Sonntag, 13. September 2026

Herbstvergnügen: Hirschragout aus heimischer Jagd mit einem fast zwanzig Jahre alten Frühburgunder von der Ahr


Hatte ich es doch richtig in Erinnerung. Von den Ausflügen, die ich zu Beginn meiner Aktivität als Blogger mit einigen Weinfreunden regelmäßig an die Ahr machte (klick hier), musste ich doch noch einige Restbestände an mitgebrachten Flaschen im Keller haben. Und tatsächlich, als ich neulich das durch die endlosen Renovierungsarbeiten in dem Haus, in dem ich wohne, völlig zugestaubte Refugium wieder einmal betrat, fand ich in den mittlerweile gelichteten Regalen zwei sorgfältig in Seidenpapier eingeschlagene Flaschen Frühburgunder von der Winzergenossenschaft Mayschoss Jahrgang 2007.


Kellerfund


Die Rebsorte Frühburgunder faszinierte mich schon immer, weil sie unter der Bezeichnung „Blauer Frühburgunder“ auf der Passagierliste der Arche des Geschmacks von Slow Food steht (klick hier). Wie der Name schon sagt, ist sie eine früher reifende Variante des Spätburgunders und war bis in die 1960-er Jahre in kühleren Anbaugebieten weit verbreitet, geriet aber dann eher in Vergessenheit, so dass sich Slow Food bemüßigt fühlte, die nötigen Rettungsaktionen einzuleiten. Und die scheinen gelungen zu sein, betrachtet man das reichhaltige Angebot, dass einem gezeigt wird, wenn man das Stichwort Frühburgunder in die Internet-Suchmaschinen eingibt. In letzter Zeit allerdings steht der Frühburgunder durch den Klimawandel wieder unter, wie mir scheint, irreversiblem Druck. Denn er mag aus vielerlei Gründe die Hitze nicht, die jetzt immer mehr in den einstmals kühleren Anbaugebieten vorherrscht.

Eigentlich gilt der Frühburgunder als nicht so lagerfähig wie sein großer Bruder, der Spätburgunder. Und so war ich gespannt, wie mein Schätzchen die 19 Jahre, die es mittlerweile auf dem Buckel hatte, verkraftet hatte. Ich fand, es war wunderbar gealtert. Farblich zwischen Dunkelblau und einem Hauch Schieferrot changierend, britzelten in der Nase Johannisbeeren, Pflaumen und Schokolade, und auf die Zunge legten sich trotz fruchtiger Säure Samt und Seide. Was für ein Kellerfund! (Wie sich die durch meinen Keller neu verlegten, durchaus isolierten Heizungsrohre auf die Lagerung von Weinen auswirken werden, muss sich noch zeigen.)

Zutaten fürs Ragout

Zu diesem Prachtwein gehörte, wie ich fand, ein schönes herbstliches Essen, für das ich durchaus die passenden, exklusiven Reste im Haus hatte. Vor einger Zeit lockte mich das Angebot von Hirschbratwürsten in den Hofladen von Bauer Schulte-Stade, doch leider handelte es sich dabei um vorgebrühte Grillwürste, mit denen ich nichts anfangen konnte. Schließlich wollte ich das frische, gut gewürzte Brät aus der Pelle puhlen, um daraus die Bolognese für eine Hirschlasagne zu machen (klick hier). Um die lange Reise in die immerhin landschaftlich so schöne Ruhrschleife in Hattingen-Winz-Baak nicht umsonst gemacht zu haben, nahm ich einfach ein Kilo Hirschgulasch mit, das ich zu Hause selbst durch den Wolf drehen wollte. Dort überfiel mich aber, wie in letzter Zeit so häufig, eine unwiderstehliche Kochunlust, und so landete das wohlverschweißte Paket erst einmal im Tiefkühlfach.


