Sonntag, 20. September 2026

Hattingen: Bretonische Woche bei Diergardts

Typisch Bretagne: Buchweizen-Galette mit klassischer Füllung

Es war meine Vorliebe für die Jahrgangssardinen in Dosen, und da besonders für die in Butter, die mich veranlasste, Ende Februar Anfang März 2019 auf Einladung von Andrea, einer Musikkollegin meiner verstorbenen Schwester, eine kurze Zeit in ihrem Ferienhaus in der Bretagne zu verbringen (klick hier). Leider war ich damals gesundheitlich nicht so ganz auf dem Damm, um den Aufenthalt wirklich zu genießen, was mir besonders wegen der Mühe, die sich Andrea gemacht hatte, noch heute leid tut. Aber dennoch zog mich die wunderbare Region am Atlantik tief in Ihren Bann. Die keltisch-mythische Landschaft, das fast liebliche Klima an der rauen Küste vor allem die kulinarische Vielfalt der eigenwilligen Region verzauberten mich nachhaltig. Und so freute es mich ungemein, als ich die Ankündigung der „Bretonischen Woche“ bei Diergardts in Hattingen entdeckte. Und bei dem guten Ruf, den das familiäre Gasthaus auszeichnet (klick hier), hatte ich keine Mühe, meine Gourmetfreunde Silke, Torsten und Sabrina aus Dortmund dorthin zu lotsen.

Noch ist der Tisch leer.

Für der Speisekarte dieser Aktion ist es Philipp Diergardt gelungen, zahlreiche bretonische Spezialitäten mit der handwerklich unnachahmlichen, zwischen fein und bodenständig changierenden Kochkunst des Hauses zu verbinden. Es gab natürlich eine Meeresfrüchteplatte und Hummer in Butter mit der Gewürzmischung Kari Gosse, „à l'amoricaine“ zubereiteten Lotte (Amorica nannten die alten Römer die Region), den traditionellen Rochenflügel, Miesmuscheln, Buchweizengalettes und Artischocken, Jahrgangssardinen (allerdings nicht in der Dose serviert, sondern nur als zusätzlichen Umami-Schub zum Tatar), in Cidre geschmortes Schweinefleisch und zum Nachtisch süße Crêpes und Tarte Tatin (selbstverständlich von der Birne). Ich hatte ja die leise Hoffnung gehabt, als Getränk etwas probieren zu können, was ich damals in der Bretagne versäumt hatte, nämlich Bier aus Buchweizen. Doch das gab es nicht, aber wir hatten ja mit Sabrina eine Fachfrau am Tisch, die zielbewusst die passende Getränkebegleitung aus der erlesenen Weinkarte des Hauses aussuchte.



Erst mal einen Aperitif: 
Birnen-Cidre aus der Normandie, Rosé-Sekt aus der Pfalz

Und so wurde es ein wunderbarer Abend. Das „Plateau Fruits de Mer“ und die Vorspeisen kamen in der Mitte auf den Tisch und jeder von uns bekam einen „Räuberteller“, wie Silke es immer so schön nennt, um sich selbst zu bedienen. Von den Hauptgängen bekam jeder seine eigene Portion, aber fürs Probieren wurde natürlich geschwisterlich geteilt.

Gelegentlich habe ich ja mal den Niederrhein als die „Bretagne des Ruhrgebiets“ bezeichnet (klick hier und hier), weil da ja auch ein fantastischer Cidre hergestellt wird, doch nach diesem Schmaus kam ich Versuchung, Hattingen so zu taufen. Aber dann fiel mir ein, dass die „Bretonische Woche“ leider nur eine zeitlich begrenzte Aktion ist.

