Donnerstag, 7. Mai 2026
Bretonische Fantasie: Sardinen in Bordierbutter mit gefüllten Artischocken, grünem Spargel und Bratkartoffeln
Ich hatte ja schon an anderer Stelle berichtet, wie schwierig es ist, in der realen Einkaufswelt jenseits des Internets die bretonische Dosenfisch-Spezialität Sardinen in Butter zu bekommen (klick hier), die man aufgebraten warm aus der Pfanne genießt. Umso erfreuter war ich, als ich entdeckte, das Slow-Food-Chef Patrick Jabs in seinem Feinkostladen „lecker werden“ (klick hier) die „Sardines au Beurres Bordier“, die Sardinen in Butter des bretonischen Butterpapstes Jean-Yves Bordier der Fischmanufaktur La Quiberonnaise, vorrätig hat. So machte ich mich zu einem Ausflug in das so betriebsame wie idyllische Essen-Werden auf, um mich mit einem kleinen Vorrat dieses kulinarischen Juwels einzudecken – nicht zuletzt, um nebenbei auch eine ganz fantastische Wild-Lasagne vom Mittagstisch des Meisters zu probieren.
Wild-Lasagne im "lecker werden"
Die fünf 115-Gramm-Dosen fristeten erst einmal ein wohlbhütetes Schatzkammer-Dasein in meinem Vorratsregal, bis ich auf Instagram ein Filmchen entdeckte, in dem das Rezept von gebratenen, mit einer Art Petersilien-Pistou gefüllten Artischocken vorgeführt wurde (klick hier). Die schienen mir eine ideale Ergänzung zu den Sardinen. Schließlich sind Artischocken ein typisches Produkt für die Bretagne, besonders für die Gegend um Roscoff, aus der auch die wunderbare rosa Zwiebel herkommt (klick hier). In dem Instagram-Rezept wurden kleine, zarte Artischocken verwendet, die ich auf dem Bochumer Wochenmarkt leider nicht bekommen konnte. Stattdessen musste ich mich mit zwei ziemlich großen Exemplaren begnügen, die ziemlich hart und stachelig daherkamen.
Eine weitere Beilage sollten Kartoffeln sein, die ich ebenso wie die Sardinen in der Bordierbutter aufbraten wollte. Tatsächlich fand ich an einem Kartoffelstand Drillinge aus Frankreich, und ich bildete mir einfach ein, sie kämen von der Île de Batz, wo die Kartoffeln besonders schmackhaft sind, weil sie mit Algen aus dem Atlantik gedüngt werden. Tatsächlich schmeckten sie dann auch sehr gut, doch waren sie wohl schon etwas älter und wiesen zahlreiche Augen von noch nicht ausgewachsenen Keimen auf, so dass ich sie nicht mit der Schale verwenden wollte.
Bei der Zubereitung der Artischocken hätte ich eigentlich umdisponieren sollen. Ich hätte sie ganz klassisch im Ganzen garen sollen, um zum Essen die einzelnen Blätter abzuzupfen und deren weichen, genießbare Teile abzuzuzutzeln, nachdem ich sie in das Petersilien-Pistou gedippt hätte. Oder ich hätte sie bis auf den Boden zurückschneiden sollen, den ich dann leicht ausgehöhlt mit dem Pistou gefüllt gebraten hätte. Aber ich wollte mich nah ans Rezept halten und sie als Hälften braten. So hatte ich nach dem Essen noch eine Menge Abfall auf dem Teller, vor allem auch deswegen, weil ich beim Beschneiden der Artischocken nicht radikal genug vorgegangen war.
Aber sei's drum, insgesamt war meine Zusammenstellung, zu der noch ein Rest grüner Spargel kam, den ich im Ofen gegart hatte, eine wunderbare Genusskombination aus Meeresgeschmack, Erdigkeit und Röstaromen. Dazu hätte ich gern einen Cidre getrunken, hatte aber keinen zur Hand. Und so ersetzte ich ihn durch Rhabarbernektar, der mit seiner rauen Mischung aus Süße und Säure der ganzen Sache noch einen zusätzlichen Kick gab.