Tomatensalat "Schwarzer Muck"


Jetzt war endlich die Gelegenheit, passend zum Frühburgunder das Fleisch aus regionaler Jagd zu einem Hirschragout zu verarbeiten, das ich mit Paprika und Orange und andererem (s.u.) aromatiserte. Im Haus hatte ich ebenfalls noch ein paar Pfifferlinge für die Sauce und Tomaten der Sorte „Schwarzer Muck“ (klick hier) als als Beilage. Ob die herb-säuerlichen Tomaten ein passende Begleitung zum Wein waren, könnte man diskutieren. Sie sahen mit ihrer schwarz-grünen Melierung aber spitzenmäßig aus.

Teller 1

Teller 2

Als Saucenträger hätte ich gern Gnocchi oder andere Kartoffelklöße gehabt, aber der Einfachheit nahm ich die Nudeln, die ich noch im Schrank hatte, Casarecce. Für den ersten Teller verteilte ich das Ragout auf den Nudeln und gab eine Nocke Ziegenfrischkäse drauf, was schon ganz gut aussah. Für den zweiten Teller mischte ich jedoch den Ziegenfrischkäse direkt unter die Sauce, so dass sie ein wenig heller wurde. Die Nudeln gab ich auch direkt hinein, so dass sie mit einem goldenen Film überzogen wurden, und garnierte den fertigen Teller mit Parmesanspänen. Schöner kann der goldene Herbst nicht sein. Und besser schmecken auch nicht.


Rezept: Hirschragout aus heimischer Jagd mit Tomatensalat „Schwarzer Muck“

4 Portionen

Hirschragout:
1 kg Hirschgulsch
250 g Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
1 EL Tomatenmark
1 rote Paprikaschote
1 Bio-Orange, Saft und Schale
100 ml Rotwein oder mehr
400 ml Wildfond
geräuchertes Paprikapulver
1 TL Sojasauce
Gewürzsäckchen mit Pfefferkörner, Pimentkörnern, Nelken
Lorbeerblatt
1 Zimtstange
100 g Pfifferlinge, gesäubert
1 EL Ziegenfrischkäse
Salz
Mehl zum Bestäuben
Butterschmalz zum Anbraten

Orange dünn schälen und das Weiße weitgehend von den Schalen entfernen.
Teebeutel mit Pfefferkörner und anderen Gewürzen füllen und zubinden.
Zwiebeln, Knobauch und Paprikaschote klein würfeln.
In einem Bratentopf Butterschmalz erhitzen. Hirschragout trocken tupfen, leicht salzen und portionsweise scharf anbraten. Aus dem Bratentopf nehmen.
Evtl. etwas Fett zufügen. Tomatenmark anrösten. Die Zwiebelwürfel hineingeben, dünn mit Mehl bestäuben und weich dünsten. Knoblauch- und Paprikawürfel und Pfifferlinge dazu geben und mitdünsten. Mit geräuchertem Paprikapulver würzen. Mit Rotwein ablöschen und einkochen lassen. Angebratenes Hirschragout dazu geben, umrühren und mit Wildfond aufgießen. Zum Köcheln bringen.
Orangensaft, Sojasauce, Lorbeerblatt, Gewürzsäckchen, Zimtstange und Orangenschalen dazu geben. Zudecken und ganz sanft 1-2 Stunden köcheln lassen, bis das Fleisch ganz zart ist.
Gewürzsäckchen, Lorbeerblatt, Zimtstange und Orangenschalen, soweit nicht verkocht, entfernen. Ziegenfrischkäse unterrühren.
Mit Pfeffer, Salz und anderen Gewürzen abschmecken.

Rezept: Tomatensalat mit Pfifferlingen:
Tomaten „Schwarzer Muck“ o.a.
Pfifferlinge
Pfeffer, Salz
Olivenöl, Balsamico
Petersilie

Pfifferling in eine Pfanne einige Minuten durchschwenken.
Tomaten in Scheiben schneiden und auf Teller verteilen. Mit Pfifferlingen garnieren. Pfeffern, salzen, und mit Öl und Balsamico beträufeln.

Anrichten:
Weich gekochte Nudeln, hier Casarecce
Ziegenfruschkäse
Parmesan
Petersilie

Gekochte Nudeln mit dem Hirschragout vermischen. Auf Teller verteilen und mit Frischkäsenocken oder Parmesanspänen und Petersilie garnieren. Zusammen mit dem Tomatensalat servieren.