Bretonische Woche
Diergardts, Hattingen, 18. September 2026
(noch bis 27. September)




Brot mit gesalzener Butter


VORWEG

Plateau Fruits de Mer
Kaisergranat aus Guilvinec, Austern, marinierte Bouchot Muscheln und Sashimi vom Wolfsbarsch „Ike Jime" mit Mayonnaise & Zitrusöl
Die Meeresfrüchteplatte war sozusagen unser Amuse Gueulle. Alle Zutaten waren ungemein frisch und aromatisch und typisch für die Bretagne. Guilvinec ist der größte bertonische Hafen für die handwerkliche Fischerei. Miesmuscheln und Austern sind in der Bretagne sozusagen das täglich Brot. Beim Sashimi kamen wir über den Fisch ins Grübeln: Hering oder Makrele? Ein Blick in die Speisekarte hätte uns belehrt, dass es Wolfsbarsch war. In geangelter Form ist er in der Bretagne eine absolzute Spezialität. Dieser wurde nach der schonenden japanischen Methode „Ikejime“ geschlachtet.




Champagne Emmanuel Brochet
2021 Le Mont Benoît Premier Extra Brut




VORSPEISEN



Galette

mit Gruyère, gekochtem Schinken & Ei
Gruyère, gekochter Schinken und Ei ist eine klassische Füllung für eine bretonische Galette. Diese pikante Version des Crêpe wird vorzugsweise aus Buchweizen hergestellt, sozusagen ein Ntationalprodukt in der Bretagne.



Ganze bretonische Artischocke

„zum Dippen" mit Kräutervinaigrette & Mayonnaise
Das milde Atlantikklima ist ideal für den Anbau von Artischocken. Wir rupften auf traditionelle Art die ein einzelnen Blätter ab und lutschten die schmackhaften weich gekochten Teile davon ab, nachdem wir sie in die dazu gehörigen Dips getaucht hatten. Zum Schluss wurde der köstliche Boden wie eine Torte geteilt.



Tartar vom Limousin Beef
mit gebackener Jahrgangssardine, gezupften Kräutern & Chili-Mayo
Was dieses Tatar bretonisch macht ist die Jahrgangssardine aus der Dose, die paniert und gebacken der ganzen Sache noch einen weiteren Umami-Schub gab.



Rinderschinken Wagyu/Angus Beef mit Oliven
Der wunderbare Schinken zerging auf der Zunge - welch ein Genuss. (Was er allerdings mit der Bretagne zu hat, wollte sich mir nicht erschließen. Mit den Oliven verortete ich ihn eher an die spanische Mittelmeerküste. Aber egal – lecker ist lecker.)




Domaine Bretaudeau / Getigne
2022 Muscadet Gabbro Clos des Bouquinardiéres



HAUPTGÄNGE




Bouchot Miesmuscheln
aus dem Weissweinsud mit Fenchel & Paspierre mit Pommes frites
Nein, das ist kein rheinisches, sondern ein bretonisches Muschelessen. Die Miesmuscheln werden in der Bretagne an Pfählen, den sog. Bouchots, gezüchtet. Der grüne Paspierre, in Deutschland auch Meeresspargel genannt, ist ist ebenfalls typisch bretonisch. Obwohl eine Pflanze, soll er hier wohl die Algenverliebtheit der Bretonen symbolisieren.



Gebratener Rochenflügel
mit Limonen-Kapern-Butter & gegrillte Salatherzen
Die zarten Rochenflügel mit Kapern und Butter sind in der Bretagne ein Spezialität. Leider verschwanden sie auf dem Teller etwas unter den gerillten Salatherzen und Kräutern, waren aber ein Genuss. Dazu gab es Kartoffeln der Sorte La Ratte.



Bretonischer Hummer in Kari Gosse Butter gebraten mit Salat und La Ratte Kartoffeln
Der in bretonischen Gewässern gefangene Hummer gilt als große Spezialität, im Gegensatz zu den häufiger auftauchenden kanadischen. Entsprechend zart war hier das Fleisch. Bretonisch auch die Butter, in der er gebraten wurde. Sie war mit Karo Gosse gewürzt, einer Gewürzmischung, die in der Hafensaft Lorient erfunden wurde.




Kotelette vom Landschwein
mit Roscoff-Zwiebel & Äpfeln in Cidre geschmort
Ein wunderbar zartes Kotelette, wie es auch von bretonischen Landschweinen stammen könnte. Typisch die Schmorzutaten Äpfel, Cidre und die rosa Zwibel aus Roscoff. Dazu gabs in Salzbutter gegartes Wurzelgemüse und Kartoffelpürée.