Beim obligatorischen Fotografieren auf dem Balkon machte mir das Anfang Mai noch vorherrschende Aprilwetter einen Strich durch die Rechnung. Herrschte zu Beginn meiner Kochaktion noch strahlender Sonnenschein, bezog sich der Himmel am Ende mit tiefgrauen Wolken und es begann zu regnen, so dass schließlich das Arrangement auf dem Teller auf den Fotos genauso wild aussah wie die bretonische Küste.
Rezept: Sardinen in Bordierbutter mit gefüllten Artischocken, grünem Spargel und Bratkartoffeln
In Bordierbutter gebratene Sardinen und Kartoffeln:
Pro Person 1 Dose Sardinen (mit 4 Fischen) in Bordierbutter
Pro Person 4 kleine neue Kartoffen (Drillinge)
1-2 Zehen Knoblauch
1 Zweig Rosmarin
Salz, Pfeffer
ggf. zusätzliche Butter, vorzugsweise von Bordier
Kartoffeln in stark gesalzenem Wasser ca. 20 Minuten weich kochen. Die geschlossenen Dosen Sardinen kurz mit in den Topf geben, damit die die harte Butter innen schmilzt. Sardinendose vorsichtig öffnen und die flüssige Butter samt Sardinen in eine Pfanne geben.
Gar gekochte Kartoffeln abgießen, auskühlen lassen, ggf. pellen und längs halbieren.
Knoblauchzehen und Rosmarinzweig als Aromaten zu den Sardinen in die Pfanne geben. Sardinen in der Butter goldgelb braten, herausnehmen und warm stellen.
Die Kartoffelhälften in die Pfanne geben und ebenfalls goldgelb braten. Ggf. weitere Butter hinzufügen. Pfeffern und salzen.
Gefüllte Artischocken:
pro Person 2 kleine, zarte Artischocken
2-3 Knoblauchzehen
1 Bund Petersilie
Zitronensaft
Öl
Pfeffer, Salz
Zuerst das Petersilien-Pistou für die Füllung herstellen. Dafür Petersilie und Knoblauch grob hacken und dann mit etwas Öl zu einer Paste pürieren. Mit Salz, Pfeffer und etwas Zitronensaft abschmecken.
Von den Artischocken die äußeren harten Blätter entferenen. Spitzen der Artischocken großzügig abschneiden. Den Stiel einkürzen und schälen. Artischocken halbieren und das „Gras“ im Inneren sorgfältig entfernen, so dass eine kleine Höhle entsteht. Bis zur weiteren Verwendung in einer Schüssel mit Zitronenwasser bedeckt aufbewahren.
Öl in einer genügend großen Pfanne erhitzen. Artischocken sorgfältig abtrocknen, mit der Schnittseite in das heiße Öl legen und goldgelb braten. Wenden und auch die äußere Seite etwas braten.
Beide Seiten pfeffern und salzen. 100 ml Wasser hinzufügen, den Deckel auf die Pfanne setzen und bei niedriger Temperatur in etwa 20 Minuten weich schmoren lassen.
Ein paar Esslöffel des Artischockenschmorwassers zum Petersilien-Pistou geben und umrühren. Pistou in die Artischocken-Höhlen verteilen und noch einmal pfeffern. Artischocken noch einmal kurz auf beiden Seiten braten.
Spargel:
Pro Person 3-4 Stangen grüner Spargel
1 Stückchen Butter
1 Prise Salz
1 Schuss Apfelsaft oder 1 Prise Zucker
Etwas Zitronensaft
Vom Spargel die trockenen Enden abschneiden. Evtl. schälen. In eine passende Bratform geben. Etwas Wasser, einen Schuss Apfelsaft, einen Spritzer Zitronensaft, Butter und Salz dazugeben und im Ofen knackig dünsten.
Anrichten:
Sardinen, Artischocken, Spargel und Kartoffeln dramatisch auf Tellern arrangieren. Mit flüssiger Butter und Artischocken-Schmorwasser begießen. Mit gehackter Petersilie bestreuen.