Weitere Rezept für den Goldenen Herbst klick hier

Freitag, 4. September 2026

Herbstvergnügen revisited: Pikanter Zwetschgen-Risotto mit Pfifferlingen und Walnüssen


Eigentlich ist es ja eine Schande, dass ich dieses schöne Herbstgericht vor acht Jahren das erste und bislang auch einzige Mal gemacht habe: Pikanter Zwetschgen-Risotto mit Pfifferlingen und Walnüssen. Ich nehme an, dass es an den den seltenen und deshalb kostbaren Zutaten gelegen hat, die ich damals verabeitete. Ich hatte Zwetschgensaft, Zwetschgenkompott und Zwetschgen Marmelade aus der kleinen Bochumer Manufaktur „im Glas“ bekommen, die es heute leider nicht mehr gibt (klick hier).


Zutaten: Pflaumensaft, Zwetschgen, Walnüsse, Pfifferlinge

So fand ich es endlich an der Zeit, mir das Ganze noch einmal vorzunehmen, nur eben mit Zutaten aus anderen Quellen. Das Kompott bereitete ich einfach selbst zu, denn ich hatte fantastische Zwetschgen auf der Essener Bonnekamphöhe (klick hier) bekommen. Hervorragenden Pflaumensaft bietet die Saftkelterei Van Nahmen in Hamminkeln an (klick hier). Pfifferlinge gab es wie damals schon im Supermarkt meines Vertrauens, und französische Walnüsse und Risottoreis hatte ich sowieso im Haus.

Bei der Zubereitung des fruchtig-erdig-nussigen Soulfoods hielt ich mich weitgehend an das Rezept von damals (klick hier). Doch diesmal konnte ich nicht auf die edlen Fertigprodukte von damals zurück greifen, sondern ich kochte als erstes für die fruchtige Garnitur die frischen Zwetschgen mit etwas Pflaumensaft weich. Dan bereitete ich einen einfachen Risotto zu, den ich mit Zimt, Nelken, Sternanis und einigen Kräutern zwetschgenaffin würzte und dann nach klassischer Art mit Butter und geriebenem Parmesan verfeinerte. Auf den Rotwein für die Farbgebung verzichtete ich diesmal, denn der Pflaumensaft, den ich für das Gericht verwendete, war diesmal naturtrüb und nicht klar. Die Pfifferlinge briet ich parallel in einer Extra-Pfanne zu einem Geröstel an.

Leider ließ ich die Zwetschgen zu lange im Saft köcheln, so dass sie beim Anrichten weitgehend zerfielen. Dem Geschmack tat das keinerlei Abbruch, und auch die purpur-goldene Optik der fertigen Teller war immer noch sehr appetitanregend. Aber die Fotos von vor acht Jahren finde ich immer noch schöner.

Vor acht Jahren

Aktuell

Zu den Rezepten für den Risotto und das Pfifferlingsgeröstel klick hier.

Rezept: Zwetschgenkompott

500 g Zwetschgen
100 ml Pflaumensaft
20 g Zucker
1 Zimtstange
1-2 Gewürznelken
1 Prise Salz
½ TL Speisestärke

Zwetschgen waschen. Der Länge nach aufschneiden un den Stein entfernen.
Mit Zucker, Slaz, Zimtstangen und Nelken in einen Topf geben und Pflaumensaft dazugießen.
Bie kleiner Hitze um 10 Minuten köcheln lassen. Aufpassen, dass die Zwetschgen nicht zu weich werden.
Wenn die Zwetschgen fertig sind, Gewürze entfernen.

Anrichten:
Risotto mit der Hälfte der Pfifferlinge vermischen und auf Teller geben. Mit Zwetschgebnkompott übergießen un den restlichen Pfifferlingen ganieren. Mit gehackter Petersilie bestreuen.