DESSERTS



Hausgemachte Crêpes mit Salzkaramellsauce und Vanille-Eis
Anders als bei den pikanten Versionen, wird für die süßen bretonischen Crêpes in der Regel Weizenmehl verwendet. Die dünnen Pfannkuchen brachten ein herrlich weiches Gefühl auf die Zunge, die Karamellsauce war ganz typisch aus Salzbutter hergestellt.



„Tarte Tatin" von der Birne mit hausgemachten Crème fraîche Eis
Klassischerweise wird die Tarte Tatin mit Äpfeln hergstellt. Die Vewerndung von Birnen kam mir hier aber mehr als entgegen.

Diergardts Kühler Grund, Hattingen, Am Büchsenschütz 15. Bretonische Woche vom 17. bis zum 27. September 2026. Alle Infos hier.

Sonntag, 13. September 2026

Herbstvergnügen: Hirschragout aus heimischer Jagd mit einem fast zwanzig Jahre alten Frühburgunder von der Ahr


Hatte ich es doch richtig in Erinnerung. Von den Ausflügen, die ich zu Beginn meiner Aktivität als Blogger mit einigen Weinfreunden regelmäßig an die Ahr machte (klick hier), musste ich doch noch einige Restbestände an mitgebrachten Flaschen im Keller haben. Und tatsächlich, als ich neulich das durch die endlosen Renovierungsarbeiten in dem Haus, in dem ich wohne, völlig zugestaubte Refugium wieder einmal betrat, fand ich in den mittlerweile gelichteten Regalen zwei sorgfältig in Seidenpapier eingeschlagene Flaschen Frühburgunder von der Winzergenossenschaft Mayschoss Jahrgang 2007.


Kellerfund


Die Rebsorte Frühburgunder faszinierte mich schon immer, weil sie unter der Bezeichnung „Blauer Frühburgunder“ auf der Passagierliste der Arche des Geschmacks von Slow Food steht (klick hier). Wie der Name schon sagt, ist sie eine früher reifende Variante des Spätburgunders und war bis in die 1960-er Jahre in kühleren Anbaugebieten weit verbreitet, geriet aber dann eher in Vergessenheit, so dass sich Slow Food bemüßigt fühlte, die nötigen Rettungsaktionen einzuleiten. Und die scheinen gelungen zu sein, betrachtet man das reichhaltige Angebot, dass einem gezeigt wird, wenn man das Stichwort Frühburgunder in die Internet-Suchmaschinen eingibt. In letzter Zeit allerdings steht der Frühburgunder durch den Klimawandel wieder unter, wie mir scheint, irreversiblem Druck. Denn er mag aus vielerlei Gründe die Hitze nicht, die jetzt immer mehr in den einstmals kühleren Anbaugebieten vorherrscht.

Eigentlich gilt der Frühburgunder als nicht so lagerfähig wie sein großer Bruder, der Spätburgunder. Und so war ich gespannt, wie mein Schätzchen die 19 Jahre, die es mittlerweile auf dem Buckel hatte, verkraftet hatte. Ich fand, es war wunderbar gealtert. Farblich zwischen Dunkelblau und einem Hauch Schieferrot changierend, britzelten in der Nase Johannisbeeren, Pflaumen und Schokolade, und auf die Zunge legten sich trotz fruchtiger Säure Samt und Seide. Was für ein Kellerfund! (Wie sich die durch meinen Keller neu verlegten, durchaus isolierten Heizungsrohre auf die Lagerung von Weinen auswirken werden, muss sich noch zeigen.)