Freitag, 1. Mai 2026
Aus der Bochumer Nachbarschaft: Pocket Park im Rahmen des Schlaraffenbandes eröffnet
Einst war das Straßenkarree Hermannshöhe, Kronenstraße, Oskar-Hoffmann-Straße und Unistraße ein floriendendes Industriegebiet südlich der Bochumer Innenstadt, und nachdem seit den 1960er Jahren der Strukturwandel im Ruhrgebiet auch hier für grundlegende Veränderung sorgte, 1981 sogar die Wiege für jene Reihe von legendären Fabrikbesetzungen, mit der die damalige alternative Kulturszene Bochums den städtischen Raum für sich einforderte. Mittlerweile sind die alten Fabrikhallen verschwunden, und die ehemaligen Industrieareale haben sich in z.T. exklusive Wohngebiete verwandelt, an den man die architektonische Entwicklung der letzten dreißig Jahre ablesen kann wie das Wachstum eines Baumes an den Jahresringen seines Stammes. Der schönste und innovativste Bereich ist sicherlich die Krone Bochum eG, ein genossenschftlich und generationenübergreifendes Wohnprojekt, das 2020 bezogen wurde.
Jetzt wurde der letzte „wilde“ Teil des Areals an dem Verbindungsweg zwischen Franz-Vogt- und Oskar-Hoffmann-Straße domestiziert. Die Stadt Bochum entwickelte ihn gemeinsam mit anderen Standorten in der Stadt zu einem sog. „Pocket Park“, einer kleinen grünen Oase für die Nachbarschaft. Der Ernährungsrat Bochum EssBo! sorgte mit Hilfe von engagierten Anwohnerinnen und mit Unterstützung der Bezirksvertretung Mitte dafür, dass der Pocket Park auch zu einem sog. „Naschort“ im Rahmen des „Schlaraffenbandes Ruhr“ wurde. Das ist eine Initiative der Ernährungsräte in Bochum, Essen und Dortmund, die als Bestandteil der Internationalen Gartenausstellung (IGA) Metropole Ruhr 2027 an den Radwegen im Ruhrgebiet Raststellen einrichtet, an denen die Prinzipien der „Essbaren Stadt“ dargestellt werden. In Bochum geschieht das durch eine aus Trockenmauern bestehende Terrassenanlage, in der die Aktivistinnen unter dem schönen Namen „Buddeln & mehr“ essbare Pflanzen angepflanzt haben und ehrenamtlich auch weiter pflegen. Darüberhinaus gibt es Ausruhmöglichkeiten für Radfahrer, die, wenn einmal der Radschnellweg Ruhr hier vorbeiführt, sicherlich gern genutzt werden. Bis dahin ist der Pocket Park ein Verweilort für die Anwohner, dem ein genauso große Akzeptanz wie der Tana-Schanzara-Park ein paar Meter weiter zu wünschen ist. Für den 28. Mai 2026 ist jedenfalls schon ein großes Nachbarschaftsfest geplant.
OB Lukat eröffnet den Pocket Park
Am Vortag des 1. Mais war es dann soweit, der Pocket Park konnte eröffnet werden. Bei herrlichstem Kaiserwetter kam Bochums Oberbürgermeister Jörg Lukat vorbei, um unter reger Teilnahme der Bochumer Nachbarschaft den letzten Thymian in die Terrassenanlage zu pflanzen.
Pocket Park, Franz-Vogt-Straße, Bochum
Weiterführende Informationen:
Schlaraffenband Ruhr klick hier
EssBo Ernährungsrat Bochum klick hier
Krone eG klick hier
Café und Bistro Vincent klick hier
Iulians Wein klick hier
Fräulein Coffea klick hier
Kult[UR]-Bude Zum Philosophen klick hier
Kims Kimchi klick hier
Montag, 27. April 2026
Frühlingslust: Egg Muffins mit Spinat und Feta
So ein Single-Haushalt wie der des Genießers hat an einer Packung Tiefkühl-Blattspinat wahrlich eine Menge zu kauen. Jedenfalls war nach meinem Experiment mit der Bärlauch-Spinat-Blauschimmelkäse-Tarte-Tatin von neulich (klick hier) noch so viel übrig, dass ich eine weitere Spinat-Käse-Kombination ausprobieren konnte. Auf Instgram hatte ich ein auf Englisch verfasstes Rezept gefunden, Spinach and Feta Egg Muffins. Beim Übersetzen(lassen) fiel mir auf, dass ich egg muffin ganz einfach mit dem deutschen Wort Eierkuchen wiedergeben konnte; dann aber, nachdem ich mich entschlossen hatte, das Rezept zu verfeinern und den Spinat ordentlich mit Knoblauch abzuschmecken, was nach meinem Geschmack unbedingt erforderlich ist, dachte ich daran, das ganze italienisch frittata zu nennen. Weil ich die Eierküchlein dann aber in Muffinförmchen buk, blieb ich dann bei der englischen Bezeichnung.