Freitag, 28. August 2026

Gourmetmeilen 2026: „Essen...verwöhnt auf Zollverein“ gestartet

Dass die traditionell letzte große Veranstaltung der alljährlichen Gourmetmeilensaison im Ruhrgebiet nach 16 Jahren plötzlich einen anderen Namen hat, scheint den Besuchern bei der gestrigen Eröffnung kaum aufgefallen zu sein. Hieß die Veranstaltung bislang „Gourmetmeile Metropole Ruhr“, so firmiert sie seit Frühjahr als „Essen...verwöhnt auf Zollverein“. Der Grund dafür ist eigentlich ein trauriger, wie der Genießer meint. „Essen...verwöhnt“ war bislang der Name der legendären Gourmetmeile in der Essener Innenstadt, die in diesem Jahr jedoch abgesagt werden musste (klick hier). Um die Namensrechte daran zu behalten, mussten Veranstalter Rainer Bierwirth und sein Verein „Essen...genießen e.V.“ den eingängigen Slogan jedoch weiter benutzen. Und so bekam die Gourmetmeile auf dem Welterbe Zollverein plötzlich ganz pragmatisch einen neuen Namen.

Essens 1. Bürgermeisterin Julia Jacob und Veranstalter Rainer Bierweirth eröffnen die Gourmetmeile.

Mit der Innenstadt-Meile konnte sich die Schwesterveranstaltung auf dem denkmalgeschützen Zechengelände schon immer messen, und auch in diesem Jahr schafft sie es, dass man den Verlust mühelos verschmerzt. Zwölf zum größten Teil altbewährte Restaurants aus Essen, Bochum, Mülheim und Düsseldorf stehen mit ihren Zelten bereit, die Vielfalt der Gestronomie im Ruhrgebiet abzubilden. Neu dabei ist die Trattoria Momo aus Bochum. Und es ist gelungen, endlich wieder ein Sternerestaurant in den Schatten des Förderturms zu locken – das Restaurant Hannappel.

Coole Musik für eine angenehme Stimmung.

Die Teilnehmer von „Essen...verwöhnt auf Zollverein“ sind angehalten, als Add-on zu ihrem „normalen“ Progarmm auch noch jeweils ein Gourmetgericht und eine Bergmannsgericht anzubieten. So kommte es, dass neben luxuriösen Filet- und Seafood-Gerichten auch vier unterschiedliche Currywurst-Interprationen im Angebot sind. Ich weiß nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Ist das nun Ausdruck einer schwellenlosen demokratischen Esskultur oder die Kapitualtion des Fine Dinings vor dem Street Food?



Der Genießer bei der Arbeit.

Aber lecker ist es ja. So hatte der Genießer Grund genug, gemeinsam mit Silke von der Facebook-Seite „Mein kulinarisches Dortmund“ und seinen Food-Companeros Jochen und Christian aus den entlegendsten Ecken des Ruhrgebiets zu einer Gourmet-Expedition in den Essener Norden aufzubrechen und vor allem das Angebot von Hannappel durchzuchecken. Und weil alles geschwisterlich geteilt wurde, blieb auch noch Platz für das eine oder andere Schmankerl.

Essen...verwöhnt auf Zollverein
27.8.2026

Die Hannappel-Session 

Currywurst
Kartoffelespuma – Wollschweinwurst – Zwiebel
9,50 €
So mag der Bergmann auch Sterneküche. Die obligatorische Currywurst aus bestem Fleisch, stilecht in Stücke geschnitten. Ob mit dem Currywurst-Häcksler oder mit der Allzweckschere, ich weiß es nicht.



Thunfisch
Gazpacho – Jalapeño – Röllchen
12,50 €
Was sich hinter den „Röllchen“ verbarg, erschloss sich uns leider nicht. Aber die grüne klare Essenz bündelte die Gurken-Tomaten-Paprika-Aromen der spanischen Gazpacho mit intensiver Frische und ergänzte die feine Thunfischzubereitung perfekt.



Spätzle
Trüffel – Spinat – Crumble
14,00 €
Um es ehrlich zu sagen, von diesem Gang waren wir enttäuscht. Er kam ungewürzt, laff und ziemlich trocken daher.
 


Hühnerkeule
Petersilienwurzel – Piri Piri – Pak Choi – Mandel
16,50 €
Das saftige Hühnerfleisch, auf den Punkt gegart und pikant abgeschmeckt, war eine überzeugende Vollmahlzeit.