Zutaten fürs Ragout

Zu diesem Prachtwein gehörte, wie ich fand, ein schönes herbstliches Essen, für das ich durchaus die passenden, exklusiven Reste im Haus hatte. Vor einger Zeit lockte mich das Angebot von Hirschbratwürsten in den Hofladen von Bauer Schulte-Stade, doch leider handelte es sich dabei um vorgebrühte Grillwürste, mit denen ich nichts anfangen konnte. Schließlich wollte ich das frische, gut gewürzte Brät aus der Pelle puhlen, um daraus die Bolognese für eine Hirschlasagne zu machen (klick hier). Um die lange Reise in die immerhin landschaftlich so schöne Ruhrschleife in Hattingen-Winz-Baak nicht umsonst gemacht zu haben, nahm ich einfach ein Kilo Hirschgulasch mit, das ich zu Hause selbst durch den Wolf drehen wollte. Dort überfiel mich aber, wie in letzter Zeit so häufig, eine unwiderstehliche Kochunlust, und so landete das wohlverschweißte Paket erst einmal im Tiefkühlfach.


Tomatensalat "Schwarzer Muck"


Jetzt war endlich die Gelegenheit, passend zum Frühburgunder das Fleisch aus regionaler Jagd zu einem Hirschragout zu verarbeiten, das ich mit Paprika und Orange und andererem (s.u.) aromatiserte. Im Haus hatte ich ebenfalls noch ein paar Pfifferlinge für die Sauce und Tomaten der Sorte „Schwarzer Muck“ (klick hier) als als Beilage. Ob die herb-säuerlichen Tomaten ein passende Begleitung zum Wein waren, könnte man diskutieren. Sie sahen mit ihrer schwarz-grünen Melierung aber spitzenmäßig aus.

Teller 1

Teller 2

Als Saucenträger hätte ich gern Gnocchi oder andere Kartoffelklöße gehabt, aber der Einfachheit nahm ich die Nudeln, die ich noch im Schrank hatte, Casarecce. Für den ersten Teller verteilte ich das Ragout auf den Nudeln und gab eine Nocke Ziegenfrischkäse drauf, was schon ganz gut aussah. Für den zweiten Teller mischte ich jedoch den Ziegenfrischkäse direkt unter die Sauce, so dass sie ein wenig heller wurde. Die Nudeln gab ich auch direkt hinein, so dass sie mit einem goldenen Film überzogen wurden, und garnierte den fertigen Teller mit Parmesanspänen. Schöner kann der goldene Herbst nicht sein. Und besser schmecken auch nicht.


Rezept: Hirschragout aus heimischer Jagd mit Tomatensalat „Schwarzer Muck“

4 Portionen

Hirschragout:
1 kg Hirschgulsch
250 g Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
1 EL Tomatenmark
1 rote Paprikaschote
1 Bio-Orange, Saft und Schale
100 ml Rotwein oder mehr
400 ml Wildfond
geräuchertes Paprikapulver
1 TL Sojasauce
Gewürzsäckchen mit Pfefferkörner, Pimentkörnern, Nelken
Lorbeerblatt
1 Zimtstange
100 g Pfifferlinge, gesäubert
1 EL Ziegenfrischkäse
Salz
Mehl zum Bestäuben
Butterschmalz zum Anbraten

Orange dünn schälen und das Weiße weitgehend von den Schalen entfernen.
Teebeutel mit Pfefferkörner und anderen Gewürzen füllen und zubinden.
Zwiebeln, Knobauch und Paprikaschote klein würfeln.
In einem Bratentopf Butterschmalz erhitzen. Hirschragout trocken tupfen, leicht salzen und portionsweise scharf anbraten. Aus dem Bratentopf nehmen.
Evtl. etwas Fett zufügen. Tomatenmark anrösten. Die Zwiebelwürfel hineingeben, dünn mit Mehl bestäuben und weich dünsten. Knoblauch- und Paprikawürfel und Pfifferlinge dazu geben und mitdünsten. Mit geräuchertem Paprikapulver würzen. Mit Rotwein ablöschen und einkochen lassen. Angebratenes Hirschragout dazu geben, umrühren und mit Wildfond aufgießen. Zum Köcheln bringen.
Orangensaft, Sojasauce, Lorbeerblatt, Gewürzsäckchen, Zimtstange und Orangenschalen dazu geben. Zudecken und ganz sanft 1-2 Stunden köcheln lassen, bis das Fleisch ganz zart ist.
Gewürzsäckchen, Lorbeerblatt, Zimtstange und Orangenschalen, soweit nicht verkocht, entfernen. Ziegenfrischkäse unterrühren.
Mit Pfeffer, Salz und anderen Gewürzen abschmecken.