Dass die kleinen Dinger einfach wunderbar schmeckten, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Und für den optischen Gipfel der Appetitlichkeit sorgte wieder einmal das wunderbare Frühlingslicht auf meinem Balkon.
Rezept: Egg Muffins mit Spinat und Feta
Ergibt 6 Stück
6 große Eier
125 ml Tasse Milch
1/2 TL Salz
1/4 TL Pfeffer
250 g frischer oder tiefgekühlter Blattspinat
80 g Feta
1-2 Frühlingszwiebeln
Rapsöl
geriebene Muskatnuss
1-2 Knoblauchzehen.
Backofen auf 180 Grad vorheizen.
6 Muffinformen ausbuttern.
Eier, Milch, Pfeffer und Salz Muskatnuss schaumig rühren.
Frühlingszwiebeln fein würfeln in etwas Rapsöl andünsten. Frischen Spinat dazugeben und zusammenfallen lassen bzw. TK-Spinat darin sanft (ca. 8 Minuten) auftauern lassen. Feta klein würfeln und unter den Spinat rühren, dabei einige Würfel zurückhalten. Mit Pfeffer, Salz, durchgedrücktem Knoblauch und geriebener Muskatnuss würzen.
Spinatmischung gleichmäßig auf die Formen verteilen. Jede Form zu ¾ mit der Eiermischung auffüllen. Restliche Fetawürfel darauf verteilen.
20–25 Minuten goldbraun backen. Evtl. unter dem Grill kurz nachbräunen. Etwas abkühlen lassen, rundum mit einem spitzen Messer lösen und aus dem Formen gleiten lassen.
Weitere Rezepte:
Frittata mit wildem Spargel klick hier
Ratatouillekuchen mit Tomatensauce klick hier
Tomatenmuffins klick hier
Mittwoch, 22. April 2026
Frühlingslust: Bärlauchpfannkuchen mit Lachs-Ziegenfrischkäse-Füllung (vegetarisch)
Seit zwei Monaten bin ich stolzer Besitzer eines Induktionsherds und ganz begeistert. Nur das Pfannkuchenbacken wollte mir nicht so recht gelingen. Doch mit diesem Versuch war ich endlich zufrieden.
Rezept: Bärlauchpfannkuchen mit Lachs-Ziegenfrischkäse-Füllung
Ergibt 6 Pfannkuchen
Je 100 g Weizen- und Buchweizenmehl
50 g frischer Bärlauch
350 ml Milch
3 Eier
1/2 TL Salz
Prise Zucker
Butter zum Ausbacken
Für die Füllung:
100g Ziegenfrischkäse
etwas Milch
6-8 dünne Scheiben Gravad Lachs
Zum Garnieren:
gehackter Dill
Bärlauch in Stücke schneiden und mit der Milch fein pürieren.
Mehl, Eier, Salz und Zucker zufügen und alles mit dem Schneebesen zu einem glatten Teig verrühren. Er sollte ziemlich flüssig sein. Anschließend mindestens eine halbe Stunde, am besten über Nacht, ruhen lassen.
Butter in 1 Zentimeter große Würfel schneiden.
Ein Pfanne auf niedriger Stufe erhitzen und jeweils einen Butterwütfel auslssen. Mit einem Pinsl auf dem ganzen Pfannenboden verteilen. Zwei bis drei Esslöffel Teig in die Pfane geben und so schwenken, dass der ganze Pfanneboden dünn bedeckt ist.