Wagyu Shabu Shabu
Rauchaalöl – Kaviar – Erbse – Hoisin
28,50 €
Eigentlich ist Shabu Shabu ja eine Art japanisches Fondue, bei dem der Gast sich feinstes Rindfleisch in einer edlen Brühe am Tisch selbst gart (klick hier). Hier kam das erstklassige Wagyu-Fliesch bereits fertig zubereitet auf den Teller, begleitet von feinen Beilagen.
 

Himbeere – Hagebuttenblüten – Pfeffer – Granité
Joghurt – weiße Schokolade
10, 50 €
Ein luftig-leichtes Dessert mit überraschender Aromatik.


Was sonst noch reinging



Momo mio Momo
Carpaccio vom Rind
Rucola & Parmesan
8 Euro
Ein wunderbarer Einstieg in die Schlemmer-Tour. Bestes Rindfleisch zum fairen Preis.


La Turka
Orientalische Dattel-Currywurst
Geröstete Mandeln | getrüffelte Stampfkartoffeln
10,- €
Mittlerweile ein Klassiker bei La Turka. Die Sauce ist durch die Datteln schön süß-pikant, die Wurst allerdings eine Brühwurst nach Art der Berliner Currywurst.


Da Vinci
Bohneneintopf nach ital. Art
Mit würziger Salsiccia
10 €
Nein, das ist keine Currywurst in Sauce, sondern italienische Salsiccia in Bohnensuppe. Trifft die Vorstellung eines Bergmannsgerichtes genau.


Gummersbach
Schnitzel von der französischen Entenleber
Schalottenmarmelade, Honigbrot, Apfel
19 € 
Die französische Entenleber ist ein Klassiker bei Gummersbach und macht der Bezeichnung „Gourmetgericht“ alle Ehre.


Bliss
Pulpo Tempura
Teriyaki-Rotkohl, Wasabicreme
8 €

Schon auf dem „Kulinarischen Treff“ in Mülheim überzeugte der Pulpo im feinen Tempurateig, während der Rotkohl irritierte.



Bliss
Duett aus Futomaki und Thunfisch Tataki
12 €
Überzeugende kleine Reise durch Japan aus Rüttenscheid.



Gärtnerei / Fleischerei
Bouillabaisse
Sauce Rouille | Baguette
16 €
Eine etwas dünn geratene Fischsuppe, die aber durch ihre intensive Aromastärke überzeugte. Ganz großartig die Rouille, ein Fest für Safranfreunde.



Hüftgold
Zum Nachtisch allerlei Eis


Coffee Bike
Espresso für vier

„Essen...verwöhnt auf Zollverein“ geht noch bis zum 30. August 2026. Sa und So ab 12 Uhr. Alle Infos zum Musikprogramm und Speisekarten mit Preisen klick hier.


Donnerstag, 27. August 2026

Gourmetmeilen 2026: „Zu Gast in Recklinghausen“ eröffnet


Mit einer glanzvollen Eröffnung bei strahlendem Sonnenschein trotzte gestern „Zu Gast in Recklinghausen“ der großen Krise, in der sich die Gourmetmeilen im Ruhrgebiet in diesem Jahr befinden. Während anderswo traditionsreiche Veranstaltungen dieser Art eingestellt wurden, kann das Gourmetfest vor dem imposanten Rathaus immerhin seinen 39. Geburtstag feiern. 

Mit einem einzigen Hammerschlag sticht Bürgermeister Axel Tschersich das Fass an, beobachtet von Norbert Menzel vom neuen Veranstalter LM:V Veranstaltungsservice Herne.

Allerdings hat sich auch hier einiges geändert. Nicht nur, dass mit Axel Tschersich ein neuer Bürgermeister den Fassanstich zum Start ausführen musste, es gibt auch einen neuen Veranstalter, den LM:V Veranstaltungsservice, der seine Sitz übrigens nicht in der Festspielstadt selbst, sondern im benachbarten Herne hat. Und drei neue Restaurants mussten einige ausgeschiedene Kandidaten ersetzen: Das Ausflugslokal Mutter Wehner aus der Haardt in Oer-Erkenschwick, das Restaurant Vangos in der Residenz „Wohnen am Festspielhaus“ und das Ristorante Antica Roma am Bürgerhaus in Recklinghausen-Süd.