Rezept: Tomatensalat mit Pfifferlingen:
Tomaten „Schwarzer Muck“ o.a.
Pfifferlinge
Pfeffer, Salz
Olivenöl, Balsamico
Petersilie

Pfifferling in eine Pfanne einige Minuten durchschwenken.
Tomaten in Scheiben schneiden und auf Teller verteilen. Mit Pfifferlingen garnieren. Pfeffern, salzen, und mit Öl und Balsamico beträufeln.

Anrichten:
Weich gekochte Nudeln, hier Casarecce
Ziegenfruschkäse
Parmesan
Petersilie

Gekochte Nudeln mit dem Hirschragout vermischen. Auf Teller verteilen und mit Frischkäsenocken oder Parmesanspänen und Petersilie garnieren. Zusammen mit dem Tomatensalat servieren.

Weitere Rezept für den Goldenen Herbst klick hier

Freitag, 4. September 2026

Herbstvergnügen revisited: Pikanter Zwetschgen-Risotto mit Pfifferlingen und Walnüssen


Eigentlich ist es ja eine Schande, dass ich dieses schöne Herbstgericht vor acht Jahren das erste und bislang auch einzige Mal gemacht habe: Pikanter Zwetschgen-Risotto mit Pfifferlingen und Walnüssen. Ich nehme an, dass es an den den seltenen und deshalb kostbaren Zutaten gelegen hat, die ich damals verabeitete. Ich hatte Zwetschgensaft, Zwetschgenkompott und Zwetschgen Marmelade aus der kleinen Bochumer Manufaktur „im Glas“ bekommen, die es heute leider nicht mehr gibt (klick hier).


Zutaten: Pflaumensaft, Zwetschgen, Walnüsse, Pfifferlinge

So fand ich es endlich an der Zeit, mir das Ganze noch einmal vorzunehmen, nur eben mit Zutaten aus anderen Quellen. Das Kompott bereitete ich einfach selbst zu, denn ich hatte fantastische Zwetschgen auf der Essener Bonnekamphöhe (klick hier) bekommen. Hervorragenden Pflaumensaft bietet die Saftkelterei Van Nahmen in Hamminkeln an (klick hier). Pfifferlinge gab es wie damals schon im Supermarkt meines Vertrauens, und französische Walnüsse und Risottoreis hatte ich sowieso im Haus.

Bei der Zubereitung des fruchtig-erdig-nussigen Soulfoods hielt ich mich weitgehend an das Rezept von damals (klick hier). Doch diesmal konnte ich nicht auf die edlen Fertigprodukte von damals zurück greifen, sondern ich kochte als erstes für die fruchtige Garnitur die frischen Zwetschgen mit etwas Pflaumensaft weich. Dan bereitete ich einen einfachen Risotto zu, den ich mit Zimt, Nelken, Sternanis und einigen Kräutern zwetschgenaffin würzte und dann nach klassischer Art mit Butter und geriebenem Parmesan verfeinerte. Auf den Rotwein für die Farbgebung verzichtete ich diesmal, denn der Pflaumensaft, den ich für das Gericht verwendete, war diesmal naturtrüb und nicht klar. Die Pfifferlinge briet ich parallel in einer Extra-Pfanne zu einem Geröstel an.

Leider ließ ich die Zwetschgen zu lange im Saft köcheln, so dass sie beim Anrichten weitgehend zerfielen. Dem Geschmack tat das keinerlei Abbruch, und auch die purpur-goldene Optik der fertigen Teller war immer noch sehr appetitanregend. Aber die Fotos von vor acht Jahren finde ich immer noch schöner.

Vor acht Jahren

Aktuell

Zu den Rezepten für den Risotto und das Pfifferlingsgeröstel klick hier.

