Hatte ich es doch richtig in Erinnerung. Von den Ausflügen, die ich zu Beginn meiner Aktivität als Blogger mit einigen Weinfreunden regelmäßig an die Ahr machte (klick hier), musste ich doch noch einige Restbestände an mitgebrachten Flaschen im Keller haben. Und tatsächlich, als ich neulich das durch die endlosen Renovierungsarbeiten in dem Haus, in dem ich wohne, völlig zugestaubte Refugium wieder einmal betrat, fand ich in den mittlerweile gelichteten Regalen zwei sorgfältig in Seidenpapier eingeschlagene Flaschen Frühburgunder von der Winzergenossenschaft Mayschoss Jahrgang 2007.
Kellerfund
Die Rebsorte Frühburgunder faszinierte mich schon immer, weil sie unter der Bezeichnung „Blauer Frühburgunder“ auf der Passagierliste der Arche des Geschmacks von Slow Food steht (klick hier). Wie der Name schon sagt, ist sie eine früher reifende Variante des Spätburgunders und war bis in die 1960-er Jahre in kühleren Anbaugebieten weit verbreitet, geriet aber dann eher in Vergessenheit, so dass sich Slow Food bemüßigt fühlte, die nötigen Rettungsaktionen einzuleiten. Und die scheinen gelungen zu sein, betrachtet man das reichhaltige Angebot, dass einem gezeigt wird, wenn man das Stichwort Frühburgunder in die Internet-Suchmaschinen eingibt. In letzter Zeit allerdings steht der Frühburgunder durch den Klimawandel wieder unter, wie mir scheint, irreversiblem Druck. Denn er mag aus vielerlei Gründe die Hitze nicht, die jetzt immer mehr in den einstmals kühleren Anbaugebieten vorherrscht.
Eigentlich gilt der Frühburgunder als nicht so lagerfähig wie sein großer Bruder, der Spätburgunder. Und so war ich gespannt, wie mein Schätzchen die 19 Jahre, die es mittlerweile auf dem Buckel hatte, verkraftet hatte. Ich fand, es war wunderbar gealtert. Farblich zwischen Dunkelblau und einem Hauch Schieferrot changierend, britzelten in der Nase Johannisbeeren, Pflaumen und Schokolade, und auf die Zunge legten sich trotz fruchtiger Säure Samt und Seide. Was für ein Kellerfund! (Wie sich die durch meinen Keller neu verlegten, durchaus isolierten Heizungsrohre auf die Lagerung von Weinen auswirken werden, muss sich noch zeigen.)
Zu diesem Prachtwein gehörte, wie ich fand, ein schönes herbstliches Essen, für das ich durchaus die passenden, exklusiven Reste im Haus hatte. Vor einger Zeit lockte mich das Angebot von Hirschbratwürsten in den Hofladen von Bauer Schulte-Stade, doch leider handelte es sich dabei um vorgebrühte Grillwürste, mit denen ich nichts anfangen konnte. Schließlich wollte ich das frische, gut gewürzte Brät aus der Pelle puhlen, um daraus die Bolognese für eine Hirschlasagne zu machen (klick hier). Um die lange Reise in die immerhin landschaftlich so schöne Ruhrschleife in Hattingen-Winz-Baak nicht umsonst gemacht zu haben, nahm ich einfach ein Kilo Hirschgulasch mit, das ich zu Hause selbst durch den Wolf drehen wollte. Dort überfiel mich aber, wie in letzter Zeit so häufig, eine unwiderstehliche Kochunlust, und so landete das wohlverschweißte Paket erst einmal im Tiefkühlfach.
Tomatensalat "Schwarzer Muck"
Jetzt war endlich die Gelegenheit, passend zum Frühburgunder das Fleisch aus regionaler Jagd zu einem Hirschragout zu verarbeiten, das ich mit Paprika und Orange und andererem (s.u.) aromatiserte. Im Haus hatte ich ebenfalls noch ein paar Pfifferlinge für die Sauce und Tomaten der Sorte „Schwarzer Muck“ (klick hier) als als Beilage. Ob die herb-säuerlichen Tomaten ein passende Begleitung zum Wein waren, könnte man diskutieren. Sie sahen mit ihrer schwarz-grünen Melierung aber spitzenmäßig aus.