So lange backen, bis die Oberfläche völlig trocken ist. Vorsichtig mit einem Pfannenheber unterschieben und den Pfannkuchen wenden. Noch einem 2-3 Minuten fertig backen.
Auf diese Weise den Teig in sechs bis acht Pfannkuchen verbacken. Warm stellen.
Füllen:
Ziegenfrischkäse mit wenig Milch verdünnen. Evtl. die Dil-Honig-Senf-Sauce, die dem Gravad Lachs beiliegt, darunter mischen. Jeden Pfannkuchen damit betreichen. Daruaf eine Scheieb Gravad Lachs legen. Alles aufrollen und in sushiartige Röllchen schneiden.
Sonntag, 19. April 2026
Frühlingslust: Tarte Tatin mit Bärlauch, Spinat und Blauschimmelkäse
Die spontane Idee beim Osterschmaus 2024, für die Gemüsebeilage Bärlauch und Spinat zu kombinieren (klick hier), hat mich seitdem immer wieder beschäftigt. Als ich neulich die Tartes Tatin mit grünem Spargel zubereitete (klick hier), dachte ich, dass ich mit einer Spinat-Bärlauch-Mischung ebenfalls hervorragend Blätterteig füllen und ohne weitere Form backen könnte. Das gäbe mit Sicherheit hübsche Küchlein, die ebenso rustikal aussehen würden wie die Tartes Tatin mit Spargel. Diese Optik hatte mir schließlich besonders gefallen. Und so machte ich mich ans Werk.
Schönen Bärlauch fand ich an der Gemüsetheke im Biomarkt, frischen Spinat gab es leider nicht. So blieb mir nichts anderes übrig, als auf Tiefkühl-Blattspinat zurückzugreifen, was auch wunderbar funktionierte. Zudem hatte ich noch Frühlingswiebeln aus dem süditalienischen Tropea im Haus, die der Spinat-Bärlauch-Mischung eine ganz besondere Würze verleihen würden.
Zu einer Tarte Tatin gehört natürlich auch, dass die Füllung schön karamellisert. Das wollte ich durch Blauschimmelkäse, genauer gesagt Gorgonzola dolce, erreichen.
Ausstechen des Blätterteigs
Also taute ich einige der quadratischen Scheiben TK-Vollkornblätterteig auf und stach dann mit dem Deckel einer 250-Gramm-Camembertschachtel acht Zentimeter große Kreise aus.
Für die Füllung legte ich mir 1/3 Bärlauch und und 2/3 Spinat zurecht. Vom Bärlauch zwickte ich die Stiele ab und schnitt sie in kleine Stücke, die ich mit einer feingewürfelten Frühlingszwiebel in Rapsöl andünstete. Dazu gab ich den gefrorenen Spinat und ließ ihn auf dem Herd langsam auftauen. Als das geschehen war, gab ich die Bärlauchblätter dazu und ließ sie zusammen fallen. Das Gemüse würzte ich mit Pfeffer, Salz, geriebener Muskatnuss und durchgepresstem Knoblauch, nahm es vom Herd und rührte Gorgonzolawürfel unter. Es schmeckte jetzt schon herrlich, wäre allein schon einen tolle Gmeüsebeilage oder Raviolifüllung gewesen.
Wie bei den Spargel-Tartes-Tatin, legte ich ein Backblech mit Backpapier aus, ölte es leicht ein, verteilte sechs Käsewürfelchen in ensprechendem Abstand darauf und setzte auf jedes ein Häuflein Spinat-Bärlauch-Zubereitung. Darüber stülpte ich einen ausgestochnen Kreis Blatterteig darüber und drückte die Ränder fest an. Dann pinselte ich den Teig mit verschlagenem Ei ein, stach ich mit einer Gabel ein paar Löcher hinein und buk das Ganze bei 180 Grad etwa 20 Minuten.
Leider hatte ich beim Anschwitzen der Zwiebel zu viel Öl verwendet und dann die Spinat-Bärlauch-Mischung nicht genügend ausgedrückt, bevor ich alles weiter verarbeitete, und auch das Öl auf dem Backblech tat sein Übriges dazu: Beim Backen zog sich der Teig zusammen, die Flüssigkeiten verbanden sich mit dem geschmolzenen Käse und alles lief aus. Geschmacklich war das gar nicht schlimm, die fertigen Tartes Tatin schmeckten ganz wunderbar. Nur mit der Karamellisierung des Ganzen hatte es nicht geklappt.