Biergarten-Party-Stimmung auf dem Rathausplatz

Beeindruckend war, wie viel Politprominenz der Stadt sich zur Eröffung eingefunden hatte, und der Rathausplatz füllte sich am späten Nachmittag rasch, so dass recht bald eine trubelige Biergarten-Partyatmosphäre herrschte. Auch der Genießer und sein Slow-Food-Kollege Jochen hatten sich eingefunden, um ein paar der angebotenen Gerichte zu probieren. Hier im nördlichen Ruhrgebiet ist natürlich Üppigkeit angesagt, aber das, was wir auf die formschöne Plastikgabel bekamen, die in diesem Jahr zum Standardbesteck der Veranstaltung gehört, war gar nicht übel.



Im Glas: Alkoholfreier Hugo


Zu Gast in Recklinghausen
26.8.2026


Antica Roma
Vitello Tonnato
Die überzeugende klassische italienische Vorspeise beim Meilen-Neuling war der perfekte Einstieg.




Vangos
Veganer Kebab
Herzhaft gewürzt, auf fruchtigem Tomaten-Ragout mit Soja-Tahin-Dressing & knusprigem Baguette 
Dieses Gericht ist der perfekte Einstieg für den Neuling bei Zu Gast in Recklinghausen. Nicht nur, dass es ein seltenes veganes Angebot ist, es kann auch Fleischfreunde überzeugen. Die Bratlinge auf Seitan-Basis waren in Konsistenz und Geschmack perfekt, das Tomaten-Ragout richtig lecker. Die einzige Irritation war, dass ich mir bei Kebab Geschnetzeltes vorgestellt hatte. Diese Frikadellen hätte ich Köfte genannt. Aber das weiß wohl der Koch besser.




Gute Stube im Parkhote
lFish & Chipsmit Vinegar & hausgemachtem Remouladen-Relish 
Zum zweiten Mal dabei hat sich die Gute Stube im Parkhotel Herne schon zum kulinarischen Spitzenbetrieb bei Zu Gast in Recklinghausen gemausert. Mit Fish & Chips führt es die Tradtion fort, die einst vom Irish Pub Murphy's begründet wurde. Stilecht werden die würzigen Chips mit von einer Portion Essig begleitet.



Gute Stube im Parkhotel
Rinderschmorbraten mit Romanasalat, Redieschen und Kartoffelpüree
Im Untertitel wird dieses Gericht als „Signature Dish der Guten Stube“ angekündigt, und tatsächlich ist es ein Mittagessen wie bei Muttern. Das Fleisch löffelweich geschmort, die Sauce würzig abgeschmeckt, das Püree gaumenschmeichelnd – was will man mehr! 


Mutter Wehner
Erdbeertiramisumit süßem Minzpesto & frischen Erdbeeren
Als Dessert gab es ebenfalls einen Italo-Klassiker. Den Kick gab das süße Minz-Pesto.




Und noch mal der Schmorbraten


Zu Gast In Recklinghausen geht noch bis zum 30.8.2026. Alle Infos zum Programm und Speisekarten klick hier.


Samstag, 22. August 2026

Butter bei die Fische II: Portugiesische Sardinen

Enthält unbezahlte und unbeauftragte Werbung.


Sie haben es den Bretonen abgeguckt: Jetzt bringen auch die Portugiesen ihre fantastischen Sardinen mit Butter in die Dose. Im Feinkosthandel meine Vertrauens fand ich die ansprechend gestalteten Konserven des portugiesischen Produzenten José. Eine nachfolgende Recherche im Internet schaffte allerdings Irritationen. Auf der offiziellen Seite des Erzeugers und auch bei anderen Händlern wrd das Produkt als „Sardines in Azores Butter“ angekündigt; auf meiner Umverpackung stand allerdings nur „Sardines in Butter“. Butter von den Azoren gilt in Portugal als besondere Spezialität. Sollten der Konservenfabrik die Vorräte ausgegangen sein und haben sie dann nur eine Art „Volksausgabe“ herausgebracht?