Rezept: Zwetschgenkompott

500 g Zwetschgen
100 ml Pflaumensaft
20 g Zucker
1 Zimtstange
1-2 Gewürznelken
1 Prise Salz
½ TL Speisestärke

Zwetschgen waschen. Der Länge nach aufschneiden un den Stein entfernen.
Mit Zucker, Slaz, Zimtstangen und Nelken in einen Topf geben und Pflaumensaft dazugießen.
Bie kleiner Hitze um 10 Minuten köcheln lassen. Aufpassen, dass die Zwetschgen nicht zu weich werden.
Wenn die Zwetschgen fertig sind, Gewürze entfernen.

Anrichten:
Risotto mit der Hälfte der Pfifferlinge vermischen und auf Teller geben. Mit Zwetschgebnkompott übergießen un den restlichen Pfifferlingen ganieren. Mit gehackter Petersilie bestreuen.

Freitag, 28. August 2026

Gourmetmeilen 2026: „Essen...verwöhnt auf Zollverein“ gestartet

Dass die traditionell letzte große Veranstaltung der alljährlichen Gourmetmeilensaison im Ruhrgebiet nach 16 Jahren plötzlich einen anderen Namen hat, scheint den Besuchern bei der gestrigen Eröffnung kaum aufgefallen zu sein. Hieß die Veranstaltung bislang „Gourmetmeile Metropole Ruhr“, so firmiert sie seit Frühjahr als „Essen...verwöhnt auf Zollverein“. Der Grund dafür ist eigentlich ein trauriger, wie der Genießer meint. „Essen...verwöhnt“ war bislang der Name der legendären Gourmetmeile in der Essener Innenstadt, die in diesem Jahr jedoch abgesagt werden musste (klick hier). Um die Namensrechte daran zu behalten, mussten Veranstalter Rainer Bierwirth und sein Verein „Essen...genießen e.V.“ den eingängigen Slogan jedoch weiter benutzen. Und so bekam die Gourmetmeile auf dem Welterbe Zollverein plötzlich ganz pragmatisch einen neuen Namen.

Essens 1. Bürgermeisterin Julia Jacob und Veranstalter Rainer Bierweirth eröffnen die Gourmetmeile.

Mit der Innenstadt-Meile konnte sich die Schwesterveranstaltung auf dem denkmalgeschützen Zechengelände schon immer messen, und auch in diesem Jahr schafft sie es, dass man den Verlust mühelos verschmerzt. Zwölf zum größten Teil altbewährte Restaurants aus Essen, Bochum, Mülheim und Düsseldorf stehen mit ihren Zelten bereit, die Vielfalt der Gestronomie im Ruhrgebiet abzubilden. Neu dabei ist die Trattoria Momo aus Bochum. Und es ist gelungen, endlich wieder ein Sternerestaurant in den Schatten des Förderturms zu locken – das Restaurant Hannappel.

Coole Musik für eine angenehme Stimmung.

Die Teilnehmer von „Essen...verwöhnt auf Zollverein“ sind angehalten, als Add-on zu ihrem „normalen“ Progarmm auch noch jeweils ein Gourmetgericht und eine Bergmannsgericht anzubieten. So kommte es, dass neben luxuriösen Filet- und Seafood-Gerichten auch vier unterschiedliche Currywurst-Interprationen im Angebot sind. Ich weiß nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Ist das nun Ausdruck einer schwellenlosen demokratischen Esskultur oder die Kapitualtion des Fine Dinings vor dem Street Food?



Der Genießer bei der Arbeit.

Aber lecker ist es ja. So hatte der Genießer Grund genug, gemeinsam mit Silke von der Facebook-Seite „Mein kulinarisches Dortmund“ und seinen Food-Companeros Jochen und Christian aus den entlegendsten Ecken des Ruhrgebiets zu einer Gourmet-Expedition in den Essener Norden aufzubrechen und vor allem das Angebot von Hannappel durchzuchecken. Und weil alles geschwisterlich geteilt wurde, blieb auch noch Platz für das eine oder andere Schmankerl.

