenchel-Sardellen-Paste in die Butter geben und braten. Rosinen, Pinienkerne und Orangenschale dazugeben und etwas braten. Mit Pfeffer und Salz abschmecken. Gekochte Nudeln dazugeben, umrühren.
Semmelbrösel und geriebenen Parmesan vermischen. Gebratene Sardinen auf die Nudeln legen, mit dem Brösel-Käsegemisch bestreuen und mit ein paar Butterflöckchen und im Ofen bei 225 Grad im Ofen ein paar Minuten backen. Mit Orangenscheiben garniert servieren.

 Im Glas:
Naumburger Roter Traminer vom Landesweingut Kloster Pforta,
Saale-Unstrut.
Trotz des Namens ein furztockener Weißwein.


Alle Rezepte unter dem Motto "Lecker Essen für Europa": klick hier

Montag, 15. April 2019

Gourmetmeilen im Ruhrgebiet 2019



Eine der Lieblingsgourmetmeilen des Genießers:
Der "Kulinarische Treff an der Ruhr" in Mülheim

Stand: 23.4.2019

Am 3. Mai 2019, startet mit „Oer-Erkenschwick schlemmt“ die diesjährige Gourmetmeilen-Saison im Ruhrgebiet. Die "Musikalisch-kulinarische Meile" in Essen Kettwig und "Herne kulinarisch" wurden abgesagt, dafür ist im August „Hamm kulinarisch“ wieder dabei, das letztes Jahr ausfiel. Und das „Spargel-Gourmetfestival“ ist wieder an seinem gewohnten Platz, auf Hof Umberg in Bottrop-Kirchhellen - allerdings nicht mehr wie früher am Pfingst-, sondern am Christi-Himmelfahrt-Wochenende.

3.5. - 5.5.2019
Gourmetmeile
Oer-Erkenschwick schlemmt
Oer-Erkenschwick, Hünenplatz
Infos auf Facebook

Abgesagt
8.5. – 12.5.2010
Gourmetmeile
Herne kulinarisch
Herne, Robert-Brauner-Platz

30.5. – 2.6.2019
Spargel Gourmet-Festival
Gladbeck-Kirchhellen, Hof Umberg
Infos hier

Abgesagt
13.6. - 16.6.2019
Musikalisch-kulinarische Meile
Essen-Kettwig, Ruhrufer
Infos hier

19.6. - 23.6.2019
Gourmetmeile
Castrop kocht über
Castrop-Rauxel, Am Markt
Infos hier

20.6. - 23.6.2019
Matjesfest
Duisburg, Innenstadt
Infos hier

20.6. - 23.6.2019
Gourmetmeile
Kulinarischer Altstadtmarkt
Hattingen, St.-Georgs-Kirchplatz
Infos hier

3.7. – 7.7.2019
Gourmetmeile
Dortmund à la carte
Dortmund, Hansaplatz
Infos hier

3.7. - 7.7.2019
Gourmetmeile
Essen verwöhnt
Essen, Kettwiger Straße
Infos hier

5.7. - 7.7.2019
Gourmetmeile
Schermbeck genießen
Schermbeck, Am Rathaus
Infos hier

18.7. – 21.7.2019
Gourmetmeile
Kulinarischer Treff an der Ruhr
Mülheim, Ruhrufer
Infos hier

19.7. – 21.7.2019
Stadtparkfest
Food, Wine and Music
Essen, Stadtgarten
Infos hier

31.7. - 4.8.2019
Gourmetmeile
Rü genuss pur
Essen-Rüttenscheid, Messeparkplatz am Girardethaus
Infos hier

31.7. - 4.8.2019
Zu Gast in Recklinghausen
Recklinghausen, Rathausplatz
Infos hier

1.8. - 4.8.2019
Gourmetmeile
GourmeDo
Dortmund, Friedensplatz
Infos hier

2.8. - 4.8.2019
Gourmetmeile
Haltern bittet zu Tisch
Haltern am See, Altstadt
Infos hier