Als Saucenträger hätte ich gern Gnocchi oder andere Kartoffelklöße gehabt, aber der Einfachheit nahm ich die Nudeln, die ich noch im Schrank hatte, Casarecce. Für den ersten Teller verteilte ich das Ragout auf den Nudeln und gab eine Nocke Ziegenfrischkäse drauf, was schon ganz gut aussah. Für den zweiten Teller mischte ich jedoch den Ziegenfrischkäse direkt unter die Sauce, so dass sie ein wenig heller wurde. Die Nudeln gab ich auch direkt hinein, so dass sie mit einem goldenen Film überzogen wurden, und garnierte den fertigen Teller mit Parmesanspänen. Schöner kann der goldene Herbst nicht sein. Und besser schmecken auch nicht.
Rezept: Hirschragout aus heimischer Jagd mit Tomatensalat „Schwarzer Muck“
4 Portionen
Hirschragout:
1 kg Hirschgulsch
250 g Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
1 EL Tomatenmark
1 rote Paprikaschote
1 Bio-Orange, Saft und Schale
100 ml Rotwein oder mehr
400 ml Wildfond
geräuchertes Paprikapulver
1 TL Sojasauce
Gewürzsäckchen mit Pfefferkörner, Pimentkörnern, Nelken
Lorbeerblatt
1 Zimtstange
100 g Pfifferlinge, gesäubert
1 EL Ziegenfrischkäse
Salz
Mehl zum Bestäuben
Butterschmalz zum Anbraten
Orange dünn schälen und das Weiße weitgehend von den Schalen entfernen.
Teebeutel mit Pfefferkörner und anderen Gewürzen füllen und zubinden.
Zwiebeln, Knobauch und Paprikaschote klein würfeln.
In einem Bratentopf Butterschmalz erhitzen. Hirschragout trocken tupfen, leicht salzen und portionsweise scharf anbraten. Aus dem Bratentopf nehmen.
Evtl. etwas Fett zufügen. Tomatenmark anrösten. Die Zwiebelwürfel hineingeben, dünn mit Mehl bestäuben und weich dünsten. Knoblauch- und Paprikawürfel und Pfifferlinge dazu geben und mitdünsten. Mit geräuchertem Paprikapulver würzen. Mit Rotwein ablöschen und einkochen lassen. Angebratenes Hirschragout dazu geben, umrühren und mit Wildfond aufgießen. Zum Köcheln bringen.
Orangensaft, Sojasauce, Lorbeerblatt, Gewürzsäckchen, Zimtstange und Orangenschalen dazu geben. Zudecken und ganz sanft 1-2 Stunden köcheln lassen, bis das Fleisch ganz zart ist.
Gewürzsäckchen, Lorbeerblatt, Zimtstange und Orangenschalen, soweit nicht verkocht, entfernen. Ziegenfrischkäse unterrühren.
Mit Pfeffer, Salz und anderen Gewürzen abschmecken.
Rezept: Tomatensalat mit Pfifferlingen:
Tomaten „Schwarzer Muck“ o.a.
Pfifferlinge
Pfeffer, Salz
Olivenöl, Balsamico
Petersilie
Pfifferling in eine Pfanne einige Minuten durchschwenken.
Tomaten in Scheiben schneiden und auf Teller verteilen. Mit Pfifferlingen garnieren. Pfeffern, salzen, und mit Öl und Balsamico beträufeln.
Anrichten:
Weich gekochte Nudeln, hier Casarecce
Ziegenfruschkäse
Parmesan
Petersilie
Gekochte Nudeln mit dem Hirschragout vermischen. Auf Teller verteilen und mit Frischkäsenocken oder Parmesanspänen und Petersilie garnieren. Zusammen mit dem Tomatensalat servieren.
Weitere Rezept für den Goldenen Herbst klick hier






















