Beim Anrichten auf dem Teller kam ich dann auf die rettende Idee. Ich kratzte einfach den geschmolzenen Käse vom Backpapier, soweit er nicht vebrannt war, und streute ihn als Crunch auf die fertigen Tartes.
Weinbegleitung: Ein gereifter Bordeaux aus dem Keller
Die begeisterten mich nicht weniger als jene mit Spargel von neulich. Das sanfte Knoblaucharoma der Spinat-Barlauch-Mischung und die elegante sahnige Schärfe des Gogonzolas waren einfach überzeugend. Besonders fasziniert war ich von den urwüchsigen Formen der kleinen Törtchen, die entstanden, weil sie ohne Formen gebacken wurden – handgemachtes Essen halt. Die feertigen Tartes knabberte ich so weg, als Begleitung eines gereiften Bordeaux.
Bei der Formulierung des Rezepts unten habe ich versucht, die Fehler mit der zu vielen Flüssigkeit auszugleichen.
Rezept: Tarte Tatin mit Bärlauch, Spinat und Blauschimmelkäse
Ergibt 6 kleine Tartes
6 Scheiben TK-Blätterteig, gern Vollkorn
ca 150 g TK-Blattspinat
ca 50 g Bärlauch
1 dicke Frühlingszwiebel
1-2 Zehen Knoblauch
Pfeffer, Salz
geriebene Musaktnuss
50 g Blauschimmelkäse (ich hatte Gorgonzola dolce)
1 Ei
Backofen auf 180 Grad vorheizen.
Blatterteigscheiben auftauen lassen und 8 Zentimeter große Kreise ausstechen.
Stiele von den Bärlauchblättern zwicken und fein hacken. Frühlingszwiebel in feine Würfel schneiden. In wenig Rapsöl anschwitzen. TK Blattspinat hinzugeben und bei kleiner Flamme ca. 8 Minuten auftauen und etwas köcheln lassen. Immer wieder umrühren.
Bärlauchblätter hinzugeben und zusammenfallen lassen.
Mit Pfeffer, Salz, geriebener Musaktnuss und durchgepresstem Knoblauch würzen.
Blauschimmelkäse würfeln und unterrühren. Sechs Käsewürfel zurückbehalten.
Zurückbehaltene Käsewürfel in 8 Zentimeter Abstand auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Auf jeden Würfel ein gut ausgedrücktes Häufchen Spinat-Bärlauchzubereitung geben und mit einer Scheibe aufgetautem Blätterteig abdecken. Ränder gut andrücken. Mit dem verschlagenen Ei bepinseln und mit einer Gabel Löcher in den Teig stechen.
Bei 180 Grad ca 20 Minuten backen.
Anrichten:
Tartes mit einem Spatel vorsichtig wenden und auf Teller geben. Ggf. ausgelaufenen gebräunten Käse vom Blech kratzen und als Crunch darüber streuen.
Sonntag, 12. April 2026
Frühlingslust: Tarte Tatin vom grünen Spargel. Vegetarisch mit Morcheln oder Orangen. Traditionell mit luftgetrocknetem Schinken.
Eigentlich sind diese Rezepte ein Resteessen. Zu Ostern hatte ich nach langer Zeit mal wieder Pasteis de nata gemacht (klick hier), und da blieben nach dem Ausstechen des tiefgekühlten Fertig-Blätterteigs, den ich diesmal verwendete, einige Reste übrig. Gut verstaut in einer Tupperdose hielten die sich im Kühlschrank erstaunlich gut, und so kam ich auf die Idee, sie aufzubrauchen. Ich hatte nämlich auf Instagram ein Filmchen gesehen, in dem witzige Spargel-Tartes Tatin zubereitet wurden, die nicht rund, sondern spargelstangenlang waren. Das wollte ich nachmachen.