2.8. – 4.8.2019
Hamm kulinarisch
Hamm, Marktplatz an der Pauluskirche
Infos hier

7.8. - 11.8.2019
Gourmetmeile
Bochum kulinarisch
Bochum, Boulevard
Infos hier

29.8. - 1.9.2019
Gourmetmeile Metropole Ruhr
Essen, Zollverein
Infos hier

26.9. - 30.9.2018
Pfefferpotthastfest
Dortmund, Hansaplatz

3.10. - 6.10.2019
Hattinger Panhas-Fest
Hattingen, Kirchplatz


Montag, 18. März 2019

Urbane Landhausküche: Crêpes mit Buttersardinen in Buchweizen und Pesto aus bretonischen Algen



Ein Aufenthalt in der Bretagne geht gar nicht, ohne dass man Crêpes gegessen hat, jene hauchdünnen Pfannkuchen, die so typisch für die Gegend sind. Am letzten Tag meines Urlaubs in Andreas Elfenhaus im Finistèree fuhren wir ins hübsche Hafenstädtchen Audierne und landeten im „An dol Breizh“ (bretonisch für „Tisch der Bretagne“), eine der renommiertesten Crêperien der Gegend, wenn man den zahlreichen Auszeichnungen und Medaillen, die auf der Speisekarte vermerkt sind, Glauben schenken darf. Die Internetseite jedenfalls bestätigt diesen Ruf. Mit viel Liebe werden dort die Hintergründe der bretonischen Spezialität erklärt.

Die Crêperie " An dol Breizh" in Audierne

Landläufig bezeichnet man mit dem Wort Crêpe jene mit süßer Füllung und mit dem Wort Galette die pikante Variante. Das mag auf der ganzen Welt, in Frankreich und auch im Rest der Bretagne so sein; im Finistère jedoch heißen alle Crêpes Crêpe. Mit Galette werden kleine runde Kekse aus Salzbutter bezeichnet, ebenfalls eine typische Spezialität der Region (und anscheinend Vorbild für die berühmten, zum Markenprodukt geronnenen Butterkekse aus Hannover, die allerdings viereckig sind und weniger salzig). Im Finistère gibt es Crêpes de Froment aus Weizenmehl für die süße Variante; die pikanten jedoch sind Crêpes de Blé Noir oder au Sarrasin, solche aus Buchweizenmehl.

Buchweizen ist sozusagen das Nationalgetreide der Bretonen, obwohl das „Sarazenenkorn“ eigentlich gar kein Getreide ist. Nicht nur Crêpes werden daraus gebacken. Es gibt Sardinen in Butter mit Buchweizen; der Chouchon, ein Met-ähnlicher Apéritif wird aus Buchweizenhonig gewonnen, und sogar Bier wird aus Buchweizen gebraut.

Pesto aus bretonischen Algen

Zugegeben, meine zu Hause fabrizierten Crêpes waren nicht so hauchdünn und bis zum Zerbrechen knusprig wie die im „An dol Breizh“, aber nicht weniger lecker. Ich bereitete sie nach einem Rezept zu, dass ich im Blog „Zartbitter und zuckersüß“ gefunden hatte (klick hier). Für den Belag nahm ich bretonische „Sardines au beurre de baratte et sarrasin“ (Sardinen in Dassbutter und Buchweizen) und ein Algenpesto, dass ich in einem Supermarkt im Finistère gekauft hatte – dem „letzten vor Amerika“, wie ein Werbeschild an der Straße verhieß. Die Bretagne ist einer der größten Algenproduzenten Europas. Dazu trank ich einen Birnen-Apfel-Saft vom Niederrhein, der Bretagne des Ruhrgebiets.

Eigentlich werden Crêpes über der Füllung zusammengeklappt. Meine Pfanne war aber recht klein, so dass die Crêpes nicht sehr groß wurden. So versah je einen Crêpe mit der Füllung versah und dann den anderen darauf legte. Damit man sehen kann, was drin ist, ließ ich fürs Foto eine Hälfte frei.