Beim Braten der Sardinen wurden die Kapern gleich mit frittiert.


Nichtsdestoweniger stand das Produkt den bretonischen Originalen (klick hier) in nichts nach. Ich bereitete die portugiesischen Buttersardinen sofort als lecker Essen für Europa zu. Durch Übergießen der geschlossenen Dose mit kochendem Wasser brachte ich die Butter im Innern zum Schmelzen und goss dann den Inhalt komplett in eine Pfanne. In der Butter briet ich nicht nur die Sardinen auf, sondern frittierte ein paar Kapern von den Äolischen Inseln gleich mit. Zusammen mit einem Caponata-Couscous und einem Glas ein Grillo Shamaris von Cusomano eine wunderbare sizilianisch inspirierte Sommermahlzeit.

Variation ohne Sardinen:
Caponata-Couscous mit Scamorza überbacken.

Caponata ist eine typisch sizilianische, süß-sauer angemachte Gemüsezubereitung aus Auberginen, Paprika, Tomaten, Stangensellerie, Oliven, Kapern, Pinienkernen und Rosinen, die ich mit Couscous vermischte. Denn Couscous ist ebenfalls typisch für die südtalienische Insel, wie ich einst in dem leider nicht mehr existierenden Café und Bistro Mara in Hattingen lernen durfte (klick hier). Ich hatte mir bereits am Tag zuvor schon eine mit geräuchertem Scamorza-Käse überbackene Portion meines Gerichtes gegönnt. Mit den Sardinen kam nun der Rest zum Einsatz, der nach mehr als 24 Stunden wunderbar durchgezogen war. 

Zum Caponata-Rezept bitte hier klicken.



Weißwein Grillo aus Sizilien 

 

Samstag, 8. August 2026

Rettet die Linsensuppe oder Saison auf dem Balkon: Tsirani Vosp Apur – Armenische Linsensuppe mit Aprikosen (vegan). Dazu ein Carpaccio aus roher Roter und Gelber Bete mit Walnüssen und Feta (vegetarisch).


Die Aprikose ist das Sommerobst schlechthin. Ihre fast kugelrunde, zwischen gelb, orange und rot changierende Frucht wirkt wie ein Symbol für die Sonne und die Hitze, wie man sie in weitab vom Meer liegenden Urlaubs- und Weinanbaugebieten erleben kann, etwa im französischen Rhônetal oder in der österreichischen Wachau. Ursprünglich stammt sie aus Armenien und wurde von den Persern, Römern und Osmanen im ganzen vorderen Orient verbreitet und nach Europa gebracht – ein Schicksal, das sie mit der Linse teilt.

In Armenien und darüber hinaus wird das Steinobst gern mit dieser Hülsenfrücht kombiniert. Angesichts der vollreifen Aprikosen, die mich im Supermarkt meines Vertrauens anlachten, und meiner Vorliebe für Linsensuppe war ich sofort von einem armenischen Gericht begeistert, dessen Rezept ich in verschieden Varianten im Internet entdeckte: Tsirani Vosp Apur. Beide Bestandteile werden für diese Linsensuppe mit Aprikosen zu einer fruchtig pikanten Suppe verarbeitet und orientalisch gewürzt. Um typische Walnüsse ergänzt, kam es mir wie eine vegane Variante von Chartscho vor, dem georgischen Rindertopf, den ich vor einiger Zeit zubereitet hatte und der mir sehr gut gefallen hatte (klick hier). Von diesem Rezept hatte ich noch etwas Schabzigerklee übrig, den ich hier zusätzlich fürs Würzen verwenden konnte.

Zutaten: Zwiebeln, rote Linsen, Dosentomaten, 
Aprikosen frisch, Aprikosen getrocknet, Karotten

Tsirani Vops Apur gelingt prima mit getrockneten Aprikosen, was wohl auch dem Original entspricht, doch mich überzeugte sehr, dass in in einigen Rezepten frische Früchte verwendet wurden und die getrockneten nur, um nachzusüßen. Beim Dosieren der Gewürze sollte man vorsichtig vorgehen, zu Beginn ein wenig mit anrösten und dann zum Schluss noch einmal präzise abschmecken.
Warm war die Suppe ein Gedicht, aber noch besser schmeckte sie mir bei der diesjährigen Sommerhitze am nächsten Tag kalt direkt aus dem Kühlschrank. Als Getränkebegleitung war ein Glas Kefir stilecht.