Essen...verwöhnt auf Zollverein
27.8.2026

Die Hannappel-Session 

Currywurst
Kartoffelespuma – Wollschweinwurst – Zwiebel
9,50 €
So mag der Bergmann auch Sterneküche. Die obligatorische Currywurst aus bestem Fleisch, stilecht in Stücke geschnitten. Ob mit dem Currywurst-Häcksler oder mit der Allzweckschere, ich weiß es nicht.



Thunfisch
Gazpacho – Jalapeño – Röllchen
12,50 €
Was sich hinter den „Röllchen“ verbarg, erschloss sich uns leider nicht. Aber die grüne klare Essenz bündelte die Gurken-Tomaten-Paprika-Aromen der spanischen Gazpacho mit intensiver Frische und ergänzte die feine Thunfischzubereitung perfekt.



Spätzle
Trüffel – Spinat – Crumble
14,00 €
Um es ehrlich zu sagen, von diesem Gang waren wir enttäuscht. Er kam ungewürzt, laff und ziemlich trocken daher.
 


Hühnerkeule
Petersilienwurzel – Piri Piri – Pak Choi – Mandel
16,50 €
Das saftige Hühnerfleisch, auf den Punkt gegart und pikant abgeschmeckt, war eine überzeugende Vollmahlzeit.



Wagyu Shabu Shabu
Rauchaalöl – Kaviar – Erbse – Hoisin
28,50 €
Eigentlich ist Shabu Shabu ja eine Art japanisches Fondue, bei dem der Gast sich feinstes Rindfleisch in einer edlen Brühe am Tisch selbst gart (klick hier). Hier kam das erstklassige Wagyu-Fliesch bereits fertig zubereitet auf den Teller, begleitet von feinen Beilagen.
 

Himbeere – Hagebuttenblüten – Pfeffer – Granité
Joghurt – weiße Schokolade
10, 50 €
Ein luftig-leichtes Dessert mit überraschender Aromatik.


Was sonst noch reinging



Momo mio Momo
Carpaccio vom Rind
Rucola & Parmesan
8 Euro
Ein wunderbarer Einstieg in die Schlemmer-Tour. Bestes Rindfleisch zum fairen Preis.


La Turka
Orientalische Dattel-Currywurst
Geröstete Mandeln | getrüffelte Stampfkartoffeln
10,- €
Mittlerweile ein Klassiker bei La Turka. Die Sauce ist durch die Datteln schön süß-pikant, die Wurst allerdings eine Brühwurst nach Art der Berliner Currywurst.


Da Vinci
Bohneneintopf nach ital. Art
Mit würziger Salsiccia
10 €
Nein, das ist keine Currywurst in Sauce, sondern italienische Salsiccia in Bohnensuppe. Trifft die Vorstellung eines Bergmannsgerichtes genau.


Gummersbach
Schnitzel von der französischen Entenleber
Schalottenmarmelade, Honigbrot, Apfel
19 € 
Die französische Entenleber ist ein Klassiker bei Gummersbach und macht der Bezeichnung „Gourmetgericht“ alle Ehre.


Bliss
Pulpo Tempura
Teriyaki-Rotkohl, Wasabicreme
8 €

Schon auf dem „Kulinarischen Treff“ in Mülheim überzeugte der Pulpo im feinen Tempurateig, während der Rotkohl irritierte.



Bliss
Duett aus Futomaki und Thunfisch Tataki
12 €
Überzeugende kleine Reise durch Japan aus Rüttenscheid.



Gärtnerei / Fleischerei
Bouillabaisse
Sauce Rouille | Baguette
16 €
Eine etwas dünn geratene Fischsuppe, die aber durch ihre intensive Aromastärke überzeugte. Ganz großartig die Rouille, ein Fest für Safranfreunde.



Hüftgold
Zum Nachtisch allerlei Eis


Coffee Bike
Espresso für vier

„Essen...verwöhnt auf Zollverein“ geht noch bis zum 30. August 2026. Sa und So ab 12 Uhr. Alle Infos zum Musikprogramm und Speisekarten mit Preisen klick hier.