 Sardinen im Crêpe

Buchweizenschrot auf dem Crêpe

Bretonische Salzbutter


Rezept: Crêpes mit Buttersardinen in Buchweizen und Pesto aus bretonischen Algen
2 Portionen

Für den Teig:
125 g Buchweizenmehl
1 Ei
350 ml Mineralwasser
25 g Salzbutter
1 Prise Salz

Für die Füllung
2 Dosen Sardinen in Butter und Buchweizen
Bretonisches Algenpesto

Buchweizenmehl, Wasser, Ei und eine Prise Salz verrühren, bis ein sehr dünnflüssiger Teig entsteht. Zwei Stunden im Kühlschrank ruhen lassen und wieder auf Zimmertemperatur bringen. Salzbutter schmelzen und unter den Teig rühren. In einer Crêpe-Pfanne acht hauchdünne Crêpes backen. Dafür Salzbutter in der Pfanne auslassen. Mit einem Schöpflöffel wenig Teig hineingeben und durch schenken der Pfanne gleichmäßig verteilen. Dafür muss der Teig sehr flüssig seine. Nach 1- bis zwei Minuten den Crêpe wenden und noch einmal backen.

Geschlossene Sardinendosen im Wasserbad erhitzen, herausnehmen und öffnen. Auf je einen Crêpe das Algenpesto streichen und mit ein bis zwei Sardinen belegen. Ggf. Sardinen etwas zerstückeln. Die Hälfte der flüssigen Butter mit den Buchweizenstückchen aus der Dose darüber gießen. Ein zweiten Crêpe darüber legen und mit dem Rest der Butter samt Buchweizenstückchen beträufeln. In den heißen Backofen geben und kurz aufknuspern lassen.

Tipp: Das Gericht schmeckt auch mit jedem anderen Pesto.
Wer keine Buttersardinen mit Buchweizen hat, kann auch normale Ölsardinen nehmen. Dafür zwei EL Buchweizenschrot (gibt’s im Biomarkt) in Wasser quellen lassen. Gequollenen Buchweizen und Ölsardinen gut abtropfen lassen. Mehrere EL gesalzene Butter erhitzen, bis sie flüssig ist, gequollenen Buchweizen und abgetropfte Sardinen darin ein paar Minuten bei niedriger Hitze ziehen lassen. Dann wie im Rezept fortfahren.


Zweiter Versuch 22.3.2019, dünner und knuspriger 











 


Freitag, 15. März 2019

Neu in Dortmund: Mu-Kii Pan Asian Tapas in der Kleppingstraße



High Tech fürs All you can eat: Bestellung per Tablet im Mu-Kii
 
Vor zwei Jahren eröffnete mit großem Erfolg das asiatische Restaurant Mu-Kii am Phoenixsee in Dortmund (klick hier). Seit Februar 2019 erobern nun Ling Wu und ihr Bruder Wenzhi Wang mit einer weiteren Filiale an der Kleppingstraße auch die Dortmunder Innenstadt.

Ling Wu und ihr Bruder Wenzhi Wang

An beiden Orten ist das Konzept bestechend, schließlich werden im Mu-Kii zwei Aspekte miteinander verbunden, die der normale Mitteleuropäer gern mit Asien verbindet: exotische Küche und elektronisches High-Tech. Das Mu-Kii ist ein All-you-can-eat-Restaurant, das all jene leckeren Häppchen von japanischem Sushi bis chinesischem Dim-Sum auf der Karte hat. Doch bestellen kann man immer nur drei Stück. Das hat den Vorteil, dass alles in der Küche frisch und individuell zubereitet werden kann und dass der Gast sich nicht zu viel auf den Teller lädt, was dann ungegessen im Müll landet. Der Clou dabei: Der Gast wählt seine Speisen auf einem Tablet aus, und die Bestellung geht direkt in die Küche.

 Die Buddhas wünschen einen gesegneten Appetit.