Rezept: Tsirani Vosp Apur – Armenische Linsensuppe mit Aprikosen


200 g rote Linsen
1-2 Karotten
1-2 Zwiebeln
1-2 Zehen Knoblauch
1 Chilischote
1 Dose geschälte Tomaten (400 g)
500 ml Gemüsebrühe
1-2 Zweige Rosmarin
4-5 frische Aprikosen
3-4 Softaprikosen
Salz, Pfeffer
Zitronensaft
Kreuzkümmel, Curry, geräuchertes Paprikapulver, Schabzigerklee, Zimt
Rapsöl
Zur Garnitur: Wanusskerne oder Mandeln, frische oder getrocknete Aprikosen

Zwiebeln, Knoblauch und Karotten fein würfeln, Chischote zerkleinern und Kerne nach Geshmack entfernen. Je 1 Messerspitze Kreuzkümmel, Curry, geräuchertes Paprikapulver in einer Pfanne anrösten. Öl dazugeben und die Gemüsewürfel darin andünsten. Geschälte Tomaten dazugeben und mit dem Pfannenheber zerkleinern. Mit Gemüsebrühe auffüllen, Rosmarinzweige dazugeben und zum Kochen bringen. Gewaschene rote Linsen dazugeben und ca. 15-20 Minuten köcheln lassen. Frische und getrocknete Aprikosen in kleine Stücke schneiden und in die Suppe geben. Weitere 15 Minuten köcheln lassen. Rosmarinzweige herausfischen. Mit Zitronensaft, Pfeffer und Salz und den anderen Gewürzen abschmecken.

Etwas überlagerte Gelbe und Rote Bete

Um die Mahlzeit zu komplettieren, wollte ich endlich die roten und gelben Bete-Knollen von der Bonnekamphöhe, die schon seit über einer Woche ihr Dasein im Gemüsefach fristeten, aufbrauchen. Da stieß ich auf ein Rezept für einen Rote-Bete-Salat mit Walnüssen und Feta-Käse, der mir sehr passend schien (klick hier). Allerdings war es mir zu aufwendig, meine Beten vorher zu kochen, und so beschloss ich, sie roh zu verwenden. Das ist durchaus möglich und sogar sehr gesund, doch muss man die Knollen wie ein Carpaccio hauchdünn hobeln. Das gelang mir nicht wirklich, denn meine Gemüsehobel war nicht scharf genug. So blieben die Scheiben entwas dick und waren dann beim Kauen entsprechend hart. Und wei sie nicht gekocht waren, setzte die in der Roten Bete enthaltene Oxalsäure meiner Verdauung doch etwas zu. So ist es für empfindliche Mägen wohl ratsam, die Knollen für dieses Gericht vorher zu garen. Verwendet man verschiedenfarbige, sollte man sie getrennt kochen, damit die rote Farbe nicht alles einfärbt.


Rezept: Salat von Roter und Gelber Bete mit Walnüssen und Feta


Je 2 kleine Rote und Gelbe Bete-Knollen
50 g Feta
2-3 Walnüsse
3 Frühlingszwiebeln
4 EL Olivenöl
2 EL weißer oder dunkler Balsamico Essig
1 TL Honig
Salz, Pfeffer

Rote und Gelbe Bete mit dem Sparschäler schälen und in hauchdünne Scheiben hobeln.
Aus Olivenöl, Balsamico-Essig Honig, Salz und Pfefer ein Dressing zubereiten und die Bete-Scheiben damit 15 Minuten marinieren.
Schalotten oder große Frühlingszwiebeln in dünne Ringe schneiden.
Walnüsse knacken und die Kerne zweischen den Fingern in Stücke drücken.
Rote und gelbe Bete-Scheiben auf flache Teller verteilen. Mit Zwiebelringen, zerkrümeltem Feta und Walnusstücken garnieren. Mit restlicher Marinade übergießen.