Denn auch die anderen Zutaten waren nach meinem Geschmack. Ebenfalls von Ostern trocknete auch noch ein Bund grüner Spargel im Gemüsefach vor sich hin. Leicht verschrumpelt, wie die Stangen waren, hätten sie auf dem Teller keine bella figura gemacht; verbacken in eine Tarte waren sie aber noch bestens zu genießen. Und dann Honig und Käse von der Ziegenrolle, alles schnell und simpel verarbeitet – was wollte ich mehr.
Das Garen der Spargelstangen unter der Teighaube erinnerte mich zudem an ihre Zubereitung in Alufolie Folie (klick hier) - nur, dass man hier die Ummantelung mitessen konnte.
Im Original werden die fertigen Tartes mit Räucherforelle garniert. Ich nahm mir vor, sie zu vegetarisieren und verwendete zur Abrundung Morcheln und Orangen. Und für Traditionalisten hatte ich auch etwas luftgetrockneten italienischen Schinken im Kühlschrank, aus dem ich kleine Röschen formte.
Heraus kamen drei wunderbare Frühlingsgerichte.
Rezept: Tarte Tatin von Grünem Spargel (Grundrezept)
Zutaten pro Portion:
3-4 Stangen grüner Spargel (geht natürlich auch mit weißem), je nach Dicke
50 g (1 Platte) TK-Blätterteig aufgetaut
Fleur de Sel, gern mit Chili aromatisiert
Pfeffer
Rapsöl
2 TL Honig
4-5 kleine Scheiben Ziegenkäse (Ziegenrolle), 3 Millimeter dick
1 Eigelb
Schnittlauch
Backofen auf 180 Grad vorheizen.
Ein Backblech mit Backpapier belegen.
Grünen Spargel ggf. schälen, weißen auf alle Fälle.
Aufgetauten Blätterteig durchkneten und zu einem dünnen Rechteck ausrollen, das 2 cm länger und breiter ist als die nebeneinender gelegten Spargelstangen.
So lang wie die Spargelstangen sind, eine Spur aus Fleur de Sel und Pfeffer darauf streuen. Rapsöl und Honig darüber träufeln. Die Spargelstangen darauf legen, dann die Ziegenrollenschiben darauf verteilen.
Alles mit Blätterteig bedecken. Die Ränder sorgfältig unter den Spargel schieben. Mit Eigelb bestreichen und den Teig einstechen.
30 Minuten bei 180 Grad backen.
Wenn die Tartes schön braun sind, aus dem Ofen nehmen. Mit einer langen Palette vorsichtig wenden und mit feingeschittenem Schnittlauch garnieren.
Variation mit Morcheln:
Pro Portion 2-3 Morcheln, frisch
Sesamöl
1 TL Sesamkörner
2 TL Butter
2 TL Mehl
Etwas Sahne
Pfeffer, Salz
Spargel-Tarte Tatin zubereiten, aber Sesamöl benutzen.
In der Zwischenzeot frische Morchen halbieren und 8 Minuten blanchieren. Abgießen und das Blanchierwasser aufbewahren.
Aus Mehl und Butter eine Mehlschwitze herstellen, mit Blanchierwasser und Sahne auffüllen und einkochen lassen, bis es nicht mehr nach Mehl schmeckt. Sauce mit Pfeffer und Salz abschmecken.
Morcheln mit ein paar Sesamkörnern in Sesamöl anbraten.
Mit der Sauce auf einem Teller einen Spiegel herstellen. Tarte darauf platzieren und mit den Morchelhälften und Sesammkörnern garnieren.
Variation mit Orangen:
1 Biorange
Spargel-Tarte Tatin herstellen.
Orange in dünne Scheiben schneiden. Scheiben in einer Grillpfanne leicht angrillen.
Tarte mit angegrillte Orangenscheiben garnieren und mit etwas Orangensaft beträufeln. Mit Schnittlauchröllchen garnieren.
Variation mit Schinken:
Aus luftgetrocknetem Schinken kleine Röschen herstellen und damit die Tartes garnieren. Mit Schnittlauchröllchen bestreuen.
























