 Moderner asiatisch-urbaner Chic

Ling Wu und Wenzhi Wang haben die große Location mit 190 Plätzen an der Kleppingstraße, die eine wechselvolle kulinarische Geschichte hinter sich hat, mit hochmodernem, asiatisch-urbanem Chic ausgestattet. Der Pressetermin im Februar, noch vor dem Urlaub des Genießers, war eine fröhliche Reise durch die Speisekarte.

Pan Asian Tapas 

Das Essen wird frisch zubereitet 











Mu-Kii Pan Asian Tapas Dortmund City, Kleppingstr. 22, 44135 Dortmund. 0231/95017999. Mo-Do 16-23.30 Fr, Sa 12-24 So 12-23.30 Uhr. Infos klick hier oder unter Cityrestaurants

Kennzeichnung: Der Genießer bedankt sich für die Presseeinladung

Donnerstag, 14. März 2019

Wochenendvergnügen: The Big Drink



Aus der guten alten Zeit:
Der Genießer auf der ProWein 2006

Wein- und Whiskytrinker aufgepasst. Das kommende verlängerte Wochenende vom 15. bis 19. März 2019 beschert Euch ein wahres Schlaraffenland an Rhein und Ruhr. Die Lebenswässer fließen auf der Spiritousenmesse "whisky'n'more" in Hattingen, auf der "Weinmesse Rheinland-Pfalz" in Bochum und auf den Hausmessen verschiedener Weinhändler, um dann ab Sonntag im Weltereignis "ProWein" in Düsseldorf zu münden.


15.3. - 16.3.2019
Spirituosenmesse
whisky'n'more
Hattingen, LWL-Museum Henrichshütte
Infos hier

15,3. - 17.3.2019
Weinmesse Rheinland-Pfalz
Bochum, Jahrhunderthalle
Infos hier

16.3.2019
Kult(ur)-Weinmesse
Essen, Stadtgarten Steele
Infos hier

16.3.2019
Große Internationale Weinprobe
Herner Weinhandlung Julius Meimberg
Infos hier

16.3.2019
Hausmesse
Duisburg, Vinea
Infos hier

17.3 - 19.3.2019
Internationale Weinmesse
ProWein
Düsseldorf, Messe
Infos hier


Dienstag, 12. März 2019

Sonntagsküche: Gemeinschaftsmenü von „lecker werden“ und „Chefs & Butchers“



  In Aktion: Patrick Jabs (vorne), Michael Scheil (Mitte)
und C&B-Küchenchef Matthäus Brol

Wenn der Micha mit dem Patty: Das Schöne an der Gastronomie in Essen-Werden ist, dass sie nicht miteinander konkurriert, sondern in nachbarschaftlicher Eintracht miteinander kooperiert. Patrick Jabs, Mitglied der Slow Food Chef Alliance (klick hier), hat sich mit seinem „lecker werden“ schon seit Längerem im Stadtteil an der Ruhr einen Namen gemacht. Die kreative Kombination aus Kochschule, Feinkostgeschäft und Mittagstisch ist aus der kulinarischen Landschaft des Ruhrtals nicht mehr wegzudenken. Michael Scheil, langjähriger Sous-Chef im Essener Spitzenrestaurant „Hannappel“, hat einen Steinwurf entfernt gemeinsam mit Stefan Burchhardt und Bettina Möller von der Traditionsfleischerei Bremen mit der Eröffnung des „Chefs & Butchers“ im letzten Jahr (klick hier) den Sensationscoup in der Essener Gastronomie gelandet. Die Mischung aus elegantem Düsseldorfer Loft und ungezwungener Werdener Familiarität auf der Basis einer witzigen und kreativen Gourmetküche hat die Herzen (und Zungen) der Essener Feinschmecker im Nu gewonnen.

Die Chefs mal nicht am Herd, sondern am Klavier

Jetzt fand zum ersten Mal ihre gemeinsame Veranstaltung „Sonntagsküche“ statt, ein achtgängiges Flying Menue in Form einer zwanglosen Küchenparty, dass jeder der beiden Chefs zur Hälfte bestritt. Austragungsort war diesmal das „Chefs & Butchers“. Das lässige Konzept schlug ein wie eine Bombe. Gourmets nicht nur aus Werden stürmten am Sonntagnachmittag das Haus, bis kein Stuhl mehr aufzutreiben war. In bester Laune widmeten sie sich den Köstlichkeiten von Patty und Micha, nahmen es nur allzu gern in Kauf, dass sie an der Küchentür Schlange stehen mussten wie hungrige Studies in der Mensa, um sich ihre Teller abzuholen. Für die gute Laune sorgten nicht zuletzt die Weine des Weinguts Villa Hochdörffer aus der Pfalz, die von der in Werden wohnenden Kellermeisterin Tina Krachten persönlich ausgeschenkt wurden.

 Kellermeisterin Tina Krachten von der Villa Hochdörffer

Die acht Gänge waren ein schöner Streifzug durch das Repertoire von Michael Scheil und Patrick Jabs, mit hohem Anspruch an Produkte und handwerkliche Umsetzung. Manches Detail ging beim schnellen Anrichten und vor allem beim Transport der Teller durch die Gäste zu ihrem Platz vielleicht verloren, tat dem geselligen Genuss aber keinerlei Abbruch. Hier die Dokumentation des Flying Menues in Wort und Bild.

Sonntagsküche 


Gruß vom Butcher
Butcher‘s Beef Tatar mit Trüffel-Mayo
(CHEFS & BUTCHERS)

Label Rouge Lachs gebeizt
Feldfreude Monkey 47 Gewürz-Couscous Avocado
(lecker werden)
Der Lachs war mit dem Kult-Gin „Monkey 47“ aus dem Schwarzwald gebeizt und gab ihm eine herbe Wacholdernote.

Tataki vom Thunfisch
Sesam-Curry-Kruste Karotten-Ingwer-Crème Wasabi
(lecker werden)
Asiatische Poesie.

Erbsencrèmesüppchen
Wilder Steinbutt Chorizo , Morcheln
(CHEFS & BUTCHERS)
Bestach durch kräftiges Erbsenaroma. Der Fisch schön saftig. Wer die Chorizo sucht: Die spanische Paprikawurst steckte als Paste in der Morchelscheibe.

Quellwasser-Ei 62/62
Petersilienwurzel-Crème │ Artischocken │ Bunte Beete
(lecker werden)
Das samtige Eigelb war 62 Minuten bei 62 Grad gegart. (Schimanski aß sowas roh!)

Gefüllter Raviolo mit Ricotta
Spinat │ Pecorino │ Tomate │ Kräuter-Öl
(CHEFS & BUTCHERS)
Ein bisschen mehr Kräuteröl hätte den Genuss saftiger gemacht.

Knuspriger Schweinebau 24/65
Kalbskopf │ ‚Alb‘ Linsen │ Wurzelgemüse
(lecker werden)
Zum Reinlegen: Schweinbauch 24 Stunden lang bei 65 Grad gegart. Wer den Kalbskopf sucht: Aus ihm wurde die Brühe gekocht, mit der alles zubereitet wurde. Übrigens: Linsen von der Schwäbischen Alb sind ein Produkt der Slow-Food-Arche des Geschmacks.

Sorbet
Brunnenkresse │ grüner Apfel │ Buttermilch
(CHEFS & BUTCHERS)

US-Bug geschmort
Kartoffel │ Pilze │ Borettane-Zwiebel │ Schnittlauch
(CHEFS & BUTCHERS)
Was für ein Fleisch! Ebenfalls zum Reinlegen. Die kesse Zwiebel dominierte jedoch den Gesamtgeschmack.

Lauwarmer Rhabarber-Schlupfer
Sauerrahm │ Vanille │ Sauerklee
(CHEFS & BUTCHERS)

Impressionen

Bestens ausgestattet




 
Gute Stimmung bei Gastgeber Michael Scheil 

Die nächste "Sonntagsküche" findet am 15.9.2019
bei "lecker werden" statt.


Kennzeichnung: Der Genießer bedankt sich für die Presseeinladung.